Tag der deutschen Einheit

Der Tag der deutschen Einheit fällt auf einen Sonntag, was einem keinen zusätzlichen freien Tag bringt, aber dennoch immerhin Gelegenheit zur Reflektion bietet.

In diesem Jahr tritt immerhin auch eine Kanzlerin ab, die gebürtig aus der DDR kam, aber eigentlich kaum als Ossi wahrgenommen wird. Sie hat auch keine wirkliche „Ossi-Identität“ aufgebaut.

Die „Ossi-Identität“ findet sich eigentlich bei keinem Politiker so richtig. Wobei die Frage wäre, was das eigentlich genau sein soll.

Die letzte Bundestagswahl hat deutlich gemacht, dass viele Ostdeutsche immer noch Protestparteien wie die AFD wählen. Und die AfD ist vielleicht auch gerade eine der wenigen, die diese Wähler auf hofiert, die Probleme in dem Bereich in dem Mittelpunkt bringt, so dass auch andere Parteien sie aufgreifen.

Was das Gefühl, dass die anderen Parteien nicht so interessiert sind, sondern nur das notwendige machen, dann vielleicht auch wieder verstärkt.

Im täglichen Leben nehme ich die Ostdeutschen in meinem Freundeskreis nicht wirklich als anders war.  Ich würde jetzt abseits eines starken Dialekts einen „Ossi“ nicht erkennen, aber einen Bayern ohne Akzent wohl auch nicht unbedingt.

Es ist vielleicht schlicht eher die ländlichere Gegend im Osten die sich abgehängt fühlt, weil die Wirtschaft dort nicht konkurrenzfähig war und keine neue nachgekommen ist.

Wie ist aus eurer Sicht der Stand der deutschen Einheit?

71 Gedanken zu “Tag der deutschen Einheit

  1. Ein Tipp von einem Ossi: Wer wissen will was Ossi-Idendität ist, erfährt das zumindest teilweise wenn man sich eine Show vom Komiker-Duo Elsterglanz ansieht.

  2. Für der Großteil der Menschen ist mMn ostdeutsch inzwischen wie fränkisch, rheinische oder plattdeutsch. Und aus meiner Sicht wird die ostdeutsche Identität auch mehr mit den Regionalidentitäten ersetzt.

    Das finde ich gut.

  3. Das Sachsen- Bashing ist schon extrem. Denunziatorische Spiegel- Titel, vor ein paar Tagen ne linksextreme Demo unter dem Motto „Sachsen muß sterben, damit wir leben können“, dann diese abstoßenden Äußerungen von Wanderwitz („“Wir haben es mit Menschen zu tun, die teilweise in einer Form diktatursozialisiert sind, dass sie auch nach 30 Jahren nicht in der Demokratie angekommen sind.“).
    Ich schließe nicht aus, daß die Sachsen auch deswegen mit Misstrauen beäugt werden, weil von ihnen ein wesentlicher Impuls für den Sturz unseres letzten Regimes kam, daß das linke Establishment deren Widerborstigkeit und revolutionäres Potential fürchtet, sie deswegen triezt (was das Letzte ist, was man mit Sachsen machen sollte).

    • „Sachsen muß sterben, damit wir leben können“

      Ist wohl eine Abwandlung des antideutschen* Mottos „Deutschland muss sterben, damit wir leben können!“

      *Es gibt dabei solche und solche (was Danisch bis heute nicht begriffen hat): Die einen Antideutschen hassen einfach nur Deutschland und sind z.B. pro-Migration, kulturrelativistisch und wahrscheinlich** antiwestlich, antiisraelisch etc., die anderen Antideutschen [Eigenname] sind dagegen prowestlich, antiislamisch, antiisraelisch, wahrscheinlich** migrationskritisch etc. (also im Prinzip Neokonservative in kommunistisch und antideutsch***).
      **D.h. ich vermute es nur auf Basis der Annahme von Konsistenz, die natürlich nicht gegeben sein muss.
      ***Theoretisch hätten sich die amerikanischen, britischen und französischen nichtkommunistischen Linken in den 60ern und 70ern so entwickeln können.

    • War die Abgetretene Hinterhertreterin aus der Uckermark nicht die, die den Sachsen ein Progrom andichtete.
      Stichwort ‚Hase bleib hier‘.

