Bürgergeld

Hartz IV soll durch das Bürgergeld ersetzt werden:

Hartz IV heißt bald Bürgergeld – sonst ändert sich nichts? Mitnichten. Das wichtigste sozialpolitische Projekt der Ampelkoalition beinhaltet mehr als nur eine Namensänderung. Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Die Ausgangslage
Das unter Kanzler Gerhard Schröder 2005 eingeführte Arbeitslosengeld II (Hartz IV) ist nicht nur in die Jahre gekommen – es gilt schon länger als reformbedürftig. Vor allem die SPD setzte sich zum Ziel, das alte Hartz-IV-System zu „überwinden“. Für die Partei ist das Bürgergeld auch ein Versuch der Aussöhnung mit den Gewerkschaften. Der Gesetzentwurf kommt von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), die FDP äußerte lange Vorbehalte gegen Teile der Reform. Nun hat das Kabinett die Pläne gebilligt. Im nächsten Schritt wird der Entwurf im Bundestag beraten. Geht alles glatt, soll das Bürgergeld zum 1. Januar 2023 in Kraft treten. Die Änderungen betreffen knapp fünf Millionen Leistungsbezieherinnen und -bezieher sowie 405 Jobcenter mit fast 75.000 Beschäftigten.

Mehr Geld
Der Regelsatz für einen alleinstehenden Erwachsenen soll am 1. Januar 2023 um 53 Euro von 449 Euro auf 502 Euro steigen. Künftig soll im Voraus statt im Nachhinein die Inflation bei der jährlichen Anpassung der Regelsätze berücksichtigt werden. Lebenspartner oder -partnerinnen sollen 451 Euro (bisher 404 Euro) bekommen, Kinder im Alter von 14 bis 17 Jahren 420 Euro (bisher 376 Euro). Für 6- bis 13-Jährige steigt der Satz auf 348 Euro (bisher 311 Euro) und für Kleinkinder bis fünf Jahre auf 318 Euro (bisher 285 Euro).

Zwei Jahre Schonfrist
Bürgergeld-Bezieherinnen und Bezieher sollen in den ersten beiden Jahren in ihrer Wohnung bleiben können, auch wenn sie eigentlich zu groß ist. Ebenso werden in der Schonfrist Ersparnisse bis 60.000 Euro nicht angerechnet, für jede weitere Person im Haushalt sind es 30.000 Euro. Damit wird eine Regelung aus den Corona-Jahren übernommen. Die früheren Hartz-IV-Regeln waren strenger.

Ersparnisse
Das auf Dauer gewährte Schonvermögen wird erhöht und die Überprüfung vereinfacht. Künftig bleiben Ersparnisse bis zu 15.000 Euro pro Person geschützt, bisher sind es 150 Euro pro Lebensjahr – bei einer 40-jährigen Person beispielsweise also 6000 Euro. Verbesserungen gibt es auch bei der privaten Altersvorsorge, bei selbst bewohnten Immobilien und beim eigenen Auto.

Sanktionen
Im ersten halben Jahr des Bürgergeld-Bezugs (Vertrauenszeit) soll es keine Sanktionen geben – außer bei hartnäckigen Terminversäumnissen. Anschließend kann das Bürgergeld bei Pflichtverletzungen um bis zu 30 Prozent gekürzt werden. Die früheren schärferen Sanktionen für Unter-25-Jährige werden endgültig abgeschafft. Wohnung und Heizung müssen weiter bezahlt werden. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2019 Kürzungen von mehr als 30 Prozent für unzulässig erklärt. Die früheren, härteren Hartz-IV-Sanktionen sind derzeit bis zur Neuregelung ausgesetzt.

Jobvermittlung
Der bisherige Vermittlungsvorrang soll fallen. Leistungsbeziehende müssen nicht mehr jeden Job annehmen, sofern eine Aus- oder Weiterbildung sinnvoller erscheint, um ihre Job-Chancen zu verbessern. Es gibt ein monatliches Weiterbildungsgeld von 150 Euro und weiterhin Prämien für Abschlüsse. Die bisher bis 2024 befristete mehrjährige Förderung von Langzeitarbeitslosen für die Rückkehr in einen regulären Job („Sozialer Arbeitsmarkt“) wird entfristet.

Hinzuverdienst/ Ehrenamt
Wer oberhalb der Minijob-Grenze (künftig 520 Euro) bis zu 1000 Euro hinzuverdient, soll 30 statt 20 Prozent der Einkünfte behalten können. Schüler, Studierende und Auszubildende können bis zu 520 Euro statt 100 Euro hinzuverdienen. Wer ein Ehrenamt hat, soll von der Aufwandsentschädigung mehr behalten können.

Bürokratie
Es wird eine Bagatellgrenze von 50 Euro für die Rückforderungen der Jobcenter eingeführt. Die Abmeldung beim Jobcenter für Abwesenheiten vom Wohnort soll unkomplizierter werden. Vereinfachungen gibt es auch beim Mutterschaftsgeld und für Leistungsbezieher, die eine Reha machen.

Stichworte aus der Debatte sind wohl

  • Sanktionen bringen eh nichts vs. ohne Sanktionen suchen sich auch viele nichts
  • Die Überwachung kostet mehr als sie bringt
  • Arbeit lohnt sich nicht mehr, wer zuhause bleibt bekommt das Gleiche/mehr

Was meint ihr?

74 Gedanken zu “Bürgergeld

  1. Bürgergeld-Bezieherinnen und Bezieher sollen in den ersten beiden Jahren in ihrer Wohnung bleiben können,

    Aus Bayern kam neulich die Meldung, dass irgendein Bürgermeister wollte, dass Bürger Migranten in ihre Wohnungen aufnehmen, da sich keine Unterkünfte mehr finden ließen #wirhabenPlatz.

    Es ist inzwischen fast unmöglich eine Wohnung zu finden.

    • „Bürgergeld-Bezieherinnen und Bezieher sollen in den ersten beiden Jahren in ihrer Wohnung bleiben können…
      Es ist inzwischen fast unmöglich eine Wohnung zu finden.“

      Für das Vorhaben des „Great Reset“ in 2030 entwickeln sich die dafür benötigten „Bausteine“ ausgesprochen konsequent und „im Zeitraahmen“.
      Verteure die Energiekosten für mittelständische Privatleute und Industrie bis zu der mit Zahlungsunfähigkeit einhergehenden „Pausierung“ (Insolvenz), und Du findest dankbare Abnehmer für das schmackhaft vorgesehene „Bürgergeld“.
      Zusammen mit dem für jedermann einzig verfügbaren und verbindlichen Zentralbankkonto, nur mit ID-Chip zugänglich, wird die Abhängigkeit und die Erbringungs-Notwendigkeit von absolutem Gehorsam perfekt…

      „2030 werden Sie nichts besitzen, aber vollständig glücklich sein…“

      • „Für das Vorhaben des „Great Reset“ in 2030“

        Dass so etwas geplant oder auch nur bereitwillig in Kauf genommen würde, ist eine Idee, die an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten ist! Soll wohl die Idiotie mit der alles gegen die Wand gefahren wird, halbwegs erträglich machen, nebst klarem Sündenbock. Wenn es denn nur Leute gäbe, die wissen was sie tun! Nein, sie wissen es offensichtlich nicht und das ist das Problem!

