Gender Pay Gap: Frauen bewerben sich weniger auf gutbezahlte, aber sehr arbeitsintensive Jobs, wenn sie sich bewerben bekommen sie aber die Jobs

Ein interessanter Artikel in der Zeit (gefunden über Arne) beleuchtet weitere Probleme des Gender Pay Gap:

Im vergangenen Jahr erhielten Männer in Deutschland für eine Stunde Erwerbsarbeit durchschnittlich 23,20 Euro brutto, Frauen dagegen nur 19,12 Euro. Ist das gerecht? Ist das Diskriminierung? Der große Unterschied zwischen den Geschlechtern bei der Bezahlung, der Gender-Pay-Gap, sorgt seit Jahren für heftige Debatten. Jetzt könnte eine noch unveröffentlichte Studie, die der ZEIT vorliegt, zu neuen Diskussionen führen. Danach trägt zu der Lohnkluft etwas bei, das bisher übersehen wurde: Frauen bewerben sich deutlich seltener als Männer auf gut bezahlte Stellen.

Das ist zwar nicht die beste Ausgangslage, es scheint ein „Working Paper“ zu sein, Titel wohl „Search and the Gender Wage Gap„. Ich werde es mal im Auge behalten.

Die Arbeitsmarktforscher Christian Merkl und Benjamin Lochner von der Universität Erlangen-Nürnberg haben umfangreiche Daten ausgewertet und festgestellt, dass sich bei jenen zehn Prozent der Firmen, die die höchsten Löhne zahlen, besonders selten Frauen um einen Job bemühen. Bei diesen Hochlohnfirmen sind 65 Prozent aller Bewerber männlich und nur 35 Prozent weiblich. Umgekehrt ist es bei Firmen mit niedrigen Gehältern, dort melden sich überwiegend Frauen auf Stellenangebote.

Wäre interessant, wenn man da nähere Daten zu hätte.  Haben die Jobs mit den höheren Lohnen auch schlechtere Arbeitszeiten? Wollen sie eine höhere Erreichbarkeit, einen unbedingten Einsatz, zur Not auch am Wochende etc? Oder ist der Druck dort höher eine hohe Leistung zu bringen? ich verweise insofern mal auf diesen Artikel zu Investmentbankern.

Weniger Bewerberinnen

Eine Erklärung dafür ist, dass Frauen häufiger als Männer in schlecht entlohnten Berufen arbeiten, etwa als Friseurin, Reinigungskraft oder Verkäuferin. Doch auch wenn man nur Personen miteinander vergleicht, die in demselben Beruf und in derselben Branche auf Stellensuche sind, zeigt sich eine Tendenz: Je besser ein Job bezahlt ist, desto weniger Frauen versuchen, ihn zu bekommen.

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Leute überrascht sind, dass der Lohn nicht der einzige Faktor in einer Berufswahl ist und der Lohn zudem oft mit weiteren Faktoren korrelieren kann, die den Job uninteressanter machen (und man deswegen auch den höheren Lohn bekommt)

Auch das ist immer wieder eine interessante Sache, die man häufiger liest und die auch Sinn macht: gerade bei Jobs im Einstiegsbereich, bei denen der Test im Job erfolgt, wie etwa Investmentbanker oder Rechtsanwalt in einer Großkanzlei, kann man erst einmal jeden, der auf dem Papier, also von den Abschlüssen her gut aussieht anstellen und dann schauen, wie er sich macht, wenn man ihn belastet. Und natürlich werden genug Unternehmen auch gerne Frauen aufnehmen einfach um ihren Anteil an Frauen etwas zu erhöhen um so Kritik vorzubeugen

Die Autoren der Studie sehen die Erklärung dafür in familienunfreundlichen Arbeitsbedingungen. Denn zu vielen besser entlohnten Jobs gehören unregelmäßige Arbeitszeiten, Überstunden, häufige Dienstreisen oder Nachtschichten. Und das schreckt offensichtlich vor allem Frauen ab.

Die Studie klingt interessant. Man wird eben einen Großteil seines Lebens in einen solchen Job stecken und im Gegenzug erwirbt man Ressourcen und Status. Etwas, was für viele Männer evtl interessanter klingt als für Frauen.

14.000 Betriebe wurden gefragt

Das ist nicht nur eine Vermutung der Wissenschaftler. Sie stützen sich unter anderem auf eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, bei der jedes Jahr bis zu 14.000 Betriebe gefragt werden, ob mit einem Job besonders viele Überstunden, unregelmäßige Arbeitszeiten oder wechselnde Arbeitsorte verbunden sind. Und die Daten belegen auch, dass solche Stellen in aller Regel besser entlohnt werden.

Wer die Studie irgendwo mal sieht, gerne hier Bescheid sagen. Ich bin gespannt, wie sie das näher aufschlüsseln.

Arbeitsplätze müssen familienfreundlicher werden

Dabei geht es wohlgemerkt nicht um verschiedene Berufe, wie der Arbeitsmarktforscher Merkl betont. „Stellen Sie sich zwei Vertriebsmitarbeiter vor: Der eine ist in seiner Firma für die Kunden in einem bestimmten Landkreis zuständig, der andere kümmert sich um internationale Kunden und muss ständig auf lange Dienstreisen – der Zweite bekommt in der Regel mehr Geld für seine Arbeit“, sagt er. Weil Frauen die zweite Art von Stellen eher meiden würden, liege ihr Gehalt im Durchschnitt niedriger.

Was übrigens auch kein gutes Leben sein muss bzw eins für das man gemacht sein muss. Ich kenne einige, die von Städten rund um die Welt den Flughafen, den Weg zu der Firma, die sie Beraten und das Hotel, in dem sie übernachten, kennen. Sicherlich wird es da einige geben, die das Ideal finden, aber bei vielen wird auch die Beziehung darunter leiden, Freundschaften etc.