  4. Es sei daran erinnert, dass Ostdeutschland im europaweiten Kontext vollkommen normal wählt. Rechte Parteien mit Wahlergebnissen a la AfD im Osten sind in jeder parlamentarischen Demokratie Standard. Westdeutschland ist hier der Außenseiter.

    • Gibt es (speziell in Sachsen) vielleicht ein kollektives Déja-Vu?

      Ich erinnere mich,
      dass man früher in Berlin Sachsen-Witze erzählte,
      dass in der DDR allesnach Ost-Berlin ging als Aushängeschild des Sozialismus,
      dass es einen durch die SED kontrollierten öffentlichen Rundfunk gab, dem nicht zu trauen war,
      dass alles außer bedingungslosem Jubel auf das System als feindlich eingestuft wurde.

      Dies ist natürlich meine Sicht aus dem tiefsten Westen.

      Wenn man sich die moderne berliner Republik, den ÖRR, die Berichterstattung über AfD, Querdenker, Prepper, Nicht-Feministen, usw. anschaut, kann ich die Wut des einfachen Bürgers in Sachsen verstehen.

      • Mich überkommt auch die Wut, wenn ich feststelle, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen „gendergerechte Sprache“ ist, aber sämtliche staatliche und mit dem Staat verbundenen Institutionen dennoch gendern. Und dann erzählen sie uns etwas von „Demokratie“. Natürlich bekommen gerade wir Ossis da ein Deja-Vu.

      • Ergänzung: Ein Teil von Sachsen konnte kein Westfernsehen empfangen, da er inner Senke liegt, das sogenannte „Tal der Ahnungslosen“.
        Berlin wurden zumindest Weihnachten stets mit Apfelsinen versorgt, Sachsen nicht.

  5. „Die letzte Bundestagswahl hat deutlich gemacht, dass viele Ostdeutsche immer noch Protestparteien wie die AFD wählen.“

    Das ist mMn der falsche Zungenschlag. Ostdeutsche erleben ein Déjà-Vu, das den Westdeutschen notgedrungen verschlossen ist, und reagieren dementspechend.

    • Es gehört zum Wesen der Deutschen Einheit, dass die Wessis sich als Maßstab sehen. Ich dagegen finde grüne Wahlerfolge ebenso grotesk, wie der Blogmaster die der AfD.

      • Frag mal Westdeutsche, ob AfD oder Grüne das kleinere Übel sind. Die werden die Frage nicht verstehen. weil es ihnen fremd ist die Grünen überhaupt als Übel wahrzunehmen.

        • Das würde bedeuten, alle Grünenhasser hier im Blog wie anderswo, z.B. der Danisch, sind Ost*deutsche…

          *Richtig: Mitteldeutsche. Es heißt ja auch MDR, nicht ODR. Die ostdeutschen Gebiete gehören uns noch gar nicht wieder. #erhobener_Zeigefinger

          • @Renton Es sind statistische Tendenzen. Nennenswerte Zustimmung zu den Grünen gibt es ausschließlich im Westen, oder im Osten in den Städten wo viele Westdeutsche wohnen (überwiegend Unistädte).

            Auch in meiner ehem. Heimatstadt ist das so. Die Grünen sind stärkste Partei in den gentrifizieirten oder uninahen Innenstadtortsteilen, wo der Anteil Westdeutscher hoch ist. Der „normale“ Berliner wohnt in den Außenbezirken und wählt nicht grün. Das alte West- und Ost-Berlin unterscheiden sich in den Präferenzen, aber in der Ablehnung der Grünen besteht Einigkeit.

            Umgekehrt: Scharfe Ablehnung der Grünen kommt umgekehrt weit überwiegend aus dem Osten. Namentlich die AfD wirbt regelrecht damit, antigrün zu sein, und hat damit wo Erfolgt? Genau. Und wo nicht? Genau.

          • PS „*Richtig: Mitteldeutsche. Es heißt ja auch MDR, nicht ODR. Die ostdeutschen Gebiete gehören uns noch gar nicht wieder. #erhobener_Zeigefinger“

            Auf die Gefahr hin dass du trollst: Die Region Halle/Leipzig heißt traditionell „Mitteldeutschland“. Es gab auch zu des Revanchismus unverdächtigen DDR-Zeiten eine „Mitteldeutsche Zeitung“ und einen „Mitteldeutschen Rundfunk“. Der heutige MDR ist danach benannt. Die revanchistische Umdeutung des Begriffs in der Ära des Kalten Kriegs hat damit nichts zu tun und ist ein rein westdeutsches Phänomen, das in Ostdeutschland überwiegend unbekannt ist.

