Die Geschichte der Evolutionstheorie: Erasmus Darwin

Erasmus Darwin war der Großvater von Charles Darwin und hat ebenfalls bereits zum Entstehen der Evolutionstheorie beigetragen.

Aus der Wikipedia:

Zu seinem Leben:

Erasmus Darwin wurde in der Nähe von Elston Hall in Nottinghamshire als Jüngster von vier Söhnen geboren. Nachdem er zunächst die Chesterfield School besucht hatte, ging er 1750 bis 1754 auf das St John’s College in Cambridge, wo er mit dem Bachelor of Arts abschloss. In Edinburgh studierte er Medizin und eröffnete 1756 eine Praxis in Nottingham. Nach nur zwei Monaten musste er sie aufgrund des geringen Erfolgs wieder schließen. Im Jahr darauf siedelte er nach Lichfield bei Birmingham über, wo er über zwanzig Jahre praktizierte und einer der berühmtesten Ärzte Englands wurde. Auch der König bat ihn in jener Zeit wiederholt und vergeblich, sein Leibarzt zu werden: “Why doesn’t Dr Darwin come to London? He shall be my physician if he comes.” („Warum kommt Doktor Darwin nicht nach London? Er soll mein Arzt sein, wenn er kommt.“)

Von konservativer, kirchlicher Seite wurde Erasmus Darwin wegen seiner evolutionstheoretischen und staats- wie kirchenkritischen Aussagen scharf angegriffen. So veröffentlichte Georg Canning im Anti-Jacobin unter dem Titel Die Liebe der Dreiecke höhnische Parodien von Darwins Versen. Darin wurden die Ideen lächerlich gemacht, dass Menschen jemals aus Elektrizität Nutzen ziehen könnten, dass Menschen sich aus „niederen“ Lebensformen entwickelt haben könnten, dass die Berge älter sein könnten, als es in der Bibel stand. „Canning hatte das Subversive an Darwins Gedanken sehr genau erkannt und schaffte es, seinen Ruf als Dichter zu ruinieren.“[1]

1781 übersiedelte Darwin nach Derby (Grafschaft Derbyshire).

Also ein Mann, der einiges geleistet hat. Ein angesehener Arzt, der deswegen auch gute anatomische Kenntnisse hatte und Vergleiche zwischen Mensch und Tier anstellen konnte. Aber auch er wurde damals wegen seiner Theorien scharf angegriffen.

Zu seinem (evolutionsbezogenen) Werk:

Erasmus Darwin formulierte zahlreiche Ideen zur stammesgeschichtlichen Entwicklung der Organismen in seinem Werk Zoonomia, or, The Laws of Organic Life (1794–1796). Diese kamen ihm sowohl durch das Beobachten des Verhaltens von Haustieren als auch durch seine umfangreichen Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturwissenschaften[2]. Dabei kamen ihm unter anderen Gedanken, die später auch sein Enkel Charles Darwin wieder aufgriff. So zum Beispiel die Idee, dass alles Lebendige von einem gemeinsamen Vorfahren abstamme und sich somit ein Stammbaum aller Lebensformen konstruieren lassen müsse.

Die Entdeckung von Fossilien ausgestorbener Tierarten ließ ihn zu dem Schluss kommen, das Leben auf der Erde habe sich aus mikroskopisch kleinen Muscheln entwickelt. Bei der Frage, wie aus einer Art eine andere Art hervorgeht, waren seine Ideen jenen von Jean-Baptiste de Lamarck bzw. dem Lamarckismus zum Teil sehr ähnlich, jedoch machte er sich auch über die Wirkung von „sexual selection“ und Konkurrenz auf die Bildung von Arten Gedanken.

Also auch hier schon die Idee eines gemeinsamen Stammbaums und einer Entstehung des höheren Lebens aus niedrigeren Lebensformen. Und anscheinend auch Überlegungen zu den Prinzipien der Evolution, also sexuelle Selektion und Konkurrenz.

Erasmus Darwins Zoonomia wurde von der katholischen Kirche auf den Index librorum prohibitorum gesetzt, The Origin of Species seines Enkels Charles Darwin hingegen nicht.

Allein daran sieht man die Wichtigkeit dieser Vorgänger. Zuerst kommen noch relativ unfertige Ideen auf die Liste der verbotenen Bücher, die wesentlich ausgereifteren Theorien allerdings erscheinen meist erst, wenn die Vorarbeit bereits geleistet wurde und die Gesellschaft bereits etwas Zeit hatte sich mit den neueren Ideen anzufreunden. Dann ist eben ein Teil des Widerstandes schon weg bzw die Kirche hätte mehr Probleme eine solche Idee einfach zu verbieten.

Zu dem Buch:

Das Werk Zoonomia erwähnt eine frühe Form einer Evolutionstheorie.[3] Hierzu gehören z. B. die sexuelle Attraktivität als Selektionsvorteil im Wettbewerb um Sexualpartner (Sec. XXXIX, Abschnitt 4, Absatz 8), die auch später in der Evolutionstheorie Charles Darwins aufgegriffen wurde. Die Mutation und natürliche Selektion kamen in Zoonomia jedoch nicht als Ursache für eine Evolution vor, sondern die Vererbung von Veränderungen wurde unter anderem als Folge einer Vorstellung der Veränderung (hauptsächlich des Vaters, Sec. XXXIX, Abschnitt 6, Absatz 6) angesehen, weshalb Zoonomia auch Lamarckistische Ansätze besaß.[4] Weiterhin erwähnt das Buch gemeinsame Vorfahren aller Tiere (Sec. XXXIX, Abschnitt 4, Absatz 7).

