Many Shades of Gender: Nachbesprechung

Paula-Irene Villa Braslavsky, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen und habe das nunmehr auch durch.

Die einzelnen Beiträge sind hier zu finden: Many Shades of Gender

Welche Fragen würdet ihr an die Gender Studies stellen?

Wie fandet ihr die Serie?

Gibt es andere FAQs aus dem Bereich, die sich für eine Besprechung lohnen?

Welche Fragen sollte man in einem FAQ im Bereich „Anti-Gender-Studies“ beantworten?

Und welche zu den Gegenansichten, etwa Evolutionäre Psychologie?

Welche Fragen würden zu einem Männerrechte FAQ passen?

20 Gedanken zu “Many Shades of Gender: Nachbesprechung

  1. Meine Frage wäre:
    Welche Strömung der Genderwissenschaften widmet sich der Vereinigung und Versöhnung der Geschlechter? Welche Forschungen und Lehrinhalte beschäftigen sich mit den Vorteilen, die sich für die Menschen aus einer akzeptierten Unterschiedlichkeit der Geschlechter und den oft abweichenden Vorlieben und Stärken ergeben – und damit zusätzliche Ressourcen freisetzen?
    Was steht in den Genderwissenschaften im Vordergrund: Gerechtigkeit oder gemeinsames menschliches Glück?

    • Welche „Strömung“ soll denn existieren, wenn über 90% des Personals der „gender studies“ an den Unis Frauen sind? Es handelt sich tatsächlich um FrauenFrauenFrauen-studies (von, für, über) und wenn man sich politische Positionierungen anschaut, m.E. um eine staatliche ABM-Maßnahme für intersektionale Feministinnen, der sich zugleich des radikalen Feminismus entledigt.

      • Ja, aber ich vermute, die Antwort der Genderprofessorin würde auf die Frage anders lauten, wenn sie die Frage überhaupt genehmigen würde, wovon ich nicht ausgehe.
        Wie würde sich wohl eine Blut-und-Boden-Feministin argumentativ aus ihrer gesellschaftsspalterischen, herrschsüchtigen, habgierigen und missgünstigen Ideologie rauswinden?

        • @beweis

          Dann halte dich an deinen Vorstellungen bezüglich „Humanität“ fest und versuche NIE, diese via „Feminismus“ zu beantworten.
          In dem Moment, wo du dich auf „Gerechtigkeit“ a la Feminismus eingelassen hast, sind bereits alle Vorstellungen einer geschlechterübergreifenden Vorstellung dieser „Menschlichkeit“ verschwunden.
          „Diesen Kuss der ganzen Welt“.
          PUNKT

  2. Wichtig wäre mal, dass Verhältnis von biologischem und sozialem Geschlecht (Gender) zu klären. Die Genderstudies gehen da grundsätzlich von einer fundamentalen Trennung aus, soweit ich sehe. Das biologische Geschlecht wird zwar nicht bestritten, aber man bezieht sich in seinen Erklärungen darauf nicht. Z.B. wird Zweigeschlechtlichkeit auf gesellschaftliche Strukturen, Diskurse usw. zurückgeführt. Dass Zweigeschelchtlichkeit einen guten Evolutionären Sinn hat da sie einen erheblichen Selektionsvorteil bietet (und sich deshalb fast im gesamten Tierreich durchgesetzt hat, auch bei Tieren, die nicht in Sozialverbänden leben), wird nicht berücksichtigt. Zumindest müsste man versuchen nachzuweisen, weöche biogischen Sinn ein drittes oder sonstiges Geschlecht hätte.

    Ich kenn in dieser RIchtung jedenfalls nichts aus den Genderstudies.

    • Bzgl des Verhältnisses biologisches (i.e. sex) vs sozial konstruiertes (i.e. gender) Geschlecht : Wenn die tatsächlich voneinander unabhängig sein sollen, warum verwendet man dann überhaupt dieselbe Skala männlich weiblich.

      Bei einer Koordinatentransformation ändert sich ja auch die Bezeichnungen der Koordinaten z.B. :
      x,y in karthesischen Koordinaten ϕ,r in Polarkoordinaten. Dass in den angeblich unterschiedlichen Koordinatensystemen gender/sex dieselben Koordinaten männlich weiblich verwendet werden, lässt tief blicken. (viellecht bin ich auch einfach zu alt, zu weiß und zu männlich und will das deswegen nicht verstehen).

