Arbeitsplatzroboter schließen das geschlechtsspezifische Lohngefälle, weil sie vor allem die Arbeit von Männern übernehmen

Ein interessanter Artikel zu den Auswirkungen von Robotern:

Workplace robots have decreased the gender pay gaps in some industries because they are taking away jobs mostly done by men, a study has discovered.

This has closed the gap in pay and also made women less likely to want to marry and have children, researchers found.

The study suggests this is because both men and women are now doing the same jobs and in turn being paid the same in the wake of campaigns of gender equity in the workforce.

In 741 US regions exposed to industrial robots, they discovered a ‘significant’ statistical decline in gender inequity in income.

Every 1.9 additional robots per 1,000 workers decreased the gender income gap by 4.2 per cent and the workforce participation gender gap by 2.1 per cent.

However, this is against the average of women earning 84 per cent of what men earn in full and part-time jobs in the US.

Researchers looked at areas around the US where robots had been introduced and what their effect was on the labour market (Getty)

The researchers also compared where robots had entered the labour market and found changes in family and fertility behaviours.

While there was no decrease in children being born, babies in wedlock decreased by 12 per cent and there was a 15 per cent increase in nonmarital births.

An increase in robot exposure were associated with a one per cent reduction in marriage rate, a nine per cent increase in divorces and a 10 per cent increase in the likelihood of couples living together without getting married.

Das sind erst einmal sehr interessante Effekte. Eine gesteigerte Scheidungsrate könnte sich daraus ergeben, dass Leute arbeitslos werden. Vielleicht heiraten die Leute in unsicheren Zeiten auch weniger, die evtl dadurch entstehen, dass ein bestimmter Anteil von Arbeitern entlassen wird und durch Roboter ersetzt wird.

Hier noch der Link auf die eigentliche Studie:

Robots have radically changed the demand for skills and the role of workers in production. This phenomenon has replaced routine and mostly physical work of blue collar workers, but it has also created positive employment spillovers in other occupations and sectors that require more social interaction and managing skills. This study examines how the exposure to robots and its heterogeneous effects on the labor market opportunities of men and women affected demographic behavior. We focus on the United States and find that in regions that were more exposed to robots, gender gaps in income and labor force participation declined, reducing the relative economic stature of men. Regions affected by intense robot penetration experienced also an increase in both divorce and cohabitation and a decline –albeit non-significant– in the number of marriages. While there was no change in the overall fertility rate, marital fertility declined, and there was an increase in nonmarital births. Our findings provide support to the hypothesis that changes in labor market structures that affect the absolute and relative prospects of men may reduce their marriage-market value and affect marital and fertility behavior.

Quelle: Robots, Marriageable Men, Family, and Fertility *

Aber weiter in dem Artikel:

Dr Osea Giuntella, assistant professor in economics at the University of Pittsburgh, said: ‘There has been an intense debate on the effects of robotics and automation on labour market outcomes, but we still know little about how these structural economic changes are reshaping key life-course choices.

‘Our study shows the exposure to robots’ competition affected the relative labour market opportunities of men and women.

‘Male income fell at a substantially higher rate than female income, decreasing the gender income gap.

Dazu aus der Studie:

Columns 1–3 show that the effect of robots on male income (-5.8%, see column 2) is substantially larger than that on female income (-1.6%, see column 1). This drives the gender income-gap (defined as the ratio between male and female income) down by 4.2% in areas that were more exposed to robot penetration.14

Also letztendlich ein Vorgang bei dem Männer und Frauen verlieren, auch wenn es den Unterschied zwischen den Geschlechtern kleiner  macht. Armut ist ja ohnehin der beste Reduzierer des Gender Pay Gaps.

‘Moreover, robot exposure has increased female labour force participation significantly while leaving the labour force participation of men unchanged.

‘We argue that these labour market effects affected men’s marriageability and women’s willingness to long-term commitments with a decline in marriages and marital fertility.’

He added: ‘Our findings add to a long-standing discussion on the effects of technology – household appliances, medical progress, etc. – on family and fertility decisions by focusing on a more recent wave of technological changes, particularly the development of robotics and automation.

‘Those technological changes, instead of directly affecting fertility and family choices, might disrupt them by profoundly changing employment opportunities for both women and men.’

Das kommt natürlich darauf an, ob man gleichzeitig die Roboter noch Produziert bzw entwickelt, was auch ein sehr männerlastiger Bereich sein wird und wahrscheinlich eine höhere technische Qualifikation erfordert.