        • geplant oder auch nur bereitwillig in Kauf genommen

          Doch. Es wird in Kauf genommen und sogar betrieben. Wenn auch nicht zentral gesteuert im Sinne einer Verschwörungstheorie.
          Denn nur im Mangel sind Menschen adäquat dankbar für staatliche Almosen. Und sie sind bereit Gegenleistungen zu erbringen. Ihre Selbstbestimmung, Freiheit und Eigenverantwortung abzugeben, um an die staatliche Tränke geführt zu werden.

          Und zwar für die Gerechtigkeit, für die Umwelt, für den Frieden – und was ihnen noch alles als hehre Ziele vermittelt wird.

          Wir Deutsche stellen dabei die Speerspitze der Premium-Volldeppen dar mit unseren hypermoralisierten Weltverbesserungsträumen gemischt mit German Angst. Wie wir uns von allen Energiequellen verabschieden, uns in Zügen die Luft zum Atmen nehmen lassen und uns immer wieder auf Impfstraßen anstellen. Folgsamer geht nicht.

          Dieses Blut hat die Politik seit der Finanzkrise und in voller Blüte dann unter Corona geleckt. Sie übernehmen die Steuerung der Menschen – und ganzer Kulturkreise. Und zwar bis ins Intimste.

          Sie bestimmen genau, welchem Bürger was zusteht. Nein, sie deckeln nicht die Energiekosten, sondern sie verteilen Geldbeträge gezielt an Personengruppen. Eindeutiger kann doch gar nicht sichtbar werden, wo der Zug hinfährt.

          Meanwhile wird im Hintergrund ein Vermögensregister erstellt mit Hilfe von Zensus, Grundsteuerreform und BigData. Datenschutz wird ausgeschlichen und die Übermittlung des Privatesten per Warn- oder Rabatt-App und Smart Citizen Wallets attraktiv gemacht.

          Die Menschen machen das mit, weil für sie Freiheit keinen Wert mehr darstellt. Freiheit ist nur noch eine hohle Floskel.

          Selbst wenn das alles nicht stimmen sollte und es sich nur um die Gier von Eliten und die Blödheit der anderen handeln sollte – selbst dann ist es sehr verwunderlich, dass diesen wirklich realistischen Befürchtungen nicht entgegnet wird. Mit klaren Signalen für Freiheit, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.
          Aber da herrscht im neuartigen umfassenden Paternalismus nur Stille. Maßnahmen und Regeln übertönen alles.

  2. Das sind gute Änderungen. Die automatische Inflationsanpassung würde ich mir bei vielen anderen Dingen ebenfalls wünschen. Z. B. Bei Steuersätzen oder Bafög.
    Ebenso ist eine Neubewertung der Zuverdienste sinnvoll. Mann kann nicht einerseits sagen „Leistung soll sich lohnen“ und andererseits den Menschen das Geld wieder wegnehmen, wenn sie leisten. Sonst bleiben sie lieber daheim.

    • Frage ist inwieweit sich das dann für normale Arbeitnehmer lohnt.

      Ich meine keine Spitzenverdiener sondern normale Arbeitnehmer mit dreijähriger Ausbildung.

      • Wohngeld, Heizkostenzuschuss etc. : auch der normale/geringverdienende Arbeitnehmer kann ja staatliche Hilfen beziehen (mit Kindern nochmal mehr). Müsst man sich halt drum kümmern (ja, ist ätzend… deshalb vermeidet mensch das auch, solang es geht. BGE wär einfacher… und gerechter, weil es nunmal jeden erreichte. Auch Selbstständige – die mir persönlich auch beim Bürgergeld wieder wie die am meisten Gekniffenen vorkommen).

          • das beantwortet ja trotzdem nicht die Frage, wie man
            a) das Geld dafür bekommt
            b) welche Auswirkungen ein hohes BGE auf den Arbeitsmarkt hat und damit wieder auf die „Einnahmeseite“ des Staates.

            Es hängen ja auch noch andere Faktoren daran: Wer zahlt zB die Krankenkasse? Was ist mit Rentenbeiträgen? Was mit den anderen Sozialabgaben wie Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung? Lohnen sich Teilzeitjobs und Minijobs dann noch oder muss man die umstrukturieren?

          • @semikolon

            Was genau ist denn die Frage?
            Ich vermute mal sie meint, dass ja für alles, unter anderem auch Militär Geld da ist und man gewisse andere Quellen, wie übergewinne ja noch nicht mal nutzt, da wird man ja wohl ein Bürgergeld finanzieren können oder etwas in der Art.

            Aber das ist ja eine Milchmädchenrechnung. Der Bedarf wäre enorm, er hätte zudem auch enorme Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die man gar nicht einpreisen kann.

            Hier aber zB mal eine Rechnung:

            https://taz.de/Bedingungsloses-Grundeinkommen/!5813944/#:~:text=Das%20verlangt%20nach%20einem%20monatlichen,Kindern%203.784%20Euro%20im%20Monat.

            Die Befürworter des BGE argumentieren, dass man das bedingungslose Grundeinkommen finanzieren könne durch die Abschaffung aller Sozialausgaben und der damit verbundenen Verwaltungskosten. Das ist aber nur sehr eingeschränkt möglich: Viele Positionen des Sozialbudgets können gar nicht berechnet werden. Das betrifft die private Altersvorsorge, die betriebliche Altersvorsorge und die Lohnfortzahlungen durch die Arbeitgeber. Und die Kosten der gesetzlichen und privaten Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Beihilfe für Beamte fallen weiterhin an und können nicht zur Finanzierung des BGE verwendet werden, ebenso wenig wie die Renten- und Pensionszahlungen. Hier handelt es sich um Ansprüche mit eigentumsrechtlichem Charakter.

            Berücksichtigt man diese Aspekte, so stehen einem jährlichen Finanzierungsbedarf von über 1 Billion Euro nur Einsparungen von 232 Milliarden Euro gegenüber. Um die Lücke zu schließen, müsste die Quote von Steuern und Abgaben von derzeit etwa 41 Prozent auf 67 Prozent ansteigen. Diese Überschlagsrechnung klammert allerdings aus, dass die Menschen ihr Verhalten ändern würden, wenn die Abgaben steigen – sie würden vermutlich weniger arbeiten, was die Einnahmen aus der Einkommensteuer drückt.

          • @Semikolon

            „Wer hat wann 100 Milliarden für die Bundeswehr „erwirtschaftet“? “

            Die, die Vollzeit wertschöpfend arbeiten und Steuern zahlen, sowie die Unternehmer, die dafür sorgen, dass es solche Arbeitsplätze gibt.

            „Wer genau „erwirtschaftet“ Übergewinne für Mineralölkonzerne?“

            Die, die Vollzeit bei den Mineralölkonzernen wertschöpfend arbeiten und Steuern zahlen, sowie die Unternehmer, die dafür sorgen, dass es solche Arbeitsplätze gibt.

            „Warum genau bekommen Mütter, die Fachkräfte erwirtschaften, weder Lohn noch 9€ Ticket?“

            Weil die zusammen mit den Müttern veranschlagt werden, die lediglich Sozialschmarotzer und Leute auf Halbtagspositionen ohne Wertschöpfung „erwirtschaften“, welche heute schon weit mehr aus der Staatskasse rausnehmen als einzahlen.