Wie bedeutsam dieser Effekt ist, zeigt sich, wenn man die sogenannte bereinigte Lohnlücke betrachtet. Sie soll zeigen, inwiefern Männer und Frauen trotz gleicher Arbeit ungleich bezahlt werden. Dafür werden üblicherweise nur Menschen mit gleicher Qualifikation, gleichem Beruf und gleicher Branche verglichen. Das Ergebnis ist ein kleinerer Gehaltsunterschied, der oft als Hinweis auf eine Diskriminierung von Frauen gesehen wird. „Wenn wir nun auch noch darauf achten, wie sich Frauen bewerben, was maßgeblich mit den Arbeitsbedingungen zu tun hat, halbiert sich die bereinigte Lohnlücke in unserer Untersuchung“, sagt Merkl. Er vermutet, dass auch das Statistische Bundesamt zu anderen Zahlen käme, wenn es diesen Effekt mit seinen Daten auswerten könnte. Dem Amt zufolge lag die unbereinigte Lohnlücke in Deutschland zuletzt bei 18 Prozent und bereinigt bei 6 Prozent.

Natürlich bewerben sich Frauen nur nicht auf diese Stellen, weil das Patriarchat sie in die Mutterrolle zwingt und ihre internalisierte Frauenfeindlichkeit ihnen einredet, dass sie nicht gut genug dafür sind, sonst wären sie sofort dabei.

Frauen pendeln seltener

Studien aus anderen Ländern kommen zu ähnlichen Ergebnissen. So ergab eine Untersuchung in Frankreich, dass Frauen dort deutlich seltener als Männer bereit sind, weite Wege zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln. Allein das erkläre 14 Prozent der bereinigten Lohnlücke.

Eine Stunde hin, eine zurück, dazu noch ein Job, der auch mal 50 oder 60 Stunden die Woche kostet, dass kann bedeuten, dass man sich besser noch eine Wohnung vor Ort nimmt und dann zumindest Dienstag, Mittwoch, Donnerstag dort wohnt und das Wochenende bei der Familie. Aber selbst bei einer Standard 40 Stundenwoche sind lange Fahrtzeiten zur Arbeit natürlich eine deutliche Erschwernis und man wird dann eben die Kinder nicht mehr unbedingt ins Bett bringen können.

Daraus folgern die Forscher nicht, dass es kein Problem gebe oder die Frauen selbst schuld an ihrer schlechteren Bezahlung seien. Die Daten sollen vor allem Hinweise dafür liefern, wo man ansetzen muss, wenn man etwas ändern will. Eine Diskriminierung von Frauen allein aufgrund ihres Geschlechts – die es sicher gibt – spielt aber offenbar eher eine untergeordnete Rolle. „In unserer Untersuchung sehen wir dafür keine Anzeichen“, sagt Merkl.

Wenn es keine Anzeichen für eine Diskriminierung gibt, dann sind die Frauen „selber schuld“. Oder anders ausgedrückt: Auch sie hängen vielleicht nur dieser merkwürdigen Idee an, dass Geld nicht das einzige bzw wichtigste Kriterium der Berufswahl ist und sie priorisieren andere Faktoren.

Wichtiger erscheint, dass Arbeitsplätze familienfreundlicher werden, soweit das möglich ist. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sollten Arbeitgeber genau überlegen, ob etwa lange Arbeitszeiten bei einer bestimmten Aufgabe wirklich unvermeidlich sind oder ob sich da aus Gewohnheit eine Kultur des Lange-im-Büro-Seins entwickelt hat“, sagt der Wissenschaftler.

Lange Arbeitszeiten werden aus meiner Sicht unterschätzt. Es wird gerne dagegen gehalten, dass man sich nur so und so viele Stunden konzentrieren kann, aber viele Sachen, selbst in hochqualifizierten Jobs, sind auch einfach Tätigkeiten, bei denen man nicht absolut konzentriert sein muss. Mitunter ist es wichtig sich die Zeit zu nehmen, bestimmte Sachen einfach mal komplett durchlesen zu können, einfache Sachen abzuarbeiten, zu denen man sonst nicht kommt, sich in etwas reinzuarbeiten und nach Lösungen für bestimmte Probleme zu suchen bzw die Vorgänge besser verstehen zu wollen. Und mitunter ist das Gespräch, welches man dann abends noch extra führt, die Überarbeitung eines Vorganges bei dem man diesen noch einmal ganz durchgeht, dann einfach das, was die besseren Ergebnisse liefert. Oder die Besprechung, bei der man alles noch einmal durchkaut, bis keiner mehr es mehr sehen kann, damit man sicher ist, dass man es durchdacht hat und dann auch Antworten auf bestimmte Probleme hat, die man sonst nicht hätte.

Natürlich wird es auch Jobs geben, bei denen die Leute nur im Büro bleiben, damit die anderen sie dort sehen. Aber man kann mitunter gerade dann, wenn das Telefon abgeschaltet ist, mal ein paar Sachen in Ruhe machen.

Schließlich würde auch ein besseres Angebot für die Kinderbetreuung etwas ändern. Es ermöglicht Frauen offenbar nicht nur, überhaupt erwerbstätig zu sein, es könnte ihnen auch helfen, an die besseren Jobs heranzukommen – und so die Lohnlücke zu schließen. Das gilt zumindest so lange, wie eines unverändert bleibt: dass Männer sich für die Familienarbeit weniger verantwortlich fühlen als Frauen.

Erstaunlich, dass das immer so formuliert wird. Die Frauen bewerben sich nicht. Sie wollen die Jobs evtl gar nicht. Sie sind vielleicht ganz froh, die an einen Partner ausgelagert zu haben, der dann die Jobs macht, das Geld nach Hause bringt, während sie einen entspannteren Beruf haben, aber auch Zeit mit den Kindern.

 

Selbermach Mittwoch

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Ich mag dich (nicht)! Aber wen interessiert das? Geschlechterunterschiede in gleichgeschlechtlichen und gemischtgeschlechtlichen Teams

Eine interessante Studie:

We study the effect of likeability on women’s and men’s team behaviour in a lab experiment. Extending a two-player public goods game and a minimum effort game by an additional pre-play stage that informs team members about their mutual likeability, we find that female teams lower their contribution to the public good in the event of low likeability, while male teams achieve high levels of co-operation irrespective of the level of mutual likeability. In mixed-sex teams, both women’s and men’s contributions depend on mutual likeability. Similar results are found in the minimum effort game. Our results offer a new perspective on gender differences in labour market outcomes: mutual dislikeability impedes team behaviour, except in all-male teams.

