Die höhere Autorität der Kindergartenmitarbeiterinnen

Nachdem wir schon bei der Autorität des Weihnachtsmannes waren gehe ich zu weiteren Personen, die eine andere Form der Autorität für sich in Anspruch nehmen können: Die Kindergartenmitarbeiterinnen.

Wir hatten dort gerade ein Gespräch darüber, wie es Fräulein Schmidt dort geht und wie sie integriert ist. Da sie ein Trotzkopf ist haben wir auch nachgefragt, wie sie sich sonst benimmt und anscheinend benimmt sie sich gut. Sie ist die meisten Sachen, die es zum Mittagessen gibt oder probiert zumindest, sie räumt mit auf, wenn sie aufräumen soll und sie hört einigermaßen auf das, was ihr gesagt wird.

Nicht, dass sie sich bei uns gar nicht benimmt, aber aufräumen macht sie höchst ungern, beim Essen ist sie wie viele Kinder sehr wählerisch etc

Das ist denke ich aber etwas, was viele Eltern als Erfahrung machen: Die Kindergärtnerinnen haben denke ich zum einen den Gruppeneffekt auf ihrer Seite und zum anderen den Vorteil, dass die Kindergärtnerinnen „Außenstehende“ sind.

Wenn alle aus der Gruppe es machen, dann macht man auch eher mit und will nicht der Außenseiter sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch in diesem Alter schon ein gewisser Gruppendruck entsteht, der dazu führt, dass man die Kinder leichter steuern kann.

Dazu trägt eben bei, dass zu den Eltern eine sehr starke Beziehung besteht, während diese eben zu den Kindergärtnerinnen zwangsläufig gut sein kann, aber etwas distanzierter ist. Sie können daher aus einer anderen Position heraus autoritärer sein und sie können es eben auch über die Gruppe, bei der sie nicht Einzelausnahmen für ein Kind machen, sondern bei allen die gleichen Sachen durchsetzen.

11 Gedanken zu “Die höhere Autorität der Kindergartenmitarbeiterinnen

  1. Ich denke, dass in Kindergärten konsequent bestraft wird. Etwas was in den Elternhäuser so gut wie gar nicht mehr vorkommt. Aufräumen? Macht die Mutter, wenn das Kind zickt. Sie hat weder die Lust noch die Energie sich mit einer bockigen 2-jährigen abzutun. Sie tut einfach. Außerdem geht es ja schon gar nicht an, sein Kind zu irgendetwas zu zwingen. Gott bewahre. Freiheit in allen Dingen. Und wenn das Kind das nicht will, dann will es das eben nicht. Es ist ungemein wichtig, dass es schon früh lernt seinen Willen durchzusetzen. So, und nur so, hat es später überhaupt eine Chance sich in seinem Leben zu behaupten. Vor allem wenn es ein Mädchen ist. Gegen das Patriarchat kann man nicht früh genug seine Fähigkeiten ausbauen.
    Ich hab im Kindergarten als Vater miterlebt, wie eine Mitarbeiterin den Raum betritt, zweimal klatscht und der Lärm- und Aktivitätspegel von gefühlten 150 db auf 0 innerhalb von 2 Sekunden verebbt. Das erreicht man nicht durch gutes Zureden und Bitten. Sondern alleine durch Konsequenz. Und nein, keine der Erzieherinnen war verhasst oder irgendetwas dergleichen. Alle wurden von den Kindern geliebt und vergöttert. Alle. Ich habe in den vielen Jahren keine einzige Ausnahme gesehen.
    Kinder verstehen ungemein schnell, was Konsequenzen hat und was nicht. Und haben auch die nötige Energie Widerstand eine sehr lange Zeit aufrecht zu halten. Viel, viel länger als die gestressten und abgespannten Mütter oder Väter. Und deutlich mehr Willen auf ihrem willen zu beharren, als die allermeisten der heutigen Eltern. Resultat? Schaut auf die Kinderspielplätze.

    • „Das erreicht man nicht durch gutes Zureden und Bitten. Sondern alleine durch Konsequenz.“

      Schon richtig, aber mit „Konsequenz“ wäre ich trotzdem vorsichtig. Das ist so die deutsche Ersatzfloskel geworden, um das mittlerweile verpönte „Pflicht und Gehorsam“ zu umschreiben.

      Es ist eben gerade das Problem, dass man als Eltern nicht immer konsequent sein kann. Elternschaft ist schließlich „learning by doing“, manche Sachen funktionieren einfach nicht, die Kinder reagieren anders wie erwartet, man hat dann doch keine Zeit sich darum zu kümmern etc. davon abgesehen entwickeln sich Kinder und müssen sich immer neue Spielräume erkämpfen. Das ist für Eltern eine ständige Gratwanderung, aus Verboten und situations- und entwicklungsbezogenen Lockerungen.

      Gerade das kostet m.E. die meiste Energie, weil die Kinder es natürlich immer wieder versuchen (müssen). Im Kindergarten fällt das weg. Da kommen größere Kinder halt einfach in eine andere Gruppe etc. ansonsten machen alle mehr oder weniger das Gleiche, Sachen die schon tausendmal bewährt sind.

      Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Zu Hause kann sich ein Kind z.B. tagelang mit einer selbstgebauten Burg beschäftigen, im Kindergarten wird zum Feierabend i.d.R. alles abgerissen und verräumt. Ich wollte nie in den Kindergarten, ich empfand es immer wie Gefängnis. Heutzutage sind die Kindergärten besser, aber der beste Erziehungseffekt entsteht m.E. aus einer ausgewogenen Mischung von Familie und Fremdbetreuung, wobei es in der Familie immer lockerer und liebevoller zugehen sollte.

