Die SPD kann ihre Männerfeindlichkeit nicht lassen

Auf Twitter lebt die SPD mit bereits stark kritisierten Sprüchen wieder ihre Männerfeindlichkeit aus:

Zu diesem Spruch, der aus dem SPD Parteiprogramm ist, gibt es schon klare Ausführungen von Lukas Schoppe und Crumar aus dem Jahr 2013:

in Satz, der zum ersten Mal im Berliner Programm der SPD von 1989 auftauchte (S. 22) und der dann 2007 auch in das Hamburger Programm übernommen wurde (S. 41). Diese Übernahme war nicht selbstverständlich – prominente SPD-Frauen wie Hannelore Kraft, Gesine Schwan und Kerstin Griese hatten gefordert den Satz zu streichen, da er „rhetorisch verstaubt“ und „nicht mehr angemessen“ sei.  Auf Druck der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und der Jusos war er auch jedoch auch in die Neufassung des Grundsatzprogramms aufgenommen worden  – und nach dringlicher Fürsprache Erhard Epplers:
„Dieser Satz stammt nicht von einer radikalen Feministin, sondern von mir. Und ihr dürft ihn getrost ins Hamburger Programm übernehmen.“
Der Gedanke verharmlost den Satz, dass er nur deshalb problematisch sei, weil er rhetorisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit wäre. In einem Kommentar hier bezieht sich Crumar beispielsweise auf
„den legendären Satz, der nicht nur ahistorisch und asozial ist, sondern radikal zu Ende gedacht Männer nicht als Bestandteil einer menschlichen Gesellschaft sieht. Zerlegt man den Satz in Gegensatz Paare, wird deutlich, dass Frauen das Menschsein verkörpern, womit Männern nur noch die Position des zu überwindenden Unmenschen bleibt.“

Ganz gleich, wie immer der ja tatsächlich ausgesprochen wolkige Satz interpretiert wird, er arbeitet mit einem Gegensatz von Männlichkeit und Menschlichkeit. Demokraten würden selbst Nazis zwar als politische Gegner bekämpfen, ihnen aber nicht die Zugehörigkeit zum Menschsein abstreiten.

Warum aber sollten aus Sicht der SPD Männer insgesamt noch schlimmer sein als Nazis? Und wie gerät ein solcher Satz in das Grundsatzprogramm eine Partei, die sich als demokratisch versteht, und wie kann er sich dort über Jahrzehnte behaupten? Um auf die Fragen eine Antwort zu finden, lohnt sich ein Blick auf die Zusammenhänge, in denen dieser Satz steht.

Die genaue Geschichte kann man sich dann hier durchlesen

Das ist auch eine alte Parole im intersektionalen Feminimus, die aber inhaltsleer bleibt. Auch um diesen Tweet sind viele Diskussionen entstanden, insbesondere auch Aufforderungen die Privilegierung näher zu belegen.

121 Gedanken zu “Die SPD kann ihre Männerfeindlichkeit nicht lassen

  1. Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.
    Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.
    Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.
    Aber steht es um das deutsche Volk wirklich SO schlecht?

    Ich weiß nicht mehr, wie ich nicht zynisch werden soll.

  2. „Wir wollen nur, dass männlich sein nicht automatisch privilegiert ist.“

    Spd für mich automatisch nicht wählbar, weil die Annahme, ich sei privilegiert durch das Leben gegangen, sich nicht mit meiner Lebenserfahrung deckt.

    • Frauen sollen ihre Privilegien, richtige Privilegien, die sie in vielen Fällen aktiv nutzen können und die messbare Vorteile bringen, aber behalten. Diese will die SPD nicht abschaffen, deswegen schreiben sie auch nicht das „niemand aufgrund seines oder ihres Geschlechts automatisch privilegiert ist“.

      Aber wahrscheinlich glauben sie wirklich das Frauen, die im schnitt weniger arbeiten, weniger Geld erwirtschaften, aber mehr Geld ausgeben, weniger Steuern einzahlen, aber mehr Leistungen erhalten, die länger leben, für gleiche Leistungen mehr gelobt, für gleiche Verbrechen weniger bestraft werden, denen man eher glaubt, die mehr Optionen im Leben haben und die man am liebsten von jeder Verantwortung befreien will, tatsächlich keine Privilegien haben. Das muss man sich einfach immer wieder selbst einreden, dann glaubt man das irgendwann.

    • „sich nicht mit meiner Lebenserfahrung deckt.“

      Das ist in Wirklichkeit ein schwaches Gegenargument. Deshalb reden die ja immer von einer „Institutionalisierung“, um schön davon abzulenken, dass ihre sexistischen Phantastereien nur in ihrem eigenen Kopf existieren und niemand behaupten kann, er gäbe ein Gegenbeispiel ab.

  3. Bei der Verwendung des Pluralis Majestatis „Wir Frauen“ seitens einer Sozialdemokratin ist es angemessen darauf hinzuweisen, dass eine gewisse sozialdemokratische Frau frühzeitig Zweifel anmeldete:

    „Ich kann nicht so tun, als würde ich mit den Frauen der Bourgeoisie gemeinsame Sache machen. Sie sind Parasiten am Körper der Parasiten.“ Rosa Luxemburg

    Es gibt keinen besseren Einwand um zu klären, welche Konsequenzen der Verzicht auf einen Klassenperspektive bei der Entstehung der heutigen „Geschlechterpolitik“ hatte und hat.
    Wer gemeinsame Sache mit den „Parasiten am Körper der Parasiten“ macht, will definitiv keine parasitäre Gesellschaft überwinden, sondern nur ein neues Label auf die identische kleben.

    Ich finde es köstlich, wenn sich sozialdemokratische Frauen in der Neuzeit über „männliche Privilegien“ echauffieren – die innerparteiliche Quote ist ihnen vor Jahrzehnten auf einem Silbertablett überreicht worden.
    Von Männern, die immer eine Mehrheit der Mitglieder der SPD gestellt haben und gegen die eine Einführung eines solchen Privilegs für Frauen gar nicht möglich gewesen wäre.
    Seitdem gibt es eine inflationäre Verbreitung ungebildeter und überheblicher Schwätzerinnen in dieser Partei.

    • Rosa Luxemburg war keine Sozialdemokratin, sondern eine autoritäre, menschenverachtende Kommunistin, wie der von Dir zitierte Satz sehr schön belegt. Ein Satz übrigens, der wunderbar klar macht, warum es Gulags und Bautzen gab.

      • Die vielzitierten „Andersdenkenden“ der Luxemburg, damit waren ausschliesslich die Kommunisten gemeint. Die kommunistischen Geschichtsfälscher lügen immer, dass dies ein Plädojer für Meinungsfreiheit gewesen wäre. Ganz im Gegenteil.

      • Du erzählst mal wieder eine spezielle Version von Geschichte, Adrian.
        Rosa Luxemburg ist 1898 in die deutsche SPD eingetreten, eine kommunistische Partei gab es erst 1919 und in diesem Jahr wurde Luxemburg erschossen.
        Sie für „Gulags und Bautzen“ verantwortlich zu machen ist daher lächerlich.
        Die „menschenverachtende“ Position Luxemburgs bestand insbesondere darin, den 1. Weltkrieg verhindern zu wollen (für diese politische Ambition landete sie im Knast), während eine nationalistisch gewendete SPD für die Kriegskredite stimmte.
        17 Millionen Tote hat dieser tatsächlich menschenverachtende Krieg gekostet. Hauptsächlich Männer.
        Wie viele Verwundete und Verkrüppelte noch hinzu kamen kann man nur schätzen; allein im Deutschen Reich waren es nach dem 1. WK eine halbe Million „Kriegsversehrte“ (dito hauptsächlich Männer).
        Ist doch immer wieder interessant, wer hier für was Partei ergreift.

        • Du meinst, jemanden als „Parasit am Körper von Parasiten“ zu bezeichnen, hat nicht den geringsten Anteil von (Menschen-)Verachtung? Da ist keine Einstellung auszumachen, die über Leichen gehen würde, um Utopia zu errichten?

          OK

          • Ja, denn Sprache schafft Wirklichkeit, nicht wahr (woher kenne ich das bloß???).
            Bevor ich eine Trigger-Warnung aufstelle, wäre heute das Synonym „Schmarotzer“ zu verwenden angebracht, das die gleiche Bedeutung hat, ohne historisch belastet zu sein.
            Eine Historie die stattfand, als Rosa Luxemburg längst tot war.
            Ihr seid so „derailend“, wie es sonst nur Feministinnen sind.

          • Sprache drückt Handlungsintention aus.

            Ich halte nichts von Heiligen, deren Verehrung davon abhängt, dass sie nie in eine Position gelangten, wo sie die Hälfte der Bevölkerung wie Parasiten behandeln konnten.

            Mir reicht, dass sie rechtzeitig zum Ausdruck bringen, was sie vorhaben.

        • „Sie für „Gulags und Bautzen“ verantwortlich zu machen ist daher lächerlich.“

          Wer Menschen zu Parasiten erklärt, vertritt ein Denken, das zu Gulags und Bautzen führt.