            Und jetzt du: Wie soll das alles funktionieren, wenn unterm Strich bei wertschöpfender Arbeit nicht mehr übrig bleibt als mit BGE? Wer arbeitet dann noch und zahlt Steuern ein, statt sich auf 10 Stunden Luschenjob in der Woche zu beschränken?

          • Ist Dir womöglich entgangen, Christian, aber wir sind echt nicht mehr weit weg:

            „Zentrale Ergebnisse des Sozialberichts 2021 sind:
            Der Umfang der Sozialleistungen ist deutlich gestiegen: Insgesamt wurden 1,1 Billionen Euro für Sozialleistungen ausgegeben (plus 74,1 Mrd. Euro bzw. 7,1 % im Jahresvergleich 2019/2020).“

            https://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Meldungen/2021/bundeskabinett-verabschiedet-sozialbericht-2021.html

            Problem: die Bürokratiekosten stecken da halt auch mit drin… (please correct me if I’m wrong)

          • Wieviel dieser 1,1 Billionen fallen denn deiner Meinung nach weg durch das BGE?

            Die Krankenversicherung und die Rente etc müssen ja weiterhin gezahlt werden. Deine 1,1 Billionen werden nicht ersetzt, sie kommen (mit gewissen Einschränkungen) dazu, aber ohne das zwangsläufig das gleiche in die Systeme eingezahlt wird, was wieder ein Defizit auslöst

            Und auch die ganzen Beamten in verschiedenen Behörden die man dann evtl nicht mehr benötigt wird man nicht einfach entlassen können….

          • @semikolon

            Du hast weder die Antworten, noch das ökonomische Einmaleins verstanden.

            Was glaubst du, was „Wertschöpfung“ bedeutet?

          • So wie ichs gern hätte?

            Es wäre kürzer aufzuzählen, was bliebe 😁:
            Kranken-, Pflege- & Unfallversicherung (allerdings mit sehr viel geringer anzusetzenden, nötigen Zuschüssen, vorallem bei der Pflege), Entschädigungssyteme (sag ich aber nur, weil ich keinen blassen Dunst hab, was konkret sich dahinter verbirgt^^) und ein Teil Kinder- & Jugendhilfe.

            Rente kann man imho voll einsparen (auf die Einheitsrente wurde bereits die Generation meiner Eltern eingestimmt)

            „Und auch die ganzen Beamten in verschiedenen Behörden die man dann evtl nicht mehr benötigt wird man nicht einfach entlassen können….“

            Aber wieso sollte man das nicht können… wenn sie doch in weiten Teilen überflüssig sind?

            Wir üben das jetzt (hoffentlich!) mal ansatzweise bei den unzähligen Richtern, die wir nur aufgrund der Hartz-Gesetzgebung benötigten, und dann, ja, meine Idee (wie bereits in der Vergangenheit erwähnt): diese freigestellten Beamten dürften sich in einer Übergangszeit von ein paar Monaten Konzepte überlegen, wie sie der Gemeinschaft nun fortan dienen wollten, die sie den Bürgern zur Abstimmung stellten. Und so sich genügend (Definitionssache, klar) fänden, die einem Vorschlag zustimmten, könnten sie dem halt nachgehen (mit um das BGE reduziertem Lohn).

            „Deine 1,1 Billionen werden nicht ersetzt, sie kommen (mit gewissen Einschränkungen) dazu“

            Bei B&T bspw. frisst der Verwaltungsapparat schlappe 2/3 des Budgets, und das wird wohl keine Ausnahme sein.

            Es wäre mir ein inneres Blumenpflücken, den Rotstift ansetzen zu dürfen (also auch bei Abschreibungsmöglichkeiten, Beitragsbemessungsgrenze usw. usf.).
            Das machte ich sogar ehrenamtlich 🤓

          • „Rente kann man imho voll einsparen (auf die Einheitsrente wurde bereits die Generation meiner Eltern eingestimmt)“

            Und jetzt rate mal, warum es die bis heute nicht gibt!!!

            Ich helf dir auf die Sprünge: weil es asozial ist. Die Rentenniveaus sind ja eh schon eine zunehmende Sauerei, aber jedem, egal wie viel er gepuckelt und was er sich aufgebaut hat, bei Renteneintritt nur noch ein pauschales BGE zukommen zu lassen, das ist nicht vermittelbar und erst recht ein weiterer Anreiz, das ganze Leben auf der faulen Haut zu verbringen. Warum soll man ein Leben lang arbeiten, wenn man im Alter dasselbe kriegt, wie der stinkfaule Sozialparasit von nebenan? Wie werden es wohl Leute finden, beim Renteneintritt ihren Lebensstandard radikal runterfahren zu müssen, weil sie ab dann etliche hundert Euro weniger bekommen, als ihnen nach klassischer Rentenkalkulation zugestanden hätte?

            Und komm mir nicht mit “ es kann ja jeder selbst zurücklegen, was er an staatlichen Rentenabzügen einspart“. Das füttert am Ende nur den privaten Versicherungssektor und wie super der das mit den Renten hinkriegt, das kann man seit etwa zwanzig Jahren sehr gut beobachten…

          • Über 80 % der jetztigen Rentner bekommen unter 1500 € (Frauen im Schnitt etwas über 850, Männer 1200), aber das Niveau wird absehbar nicht zu halten sein.

            „Warum soll man ein Leben lang arbeiten“

            Weil diese Arbeit entweder bezahlt wird, oder man sie (selbst unbezahlt) machen will.

          • Du sprachst unten von 1800 € Brutto (bei Steuerklasse 1, nehm ich an)
            Da müsstest Du aber doch schon echt günstig gewohnt haben, dass da überhaupt kein Anspruch bestand?

          • Es ist ein paar Jahre her, also irgendwann gegen Ende der 2010er

            Ja habe sehr günstig gewohnt

            Freunde mit Hartz 4 hatten teilweise Wohnungen mit 80 m² weil halt nix anderes frei war. Nur ein Zimmer war den Leuten auch zu klein sehen sie nicht ein.

            Kosten mit arbeitsweg hatten die keine.

            Bei mir hieß es da, das könne man ja steuerlich geltend machen- ja bei dem Verdienst ist da viel zu machen, das weiß ja jeder. Bei Wohnung hieß es auch klar, wenn nicht geht, muss ich was billigeren suchen. Wäre mein Problem.

            Ich sage klar, da fühlt man sich verarscht, wenn man arbeitet.

            Ähnliches wie meiner Freundin, die konnte sich trotz Vollzeit vor knapp 2 Jahren eine kleine Wohnung mit einem Zimmer leisten. Geschlafen wurde auf dem Sofa.

            Und nein ich habe mit 1200 netto nicht in saus und Braus gelebt und auf hohem Niveau gejammert. Wenn su noch Kosten als AN rein rechnest wie zur Arbeit fahren oder Kleidung, ist es eben knapp.

            Die Arbeitgeber schert sowas auch nicht. Die sagen sowas ost nicht ihre Sache oder denken man könnte für 300 Euro warm wohnen.

            Klar geht alles, viele Arbeitslose leben aber besser.

  3. Das Schonvermögen wird von derzeit 60 k auf dann 15 k reduziert.
    Den armen Leuten frech die Ersparnisse fürs Alter aus der Tasche ziehen, nichts anderes ist das.

