Auflösung zum Fall zum Aufenthaltsbestimmungsrecht nach @gerechtgericht

Der Richter löst den hier dargestellten Fall auf:

Und nun zu unserem Fall. Um das Endergebnis vorwegzunehmen: Die Beteiligten leben allesamt noch dort, wo sie bei Verfahrensbeginn lebten. Der Vater zog nicht um. Weiter sei erwähnt, dass die Geschlechter der Eltern hier – wie üblich – für die Beurteilung aus vielerlei Gründen

KEINE Rolle gespielt haben. Ebenso wenig spielten – entgegen erstaunlicherweise mehrfach geäußerter Auffassung – auch die Geschlechter der beteiligten Richterinnen und Richter eine Rolle. Auch war es für keine der beiden Entscheidungen von Relevanz, wer von den Elternteilen

wen ursprünglich verließ und aus welchen Gründen sich die Eltern dafür entschieden hatten, dass K bei V verblieb. Jene Gesichtspunkte, die allerdings sehr wohl eine (entscheidende) Rolle gespielt haben, finden sich in der Tat allesamt in den tausenden Kommentaren eurerseits:

– Die Bindung bzw. das Verhältnis des K zu V bzw. zu M sowie zur Lebensgefährtin des V und dem Geschwisterkind, das bei M lebt. – Der Kontinuitätsgedanke im Hinblick auf die Betreuungskontinuität durch V sowie hinsichtlich der örtlichen Kontinuität im Raum WI/FFM.

– Die Äußerung des K bezüglich seiner Wünsche (Kindeswille) sowie hinsichtlich seiner Motivation (schöne Umgebung, neue Schule, Papa traurig etc). – Die Frage des Willens und der tatsächlichen Möglichkeit der Lebensgefährtin des V, in die Nähe von Wiesbaden zu ziehen.

– Die Motivation der M hinsichtlich der verweigerten Zustimmung sowie – die Frage der tatsächlichen Möglichkeiten der künftigen Umgangsgewährleistung. In rechtlicher Hinsicht entschieden beide Gerichte selbstredend im Rahmen des einschlägigen § 1671 Abs. 1 S. 1, 2 Nr. 2 BGB:

Nach dieser Norm überträgt das Familiengericht auf Antrag eines Elternteils die elterliche Sorge oder Teile davon auf diesen Elternteil, wenn die bislang gemeinsam sorgeberechtigten Eltern nicht nur vorübergehend getrennt leben und zu erwarten ist,

dass die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge (oder eines Teils davon) und die Übertragung (eines Teils) der elterlichen Sorge trotz des Widerspruchs des anderen Elternteils dem Wohl des Kindes am besten entspricht. Hier erfolgt eine sog. doppelte Kindeswohlprüfung:
Zuerst prüft das Gericht, 1. ob die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge (bzw. eines Teils wie des ABR) überhaupt geboten ist und, bejahendenfalls sodann, 2. ob gerade die Übertragung auf den jeweiligen, antragstellenden Elternteil dem Kindeswohl am besten entspricht.

Unter dieser Prämisse war hier die Aufhebung des gemeinsamen ABR rechtlich zwingend erforderlich, weil sich die Kindeseltern über den Aufenthalt des K uneinig waren. Das AG hat das ABR sodann (im Übrigen selbstredend nach Anhörung des Jugendamtes bzw. des Verfahrensbeistands,

die sich für V bzw. M ausgesprochen hatten) auf M übertragen und dies damit begründet, dass der Verbleib des K im Raum WI/FFM dem Kindeswohl am besten entspreche. Insoweit hat das AG zunächst den Einwand des V, man schränke seine grundgesetzlich garantierte Freizügigkeit ein,

zurückgewiesen, weil es auch nach dieser Entscheidung dem V freistehe, seinen Wohnsitz jederzeit zu ändern, wenn K gleichzeitig bei M bleibe oder sich der Umzug innerhalb einer vertretbaren Entfernung zum Wohnsitz der M abspiele. Das Freizügigkeitsgrundrecht sei nicht tangiert.

Ausgehend vom eindeutigen Kindeswillen hat das AG sodann geprüft, ob dieser Wille auch dem Wohl des Kindes entspricht. Dies hat das AG hier im Hinblick auf eine gute Bindung zur M sowie vor dem Hintergrund der erschwerten Vollstreckung der etwaigen Umgänge im Falle eines Umzuges

(die fehlende Motivation des K hat das AG vor allem auf die Fahrten als solche bezogen, nicht auf die schlechte Bindung zur M) verneint. Für das Überwiegen des Kindeswohls im Falle eines Umzugs nach Kiel sprach aus Sicht des AG auch nicht die Betreuungskontinuität beim V.