Quelle:I (Don’t) Like You! But Who Cares? Gender Differences in Same-Sex and Mixed-Sex Teams

Interessante Ergebnisse:

  • Frauen machen weniger für die Gemeinschaft wenn sie mit einem Team arbeiten, welches sie nicht mögen
  • Männer arbeiten zusammen, ob sie sich mögen oder nicht
  • In gemischten Teams kommt es bei Männern und Frauen darauf an, ob sie die Teammitglieder mögen

Das macht aus meiner Sicht durchaus Sinn. Ich hatte schon mal zwei Artikel geschrieben, einmal  auf der Grundlage von Ausführungen von Geary in Male, Female bei den Männern:

Hieraus ergeben sich für die Dynamiken unter den einzelnen Männern das Folgende:
Untereinander wirkt ein selektiver Druck nach Dominanz und Einfluss in der Gruppe. Dieser wirkt sich wie folgt aus:
  • Besondere Beachtung von Dominanzindikatoren
    • Physisch: Größe, Muskulatur, Fähigkeiten
    • Sozial und geistig: Anführerschaft und anderer Fähigkeiten, die die Gruppeneigenschaften bestimmen
    • Emotional: Agressivität, Fehlen von Angst
  • Individuelle Beziehungen
    • werden schnell errichtet  bei gemeinsam ausgeübten Tätigkeiten, insbesondere solchen, die Kooperation erfordern
    • werden stärker bei solchen Individuen mit gleichem Status geformt (um ein gerechtes Geben und Nehmen im Sinne einer Reziproxität zu ermöglichen)
    • Wettbewerbe um Dominanz sind begrenzt
    • Eine Toleranz für interpersonalen Konflikt um Dominanz-Wettbewerbe zuzulassen und gleichzeitig die Gruppenverbindung aufrechtzuerhalten

Es lohnte sich also in der Beziehung von Männern untereinander auf eine gewisse Gleichwertigkeit zu achten und nicht zu sensibel zu sein, sondern Wettbewerb innerhalb der Gruppe auf einem leichten Niveau zuzulassen. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Männer sich wesentlich häufiger Sprüche drücken und kleine, gutgemeinte Gemeinheiten untereinander austeilen. Man kann dies eben gerade in einer befreundeten Gruppe, weil hier eine gewisse Toleranz vorhanden ist und durch diese Sprüche die Toleranz für solches Verhalten letztendlich noch gefördert wird (während eine Frau ein gleiches Verhalten vielleicht eher als feindselig ansehen würde).

Männer brauchten eben Gruppengröße um damit gemeinsame Ziele umsetzen zu können. Jeder hatte dort letztendlich das gleiche Ziel, so dass eine Zusammenarbeit erreicht werden musste.

Und bei Frauen:

 Mädchen sind eher auf wenige, dafür enge Kontakte mit Gleichaltrigen aus, Jungen fügen sich lieber in eine größere Gruppe ein. Dafür sind die Freunde eines kleinen Jungen häufiger untereinander befreundet, als es in vergleichbaren Mädchengruppen der Fall ist. Im Gegensatz zu Jungen neigten zehnjährige Mädchen in Experimenten der Psychologin Joyce Benenson vom Emmanuel College in Boston dazu, Aufgaben lieber zu zweit als in einer größeren Gruppe zu lösen. Sehen Mädchen die Exklusivität ihrer Freundschaft aber in Gefahr, werden sie schnell eifersüchtig, sagt Benenson.

Eifersucht, Exklusivität – bringt man beides nicht eher mit einer Partnerschaft zusammen als mit zwei befreundeten Mädels? „Es gibt große Überschneidungen zwischen einer Partnerschaft und einer engen Freundschaft in Bezug auf das, was sich Mädchen von diesen beiden Arten von Beziehungen erhoffen“, bestätigt Benenson: „Loyalität, Exklusivität, Intimität.“

Eine Erklärung, die ich immer ganz interessant fand: Die Männerfreundschaften sind auf eine konkrete Aufgabe ausgerichtet, wie gemeinsam ein großes Tier erlegen oder sich gegen eine feindliche Gruppe anderer Männer wehren. Man muss zusammenarbeiten, aber jeder hat einen gewissen Freiraum, wie er agiert, jeder hat auch ein Interesse daran, dass alle anderen gut abschneiden, weil mit dem Verlust eines Mitglieds der Gruppe die Kampfkraft sinkt.

Frauen hatten aber neben den allgemeinen Tätigkeiten wie etwa Pflanzen sammeln etc noch eine Überwachungsaufgabe. Und wenn man einer anderen Frau die Überwachung der eigenen Kinder anvertraut, dann musste man sich absolut darauf verlassen können, dass sie das auch ordentlich betreibt. Die Frau, die die Kinder der anderen beaufsichtigt hat aber nicht unbedingt ein eigenes Interesse am Ausgang, allenfalls in der Hinsicht, dass es ihrer Reputation schadet und andere dann nicht auf ihre Kinder aufpassen. Man brauchte also ein enges persönliches Band, bei dem die besten Freundinnen die eigenen Kinder jeweils priorisieren gegenüber anderen der Gruppe. Zu wenig verbundene Gruppenbildungen hatten da Nachteile.

Aber zurück zur Studie:

Da könnte man vielleicht anführen, dass Elemente der „toxischen Männlichkeit“ wie stoisch sein, nicht groß Gefühlen nachgehen etc hier einen konkreten Vorteil bringen könnten.

Und hier die Zahlen für die gemischten Teams:

Gemischte Teams erfordern also eine gewisse Sympathie um gut funktionieren zu können, Frauenteams erst recht, bei Männerteams ist es egal.