            “ nicht ODR“ Naja es gab den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), nordöstlich vom Sendegebiet des MDR. Die Geographie der ARD-Anstalten ist insofern durchaus politisch korrekt. Dass der ORB später das Zeitliche segnete, ändert daran nichts.

          • Was für eine rechte Scheisse.

            Die Einheit ist vollendet. Siehe Präambel des Grundgesetzes.

            Von der Maas bis an die Memel ist – dunkelste – Geschichte.

          • @anorak2

            Volle Zustimmung zu den statistischen Tendenzen. Hättest du eingangs geschrieben „Viele von denen werden die Frage nicht verstehen…“ statt „Die [=alle] werden die Frage nicht verstehen…“, hätte ich gar nichts gesagt.

            Mit dem Begriff Mitteldeutschland trolle ich nicht, sondern scherze. Der Ulk stammt ursprünglich von Günther Zieschong alias Uwe Steimle.

            @_Flin_

            Stock aus’m Arsch und einen Scherz als solchen erkennen, dann ist die Laune gleich wieder besser. Und mit guter Laune fällt noch jeder Polenfeldzug leichter 😉

  6. Wie es um die deutsche Einheit steht? Grässlich würde ich sagen. Mir kommt es immer mehr so vor, als ob Westdeutschland da eine Siegesparty veranstaltet statt die Einheit feiert.

    Einheit bedeutet nämlich für mich: Getrennte Geschichte geht gemeinsam weiter, Zwei Wurzeln werden zu einem Stamm.

    Stattdessen hat eine Art Kulturauslöschung begonnen, die eine der Wurzeln vergiftet. So hat man vor ein paar Jahren die DDR zwar schon als schlecht dargeszellt, neu ist aber, dass sie nun auch in der Öffentlichkeit oft mit Nazideutschland gleichgesetzt wird (also als das pure böse, „Unrechtsstaat“). Aus meiner Sicht ist das eine Nummer zu heftig. Ein zweiter Bereich ist, dass man etwa auch Baudenkmäler einfach abreist, die eigentlich Zeugen der Zeit sind und zur Geschichte gehören. Und das zieht sich so weiter.

    Ich meine dass das vor ein paar Jahren noch anders war, und es viel natürlicher war zu sagen, die einen haben eben die Vergangenheit, die anderen jene. Und dass man beide betrachtet hatte, ohne allzugroße Schuldzuschreibungen (obwohl es die natürlich schon immer gab).

    • @Sepp

      Sehr auffällig finde ich westdeutsche Feministinnen, die spezifisch westdeutsche Geschichte nachträglich zu einer gesamtdeutschen Geschichte umschreiben wollen.
      Dieses „in Deutschland durften Frauen nicht“ ist falsch – gemeint ist fast immer die BRD, während der Sachverhalt in der DDR völlig anders war.
      Zur Opfergeschichte passt ebenfalls nicht, ohne die Unterstützung der CDU durch sie wählende Frauen hätte es die konservative Familien- und Sozialpolitik nicht gegeben.

  7. „Es ist vielleicht schlicht eher die ländlichere Gegend im Osten die sich abgehängt fühlt, weil die Wirtschaft dort nicht konkurrenzfähig war und keine neue nachgekommen ist.“

    Der Nebensatz fordert in seiner Pauschalität und Einfachheit zum Widerspruch auf. Vor der Wende ließen IKEA, Quelle, Underberg, Neckermann und viele weitere in der DDR produzieren. Da war die Wirtschaft dort offensichtlich konkurrenzfähig. Und nach der Wende von einem Tag auf den anderen nicht mehr?!? Das kann nicht die ganze Erzählung sein.

    • Ich finde es auch immer lustig, dass mit diesen Erklärungen suggeriert wird, der einzige Grund, warum ich keinen Islam in Deutschland möchte sei der, weil ich mich ökonomisch abgehängt fühle.

    • Die DDR war für die BRD ein Billiglohn- und Weichwährungsland in direkter Nachbarschaft. Sobald aber nach der Wende die Löhne stiegen und die Währung hart war war es kaum vermeidbar, dass die Industrien kollabierten.
      Das hatte Lafontaine ganz richtig vorhergesehen. Leider haben die Idioten in beiden Deutschlands lieber den Sirenengesängen Kohls gelauscht.
      Und danz Deutschland hat teuer dafür gezahlt. Mit Merkel ist es nicht anders. Da zahlen wir noch. Und mit der nächsten Regierung wird es nur noch teurer werden.

