„Du bist nicht mehr meine Freundin“

„Sandra“ sagt Fräulein Schmidt “ ist nicht mehr meine Freundin“. Sandra ist ein Mädchen aus dem Kindergarten, mit dem sie immer gerne gespielt hat, dass dann aber in die „Gruppe der großen Kinder“ gekommen ist während Fräulein Schmidt noch in der „Gruppe der kleinen Kinder“ ist. Sie sehen sich aber ab und zu noch, wenn die Kinder bei gutem Wetter auf den Spielplatz dürfen und die Gruppen sich mischen.  Fräulein Schmidts bester Freund im Kindergarten aus der „kleinen Grupp“ ist seit ein paar Tagen krank. Und beim Rausgehen hatte sie dann Sandra gesehen und ist gleich auf sie zu. Aber Sandra wollte nicht mit ihr spielen und hat ihr gesagt, dass sie nicht mehr ihre Freundin ist. Sie schaut traurig.

Abends will sie wie üblich noch nicht schlafen gehen. Es folgt die übliche Verzögerungstaktik: Noch ein Buch vorlesen. Und noch eins. Und dann habe ich Hunger! Irgendwann sind alle Ausreden aufgebraucht und weil sie weiß, dass es jetzt Zeit ist und sie zudem in einer müden Trotzigkeit gefangen ist, versucht sie es mit einer neue Waffe: „Papa, wenn ich jetzt schlafen muss, dann bist du nicht mehr mein Freund!“

Sie sagt es so empört, dass ich lachen muss. Ich nehme sie in den Arm und drücke sie und sage, dass ich immer ihr Freund bin und sie dagegen gar nichts machen kann. Aber das jetzt trotzdem Schlafenszeit ist. Und das Sandra auch wieder ihre Freundin sein wird. Sie muss es einfach noch mal versuchen. Wenn sie morgen ausgeschlafen ist.

Tatsächlich treffen wir Sandra mit ihrem Vater auch ein paar Tage später auf einem Spielplatz und alles ist vergessen. Sie sind wieder Freunde. Und klettern gemeinsam die Spielgeräte hoch und runter.

Wenn nur alle Probleme so leicht aus der Welt zu schaffen wären.

 

32 Gedanken zu “„Du bist nicht mehr meine Freundin“

  1. Ja, Kinder 🙂

    Meine Kleine kann ich in der Hinsicht irgendwie schlecht einschätzen, sie scheint so ein bisschen meine introvertierte Art abbekommen zu haben, zumindest erinnere ich mich nicht an explizite Freund/Nichtfreund-Aussagen (aber viele Sachen vergisst man leider auch viel zu schnell wieder). Ich weiß aber, dass sie sowas wie eine beste Freundin hat, zumindest treffen die sich manchmal und ticken sehr ähnlich.

    Das Freund/Nichtfreund erinnere ich mich aus meiner Kindheit, aber es war so eine Erpressungsmethode, die ich mehr mit Mädchen in Zusammenhang bringe („wenn du nicht mitspielst, bist du nicht mehr unser Freund“. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, dass mich das jemals nennenswert tangiert hätte (was kann das für ein Freund sein, der einen zu irgendwas erpresst? ich verzichte dankend). Vermutlich wirkt die weibliche Psyche schon im Kleinkindalter auf Gleichschaltung und sozialen Ausschluß hin, würde evolutionär vermutlich Sinn machen, viele Frauen jammern ja dann oft auch das ganze Leben lang darüber, dass „die Gesellschaft“ so einen Druck auf sie ausübt (während die meisten Männer recht druckunempfindlich zu sein scheinen 🙂 ).

    • die ich mehr mit Mädchen in Zusammenhang bringe

      Es gibt solche Mädchen, allerdings sind das nur einzelne. Ich erinnere mich an ein einziges Mädchen in meiner Grundschulklasse mit dieser Mentalität: bei jeder Kleinigkeit sofort beleidigt und die Freundschaft aufgekündigt, aber auch schnell wieder versöhnt (nämlich, wenn sie was von anderen wollte). Ich habe das Hin und Her zwei oder dreimal mitgemacht, aber dann war es mir zu blöd und ich habe mich nicht mehr mit ihr abgegeben.