Diese sei zwar ein erheblicher Gesichtspunkt, überwiege jedoch gerade nicht die Gefahr des drohenden Bindungsverlusts bezüglich M. Darüber hinaus sei die örtliche Kontinuität für K sowohl im Falle des Umzuges nach Kiel als auch eines Umzuges zur M nicht mehr vorhanden,

sodass auch diese nicht zwingend für den Umzug spreche. Aus den Äußerungen des K hat das Gericht darüber hinaus abgeleitet, dass es K – zumindest auch oder sogar größtenteils – darum gehe, V als Hauptbezugsperson, mit der sich K solidarisiere, den Umzug zu ermöglichen.

Im Rahmen einer – sehr umfassenden – Abwägung hat das AG dem Antrag der M entsprochen, wogegen V eine Beschwerde einlegte. Das OLG,welches damit befasst war, wies die Beschwerde zurück. Die Begründung dort war im Gegensatz zu der des AG eher rechtlicher denn tatsächlicher Natur.

Das OLG hat die bereits vom AG würdigten Gesichtspunkte für und wider den Umzug nach Anhörung der Beteiligten erneut gewichtet und kam zum Ergebnis, dass diese gleichwertig seien: Es spreche genauso viel für die Kindeswohldienlichkeit des Umzuges wie für den Verbleib in WI/FFM.

Der Antrag des V sei daher schon deshalb als unbegründet zurückzuweisen, weil das OLG keine Überzeugung davon gewinnen könne, dass der Umzug dem Kindeswohl am besten entspreche. (zur gerichtlichen Überzeugungsbildung schaut bei Interesse bitte hier nach: twitter.com/gerechtGericht)

Da M damit einverstanden war, dass K entweder am jetzigen Wohnort, in einem Umkreis oder in FFM bei ihr verbleibe, entsprach es nach Auffassung des OLG daher dem Kindeswohl, wenn M das ABR ausübe. Damit stehe es V frei, ob er ohne K umziehe oder am jetzigen Wohnort verbleibe.

Tja, so viel zum gerichtlichen Verfahren und zu den Gründen. Für Fragen stehe ich wie immer, soweit die Zeit es zulässt, zur Verfügung. Dumme Kommentare, die sich lediglich auf (hier ggf. angepassten) Geschlechter der Beteiligten werden ausgeblendet und ignoriert.

Finde ich keine sehr überzeugende Entscheidung und ich kenne auch genug Entscheidungen, die das eher umgekehrt gemacht hätten. Mir fehlt hier auch die Erwähnung eines Gutachtens.

36 Gedanken zu “Auflösung zum Fall zum Aufenthaltsbestimmungsrecht nach @gerechtgericht

  1. Dumme Kommentare, die sich lediglich auf (hier ggf. angepassten) Geschlechter der Beteiligten werden ausgeblendet und ignoriert.

    Diese Selbstherrlichkeit von Richtern ist etwas, was mich schon lange ankotzt.

    Ich bezweifle, dass er so „gerecht“ ist, wie er sich darstellt. Und so, wie er angestrengt betont, dass die Geschlechter keine Rolle spielten, könnte man auf die Idee kommen, dass die Geschlechter die Hauptrolle gespielt haben. Wenn die Mutter mit dem Kind ans andere Ende des Landes zieht, kommt sie damit in der Regel durch und keiner kümmert das Kindeswohl, dass sich unter Alleinstümpernden so manifestiert:

    Also, noch einmal: Kinder, die ohne Väter aufwachsen, sind
    • 5mal mehr gefährdet, Selbstmord zu begehen
    • 32mal mehr gefährdet, von zu Hause wegzulaufen
    • 14mal mehr gefährdet, Vergewaltigung zu begehen
    • 9mal mehr gefährdet, frühzeitig aus der Schule auszusteigen
    • l0mal mehr gefährdet, Drogen zu nehmen
    • 9mal mehr gefährdet, in einer Erziehungsanstalt zu landen
    • 20mal mehr gefährdet, sich im Gefängnis wiederzufinden
    • 33 mal mehr gefährdet, ernstlich körperlich mißhandelt zu
    werden
    • 73mal mehr gefährdet, Opfer tödlichen Mißbrauchs zu sein
    (28). Alles klar?