      • @Bill
        Vor allem fiel der komplette RGW-Raum als Absatzmarkt aus, weil sie von heute auf morgen in „harter Währung“ hätten bezahlen müssen und knapp 38% der DDR-Exporte gingen in die SU.
        Es wird immer „vergessen“, dass die DDR ebenfalls eine Exportnation war, nur eben in Richtung Osten.
        Die Folgen der Währungsunion waren vorhersehbar, Kohl hat mit Lügen die Wahl gewonnen und Lafontaine hat sie mit der Wahrheit verloren.

        • So ist es.
          Das wollte damals niemand hören und eigentlich heute noch nicht.
          Es ist auch für alle einfacher so. Die einen können auf die Treuhand schimpfen (die sicher auch viel falsch gemacht hat) und die anderen auf die faulen Ossies.

    • Vielleicht hast du schlicht keine Ahnung. Der normale DDR-Bürger hatte eine 43,75 Stundenwoche und 18 Tage Urlaub. Und bekam noch international wertloses Geld ausgezahlt. Das DDR-Regime war auf Devisen angewiesen, also wurde für den Westen alles produziert, was der haben wollte. Herstellungskosten waren egal. Das wurde intern irgendwie verrechnet.
      Der Westen will politische Häftlinge kaufen, dann sperren wir eben ein paar mehr ein und verkaufen die.

        • Du hast aber auch überhaupt keine Ahnung. Hergestellt wurde in der DDR, weil es einfach billiger war und die Scheißkommunisten einfach alles getan haben, um an Westgeld zu kommen. Da die Ware für Ostmark hergestellt und für Westmark verkauft wurde, war es eigentlich egal, wie groß der Aufwand war.

          Schönes Beispiel aus dem Nachwendeostfernsehen: Eine Firma hat für den Westen Anzüge hergestellt. Dafür gab es eine teure Schneidemaschine aus dem Westen. Als die Messer stumpf waren, wurde der Stoff per Hand nachgeschnitten, weil keine Devisen für neue Messer genehmigt wurden. Und das war völlig normal.

          • Erst schreibst Du: „[In der DDR] wurde für den Westen alles produziert, was der haben wollte. Herstellungskosten waren egal.“

            Jetzt heißt es: „Hergestellt wurde in der DDR, weil es einfach billiger war“.

            Vorschlag: Bringe erst einmal Ordnung und Widerspruchsfreiheit in Deine Gedanken und Aussagen, bevor Du anderen Ahnungslosigkeit vorwirfst.

          • @Renton

            Betrachtet man nur die Lohnkosten im Vergleich BRD-DDR, waren die in letzterer günstiger.
            Bezieht man jedoch die Produktivität und Qualität der Produkte in die Betrachtung mit ein, dann mussten sie es auch sein, denn in beiden war die DDR schlechter (teilweise marginal, teilweise erheblich).

            Das Problem waren nicht nur die Devisen, sondern es war (legal) keine Mikroelektronik in die sozialistischen Staaten zu importieren und um die Blockade zu umgehen wurden seitens der DDR Milliarden in den Aufbau einer eigenen Industrie gesteckt. Aber da war es schon zu spät (wobei bspw. der Maschinenbau beider deutscher Staaten das verschlafen hat).

            Das nächste Problem waren die Arbeitskräfte.
            Denn viele waren gebunden durch die Liefermengenverpflichtungen gegenüber den RGW-Staaten und speziell gegenüber der SU (zu „Transferrubel“ und fixen Kursen).
            Es wurden weiter Textilien hergestellt und Fischereiboote, als diese Industrien im Westen schon lange in die „Billiglohnländer“ abgewandert waren.
            Da man auf die Erdöl- und Erdgaslieferungen angewiesen war und auf dem internationalen Markt Öl nur gegen Devisen einkaufen konnte, hat man das eben produziert.
            Man kann aber Arbeits- und Fachkräfte nur einmal verplanen.

          • Apropos, der grösste Nutzniesser des Handels hat heute Erinnerungstag und böse Zungen behaupten, deshalb hätte man den 3. Okt als Nationalfeiertag genommen.