          Übrigens: Unter den damaligen Umständen hätte ich auch für Kriegskredite gestimmt. Es war schließlich nicht sonderlich fair, dass die Welt Deutschland den Krieg erklärt, nur weil wir Österreich-Ungarn gegen Serbien unterstützen wollten.

          • Das mit den „Parasiten“ des „Finanzkapitalismus“ war übrigens seit jeher für die Kommunisten und Marxisten mit den Juden verknüpft, was deren Antisemitismus bis heute erklärt.

          • „Wer Menschen zu Parasiten erklärt, vertritt ein Denken, das zu Gulags und Bautzen führt.“

            Da stimme ich Dir mal zu, @Adrian.

            Was allerdings den ersten Weltkrieg betrifft… ich weiß, es war kompliziert, aber Deutschland hat den Krieg erklärt, nicht die anderen 🙂

          • @Alex

            Antisemitischer Blödsinn.
            Wäre der nationalsozialistische Vorwurf, das Finanzkapital (Terminologie: raffendes Kapital) sei fest in jüdischer Hand gewesen, dann ist die Frage, wie dies hier möglich gewesen ist:
            „Im Jahre 1947 war der Omgus-Report über die Deutsche Bank fertig. Die Sprache ist trocken, der Inhalt beinhart. »Es wird empfohlen«, so schrieben die Amerikaner gleich in Kapitel eins, »daß die Deutsche Bank liquidiert wird.« Die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank sollten »angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden, die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden.“
            https://www.spiegel.de/wirtschaft/deutsche-bank-will-rauben-a-962b2708-0002-0001-0000-000013513981
            Die nahezu gleichen Vorwürfe kann man der Dresdner Bank machen – Speerspitzen der „Arisierung“, Aufrüstung und späteren Plünderung der besetzten Gebiete. Keine Juden anwesend.

            Noch einmal: du wiederholst antisemitische Nazi-Propaganda.

            Aus der Wikipedia ist zur Begriffsgeschichte zu erfahren: „Der Begriff wurde vom Austromarxisten Rudolf Hilferding geprägt. In seinem Buch Das Finanzkapital (1910) beschreibt er eine Entwicklungsstufe des Kapitalismus, in der die Konzentration innerhalb des Bankwesens ein bedeutender Motor für das Erreichen des höchsten Stadiums der kapitalistischen Konzentration in Form von Trusts und Kartellen ist. Dadurch wächst die Abhängigkeit der Industrie von den Banken. Ein immer größerer Anteil des benötigten Investitionskapitals wird durch die Banken zur Verfügung gestellt, in deren Besitz ein wachsender Anteil des Industriekapitals übergeht. Es kommt zu einem Konzentrationsprozess des Bankkapitals, an deren Endpunkt eine Bank oder Bankengruppe die Verfügung über das gesamte Geldkapital erhält. „Eine solche ‚Zentralbank‘ würde dann die Kontrolle über die gesamte gesellschaftliche Produktion ausüben.“ Hilferding verband damit die Vorstellung von der Milderung der Krisen durch die finanzkapitalistische Mega-Vergesellschaftung von Industrie- und Banken-Agglomerationen.
            Hilferding schrieb:
            „Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft; es hat keinen Sinn für die Selbstständigkeit der Einzelkapitalisten, sondern verlangt seine Bindung; es verabscheut die Anarchie der Konkurrenz und will die Organisation […] um dies durchzusetzen […] braucht es den Staat […] einen politisch mächtigen Staat“
            https://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkapital

            Diese Erklärung kommt ohne einen einzigen Juden aus.
            Es sei denn, du identifizierst „Bankwesen“ und „Bankkapital“ mit Juden – dann würdest du aber lediglich abermals Nazi-Propaganda nachbeten.

          • @crumar
            Ein wenig sehr wirr…..
            Sowohl die Nazis als auch Kommunisten beklagten antisemitisch, dass Finanzkapital ihre bevorzugte Rasse bzw Klasse auspressen würden. Das ist eine der gewöhnlichsten antisemitischen Tropen, die Juden als geldgeile Unmenschen und heimlichen Herrscher der Finanzwelt hinzustellen, besonders populär durch die berüchtigten „Protokolle“.

          • @Alex

            Die „Protokolle“ sind eine Fälschung, du Honk.
            In mehreren Versionen hat der geheime Bund ein Büro in Zürich – wer denkt sich so einen Stuss aus und noch viel schlimmer: wer glaubt das?

          • „Sowohl die Nazis als auch Kommunisten beklagten antisemitisch, dass Finanzkapital ihre bevorzugte Rasse bzw Klasse auspressen würden. “

            Also die Kommunisten behaupteten das von ALLEN Kapitalisten, die NICHT mit den Juden identifiziert wurden (außer bei vielen frühen Sozialisten und vielleicht in Zukunft von den politisch Korrekten unter den Sozialisten (hier allerdings vermengt mit den Weißen)).

            Bei den Nazis gab es 2 Gruppen: Den Strasser-Flügel, der tatsächlich das gesamte Finanzkapital bzw. sogar den gesamten Kapitalismus als jüdisch ablehnte, und der Hitler-Flügel, der lediglich den jüdischen Teil des Finanzkapitals ablehnte. Ihr könnt nun raten, welcher von beiden sich in der Nazi-Partei durchgesetzt hat…

          • @crumar
            „wer denkt sich so einen Stuss aus und noch viel schlimmer: wer glaubt das?“

            In weiten Teilen der muslimischen Welt ist dieses antisemitische Machwerk die zweite richtig populäre Schrift neben dem Koran, auch heute noch.
            Das Original, das für die antisemitische Fälschung diente, habe ich noch auf dem Lesezettel, da sein Autor ein genialer Satiriker und Parodist ist, wie ich an einem anderen Buch sehen konnte: Maurice Joly, Dialoge in der Hölle.

          • @Antidogmatiker
            Ach ja, die Kommis waren da weniger konsequent als Nazis bei ihren antisemitischen Spinnereien. Wohl weil sie weniger strikt rassistisch dachten.
            Die deutsche monopolartige Schwerindustrie als echten Kapitalismus zu bezeichnen ist aber etwas sehr gewagt, erinnert ausserdem auch an den sowjetischen Staat, der auch eine Art Staatskapitalismus unterhielt, in dem die Preise zwar nicht durch den Markt, aber nichtsdesdotrotz per fiat geschaffen wurden um eine Kalkulationsgrundlage zu haben. Aller Totalitarismus kommt eben nicht umhin, die natürliche Zweiseitigkeit jedes Geschäfts zähneknirschend bis zu einem gewissen Grade zuzulassen, damit die einseitige zentrale Planung nicht alles in Grund und Boden wirtschaftet …

          • @Alex

            Du sagst: „sein Autor (sei) ein genialer Satiriker und Parodist“.
            Erkenne unsere Aufgabe, HONK.
            Z.B. herauszustellen, „sein Autor (ist) ein genialer Satiriker und Parodist“?!
            Verlege das Büro von Zürich nach Kairo – es ist immer noch saukomisch.

        • „Rosa Luxemburg ist 1898 in die deutsche SPD eingetreten“

          Tja, wie schade, dass das mit der kommunistischen Unterwanderung nicht schon vor 100 Jahren geklappt hat.

          • Das allerschlimmste ist ja, Rosa Luxemburg war auch noch Jüdin.
            Korrekt ist demnach in rechter PC: jüdisch-bolschwestische Unterwanderung.
            De Joden, de Joden, de Joden! 😉

          • Dass sie es nicht geschafft hat, wäre aber dann ein klarer Beweis, dass sie gar nicht jüdisch gewesen sein kann ….

          • Also, mir reicht es einfach festzustellen, dass diese Rosa Luxemburg keine Demokratin war und dass sie zu einer solchen von Antidemokraten heute gemacht wird und diese Geschichtsfälschung von allzuvielen Leuten geglaubt wird.

        • Danke Crumar, für den (vermutlich vergeblichen ) Versuch ideologischer Verblendung oder schlichter Dummheit entgegenzutreten, schon erstaunlich wie der Realitätsverlust so um sich greift, das ist leider kein Alleinstellungsmerkmal von Feministinnen.
          Und by the way, ich finde nichts verwerfliches daran, jemanden der funktionell tatsächlich ein Parasit ist auch als solchen zu bezeichnen.

          • „ich finde nichts verwerfliches daran, jemanden der funktionell tatsächlich ein Parasit ist auch als solchen zu bezeichnen.“

            Findest du es verwerflich, ihn wie einen Parasiten zu behandeln?
            Und wer entscheidet, dass er „tatsächlich“ einer ist?
            Ich schlag Danisch vor.
            Dann geht es zwar linken Soziologen an den Kragen und nicht der Bourgeoisie, aber das ist bestimmt trotzdem in deinem Sinne.