Es macht aber auch wieder deutlich, dass eine Angleichung des Gender Pay Gaps, schon gar nicht eine Angleichung durch beiderseitiges, wenn auch bei den Frauen schwächeres, Absinken der Gehälter gar nicht unbedingt zum Vorteil der Frauen sein muss, die ja auch ein Interesse an ansonsten stabilen Umständen haben.

29 Gedanken zu “Arbeitsplatzroboter schließen das geschlechtsspezifische Lohngefälle, weil sie vor allem die Arbeit von Männern übernehmen

  1. Wenn Arbeiten automatisiert werden können, bedeutet das also, dass die Produktivität in dem Bereich steigt und das ist Letztloch die Voraussetzung von Reallohnsteigerungen. Das ist volkswirtschaftlich gut – und führt üblicherweise keineswegs zu einem Abbau von Arbeitsplätzen insgesamt in der Volkswirtschaft – und besonders profitiert dabei die Branche, in der der Produktivitätszuwachs stattfindet. In Branchen wir Friseur, Einzelhandel etc., wo es eher Produktivitätsfortschritt gibt, ziehen die Löhne dann eher im Nachgang und mit Abstand hinterher.

    Der ungereinigte GPG wird sich daher m.E. (ich bin Volkswirt) nur schließen, wenn sich Frauen verstärkt für andere Berufe entscheiden. Die dargestellte Entwicklung weiterer Automatisierung/Robotisierung wird den Abstand tendenziell eher vergrößern.

    • Auf gut deutsch, der reale GPG wird sich noch mehr zugunsten von Frauen verschieben.

      Ansonsten:
      Immerhin hast du von gesamtwirtschaftlich gesprochen.
      Die Arbeitsplätze die wegfallen, wird sicherlich nicht die Männer erfreuen, die danach dauerhaft auf der Straße sitzen werden.

      • Klar, solcher Entwicklungen führen immer zu Verschiebungen. Innerhalb der an sich profitierenden Branche gibt es Gewinner und Verlierer. Grundsätzlich ist das aber eine positive Entwicklung. Ohne Produktivitätssteigerung gibt es keine steigenden Realeinkommen.

    • „Der ungereinigte GPG wird sich daher m.E. (ich bin Volkswirt) nur schließen, wenn sich Frauen verstärkt für andere Berufe entscheiden.“

      Also wenn Frauen verstärkt „männliche“ Erwerbsbiographien leben. Oder – umgekehrt – Männer verstärkt „weibliche“.

      Letzteres führt dann allerdings zu einem Wertverlust auf dem Partnerschaftsmarkt, wird also von Seiten der Frauen als Option für Männer aktiv unattraktiv gehalten.

      • Die gutverdienende, sebstbewusste feministische Ingenieurin wird aber noch jemanden zum kalben finden und ab dann eben die alleinerziehende Mutter. Beim Kindergärtner/Friseur ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er ein Dead End Gen wird. Wenn Männer, die bereit wären weibliche Berufe auszuüben sich nicht fortpflanzen, weil Frauen sie nicht als männlich attraktiv wahrnehmen, geht damit auch die Neigung zum Kindergärtner in zukünftigen Männergenerationen zurück.

        • Ja genau.

          Wobei wir bei „Kindergärtner“ auch noch gut beobachten können, dass Frauen es i.d.R. gar nicht mögen wenn Mann in „ihre naturgegebene“ Domäne eindringt. Da werden Kindergärtner gerne mal mit diffusen Vorwürfen und Verdächtigungen als pädophiles Sex-Monster aus dem Job gedrängt.

          Aber ehrlicherweise sei gesagt: Zumindest mir gegenüber haben Feministas nie Gleichberechtigung propagiert. Sondern es ging immer nur um Beseitigungen von Einschränkungen der Freiheit der Frau. Männer sind in diesem Weltbild entweder Feindbild oder egal.

    • Ist auch meine Meinung. Die Frage wird allerdings sein, wie kleinteilig die Wirtschaft ist. Je mehr Konzerne, desto eher sind Prozesse automatisierbar, bzw. lohnt sich die Automatisierung.

      Meines Wissens sind die meisten Menschen aber nach wie vor in klein- und mittelständischen Unternehmen und dort kann nur sehr moderat automatisiert werden, auch weil die Innovationszyklen zu sich ständig ändernden Anforderungen führen.

      Die Diskussion ist fast schon ein bisschen albern, angesichts der Tatsache, dass die Unternehmen schon jetzt über fehlenden Nachwuchs jammern, in Afrika Leute anwerben und wir demnächst die Babyboomer in den Ruhestand schicken…

  2. „Eine gesteigerte Scheidungsrate könnte sich daraus ergeben, dass Leute Männer arbeitslos werden.“

    ‘We argue that these labour market effects affected men’s marriageability and women’s willingness to long-term commitments with a decline in marriages and marital fertility.’

