Befreit die Sexroboter! Wie Fembots ein heteronormatives, binäres Geschlechterbild fortschreiben

Die Gender Studies werben jedes Jahr mit der Hashtagaktion „4genderstudies“ für die Wichtigkeit ihres Studienganges. Dieses Jahr fanden sie, dass dieser Tweet ihren Studiengang positiv darstellt:

Tanja Kubes bekommt also anscheinend zwei Jahre lang Forschungsgelder dafür, dass sie feststellt, dass Sexroboter auf heterosexuelle Männer ausgerichtet sind und entsprechende Schönheitsvorstellungen bedienen. Wie unerwartet. Aber vielleicht verkenne ich die Bedeutung der dort gemachten Forschung, schauen wir uns also mal den Artikel an:

Sie haben straffe Brüste, runde Pos, Wespentaillen, lange Beine, flache Bäuche, glänzendes Haar, volle Lippen, hohe Wangenknochen – kurzum sie sind schön. Und sie können sprechen und stöhnen und heißen Harmony, Tanya oder Solana. Harmony und Co. sind erste Sexroboter mit künstlicher Intelligenz und für Dr. Tanja Kubes Ausdruck eines in weiblichen Stereotypen verharrenden männlichen Blicks auf Frauen, Sexualität, Geschlecht und Begehren. „Diese Sexpuppen erinnern in ihrem Äußeren komplett an das Barbie-Schönheitsideal.“

Als hätten sich die Hersteller bei einer X.000 € Puppe sich vorher informiert, wer ihre Kundengruppe ist und sich dann auch noch informiert, welches Aussehen dort ankommt.
Aber natürlich wären Sexroboter für Frauen, wenn Feministinnen diese herstellen würden, kleine dicke Männer mit Halbglatze.

Dr. Tanja Kubes beschäftigte sich in den vergangenen zwei Jahren in dem Forschungsprojekt „Leben und Lieben mit Robotern“ am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin mit Sexrobotern, untersuchte, was es für Sexroboter auf dem Markt gibt, betrachtete sie aus technischer, soziologischer und philosophischer Sicht und fragte, wie von Heteronormativität „entkleidete“, also queere Sexroboter aussähen und ob sie neue Formen des Begehrens aufzeigen könnten.

Ein wichtiges Forschungsgebiet, welches uns erneut vor Augen führt, warum wir die Gender Studies brauchen!

Konservatives Frauenbild: willig, folgsam, dienend

„Die aktuellen Sexrobotermodelle zeichnen sich jedoch nicht nur in ihrem Äußeren durch eine extreme Übersteigerung stereotyper Weiblichkeitsideale aus, auch die Eigenschaften und Funktionalitäten, zwischen denen der oder die Nutzende wählen kann, widerspiegeln ein konservatives Frauenbild“, sagt Dr. Tanja Kubes. Man könne die mit künstlicher Intelligenz ausgestatten Puppen mit typisch weiblich konnotierten negativen Eigenschaften wie eifersüchtig, unsicher, launisch oder positiven wie liebevoll, sinnlich, gesprächig, hilfsbereit personalisieren, wobei auch intelligent zur Verfügung stünde, und da sie sich in jede beliebige Position biegen lassen, transportierten diese Roboterfrauen das Bild der passiven, immer willigen, folgsamen, dienenden Partnerin.

Ein Sexroboter der immer willig ist? Dieses verdammte Patriarchat! Da sind die Frauen schon wesentlich weiter, sie haben Vibratoren, die ab und zu nur kuscheln wollen, mal einfach nicht vibrieren können und mitunter deutlich sagen, dass sie jetzt keine Lust haben! Würden Männer sich dem doch nicht verschließen und es genauso wie die Frauen machen!

Damit würden sie, so Kubes, dazu einladen, Unterdrückungs- und Machtphantasien auszuleben. Nach der Nutzung sollte die Sexroboterfrau übrigens an einen Haken oder den mitgelieferten Ständer gehängt werden. So soll vermieden werden, dass der runde Silikonpo plattgedrückt wird.

Die Sexpuppe wird aufgehängt!!!1 Da sieht man wieder die Perversität des Patriarchats. Das ist ja schon der Beleg, dass es hier nur um stellvertretende Unterdrückungs- und Machtphantasien geht.