    • Besser wäre es, wenn man wählen könnte sein Geld in eine vernünftige(!!) Altersvorsorge stecken zu können, z.B. in Wertpapiere und diese dann erst zu Renteneintritt wieder freigegeben wurden.
      Dann müsste man das Geld nicht stumpf verkonsumieren, hätte für das Alter vorgesorgt und der Staat muss ggf. im Alter weniger zuschießen.
      Leider sind die staatlich unterstützten Altersvorsorgemodelle alle scheiße.

  4. Ein „Recht auf Arbeit“ würde mir besser gefallen und fände ich fairer, sofern ein ordentlicher Stundenmindestlohn gezahlt wird und man auch Teilzeit arbeiten könnte. Alles andere bleibt immer eine Gratwanderung aus bürokratischer Gängelung und Faulenzerei. Gerade bei destruktiven linksextremen Charakteren, wie Andreas Kemper, ärgert es mich, dass die auf Stütze leben und ihre Freiheit dann dazu benutzen, die Hand anzukläffen, die sie füttert. Die Vorstellung, dass der den Müll am Straßenrand einsammelt, finde ich definitiv besser, als den Status Quo 🙂

    • +1. Musst halt aufpassen, dass das keine echten Jobs zerstört. In China darfst Du zB Blumen am Autobahnrand pflanzen. Ist nutzlos, aber hübsch.

      Zudem gibt es genug Jobs. _Noch_. Die wandern gerade alle aus.

        • Ich verstehe deine Polemik nicht.

          Macht „Pappkarton entknittern“ Sinn, etwa aus Recyclinggründen? Dann ist dagegen nichts einzuwenden. Oder glaubst du, der Papierschubser im Unternehmen oder der Müllmann finden „Erfüllung“ in ihren Jobs? Oder gar der Hartzer, der den Tag vor dem Fernseher verbringt und sich ausgesondert und nutzlos vorkommt?

          Solche Argumentationslinien werden meistens von Leuten vorgebracht, die sich gut damit eingerichtet haben, von der Arbeit anderer zu leben. Genau das muss aber ein Ende haben, insbesondere wenn die sozial problematische Migration so weiter geht, wie bisher. Wenn man das Problem nicht vernünftig angeht, landet man irgendwann auf südamerikanischem Niveau: keine (ausreichende) Hilfe und kein Recht auf Arbeit, stattdessen hohe Kriminalität.

          • „Macht „Pappkarton entknittern“ Sinn, etwa aus Recyclinggründen? “

            Nein, geknitterte Kartons sehen nicht so schön aus wie entknitterte. Also werden sie entknitterte.

            „Oder glaubst du, der Papierschubser im Unternehmen oder der Müllmann finden „Erfüllung“ in ihren Jobs?“

            Einige ja. Ich kenne auch Putzkräfte die voll in ihrem Job aufgehen. Aber: Der Unterschied ist für mich ob der Job notwendig bzw. echt wertschöpfend ist oder nicht. Manche Jobs sind scheiße, müssen aber gemacht werden.

            Wenn du erstmal die Jobs verteilst und dir später überlegst wohin mit den ganzen Arbeitskräften kann nichts vernünftiges bei rauskommen. Dann dient das lediglich dazu, stumpf Leute beschäftigt zu halten.

            „Solche Argumentationslinien werden meistens von Leuten vorgebracht, die sich gut damit eingerichtet haben, von der Arbeit anderer zu leben.“

            Ich lebe von meiner eigenenArbeit. Leute brauchen Geld zum Leben und Leute wollen eine sinnvolle(!!) Beschäftigung.

            Zwangsbeschäftigung in einem künstlich erschaffenen Markt ohne Wertschöpfung halte ich nicht für sinnvoll sondern für ideologiegetrieben.
            Wenn die Arbeiten einen Sinn erfüllen, wie z.B. zur Ausbildung mag das anders sein, aber Arbeit schaffen um Arbeit zu schaffen halte ich für Wahnsinn.

          • @Slain

            „Wenn du erstmal die Jobs verteilst und dir später überlegst wohin mit den ganzen Arbeitskräften kann nichts vernünftiges bei rauskommen. Dann dient das lediglich dazu, stumpf Leute beschäftigt zu halten.“

            Du kannst absolut sicher sein, dass mehr als genug sinnvolle Arbeiten zu tun sind, auch für gering Qualifizierte. Alles was z.B. die Kommune sonst an Privatfirmen beauftragen müsste, könnte potentiell von solchen Arbeitskräften erledigt werden.

            In der Vergangenheit wurden solche „Verlagerungen“ eben mit der Begründung unterbunden, es würden Jobs in der Privatwirtschaft vernichtet. Ein Blödsinnsargument, wenn die Privatwirtschaft in diesem Fall sowieso von Staatsknete abhängig ist. Aber das führte halt dann dazu, dass es überhaupt kein sinnvolles Betätigungsgebiet mehr gab, weil die Privatwirtschaft einfach ALLES abdeckt, wenn man ihr Geld gibt, also entstanden sinnlos-ABMs die man dann irgendwann auch wieder abschaffte.

            Der aktuellste Blödsinn ist ja, dass man Billig-Jobs in der Privatwirtschaft mit Aufstockerei fördert, d.h. man gibt das Geld dem Unternehmer, damit er jemanden beschäftigt. DAS verzerrt dann allerdings tatsächlich den Markt und führt zu Mitnahmeeffekten, davon abgesehen hat der Steuerzahler davon gar nichts.

          • @Semikolon

            Vermutllich verdient sie das Geld über ihren youtube-Kanal…?

            Ein bisschen im Müll anderer Leute herumwühlen und die Wohnkatastrophe herumzeigen, bringt schon Einschaltquote, gibts ja im TV auch.

          • Mittlerweile dürfte das (youtube & tik tok, inkl. darüber gefundene Sponsoren) ihre Haupteinnahmequelle sein, denke ich auch, aber sie macht das wirklich immer schon leidenschaftlich… beruflich, so richtig mit Ausbildung, ursprünglich in der Reinigungsfirma ihrer Mutter.

            Sagt, sie konnte sich nie was Anderes vorstellen, Saubermachen ist das, was sie liebt. Und dabei gilt: the dirtier the better 😁

            Die Jobs bei Leuten oder Firmen, die sie „normalerweise“ am häufigsten ausführt(e), boten ihr allerdings meistens nicht dieses (für sie) befriedigende Erlebnis – und wenn sie mit (wie gesagt: fürstlicher) Bezahlung in so nen Messie-Haushalt gerufen wird, ist es ja schon „zu spät“ für den/die Bewohner:in (Zwangsräumung oder Todesfall).

            Die medialen Plattformen gaben ihr erst die Chance, im Leben psychisch kranker Personen (gar nicht selten mit schlimmem Schicksal) wirklich etwas zum Positiven zu verändern.

            Ihren Partner hat sie übrigens auch dadurch kennengelernt, dass er ne Putze suchte (beim Einstellungsgespräch kletterte sie auf die Arbeitspatte und strich mitm Finger über die Oberschränke, was ihn wohl etwas irritierte^^) – heutzutage steht er ihr bei manchen gefilmten Einsätzen zur Seite.

            Wirklich: sie hat ne Wahnsinns-Energie.
            Ziemlich ansteckend, wenn man gerad keinen Bock hat oder gar sich überwältigt fühlt von seinem eigenen, kleinen Chaos.
            ❤️

      • Die Frage ist ja, wie man das umsetzt, darüber denke ich schon eine Weile nach.