      In der Elektrotechnik gibt es bei Steckern übrigens auch Gender und sogar Genderchanger. Und da geht es eindeutig nur um die äußere Funktionalität beim Kopulieren 🙂

      • Männer unterschätzen ständig, WIE sehr der Zusammenhang zwischen Begriff und Bedeutung für Frauen anders gestrickt ist als für Männer. (Außer in trivialen Situationen.)

        Für Männer scheint es ganz klar, dass man bei der Verwendung von Begriffen auf Konsistenz wert legen sollte und Kommunikation wirklich schwierig wird, wenn Wörter unreflektiert mal so und mal so und eigentlich ohne wirklichen Inhalt verwendet werden.

        Eins meiner Lieblingsbeispiele: „vertrauen“: „Ich will einem Mann vertrauen können“.
        Was bedeutet das? Jede Frau scheint zu wissen, was damit gemeint ist, aber mir fehlt da: „…, A zu tun oder zu lassen“.
        Ohne Nennung von A ist der Satz sinnlos.
        Ich hab mal eine Frau danach gefragt und bekam sinngemäß die Antwort: „Das weiß man doch“.

        Das ist wie bei #metoo: Jede Frau „weiß doch“, z.B. ob eine Handlung ein Übergriff ist oder nicht, da kann es doch gar keine zwei Meinungen geben.

        Dass „weiblich“ im social justice Kontext etwas völlig anderes bedeutet als wenn sie nach dem Aufbrezeln sich selbst ganz „weiblich“ (und empowered) findet, dringt ihr nicht auf die Reflektionsebene.
        „Frau“ bedeutet halt immer genau das, was frau in DEM MOMENT damit assoziiert.

        Dass auch sehr viele Pudel in diesem semantikverweigernden Sinne sehr fraulich sind, ist kein Gegenargument. 😉

      • Bei der critical race theory haben die ja die gleichen Doppeldeutigkeiten.
        Sie reden von weiß und Schwarz und betonen sofort, dass sie damit keine Hautfarben, sondern gesellschaftliche Psitionen meinen. Deshalb schreiben sie es kursiv bzw. groß.
        Die große Verwechslungsgefahr mit Hautfarben ist natürlich nicht beabsichtigt….

        • @ GOI

          Du meinst die Critical Whiteness Studies.

          Die Critical Race Theory ist schwerpunktmäßig eine juristische/rechtstheoretische/rechtssoziologische Denkschule. Da geht es primär um andere Themen.

          Ich besitze Bücher von beiden genannten Richtungen.

          Die Critical Race Theory bewerte ich ambivalent – sie stellt m.E. eine Mischung aus einseitigen und politisch korrekten Aspekten einerseits und interessanten und bedenkenswerten Aspekten andererseits dar.

          Die Vertreter der Critical Race Theory sind oft intelligent, argumentieren oft präzise für ihre jeweiligen Positionen und setzen sich erstaunlich häufig auch mit Kritik auseinander.
          Ich bin z.T. anderer Meinung als die Vertreter der Critical Race Theory, habe ihre Schriften aber meist gerne gelesen.

          Die Critical Whiteness Studies halte ich hingegen für in intellektueller und ethischer Hinsicht weitgehend anpruchslos und eine Form von anti-weissem Rassismus.

          Das, was du beschreibst, sind zentrale Aspekte der Critical Whiteness Studies, nicht der Critical Race Theory.

          • @Leszek

            CRT oder CWS?
            Sollte man ihr I.X. Kendi empfehlen?

          • Dazu meine Buchempfehlung: Pascal Bruckner „Ein nahezu perfekter Täter – die Konstruktion des weißen Sündenbocks“
            Hab ich in der Übersetzung aus dem Französischen gerade erhalten.
            https://www.bol.de/shop/home/artikeldetails/A1060903839

            Was ein Wunder ist es im gleichen Verlag erschienen wie das Buch von Walter Benn Michaels „Der Trubel um Diversität“. Es scheint meine (!) Linke so langsam wach geworden zu sein.