          • @crumar

            Auf dem Niveau kann man diskutieren. Die Frage ist nur, worüber. Ich hatte festgestellt, dass „nicht konkurrenzfähig“ nicht die ganze Erzählung sein kann. Du hattest oben schon einiges ergänzt, und hier noch mehr. Das war genau mein Punkt und ich möchte noch hinzufügen, dass neben einer verfehlten Währungs-, neben einer verfehlten Wirtschaftspolitik (u.a. das hier) in mehr als einem Fall auch einfach fähige Konkurrenz aus dem Weg geräumt wurde.

            Morris hingegen macht einfach nur einen verwirrten Eindruck und weiß wahrscheinlich selbst nicht so genau, was er eigentlich sagen will.

          • @Renton

            „in mehr als einem Fall auch einfach fähige Konkurrenz aus dem Weg geräumt wurde.“

            Ohhh ja, da gibt es eine Menge Beispiele.
            Aber grundsätzlich: Ich hatte zu der Zeit viel Kontakt mit Managern der BRD und die große Angst war, a. es gibt ein frei konvertierbare Mark der DDR zu einem Wechselkurs schlechter als 2:1 und b. es gibt Kredite in Mark der BRD für die Erneuerung der DDR-Wirtschaft.
            Dann hätten sie nämlich direkt vor der Haustür einen Konkurrenten mit modernstem Maschinenpark und niedrigen Löhnen und einem ungünstigen Wechselkurs gehabt.

            Noch was zu dem von dir verlinkten Artikel: „Die neuen Eigentümer übernahmen damit auch die vermeintlich auf Krediten basierenden, ausgewiesenen Forderungen an DDR-Unternehmen.“

            „Vermeintlich“, weil es sich um gar keine Kredite handelte. Es war quasi der staatliche Vorschuss, der durch die Produkte der laufenden Produktion abgegolten worden ist. Daraus einen „Kredit“ zu basteln war der eigentliche Betrug, der alle weiteren vorbereitete.

          • Diese Kredite samt von heute auf morgen zu bedienender Zinsen haben vielen DDR-Unternehmen das Genick gebrochen. Klar war die Produktivität der DDR-Betriebe oftmals geringer. Aber ohne diese Sonderlasten hätten viele Betriebe die Investitionen stemmen können, um mit Westunternehmen mitzuhalten. Diese Betriebe wurden von der Politik unterm Strich teils mutwillig (um den Amigos aus dem Westen Konkurrenz zu ersparen), teils aus Dummheit (alle, die es nicht besser wussten und nicht auf Lafontaine gehört haben) vor die Wand gefahren.

          • Alles Geschichte. Hinterher ist man immer schlauer. Es gab politischen Druck und Druck von der Bevölkerung des Ostens nach schneller Einführung der D-Mark.
            Nach 30 Jahren sehen wir nun zumindest eine langsame Angleichung der ökonomischen Leistungsfähigkeit. Und vielleicht kommen ja auch bald Menschen aus dem Westen in den Osten – z.B. wenn die Vielfalt am Hauptbahnhof Frankfurt zu groß geworden ist.

          • Ich wünschte mir nur, aus der Geschichte würden auch Lehren gezogen. Über Makroökonomie, z.B., und wem/wann man in der Politik glauben darf/sollte.

          • @Adrian

            „Hinterher ist man immer schlauer. Es gab politischen Druck und Druck von der Bevölkerung des Ostens nach schneller Einführung der D-Mark.“

            Nein Adrian, man war vorher schlauer. Man konnte sich an zwei Fingern einer Hand abzählen, wie das ausgehen würde.
            Ein großer Anteil der DDR-Bevölkerung hat kurzfristige Konsumwünsche mittel- und langfristig gegen ihren Arbeitsplatz eingetauscht.

            Der Austausch der Eliten hat zudem eine Menge an zweitrangigem Westpersonal in Führungspositionen gespült und ich glaube, dir fehlt ein wenig die Wahrnehmung von „feinen Unterschieden“ und für das, was zwischen den Zeilen steht.

            Denn es ist nicht nur erstaunlich, was objektiv nicht existiert, also z.B. der Gender Pay Gap, sondern das, was durch diese Themensetzung nicht diskutiert wird. Nämlich dass die Verdienstunterschiede zwischen Männern im Westen und im Osten höher sind als die zwischen den Geschlechtern.