        Insbesondere muss man Missbrauch von beiden Seiten ausschließen. Das Argument mit den „echten Jobs“ halte ich für vorgeschoben. Was bitte ist ein „echter Job“?

        Klar scheint mir zu sein:

        1) Die Wirtschaft sollte am Rande der Vollbeschäftigung gehalten werden, gerade so, dass die Inflation noch moderat ist. Das ist (in nicht Krisensituationen) durchaus möglich, setzt aber voraus, dass Geld gedruckt wird (=der Staat sich bei der Zentralbank verschuldet) mindestens um Abwärtsdellen auszugleichen. Dieses Geld sollte nie einfach so verteilt werden, sondern immer möglichst nutzbringend investiert, etwa in Subventionen für den Ausbau der Strominfrastruktur, in Schulen usw.
        Es stellt sich allerdings die Frage der Überwachung, da Politiker chronisch unfähig und korrupt sind.

        2) Für Leute die nicht oder nur eingeschränkt arbeiten können (stark behindert etc., mit kleinen Kinder) muss es immer Sonderregelungen geben.

        3) Für schwierig zu vermittelnde Fälle, die sich bewusst dummstellen, die kein Deutsch sprechen (oder so tun), die gern Ärger machen, muss es robustere Angebote geben, die entsprechend der Probleme sensibler gemanaged sind, als in der normalen Wirtschaft üblich. Die können dann auch vollüberwacht sein, um bei Konflikten schnell den Verursacher benennen zu können. Trotzdem sollten die Jobs einen Nutzen haben, zur Inflationsminimierung und auch um den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie etwas beitragen. Aber auch hier gilt:

        4) Alle Angebote sind freiwillig. Wer partout nicht unterkommen will, hat halt dann kein Geld. Was nicht ausschließt, dass man Notunterkünfte und Suppenküchen als Notanker behält, etwa für Drogenabhängige, auch um die Menschen noch irgendwie zu erreichen und ihnen Hilfsangebote machen zu können.

        So in etwa. Oder wo seht ihr Probleme?

        Es geht mir vor allem darum, die empfundene Gerechtigkeitslücke auszumerzen. Die unterminiert den Leistungswillen und lockt ausgerechnet die Leute an, die man partout in einer Gesellschaft nicht gebrauchen kann. Alimentierung ist immer auch psychologisch sehr problematisch.

        • Staatliche Investitionen in Infrastruktur sind völlig ok bzw. gehören zu den eher guten Lösungen um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. I
          Investition ankurbeln = gut
          Konsum ankurbeln = schlecht

          Aber damit kriegst du die unqualifizierten nicht in Beschäftigung. Das hat mit einem Recht auf Arbeit für alle halt noch 0 zu tun.

          Was Du hier schreibst geht ja in Richtung des jetzigen Systems, nur mit Kürzung auf 0, falls man keinen Job kriegt/will.

          • „Aber damit kriegst du die unqualifizierten nicht in Beschäftigung.“

            Jobs für gering Qualifizierte entstehen dabei immer auch einige. Jede Einrichtung braucht etwa ein Putzteam etc.

            „Was Du hier schreibst geht ja in Richtung des jetzigen Systems, nur mit Kürzung auf 0, falls man keinen Job kriegt/will.“

            Nur falls man keinen will, denn dafür, dass genügend Angebot da ist, wird eben gesorgt (daher „Recht auf“).

            Für die „Unqualifizierten“ (zusätzlich sinnvolle Qualifizierungsmaßnahmen anzubieten, kann auch nichts schaden) ist eben Punkt 4 gedacht. Diese Maßnahmen lägen dann außerhalb der Privatwirtschaft und würden ausschließlich Arbeit an öffentlichen Gütern sein. Das kann von „Müll aufsammeln“ bis zu einfacheren handwerklichen Tätigkeiten gehen. Ich bin absolut sicher, dass davon in jeder Stadt mehr anfällt, als erledigt werden kann und die Bürger hätten was davon.

        • Und Du traust Dir selbst & Deinen Nächsten nicht zu, ohne Zwang bzw. eine übergeordnete, bürokratische und durch Gewalt/Machtmittel wie Geld legitimatisierte Instanz das zu tun, was getan werden muss?

          • Danke Für für deinen Kommentar.

            Man könnte sich sicher ein paar nette (aber nicht unbedingt notwendige) Jobs aus den Rippen schneiden, aber im Endeffekt ist es Almosen und ein sich ausdenken von Beschäftigung.
            Das führt zu stumpfen, ineffizienten Arbeiten ohne Bedeutung.
            Gut bezahlen dürfte man sie auch nicht, denn dann wollen die Leute evtl. lieber diese Jobs machen als echte Jobs die einen Mehrwert schaffen.

          • @semikolon

            du hast wirklich noch nie von der „Tragedy of the Commons“ gehört?

            Geld ist übrigens kein Machtmittel, sondern ein Austarierungsmittel.

            An economy exists to make tradeoffs and a market economy makes the terms of those tradeoffs plain by attaching a price tag

          • *seufz*

            Du scheinst ja gerade auf Kommunismus 2.0 zu schwören, auf das BGE. Ein Bauernfängerwitz, der nur von Leuten vorgeschlagen wird, die weder die menschliche Psychologie, noch das Geldsystem noch die arbeitsteilige Organisation der Notwendigkeiten einer Industriegesellschaft verstanden haben.

            Ich mag aber jetzt nicht übers BGE reden, weil das erfahrungsgemäß die Diskussion vollkommen sprengt, schon weil es da x verschiedene Modelle gibt und man idR erstmal die monetären Grundlagen aufrollen muss, um sich darüber klar zu werden, über was man da diskutiert und welche Folgen es sehr wahrscheinlich haben wird.

            @Christian: könntest du bei Gelegenheit vielleicht einen BGE-Thread aufmachen? Spannend ist das Thema ja durchaus. Vielleicht hat Semikolon Lust auf einen Gastartikel, der das BGE bewirbt, dann hätte man eine Vorlage, an der man sich abarbeiten kann.

          • Nein, es gibt immer „Free Rider“ die Leistungen in Anspruch nehmen und im Gegenzug nicht gewillt sind, zur Finanzierung von Leistungen für andere beizutragen.

          • Der Mensch ist halt einfach so gestrickt, dass er in der Regel mit minimalen Aufwand maximales Ergebnis erzielen will. Und eigentlich ist das sehr gut so. Das nenne ich einen Motor der Innovation. Und ausnahmslos in jedem System wird es Teilnehmer geben, die mehr rausholen als sie einbringen. Problematisch für das System wird es, wenn es zu viele dieser Teilnehmer gibt.

          • „Problematisch für das System wird es, wenn es zu viele dieser Teilnehmer gibt.“

            Problematisch wird es, wenn das System dem systematisch Vorschub gibt und Unproduktivität belohnt.

  5. Ich bin da gespalten.
    Das mit dem Schonvermögen finde ich gut da früher die Menschen die fürs Alter vorgesorgt haben und in eine Notlage kamen erst Ihre Altersvorsorge aufbrauchen mussten um von der Gemeinschaft geholfen zu bekommen, während andere die nicht vorgesorgt haben sondern Ihr Geld für Konsum ausgegeben haben direkt geholfen wurde.