  2. „Weiter sei erwähnt, dass die Geschlechter der Eltern hier – wie üblich – für die Beurteilung aus vielerlei Gründen KEINE Rolle gespielt haben.“

    Es fällt mir schwer das zu glauben, zumal weil ich da selbst Fälle kenne, wo die Mutter sich an keine Abmachung hält und jedes Mal wieder vor Gericht geschleppt werden muss, während der Vater sozusagen schon bestraft wird, wenn er das Hemd nicht in der Hose stecken hat.

    Ja, das Geschlecht sollte keine Rolle spielen, aber die Auflösung wäre hier schon interessant. Denn wenn Familienrichter schon sagen das „wenn die Mutter nicht will, dann kann man nichts machen“, dann spielt das Geschlecht eben doch eine Rolle.

    Und im Handbuch der Mütterlobby wird auch empfohlen einfach mal mit dem Kind ans andere Ende des Landes zu ziehen, um den Vater den Kontakt nach Möglichkeiten zu erschweren. Und die ziehen auch mehrmals um. Wenn es wie hier in dem Fall in der Regel entschieden wird, die Mutter also das ABR verliert, wenn sie wegzieht, dann würden das wohl nur wenige Mütter auch tun.

    • In meinem Bekanntenkreis ist diese Problematik schon bekannt. Ich alleine kenne schon drei Männer die deshalb keine Familie gegründet haben. Ich bin auch kinderlos und unverheiratet. Männer sind halt nicht blöd und lernen aus den Fehlern der anderen 😂 Am Ende schaden sich die Frauen nur selber denn die Frauen der 3 Männer wollten alle das Komplettpaket, haben die Männer verlassen und nur eine hatte danach noch jemanden für Heirat und Kind 🤰gefunden. Die beiden anderen sind leer ausgegangen.

      • Keine Ahnung ob diese Frauen sich selber schaden. Es wird nur schwieriger einen Mann zu kriegen, der für sie arbeiten geht, damit sie es nicht selbst tun müssen. So weit zu gehen und zu sagen das Frauen, die sich ihre Wünsche selbst erfüllen müssen, schon Schaden erleiden, würde ich jetzt nicht gehen.

        • Schwieriger? Da gehen viele leer aus. Wenn die Männer sich weigern, dann gibt es auf der anderen Seite auch eine Frau die ihren Wunsch nicht erfüllt bekommt. Das ist ja nicht wie beim casual sex wo 1 Mann dann 100 Frauen versorgen kann 😂

  3. Wenn man den Umgangsumfang gemäß klassischem Residenzmodell als prinzipiell zu gering bemessen ansieht und für eine Verdoppelung dessen als Default-Lösung streitet (was Du beides – scheinbar – seit Jahr&Tag tust), kann man nicht gleichzeitig annehmen, die planmäßige, richterlich abgesegnete Verringerung auf einen kleinen Bruchteil könne in diesem Einzelfall (wie anzunehmen ist: ohne auch nur potentiellen Gewalt- oder Vernachlässigungshintergrund!) eine „sehr überzeugende Lösung“ darstellen.
    Weshalb Du wohl auch eine erklärende Ausführung Deiner Ansicht vermeidest.

    • Auch hier gilt wieder:
      Strebe ich ein Wechselmodell an, sollte ich nicht wegziehen. Nicht 40km weit, nicht 600km weit.

      Der Grund für den Umzug nach FFM ist uns nicht bekannt.
      Sieht aber nicht nach einem Wunsch nach Wechselmodell aus.

  4. Ist eigentlich nur mir aufgefallen, dass die „strenge Aufrechnung“ der „Bindungen“ das Kind der Mutter aus der Beziehung mit ihrem neuen Lebensgefährten umfasst, die neue Lebensgefährtin seiner Vaters jedoch nicht? Ich finde auch bemerkenswert, wie gewürdigt wird, die Ablehnung des Kindes bezüglich des regelmäßigen Umgangs mit der Mutter beziehe sich nur auf die Fahrtstrecke zur Mutter. Die diese erst hat entstehen lassen, weil sie zum neuen Lebensgefährten in eine andere Stadt gezogen ist.

