Der junge Häuptling Winnetou und verletzte Gefühle

Anscheinend gibt es einen Kinderfilm über den jungen Häuptling Winnetou, hier mal der Trailer:

Das Winnetou da einen weiteren Blutsbruder vor Old Shatterhand hat, darüber könnte ich eine gewisse Aufregung ja noch verstehen. Aber anscheinend gefällt den Woken das Konzept grundsätzlicher nicht.
Sie haben deswegen anscheinend zu den Büchern zum Film einen gewissen Shitstorm veranstaltet:

Der Ravensburger Verlag hat nach „vielen negativen Rückmeldungen“ zu zwei Jugendbüchern zum Filmstart von „Der junge Häuptling Winnetou“ die Titel zurückgezogen. Grund dafür: Heftige Vorwürfe aus dem Netz, wonach der Karl-May-Stoff „kolonialistische“ und „rassistische“ Vorurteile schüre und ein Fall von unerwünschter „kultureller Aneignung“ sei. Auch die seit Anfang August zu sehende Kino-Version ist hoch umstritten.

Kolonialistische? Zählt die USA als eine Kolonie? Kulturelle Aneignung ist auch in dem Zusammenhang wieder so ein Müll. Anscheinend dürfen dann nur Leute, die von Indianern abstammen (oder gar nur von den Apatschen?) entsprechende Bücher schreiben?

„Die Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) hatte die Winnetou-Fortschreibung als „besonders wertvoll“ eingestuft, gegen den erbitterten Widerstand einiger Jury-Mitglieder, wie auf der Homepage zu lesen war: „Nach Sichtung des Films zeigte sich in der sehr langen Diskussion, dass in der Gesamtbewertung des Films die Jury absolut gespalten war – zwischen vehementer Ablehnung einerseits und großer Zustimmung andererseits. Dies zeigt sich dann auch in der Abstimmung für oder gegen die Erteilung eines Prädikates.“

Ein Film, in dem zwei junge Menschen über alle Nationalitäten und Kulturen hinweg Freunde werden und entdecken, dass sie sich auf einander verlassen können – pfui wie kann man so etwas nur auf eine Leinwand bringen.

 

Der FilmFernsehFonds Bayern hatte die Produktion mit der Höchstsumme unterstützt, 950.000 Euro, und zur Begründung geschrieben: „Der Abenteuerfilm ‚Der junge Häuptling Winnetou‘ ist die Adaption des Musiktheaterstücks ‚Kleiner Häuptling Winnetou‘: Während sich der 12-jährige Häuptlingssohn Winnetou selbst bereits als großer Krieger sieht, ist sein Vater Intschu-Tschuna der Meinung, sein Sohn müsse noch viel lernen. Als das Ausbleiben der Büffel das Indianervolk bedroht, ergreift Winnetou die Chance, sich seinem Vater gegenüber zu beweisen. Zusammen mit dem Waisenjungen Tom begibt er sich auf ein gefährliches Abenteuer, um das Volk der Apachen zu retten.“

Wenn sie wenigstens Nscho-tschi genommen hätten, die alleine durch das Erlegen der Büffel den Stamm rettet, aber so….

Vom Ravensburger Verlag hieß es per Instagram: „Wir haben heute entschieden, die Auslieferung der Titel zu stoppen und sie aus dem Programm zu nehmen. Wir danken Euch für Eure Kritik. Euer Feedback hat uns deutlich gezeigt, dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben. Das war nie unsere Absicht und das ist auch nicht mit unseren Ravensburger Werten zu vereinbaren. Wir entschuldigen uns dafür ausdrücklich.“

Die ganzen Mescalero-Apatschen in Deutschland waren entsetzt! Wie konnte man ihnen das antun und den größten Helden der Mescalero-Apatschen, den es in Deutschland gibt den Kindern wieder bekannter machen?