          • Noch einmal: Rosa Luxemburg hat präzise bezeichnet, was die Frauen der Bourgeoisie sind und warum sie mit ihnen keine gemeinsame Sachen machen will.
            Wer von der Ausbeutung der Ausbeuter profitiert, ist nicht das Material, um eine Allianz zu bilden.
            Der feministische Punkt ist zu behaupten, dieser Profit existiert nicht.
            Die weibliche Version der herrschenden Klasse existiert nicht, sondern in Wirklichkeit sind alle Frauen unterdrückt.
            Luxemburg hat den Text von Engels kritisch gelesen, wonach der Anfang aller Unterdrückung der der Frau gewesen ist.
            Denn die Frauen der herrschenden Klasse in Griechenland hätten den Markt nur in Begleitung ihrer Sklavin besuchen dürfen.
            So sad!
            Und mit welcher ihrer Sklavinnen ging die Sklavin auf den Markt?
            Die These hat das identische Problem, jede Klassenperspektive auf das Problem vermissen zu lassen.

          • Noch einmal: Es ist egal, wie wortreich du um Zustimmung zu den soziologischen Thesen buhlst, von jemandem, der in seiner Sprache deutlich macht, dass er für seine Ideologie bereit ist, über Leichen zu gehen, so wie alle bisherigen kommunistischen Machthaber.
            „Wer Utopia will, muss Gruppe X überwinden“ bleibt der stinkende Elefant im Raum, auch wenn du für X „Frauen der Bourgeoisie“ einsetzt,
            Die Theorien und Phrasen wechseln, die Selbsterhöhung bleibt die gleiche.

          • Es ist ein Spielchen: jemand wird seiner politischen Überzeugung umgebracht, die klar darauf hinausläuft, einen Krieg zu verhindern, dessen imperialistische Motive klar auf der Hand liegen.

            Die Aufforderung ist dann: lass uns den Kontext des Weltkriegs mit 17 Millionen Toten vergessen, lass uns vergessen, sie wurde in den Knast geworfen und ermordet.
            Richtig wichtig ist aus ihren Worten – die niemanden verletzt haben – etwas herzuleiten, was wesentlich schlimmer ist.
            Als ihre Einkerkerung, ihre Ermordung und ein ganzer Weltkrieg.

            Dann kann man den Spieß umdrehen: ihr zukünftige Verbrechen anlasten, die sie überhaupt nicht begangen hat, um letztlich ihre Ermordung zu rechtfertigen.

            Du kritisierst, in ihren Worten sei enthalten: „Wer Utopia will, muss Gruppe X überwinden“ – dass sie die herrschende Klasse abschaffen wollte, die den Krieg erst hervorgebracht hat, also keine Utopie, sondern eine Dystopie, verschwindet dabei.

            Der erste Weltkrieg war die politische Konsequenz der Auseinandersetzung imperialistischer Staaten und die Hoffnung war, mit der Abschaffung der nationalen Bourgeoisien und der Herrschaft der Mehrheit der Bevölkerung solche Auseinandersetzungen unmöglich zu machen.
            Die sozialistische Utopie hatte diesen demokratischen und pazifistischen Gehalt.

            Eine deutsche Republik hätte es ohne die Abschaffung der monarchischen Herrschaft (Gruppe X) nach dem ersten Weltkrieg nicht gegeben.
            Wenn es per se „mörderisch“ ist, die herrschenden Zustände zu ändern und zu überwinden, wieso nicht die Ausrufung der Republik als alberne „Utopie“ ebenso attackieren?
            Was du propagierst, ist historische Ohnmacht – ohne „utopischen Überschuss“, also die Vorstellung einer besseren Gesellschaft, hätte es keine französische Revolution gegeben.

            Wenn wir uns hier auf die Resultate der Aufklärung berufen, gerade auf die Vernunft, dann ist unschwer zu erkennen, sie hat sich gegen die Ideologie der herrschenden Klasse entwickeln müssen.
            Gegen Aberglauben, Religion und Irrationalismus.

            „Adel“ ist eine gesellschaftlich herrschende Klasse gewesen, „Mann“ oder „Frau“ (Geschlecht, aber auszuweiten auf sexuelle Orientierung, Hautfarbe, etc.) sind keine Klassen, sie sind noch nicht einmal eine soziale Schicht.
            „Feminismus“ hat schon vor langer Zeit die Seiten gewechselt und u.a. Rosa Luxemburg hat drastisch klar gemacht, aus welchen Gründen.
            Es gibt keine „natürliche Allianz“ auf biologischer Basis von Liz Mohn und Lieschen Müller und „Staatsfeminismus“ ist pure, opportunistische Notwendigkeit.

    • „Seitdem gibt es eine inflationäre Verbreitung ungebildeter und überheblicher Schwätzerinnen in dieser Partei.“

      Die Sozialdemokratie hat verloren, eine Art Kommunismus hat sich in der SPD durchgesetzt.

          • Dir ist schon klar, dass der Bolschwismus in Deutschland von der SPD füsiliert wurde? Was wir heute erleben, ist die Abwicklung der Demokratie im Sinne der heute dominierenden Hayek-Schule des Neoliberalismus, und in diese Ideologie und ihre Netzwerke sind mindestens SPD und Grüne seit Jahrzehnten kooptiert. Wer immer noch glaubt, dass es einen notwendigen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Demokratie gibt, bei dem brennt das fünfte Adventskerzlein.

          • „Dir ist schon klar, dass der Bolschwismus in Deutschland von der SPD füsiliert wurde?“

            Damals wussten die Sozen halt noch, dass der Feind auch ganz links steht.

          • Mit Reagan und Thatcher fing die linksextreme Hysterie mit dem „Neoliberalismus“ an, diese beiden waren die Neoliberalen schlechthin. Da fing auch das an, „die Neoliberalen“ und alle Nicht-Linksextremen systematisch als Nazis hinzustellen. Und heute soll das zur Aufgabe des deutschen Innenministeriums werden, hat also eine atemberaubende Karriere hingelegt. Und woher kommt das ursprünglich? Von den Kommunisten, die alle Demokraten als verkappte Nazis denunziert haben. Bestimmt auch nur Zufall.

          • Wer solche Politik macht wie Thatcher kann froh sein, wenn es bei Hassliedern bleibt.

            Mit Deiner Argumentationslogik kannst Du auch behaupten, dass an der Französischen Revolution die Freimaurer schuld sind und die Juden an der Russischen, weil soziales Elend bloß ein linkes Hirngespinst ist und nur von Linksextremen aufgehetzte Massen gegen ihre rechtmäßigen Herrscher revoluzzen.

          • @El_Mocho:

            Und die Unfähigkeit derselben SPD, die wilhelminischen Eliten konsequent zu entmachten, hat erst den Aufstieg des Nationalsozialismus ermöglicht.

          • Super, dass du dafür die antsemitische Hassjournallie „The Guardian“ heranführen musst, was Thatcher alles falsch gemacht hat. Fragen wir doch gleich Jeremy Corbyn.

          • „Es war zweifellos ein großes Verdienst der SPD, die Entstehung eines Sowjetsystems nach russischem Vorbild in Deutschland verhindert zu haben.“

            Das haben sie nicht verhindert, denn dazu wäre es kaum gekommen. Sie haben eine Räterepublik verhindert, um eine parlamentarische Republik zu etablieren. Der Preis dafür war die endgültige Spaltung der Linken und das Wiedererstarken der alten menschenverachtenden Eliten.

            In einer Räterepublik hätten die Räte die Politik bestimmt, und in den Räten war wer tonangebend? Richtig, die Sozialdemokraten. Die Politik wäre etwas linker gewesen, aber kaum vergleichbar mit der totalitären Politik Lenins. Es ist m.E. eine Mär, dass Verhältnisse wie in der Sowjetunion gedroht hätten. Das war damals wie heute nur ein Schreckbild, dass die alten und heutigen Eliten gebrauchen. Freilich eines, das sehr gut verfängt.

          • @djad »Killing the Messenger«

            Dein Guardian ist das letzte Drecksblatt. Hier wird aktuell gerade Stalin (!) gepriesen, als bibliophiler Intellektueller….

            https://www.theguardian.com/books/2022/feb/16/stalins-library-by-geoffrey-roberts-review-the-marks-of-a-leader

            … das ganze Stück verhöhnt den Leser, indem es sich an einzelnen Stellen, die man mit der Lupe suchen muss, scheinbar von dem Stalin verherrlichenden Buch, das hier besprochen wird, distanziert. „plausible denialability“, damit niemand wie ich dem Guardian was Böses nachsagen kann, zB so einen perfiden Mist zu veröffentlichen.

          • @djad
            Dann nochmal zu deinem „Neoliberalismus“. Der ist nichts als ein übler und nichtssagender Kampfbegriff. Um alles, was zum Beispiel dem sozialistischen Sozialstaat anzulasten wäre, dem bösen Kapitalismus in die Schuhe zu schieben, wie HartzIV.
            Die ganze Unredlichkeit dabei ist schwer nervig und absolut intelligenztötend. Wohl deshalb haben Linke weniger als gar keine Ahnung von wirtschaftlichen Denken, da ist einfach eine gigantische Blockade aufgebaut. Besonders „schön“ ist das jetzt mit der „Energiewende“ zu beobachten.