    • „Die diese erst hat entstehen lassen, weil sie zum neuen Lebensgefährten in eine andere Stadt gezogen ist.“

      Warum die Mutter nach FFM gezogen ist, ist noch nicht einmal bekannt. Den neuen Mann hat sie erst dort kennengelernt.
      Ihr Wegzug ist also noch weniger begründet.

      • Ich habe bereits beim letzten Artikel gefragt, ob euch auch nur ein einziger Fall bekannt ist, wo der Mann durch den Umzug Fakten geschaffen hat.
        Also einfach per Handlung und die gerichtliche Auseinandersetzung ex post.
        Und ich hätte gerne ein einziges Urteil gegen eine Frau, wo diese Handlung im Nachhinein als Unrecht deklariert worden ist, welches rückwirkend rückgängig gemacht werden muss.
        Ich kenne nur Mütter, die hunderte von Kilometern weggezogen sind und das Recht von Vätern auf den Umgang mit seinem Kind vereiteln wollten.
        Wo ist das Gegenbeispiel?
        Der Komparativ des feministischen Mitleids ist Selbstmitleid, das Gefühl von Richtern in unserer gynozentrischen Gesellschaft in Sachen „gerecht“ ist selbstgerecht.

  5. „Weiter sei erwähnt, dass die Geschlechter der Eltern hier – wie üblich – für die Beurteilung aus vielerlei Gründen KEINE Rolle gespielt haben.“

    Das kann er gerne behaupten, aber ich muss das nicht glauben. Das gesamte Rechts- und Gesellschaftsystem ist pro Frau und Mutter, aber das Familienrecht nicht? Bestimmt!

  6. Wie Danisch mal schön ausgefüht hat stehts das Urteil im Prinzip schon vorher fest, der/die Richterin schwurbelt nur noch eine Begründung zusammen, die halbwegs vertretbar ist.

    „V als Hauptbezugsperson, mit der sich K solidarisiere, den Umzug zu ermöglichen.“
    Der Fall sieht so aus, als hätte V versucht das Kind mit der Begründung umziehen zu wollen zu bekommen, am Ende durch die Absichtsbekundung vor Gericht das ABR verloren.

    Wie man davon ausgehen kann, dass weibliche und männliche Richter beim gleichen Fall zum gleichen Urteil kommen ist mir ein Rätstel. Da wäre mal interessant, worauf diese Leute die Annahme basieren und wer ihnen das erzählt hat.

  7. „Da M damit einverstanden war, dass K entweder am jetzigen Wohnort, in einem Umkreis oder in FFM bei ihr verbleibe, entsprach es nach Auffassung des OLG daher dem Kindeswohl, wenn M das ABR ausübe. Damit stehe es V frei, ob er ohne K umziehe oder am jetzigen Wohnort verbleibe.“

    Nur zum Verständnis: Die Mutter bekommt nun das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht, weil sie damit einverstanden ist, dass das Kind am jetzigen Wohnort beim Vater bleibt. Dieses Recht bedeutet, sie bestimmt, wo das Kind wohnt.

    Wenn sie nun dieses alleinige ABR hat: Verliert sie es automatisch bzw. wird es noch einmal neu geprüft, wenn die Mutter das Kind lieber doch bei sich hätte? Oder wenn sie 600 km weit umzieht und weiterhin das Kind in ihrer Nähe will, auch wenn der Vater ganz woanders ist? Oder kann sie nun, da sie das ABR hat, damit machen, was sie will, und der Vater müsste es erst wieder anfechten?

    Irgendwelche Juristen hier?

    • Die Mutter hat jetzt das alleinige ABR, kann also bis auf Weiteres völlig frei entscheiden, ggf. auch jetzt selbst 600 km wegziehen. Der Vater könnte dann natürlich bei Gericht einen Antrag auf erneute Abänderung des ABR stellen…

  8. Auffällig ist doch, dass dieser vorgebliche Familienrichter in seinem Twitter-Namen den Begriff „gerecht“ eingebaut hat. Es gibt ja viele Gerichte, bei denen es um Gerechtigkeit geht, das Familiengericht ist aber keines davon. Denn gerade in Umgangs- und Sorgerechtsfragen muss es das Kindesinteresse in den Mittelpunkt stellen zusätzlich zum Verfahrensbeistand.
    Das hat dann nichts mehr mit Gerechtigkeit zu tun, was auch verständlich ist.