Wobei: Warum sollte jemand keine Unterdrückungs- und Machtphantasien mit seiner Puppe ausleben können? Genug Frauen lesen liebend gerne Romane in denen es um Unterdrückungs- und Machtphantasien geht. Es ist beiderseits eine beliebte Fanatasie.

Produkt der Mainstream-Pornografie

Für die Soziologin und Ethnologin sind diese Gynoiden oder Fembots, also diese weiblichen humanoiden Sexroboter, ein weiteres Produkt aus der heterosexuellen Mainstream-Pornografie und „ein Beleg dafür, dass neuartige Technikkonstruktionen auch im 21. Jahrhundert noch einem sexistischen und konservativen männlichen Kanon folgen“. Eine Ursache dafür sieht sie in der I-Methodology, von der die Entwicklungsteams ihrer Meinung nach geleitet sind. Diese Methode bezeichnet eine Herangehensweise bei der Technikentwicklung, bei der der Entwickelnde oder die Entwickelnde das Produkt nach den eigenen Vorstellungen, Bedürfnissen und damit auch einhergehenden Limitierungen designt.

„I-Methology“ oder (vermutlich) „Ich Methodik“ ist wunderbar feministisch. Weil es eben eine Abwandlung einer Standpunkttheorie ist. Männer als Entwickler haben nur Männerinteressen vor Augen. Sie können keine Produkte für Frauen entwickeln, das können nur Frauen. Deswegen brauchen wir überall Frauen in Positionen, in denen sie mitreden können.

Hier wäre aber die Stelle, bei der sie einmal tatsächlich wissenschaftlich arbeiten könnte. Also nicht einfach nur Theorien ausdenken, sondern erst einmal Daten ermitteln. Was ich hier erwarten würde:

  • Sind in den jeweiligen Firmen Frauen angestellt?
  • Gab es sonst weibliches Feedback, etwa über Marktforschung?
  • Wie wurde ermittelt, wer ein potentieller Kunde ist?

Oder auf der anderen Seite eigene Marktforschungen:

  • Wollen Frauen Sexpuppen?
  • Besteht ein Markt für ein entsprechendes Produkt und wenn ja, wie sieht es aus?
  • Sind Überscheidungen in den Techniken vorhanden, so dass es sich für einen Hersteller von Sexpuppen lohnt auch Produkte für Frauen mit ins Programm zu nehmen?

Hier scheint es sich aber nur um „I-Forschung“ (aus der Sicht der Wissenschaftlerin) oder „G-Forschung“ (aus der Sicht der Gender Studies, bei der alles eine große patriarchale Verschwörung ist) zu handeln.

„Und bei den von mir untersuchten Fembots sind diese offensichtlich nach den stereotypen Vorstellungen des heterosexuellen weißen Mannes geformt“, erklärt Dr. Tanja Kubes. Eine andere Ursache sei die Orientierung der Entwicklungsteams an Genderskripten wie zum Beispiel „Mann verführt Frau“ oder „Männer sind aktiv, Frauen passiv“. Das Ergebnis aus der Kombination beider Methoden sei eine sprechende Sexpuppe mit einem hypernaturalistischen, weiblichen Körper, in die Geschlechterbinarität (Mann – Frau), Heteronormativität und eine auf den Vaginalverkehr fixierte Sexualität als Norm eingeschrieben sind, wodurch wiederum Konzepte wie Sexismus, Rassismus und Androzentrismus (der Mann ist die Norm) verfestigt würden.

Was für ein Haufen Mist. Sexpuppen sind passiv, weil es verdammt schwierig sein dürfte eine aktive Sexpuppe herzustellen, die sich wie eine Frau bewegt. Sie sehen aus wie schöne Frauen, weil das nun einmal die evolutionär ausgeprägten Attraktivitätsmerkmale sind. Bereits meine sehr kurze Recherche (20 Sekunden statt 2 Jahre) hat ergeben, dass die Sexpuppe nicht nur auf Vaginalverkehr ausgelegt ist, dass es sie in allen Hautfarben gibt. Natürlich kann auch ein Bi-Mann mit ihnen verkehren, eine Frau ebenso, wenn sie möchte.

Trotz integrierter künstlicher Intelligenz verspiele diese Art von Sexroboter laut Kubes deshalb das Potenzial, Sexualität, Begehren und Liebe „abseits gewohnter Normierungen zu erkunden und die Chance, leibliche Erfahrungen jenseits tradierter materieller und biologischer Grenzziehung zu machen“.