          • @Alex:

            »Dann nochmal zu deinem „Neoliberalismus“. Der ist nichts als ein übler und nichtssagender Kampfbegriff.«

            Manche Leute verwenden ihn als Kampfbegriff, aber er lässt sich nichtsdestotrotz ideengeschichtlich und wirkungsgeschichtlich sauber definieren, über die Wiener Schule, die Mont-Pelerin-Society, die Schriften insbesondere Hayeks und Friedmans, die Chicago school of economics, die Privatisierungsideologie, und die Lobby-Netzwerke, mit denen Einfluss ausgeübt und propagandistische Dauerbeschallung organisiert wird. Hayeks Schule stand jahrzehntelang im politischen Abseits, erst mit Reagan und Thatcher begann ihr Siegeszug – heute ist sie vorherrschend.

            Die immer noch weitverbreitete Gegenüberstellung von Markt und Staat stammt noch aus dem 19. Jahrhundert, als das Ideal lautete, dass der Staat sich so weit wie möglich aus der Ökonomie raushalten solle – Hayek dagegen will einen starken Staat, aber nicht, um den Bürger vor zu viel Markt, sondern um die Märkte vor zu viel Demokratie zu schützen. Wenn Hayek »liberal« sagt, meint er nicht »demokratisch«, sondern die Freiheit der unternehmerischen Tätigkeit. Demokratie ist für ihn in Wahrheit »Schtonk«!

            Demokratie führt seiner Ansicht nach nur dazu, dass der Pöbel seinen Platz nicht mehr kennt und anfängt, maßlose Ansprüche zu stellen. Deswegen hat er auch nicht verstanden, was die Welt an Pinochet zu beanstanden hatte, schließlich hatte der doch bloß den Pöbel in die Schranken verwiesen.

            Und so wurde »Neoliberalismus« zu der Luft, die unsere Politiker wie selbstverständlich atmen, weshalb der globalisierte Finanzkapitalismus so oft er will auf Grund laufen kann, ohne das jemand auf die Idee käme, dass da etwas grundsätzlich schief läuft.

            »Wohl deshalb haben Linke weniger als gar keine Ahnung von wirtschaftlichen Denken, da ist einfach eine gigantische Blockade aufgebaut.«

            Weißt Du, wer inzwischen am allerwenigsten Ahnung von wirtschaftlichem Denken hat? Die neoklassische Ökonomik im Fahrwasser dieses Neoliberalismus. Vollkommen esoterisch und verschwurbelt, weder empirisch noch prognosefähig, beweist sie mit mathematischer Seiltänzerei nur noch sich selbst und ihren Gläubigen (darunter leider ein Großteil der politischen Klasse) immer wieder, dass sie im Prinzip nichts falsch macht, und wenn die Wirklichkeit nicht dazu passt, dann um so schlimmer für die Wirklichkeit.

            Der galoppierende Irrationalismus, den man so gerne bei den Globuligläubigen verortet, ist schon längst im Herzen unserer Gesellschaft angekommen.

          • @djad
            Dem kann ich mich ja endlich mal anschliessen, so halbwegs. Ich habe da eine etwas andere Sicht. Dieser Hayek mitsamt der Schule finde ich weniger bis gar nicht interessant als die Finanzialisierung der Wirtschaft, die mit dem Rückenwind fallender Zinsen einen grossen Boom auslöste, was schon sehr positiv war! Leider versäumte man dann, die regulatorischen Stellschrauben an- bzw nachzuziehen, die einem epidemischen Betrug Vorschub leiteten, der zu den berüchtigten Crashs der 2000der führte. Dabei wären einige kleinere Vorfälle Anlass gewesen. Das ist eigentlich unverzeihlich, wie auch dass weitere Regeln nach 2009 noch weiter aufgeweicht wurden, was uns jetzt den allgemeinen Grössenwahn über das ganze Spektrum der Gesellschaft eingebracht hat. Der Kapitalismus ist allerdings ein schlechter Sündenbock, es ist die ungenügende Kontrolle und vor allem die Weigerung dem Kapitalismus freien Lauf zu lassen, durch PLEITEN. Und letzteres geschah mit den besten sozialpolitischen Intentionen, Arbeitsplätze zu retten etc und natürlich die der ganzen Finanztypen! Um ja keinen Kredit ausfallen zu lassen, musste man unbedingt jeden Dreck stabilisieren, wozu der Nullzins diente. Wenn das Kapitalismus ist, dann bin ich Mutter Theresa!

            Ich bin da wirklich kein Spezialist, aber hege arg den Verdacht, dass dieser Hayek und seine Schule damit gar nichts zu schaffen haben und völlig überbewertet sind.
            Ich kann es auch absolut nicht verstehen, wieso Liberalismus und eine Kontrolle von Finanzmärkten sich ausschliessen sollten. Im Gegenteil finde ich, das gehört zusammen, wie Wohlstand und Gesetzestreue!
            Und klar, was da so als Ökonomen Parade marschiert, das ist einfach nur dismal science, wogegen alle Coronapolitik noch seriös gegen ist. Erst kürzlich war ich wieder mal geschockt, was aus einem Shiller geworden ist.

          • @djad

            Die rein ideologische Basis der „globalen Lieferketten“ ist die Zweiteilung der Welt in a. materielle Produktion und b. ideelle plus globale Herrschaft über die „terms of trade“.
            Der Herr (und damit meine ich natürlich die Frau) ist für das Denken zuständig (Ideologieproduktion, Finanzprodukte, Patente, Entwürfe und Vermarktung etc.) und der Knecht für die Ausführung dieser Gedanken in seinem zugesehenen Rahmen.
            Der Herr*innen ist die Theorie und der Knecht die Praxis. 😉

            Natürlich kann man sagen, Filterpapier von Deutschland nach China zu verschicken, welche in FFP2-Masken verwandelt und wieder zurück geschickt werden ist irrational.
            Aber an dem Filterpapier wird ein anständiger Profit erwirtschaftet, an den fertigen Masken nicht. DAS ist rational (im Rahmen dieser Religion).

            Und fällt erst auf, wenn es sich der Knecht erlaubt, die Masken lieber selber zu verwenden, wenn er sie braucht.
            Der Knecht stellt lieber die Produktion seiner Wafer und Chips auf das um, was der Markt gerade fordert, wenn man der Meinung ist, keine Autos verkaufen zu können. Zu dumm, wenn man dann auf diese Chips angewiesen ist, um Autos zu verkaufen.

            Sie werden gerade mit den rationalen Folgen ihrer eigenen (irrationalen) Ideologie konfrontiert.

          • @crumar
            Das sind nun echt weniger „Folgen der Ideologie“ als schlicht und ergreifend ein Angriff. Hier wird die Lieferung ausgesetzt, um Macht auszuüben. Das ist Politik, kein Kapitalismus…. Erpressung, Racket, wie zB das Katz und Maus Spiel von Putin gerade.

          • @Alex

            Hör doch mal auf mit diesen Verschwörungstheorien!

            Seitdem betriebswirtschaftlich Lagerhaltung des Teufels ist und just-in-time regiert, bedeutet die Stornierung von Aufträgen bspw. seitens der Automobilindustrie, dass keine „überflüssigen Teile“ bei ihnen auf Lager liegen.
            Nach deiner Vorstellung müssten nun die Produzenten der Chips so lange Däumchen drehen, bis wieder Aufträge eingehen – was völlig irrational ist.
            Die sehen sich nach alternativen (u.U. profitableren) Produkten um, die es in den Zeiten von „home office“ reichlich gegeben hat; zudem präferieren sie regionale Kunden, wenn die Transportwege limitiert sind.
            Das Einzelkapital z.B. in Taiwan (TSMC) reagiert völlig rational – nur nicht im Rahmen der neoliberalen Theorie.

            Die Idee, „der (globale) Markt“ würde es schon richten und man könne durch outsourcing den Druck auf die Kosten (zur Steigerung der Profite) weiter erhöhen ist ihnen auf die Füße gefallen: „Die Europäische Kommission hat verkündet, dass sie dafür rund 43 Milliarden Euro an öffentlichen Investitionen freimachen will. Auf diese Weise sollen Vorkehrungen getroffen werden, „zukünftige Schocks für unsere Wirtschaft zu vermeiden, wie wir sie mit den derzeitigen Versorgungsengpässen bei Chips sehen“, erklärte EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton am Dienstag.“
            https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/chips-act-vorgestellt-europa-pumpt-milliarden-in-die-chip-produktion/28049260.html

            Aus dem gleichen Artikel: „Ohne Mikrochips geht nichts in unserer hochtechnisierten Welt.“ Wirklich?! Hättest du das gedacht, Alex?
            Der Artikel samt diesem Satz stammt vom 8.2.2022, er hätte aber vor dreißig Jahren genauso veröffentlicht werden können.
            Dazwischen liegt die Verlagerung der Produktion in der „Gewissheit“, dass der (globale) Markt es schon richten wird. Die Chips – auf die man angewiesen ist – zu genau dem Zeitpunkt und dem Preis liefern, den man selber braucht, um mit maximalem Profit ein Produkt zu erstellen.
            Was kann jetzt noch schief gehen?