    Bei der erhöhung bin ich komplett gegen die Anhebung der Sätze da es für Ungelernte mit Familie immer unrentabler wird zu arbeiten. Der Staat sollte die Steuern auf Energie, Lebensmittel, Medikamente senken und die Freibeträge erhöhen, die Sozialsysteme reformieren damit mehr Netto vom Brutto bleibt dann wäre der Anreiz zu arbeiten höher.

  6. Mit Verve in den Staatsbankrott.

    Macht aber nichts. Wenn der Staat insolvent ist, dann zahlt er eben eine Weile nicht. Er braucht ein wenig Zeit, die Untertanen zu enteignen, um wieder liquide zu werden.

      • Es wäre nur dumm, wenn die Vermögenswerte der Untertanen, die der Staat im Blick hat um seine Insolvenz zu heilen, in einen defaltionären Abwärtsstudel gerissen würden….. wie Immobilien und Grundstücke, deren augenblickliche Werte sicherlich als viel zu hoch angesehen werden müssen, in einem Land ohne zuverlässige Energieversorung und von mittelalterlichen antirationalen Weltuntergangsspinnern regiert…..

    • Das Bürgergeld ist das letzte Hurra des Sozialstaates. Das gibts ein paar Jahre bis die Inflation dafür sorge trägt, dass man sich davon nichts mehr kaufen kann und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der EU an die Realität anpassen. Die 50 Euro mehr auf 500 sind nächstes Jahr direkt 50 euro weniger wert, wenns bei den schöngerecchneten 10% Inflation bleibt. Also dann wohl nächstes Jahr direkt wieder 60 Euro mehr als Inflationsausgleich? Ob die schwarze Null so haltbar ist?:D
      Ich bin jedenfalls gespannt, was sie machen, wenn langsam klar wird, dass das Bürgergeld zwar sanktionsfrei ist, sie sich davon aber nichts mehr leisten können.
      Und dann ist da natürlich noch die ganze Thematik mit den Nebenkosten, dass sich wohl ab 2023 arbeiten unter 1800 netto nicht mehr wirklich lohnen wird, wenn man genauso gut schwarz verdienen kann (stellen gibts ja genug) und die NK der Staat übernimmt, weil der Vermieter darauf pochen wird, weil dem der Versorger im Nacken sitzen wird.

      • Wenn ich mir überlege, dass uch bis vor kurzem 1800 brutto hatte und das mit Ausbildung. Der Betrieb hat das auch bislang nicht geändert was ich höre ( jetzt wohl wegen Mindestlohn).

  7. Als nächstes werden diese Leute dann in der Ernte im deindustrialiserten Öko-Deutschland eingesetzt. Lohn ist dann ein Eimer Gemüse, den man sich mitnehmen darf.

  8. Einige Änderungen wie die Erhöhungen des Schonvermögens, der Ersparnisse und den Inflationsausgleich sehe ich als inhaltliche Verbesserungen ggü H4 an. Aber insgesamt habe ich mir nach dem kompletten Durchlesen, die Frage gestellt: Wofür soll ich da noch eine Arbeitsstelle suchen und mich im Zweifelsfall nicht in die soziale Hängematte fallen lassen? Bürgergeld und Midijob könnten für eine gewisse Zeit zumindest ausreichen.

    • Und absolut konkurrenzlos gut für einen, der schwarz arbeitet.

      Statt „Bürgergeld“ könnte man auch „Putzhilfensubvention“ sagen. Die werden ja von fast allen Mitgliedern der „besseren Gesellschaft“ angestellt, natürlich unter der Hand und daher preiswert.

      • Genau. Wobei die dann mit der Dienstleistung/Produktion und dem erhöhten Einkommen ja durch Konsum noch etwas zur Wertschöpfung beitragen würden. Endeffekt dürfte aber trotzdem sein, das sich dann die Sockelarbeitslosigkeit noch weiter verfestigt. Was nicht sinnvoll ist.

        • Leider ist Konsum keine Wertschöpfung, sondern das Gegenteil, eine Wertsenke. (Na, gut, dafür ist jede Wertschöpfung ultimativ da). Das Umverteilen schadet also auch der Wertschöpfung, indem es die unproduktiven Bereiche der Gesellschaft belohnt (für die politische Stimme, es ist ja ein Stimmenkauf, also Korruption).

  9. Das Problem sind die hohen Sozialabgaben. Und mit denen wird dieses „Bürgergeld“ bezahlt….

    Die Löhne in Deutschland sind nur deshalb so niedrig, weil wir diesen wahnwitzigen Sozialstaat haben.

    Die ignoranten Demagogen von der SPD interessieren sich nur für ihre Macht, die sie über die Menschen haben, alles gottgleich verteilen zu können. Für diese ist das „Gerechtigkeit“ oder „Demokratie“. So gesehen müssen sie in einem Putin auch einen „lupenreinen Demokraten“ sehen, nur folgerichtig, was ihr grosser Chef Gas-Gerd da sagte.

    • Die Politiker ziehen dir 1000€ aus derlinken Tasche, schleusen es durch dieVerwaltungsbürkoratie und stecken dir dann wieder 500€ in die rechte Tasche und lassen sich dafür als sozialer Wohltäter feiern der die armen Unterstützt.

    • Es gibt auch Länder mit schlechterem Sozialstaat und niedrigeren Lohnen und besserem Sozialstaat und höheren Lohnen.

      Der Kommentar von dem Hammacher hat etwas von „ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt“…

      Ja, einige Leute haben Jobs mit nicht so tollen Löhnen. Und denen sollen wir jetzt bessere Löhne hinzaubern? Wie? Wovon? Oder sollen wir niedrigqualifizierte Jobs verbieten, damit wir keinen mehr haben der wenig verdient?

  10. Richtig so. Dass es Bürgergeld heißt.
    Jetzt legen wir Männer uns einfach auf die faule Haut und zack schon sind viele Arbeitsplätze frei, wo die Mädels dann weiter an einem Gendergap herumzetern, in ihre anscheinend gar nicht so sehr begehrten Führungspositionen aufsteigen, Steuern zahlen und sich auch sonst ganz ungestört auf dem Arbeitsmarkt austoben können.

    Schluß also mit der Diskriminierung von Frauen, den gläsernen Decken, Männerbünden und dem GPG. Her mit dem Bürgergeld nur für Männer.

  11. Ist es nicht ein überaus böses Omen, dass dieses ganze Sozialstaatssystem HatzIV/Bürgergeld von dem Verräterkanzler stammt, der Deutschland in die fatale Abhängigkeit von Putins Russland geführt hat?!

    Die Gasabhängigkeit, die mit der Gefahr des Klimawandels als alternativlos hingestellt werden konnte, demontiert die deutsche Demokratie genauso übel wie demnächst die fürstliche Entlohnung von ökonomischer Leistungsverweigerung …..

    Sieht nach gewollter Sabotage aus. Will die SPD Deutschland kaputtmachen, um es in die Arme eines imperialistischen Russlands zu treiben?????? Erscheint mir immer mehr so.

  12. Ich weiß das es diesen Prof. das erste Video, dass ich mir mal angeschaut habe. Er erzählt ein bißchen warum Sozialsystem sinnvoll sind und eben auch das diese dafür gedacht sind, Leute aufzufangen und unverschuldet in eine Notlage gekommen sind.