Aus der Besprechung am Ende:

Our lab experiment provides new evidence for gender differences in economic and social interactions. In a two-player one-shot cooperation game and a repeated coordination game, we document that mutual likability significantly shapes players’ behavior. If mutual likability is low (i.e., players like each other relatively little), players cooperate less and coordinate on less efficient equilibria than in case mutual likability is high (i.e., players like each other relatively more). Importantly, this result holds only for teams that contain at least one female member. It does, conversely, not hold for all-male teams. In the latter type of teams, men do not seem to care much about likability. They both cooperate and coordinate well independent of the degree of mutual likability in their team. Since our likability ratings are based on a photograph of the other player, we include robustness checks in which we control for attractiveness and further facial characteristics. This leaves our main results unaffected. We believe that these findings offer a new perspective on gender differences in labor market outcomes. Basically, what our results say is that for women, likability is an asset – or equivalently, dislikability is a hurdle – in every of their interactions. For men, on the other hand, likability matters only if they are to interact with the opposite sex. This finding is all the more important, as our results show that the overall effect of (dis)likability is negative, i.e., dislikability looms larger than likability. Our results document a clear disadvantage for women in terms of average payoffs in the experiment. Aggregated over both experimental games, female participants earn 4.36 percent less than males. In same-sex teams, average earnings are even 7.75 percent lower.15 Note that these average earnings are based on a balanced matching between male and female participants in a controlled lab experiment in which further influences such as discrimination in wage-setting can be ruled out. Given that in many labor market contexts – and in particular in better-paid jobs and top management positions – interaction with (and between) male colleagues represent the present standard, our results most likely underestimate the impact of likability effects on gender differences in labor market outcomes in the field.

Und einmal durch deepl:

Unser Laborexperiment liefert neue Beweise für geschlechtsspezifische Unterschiede in wirtschaftlichen und sozialen Interaktionen. In einem einmaligen Kooperationsspiel für zwei Spieler und einem wiederholten Koordinationsspiel dokumentieren wir, dass gegenseitige Sympathie das Verhalten der Spieler erheblich beeinflusst.

Wenn die gegenseitige Sympathie gering ist (d. h. die Spieler mögen sich relativ wenig), kooperieren die Spieler weniger und koordinieren sich auf weniger effiziente Gleichgewichte als bei hoher gegenseitiger Sympathie (d. h. die Spieler mögen sich relativ viel). Wichtig ist, dass dieses Ergebnis nur für Teams gilt, die mindestens ein weibliches Mitglied enthalten. Umgekehrt gilt es nicht für reine Männerteams. In dieser Art von Teams scheinen sich Männer nicht viel um Sympathie zu scheren. Sie kooperieren und koordinieren gut, unabhängig vom Grad der gegenseitigen Sympathie in ihrem Team.

Da unsere Sympathiewerte auf einem Foto des anderen Spielers basieren, haben wir Robustheitstests durchgeführt, bei denen wir für die Attraktivität und weitere Gesichtsmerkmale kontrollieren. Unsere Hauptergebnisse bleiben davon unberührt.

Wir glauben, dass diese Ergebnisse eine neue Perspektive auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Arbeitsmarktergebnissen eröffnen. Unsere Ergebnisse besagen im Wesentlichen, dass Sympathie für Frauen in jeder ihrer Interaktionen ein Vorteil ist – oder umgekehrt, dass Abneigung ein Hindernis darstellt. Für Männer hingegen spielt Sympathie nur dann eine Rolle, wenn sie mit dem anderen Geschlecht interagieren wollen.

Dieser Befund ist umso wichtiger, als unsere Ergebnisse zeigen, dass der Gesamteffekt der (Un-)Sympathie negativ ist, d. h., die Abneigung ist größer als die Sympathie. Unsere Ergebnisse belegen einen klaren Nachteil für Frauen in Bezug auf die durchschnittlichen Auszahlungen im Experiment. Über beide Versuchsspiele hinweg betrachtet, verdienen weibliche Teilnehmer 4,36 Prozent weniger als männliche. In gleichgeschlechtlichen Teams liegt der Durchschnittsverdienst sogar um 7,75 Prozent niedriger. Zu beachten ist, dass diese Durchschnittsverdienste auf einem ausgewogenen Matching zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmern in einem kontrollierten Laborexperiment beruhen, bei dem weitere Einflüsse wie Diskriminierung bei der Lohnfindung ausgeschlossen werden können.

In Anbetracht der Tatsache, dass in vielen Arbeitsmarktkontexten – und insbesondere in besser bezahlten Jobs und Top-Management-Positionen – die Interaktion mit (und zwischen) männlichen Kollegen den derzeitigen Standard darstellt, unterschätzen unsere Ergebnisse höchstwahrscheinlich die Auswirkungen von Sympathieeffekten auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Arbeitsmarktergebnissen in der Praxis.

In der Tat kann man sich hier interessante Effekte vorstellen: Wenn etwa ein Bereich hochkompetiv ist und jeder gegen jeden um mehr Umsätze kämpft, dann könnte das eine gewisse „Unsympathie“ unter den Konkurrenten entstehen lassen. Vielleicht trägt das bei Frauen eher als bei Männern dazu bei, dass sie die Atmosphäre nicht mögen, so nicht arbeiten können etc.

Und natürlich würden sexistische Sprüche etc auch eher dazu führen, dass Frauen ihre Leistung reduzieren und in der Konkurrenz nach hinten fallen.

Die weibliche Brust als sexuelles Signal, welches durch sexuelle Selektion entstanden ist

Ich hatte hier schon einen Artikel dazu, dass weibliche Brüste beim Menschen ein Produkt sexueller Selektion sind.

Dagegen wird ja gerne behauptet, dass sie eben zum stillen notwendig sind. Aber Säugtiere haben üblicherweise keine Brüste, sie sind relativ exklusiv bei Menschen vorhanden. Allenfalls zeigen sich bei Tieren, die Stillen gewisse Brüste, die dann wieder verschwinden, wie ja auch die Brüste bei Frauen unter Milcheinschuß zulegen.

Zum Stillen benötigt werden im wesentlichen Milchdrüsengewebe:

Weibliche Brust, Milchdrüsengewebe

Das Anschwellen des Milchdrüsengewebes sorgt entsprechende für mehr Milch. Haben nun große Brüste mehr Milchdrüsengewebe?:
Ein paar Fundstellen:

1

Für das Stil­len ist das Milch­drü­sen­ge­we­be ent­schei­dend. Grös­se­re Brüs­te ha­ben zwar mehr Fett­ge­we­be, nicht aber in je­dem Fall mehr Milch­drü­sen­ge­we­be. Die Grös­se der Brust hat also kei­nen Ein­fluss dar­auf, wie viel Milch pro­du­ziert wird.

2

Wenn es ums Stillen geht, gibt es keine Zweifel – die Größe ist nicht entscheidend. Kleiner heißt daher nicht schlechter oder weniger.

Die Größe der Brust einer Frau wird hauptsächlich durch die enthaltene Menge von Fettgewebe bestimmt. Aber dieses Gewebe hat mit der Menge oder der Qualität der Milch nichts zu tun.