      Aber auch bei erwachsenen Männern habe ich solches Verhalten schon erlebt.

  2. Ohja das ist immer wieder schön wenn die kleinen die Tricks anwenden wollen, die wir schon bei unseren Eltern versucht haben und damals haben die auch nicht funktionert 🙂

  3. Tatsächlich treffen wir Sandra mit ihrem Vater auch ein paar Tage später auf einem Spielplatz und alles ist vergessen. Sie sind wieder Freunde. Und klettern gemeinsam die Spielgeräte hoch und runter.

    Richtig muß es natürlich „Freundinnen“ heißen. Sonst geht ja die wesentliche Information verloren, daß es sich bei Tochter und dem anderen Mädchen um weibliche Wesen handelt – so ungefähr denken Gender-Spollvasten wie Ana-Troll Stefano-Witch.

    Daß es uns in den meisten Fällen egal ist, was für Geschlechter mit von der Partie sind, weil sich das meist aus dem Kontext ergibt, haben unsere großartigen Gender-Professoren noch nicht gerafft. An dem Ballspiel sieht man auch schön, wie unglaublich zwanghaft und formalistisch die Pseudorationalitäten von Ideologien funktionieren. Ist ja bei religiösen Vorschriften ähnlich.

    Wobei interessant ist, daß normale Menschen noch nicht mal diese Begründung brauchen, die ich hier expliziere. Normal wäre es, daß man über diesen Scheiß überhaupt nicht nachdenkt. Aber Gender-Professoren sind derartig verpeilt, daß sie es noch nicht mal checken, wenn man ihnen explizite Begründungen vorlegt, wie ich das hier tue.

    Es ist schon erschreckend, wie wenig Ahnung gerade diese „Linguisten“ vom Wesen der Sprache haben, die nun einmal sehr intuitiv und implizit funktioniert. Man muß nicht jeden Scheiß explizieren.

    Da gibt es eine Parallele zu christlichen Fundamentalisten und zu den offiziellen Kirchen, die in der Regel auch kaum gecheckt haben, was Jesus Christus wirklich gesagt und gemeint hat. Also gerade die vermeintlichen „Experten“ haben in der Regel am wenigsten Ahnung vom Christentum.

    Jesu Christi Diktum „Selig sind die Armen im Geiste“ ist z.B. der Todesstoß für all das theologische Gefasel und Bescheidwissertum, wie es in den Kirchen üblich ist. Diese Auseinandersetzungen stehen in aller Regel diametral zu dem, was Jesus Christus eigentlich gewollt hat, und dienen eher dem religiösen Narzißmus.

    PS: Achtet bei euren (weiblichen) Kindern mal darauf, ob sie geschlechterungerecht sprechen – und postet hier Beispiele. Solch eine Diktion ist bei Kindern nämlich sehr wahrscheinlich. Man erlebt es natürlich auch bei erwachsenen Frauen. Neulich sagte eine Hörerin im Deutschlandfunkt: „Ich bin Christ. Ganz bewußt.“

    Solche Momente wären die Chance für unsere Gender-Freaks, den ganzen Klimbim über Bord zu werfen.

    • den Genderfreaks gehts ja auch nicht um die Sprache (die haben ganz offensichtlich auch keinerlei Gespür oder auch Liebe für die Sprache), sondern um Ideologie, also um das, was sie glauben als „Wahrheit“ erkannt zu haben und gegen jegliche Realität verteidigen und insb auch allen anderen als „die Wahrheit“ aufzwingen wollen.

      • Gegen deine Minderwertigkeitskomplexe und dein pathologisches Sozialverhalten empfehle ich dir eine Therapie. Da kannst du auch den traumatischen Vaterverlust aufarbeiten, der zu deiner „Homosexualität“ geführt hat.