    Das Bürgergeld bietet seiner Meinung nach nun Fehlanreize, die Leute dazu motivieren sich als unverschuldet schwach darzustellen, um dieses soziale Sicherheitsnetz in Anspruch nehmen zu können, für das die anderen arbeiten und zahlen.
    Sobald der Unterschied zwischen dem was man bekommt wenn man arbeitet und dem was man bekommt wenn man nicht arbeitet, zu gering oder sogar negativ ist, werden die Trittbrettfahrer dominieren. Die Trittbrettfahrer werden das ganze System dann zerstören, sofern sie nicht sanktioniert werden. Weil ohne diese Sanktionen bricht die ganze Kooperation zusammen.

    Hartz IV wird s.M.n. als herzlos dargestellt, weil es viel Bürokratie gibt, viele Checklisten und viele Leute die versuchen diese Bürokratie auszutricksen, was zu mehr Bürokratie führt, die dann auch diejenigen zu spüren bekommen, die nicht versuchen zu tricksen.

    Er geht dann auf die Neuerungen ein, was bei Hartz IV falsch läuft, was beim Bürgergeld besser ist und was nicht funktionieren wird und er macht dann auch Vorschläge wie man es besser macht.

  13. Das ist eine ganz typische story, tät ich meinen.

    Die Bezieher dieses „Bürgergelds“ werden vermutlich stark wachsen demnächst, vor allem durch die exorbitanten Energiepreise.

    Na hoffentlich kommt möglichst schnell eine umfassende Staatspleite und setzt der ganzen shitshow ein Ende.

    • Auffallend viele sind total lebensfremd und scheinen nicht einmal zu ahnen, dass es Schwarzarbeit gibt:

      Nein, die stellen sich bestimmt nur doof. Die wollen den Kapitalismus kaputtmachen, also unsere Demokratie.

  14. Wegen Bürgergeld will Handwerker kündigen: „So muss ich nicht bis 67 arbeiten“

    https://www.focus.de/finanzen/news/so-denken-user-ueber-das-buergergeld-buergergeld-fuer-niedriglohnsektor-ein-schlag-ins-gesicht_id_149616915.html

    „„Wenn dann noch der Abstand zu den fleißig Arbeitenden marginal wird, wie soll dann ein Arbeitsmarkt, bei dem es in fast jeder Branche an Arbeitskräften mangelt, belebt werden?“ Er meint, dass das Bürgergeld eher das Gegenteil bewirken und der Fachkräftemangel weiter zunehmen wird.“

    Na klar, was denn sonst.

    Der Politik ist es egal, die wollen nur die totale Macht über die Gesellschaft und dann ist es umso besser, wenn es ihr schlecht geht, das bringt politische Zustimmung für die radikalen und kapitalismusfeindlichen Grünen und SPD.

  15. Dass das Amt die Miete zahlt ist nebenbei auch eine versteckte Subvention der Vermieter. Das Risiko eine Wohnung zu vermieten wird dadurch vermindert, die Mieten geben nicht nach sondern bleiben hoch – die Ämter zahlen’s ja.

  16. Buch-Empfehlung: „Ausgesetzt zur Existenz“; Franz Sternbald

    *

    Un-Eigentlich Arbeiten und Ent-Fremdung

    Begegnen sich zwei Menschen zum ersten Male, lautet die erste Frage nicht etwa, „wer sind Sie?“, sondern „was (oder gar ‚in was’) machen Sie so?“. „Was machen die Geschäfte?“, meint die Frage „Wie geht’s Ihnen?“
    Es widerspricht aber der Würde des Menschen, ausgerechnet die betriebsame Ameise als erstrebenswerte Existenzform zum Vorbild gesetzt zu bekommen. Dennoch zieht die abendländische Sozial-Ethik diesen Vergleich allzu leichtfertig heran („sieh die Ameise, in ihrem Fleiße…“).
    Mit einiger Verachtung für diesen Vergleich hat sich einmal Lew Tolstoj geäußert. Er soll an dieser Stelle einmal mit seinen Worten zitiert werden:
    „Man sagt, daß die Arbeit den Menschen gut macht, ich habe aber immer das Entgegengesetzte beobachtet. Die Arbeit und der Stolz auf sie, macht nicht nur die Ameise, sondern auch den Menschen grausam. Es konnte in der Fabel ja nur die Ameise, ein Wesen, das des Verstandes und des Strebens nach dem Guten entbehrt, die Arbeit für eine Tugend halten, und sich damit brüsten. Die Arbeit ist nicht nur keine Tugend, sondern in unserer falsch organisierten Gesellschaft zumeist ein Mittel, das sittliche Empfinden zu ertöten ….
    alle haben keine Zeit, keine Zeit, zur Besinnung zu kommen, in sich zu gehen, über sich und die Welt nachzudenken, und sich zu fragen:
    was tue ich? Wozu?“