Wenn das aber kein Kunde will oder nur ein entsprechend kleiner Kundenstamm dafür vorhanden wäre, dann lohnt sich das eben nicht.
Wobei ich vermute, dass der Hersteller entsprechender Puppen ab einer bestimmten Stückzahl, die Frau Kubes verbindlich abzurufen bereit ist, auch gerne Puppen nach ihren Vorstellungen macht. Frau Kubes kann dann den Markt bedienen und sowohl Geld verdienen als auch eine Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen.

Dieses Potenzial könnten sie jedoch haben, würden sie von einer queeren Position völlig neu gedacht und damit ganz anders gemacht werden. „Ein Grundanliegen von Queerness ist es, als natürlich empfundene Werte, Normen und Setzungen in ihrer Gemachtheit zu identifizieren und auf die ihnen innewohnenden Machtverhältnisse, Ungleichheits- und Ausgrenzungsmechanismen hinzuweisen“, sagt Dr. Tanja Kubes.

Robotische Modelle für diverse Formen von Begehren

Ausgehend von diesem queeren Ansatz hält sie es für problematisch, dass Entwicklungsteams ihren Ehrgeiz in einen Hyperrealismus legen, Sexroboter so menschenähnlich wie nur möglich erscheinen zu lassen.

Da sind Leute, die wahrscheinlich keinen menschlichen Sexualpartner haben und über die Puppe eine entsprechende Phantasie ausleben wollen, die einem echten Partner in körperlich idealisierter Form so nahe wie möglich kommt. Ich vermute mal, dass das der Markt für die Puppen ist.

Das sind wahrscheinlich nicht die machtvollsten Personen.
Frauen kaufen sich in solchen Situationen wahrscheinlich eine Katze und einen Vibrator. Das der Vibrator mit seinen vom Mann nun einmal nicht zu erzeugenden Vibrationen ein unrealistisches Bild zeichnet ist natürlich auch höchst unfair und wir sollten einen Mann dafür bezahlen, dass er da alternative Vibratoren entwickelt, die einfach zu früh kommen und dann den Dienst einstellen und einschlafen, weil alles andere androphob wäre.

Vielmehr sollten die Sexroboter „ent-gendert“ werden. Das heißt, die Entwicklungsteams sollten robotische Modelle entwerfen, deren sexuelle Funktionalitäten zur Befriedigung vielfältiger Formen von Lust und Begehren dienen, um die menschliche Sexualität von ihren „androzentrischen Begrenzungen“ zu befreien. „Da muss deutlich über Öffnungen und/oder phallische Elemente hinausgedacht werden, vorstellbar wären Formen, die nicht statisch sind, Wärme- und Kälteelemente, Infrarotlicht, Flüssigkeiten und Öle. Körper könnten in nichthumanoiden Varianten gestaltet und somit fluide Geschlechts-Identitäten entworfen werden. Ein solcher Sexroboter ähnelte keinem Menschen mehr“, so Kubes. Die sexuelle Beziehung würde ganz bewusst mit einem technischen Artefakt eingegangen und nicht mehr mit einer hypersexualisierten Silikonfrauenpuppe. Dies, so Kubes, würde die heutigen Sexroboter, in denen derzeit eben noch ein zweigeschlechtliches, heteronormatives und androzentrisches Verständnis von Sex, Gender und Begehren fortgeschrieben wird, befreien.

Für diesen überaus bescheuerten Vorschlag, den wohl kein Unternehmer auf den Markt bringen will, hat die „Wissenschaftlerin“ anscheinend zwei Jahre Geld bekommen. Und da sage einer wir bräuchten die Gender Studies nicht.

„Es kauft dann zwar keiner mehr und ihr geht pleite, aber dafür vertretet ihr wenigstens kein androzentrisches Modell mehr“.

Posthumanen Lust-Gefährt*innen: Technik, die Grenzen verschiebt

„Queere Sexroboter könnten dazu beitragen, sexuelle Befriedigung, emotionale Bindungen und Glück jenseits zwischenmenschlicher Beziehungen zu erlangen. Sie könnten zu Posthuman-Pleasure-Companions, also zu posthumanen Lust-Gefährt*innen werden. Und sie könnten auch die bedenklichen Tendenzen unterbrechen, dass Roboter, die im Servicebereich in Hotels, Supermärkten, Bahnhöfen eingesetzt werden, Frauen gleichen. Damit beflügelten queere Sexroboter die Diskussion darüber, Technik aus einer nicht-männlichen, sondern queeren Position zu entwickeln, einer Technik, die Grenzen verschiebt“, resümiert Dr. Tanja Kubes.

