Vergewaltigungen und die Kriminalstatistik

Aus einem Bericht des Spiegels über ein Urteil zu vielen schrecklichen Taten:

Im Prozess um den jahrzehntelangen Missbrauch seiner eigenen Tochter hat das Landgericht München I den 75 Jahre alten Antonino D. zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die zehnte Kammer sah es als erwiesen an, dass der Mann allein in den Jahren 2017 bis 2020 die heute 55 Jahre alte Frau mindestens 270 Mal vergewaltigt hatte. Außerdem zeugte er mit ihr einen Sohn.

(…)

Nach den Aussagen von Vittoria D. (Name geändert) soll ihr Vater sie bereits im Alter von sieben Jahren missbraucht haben. Die Taten aus ihrer Kindheit sind verjährt. Was in Sizilien geschah, darauf hat der Arm des deutschen Gesetzes keinen Zugriff.

(…)

Die Kammer konnte die Zahl der Vergewaltigungen und auch der Schläge und Bedrohungen im genannten Zeitraum von drei Jahren nur schätzen. Es sei völlig nachvollziehbar, dass Vittoria nicht jede einzelne Tat zeitlich benennen könne. An den Aussagen der Zeugin hatte die Strafkammer keinerlei Zweifel. Sie sei sachlich, geordnet und konstant gewesen. Sie selbst soll bei ihrer Vernehmung gesagt haben, dass sie es jetzt selbst nicht verstehe, warum sie sich aus der Einschnürung nicht habe lösen können.

Es wäre interessant, dazu die tatsächlichen Zahlen zu haben, die in die Kriminalstatistik eingegangen sind (zum Großteil für die Vergangenheit, da ja die Tatzeit relevant wäre).

Ich die Polizeistatistik gehen die Zahlen ein, die die Polizei gemeldet hat, vor der Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Da hier das Gericht von „jedenfalls 270 Fällen“ spricht würde ich vermuten, dass in die Kriminalstatistik wesentlich mehr Taten eingegangen sind. Es ist üblich, dass davon von der Staatsanwaltsschaft die rausgesucht werden, die am besten belegt werden können und ein Teil dann bei Taten dieser Art gar nicht eingeklagt wird, weil sie sich etwa nicht sicher war, wann es eigentlich genau anfing oder ob es in einem Jahr 30 Vergewaltigungen oder vierzig waren.  Das soll nicht abwertend gegenüber ihrem Leiden sein, aber natürlich wird sie kein Buch geführt haben. Hier werden also schon einige Taten „folgenlos“ sein, weil es egal ist, ob man ihn wegen 270 Taten oder 350 Taten anklagt.

Ich vermute, dass das auch die vermutete Opfer- und Täterzahl und damit die Risikoeinschätzung bei Taten gegen Kinder und Taten in Beziehungen verändert. Liest man in der Kriminalstatistik 270 Taten, dann hat man schnell 270 vergewaltige Frauen vor Augen und es erfordert dann eben 270 Vergewaltiger, die einer Frau ohne sie zu kennen auflauern, damit subjektiv das Risiko gleich ist.
Gerade Kindervergewaltigungen geschehen aber in einem gewissen sozialen Näheverhältnis, bei dem es dann immer wieder zu Übergriffen kommt, was dann eben dazu führt, dass es eine sehr hohe Zahl von Taten gibt, aber eben nur eine vergewaltige Frau (die um so schlimmeres erlebt hat) und einen Vergewaltiger. Auch bei Beziehungen kann es dazu kommen, dass die Handlungen durch Druck etc über einen längeren Zeitraum anhalten, so dass dann bei der Trennung gleich eine Vielzahl von Taten angezeigt werden. Auch dadurch dürfte die Gefährlichkeit von Beziehungen überhöht dargestellt werden.

Es wäre interessant, ob man dazu die Zahlen irgendwo herbekommt. Werden irgendwo Täter/opfer im Verhältnis zu den angezeigten Fällen dargestellt? Ich habe erst einmal nichts dazu gefunden.

 

8 Gedanken zu “Vergewaltigungen und die Kriminalstatistik

    • Grundsätzlich stört mich auch der Begriff „Kindervergewaltigung“.
      Es mag durchaus Missbrauchshandlungen geben, die von Gewalt und Angst geprägt sind. Vieles läuft aber offensichtlich auch über mehr oder weniger geschickte Manipulation durch Täterinnen.
      Bspw. Grooming, also die Kontaktaufnahme, als Vorstufe und Bildertausch und Webcam-Videos per Internet, bis hin zur persönlichen Ansprache und folgender Einflussnahme.
      Die ausufernde Verwendung von Begriffen wie „Vergewaltigung“ führt zu einer Emotionalisierung, die eine fachliche und vor allen Dingen sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik sexueller Missbrauch erschwert. Das ist wenig zielführend und hilft niemandem. Am wenigsten vermutlich den Opfern.