        • @GOI

          „critical race theory“ heißt auf Deutsch „Kritische Rassentheorie“.
          Bitte immer die RASSENTHEORETIKER:INNEN beim Namen nennen.
          Es ist so erfreulich, dass wir die RASSENTHEORIE auf eine WISSENSCHAFTLICHE Grundlage stellen können und gerade wir Deutschen haben so viel Erfahrung damit.
          Wir möchte gerne daran beteiligt werden, eine WISSENSCHAFTLICHE RASSENTHEORIE zu formulieren. 😉
          Diesen Holzköpfen könntest du noch die Sinnhaftigkeit eines genetischen Stammbaums seit 1750 verkaufen. Alter, die Bundesdruckerei sucht immer nach Möglichkeiten, dir einen neuen Perso und Reisepass zu verkaufen. Mit Herkunftsnachweis und CMYK für die Hautfarbe verpflichtend gespeichert sind da Millionen als Beratungshonorar drin! 🙂

  3. „Welche Fragen würdet ihr an die Gender Studies stellen?“

    Sie werden wohl aktuell befragt, was genau, keine Ahnung, Fragesteller dürften auch wieder die eigenen lieben Kollegen sein, hab ich so läuten hören, bis 2023 soll dann was vorliegen.

    „Gender Studies,
    (…)
    Bislang fehlt eine Bestands-
    aufnahme, die Auskunft über die Struktur, die wissenschaftliche Qualität in
    Forschung und Lehre, die nationale und internationale Vernetzung sowie
    die Transferleistungen dieses Forschungsfeldes gibt.

    In Absprache mit den anderen Bundesländern hat die Freie und Hansestadt
    Hamburg den Wissenschaftsrat mit Schreiben vom 26. November 2019 um
    eine umfassende Evaluation der Gender Studies unter Berücksichtigung aller
    relevanten Einrichtungen in Deutschland gebeten. Diese Strukturbegutach-
    tung soll sich gleichermaßen auf Forschung und Lehre an Hochschulen so-
    wie die außeruniversitäre Forschung (einschließlich Ressortforschung) er-
    strecken und dabei prüfen, wie es um die Gender Studies in Deutschland
    insgesamt bestellt ist.“

    https://www.wissenschaftsrat.de/download/2021/Arbeitsprogramm_EVA.pdf?__blob=publicationFile&v=9
    (Seite 35)

  4. „Wie fandet ihr die Serie?“

    Ich fand diese Serie sehr gut, auch wenn ich praktisch nicht mit diskutiert habe.

    „Welche Fragen würdet ihr an die Gender Studies stellen?“

    Erst schießen — dann fragen.

  5. „Welche Fragen sollte man in einem FAQ im Bereich „Anti-Gender-Studies“ beantworten?“

    Wie feministisch sind Gender-Studies?
    Können Gender-Studies auch einen Nutzen für Männer/Männlichkeit haben/aufzeigen?
    Und wie wäre dann die Reflexion in den Medien?

    Die Serie fand ich oft interessant, manchmal anstrengend, selten öde (weil mich der Inhalt mehr triggerte als forderte).
    Mein generelles Problem mit den GS ist allerdings nicht kleiner geworden. Ich halte diesen Bereich der Sozialwissenschaften noch immer für wenig wissenschaftlich, sondern in erster Linie für hochideologisch bzw. von Aktivistinnen missbraucht. Das ist in erster Linie ein mediales Bild, geprägt durch den ÖRR und sehr feministischen/selbstgerechten Medien (Spiegel, SZ, Zeit.de, uvm.).

  6. Was ich interessant fände, ist, wenn du Sie um einen Gastartikel bitten könntest, in dem sie ihren Standpunkt darlegen könnte. Ich wäre interessiert daran, wie sie zu deiner Argumentation steht.

  7. „Welche Fragen würdet ihr an die Gender Studies stellen?“

    Ich wüde fragen, ob es eine historische Erklärung für die Gendertrennung gibt, eine Beschreibung, wie es historisch zur male supremacy kam.
    Wenn nämlich Männer und Frauen eigentlich gleich sind, dann ist nicht recht erklärlich, wie sich aus Gleichem Ungleiches entwickeln konnte. Eine Unterdrückung der Frauen durch Männer setzt ja ein Bewusstsein des eigenen Geschlechts, eine Identifizierung als Mann oder Frau, und damit auch eine Rolle voraus.

    Wann hat sich ein Patriarchat manifestiert, ist belegbar, und was wären die Kriterien, anhand derer man prüfen könnte, ob es noch existiert.

    Wie trennt man in der praktischen Forschung soziale/kulturelle/ideologische von biologischen Einflussgrößen auf das Verhalten der Individuen?

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