Ja, dann man ran Frau Kubes. Gründen sie eine Gesellschaft, stellen sie entsprechende Puppen her und verkaufen sie sie.

Die queeren Sexpuppeninteressenten werden es ihnen danken. Und es würde auch verhindern, dass sie weiter Forschungsgelder verschwenden.

Bonus: Sie hat auch noch ein Interview gegeben:

Also sind sie geformt durch einen „male gaze“, den männlichen Blick?

Absolut. Und die sexuelle Funktion beschränkt sich auf unterschiedliche Möglichkeiten der Penetration, als sei dies die einzige Möglichkeit, Sex zu haben. Dass sexuelle Bedürfnisse und Vorlieben ganz unterschiedlich sind, wird nicht bedacht. Auch die Charaktereigenschaften dieser Roboter folgen vermeintlich weiblichen Stereotypen, wie zum Beispiel liebevoll, sinnlich, gesprächig oder hilfsbereit. Die Entwicklungsteams orientieren sich dabei an sogenannten Genderskripten, wie zum Beispiel „Mann verführt Frau“ oder „Männer sind aktiv, Frauen passiv“.

Das sie beliebte weibliche Stereotype wie „Zickig“ „habe gerade Kopfschmerzen“ „warum hilfst du eigentlich nicht mehr  im Haushalt? Der Müll ist schon wieder ganz voll“ oder etc weggelassen haben ist ja auch irgend wie unfair

Aber können Roboter überhaupt dominant und aktiv sein?

Natürlich. Roboter werden so, wie die Entwicklungsteams sie erschaffen. Modelle des Roboterherstellers Boston Dynamics können einen Flickflack oder Rock ’n’ Roll tanzen. Es gibt also definitiv die Möglichkeit, auch Sexroboter nicht passiv zu gestalten. Bei den aktuellen Sexrobotermodellen ist es nur nicht gewollt. Zum Beispiel gibt es Modelle, die einen stereotypen Orgasmus simulieren können. Hierbei wird aber auch wieder nur ein heteronormatives und passiv anmutendes Genderskript aus der Pornografie übernommen. Und das ist schade.

„Roboter können einen Flickflack, also müssen sie auch Sexakte mit einem Mann vollführen können, bei dem dann wenn etwas schiefgeht das gesamte Gewicht des dann dank mehr Robotic wesentlich schweren Roboters auf dem Mann liegt“ ist eine Einschätzung, die mich vermuten lässt, das sie keine Ahnung von der Schwierigkeit so etwas zu entwickeln hat.

Gibt es auch männliche Exemplare?

Kaum. Und die wenigen, die es gibt, werden ebenfalls aus einer männlichen Perspektive für eine männliche Kundschaft konstruiert. Auch hier bleibt der Körper komplett starr, und Penetration gilt als Normsex.

„Ich habe Roboter im Fernsehen gesehen, die waren nicht komplett starr, da ist es doch wohl zu erwarten, dass die bessere Sexroboter machen können“

Sollten Sexroboter also abgeschafft werden?

Nein, gar nicht. Ich habe generell nichts gegen Sexroboter. Ich glaube fest daran, dass mit Sexrobotern neue Arten von Beziehungen und Befriedigung erlebt werden können. Aber eben nicht so, wie sie aktuell konstruiert werden. Wir müssen bei der Technikgestaltung wegkommen vom übersteigerten Naturalismus, von der extremen pornografischen Stereotypisierung und hin zu einer neuen und vielfältigen Art von technischem Gegenüber.

Ich glaube sie überschätzt etwas, was ein Sexroboter ist und wie viel komplizierter ein „technischer Gegenüber“ im Vergleich zu einem solchen ist.

Was heißt das konkret?