    Gerechtigkeit würde im Familienrecht ähnlich viel Leid und Schaden verursachen wie im Feminismus. Die Konkurrenz und die Rivalität würden im Vordergrund stehen, das Kind einfach dazwischen zermalmt. Bindungen und Liebe würden numerischen Kriterien weichen.

    Daher muss man wohl akzeptieren, dass Familiengerichte oft sehr „komische“ Urteile fällen, weil sie ja über konkrete Fälle und die Zukunft der Menschen entscheiden müssen.

    Das zentrale Problem sind meiner Meinung nach die falschen Prämissen, nach denen in einer Welt der feministischen Herrenfrauen, die ihre Kinder meist in die umfassende Fremdbetreuung verbannen, noch immer Kinder als das faktische alleinige Eigentum der Mütter angesehen werden. In der viele Mütter ihren eigenen Lebensunterhalt über väterliche Unterhaltszahlungen für ihre Kinder finanzieren und ggf. noch staatlich aufstocken lassen. Und trotzdem verklappen sehr viele ihre Kinder in der Ganztagsbetreuung, um sich im Nagelstudio totzulangweilen.

    Doppelresidenz und gemeinsames Sorgerecht als Standard, das Recht der Kinder auf beide biologischen Eltern sowie die Pflicht der Eltern zu einer verantwortlichen Beziehung zu ihren Kindern wären wichtigen Voraussetzungen dafür, dem Familienrecht ein Schub im Sinne vieler Kinder zu geben und die kindeswohlfeindliche Dominanz des mütterlichen Residenz- und Versorgungsmodells zu beenden.

    Dazu bedarf es aber des gesellschaftlichen Grundkonsenses, dass Kinder unbedingt beide Eltern brauchen, und es bedarf eine Abkehr von der Glorifizierung und besonderen Unterstützung von mütterlicher Alleinerziehung und Solomutterschaft.

    Wenn man sich das feministische Gejammer anhört, müssten solche Forderungen eigentlich von denen stammen. Warum tun sie das wohl nicht?

    • Die Mutter ist nur 40km weit weggezogen, was den Umgang nicht nennenswert erschwert, im Ggs. zu 600km. Zweihundert hätte sie ihm ja sogar zugestanden, aber 600 sind schon unverschämt. Den Streit überhaupt erst vom Zaun zu brechen, war eine Dummheit und auch ein bisschen rücksichtslos gegenüber dem Kind und der Frau. Das macht das Urteil aber nicht besser…

      • Wieso unverschämt? M gegenüber? V bringt das Kind ja zur M und nicht umgekehrt und bezahlt das Kutschieren dann auch noch, nicht M. Wenn dann ist es vielleicht für K eine Zumutung.

        • Wer den regelmäßigen Umgang des anderen Elternteils unnötig erschwert, handelt für mich rücksichtslos. Man kann allerdings darüber streiten, ob ein Ferienaufenthalt ein regelmäßiger Umgang ist und ob der Umzug nötig oder nicht nötig war. Ich wäre an Stelle der Frau auch sauer gewesen.

          All das haben wir aber schon beim ersten Artikel alles ausgewalzt, ich mag nicht mehr.

      • Frankfurt-Wiesbaden ist am Tag eine Stunde, eine Richtung.

        Warren Farrell sagt, alles über 20min ist nicht gut für das Kindeswohl.

        Deine Einschätzung mit „nicht nennenswert erschwert“ für die dreifache! Entfernung ist also nicht ganz richtig. Man könnte auch sagen: „falsch“.

        How can divorced Dads, be sure they have an influence on their sons growing up?

        If you want to do the best for your children, there’s four what I call “must dos.”

        One is that the children have about an equal amount of time with mom and dad.

        Number two is that the dad and mom do not live more than about a 20-minute drive time from each other.

        Number three, that the children aren’t able to detect any bad mouthing or negative body language about the opposite parent. Bad-mouthing is one of the worst forms of child abuse.

        And the fourth “must-do” is something that has only been discovered recently, which is that the parents need to do a significant amount of couples communication counseling or relationship counseling, not just when emergencies come up.

        https://reinventinghome.org/the-boy-crisis/

        • Wegstrecke sind es 40km laut google. Ich kenne die Verkehrssituation nicht, fahre aber etwas mehr als 30km jeden Tag zur Arbeit und benötige dafür auf Landstraßen eine halbe Stunde.