            Wer es nicht mitbekommen hat, wir haben auch einen Engpass in Sachen Papier für den Buchdruck und hier kommt die Erklärung (kursiv und Anmerkungen von mir): „Laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, einem der größten Verbände von Verlagen, Produzenten und Buchhändlern, beruht der Papierengpass auf zwei Faktoren: der Corona-Pandemie und dem Rohstoffmangel. Während der Pandemie hat der Onlinehandel nochmals deutlich zugelegt. Viele Papierhersteller haben daher die Produktion von grafischem Papier, das für den Buchdruck benötigt wird, zu Gunsten der Produktion von Verpackungen zurückgeschraubt (Anm. es wurden ganze Fabriken dicht gemacht oder umgestellt auf die Produktion von Kartonage). Gleichzeitig werden die Lieferkapazitäten weniger. Der für die Papierherstellung wichtige Zellstoff muss allerdings aus Asien und Südamerika importiert, kann aber nicht transportiert werden. Die Folge: Der Preis für Zellstoff hat sich innerhalb weniger Monate nahezu verdoppelt. Auch Altpapier ist seltener und hat sich um 75 Prozent verteuert.“ https://www.br.de/nachrichten/bayern/rohstoffmangel-den-druckereien-geht-das-papier-aus,SjdGSdy

            Ausgelassen wird die besondere Ironie: Deutschland ist der größte Exporteur von Papier, Karton und Pappe der Welt. Die Rohstoffe kommen aber nicht einmal aus Europa. Was kann jetzt noch schief gehen?!

            Die „Erpressung“ kommt ohne Putin oder Juden aus, ist dem aktuellen Zustand voraus gegangen und erpresst wurden bisher die Zulieferer der (Vor-) Produkte und Rohstoffe. Die kommen nun auf die Idee, dass „alternativlos“ keine Einbahnstraße ist. Dumm gelaufen…

          • @crumar
            „Hättest du das gedacht, Alex?
            Der Artikel samt diesem Satz stammt vom 8.2.2022, er hätte aber vor dreißig Jahren“

            Vor 30 Jahren schon hab ich das ganze Zitronenauspressen wie just in time gehasst! Weil es Instabilität bedeutet. Das mit dem Chipmangel kam vor ca 1 Jahr raus, die Autohändler sagten schon stark steigende Gebrauchtwagenpreise und Lieferprobleme von Neuwagen voraus. Skeptisch machte mich allerdings, ob man hier nicht einen Nachfrageeinbruch (wer gibt einen Rattenarsch auf Autos, die morgen schon verboten werden könnte?) verschleiern wollte.
            Jetzt wird der Nachteil der Produktketten-Effizienz bezahlt. Die ganze aktuelle Nullzinspolitik ist übrigens eine solche Vorwegnahme von Vorteilen im Hier und Jetzt – und „nach mir die Sintflut“. Es hat eben seinen tieferen Grund, warum Zinsen auch Renten genannt werden, die letzteren sind nämlich gestern schon ausgegeben worden. Und aus diesem Grund kann ich die Initiatoren des „Neoliberalismus“ auch nicht besonders schätzen, das waren weniger Visionäre und Reformer als Opportunisten, die den Rückenwind der fallenden Zinsen (absolutes Rekordzinsniveau herrschte, um die Stagfaltion der 70er zu brechen) ausnutzten.

            Heute stehen die zentralistischen Diktaturen natürlich gar nicht schlecht da, da die offenen Gesellschaften die offenkundigen Schwächen in jeder Hinsicht der Versorgung (mit Gütern, Energie und Renten) gar nicht in den Griff bekommen können, jedenfalls ohne diktatorischen Zwang. Und das wissen die und deshalb dreht Putin – stellvertretend für alle diese Regime – jetzt den sprichwörtlichen und hier buchstäblichen Gashahn ab. Und die Leute werden dann feststellen, dass längst überholt geglaubte und als primitiv verachtete Macht- und Eroberungspolitik eine möglicherweise glänzende Zukunftt vor sich haben. Bitter. Aber den Allierten vor dem 2. WK wird die Welt damals auch nicht anders vorgekommen sein.

          • „deshalb dreht Putin – stellvertretend für alle diese Regime – jetzt den sprichwörtlichen und hier buchstäblichen Gashahn ab“

            Bitte belege diese Behauptung einmal. Soweit ich weiß, erfüllen die Russen pflichtbewusst alle Verträge.

          • @Renton
            Die Russen lieferten und liefern nicht. Das zeigen die Gasmengen an den Kontrollstellen bei Einfluss nach D. War vor einiger Zeit zB bei twitter.com/JavierBlas berichtet. Die Russen behaupten einfach kackfrech, dass sie vollkommen vertragstreu seien und natürlich beschwert sich niemand, man will ja nur keinen Streit. Da die Gasmengen in den deutschen Speichern nicht auf dramatischste Tiefstände gefallen sind, hofft man so lala über die Runden zu kommen und setzt auf ein Enden der Krise in Wohlgefallen.

          • Ach so: was ich aber eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, das ist die vollkommene Asymmetrie der Situatiuon hier: Putin kann sein Gas auch nach China verkaufen (in der Tat hatte er mit China zum Start der Olympiade diesbez. Lieferverträge unterzeichnet), während wir hier kein wirklichen Ersatz haben und potentiell auf einem gigantischen Berg von Fehlinvestitionen hocken. Wir sind dadurch im höchsten Masse erpressbar geworden. Die Gaspipelines in den Westen sind deshalb jetzt schon faktisch tot und unbrauchbar. Wie wird man sich überhaupt noch darauf verlassen können. Das wäre grob fahrlässig und praktisch Hochverrat die weiter zu betreiben.
            Die Regierung steht vor der grössten politischen Katastrophe seit dem 2. WK. Die sie vollkommen selbst verschuldet hat, denn die SPD hat ja ewig den Vizekanzler gestellt, während die ganzen Weichenstellungen für die jetztige Situation erfolgten.

          • @Alex

            Du meinst nicht zufällig die Jamalpipeline?

            „Der polnische Wunsch nach einer energiepolitischen Unabhängigkeit von Russland ist dabei ein äußerst lukratives Geschäft für deutsche Gashändler. Die kaufen das Gas preiswert aus den in langfristigen Lieferverträgen vereinbarten Abnahmemengen aus Russland ein und verkaufen es dann zu den weitaus höheren Preisen auf dem Spotmarkt und den Futuremärkten an Polen weiter. Noch verrückter wird die ganze Geschichte, wenn man sich die physischen Lieferwege anschaut. Deutschland bezieht dieses Gas hauptsächlich aus Russland über die durch Polen verlaufende Jamal-Pipeline. Und über eben diese Pipeline liefern die Händler dann auch das Gas im Rückwärtsbetrieb an Polen weiter.

            Genau das passiert durchgängig seit nunmehr 36 Tagen. Nach Meldungen des deutschen Netzbetreibers Gascade liefert die Jamal-Pipeline seitdem nicht etwa russisches Gas in deutsche Speicher, sondern umgekehrt russisches Gas aus deutschen Speichern ostwärts nach Polen und von dort aus sogar in die Ukraine. Zurzeit beträgt das Liefervolumen sagenhafte 13 Millionen Kilowattstunden pro Stunde. Das ist, gemessen am derzeitigen Gaspreis an den Spotmärkten, Gas im Wert 1,3 Millionen Euro pro Stunde, 31,2 Millionen Euro pro Tag. Leider ist nicht bekannt, zu welchem Preis die Händler das Gas zuvor aus Russland eingekauft haben. Wenn der Preis sich jedoch an dem langfristigen Durchschnittspreis auf dem Future-Markt orientiert, so kann man davon ausgehen, dass sie zurzeit mindestens 400% Gewinn machen.“

            https://www.nachdenkseiten.de/?p=80121

            Nicht die Russen drehen uns den Gashahn ab, sondern deutsche Gashändler verzichten darauf, russisches Gas einzukaufen, weil sie die Pipelinekapazität benutzen, um unsere Gasreserven in Polen zu versilbern.

            Da könnte natürlich eine weitere Pipeline helfen, die Polen umgeht. Es sind aber nicht die verfickten Russen, die die Inbetriebnahme von North Stream 2 blockieren, sondern amihörige deutsche Politiker. Die sind die Verräter an den Interessen des deutschen Volkes! Die Russen wollen uns sogar mehr Gas liefern, mit langfristigen Verträgen und damit mindestens aktuell sogar deutlich preiswerter, aber beknackte Transatlantiker so wie du wollen, dass wir lieber teures amerikanische Flüssiggas importieren. Weil die Amerikaner ja bestimmt nie auf die Idee kämen, wirtschaftlichen Druck auszuüben!…

          • PS.: Was gibst du mir denn dafür?