Wenn die Zeit gekommen ist Milch zu produzieren, stimulieren Hormone – angeregt durch die Geburt des Kindes und durch das Stillen – die Milchdrüsen in der Brust, Milch abzusondern und sie in die Milchgänge unter der Brustwarze und dem Brustwarzenhof (das dunkle Feld um die Brustwarze) zu schieben. Wenn ein Baby saugt, fließt die Milch in seinen Mund. (Mehr Einzelheiten erfahren Sie in unseren Artikeln rund ums Stillen)

Die Brüste einer stillenden Mutter werden größer, wenn sie sich mit Milch füllen – und sogar während der Schwangerschaft, weil die Milchdrüsen sich auf ihre Aufgabe vorbereiten. Das kann bedeuten, dass Sie sich schon während der Schwangerschaft einen Still-BH kaufen müssen. Aber egal, wie groß die Brust ist: Die Menge der Milch, die produziert wird, wird von dem Baby bestimmt.

Es ist ein raffiniertes System: Wenn ein Baby mehr trinkt, produziert die Mutter mehr Milch. Wenn es weniger trinkt, geht die Milchproduktion der Mutter zurück.
„Fast alle Mütter können viel Milch herstellen,“ sagt der Stillberater Jan Barger. „In den seltenen Fällen, in denen die Milchproduktion ein Problem ist, kann ein Stillberater / eine Stillberaterin eine entsprechende Analyse machen und helfen.“

3

Ganz egal wie große Deine Brüste sind, die Milchmenge ist davon völlig unabhängig. 31% der Frauen in Deutschland tragen die BH-Größe 75B, was noch nicht wirklich zu “großen Brüsten” zählt. Wie viel Milch produziert wird, hängt vom Drüsengewebe ab. Die Größe einer Brust ist von der Menge des Fettgewebes abhängig. So kann eine kleine Brust genauso viel Drüsengewebe enthalten wie eine große Brust. Wenn die Milchproduktion nicht so richtig in Schwung kommen will, helfen häufiges Anlegen und sogenannte Still-Tees.

Alles natürlich keine Studien, also habe ich noch mal gesucht:

4

The aim of study was to determine if there is any relationship between breast size and the quantity of milk produced during sucking in 57 primiparas who practiced exclusive breast –feeding. The infants‘ ages range between 6 and 24 weeks with a mean age of 8.13 (5.2) weeks. There were 31 male and 26 female infants. Both babies and their mothers were apparently well and were not on any drug that could affect fluid balance or breast milk production. The means breast volume (standard deviation) was 660.51(245.60) cm3 while the mean breast milk volume (standard deviation) produced was 131.75(58.82) mls. The breast volume of 15 mothers was less than 500 cm3 while the volume of 5 mothers was more than 1000 cm3. There was no correlation between breast size and breast milk production .The conclusion was that breast size does not determine the quantity of milk produced in the study subjects.

5

Objective: To evaluate the correlation between lactating womenûs breast size and breast milk production.

Methods: 53 normal primiparous women with neither breastfeeding problems nor having drugs that affected milk production who delivered vaginally at Siriraj Hospital, Bangkok, Thailand were enrolled. On the 3rd day after delivery, breast size and breast milk volume were recorded by the same investigator at 3 hr after the last breastfeeding.

Results: The means of breast size and breast milk volume in this study were 13.5 ± 3.7 cm and 47.8 ± 18.3 ml, respectively. Regarding to the Pearson correlation test, breast milk volume had no significant correlation with breast size (rs= -0.112, p > 0.05), but showed a negative correlation with the maternal age (rs= -0.27, p < 0.05).

Conclusion: There is no significant correlation between breast milk volume and breast size. The small breast size woman should be counseled and reassured to get more confidence in breast feeding.

Für das Stillen wird die Größe der Brust also nicht gebraucht. Was sexuelle Selektion wahrscheinlicher macht.

Situationen, bei denen ihr damals nicht gemerkt habt, dass jemand was von euch wollte.

Gerade diesen Tweet gesehen:

Ich habe ähnliche:

Ich abends zu Gast bei einer Kommilitonin zum Film gucken, die Freundin von ihr, die auch da war verabschiedet sich unter Vorwand, ich sitze auf einem Sessel, sie auf dem Bett.

Sie: „ist der Sessel auch bequem? Sonst kann ich etwas Platz machen“

Ich: sehr bequem, alles bestens. (War er auch tatsächlich)

Ist auch ein Klassiker.

Bei euch?

 

 

 

 

 

 

 

Absolute Sicherheit, dass die eigene Auffassung richtig ist, und politische Ideology

Eine interessante Studie:

The present investigation examined curvilinear relations between political ideology, on the one hand, and absolute certainty and dogmatism, on the other, across six online samples (N = 2,889). Ideological extremists were more likely than others to be absolutely certain: About one in three extremists reported being absolutely (i.e., 100%) certain of the correctness of their political beliefs, whereas about one in 15 non-extremists reported being absolutely certain. Although absolute political certainty was relatively symmetrical across the political left and right, conservatives tended to report greater domain-general dogmatism than liberals. Extremism effects for domain-general dogmatism were also present, however; and ideological asymmetries in dogmatism appeared to be driven by social, rather than economic, ideology. Taken together, these findings underscore the complexity of relations between absolute certainty, dogmatism, and ideology, ultimately challenging the sufficiency of contemporary psychological accounts of ideological (a)symmetries to describe our complex political reality.