      • Ich mache da schon einen Unterschied zwischen Konsequenz und Pflicht und Gehorsam. Man kann auch locker und liebevoll sein und dennoch konsequent. Ich sehe da keinen Widerspruch. Und die gut geführten Kindergärten schaffen es auch locker, dass die Erzieherinnen und Pflegerinnen dort auch geliebt und respektiert gleichermaßen werden. Und wenn ich mir die meisten Kinder auf den Spielplätzen ansehe, dann fehlt es denen ganz erheblich am Respekt gegenüber den Eltern.
        Vielleicht sehen viele der Eltern ihre Elternschaft ja zu locker?

        • „Ich mache da schon einen Unterschied zwischen Konsequenz und Pflicht und Gehorsam.“

          Die ursprüngliche Wortbedeutung umfasst mehr, aber die meisten verstehen m.E. genau das: ich mache die Regeln und die müssen vom Kind eingehalten werden, notfalls indem ich Gewalt anwende etc.

          Das ist ein Einfühlungsproblem, Eltern die kein Gefühl für ihre Kinder haben, machen es instinktiv falsch, auch dann, wenn sie 10 Erziehungsratgeber gelesen haben und super-konsequent sind. Eltern die ein Gefühl für ihre Kinder haben, brauchen hingegen i.d.R. gar keine Ratgeber, sie sind automatisch im guten Sinne konsequent. Von daher bin ich vorsichtig mit solchen Modefloskeln, sie richten immer auch Schaden an, weil jeder sie anders auslegt, sie suggerieren ein Erfolgsrezept, welches in Wirklichkeit nicht existiert.

          Und wenn ich mir die meisten Kinder auf den Spielplätzen ansehe, dann fehlt es denen ganz erheblich am Respekt gegenüber den Eltern.“

          Ist jetzt nicht meine Erfahrung, aber vielleicht nehmen wir das unterschiedlich wahr oder unsere Erlebnisse unterscheiden sich.

          „Vielleicht sehen viele der Eltern ihre Elternschaft ja zu locker?“

          Denke ich eher nicht. Alle die ich kennengelernt habe, nahmen das auf ihre Weise ernst. Aber sie sind alle unterschiedlich geschickt, die Kinder variieren sehr stark in Charakter und Temperament (tatsächlich ist kein Kind gleich), alle Eltern bringen unterschiedliche Erfahrungen, Prioritäten, Intelligenz und auch Schwächen mit.

          Ich bin da (zumindest was ich in meinem Umfeld erlebe) nicht so pessimistisch, wie der deutsche Zeitgeist, was Erziehung angeht. Die schlimmsten Probleme entstehen m.E. erst später, durch die Interaktion mit „außen“, das Zuviel an Internet, „social media“, Handy, Spielerei, Filterblasen etc. aber wie sollen Eltern das gut vermitteln, wenn sie selbst kaum damit klar kommen? Das ist eher ein gesellschaftliches Problem.

  2. Dazu trägt eben bei, dass zu den Eltern eine sehr starke Beziehung besteht, während diese eben zu den Kindergärtnerinnen zwangsläufig gut sein kann, aber etwas distanzierter ist.

    Ich denke, der alles entscheidende Unterschied ist: Die Eltern haben eine Beziehung zu ihrem Kind, die auf tiefverwurzelter selbstloser Liebe basiert (im Idealfall), Kindergärtnerinnen oder sonstige Betreuer hingegen eine Geschäftsbeziehung, die maßgeblich zustande kommt, weil die Kindergärtnerin hier ihre Lebenszeit gegen Geld tauscht (sog. Erwerbsarbeit).
    Das sind vollkommen andere Voraussetzungen, die gerne von Verfechtern der umfassenden Fremdbetreuung ignoriert werden.

    Wenn die Kindergärtnerin ein eigenes Kind hat und das krank ist, dann kommt sie nicht zur Arbeit, weil sie eben ihr Kind betreut. Die Kinder im Kindergarten sind somit nachrangig. Und das wissen und spüren die schon im Kleinstalter.

    Wenn man eine Liebesbeziehung zu einer Frau hat, dann ist das schließlich auch grundlegend anders, als wenn man eine Frau für Liebe bezahlt.

  3. Fremdautorität ist was feines. Kinder benehmen sich bei anderen üblicherweise besser als zu Hause.

    Nicht vergessen sollte man auch, dass Erzieherinnen Profis sind. Mit der Erfahrung von vielen Jahren Betreuung von hunderten Kindern. Dass die das oft besser können als man selbst, überrascht nicht.

  4. Autoritätshierarchie (ansteigend): Großeltern, Eltern, Kindergärtnerinnen
    Beliebtheitshierarchie /absteigend): Großeltern, Eltern, Kindergärtnerinnen

    • Das unterschreibe ich so nicht, denn das hängt ganz entschieden von der Leitung der Einrichtung und deren Vorgaben ab. Wäre das so, müsste man alle Kinder mehr oder weniger dorthin zerren.

  5. Im Normalfall lieben die Eltern ihr Kind bedingungslos weil sie dessen Eltern sind.
    Aus sicht des Kindes müssen die Eltern das sogar so tun, das ist für das Kind die Hauptkonstante der Welt, meine Eltern lieben mich auch wenn sie mal mit mir schimpfen, daher kann das Kind bei den Eltern trotzig sein ohne zu riskieren nicht mehr geliebt zu werden.
    Bei der Kindergärtnerin muss man aber was tun um gemocht zu werden, also ist man da weniger trotzig und macht mehr mit.

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