            „Deutsche Energiepolitiker haben offenbar darauf gesetzt, eventuelle Versorgungslücken durch nicht-russische Gaslieferungen ausgleichen zu können, im speziellen durch das uns seit Jahren geradezu aufgedrängte, teure und klimaschädliche Frackinggas aus amerikanischen Schieferböden. Nicht bedacht wurde dabei offenbar, dass Schiffe – anders als Pipelines – ihr Lieferziel flexibel verändern können. Als nun Mitte 2021 die Gasnachfrage aus China anzog und dort zwischenzeitlich höhere Preise gezahlt wurden als in Europa, änderten die US-Tanker mit der wertvollen Fracht schlicht ihre Route und steuerten statt der hiesigen Flüssiggasterminals die chinesischen an. Pech für Europa.“
            https://www.focus.de/politik/deutschland/weitergedacht/weitergedacht-die-wagenknecht-kolumne-ein-denkfehler-in-der-energiepolitik-macht-deutschlands-verbraucher-zu-verlierern_id_53956651.html

            US-Lieferanten erweisen sich als unzuverlässig. Völlig klar: Die Russen sind schuld!
            Die Krönung wäre jetzt nur noch, wenn diese Lieferanten einfach mal spontan existierende Lieferverträge gekündigt hätten. Ich traue es ihnen ohne weiteres zu.

          • @Renton
            Die Verteilung des Gases ist natürlich ein einziges Netzwerk von erst mal absurd erscheinenden Arbitragegeschäften, das ist eindringlich beschrieben in deinem Zitat. Entscheidend ist nur das, was netto gegen Westen fliesst und das ist eben 0 (jedenfalls bis vor kurzem, ich schätze aber mal jetzt auch).
            Das verdammte Flüssiggas ist nur eine politische und strategische Lösung. Besser das als im Kalten sitzen. Ich sage „verdammt“, weil der enorme Preisverfall des Gases durch das fracking (wollte niemand, konnte man schlecht transportieren) die Begehrlichkeiten deutscher Energiepolitik nach Erdgas erst so richtig geweckt hat. Ich habe mich dem übrigens schon damals entschieden verweigert, weil ich gleich die grosse Abhängigkeit und die damit einhergehende fehlende Preisstabilität unerträglich fand.

            Wenn Wagenknecht so tut als sei das „LNG“ aus USA bis vor kurzem schon eine Option gewesen, dann liegt sie ganz falsch. Diese Option kam erst auf den Tisch, als es klar war, dass beim russischen Gas eine Totalblockade erfolgen kann, weil Putin einen Krieg vom Zaune brechen will.

            Die Ursache für die steigenden Energiepreise sind auch allen Kennern der Materie gekannt. Es sind die in den letzten Jahren runtergefahrenen Kapitalausgaben für die Gewinnung von Öl und Gas schuld, im Zuge des Kampfes gegen den Klimawandel! Grosse Fondgesellschaften (das ist das, was den Markt treibt) haben nämlich um das zu erreichen enormen Druck auf die Industrie ausgeübt!

            Wenn man mich fragen würde, dann würde ich für Deutschlands Energieversorgung die Kohlekraftwerke wieder starten und ausbauen (Atomkraft wird ja mit reliöser Inbrunst gehasst) und diese sog. Energiewende ganz abblasen. Und so wird es dann bald auch kommen imho.

          • „Entscheidend ist nur das, was netto gegen Westen fliesst und das ist eben 0“

            Doppelt falsch. Weniger wichtig: Es ist nicht bloß 0, sondern – für Deutschland – derzeit negativ. Und entscheidend ist, warum das so ist, denn darüber reden wir doch: Es ist nicht die Schuld der Russen, sondern die der deutschen Gashändler. Die Russen würden liefern, wenn die deutschen Händler wöllten.
            Sie würden auch liefern – ich wiederhole mich -, wenn North Stream 2 schon in Betrieb wäre.

            LNG ist eine Option, seit und weil die Amerikaner es uns verkaufen wollen.

            Wir werden auf absehbare Zeit weiter von Energieimporten abhängig sein. Die Länder, die uns die Energieträger liefern, werden auf absehbare Zeit weiter von deren Export abhängig sein. Daran führt kein Weg vorbei. Ich bin, obwohl prinzipieller Atomkraftgegner, sogar nahe bei dir, dass wir angesichts der Energiewende die Kernenergie besser noch beibehalten hätten. Aber der Zug ist wohl leider abgefahren. Jetzt müssen wir entscheiden, von wem wir uns abhängig machen. Und da sind mir die Russen lieber, weil sie entgegen deiner Propaganda zuverlässige Lieferanten sind, nicht zuletzt, weil man Pipelines verglichen mit Schiffen nicht umleiten kann, und darüber hinaus sind sie schlicht die billigeren Anbieter. Wir wären bescheuert, nicht von ihnen zu beziehen.

        • Bei der SPD denkt man inzwischen genau so wie bei den Bolscheviki vor 1917. Man verfolgt absolute Ziele die mit allen Mitteln durchgesetzt werden müssen, Die gesamte sozialdemokratische Tradition seit Eduard Bernstein ist tot und durch postmodernen Mist ersetzt worden.

          • Aber diese Ziele sind keine von autonomer Politik gesetzten Ziele, sondern werden von den Interessen des Finanzkapitals und der großen Konzerne und Investoren vorgegeben, die heute die Politik fest im Griff haben.

          • „sondern werden von den Interessen des Finanzkapitals und der großen Konzerne und Investoren vorgegeben, die heute die Politik fest im Griff haben.“

            Klaro. Die Frankfurter Schule ist von großen Konzernen und vom Finanzkapital erfunden worden.

          • @djadmoros
            Klaro. Solide Finanzpolitik und Marktwirtschaft ist ein Problem. Postmoderner Kommunismus die Lösung.

          • @Adrian:

            Wir haben weder solide Finanzpolitik noch solide Marktwirtschaft. Der Kapitalismus geht gerade an seinen immanenten Widersprüchen zugrunde, so wie Marx vorhergesagt hat.

          • @djad
            „Der Kapitalismus geht gerade an seinen immanenten Widersprüchen zugrunde, so wie Marx vorhergesagt hat.“

            Das ist die Hoffnung des Neokommunismus von heute …. genauso wie der Kommunisten von gestern.
            Leicht an der geschichtlichen Teleologie wiederzuerkennen.
            Kommunisten glauben halt an die Perfektheit des Menschen und Widersprüche werden nicht akzeptiert. Das ist auch der Grund, weshalb Kommunismus zuverlässig und schnell zur Tyrannei wird.

          • @djadmoros

            Staatliche Finanzierung von Gender-Studies und Frauenquoten sind kein Widersprüche des Kapitalismus.

            Der Kapitalismus wird nicht verschwinden, da er eine natürliche Wirtschaftsordnung darstellt.

          • @Adrian:

            »Staatliche Finanzierung von Gender-Studies und Frauenquoten sind kein Widersprüche des Kapitalismus.«

            Sie sind der geringe Preis, den man gerne zahlt, um die kritische Linke zur »Transatlantifa« zu korrumpieren.

            »Der Kapitalismus wird nicht verschwinden, da er eine natürliche Wirtschaftsordnung darstellt.«

            Das ist eine religiöse Aussage, keine wissenschaftliche. Mal abgesehen davon, dass die DDR-Führung dasselbe in Bezug auf den Sozialismus geglaubt hat.

          • @Adrian:
            Wird sich noch ein paar Jährchen hinschleppen, bis digitales Zentralbankgeld, ID2020, Sozialpunktesystem und digitaler Überwachungsstaat voll ausimplementiert sind.

          • @Kniggeldi:

            Das ist doch gar nicht so weit entfernt von unserem Stuttgarter Spätzles-Mao. In seiner Jugend in einer maoistischen K-Sekte, heute autoritär bis auf die Knochen. Die Pointe allerdings: die Planwirtschaft von damals ist gegangen, der autoritäre Staat ist geblieben. Ganz wie in China, die dortigen »Kommunisten« sind auch keine Kommunisten mehr, sondern Neokonfuzianer, die einem autoritären Kapitalismus vorstehen.

          • @Djadmoros
            „Der Kapitalismus geht gerade an seinen immanenten Widersprüchen zugrunde, so wie Marx vorhergesagt hat.“

            Dazu habe ich folgendes:

            https://www.nachdenkseiten.de/?p=80960

            Da geht es darum, dass die Eliten das Ende des Kapitalismus kommen sehen und ihn somit durch einen Neofeudalismus ersetzen wollen. Dabei soll dann alles den Reichen gehören, die es via Internet jederzeit abstellen können, wenn ihnen deine Nase nicht passt. Sozusagen kapitalistischer Kommunismus.