Quelle: Absolute Certainty and Political Ideology: A Systematic Test of Curvilinearity

Aus der Studie:

Here, we leverage the concept of absolute belief certainty (Lewis, 1929) to arbitrate between the rigidity-of-the-right and ideological extremism hypotheses. Absolute certainty describes beliefs that are subjectively and objectively immune to doubt (Klein, 1992). From a Bayesian perspective, endorsing absolute certainty (i.e., a prior of 1) implies that one will not update their beliefs even when shown evidence to the contrary (see Tripp, 2018). Hence, absolute certainty epistemically diverges from all other gradations and “flavors” of certainty, closedmindedness, and dogmatism, which leave room for belief updating (Kahan, 2013). Moreover, the limits of deductive reasoning preclude absolute certainty (Johnson-Laird, 1999), such that  Prior tests of the rigidity-of-the-right have tended to subsume a host of loosely interrelated variables under the broad heading of rigidity, broadly spanning cognitive inflexibility, rigid cognitive styles, motivational rigidity, and dogmatic certitude (Costello et al., 2021). Here, we focus only on dogmatism, which may not bear meaningful relations with these other “flavors” of rigidity. absolute certainty seems to be necessarily unjustifiable and irrational2. Accordingly, absolute certainty might be considered the farthermost extremity of dogmatism (i.e., unjustified belief certainty; Altemeyer, 1996). Although it remains an open question whether this epistemic divergence between absolute belief certainty, on the one hand, and other kinds of belief certainty and dogmatism, on the other, reflects meaningful psychological variance, absolute certainty may have substantive psycho-political implications. Sir Karl Popper (1945) went so far as to argue that absolute certainty is the foundational component of totalitarianism: if one is sure that their political philosophy will lead to the best possible future for humankind, all manner of terrible acts become justifiable in service of the greater good.

Aus der Studie:

Danach wären also Extreme liberale eher nicht so sicher wie extreme konservative.
Ich habe leider nicht gefunden, welche konkreten Positionen abgefragt worden sind, finde das aber eigentlich eine der wichtigsten Fragen. Denn nur mit der Kenntnis der Fragen kann man schauen, inwiefern diese vergleichbar in ihrem „Extremismus“ sind.

 

 

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Das Paradox der Toleranz

Von Karl Popper:

Unlimited tolerance must lead to the disappearance of tolerance. If we extend unlimited tolerance even to those who are intolerant, if we are not prepared to defend a tolerant society against the onslaught of the intolerant, then the tolerant will be destroyed, and tolerance with them. In this formulation, I do not imply, for instance, that we should always suppress the utterance of intolerant philosophies; as long as we can counter them by rational argument and keep them in check by public opinion, suppression would certainly be most unwise. But we should claim the right to suppress them if necessary even by force; for it may easily turn out that they are not prepared to meet us on the level of rational argument, but begin by denouncing all argument; they may forbid their followers to listen to rational argument, because it is deceptive, and teach them to answer arguments by the use of their fists or pistols. We should therefore claim, in the name of tolerance, the right not to tolerate the intolerant. We should claim that any movement preaching intolerance places itself outside the law, and we should consider incitement to intolerance and persecution as criminal, in the same way as we should consider incitement to murder, or to kidnapping, or to the revival of the slave trade, as criminal

Von der deutschen Seite zum Paradox der Toleranz:

Der Philosoph Karl Popper beschrieb das Paradoxon zuerst 1945 in seinem Buch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band 1.[1]

Als intolerant definiert Karl Raimund Popper einen Menschen oder eine Gruppe nach folgenden Eigenschaften:

  1. Verweigerung eines rationalen Diskurses.
  2. Aufruf zur und Anwendung von Gewalt gegen Andersdenkende und Anhänger anderer Ideologien.

Bei intoleranten Menschen unterscheidet Popper zwei Kategorien:

  1. Intoleranz des ersten Grades: intolerant gegenüber den Sitten und Gebräuchen eines Menschen, weil sie fremd sind.
  2. Intoleranz des zweiten Grades: intolerant gegenüber den Sitten und Gebräuchen eines Menschen, weil diese intolerant und gefährlich sind.

Eine universelle Toleranz lehnt Popper daher ab:

„Weniger bekannt ist das Paradoxon der Toleranz: Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“

Da wir als Menschen jedoch nicht fähig seien, die wahren Motive unserer Gegenüber zu kennen, stelle sich nun ein fundamentales, unauflösbares Problem: Einem Außenstehenden sei es schwer möglich zu unterscheiden, ob ein Mensch, der sich intolerant äußert, zum ersten oder zweiten Grad gehört.

Die Anwendung von Intoleranz im Namen der Toleranz sollte entsprechend vorsichtig und nur als Ultima Ratio stattfinden.

„Damit möchte ich nicht sagen, dass wir z. B. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig. Aber wir sollten für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken, denn es kann sich leicht herausstellen, dass ihre Vertreter nicht bereit sind, mit uns auf der Ebene rationaler Diskussion zusammenzutreffen, und beginnen, das Argumentieren als solches zu verwerfen; sie können ihren Anhängern verbieten, auf rationale Argumente – die sie ein Täuschungsmanöver nennen – zu hören, und sie werden ihnen vielleicht den Rat geben, Argumente mit Fäusten und Pistolen zu beantworten.

Wir sollten daher im Namen der Toleranz das Recht für uns in Anspruch nehmen, die Unduldsamen nicht zu dulden. Wir sollten geltend machen, dass sich jede Bewegung, die die Intoleranz predigt, außerhalb des Gesetzes stellt, und wir sollten eine Aufforderung zur Intoleranz und Verfolgung als ebenso verbrecherisch behandeln wie eine Aufforderung zum Mord, zum Raub oder zur Wiedereinführung des Sklavenhandels.“

Im Einzelnen sehr schwierig in der Anwendung. Der Intolerante wird sich meist im Recht sehen und darauf abstellen, dass die Gegenmeinung die eigentlich intolerante ist, gegen die man nicht tolerant sein darf.

Das ist insbesondere dann leicht möglich, wenn bestimmte Positionen eben nicht wirklich zu vereinbaren sind, jedenfalls nicht für die Radikalen.

Die Transdebatte scheint sich mir in die Richtung zu bewegen:

Die eine Seite ist Tolerant, indem sie jeden das sein lässt, was sie sein will („Eine Transfrau ist eine Frau“), aber intolerant was Leute betrifft, die andere Kriterien für die Bestimmung was eine Frau ist ansetzen

Die andere Seite sieht sich als Bewahrer von Schutzrechten insbesondere von Frauen („wir müssen Frauen zugestehen, dass sie in bestimmten Räumen keine Männer wollen, da müssen Transfrauen tolerant sein, weil sie eben körperlich Männer sind“).

Und auch sonst ist die Geschlechterdebatte ja geprägt davon, dass sich beide Seiten gerade auf Wissenschaft berufen. Die eine Seite auf Gender Studies und Co. Die andere Seite auf Biologie etc.