            Auch das Gefühl, „Bürger zweiter Klasse“ zu sein, dass sich durch solche Zahlen beweisen ließe ist in der medialen Diskussion in den Hintergrund gerückt worden, weil sie qua Mangel an „Migrationshintergrund“ gar keine sein können. Bätschi!
            Und um die objektive Lage vollends auf den Kopf zu stellen, sind die Ossis als „Weiße“ nunmehr privilegiert und „haben nur Angst, ihre Privilegien zu verlieren“. Die Frage der „Repräsentation“ bezieht sich auf Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund – eine Quote für Ossis gibt es nicht.

            Der erste Moderator der „Tagesthemen“ aus dem Osten ist seit dem 4. September 2021, nach über 30 Jahren Wiedervereinigung, Aline Abboud.
            Also a. eine Frau und b. mit Migrationshintergrund.
            Symbolisch haben die IdPols aus dem Westen damit ihre Präferenzen a la „diversity“ durchgesetzt.
            Zum Verlauf: 1. Caren Miosga (2007), Eltern mit russischem Hintergrund, 2. Ingo Zamperoni (2013), Vater mit italienischem Hintergrund, 3. Pinar Atalay (2014) Eltern mit türkischem Hintergrund. 100% aus dem Westen und ja, die Reihenfolge beinhaltet eine Wertung.

          • @Alex
            „deshalb hätte man den 3. Okt als Nationalfeiertag genommen.“

            Der Grund ist, dass die Volkskammer am 23. August 1990 den Beitritt der DDR zum Geltungsbereichs des Grundgesetzes zum 3. Oktober 1990 beschlossen hat.

            Fußnote: Der Berliner Fernsehturm wurde am 3. Oktober 1969 eröffnet. Zeitgleich ging das 2. Fernsehprogramm der DDR auf Sendung, und das Farbfernsehen in der DDR startete. Es ist /kein/ Zufall, dass beide Ereignisse am gleichen Datum stattfanden, sondern es gibt eine gemeinsame Ursache. Wer weiß welche, bekommt einen Bienchenstempel ins Muttiheft.

          • @anorak
            So ist es natürlich richtig, es ist das Beitrittsdatum.
            Aber welches weitere Ereignis am gleichen Datum war, muss ich passen.

          • @Alex Die gemeinsame Ursache ist der Nationaleiertag der DDR am 7. Oktober (Gründungstag 1949). Berliner Fernsehturm, 2. Fernsehprogramm und Farbfernsehen waren „Geburtstagsgeschenke“ zum 20. und wurden eine Woche vorher feierlich übergeben. Die deutsche Einheit wurde von der frei gewählten und sehr gegen die noch-DDR gestimmten Volkskammer so spät wie möglich, aber knapp vor den Nationalfeiertag gelegt, so dass die DDR ihren 41. Geburtstag nicht mehr erleben würde.

        • @Renton Preise != Kosten.
          Was Morris sagt, ist dass DDR-Betriebe an den Westen zu Preisen unter Herstellungskosten verkauften – dh sie machten Verluste, die über den DDR-Staatshaushalt aus anderen Bereichen ausgeglichen wurden und dort zusätzlichen Mangel hervorriefen – nur zu dem Zweck um an Westwährung zu kommen.

          Den Abnehmern im Westen konnte das egal sein, für sie zählte der Preis den sie zahlten und der war aus ihrer Perspektive niedrig. Die Herstellungskosten waren ihnen auch egal, denn in ihrer Kalkulation traten die nirgendwo auf.

          • @anorak

            So wie ich ihn verstanden habe war sein Argument auf den Widersinn hinzuweisen, dass zwar die Betriebe Devisen erwirtschafteten, dann aber nicht darüber verfügen konnten.
            Weshalb sie statt eine modernen Anlage zu nutzen, die manuelle Arbeit ersetzen sollte wieder auf unproduktive Handarbeit zurückgehen mussten.

            Auf welcher Basis bemisst man „unter Herstellungskosten“?
            D.h. welchen Wechselkurs legst du dem zugrunde?
            Am Schluss war das (offizielle) Verhältnis 1:5, auf dem Schwarzmarkt eher in Richtung 1:20. Deutliche Abweichungen vom politischen 1:1.