    Das wird ja nicht an den Robotern liegen, sondern daran das Männer ihren Männerberufen nicht mehr mehr verdienen können wie Frauen. Also dem geringen „Gender Pay Gap“ für unterschiedliche Arbeit.

    Schweden wird doch immer als Beispiel für einen niedrigen GGP genannt. Der lag 2019 bei 11.8%. Die Scheidungsrate ist mit 52,8% auch relativ hoch. Sehe gerade Luxembourg GGP 1,3%; Scheidungsrate 88,9%. Warum da noch als Mann heiraten?

    • Also die Frage heiraten oder nicht, muss man unabhängig von dem GPG stellen. Ökonomische betrachtet gibt es für beide Geschlechter kaum einen Grund, der für das heiraten sprechen würde. Vielleicht für Frauen noch eher.

      • „Also die Frage heiraten oder nicht, muss man unabhängig von dem GPG stellen.“

        Klar, aber was der Mann verdient, hat Einfluss darauf und wenn sich der GPG reduzierte, reduzieren sich auch die Chancen auf Heirat.

        • Was ich primär begrüssen würde. Da bin ich mit Adrian auf einer Linie. Heiraten ist ein mittlerweile obsolet gewordener Brauch, der durch etwas Neues ersetzt werden sollte, meiner Meinung nach.
          Und da bin ich zuversichtlich, dass die Geschlechter das hinkriegen. Es wird für viele Individuen nicht die Erfüllung ihrer Träume bedeuten, eher einen Kompromiss was sicher nicht schlechter ist als Nichts.

  3. Das Problem ist nicht die Steigerung von Produktion und Effizienz durch Automatisierung. Das ist normal und Garant unseres Wohlstandes.
    Problematisch ist die Ausweitung volkswirtschaftlich unproduktiver Jobs für Frauen.

    • Diese Bullshitjobs sind das Ergebnis einer gesellschaftlichen Entwicklung die die Überflüssigmachung sehr vieler Jobs durch Automatisierung abfängt. Das Endergebnis wird mit einiger Sicherheit eine Art BGE sein.
      Es sei denn, die De-Carbonisierung macht den Ersatz von Maschinen durch Menschen nötig und verringert die Überschüsse die es möglich machen, ein BGE auszuzahlen.
      Letzteres scheint mir aktuell wahrscheinlicher, „It’s the economy, stupid!“

      • Zu einem BGE wird es nicht kommen, meiner Meinung nach. Die letzten Experimente mit einem BGE sind meines Wissens nach alle krachend gescheitert. Das BGE kann nur dann funktionieren wenn Maschinen so ziemlich alles übernehmen würden, aber dann sind wir ja so was von überflüssig. Wobei das wäre ja noch kein Problem aber die Gesellschaft würde in kürzeseter Zeit soweit degenerieren, dass sie nicht fortbestehen könnte.

        • Zu einem BGE wird es nicht kommen, meiner Meinung nach. Die letzten Experimente mit einem BGE sind meines Wissens nach alle krachend gescheitert.

          Leider leben wir nicht in Zeiten, in denen Dinge nicht wiederholt werden, bloß weil sie krachend gescheitert sind. Man muss es beim nächsten Mal nur richtig machen, dann klappt das schon…

  4. Männer haben ehemalige Frauenarbeiten erheblich automatisiert. Aus Waschbrett wurde der Einschaltknopf der Miele, den Abwasch erledigt eine Siemens, der Staub wird nicht mehr gewischt, sondern von Bosch gesaugt. Was macht eine Frau, die „beruflich mal ein bisschen kürzer tritt“, nun mit der verfügbaren Zeit? Da gibt es Allerlei: Wohnzimmerdeko, Nagelstudio, Gym, Networking mit Freundinnen, ein gutes Buch, ein feministisches Blog, süßes Baby zum Knuddeln etc.

    Wenn man nun davon ausgeht, dass es keinen GPG gibt und auch ein eventuelles Lohngefälle irrelevant ist, weil es für das Individuum nur interessant ist, wie viel Kaufkraft es faktisch hat, egal wo die herkommt (Erbe, Unterhalt, Gehalt, Rente etc.), dann geht es doch nur um die Frage, wie die Früchte der erhöhten Produktivität durch Automatisierung verteilt werden.

