Boris von Heesen: „Was Männer kosten: Der hohe Preis des Patriarchats“

Eine neues Buch ist erschienen und hat auch hier schon für Diskussion gesorgt:

Aus dem Text auf der Verlagsseite:

Gewalt, Unfälle, Sucht, Diskriminierung, Hate Speech und Extremismus – Männer dominieren die Statistiken des Abgrunds: Sie verursachen doppelt so viele Verkehrsunfälle, begehen mit Abstand die meisten Straftaten und belegen deshalb auch 94 Prozent der Plätze in deutschen Gefängnissen. 75 Prozent der Alkoholtoten jedes Jahr sind männlich und mehr als 80 Prozent der häuslichen Gewalt geht von Männern aus.

Diese Zahlen stehen nicht nur für Schmerz und Trauer – sie verursachen auch immense Kosten. Boris von Heesen trägt erstmals Schritt für Schritt zusammen, wie hoch der Preis ist, den wir alle für toxische männliche Verhaltensweisen bezahlen: Über 63 Milliarden Euro kosten sie dieses Land jedes Jahr – mindestens. Er erläutert die Ursachen und zeigt Wege auf, wie wir diesem dramatischen Ungleichgewicht begegnen können: indem wir eine Gesellschaft schaffen, in der alle Geschlechter ihre Potentiale frei von patriarchalisch geprägten Klischees und festgefahrenen Rollenmustern entwickeln können

Und über den Autoren:

Boris von Heesen (*1969) ist Wirtschaftswissenschafter mit ersten beruflichen Stationen bei der Diakonie in Bayern und der Drogenhilfe in Frankfurt am Main. Er ist Gründer eines der ersten deutschen Online-Marktforschungsinstitute. Heute arbeitet er als Männerberater und geschäftsführender Vorstand eines Jugendhilfeträgers. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich als Autor und Referent mit dem Thema kritische Männlichkeit und veröffentlichte bereits zwei erfolgreiche Bücher zum Thema.

Ich kopiere mal aus den Besprechungen bei Amazon:

1. Andreas Steffen schreibt

Was Männer kosten – Falls jemand allein aus rein volkswirtschaftlicher Perspektive einige Argumente haben möchte, warum sich die holde Männlichkeit ein wenig am Riemen reißen sollte – oder gerade nicht:

Die Zahlen und Fakten, die Boris von Heesen auf Basis öffentlicher Statistiken hervorragend und leicht verständlich aufbereitet hat, sind wirklich harter Tobak. Und es ist erschreckend, welche immensen Kosten durch leider alltägliche toxisch-männliche Verhaltensweisen für Staat und Steuerzahler*innen entstehen.

Selbst ohne diese Finanzperspektive sind die Verhältnisse „von m zu w“ in den betrachteten Bereichen – von häuslicher Gewalt über Unfallstatistiken, Alkoholmissbrauch, Spielsucht und Wirtschaftskriminalität bis hinein in deutsche Gefängniszellen – bedrückend und beschämend für den Zustand dieses Landes.

Das muss vielleicht nicht so bleiben. Hierzu gibt von Heesen zahlreiche Anregungen – und das auf angenehme Weise, ohne belehrend zu sein.

Aus etwas weniger Patriarchat muss keineswegs die komplette Abkehr von der Männlichkeit resultieren – vielleicht aber ein entspannteres Menschsein. Auch dafür bietet der Autor fundierte Denkanstöße.

Aufgepasst beim Lesen: Man(n) braucht schon starke Nerven, um sich die Zahlen in diesem lesenswerten Buch zu Gemüte zu führen.

Männlich muss keinesfalls herrisch sein, weder aggressiv noch selbstzerstörerisch, bitte auch nicht dermaßen toxisch und teuer. Gender Equality sollte hierbei übrigens nicht bedeuten, dass die Damenwelt gleichziehen muss. 🙂