(…)

Die „Schwäbische Zeitung“ hatte darüber berichtet, dass der Verlag rund 180 kritische Kommentare für seine Werbung erhalten hatte: „Was soll dieses Buch? Es reproduziert rassistische Stereotype, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben“, schrieb eine Nutzerin. Andere hielten die Titel für „schädlich“ und sprachen von einer „Romantisierung von Völkermord“. Verlags-Sprecher Heinrich Hüntelmann wurde mit dem Satz zitiert: „Die Entscheidung, die Winnetou-Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben hier ganz klar einen Fehler gemacht. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Auslieferung der Titel zu stoppen und sie aus dem Programm zu nehmen.“

Was genau waren da eurer Meinung nach die rassistischen Stereotype? Und „Romantisierung von Völkermord“? Geht es da nicht eine Stufe kleiner?

 

Auf Twitter entbrannte unweigerlich eine heftige, teils aber auch ironische Debatte, befeuert von einer Schlagzeile der BILD-Zeitung, die mal wieder „Woke-Wahnsinn“ witterte. “

Wenn vor Winnetou die ganzen woken Krawallbrüder stehen würden und er hätte die Silberbüchse in der Hand würde er nicht auf die schießen sondern ihnen freundlich erklären, dass Manitou auch Spinner liebt. Das ist Karl May“,

so ein Kommentator. Ein anderer schrieb: „Im nächsten Winnetou-Film dürfen sicher auch nur noch Amerikaner die Cowboys spielen.“

Sich darüber lustig zu machen ist in der Tat der beste Weg.

 

(…)

In der Filmbewertungsstelle hatten Jury-Mitglieder sich gegen die „inhaltliche sowie die filmisch gestalterische Form“ des am 11. August gestarteten „Jungen Häuptling Winnetou“ (Regie Mike Marzuk) ausgesprochen, der vom Studio Babelsberg koproduziert worden war: „Nach ihrer Meinung ist es in unserer Zeit nicht mehr zulässig, einen Film und im Besonderen einen Kinder- und Jugendfilm im Geist der mythisch aufgeladenen und sehr klischeehaft darstellenden Karl May–’Folklore‘ zu realisieren. So sei dieser Film ein kitschiges rückwärtsgewandtes Theaterstück, das nichts mit der Realität zu tun habe.“

Oh nein, ein Kinderfilm, der nichts mit der Realität zu tun hat! Grauenhaft. Da sollen die Kinder wirklich lieber Ratten als Koch sehen oder Eisprinzessinnen.

Karl Mays „literarische Idylle im Herkunftsland der indigenen Völker Nordamerikas“ sei, so die Aussage der Jury-Mitglieder laut Pressemitteilung, eine „Lüge, welche den Genozid an den Ureinwohnern Amerikas und das ihnen zugefügte Unrecht der Landnahme der weißen Siedler und der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes vollkommen“ ausblende: „Die im Film gewählte Ausstattung, die Darstellung der indigenen Menschen, die musikalische Untermalung und der Inszenierungsstil würden sich den verkitschten Karl May–Filmen der 1960er Jahre anpassen.“

Haben die Karl May nie gelesen? Es geht die ganze Zeit darum, dass Klischee von dem unterentwickelten Wilden durch den „edlen und guten Wilden“ zu ersetzen und zu beklagen, dass er aufgrund Profitgier etc verdrängt wird. Bereits der erste Kontakt dreht sich darum, dass die Weißen eine Eisenbahn durch das Territorium der Apatschen bauen wollen und diese dagegen protestieren. Die Weißen wollen Winnetou erschießen und treffen Klekih-petra, was zu weiteren Konflikten führt.

 

 

Die Mehrheit der Jury behauptete dagegen, es sei „allseits bekannt, dass Karl May seine Erzählungen im von ihm so genannten ‚Indianerland‘ und auch im ‚Orient‘ aus seiner Fantasie geschrieben“ habe und selbst nie vor Ort der von ihm erdachten Abenteuer gewesen sei: „Man könne ihn daher ruhigen Gewissens als ‚Märchenonkel‘ bezeichnen. Und auch die Verfilmungen seiner bekanntesten Romane in den 1960er Jahren waren Märchen, welche die Welt der indigenen Völker im absolut klischeehaften Bild darstellten.“ Dies in einen Kinderfilm von heute märchenhaft und mit liebevollen Zitaten zu diesen Filmen einzubringen, sei, so diese Jury-Mitglieder, durchaus legitim.

Ja vollkommen.