  1. Bei einer solchen Anzahl schaut die Staatsanwaltschaft und das Gericht nie genau hin. Da reichen einzelne Fälle die „belegt“ sind, also von der Zeugin geschilder werden und ggf. von einer weiteren Person bestätigt werden können. Ich weiß, dass bei sogenannten „inkriminierten“ Bildern ab einer bestimmten Anzahl auch kein Staatsanwalt oder Richter mehr genau hinschaut. Die Bewertung macht die Polizei (oft Polizistinnen), darauf verlässt sich die Staatsanwaltschaft, im Zweifel müsste für jede Tat (Bild, Vergewaltigung) ein Gutachter eingeschaltet werden, der diese einzeln begutachtet. Das kostet Zeit und Geld, das ein Angeklagter nicht immer hat. Hier wollen die Gerichte/Staatsanwaltschaften maximale Empörung erzeugen und gute Schlagzeilen generieren. Der Staat will sich hier mit maximaler Härte gegenüber von Feministinnen hochgejubelten Taten zeigen, Taten gegen die sexuelle Selbstbstimmung, Taten gegen Frauen, Taten mit maximaler Empörung, wenn es gegen Kinder geht. Die Staatsanwaltschaften sind hier längst zu willigen Werkzeugen der Feministinnen oder selbstgerechter Kinderschützer geworden. Ja, ich will hier realativierend Urteilen, weil in den letzten Jahren viele Handlungen, vom Pick up Artist bis zur flüchigen Berührung am Knie, als Missbrauch, als Übergriff, als Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung bewertet wurde. Damit wurden schwere Taten von den Feministinnen quasi „entwertet“.
    Feminismus ist Hass. Hass auf Männer. Entsprechend verbreiten feministische Richterinnen oder Staatsanwaltschaften diesen Hass. Wie der lange Arm der Feministinnen wirkt, hier ein Beispiel https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-02/joerg-kachelmann-alice-schwarzer-vortrag-crash-sexuelle-gewalt?utm_referrer=https%3A%2F%2Fmetager.de%2F „Fast 1.000 Besucher sind am Donnerstagabend in die Aula 2 der Uni Köln gekommen, um etwas zu lernen über „(Sexual)Gewalt gegen Frauen und Recht“*. Die Veranstaltung bildet das letzte Glied einer von der Kölner Strafrechtsprofessorin Elisa Hoven ins Leben gerufenen Vortragsreihe, zu deren früheren Rednern unter anderem die Rechtswissenschaftler Gereon Wolters und Tatjana Hörnle, der Vorsitzende Richter am BGH, Thomas Fischer, und die stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT, Sabine Rückert, zählen. Ergänzt und beschlossen wird diese Runde nun durch Alice Schwarzer, Expertin für Sexualstrafrecht schon qua historischer Gewöhnung. Sie schrieb zu dem Thema schließlich bereits vor 40 Jahren in der Erstausgabe der feministischen Zeitschrift Emma. Der Titel damals: „Männerjustiz“.“ beunruhigend ist dem Bericht, wie die Studentinnen auf Kachelmann reagieren. Ein Teil davon wird einmal Richterinnen oder Staatsanwältinnen.

  2. Ich finde die Diskussion gelinde gesagt merkwürdig. Da missbraucht ein Vater seine Tochter ab dem Alter von 7 Jahren hundertfach, zeugt sogar mit ihr ein Kind… wie abartig ist das denn? Das Leben dieser Frau wurde von diesem Wichser so dermassen ruiniert, das kann man sich glaube ich kaum vorstellen… ganz ehrlich, es war beim Lesen der Nachricht nicht mein erster Gedanke, inwieweit durch solche jahrelange Serienmissbräuche die Vergewaltigungsstatistik möglicherweise künstlich aufgebläht wird. Und auch nicht, ob das Wort „Kindervergewaltigung“ nun gerechtfertigt ist oder nicht beim heiteren Spiel mit dem Papa… Es gibt Dinge, zu denen sollte man lieber schweigen.

    • Ja, da hast Du einen Punkt.

      Christian wäre aber nicht auf die Idee gekommen, diesen Artikel zu posten, wenn es nicht Brauch wäre, dieses Thema für Hetze gegen Männer zu missbrauchen. Im harten feministischen Kern steigert man sich in den Hass gegen Männer – nicht gegen die Täter – rein und das strahlt aus auf die ganze Gesellschaft, so dass man kaum glauben kann, dass auch Frauen zu Tätern werden.

    • „Das Leben dieser Frau wurde von diesem Wichser so dermassen ruiniert, das kann man sich glaube ich kaum vorstellen… ganz ehrlich, es war beim Lesen der Nachricht nicht mein erster Gedanke, inwieweit durch solche jahrelange Serienmissbräuche die Vergewaltigungsstatistik möglicherweise künstlich aufgebläht wird“

      Es war auch nicht mein erster Gedanke. Aber ich überfliege morgens eben den Spiegel und abends schaue ich oft noch mal nach, auf der Suche nach Ideen für einen Artikel. Und in dem Modus tauchte dann bei mir die Idee auf, dass das ein gutes Beispiel sein könnte, an denen man deutlich machen könnte wie bestimmte Statistiken entstehen.

    • Das war tatsächlich auch nicht mein erster Gedanke. Aber sicherlich einer, der nicht zu vernachlässigen ist, aus den von mir angeführten Gründen.

      Zum Thema Kindesmissbrauch ist auf eher emotionaler Ebene ohnehin schon alles gesagt – nur noch nicht von jedem. Du wirst mir hoffentlich verzeihen, dass ich mich daher darüber eher zurückhalte.
      Deshalb setze ich meine Prioritäten mittlerweile nicht zuletzt wegen bspw. #metoo – nicht ausschließlich – aber auch da, wo ich ggf. persönlich betroffen bin. Nämlich in Schuldzuweisung, Diffamierung und Stimmungsmache gegen Jungen und Männer.

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