Um so ideologischer die Debatte ist um so schwieriger wird es sich hinzusetzen, die Argumente in der Wissenschaft wirklich auszuwerten und Intoleranz zu definieren.

Patricia Schlesinger, der feministische Kampf und die Einsicht, dass Fraue sich oft genug genauso beschissen verhalten wie Männer

Arne hat schon auf einen interessanten Artikel über die ehemalige RBB Vorsitzende Patricia Schlesinger angeführt, der insbesondere auf den Schaden hinweist, der dadurch entsteht, dass Frauen sich als gierig und auf ihren Vorteil bedacht zeigen. (Von der Autorin Silke Burmester hatte ich auch hier schon mal einen Artikel besprochen)

Zunächst zu den Vorfällen an sich aus der Wikipedia:

Der Verwaltungsrat des RBB genehmigte unter Führung von Wolf-Dieter Wolf der Intendantin 2021 eine Erhöhung ihres Gehalts um 16 Prozent auf 303.000 Euro, zusätzlich soll sie 2021 einen Bonus von „mehr als 20.000 Euro“ erhalten haben.[17] (Zum Vergleich: Die anderen ARD-Intendanten erhalten zum Zeitpunkt der Recherchen zur Affäre zwischen 281.000 Euro (Radio Bremen) und 413.000 Euro (WDR)[18] und jeweils keine Boni.[17])

Als dies im Sommer 2022 bekannt wurde, wurde Unmut unter den Freien Mitarbeitern des Senders laut, bei denen gespart worden war.[19] Außerdem wurden geschäftliche Verbindungen zwischen Schlesingers Ehemann und dem Verwaltungsratschef des RBB kritisiert und ihr Vetternwirtschaft vorgeworfen.[20]

Mitte Juli 2022 gaben die RBB-Revision und die Compliance-Beauftragte des RBB eine externe Prüfung durch die Kanzlei Lutz Abel in Auftrag. Die Landesrechnungshöfe von Berlin und Brandenburg teilten mit, dass sie beabsichtigen, den RBB gemeinsam zu prüfen. Der Rechnungshof Berlin hatte den RBB zuletzt 2018 geprüft. In dessen Jahresbericht 2018 kritisierte man den RBB unter anderem für übermäßige Gehaltserhöhungen und Sonderzahlungen.[21]

Der Hauptausschuss des Brandenburger Landtages führte am 19. Juli eine Sondersitzung mit dem Tagesordnungspunkt Beraterverträge und Spesenaffäre im Zusammenhang mit der RBB-Intendantin durch. Dazu war die RBB-Führung mit Intendantin, Friederike von Kirchbach als Vorsitzende des Rundfunkrates, Wolf-Dieter Wolf als Verwaltungsratschef bzw. Dorette König als Vizechefin des Verwaltungsrats geladen. Die RBB-Führung erschien nicht zur Sondersitzung. Dies führte zu massiver Kritik im Parlament.[22]

Kurze Zeit später wurde bekannt, dass Schlesinger einen luxuriösen Miet-Dienstwagen vom Typ Audi A8 mit Sonderausstattung wie Massagesitzen hatte – Listenpreis rund 145.000 Euro. Der Hersteller hatte ihr dafür einen Rabatt von 70 Prozent eingeräumt. Schlesinger durfte ihren Dienstwagen und die Leistungen der beiden Chauffeure auch privat nutzen; andere ARD-Intendanten hingegen nicht. Auch Freunde und Familienangehörige nutzten den Wagen. Auch die Abrechnung von dienstlichen Abendessen in ihrer Berliner Privatwohnung wird inzwischen geprüft.

Am 4. August 2022 trat Schlesinger mit sofortiger Wirkung als ARD-Vorsitzende zurück.[24] Sie hatte das Amt am 1. Januar 2022 angetreten; die Amtszeit dauert in der Regel zwei Jahre. Ihre Geschäfte übernahm vorübergehend der Intendant des WDR, Tom Buhrow.[25] Am 7. August 2022 trat sie auch als RBB-Intendantin zurück.[26][27] Am 8. August 2022 gab die Staatsanwaltschaft Berlin bekannt, dass sie Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue (§ 266 StGB) und der Vorteilsannahme (§ 331 StGB) gegen Schlesinger aufgenommen hat.[28] Am 11. August 2022 wurde gemeldet, dass die Generalstaatsanwaltschaft wegen der „Bedeutung der Sache“ die Ermittlungen übernommen habe.[29]

Nach ihrem Rücktritt ist Schlesinger nach wie vor Intendantin, ist jedoch bis zur endgültigen Beendigung des Dienstverhältnisses beurlaubt und nimmt keine Aufgaben für den Sender mehr wahr

Der RBB ist der Rundfunk Berlin-Brandenburg, eine Anstalt bei der man sich fragen kann, warum es sie überhaupt gibt und was man da leistet. Aber ich bin ja auch ein alter ÖRR-Hasser.

Nun aber zu dem Artikel:

Im Jahr 2016 wurde Patricia Schlesinger Intendantin des RBB. Sie war damit erst die vierte Frau, die einen solchen Posten übernahm, aus 92 Intendantenpositionen innerhalb der ARD seit 1947. Und die dritte Frau, die den ARD-Vorsitz führte, gegenüber 39 Männern. Pro Quote und ich haben gejubelt. Zusammen mit unzähligen anderen Frauen und Männern, die die männliche Dominanz in der Führung der Gesellschaft und der Medien für unzeitgemäß halten. Patricia Schlesinger ist eine hervorragende Journalistin, sie steht für gesellschaftliche Veränderung und erschien offen und sympathisch. Bingo.

„Die männliche Dominanz aufbrechen“ ist eben auch nur eine leere Phrase ohne wirklichen Inhalt. Leute in Machtpositionen sind eben häufig Leute in Machtpositionen.

Bereits am Freitag ist sie vom ARD-Vorsitz zurückgetreten, Sonntagabend auch als Intendantin des RBB. Sie habe in Sachen Finanzen nicht ausreichend zwischen Geschäftlichem und Privatem unterschieden, heißt es. Der Verdacht von Vetternwirtschaft liegt schwer in der Luft, am Wochenende wurde bekannt, dass sie rund 650.000 Euro für die Neugestaltung ihrer Büroräume ausgegeben haben soll. Von italienischem Parkett ist die Rede und einer begrünten Wand für knapp 8.000 Euro. Gebührengelder. Nicht ihr eigenes. Erinnerungen an den Bischof von Limburg werden wach.

