Warum werden Frauen stärker von der Klimakrise getroffen?

Luisa Neubauer erklärt, warum Frauen von der Klimakrise stärker betroffen sind:

Luisa Neubauer: Die Wurzeln der Klimakrise liegen in Macht-Hierarchien von Männern über Frauen, von weißen Menschen über People of Colour, von Männern über die Natur. Und wer sich vor der Klimakrise schützen kann und wer nicht, wer die Folgen der Klimakrise, ob direkt oder indirekt, abfedern kann oder nicht, das wiederum ist auch eine Frage von Macht. Und die Macht liegt eben überproportional viel bei Männern. Ob es um Mitsprache geht, welche Infrastruktur wo gebaut wird. Ob es um die Verteilung von Geldern geht – wer bekommt Schutzgelder, wer kann es sich leisten, woanders hinzuziehen. Ob es darum geht, ob man die Resilienz hat, die Folgen auszutragen.

Also der alte intersektionale Trick: Männer haben die Macht, weil mehr mächtige Menschen (allerdings sehr wenige betrachtet im Verhältnis zur gesamten Gruppe) Männer sind.

Natürlich ist ein gewisser Energieverbrauch vollkommen Machtunabhängig und Frauen wollen auch nicht weniger Konsum oder weniger Energie verbrauchen und lieben auch wirtschaftlich starke Länder etc.

Sie unterstellt, dass NichtMänner und Nichtweiße andere Entscheidungen treffen würden, ohne das sie das in irgendeiner Weise nachweisen kann.

Es ist die alte Geschichte der guten Frau und des bösen Mannes, der bösen Weißen und der „edlen Wilden“ oder des guten Nichtweißen.

Die Wurzeln der Klimakrise liegen nicht in Machthierarchien, sie liegen im technischen Fortschritt, in der Nutzung von Techniken, die Energie brauche. Und natürlich wurden viele Anstrengungen vorgenommen, um Techniken umweltfreundlicher zu machen.

„Ja, die Klimakrise verschärft alle Ungerechtigkeiten, die wir erleben.“

Hast du ein Beispiel, an dem diese Geschlechterungerechtigkeit deutlich wird?

Ein sehr klassisches Beispiel ist natürlich, dass in sehr vielen Ländern in Subsahara-Afrika Frauen dafür verantwortlich sind, das Wasser zu holen. Aber die Wasserstellen versiegen. Das heißt: Je länger die Frauen zur Wasserstelle laufen müssen, desto weniger können sie sich bilden, sich um ihre Gesundheit und Gemeinschaft kümmern.

Das sind auch immer so Beispiele, die ich interessant finde, weil sie ja nur für einen sehr sehr kleinen Teil der Menschheit überhaupt relevant sind. Sie sagen nichts über Deutschland oder die „zivilisiertere Welt“ (also Wasser aus dem Wasserhahn) aus.

Ich vermute in Ländern, in denen Wasser nicht aus dem Wasserhahn kommt, ist Bildung allgemein relativ eingeschränkt. Und genug Männer werden ebenfalls schlechte Jobs haben, eine geringe Bildung etc.

Aber all das greift noch zu kurz. Wir haben das ja auch in Deutschland erlebt. Im Ahrtal wurden so viele Häuser zerstört. Und wer sind diejenigen gewesen, die das gut abfedern konnten? Es waren die Besserverdienenden. Und da sehen wir die klassizistische Dimension der Krise. Wir sehen aber auch eine Welt, in der Frauen tendenziell finanziell abhängig sind und eher in Altersarmut leben, was ja auch in Deutschland der Fall ist – und denen fehlt dann leider einfach auch die Resilienz, sich zu wehren.

Was für ein Beispiel für Geschlechterungerechtigkeit! Der typische normale Mann kann den Verlust eines Hauses ebenso wenig verkraften wie eine Frau. Und genug Familien haben ihre Häuser in hälftigen Eigentum und die Frau profitiert davon, dass der Mann mehr verdient als sie während er davon profitiert, dass jemand sich um Kinder und Haushalt kümmert und mit einem Teilzeitjob zusätzlich zum Familieneinkommen beiträgt. Und natürlich wird bei der Altersarmut auch die Witwenrente und der Versorgungsausgleich vergessen.

Und die Klimakrise verschärft das nochmal?

Ja, die Klimakrise verschärft alle Ungerechtigkeiten, die wir erleben. Und eine der sehr großen und grundlegenden Ungerechtigkeiten, die direkt vor unseren Augen auch noch im Jahr 2022 wild umhertobt, ist eben das Patriarchat und die Unterdrückung des weiblichen Geschlechts.

Ts ts ts, da ist sie etwas unintersektional. Die größte Unterdrückung dürfte da ja entweder der Rassismus sein oder die Benachteiligung von Transsexuellen.

Das ist aber das Schöne in den intersektionalen Theorien: Das Patriarchat und die Unterdrückung der Frau kann man eben immer mit allem verbinden.