          • @djad

            „In seiner Jugend in einer maoistischen K-Sekte, heute autoritär bis auf die Knochen.“

            Wo war noch einmal der Unterschied?
            Die maoistischen Sekten waren schon damals autoritär.
            Er hat das Lager gewechselt, seine prinzipielle Haltung aber nicht.

            Das war mein Problem mit der „Parteilinie“ – die konnte sich um 180 Grad drehen und es gab Vollhorsts, die das mitmachen konnten.
            Das war ihre einzige Begabung.
            Sie sind nicht ausgewählt worden, weil sie „Maoisten“ waren, sondern ihren Opportunismus als „besonders radikal“ verkaufen konnten.
            Die radikalsten Russenhasser und treuesten „Atlantiker“ in den Grünen waren früher beim KBW.
            Wäre Alex auch jemals links gewesen, das wäre seine Parteiorganisation für die er prädestiniert gewesen wäre.
            Zum Glück gibt es rechtsradikale israelische Parteien und US-Organisationen von evangelikalen Christen, die ihm eine unverdächtige Heimstatt bieten können, um weiter gegen diese jüdisch-bolschewistischen Einflüsse vorzugehen. 🙂

          • @antidogmatiker

            Hast du verstanden, warum das Buch „Endspiel des Kapitalismus“ und nicht „Endspiel der Demokratie“ heißt?
            Wenn man sich das Wirken der Finanzelite anschaut, ist m.E. die interessante Schlussfolgerung nicht, dass Kapitalismus in (despotischen?) Monopolen endet, sondern dass demokratische Systeme/Konzepte nicht in der Lage sind, despotische Monopole zu verhindern.
            Ob der Despot Stalin oder Blackrock heißt, finde ich eher uninteressant.

          • @crumar:

            »Wo war noch einmal der Unterschied?«

            Es macht tatsächlich keinen Unterschied, und die »prinzipielle Haltung« ist der entscheidende Punkt. Nur würde ich diese Haltung nicht als Opportunismus bezeichnen, sondern als elitären Anspruch. Zunächst versteht man sich als Gegenelite, die sich zutraut, das ganze Land zu regieren – und meinem Eindruck nach waren im KBW wirklich intelligente Leute, die tatsächlich das Zeug dazu hatten, nicht bloß sture Esel wie in der DKP – , aber sobald sich das mit dem »Gegen« erledigt hatte, hat man die Affinität gewechselt, ohne den Anspruch aufzugeben.

            In Bezug auf die Chancen im politischen System kann man sie als Opportunisten bezeichnen, in ihrem Selbstbild sind sie aber davon überzeugt, dass ein solches Kriterium für sie nicht gilt, weil sie ja dazu berufen sind, der Welt die Wahrheit und den Takt vorzugeben.

            Wenn sich ein Joscha Schmierer dazu entscheidet, den Irakkrieg von 2003 in Schutz zu nehmen, dann natürlich darum, weil er davon überzeugt ist, mit dem Weltgeist zum Frühstück zu speisen, und dass die gesamte Wirklichkeit ihre Polaritäten ändert, sobald Joscha Schmierer die seinen ändert.

            Der eine Ex-KBWler, für den ich Sympathien hege, ist Gerd Koenen, weil der sich dazu entschlossen hat, lieber selbstkritisch reflektierte Bücher zu schreiben anstatt weiter den eigenen politischen Größenwahn zu pflegen.

          • @djad

            „Nur würde ich diese Haltung nicht als Opportunismus bezeichnen, sondern als elitären Anspruch. Zunächst versteht man sich als Gegenelite, die sich zutraut, das ganze Land zu regieren “

            Der elitäre Anspruch, Avantgarde zu sein stand niemals im Einklang mit dem, was sie theoretisch von sich gegeben haben.
            „Maoismus“ war das Token, in der existierenden Systemkonkurrenz zwischen SU und USA vorgeblich keine Partei zu ergreifen und trotzdem gegen die SU zu sein und als besonders radikal zu gelten.
            Siehe „Trotzkismus“ Jahrzehnte vorher.
            Die Grünen waren das politische Ticket, ihre berufliche Karriere zu retten und das gleiche Spielchen haben die ebenfalls verkrachten Existenzen bei den Piraten durchgezogen. Mit weniger Erfolg.

            „– und meinem Eindruck nach waren im KBW wirklich intelligente Leute, die tatsächlich das Zeug dazu hatten, nicht bloß sture Esel wie in der DKP – , aber sobald sich das mit dem »Gegen« erledigt hatte, hat man die Affinität gewechselt, ohne den Anspruch aufzugeben.“

            Nun ja, welche Ex-DKPler mit Ministerposten sind dir bekannt?
            Die „ideologische Flexibilität“ der „sturen Esel“ war anscheinend weniger ausgeprägt.

            Man muss dem KBW aber wirklich lassen, er war ein „Trüffelschwein“, alle möglichen Gruppierungen des „Widerstands“ unter seinen Fittichen zu vereinen. Besonders erfolgreich den feministischen. Wenn ich mich nicht irre, war auch die Autorin von „Der Tod des Märchenprinzen“ im KBW.
            Müssten wir diesen heißen Scheiß von damals nicht noch einmal rezensieren?
            Jahre später habe ich diesen Quatsch gelesen und dann festgestellt, eine junge Frau hat mich nach dem Rezept des Buchs behandelt.
            Es war nicht lustig und es gab noch nicht einmal Sex!

  4. Vermutlich ist diese Polarisierung und damit angestrebte Spaltung bis hin zur Zertrümmerung gesellschaftlicher Solidarität der neue Markenkern der SPD.
    Viele Jahre hat die Partei dahingesiecht, die Wunden geleckt nach dem Verschwinden der klassischen Arbeiterschaft.
    Dann hat sie sich aufgeschwungen neue Ziele zu entwickeln und dabei den aufkommenden Wokeismus entdeckt. Da konnte man einfach das klassische „Arbeiter gegen Arbeitgeber“ anders aufstellen: Frauen gegen Männer, Autofahrer gegen Fahrradfahrer, Geimpfte gegen Ungeimpfte, Alte gegen Junge etc.

    Es fällt auf, dass SPD-Vertreter inzwischen stärker aktiv polarisieren als Grüne, Linke oder die AfD. Das wird nicht nur durch die Radikalisierung in den Grundsätzen sichtbar (männlich vs. menschlich), sondern auch in den totalitären meist feministisch dargebotenen Ansichten zur Impfung von Kindern und dem Maß der geforderten Repression gegen all die, die sich nicht einer Mehrheitsmeinung fügen wollen.

    Die Selbstherrlichkeit und Macht-Arroganz, die Steinmeier und Scholz darbieten, empfinde ich in der jüngeren deutschen Geschichte als beispiellos. „Rote Linien“ in der Politik zu negieren, Grund- und Menschenrechte damit zur Disposition zu stellen, empfinde ich in einem freiheitlichen Rechtsstaat als Grenzüberschreitung. Friedlich protestierende und spaziergehende Bürger zu ächten, wie es der Bundespräsident mehrfach tat, ist dieses Amtes unwürdig und kippt Öl ins Feuer in einer ohnehin angespannten gesellschaftlichen Situation.

    In meinen Augen ist die SPD von den in Bund und Ländern vertretenen Parteien inzwischen die gefährlichste. Selbst die Repressions- und Gleichschrittsphantasien von Grünen oder Linken empfinde ich nicht als so bedrohlich, weil sich dort noch immer ein paar Maßvollere aufhalten oder deren Forderungen so krank sind, dass sie früher oder später selbst darüber stolpern.

      • Das ist wohl weniger innenpolitisch als geostrategisch zu sehen. Der Islamismus wird als Verbündeter eines roten Europas gesehen, aus diesem Grund zB hat einer wie Westerwelle den Sieg der Muslimbrüder als Sieg der Demokratie gefeiert. Der war zwar nicht bei der SPD, aber seine Partei heute macht ja den Eindruck, als sei sie mit den Zielen der SPD absolut einverstanden und das in Regierungsverantwortung, also beim Handeln (labern tun sie ja liberal, um die dementsprechenden Wählerstimmen einzusammeln).

  5. Die SPD ist heute nicht mehr als eine Lobbytruppe des russischen Diktators Putin.
    Und damit vielleicht *das* trojanische Pferd, welches eine Eroberung Europas ermöglicht.

      • Wer hat denn dafür gesorgt, vor allem durch lautes Schwadronieren, dass das 2%-Ziel für die Nato unterlaufen wurde und die Bundeswehr demobilisiert wurde?
        Wer hat die Energiewende vorangetrieben und die Abhängikeit vom russischen Gas realisiert?
        Wer hat die USA durch hemmungslosen Antiamerikanismus beleidigt und angegriffen, wo es nur ging, besonders unter Präsident Trump?
        Wer hat die traditionelle Achse London-Washington durch die Bindung von GB an die EU schwächen wollen?
        Wer hat so viel Sympathie mit dem irischen Natonalismus, um Nordirland gegen GB als Irritans auszuspielen.
        Die SPD ist antiwestlich und verhält sich in jeder Hinsicht tendenziell so, wie das Kommunisten von Kuba, Venezuela und anderswo machen. Natürlich moderater, sie wollen ja ihre demokratische Maske aufbehalten (wahrscheinlich kommt daher auch die Besessenheit mit den medizinischen Masken heute).