Der eigentliche Skandal ist, dass sie das in Auftrag geben konnte und anscheinend so wenig Kontrolle vorhanden ist, dass sie noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen hatte. Warum muss jemand im öffentlichen Dienst überhaupt derart viel Geld dafür ausgeben? Gut, hier kennt man die Einzelheiten nicht, aber es erschreckt.

Die Frau, die so viel Richtiges für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wollte, die seine Modernisierung innen wie außen vorangetrieben hat, hat ihm den wohl größtmöglichen Bärendienst erwiesen. Eine bessere Vorlage hätte man den Zersetzern der Demokratie, den Kri­ti­ke­r*in­nen des öffentlich-rechtlichen Systems, denen, die es anfeinden und abschaffen wollen und die in „denen da oben“ ein grundsätzliches Problem ausmachen, nicht erweisen können. Sie fühlen sich in all ihrer – freundlich ausgedrückt – Abneigung bestätigt. Häme ist da noch ihr harmlosester Ausdruck.

Starke Worte. Den „Zersetzern der Demokratie“ und die „Kritiker des öffentlich rechtlichen Systems“ haben erst einmal recht, dass man da anscheinend nicht vernünftig wirtschaftet.  Aber ich finde diese Abwertungen auch immer sehr übertrieben: Viele demokratische Länder haben keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und niemand spricht ihnen ihre Demokratie ab.

Man schaut mit ungläubigem und fasziniertem Grausen auf das Debakel, auf eine Verfehlungsliste, die nach der Gier der Macht riecht. Danach, das Maß verloren zu haben, aber auch Einschätzungsvermögen und Anstand. Es ist der gleiche Ekel, der einen beschleicht, wenn man von den Millionenboni der Vorstände erfährt, die gerade ein Werk dichtgemacht haben, oder von Christian Lindner hört, der eine „Gratismentalität“ ausmacht, wenn Menschen die Fortführung des 9-Euro-Tickets fordern. Die Enthüllungen werden vermutlich die nächsten Tage weitergehen. Ebenso die Empörung.

Dabei ist Gier nach Macht doch etwas ganz männliches. Eine Frau macht so etwas auch? Wer hätte das jemals gedacht.

Es schmerzt alle, die dafür kämpfen, dass Frauen alle Positionen in diesem Land offenstehen
Und die Hassgülle wird das Netz weiter schwemmen. Was aber auch da ist, ist die Enttäuschung. Eine unglaubliche Enttäuschung über ein unglaubliches Versagen. Patricia Schlesingers falsches Handeln, das zu dem richtigen Schluss – der Aufgabe ihrer Ämter – führt, macht mehr kaputt als nur ihre Karriere. Es schmerzt alle, die seit Jahrzehnten dafür kämpfen, dass Frauen alle Positionen in diesem Land offenstehen. Die dafür kämpfen, dass Frauen an die Macht kommen. Nicht nur, weil Frauen dieses Recht zusteht, sondern auch, weil es den Gedanken gibt, Frauen würden die Gesellschaft, die Welt gerechter gestalten.

Tja schade. Da ist eine eh nicht wirklich rationale Position, der Glaube an das bessere in der Frau, dieser Essentialismus über das Gute in der Frau und das toxische im Mann nicht begründet. In der Tat ist es eines der bescheuersten Argumente für eine „Geschlechterparität“. Frauen sind nicht die besseren Menschen. Sie sind auch Menschen, mit allen Fehlern die das beinhaltet.

Was nun?
Was nun sagen, Patricia, wenn der Einwurf kommt, nein, die sind genauso gierig, egoistisch wie Männer? Kann man ein „Ja, aber …“ begründen, wenn Patricia Schlesinger Gelder, die Beitragzahler und -zahlerinnen oft mühsam erarbeiten, für ihr überbordendes Wohl verwendet?

Hat Schlesinger eine Ahnung, wie dumm wir Kämp­fe­r*in­nen jetzt dastehen, wie dünn unsere Argumente werden, wenn wir die Notwendigkeit von Frauen in Führung mit einem anderen Führungsstil und einem anderen Blick für und auf die Gesellschaft begründen?

Irgendwie ja bizarr. Da merkt sie wie schlecht ihre Argumente sind und beschwert sich, dass sie sie in Zukunft nicht mehr bringen kann. Sie sind eben schlecht. Sie waren auch schon vorher schlecht. Sie hat die Argumente nicht beschädigt, sondern nur den Schein dieser Pseudoargumente zerstört.

Was man über Patricia Schlesinger liest, ist äußerst unangenehm. Sie habe auf die Erhöhung ihres ohnehin hohen Gehaltes gedrängt, das nun bei rund 300.000 Euro liegt. Außerdem auf die heimliche Auszahlung eines Bonus. Ihren Abgang inszeniert sie als Opfererzählung. Ihre Bezüge möchte sie weiterhin erhalten.

Vielleicht ist auch das Teil des feministischen Kampfes: zu verstehen, es geht nicht nur darum, Frauen die Möglichkeit zu erstreiten, genauso scheitern zu können wie Männer. Es geht auch darum zu akzeptieren, dass sie sich oft genug genauso beschissen verhalten.

Auch lustig, dass sie ihr die Opfererzählung vorwirft, die sie mit ihrem „Frauen werden nicht nach oben gelassen“ ja auch bedient.

Das ist ja das Schöne an Frauen in hohen Positionen: Sicherlich machen auch viele ihre Sache gut, genauso wie Männer. Aber es kommen eben auch die, die deutlich machen, dass Frauen nicht besser sind.

Anne Spiegel hat uns gezeigt, dass Frauen auch meinen können alles zu schaffen, dass Spitzenjobs über die Verantwortung und den Einsatz auch große Schattenseiten haben, dass die Familie kürzer treten muss.

Patricia Schlesinger zeigt uns jetzt, dass Frauen knallhart auf ihren eigenen finanziellen Vorteil bedacht sein können und sich hemmungslos an Geldern anderer bedienen können, auch wenn sie anderen ein Sparen aufzwingen.

Mal sehen, was noch alles kommt (oder was schon gekommen ist und man hier noch aufzählen könnte, gerne ergänzen)