        Komisch, ich selbst finde mich total super. Sorge ich doch für mehr Diversity, Inklusion und Vielfalt.

        Adrian ist wirklich kein typischer Ossi. Viel zu unentspannt, miesepetrig und mit neoliberalem Sozialverhalten. Aber was will man von diesen zynischen Marktideologen auch erwarten? Ist im Grunde genommen völlig kongruent. Wärst du dir deiner Homosexualität übrigens wirklich sicher, wären dir meine Beiträge herzlich egal.

        Du wärst total gechillt und die Ruhe selbst.

        Dein Verhalten ist also ein weiterer Beweis für die Pathologie lebensgeschichtliche Bedingtheit der Homosexualität. Du solltest dich mal mehr mit Tiefenpsychologie beschäftigen.

        Ich kann ja nun auch nichts dafür, daß ich so häufig recht habe und so gehaltvolle Beiträge schreibe. Mit mehr Selbstwertgefühl würdest du damit besser klarkommen.

        Ich komme auch gut damit klar, daß Ping Pong so viel Richtiges zum Thema Corona schreibt.

        Die beste Therapie gibt es übrigens bei http://alice-miller.com/de

        Ich muß feststellen, daß ich eine echte Bereicherung für dieses Blog bin.

        • „Da kannst du auch den traumatischen Vaterverlust aufarbeiten, der zu deiner „Homosexualität“ geführt hat.“

          Ein guter Rat: Enthalte dich persönlicher Mutmaßungen gegenüber den Forenten hier. Deine allgemeinen Meinungen sollst du hier äußern dürfen wie jeder andere, aber wenn du derart persönlich wirst wie oben, gibt’s bald wieder aufs Maul. Erinnere dich, wie du das letztes Mal vertragen hast, und entscheide weise, was du dir einhandeln möchtest – und was nicht.

          • Bitte setze dich mit dem sexuellen Mißbrauch in deiner Kindheit auseinander und erkenne den Zusammenhang zu deinem „Sadomasochismus“. Man muß sich schon sehr dummstellen, wenn man den symbolischen Zusammenhang nicht begreifen will. Ist bei Männern leider deutlich häufiger als bei Frauen. Männer haben eine geringere psychische Intelligenz und einen größeren Hang zur Abwehr schmerzhafter Kindheitserfahrungen. Kann man aber etwas gegen machen.

            Ansonsten: Was seid ihr nur für unglaublich humorlose und peinliche Spießer.

            Glaubt ihr denn ernsthaft, eure Verbalinjurien würden mich irgendwie tangieren?

          • „Glaubt ihr denn ernsthaft, eure Verbalinjurien würden mich irgendwie tangieren?“

            Vielleicht nicht, aber die Stromstöße, die deine Frau dir an den Klöten versetzt, schon. Von den Schlägen mit dem Nudelholz ganz abgesehen.

  4. eigentlich bist du nicht der Freund deiner Tochter, sondern ihr Papa. Und das ist etwas wesentlich Unterschiedliches (und auch sehr viel wichtiger und tiefgreifender)

    • Stimmt, ich glaube auch als gutes Elternteil kann man in dem Sinn nicht Freund sein, Freundschaft ist auf Augenhöhe aber die Eltern-Kind-Beziehung ist , bzw. kann nicht auf Augenhöhe stattfinden. Als Elternteil trägt man eine ganze andere Verantwortung, man muss erziehen, anleiten, pflegen, auch mal bestrafen, also Dinge tun die in Freunden eher nicht oder weitaus seltener vorkommen.

      • man muss erziehen, anleiten, pflegen, auch mal bestrafen

        Was meinst du denn genau mit „bestrafen“? Kannst du das mal ausführen? Was für Strafen hast du denn angewendet oder als Kind selbst erhalten?

        Möglicherweise handelt es sich hier um einen Irrtum und man kommt völlig ohne Strafen in der Erziehung aus.