Sexroboter sollen nicht Menschen oder Frauen ersetzen, sondern als zusätzliche Möglichkeit dienen, Sexualität weiter auszuleben. So wie es mittlerweile Druckwellenvibratoren gibt, denen man auf dem ersten Blick nicht mal ansieht, was für einen Zweck sie eigentlich haben. Diese Sextoys bieten eine komplett neue Art von Befriedigung. Die klitorale Stimulation durch Druckwellen ist eine Funktion, die kein Mensch, mag er sich noch so anstrengen, nachmachen kann.

Das sagt im Bezug auf Sexroboter überhaupt nichts aus. Sie hat die Frage „Was heißt das Konkret“ nicht beantwortet. Amscheinend weiß sie nach zwei Jahren auch nicht, was da eigentlich genau passieren soll.

Sie haben in der Pressemitteilung Ihrer Forschung geschrieben, dass es queere Roboter geben soll – aber Diversität geht ja über Queerness hinaus, und wie kann ein Roboter überhaupt queer sein?

Ja genau, ich spreche in dem Zusammenhang auch von Queerbots. Mir geht es bei dem Begriff queer nicht allein ums Aussehen oder die sexuelle Orientierung, sondern um den queeren Ansatz im Allgemeinen. Die Queer Theory geht davon aus, dass Sexualität, Geschlecht und Begehren Effekte von soziokulturellen Normierungen und Regulierungspraxen sind. Wichtig ist, bei der Technikkonstruktion inhärente Machtverhältnisse und Ausgrenzung offenzulegen und zu hinterfragen. Technikkonstruktionen sind nicht festgeschrieben, sondern fluide und demnach form- und veränderbar.

Es MUSS eben Queerbots geben, weil das ein gutes Ergebnis einer feministischen Studie ist. Männer böse, Queer gut. Ganz einfach. Was gibt es daran nicht zu verstehen?

Ich kann mir nicht vorstellen, wie so ein queerer Sexroboter überhaupt aussehen soll. Soll er überhaupt wie ein Mensch aussehen?

Ich möchte hier gar nichts vorgeben. Hauptsache, weg von diesem strikten Anthropomorphismus, also der Zuschreibung menschlicher Eigenschaften auf die Roboter. Menschen können ja mit allen möglichen Gegenständen emotionale Bindungen oder sexuelle Beziehungen eingehen. So ein Roboter kann also eine beliebige Zahl frei formbarer Gliedmaßen haben, die vibrieren und einen umschlingen. Er kann wie ein Ball aussehen oder aus Plüsch sein. Man könnte mit Wärme oder Kälte arbeiten. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

„Ich kann auch nicht sagen, wie er aussehen soll, aber die müssen ihn bauen, sonst sind sie einfach sexistische Schweine“. Der Markt für Sexpuppen dürfte schon relativ klein sein. Der Markt für Roboter, die einen mit einer beliebigen Anzahl frei formbarer Gliedmaßen umschlingen um dann zu vibrieren, dürfte aber noch deutlich kleiner sein. Wenn er dann noch kalt dabei werden kann bezweifele ich, dass das die Verkäufe stark vermehren kann. Ich sehe auch nicht wirklich, warum queere Leute das kaufen sollten.

Aber was ist das Problem daran, wenn Sexroboter aussehen wie reale Frauen?

Wenn wir mit solchen Robotern in Zukunft immer häufiger zu tun haben, kann es zu einer symbolischen Übertragung von Sexismen auf Frauen kommen. Es besteht auch die Gefahr, dass, wenn bestimmte Macht- oder Gewaltfantasien immer wieder an frauenähnlichen Robotern praktiziert werden, diese auch auf reale Frauen übertragen werden.

Da verbirgt sie den eigentlichen Grund aber doch ziemlich unter allerlei Blödsinn. Wenn die Frauen zB weniger Hyperrealistisch aussehen oder hässlicher/Queerer/weniger Normschön aussehen würden, dann würde das ja absolut nichts daran ändern, dass die Machtphantasien ausgelebt werden.

Glücklicherweise zitiert sie ja aber jede Menge Forschung, dass solche Sexpuppen tatsächlich das Ausleben von Macht- und Gewaltphantasien an echten Frauen gegen deren Willen fördern. Ach macht sie gar nicht?

Und warum überhaupt nur die Sexpuppen verbieten? Verbieten wir doch gleich alle Bücher dazu, von 50 Shades of Grey bis zu den „Der mächtige Pirat ist so verrückt nach mir, dass er seine Begierde nicht zügeln kann“-Bücher und verlangen, dass da jeweils eine queere Szene reingeschrieben wird, wo er sich in ein Wesen mit beliebig vielen Gliedmaßen  Armen verwandelt, dass einfach nur kuscheln will und gar keine Waffen mehr halten kann.