          • @Renton

            https://research.uni-leipzig.de/fernstud/Zeitzeugen/zz175.htm
            https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/polstermoebel-oelsa-ddr-betrieb-der-sich-durchgesetzt-hat-16626744-p4.html

            @crumar
            Beachte dass ich nur Drittmeinungen berichte. Mir selber fehlt der Überblick, abschließende Urteile zu fällen. Hätte ich die Wirtschaftlichkeit zu berechnen, würde ich in Real Terms rechnen und den Umweg Währung weglassen. Dann fällt auch der Verfälschungsfaktor Wechselkurs ersatzlos weg.

          • @anorak

            Aber das ist mein Punkt.
            Angenommen, du hättest 1970 eine MZ (Motorrad) hergestellt, die du zu 1000 Dollar in den USA verkauft hättest, dann wäre die per Wechselkurs 3.650 DM in der BRD wert gewesen. Hättest du nun 1:5 als Umtauschkurs gehabt, dann wäre „rentabel zu produzieren“ 18.250 Mark der DDR gewesen.
            Bei 1:20 wärst du schon bei 73.000 Mark der DDR.
            Angenommen, die Maschine muss für 50% des VK vom Band purzeln (was realistisch ist), dann hast du aberwitzige Arbeitsvolumina pro Maschine, die du verausgaben kannst.
            Ich hätte mich jedes Mal totgelacht, die eine Million USD in der Bank einzutauschen und damit die Arbeiter in der DDR zu bezahlen, weil die eine Million USD zu einer Summe zwischen 18,25 Millionen und 73 Millionen Mark der DDR mutiert.
            Wir reden hier von 2000 verkauften Motorrädern im Jahr.
            Nimm mal 200.000 als Beispiel und du bekommst einen Eindruck von „Disparitäten“.

  8. In diesem Jahr tritt immerhin auch eine Kanzlerin ab, die gebürtig aus der DDR kam

    Merkel ist gebürtige Hamburgerin.

    Genscher war gebürtiger Hallenser.

    Natürlich merkt man Merkel ihr Ossisein an. So etwas können nur naive Wessis schreiben. Ihr ganzes Auftreten ist dermaßen unprätentiös und amateurhaft. Dann ihr durchschimmernder Dialekt.

    Wessis sind narzißtischer, aggressiver, sozial autistischer, egozentrischer, vermarkten sich mehr, produzieren sich mehr – eben ganz so, wie es in einer Marktwirtschaft auch opportun ist. Materialismus und Konkurrenzprinzip schlagen sich zwangsläufig in den Persönlichkeiten nieder.

    Wessis sind auch eher atheistische Fundamentalisten. Man denke nur an Leute wie Seb. Den könnte ich mir nie als Ossi vorstellen. Seine Mobbing-Kultur und seine sozialen Aggressionen sind auch typisch westdeutsch.

    Ist schon krank dieses westdeutsche System. Wie haben die Leute es in diesem Unrechtsstaat überhaupt ausgehalten?

    Ich meine die vielen tausend Drogentoten, Obdachlosen, die soziale Verwahrlosung. Da sind die paar Mauertoten ja gar nichts gegen. Und bevor jetzt irgendwelche verschatteten Wessis mit Alkohol und Zigaretten ankommen – die gab’s im Westen auch. Ich rede von harten Drogen.

    Wessis sind auch stärker durch politische Korrektheit verblödet, angepaßter. Von Ostdeutschen kommt da schon eher mal Widerstand.

    Insgesamt erlebe ich bei Wessis immer wieder schockierende Demokratiedefizite und extreme Intoleranz. Ossis sind, was andere Meinungen anbelangt, wesentlich entspannter. Das meine ich nicht nur satirisch. Es ist schon wirklich erschreckend, was man da so von manchen Leuten erleben kann. Stichwort Woko Haram. Die merken gar nicht mehr, daß sie die Demokratiefeinde sind und agieren völlig skrupellos. Solche Erlebnisse habe ich fast ausschließlich mit Wessis.

    • „Wessis sind narzißtischer, aggressiver, sozial autistischer, egozentrischer, vermarkten sich mehr, produzieren sich mehr – eben ganz so, wie es in einer Marktwirtschaft auch opportun ist. Materialismus und Konkurrenzprinzip schlagen sich zwangsläufig in den Persönlichkeiten nieder.“

      Blödsinn, typische Meinung von Ossis, die sich nie länger im Westen aufgehalten haben und nur die Nach-Wende-Haie kennen. Ich fand den Osten, insbesondere Sachsen, nach der Wende VIEL härter als den Westen. Allein bedingt durch die viel schwierigeren finanziellen Verhältnisse und die viel schärfere Konkurrenz. Da war der Westen regelrecht locker und freundlich dagegen.