    Wer einen Teil seiner Lebenszeit der Erziehung von Kindern im Sinne Rousseaus „Emile“ widmete, für seine Handreichungen keinen anderen Lohn als Anerkennung verlangte, wer weder gekauft, noch verkauft hat, sondern allein getauscht und geschenkt, somit keine amtlich anerkannte Erwerbsbiographie nachweisen kann, gilt als tätig ‚faul‘.
    Denn Arbeit gilt als disziplinierende Strafe, oder, wie schon in der griechischen Antike der unwürdige Teil der ‚Banausoi‘?! Der alttestamentarischen Überlieferung gemäß ist sie gar ein Fluch! Erst mit den Jüngern des Zimmermannsohnes Jesus gelangen die Werktätigen zu ihrer eigentlichen Würde – nachdem sie durch Jesus ihrem Werk zunächst entfremdet worden waren.
    Im Begriff der Entfremdung im Sinne einer Ent-Fremdung hatte von Beginn an zweierlei Bedeutung gelegen. Zum Einen den Abzug aus dem eingeübten Nützlichkeitsschema für den ‚pyramidalen’ Betrieb in der Gesellschaft, und zum Anderen überhaupt erst die Aufhebung der Fremdheit der eigenen Existenz gegenüber. Mit dem Übergang von der Un-Eigentlichkeit zum Eigentlichen Ex-sistieren, läuft der ideengeschichtliche Faden, zwar auf verwundenen Wegen, aber dennoch ununterbrochen von Christus bis zu Kierkegaard, Nietzsche und Heidegger.
    Die zeitgeistliche Aushöhlung der urchristlichen Botschaft durch die Hirten über einer Herde von unmündigen Schafen, wurde indes beantwortet durch die Formulierung einer säkular sozialistischen Heilsbotschaft. Die potentiell zerstörerische Energie der metaphysisch Entwurzelten, und auf die physis reduzierte Massen (deren Eigenschaften Schwere und Trägheit sind) galt es nun für die Interessen der illuminierten, im Herrschaftswissen eingeweihten, Adepten zu kanalisieren. In einer Verbindung von Arbeit und Kampf entstand mit der Gründung der internationalen Arbeiterbewegung (1864), eine Entsprechung der ideologischen Verknüpfung von Kapital und Militarismus. Im Marsch der „Internationale“ wurde der Takt vorgegeben, der sich sowohl für die Demonstration auf der Straße, als auch für die Arbeit am Fließband eignet. Eine Parallele dazu stellte in vorindustrieller Zeit der zornige Gesang der Baumwollpfücker dar, die unter dem mißbilligenden Blick ihres Herren die Arbeit umso energischer verrichteten. Im kollektiven Aufbegehren liegt stets auch ein disziplinierendes Element, sich als Klasse zu formieren, die ihre Ehre aus dem Fleiß ableitet. Als Widerstand gegen die ausbeuterischen Verhältnisse angelegt, bestätigte die “Internationale“ nichts desto weniger die Zuweisung des künftigen Platzes innerhalb der nunmehr industriellen ‚Pyramide’. Aus dem Haufen, der, nach der Messung an fabrikgemäßen Effizienzkriterien, undisziplinierter Handwerksgesellen vom Lande wurde die individuell gesichtslose Arbeiterschaft geschmiedet, die Pünktlichkeit und Fleiß als ‚deutsche’ Tugend etabliert hat.
    Viel näher jedoch am ‚deutschen Wesen’ rührt aber vielmehr die Verehrung der ‚Meisterschaft’, wie sie im Geiste des Genies (=magus/Magier; Magister) zu seiner ethischen Höhe gelangt. Nie ist bloßer Ertrag und Blendung der Zweck des Meisterwerks, sondern das Streben nach der Idealität, die der Meister seines Werks in Holz oder Stein oder Metall, in Bild oder Ton, oder sei es nur eines Gedankens, anstrebt. In seinem Werk ringt der ‚Meister’ um die Verwirklichung seiner selbst; die schicksalshaft bejahende Tat ist sein ureigenster Ausdruck. Das Meisterwerk ist um nichts geringer als die Übereinkunft im „Einzigen und sein Eigentum“ (vgl. Max Stirner). Daher lautet die Erfordernis für würdige Tätigkeitsformen, den Menschen grundgesichert freizustellen zur Selbstverfügung über die Bestimmung zu seinem eigenen Werk.
    Die Bedienung des Weltmarktes ist aber nur mit Allerweltsprodukten möglich, die zu Werkbedingungen hergestellt werden, die unter den Zumutungen des globalen Marktes flexibel gehalten werden müssen. Im rationalisierten, also zerstückelten, und digital planbaren Werkprozeß, fragmentiert und verflüchtigt sich zuletzt das schöpferische Element. Im industriellen Mahlwerk gibt es keinen Ort, an dem eigentlich Arbeit verrichtet wird, wenn man diesen Begriff nicht mit dem würdelosen Sklavendienst gleichsetzen möchte, der es zumeist ist. Da die menschliche Würde wesentlich unteilbar an das Individuum geknüpft ist, verbietet es sich in diesem Zusammenhang von einer Leistungs-Ethik zu sprechen, wo nichts anderes als eine Sklavenmoral vorherrscht. Eine vollwertige Ethik weist auf ein Ideal der Vollständigkeit des Menschlichen hin, und es gibt keinerlei Hinweis darauf, daß es für die Industriegesellschaft überhaupt eine solche Ethik geben kann, allenfalls eine disziplinierende Moral, die es zu überwinden gilt. Die Voraussetzung dafür ist die Würdigung der individuellen Professionalität, das Gestattetsein von Außerordentlichkeit, die sich nicht mit einer sozialistischen Nivellierung und Ertragsmaximierung durch den Massenauswurf vereinbaren läßt.
    Ein arbeitsethischer Rückzug auf die Wertigkeiten der neurotischen ‚Pünktlichkeit’ und der saturierten ‚Höflichkeit’ bedeutet den endgültigen Verzicht auf eine kulturstiftende Ethik, und eine Beschränkung auf den geordneten Abgang in die Alternativlosigkeit eines plutokratischen Nihilismus.
    Nunmehr werden jedoch wohl die Wenigsten von uns noch die handwerkliche Tätigkeit von eigener Hand kennen, denn inzwischen hat der tertiäre Sektor den Agrar- und Industriesektor längst überwuchert. In der Dienstleistungsgesellschaft werden die Umsätze durch das sinnfreie Rauf- und Runterladen bedeutungsloser Datenpakete, durch das Wischen und Abwinken von App-Icons auf dem Display, durch Spielen und Bespieltwerden erzielt.
    Daß sich mit Gaming-Programmlizenzen mehr verdienen läßt als durch werkpraktische Fachkompetenzen unterliegt diesbezüglich einer konsequenten Folgerichtigkeit.

    Was sich jedoch gegenwärtig als handwerkliche ‚Craft’-Bewegung in Szene setzt, ist eine Aneignung von Konsum-Nischen mit den Distinktionsmerkmalen der ‚Kritik’. Diese holen sich allerdings ihre Rechtfertigung auf eben denselben Markt, der sogar die ironische Distanz sich selbst gegenüber zuläßt, um sie wiederum zum einträglichen Geschäft werden zu lassen. ‚Craft-Beer’ und ‚crafted Coffee’, neben dem ‚Barber-Shop’ im Ambiente urtümlich roher Ästhetik, erschließt einen zahlungskräftigen Kundenstamm, der nichts mehr fürchtet, als dem Mainstream zugeordnet zu werden. Er formiert sich dennoch willig unter den Gesetzen des Marktes zu einer berechenbaren Quelle des steigenden Umsatzes. Der Bezug des Schaffenden zu seinem Werk darf zeitgemäß jedoch nicht bis zur ‚Eigentlichkeit’ gesteigert erscheinen, sondern bedarf der ‚uneigentlichen’ Distanz. Am Beispiel der Servierkraft in einem craft-café, zeigt sich das frisch gestärkte Holzfällerhemd ohne Schweißflecke, und damit als evidenter Beleg für unsere These. Wäre die Tätigkeit inniger mit der Subjektivität des Meisters verbunden, stellte sich unabdingbar eine sperrige Unverfügbarkeit gegenüber den Ideologien des Marktes ein.
    Die Frucht des ‚Eigentlichen’ am Werk ist der Schöpferstolz, seine Platzierung auf dem Markt ist das wesentlich ‚Uneigentliche’.
    Der Silbenvorsatz eines erdigen craft-Begriffes als Trendfloskel des ‚Neuen Sozialen Marktes’ auf der Basis prekärer Ich-AGs, bezeichnet daher zuverlässig eben gerade kein Faktisches sondern nur etwas Signifikantes, Zeichenhaftes mit dem Verweis auf etwas das nicht Ist (non-est).
    Eine stärkere Würdigung der individuellen Leistung widerspräche der protestantischen Ethik des emsig arbeitsteiligen Ameisen-Staates. Nach der sozialistischen Lehre ziemt sich der individuelle Werkstolz nicht, vielmehr lernt der Arbeiter beizeiten seine Würde durch die Arbeitsteilung zugunsten eines höheren Zweckes, als wohin sein Einfluß reicht, abzugeben. So befinden sich das Personal und die Kunden in der zeitgemäßen Craft-Werkstätte in einem solch unausgesprochenen Einvernehmen, wie es die Schauspieler auf der Bühne mit dem Publikum, während der Darbietung eines Stückes, sind. Sie befinden sich miteinander nicht in einer Existenzial-Beziehung, sondern im Dienstverhältnis einer virtuellen Inszenierung.
    In der virtuellen Wertstellung durch das Geld erhält der gesamte Arbeitsprozeß wiederum erst seine höhere Weihe, wie die Materie durch den Geist. Darin liegt auch die Verehrung des Geldes begründet – und die Unwürdigkeit, dafür zu arbeiten.

    *

    „ Ausgesetzt zur Existenz “ – warum der Mensch ein Schicksal ist
    – vom Ausgang aus der unverschuldeten Absurdität –
    Franz Sternbald
    Verlag BoD – D-Norderstedt

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