          Wenn ich meine Eltern besuche, die 500 km weit wegwohnen, brauche ich aufgrund meiner Motorisierung mindestens 6h (mit zug ca. 9), selbst wenn ich nachts fahre und allen Staus ausweichen kann. Danach ist man fertig und billig ist das auch nicht.

          Der Mann wäre ca. 600km weit weggezogen, ich kenne seine Motorisierung und die Straßenlage nicht, aber sehr viel weniger Zeit dürfte er auch nicht brauchen.

          Wie du auf die dreifache Entfernung kommst, musst du mal noch erklären. Vielleicht habe ich die Stadt verwechselt, aber die dreifache Entfernung wäre m.E. noch innerhalb der zugestandenen 200km-Zone gewesen.

          „Warren Farrell sagt, alles über 20min ist nicht gut für das Kindeswohl.“

          Keine Ahnung, wer Warren Farrel ist und was das mit deutschem Recht zu tun hat, ich war jeden Tag zum Gymnasium fast eine Stunde unterwegs und es hat keine Sau interessiert. Man kann es auch übertreiben, ganz ehrlich.

          • „Wie du auf die dreifache Entfernung kommst, musst du mal noch erklären.“

            Er rechnet in Minuten, nicht in Kilometer: 20 min vs. 1 Stunde Fahrzeit.
            Im Prinzip die richtige Herangehensweise, da die Fahrzeit die wesentlichste Einschränkung darstellt, nicht der Abstand.

  9. Ein Urteil welches nur vor dem Hintergrund verständlich ist, dass man dem Vater den Umzug nicht verbieten kann (er hat seine Argumentation offensichtlich nicht zu Ende gedacht oder hatte einen schlechten Anwalt).

    Ich bezweifle allerdings, dass es bei umgekehrten Geschlechtern genauso ausgesehen hätte. Scheint dem Richter ja auch ziemlich klar zu sein, wie da die Stimmungslage bei den Männern ist, seine Äußerungen sprechen Bände.

    Das hat der Vater jetzt von seinen Umzugsplänen. Jetzt kann er zwar umziehen, aber dafür hat er selbst keinen regelmäßigen Umgang mehr. Blöd gelaufen, aber wer Entscheidungen ans Gericht auslagert, statt sich abzusprechen und einen Kompromiss zu suchen, kann jede Menge unangenehme und teure Überraschungen erleben, als Mann, in diesem Land, doppelt und dreifach.

  10. Das habe ich auch schon haeufig erlebt und gehoert, dass Richter sehr oft nach dem Prinzip des maximalen Schadens fuer alle Beteiligten urteilen, vielleicht in der Hoffnung, dass die beiden Parteien ihn nie wieder belaestigen. Was fehlt ist natuerlich, wer zahlt Unterhalt fuer das Kind und wieviel, und kriegt jemand Alimente? Vielleicht wurde der Kindesunterhalt fuer M ja ploetzlich attraktiv genug, durch das zu erwartende hoehere Einkommen von V, um sich z.B. eine groessere Wohnung zu mieten. Mit vertauschten Geschlechtern ginge das zwar ebenso, waere aber praktisch sehr unwahrscheinlich. In der Regel wird das alleinige ABR wohl wegen des Geldes beantragt, nicht wegen der Bindung.

    Da dieser Aspekt hier vollkommen fehlt, ist der „Fall“ wahrscheinlich rein theoretisch, bzw. frei erfunden, um glaubhaft zu machen, dass sich Richter wirklich um das Kindeswohl kuemmern. In der Praxis entscheiden Richter fast immer so, dass die Frau maximal viel Geld bekommt. Das Kindeswohl interessiert sie einen Dreck, weil sie es eh nie beurteilen koennen (und der Gutachter, der sich fuer den Vater ausspricht, hat i.d.R. den letzten Auftrag seines Lebens vom Gericht bekommen).

  11. Ich vermute stark, dass es bei vertauschten Geschlechtern, M will mit K nach Kiel ziehen, V bleibt in Wiesbaden, ein anderes Urteil gegeben hätte. Die Vorurteile und der gelebte Sexismus gegen Männer/Väter ist tief in unserer Gesellschaft und in der Justiz verwurzelt, wird aber nicht offensichtlich wissenschaftlich aufgezeigt oder medial gewürdigt.
    Klar dürfte sein, dass M weiter in der eigenen Komfortzone mit neuem Mann und Kind bleibt, während V in der neuen Beziehung eine Belastung und Benachteiligung erlebt und zumindest auch die neue Frau in seinem Leben benachteiligt wird.