Es ist erneut zu sehen, dass Lamarck damals einen sehr bedeutenden Einfluss hatte und viele der evolutionären Denker durch seine Schriften beeinflusst sind bzw diese aufgegriffen haben.  Als ich das erste Mal von Lamarck gehört hatte bzw vom Lamarckimus und noch schlimmer vom Lyssenkoismus hatte ich eine sehr schlechte Meinung von ihm, was mir im Nachhinein leid tut. Man muss sehen, dass er eben auf dem Stand seiner Zeit war und damit aber wichtige Vorarbeit geleistet hat.

Gemeinsame Vorfahren war aber sicherlich die interessantere Idee.

Denkt man nun nach diesem über die große Aenlichkeit der Bauart der warmblütigen Thiere nach, bedenkt man die großen Veränderungen, welche sie vor und nach der Geburt leiden, erinnert man sich, in welch einem geringen Zeittheilchen manche der oben beschriebenen Veränderungen der Thiere vorgegangen sind, sollte es dann wohl zu kühn seyn sich vorzustellen, daß in dem großen Zeitraume, seit dem die Erde existirt hat, vielleicht Millionen Zeitalter vor dem Anfange der Geschichte des Menschen, sollte es wohl zu kühn seyn sich da vorzustellen, daß alle warmblütigen Thiere aus einem einzigen lebenden Filamente entstanden sind, welches die erste große Ursache mit Animalitat begabte, mit der Kraft neue Theile zu erlangen, begleitet mit neuen Neigungen, geleitet durch Reitzungen, Empfindungen, Willen und Associationen, und welches so die Macht besaß, durch seine ihm eingepflanzte Thätigkeit sich zu vervollkommnen, diese Vervollkommungen durch Zeugung der Nachwelt zu überliefern! Eine Welt ohne Ende!“[5]

Auch hier also Ideen der Vervollkommnung, des hin zu dem Ziel, dem besseren Wesen. Aber in der Tat muss jedem, der sieht, was eine Tierzucht erreichen kann, die Idee, das in Millionen von Jahren noch weit größere Entwicklungen auftauchen können, zumindest plausibel erscheinen.

Das Werk Erasmus Darwins besaß einen weitreichenden Einfluss auf seine Zeitgenossen und die nachfolgenden Generationen.[7][8] Zoonomia wurde zur Zeit seiner Entstehung (1794) kontrovers diskutiert.[9][10] Ein Kritiker verglich die Wichtigkeit des Buches mit den Principia von Isaac Newton.[11] Der englische Schriftsteller George Bernard Shaw bezog sich im Vorwort seines Werks Back to Methuselah mit einem Zitat aus Zoonomia auf die Evolutionstheorie Erasmus Darwins und bezeichnete ihn als einen der Begründer der Evolutionstheorie.[12]

Der englische romantische Dichter William Wordsworth benutzte Darwins Zoonomia als Quelle für „Goody Blake and Harry Gill“, ein Gedicht, das 1798 in den „Lyrical Ballads“ veröffentlicht wurde.[13]

Insofern auch hier eine gute Vorarbeit.

Charles Darwin hat die Schriften seines Großvaters auch durchaus wahrgenommen, auch wenn er ihn nie getroffen hat (er wurde 7 Jahre nach dessen Tod geboren):

After his return to England, during the years 1837-1839, Darwin experienced the busiest and most creative period of his life. He began writing up his Beagle scientific observations, and in a succession of notebooks he developed the theory of natural selection. He later recol lected that, during these years, he reread the evolutionary parts of Zoonomia and was „much disappointed [at] the proportion of speculation being so large to the facts given.“13 However, his extant contem porary writings show that he was influenced by his grandfather in sev eral different positive ways and that (to some degree at least) Zoonomia was a stimulus for his evolutionary thinking.
In the beginning of his first notebook he wrote „Zoonomia“ across the first page and then noted Zoonomia’s observation that sexual reproduction resulted in variation, whereas asexual reproduction allowed no variation.14 This observation became the basis for his views on the supply of variation; and it was on variation that evolution must act. In the same notebook he referred to Zoonomia’s observation that the sex of a child can be influenced by the thoughts of its parents at conception.15 In his third notebook—in a spirit of friendly rivalry with Dr. Darwin—he commented: „Say my grandfathers expression of generation] being highest end of organization good expression but does not include so many facts as mine.“16 He was especially proud of his ability to test his ideas against diverse facts.

Er hat also durchaus einen gewissen Einfluss gehabt, wenn er sich auch gleichzeitig später von ihm und Lamarck absetzen wollte und Unterschiede betonte.

2 Gedanken zu “Die Geschichte der Evolutionstheorie: Erasmus Darwin

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