    Als seinerzeit moderne Drucktechnik für Zeitungen erfunden wurde und der Journalist mehr oder minder direkt auf die Druckerpresse schreiben konnte, wurden die überflüssigen Setzer einfach dazu verdonnert, die Texte von einem Rechner in den anderen zu übertragen – komplett sinnbefreit, nur um ihre Jobs zu erhalten. Die hätten ​auch zuhause bleiben können bei vollem Lohn.

    Wohin also mit den Früchten vom Produktivitätszuwachs durch Automatisierung: Man könnte gut bezahlte Arbeitsplätze für Diversity- oder Klima-Mahner schaffen. Man könnte jungen Frauen zum Ausgleich für die vorenthaltene Wehrpflicht eine Weltreise finanzieren.

    Aber was gibt man Männern, die in Arbeit aufgehen und für die eine Sinnhaftigkeit dieser Tätigkeit notwendig ist? Männern, die ihre innere Existenzberechtigung aus ihrer Tätigkeit, ihrem Wirken beziehen und nicht aus Basteln, Wellness-Studios oder Nonsens-Halbtagsjobs? Wohin mit dem männlichen Leben, wenn sinnvolle Arbeit nicht mehr gebraucht wird?

    Die machen etwas falsch, die müssen umlernen. Wohnzimmerdeko basteln kann doch jedem Spaß machen!

    • Das würde die Annahme zu Grunde legen, das entwicklungstechnisch totaler Stillstand erreicht wurde, globaler Kommunismus, also die Verteilung aller Roboterleistung, herrscht, Konkurrenzdenken abgeschafft wurde und es auch keinerlei Anreize für einen Mann mehr gibt in eine wohlhabendere Position zu kommen. Ich schätze mal wenn dieses Szenario erreicht sein sollte, wirds einfach Krieg geben und dann gehts wieder von vorn los.
      Kapitalismus ist der Normalzustand, der hin und wieder kurzzeitig vom Kommunismus unterbrochen wird. Bevor in Deutschland eine utopie alâ Star Trek entsteht, wo jeder alles haben kann, wirds eher eine Dystopie alâ BladeRunner mit ein paar Megareichen und einer Masse an Hungerlöhnern und totaler Überwachung.

      • Es wird bestimmt eine Tech-Elite geben mit anteilig vielen Männern. Die wird auch weiterentwickeln. Aber das ist nur ein kleiner Bruchteil der Männer. Wenn dann selbst die Paketboten durch Drohnen ersetzt sind, lungern einfach zu viele Männer rum, die Stillsitzen beim Deko-Basteln ablehnen. Die müssen noch umgeformt werden.

        Vermutlich hast du recht, dass das dann total ausufert. Vielleicht aber mehr in Richtung „Soylent Green“ als „Blade Runner“ (wobei das „Inventar“ dann die knackigen Männer und nicht die Frauen sein werden).

  5. Zur Zeit sind das vor allem monotone Arbeiten, die von Robotern übernommen werden. Das verändert sich zur Zeit und noch mehr in der Zukunft, wenn die Entwicklung der KI weiter Fortschritte macht und auch komplexere Arbeitsabläufe von Robotern bewältigt werden können. Werden Roboter vor allem in der Industrie, der Fertigung eingesetzt, wird in Zukunft KI auch den Dienstleistungsbereich mehr und mehr beherrschen. Dass monotone und anstrengende Arbeiten von Maschinen übernommen werden sollte kein Anlass zu Trauer sein.
    Schon vor der Französischen Revolution, bevor die Generalstände einberufen wurden, wurde die Forderung erhoben (in den sogenannten „cahiers“), Maschinen zu verbieten, da sie den Arbeitern die Arbeit wegnähmen. Das kann es offensichtlich nicht sein.

  6. https://www.theeuropean.de/klaus-funken/die-neue-ampel-plant-die-kulturrevolution/

    Nix zum Thema.
    @Chris, Arne hat das heute im Programm. Im Artikel wird auf ein Text von Ulfig verwiesen. Kennt jemand den Text? Wo kann ich davon etwas lesen?
    Ulfig, Alexander, Das bedrohte Vermächtnis der europäischen Aufklärung. Wege aus der gegenwärtigen Krise, Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2021

    Ich halte Arnes Beitrag für diskutabel.

    „Armut ist ja ohnehin der beste Reduzierer des Gender Pay Gaps.“
    Sehr zynisch. Aber Christian, du weißt ja auch, dass Frauen die besseren Armen sind!

  7. Vertraut mal darauf, das die Telefonliesel sehr, sehr gut wegprogrammierbar ist, da braucht’s nicht mal mehr was physisches.

    Und das Beste, die Liesels werden Siri und Alexa selbst trainiert haben darauf.

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