          • Hä? Welche Diktatoren sollten das sein? Erdogan? Der wird auch von der SPD und den Deutschen hofiert, ganz ähnlich wie Putin.
            Oder meinst du den islamofaschistischen Iran, auch ein Lieblingsland aller Linken?
            Im übrigen ist zu befürchten, dass diese alle gegen Europa kooperieren werden.

          • Unser Problem ist, dass der Noise überhand nimmt im Vergleich zu Information. Im Internet ist das Signal-noise-ratio besonders grottig. Unser Gehirn ist nicht adaptiert an die „Moderne“ mit ihrer ungefilterten Flut an Eindrücken, es ist überlastet aus dieser Flut die 10% wichtige Information unter den 90% Noise herauszufiltern (facebook, tiktok, twitter etc: 1% Information, 99% noise).

            Entgegen der Intuition besteht die Tendenz, dass besonders gebildete Menschen von diesem Problem stärker betroffen sind als der Klempner, Automechaniker oder Fitnessstudiogeräte-Reparatur-Spezialist. Die bestens akademisierten Spezialisten für Datenanalyse, Vorhersage und Modellierung produzieren regelmäßig den größten Unsinn, man erinnere sich nur beispielsweise an das letzte Wahlvorhersagedebakel.

            Strategie in dieser Situation: Fehlbarkeit von Information akzeptieren. Filter und Heuristiken anwenden, um zu einer möglichst noise-freien Repräsentation der Welt zu gelangen ohne wichtige Signale zu versäumen.

            Unser Problem ist nicht der »Diktator Putin«, sondern die Diktatoren, die wir uns gerade selber züchten.

            Heuristik:
            Man möchte in derjenigen Gesellschaft leben, in der man die lautesten Klagen über Freiheit, staatlichen Zwang, Vorurteile, Korruption, Bürokratie und mangelnde Chancen hört.
            Dies wird die freieste Gesellschaft sein, mit einem Minimum an Bürokratie, Korruption, Vorurteilen und den meisten Möglichkeiten.

  6. „Wir Frauen in Deutschland haben es so satt, dass wir bevormundet und gegängelt werden, insbesondere immer unter dem Denkmäntelchen ‚dem Schutz des ungeborenen Lebens‘.“

    Aber das Deckmäntelchen „Schutz der ungeborenen Generationen“ taugt für die SPD natürlich die Bevölkerung mit Zwangsmassnahmen zu überziehen, die „Klimapolitik“ genannt werden …..

    Die alle von einer geostrategischen Perspektive nur Russland und China nützen ….

    Das ist so erbämlich, bigott und niederträchtig, da fällt einem nix mehr ein ….. ausser: „lieber hochschwanger als niederträchtig“.

  7. Wundert das irgendjemanden hier im Ernst? Diese Partei ist doch zuletzt sogar damit durchgekommen, einen korrupten Paten der Finanzmafia auf den Kanzlerstuhl zu setzen! Wo soll die denn Signale sehen, dass sie sich ändern müsste?

    • „Finanzmafia“

      Was ist denn mit der „Finanzmafia“, die jetzt am Klimawandel so tüchtig verdienen will? Die Energieunternehmen, die Autoindustrie, alles schon halbstaatlich oder staatlich kontrolliert….
      Ist das nicht wichtig, oder sind nur die Banken „Finanzmafia“?

        • Die Banken stellen nur das Geld zu Verfügung. Die Unternehmen und ihre Industriepolitik sind die kritischen Entscheidungsträger, die tatsächlich einen gravierenden Politikwechsel derzeit machen. Und der passt ganz genau zur Politik der SPD und der Grünen. Und die FDP macht – ihre ganze liberale Rhetorik vor der Wahl Lügen strafend, da voll mit.
          Wer jetzt so tut, als sei die Politik von Banken dominiert, sucht wohl einen billigen Sündenbock?! Der übrigens der traditionelle des Kommunismus ist, so ein Zufall aber auch.

          • @Alex: Du hast ja wirklich mehr als einen Schuss nicht gehört seit der Finanzkrise 2008. Ich empfehle Joscha Wullwebers »Zentralbankkapitalismus« aus der Edition Suhrkamp, erschienen 2021.

          • Keine Sorge, Wirtschaft und Finanz ist eins meiner Themen und nicht erst seit der letzten Finanzkrise. Die beiden letzten waren mir übrigens schon weit im Vorfeld klar, dass mit den Dotcom- und Immobilienkredit-Blasen. Und die kommende Energiekrise und der Fall der dritten und grössten „Mutter aller Finanzblasen“ scheint mir fast noch klarer. Die Neokommunisten mit ihrer Energiewende haben jetzt schon verloren. Das Leben danach wird weiter gehen, natürlich auf die bewährte „kapitalistische“ Weise.

  8. Woher der ganze Männerhass kommt? Jahrzehntelange Propaganda und Delegitimierung des „Männlichen“. Aus der links-alternativen gesitigen Strömung des New Age, der grossen Irrationalismus-Bewegung nach dem 2.WK entstanden und mit dem Feminismus verschmolzen, der zu einer rein esoterischen Veranstaltung um „Mutter Erde“ wurde, das zentrale anti-modernistische ökologistische Narrativ, welches jetzt heute im Klimawandel-Dogma gipfelt ….

    Der Hass gegen die Männer ist in Wirklichkeit einer gegen die gesamte Moderne, gegen die Demokratie und den ganzen technischen Fortschritt.

  9. Was so ekelhaft an dieser Aussage ist: dass die durchblicken lässt, dass sie keine eigene Meinung hat und Meinung nur als Mittel zum Zweck, nämlich Macht, sieht. Genau das ist ja die Ursache für das Abdriften der politischen Linken und diese Type hier macht klar, dass sie auch nicht anders sein will oder sein kann.

  10. „Das Leben muss wieder bezahlbarer werden.“

    Einfach den Hass auf Männer und sonstwen anheizen und ihnen die Schuld für alles geben, geschätzte Demagogen von der SPD! 🙂

  11. Gegen die Männerfeindlichkeit der SPD und die ganzen anderen antidemokratischen Tendenzen von SPD und Grünen hat die FDP nichts. Ich finde das aber nicht erschreckend, da ich die FDP ohnehin für opportunistische Lügner halte, die sich nur der liberalen Rhetorik bedienen um Wählerstimmmen zu generieren.

  12. „Es geht niemanden etwas an, wie sich ein Mensch ‚sieht‘.“

    Und warum wollen diese angeblich so toleranten Menschen „misgendern“ mit Strafe bewehren? Das ist doch „bestimmen wollen“ par excellence …..

    Was für eine zutiefst scheinheilige Person, diese Hayali.

    • Diese Misogynie der Progressiven mit ihrem Trans-Kult ist schon auf gleicher Stufe wie ihr Männerhass. Sie sind einfach nur misanthrop, Menschenhasser. Sie stellen auch gerne klar, dass sie den Menschen für einen lebensunwerten Parasiten von Mutter Natur ansehen, das durchdringt den ganzen Ökologismus wie ein roter Faden.

  13. Pingback: Scheiß-SPD des tages | Schwerdtfegr (beta)

  14. Warum sollten sie das auch sein lassen? Sie sind mit dieser Einstellung an die Regierung gekommen. Obwohl der Kanzler tief in Steuerbetrug verwickelt ist und die halbe Ministerriege Nulpen sind. Keiner hat sie vor die Tür gesetzt. Und sie haben sich so tief in jede staatliche und halbstaatliche Institution reingefressen dass man sie wohl nur wieder los wird wenn man diese Institutionen niederbrennt.

      • Eine Herausforderung in alle Institutionen auf Leistungsfähigkeit bis zum Brechen geprüft werden. Weltkrieg, ökologischer Kollaps, Bürgerkrieg. Auf dem Niveau. Und jeder der nichts taugt direkt das Leben seiner Mitmenschen gefährdet.
        Also eine Medizin die kaum weniger gefährlich ist als die Krankheit. Kann sich keiner ernsthaft wünschen. Also wird der Staat langsam verkommen.

    • Are mass violence and catastrophes the only forces that can seriously decrease economic inequality? To judge by thousands of years of history, the answer is yes. Tracing the global history of inequality from the Stone Age to today, Walter Scheidel shows that it never dies peacefully.

      Pessimismus ist begründet

  15. Die Männerfeindlichkeit hat sich doch in klingende Münze verwandelt. Das sollte mal jemand volkswirtschaftlich herleiten! Wäre mal ne soziologischer Meilenstein, eine solche Historiographie der Misandrie.

  16. Die SPD kann ihre Putinfreundschaft nicht lassen, auch kurz vor dem möglichen Begin eines dritten Weltkriegs. Und das, obwohl Putin ein …. MANN ist. Er ist wohl der richtige Art von Mann.

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