Danke für dieses Buch

2. NYCity schreibt:

Man muss dieses Buch gar nicht lesen – bereits der Klappentext strotzt nur so vor den üblichen feminischen Lügen und Verfälschungen:
80% der Täter bei häuslicher Gewalt sind männlich? Das stimmt nur, wenn man das Dunkelfeld außer aucht lässt. Männer zeigen häusliche Gewalt viel seltener an, und wenn doch, werden Sie ausgelacht. Dunkelfeldstudien ergeben hier eine Verteilung von ca. 50/50 und nicht 80/20.
Männer verursachen mehr Verkehrsunfälle? Ja, aber ie sieht das unter Berücksichtigung der Fahrleistung aus? Männer fahren deutlich mehr – nicht nur im PKW, sondern bitte auch die LKWs berücksichtigen.
Mehr Alkoholtote bei Männern? Statt zu versuchen, die Ursachen dafür zu erkennen und zu bekämpfen, ergeht sich der Autor in einfachem Männerbashing.
Fehlt nur noch, dass den Männern angelastet wird, dass 95% der tödlichen Arbeitsunfälle Männer betreffen.
Fazit: Ein überflüssiges. empathieloses Werk, dass allenfalls der feministischen Bubble zur Selbstbestätigung dient. Und vielleicht sollte der Autor mal analysieren, wie hoch der Anteil des Bruttosozialprodukts ist, der von Männern erarbeitet wird…

3. Bookoholic schreibt

Zunächst dachte ich ein wenig, daß es ein lustiges Hörbuch werden würde – das ist es nicht.
Im Gegenteil: es ist hochinteressant, weil ich noch nie in der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen auf den Kostenfaktor in Geld gedacht habe. Es ist aber tatsächlich so, daß Männer sehr viel mehr Kosten verursachen als Frauen.
Ein anderer Aspekt: Obwohl Männer noch immer in vielen Bereichen privilegiert sind, haben sie eine erheblich kürzere Lebenserwartung als Frauen. (nur ein kleiner Teil ist biologisch bedingt). So ist in Ländern, in denen die Gleichberechtigung beider Geschlechter angenähert ist – in vielen Ländern Skandinaviens beispielsweise – das durchschnittliche Sterbealter der Männer schon deutlich näher an dem der Frauen als in den meisten anderen Nationen, auch in Deutschland.
Der Autor zitiert viele Studien, aber ich fand das Thema insgesamt so faszinierend, daß mich die vielen Zahlen kein bisschen gestört haben (auch, wenn ich mir die meisten davon wohl nicht dauerhaft merken kann). Moritz Pliquet liest den Text aber auch wirklich wunderbar, was viel zur Verständlichkeit beiträgt.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Einteilung in offensichtliche Kosten in Geld (Teil 1), dann in nicht in Geld ausdrückbare Kosten (Teil 2), wie z.B. Trauer, wenn eine junge Familie ihren Mann und Vater bei einem illegalen Autorennen verliert. In Teil 3 zeigt Boris von Heesen dann Möglichkeiten auf, wie wir das für Männer UND Frauen toxische Patriarchat langfristig verändern können.

 

Natürlich immer schwer ein Buch zu besprechen, welches man nicht gelesen hat. Hier aber ein paar Gedanken:

  • Ich verstehe den Autoren so, dass er als Grund für die Kosten die „Toxische Männlichkeit“ sieht (klassisch feministisch). Wenn alle Männer sich davon lösen würden, dann wären eben die Kosten weg. Man würde dort wahrscheinlich auch anführen, dass die Gewinne, die sonst Männer produzieren, der Gesellschaft erhalten blieben (sie würden nur in einer besseren Gesellschaft und ggfs von Frauen oder nichtweißen Männern erarbeitet werden, vermutlich in einer Art Schlaraffenland, in der die Work-Life-Balance besteht ohne das die Gewinne leiden etc)
  • Die These über die toxische Männlichkeit ist bereits falsch. Wenn Männer eher Verbrechen begehen, eher Alkohol trinken, eher im Verkehr sterben, dann liegt das nicht an der toxischen Männlichkeit. Männer nutzen eben in jedem Bereich Möglichkeiten an Geld zu kommen eher, auch in riskanten, sie sind in den Spitzenbereichen der Normalverteilung auch eher bei Gewalttaten vertreten, was wenig über den normalen Mann aussagt und sie fahren eben auch einfach mehr Auto und sind Risikobereiter
  • Es wird im Feminismus immer so getan als könnte man das Schlechte von dem Guten abkoppeln. Dabei ist es in vielen Fällen nur die andere Seite der Medaille: Männer sind allgemein risikobereiter.  Das ist erst einmal eine neutrale Eigenschaft. Sie führt dann dazu, dass sie eher zB Verbrechen begehen mit dem Risiko erwischt zu werden, aber auch eher eine vollkommen legale Firma gründen, auch wenn die insolvent gehen kann und man alles riskiert etc.
  • Es wird der Eindruck erweckt, dass Männer nur kosten. Dabei erwirtschaften sie auch das allermeiste, weil Männlichkeit hoch produktiv ist.