    • V und neue Partnerin können prima am aktuellen Wohnort zusammenziehen, eine Beeinträchtigung ist nicht gegeben. Wenn die Mutter jetzt nach Berchtesgade n ziehen wollen würde dürfte sie das auch nicht. Also sind alle gleich eingeschränkt- so ist das, wenn man Kinder in die Welt setzt.

  12. Ich finde es sehr überraschend, dass sich hier viele einerseits darüber beschweren, dass bei umgekehrte Geschlechtern der Wegzug durchgewunken worden wäre (was möglicherweise auch stimmt, nur ist das für diesen Fall irrelevant), also der Meinung sind, dass der Wegzug der Mütter mit Kind falsch ist – und gleichzeitig ebendieses dem Vater erlauben wollen? Und dass dann auch noch ähnlich begründen, wie das die Gehenseite regelmäßig macht.

    Ich finde da Urteil richtig, wobei mit allerdings nicht klar ist warum das ABR nun bei der Mutter liegt. Man hätte doch schlicht als Gericht dem Umzug des Kindes nach Kiel verbieten können

    • „Man hätte doch schlicht als Gericht dem Umzug des Kindes nach Kiel verbieten können.“

      Ich bin kein Jurist, aber das halte ich für den Knackpunkt. Genau das geht eben nicht. Das Gericht kann das ABR nur zuteilen, aber nicht selbst ausüben. Und da die Lage so zugespitzt war, dass nur noch ein Elternteil das ABR haben konnte, musste eine diesbezügliche Entscheidung her.

      Zweifellos wäre ein Umzug der neuen Partnerin von V nach Wiesbaden die beste Lösung, gesetzt den Fall, sie hat selbst keine Kinder. Das hätte aber den zusätzlichen Nachteil, dass V der bessere Job durch die Lappen geht. Prinzipiell stimme ich Androsch voll zu, dass Kinder-in-die-Welt-setzen nunmal eine Verantwortung bedeutet, die einschränkt, das muss man akzeptieren, und sollte nach Lösungen im Rahmen dieser Einschränkungen suchen.

      Das Gericht allerdings ist dafür nicht zuständig, sondern musste eine Entscheidung treffen. Das Urteil jetzt wird so dargestellt, als sei alles in Butter, weil V nicht umgezogen sei. Ob das nur ein Noch-nicht ist, wissen wir nicht. Wenn V seinen Plan durchziehen würde, hätte das Gericht in diesem Fall für K die schlechtere Entscheidung getroffen. So hat es aufgrund der Rücksichtnahme von V wohl für den weiteren Kontakt zwischen K und beiden Elternteilen gesorgt, allerdings um den Preis, dass das Kind nun nicht mehr bei dem Elternteil lebt, bei dem es lieber leben möchte. So oder so ein merkwürdiges Urteil, da die Situation nun objektiv verschlechtert ist, und nochmal schlechter werden kann (falls V doch noch umzieht), als sie es beim gegenteiligen Urteilsspruch je geworden wäre.

      • …allerdings um den Preis, dass das Kind nun nicht mehr bei dem Elternteil lebt, bei dem es lieber leben möchte.

        Meinem Verständnis nach lebt das Kind weiterhin beim Vater: „Die Beteiligten leben allesamt noch dort, wo sie bei Verfahrensbeginn lebten.“ Die Mutter hat das ABR erhalten, aber nicht das Kind zu sich genommen.

        • Oh stimmt, da müsstest Du Recht haben. Hm… dann ist es dem Einlenken von V zu verdanken, dass es für das Kind nicht schlechter geworden ist. Er hat seine eigenen Interessen doch zurückgestellt, noch zumindest.

    • Wäre V erlaubt worden mit K umzuziehen, dann wäre das System scheiße, aber zu mindestens geschlechtsneutral. So wie es ist, bist du als V aber fast immer am kürzeren Hebel und kannst bei gleicher Ausgangsituation nicht auch mit der gleichen richterlichen Entscheidung rechnen.

  13. Der Richter will wohl ans Verfassungsgericht, um dann Urteile zu schreiben wie – das wäre ein Montags-Thema – „ist schon okay, wenn die Regierung auf Menschenrechte scheißt; wegen der Klopapier-Notlage, und es lagen halt nur noch Grundgesetze rum“.

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