        PS: Evochrist wird das auch mit Sicherheit nicht wörtlich gemeint haben. Genauso wenig wie dem ihm seine Tochter. Man sollte das weniger puristisch angehen und anerkennen, daß es auch so etwas wie eine freundschaftliche Ebene gebt.

    • Die tiefempfundene Empörung der lieben Kleinen, wenn sie diese emotionale Atombombe zündeten, habe ich damals sehr geschätzt. Weil es so unverstellt taktisch, aber trotzdem auch ehrlich empfunden war. Gleichzeitig aber auch so offensichtlich flüchtig in der Aussage. Kinder leben im Hier und Jetzt, das wird in solchen Situationen sehr deutlich.

      Ich habe meinen Kindern damals das Gleiche gesagt: „Ich bin nicht Dein Freund, ich bin Dein Papa und habe Dich lieb und daran wird sich nie etwas ändern!“ Die Funktion der Eltern ist in dem Alter auch verschieden von denen der Freunde. Eltern sollten in meinen Augen darauf hinwirken, ein Fehlverhalten ihrer Sprößlinge zu korrigieren und nicht nur einen Rat oder eine Einschätzung dazu zu geben (was ein Freund tun würde).

      Freundschaft ist in dem Alter ohnehin relativ. Natürlich bricht eine Welt zusammen, wenn es einen Abschied gibt, aber drei Wochen später sieht die Welt wieder ganz anders aus. Ich habe weder beim Wechsel Kindergarten/Grundschule noch beim Wechsel Grundschule/weiterführende Schule den Eindruck gehabt, dass die mit dem Wechsel verbundenen Kontaktverluste bleibende Schäden verursacht haben. Auch wenn manche Trauerphasen länger waren als andere.

  5. Schöne Geschichte!
    Solche „Intrigenspiele“ kommen mal häufiger, mal seltener vor.
    Außerdem ist die Gruppe mit den Großen natürlich viel statusreicher. Die eine Tochter von einer Cousine von mir war sehr stolz darauf, dass sie mit 2 schon in die Gruppe ab 3 durfte. Eigentlich wohl, weil sie recht frech ist und die Großen ihr auch mal kontra geben.

  6. Meine Tochter hat, als sie klein war (lang, lang ist’s her) zweimal folgendes gemacht: sie wollte auf einer Schaukel sitzen, die aber von einem anderen Mädchen besetzt war, Also hat sie ganz langsam und vorsichtig die Hand des Mädchens angefasst und ihr dann in den Finger gebissen. Uns war das entsetzlich peinlich. Die Condition Humaine schlägt auch in jungen Jahren erbarmungslos zu.

  7. Ist dieses Verhalten nicht die Urgroßmutter der Cancel Culture? Beziehungen werden aufgrund vordergründiger Unzufriedenheit mit dem Gegenüber beendet.
    Bei Kindern ist das ja verständlich, weil das Reflektionsvermögen noch nicht so ausgebildet ist, bei Feministen haben wir uns auch schon daran gewöhnt. Aber bei Erwachsenen?
    Derzeit erleben wir ja, wie Menschen russischer Herkunft ihre Freundschaften verlieren. Da muss man sich schon fragen, was Freundschaft eigentlich im Grunde ist (außer der Name einer großen deutsch-russischen Ölpipeline).

    • Derzeit erleben wir ja, wie Menschen russischer Herkunft ihre Freundschaften verlieren.

      Wie geht denn das vonstatten? Fallen ihnen die Freundschaften in einem unbemerkten Moment aus der Hosentasche?

      Da muss man sich schon fragen, was Freundschaft eigentlich im Grunde ist

      Das ist eine relevante Frage.

      Ich bin kürzlich auch über eine gestolpert: Das vorherrschende Narrativ zur Zeit ist, dass wir handeln (kämpfen?) müssen, um die westliche Lebensart bzw. den Westen zu retten. Was ist denn der Westen? Was sind die zentralen Werte, die uns einen? So zentral und so einstimmig, dass es gerechtfertigt ist vom „Westen“ als Einheit zu sprechen?

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