Ist es aber nicht besser, wenn Gewaltfantasien an Robotern begangen werden anstatt an Menschen?

Das ist eine schwierige ethische Frage, ich bin Soziologin und keine Ethikerin. Es gibt aber durchaus Überlegungen, ob man einen Consent-Modus einbauen sollte. Also eine Funktion, in der der Roboter dem Sex zustimmen muss. Aber was passiert, wenn der Roboter nicht zustimmt und man ihn trotzdem zum Sex nötigt? Da gibt es viele Problematiken, die noch nicht ausreichend diskutiert worden sind.

Das ist wirklich so dermaßen dämlich, dass es nur aus den Gender Studies kommen kann.

Kann man das nicht mit Computerspielen vergleichen? Nur, weil ein Kind Killerspiele zockt, heißt es nicht, dass es auf der Straße Menschen erschießt.

Nein, das kann man meiner Meinung nach nicht vergleichen. Bei einem Computerspiel sitzen Menschen vor Monitoren, die sie irgendwann ausschalten. Ein Roboter in der analogen Welt hat einen ganz anderen Stellenwert – man lebt mit ihm, liebt ihn vielleicht sogar und kommuniziert mit ihm wie mit Menschen auch. Man nimmt ihn deshalb früher oder später als Gegenüber wahr. Gleichzeitig hängt man den Sexroboter an einem Haken auf, wenn man ihn vernünftig aufbewahren möchte.

Die Interviewerin stellt immerhin vernünftige Fragen. Aber wenn man ihn liebt und mit ihm kommuniziert, er gerade kein Gegenstand mehr ist, dann sinkt ja auch gleich wieder die Mißbrauchsgefahr.

Dann wieder ihr Hakenbeispiel. Es sollte eine Pflicht bestehen die Sexpuppe in ein eigenes Bett zu legen und gut zudecken. Die verformung des Pos ist hinzunehmen, weil der sich mit dem Alter ja auch bei einer echten Frau verformt.

Am Haken? Nicht im Bett?

Klar, manche bewahren ihn sicherlich auch im Bett oder auf einem Stuhl auf, aber so ein Roboter ist relativ schwer. Er wiegt um die 40 Kilo. Das Silikon wird also nach einer Weile platt gedrückt, und damit das nicht passiert, nimmt man den Kopf ab und hängt den Rest des Körpers an einem Haken auf. Das sieht schon sehr makaber aus.

Es wird Zeit, dass sie ein Haltegestellt entwickelt, dass weniger makaber aussieht. Ach, sie kann nur Unterdrückungstheorien aufstellen? Schade.

Sind diese Roboter denn eigentlich schon weit verbreitet?

Sie sind aktuell noch ein Nischenprodukt und erst seit kurzer Zeit auf dem Markt. Verlässliche Zahlen gibt es daher noch nicht. Potenzielle Kunden müssen viel Geld, einen Internet- und Strom­anschluss haben und die pornografische Ästhetik der aktuellen Modelle mögen. Ich empfinde diese einfältige Technikgestaltung als eine Vergeudung von Möglichkeiten!

Das geht dich aber nichts an. Es sind wenige Menschen, die dafür anscheinend viel Geld ausgeben wollen. Wenn du das nicht willst, dann kauf eben keine Puppe. Oder wenn du meinst, dass man es besser machen kann, dann investiere in eine bessere Puppe mit beliebig vielen Giedmaßen.

Die Robotik hat so viel mehr Potenzial! In naher Zukunft werden wir mit Robotern zusammenleben. Auf lange Sicht sollte es deshalb nicht unser Ziel sein, Menschen beziehungsweise Frauen robotisch nachzubilden oder gar zu ersetzen. Das Motto der Zukunft sollte vielmehr sein: Hin zu neuen Optionen und Funktionalitäten, die unser Leben im Allgemeinen und auch im sexuellen Bereich bereichern können.

Anscheinend sind das aber andere Roboter als die Sexpuppen, die der Triebbefriedigung dienen. Eigentlich ganz einfach.
Es sei denn man hat Gender Studies studiert.