      „Wessis sind auch eher atheistische Fundamentalisten.“

      Ausgerechnet, obwohl im „Sozialismus“ Atheismus Staatsreligion war?

      „Man denke nur an Leute wie Seb. Den könnte ich mir nie als Ossi vorstellen. Seine Mobbing-Kultur und seine sozialen Aggressionen sind auch typisch westdeutsch.“

      Typisch ist allenfalls seine Mediengläubigkeit, der Rest ist eine reine Charakterfrage.

      • Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte. Bedingt durch die Mangelwirtschaft war man im Osten immer auf Andere angewiesen. Im Westen waren die Menschen wesentlich egozentrischer, da sie in der Versorgung Versorgung auf keinen angewiesen waren.
        Diese Egozentrik ist durch die Corona verursachten Lockdowns sogar noch ausgeprägter geworden. „Ich bin der Maßstab, an den alle anderen gemessen werden“, wie manche der Foristen hier oft genug demonstrieren. Wobei das kann auch eine Frage des Charakters sein, wie das Jemand treffend in Bezug auf einen der von mir gemeinten bemerkt hat.

        • „Bedingt durch die Mangelwirtschaft war man im Osten immer auf Andere angewiesen. Im Westen waren die Menschen wesentlich egozentrischer, da sie in der Versorgung Versorgung auf keinen angewiesen waren.“

          Ich kann das, zumindest meiner Erfahrung nach, nicht bestätigen. Allerdings war ich auch nie der typische Ossi, da meine Eltern, als Katholiken, zu einer Minderheit gehörten und eher oppositionell eingestellt waren. Außerdem komme ich aus der Stadt, auf den Dörfern mag das anders ausgesehen haben.

          Aber zu Ostzeiten schenkte man sich auch nichts, sondern das lief alles auf Schwarzmarkt-Tauschniveau: gibst du mir, gebe ich dir. Konnte man selbst nichts geben, wie mein Vater, als Schweißer, dann bekam man auch nichts. Mein Opa war Malermeister und meine Oma wucherte mit diesem Pfund bei jedem Einkauf, insbesondere zu den Festtagen, wenn es darum ging einen Braten zu ergattern. Der Vater einer Klassenkameradin war LKW-Fahrer u.a. für den „Konsum“ und stand daher ganz oben auf der Tausch-Liste, die hatten immer Sachen, die es sonst nur selten zu kaufen gab (abgegeben haben die uns nie was). Machen wir uns nichts vor: der typische DDRler war (auf notgedrungen niedrigem Niveau) nicht weniger egoistisch als alle anderen Menschen auch. Wer wenig hat, wacht halt erst Recht mit Argusaugen darauf, nicht übervorteilt zu werden.

          Als ich Anfang der 0er-Jahre in den Westen ging, war das wie eine Offenbarung, vielleicht auch durch den Wechsel von der Stadt aufs Dorf. Die Leute waren viel aufgeschlossener und freundlicher, als ich das aus Chemnitz kannte, sie waren in jeder Hinsicht weniger hart, als die Nachwendesachsen, die in vielerlei Hinsicht noch darum kämpften, sich eine Existenz aufzubauen. Obwohl man als Sachse immer als eine Art Ausländer, als „Reigschmeckter“ wahrgenommen wird, habe ich mich dort sehr viel wohler gefühlt.

          Von daher reagiere ich immer ein bisschen allergisch, wenn manche Ossis sich selbst eine altruistischere und menschlichere Gesinnung andichten, m.E. lügen sich da viele selbst in die Tasche, auch weil sie halt oft nur wenige Vergleiche haben (in den Osten gingen halt Verkäufer und Glücksritter aus dem Westen, oft genug welche, die im Westen nicht hochkamen).

          Man sieht das auch an der Massenzuwanderung, die Westdeutschen sind da lockerer, weil die ihre Schafe überwiegend im Trockenen haben, da erben viele mehr, als ich im ganzen Leben erarbeiten kann. Moral muss man sich nämlich leisten können. Und vergessen wir nicht, dass Merkel (eine Ossi-Trulla) für die Facebook-Zensur warb und eine Stasi-Trulla wie Kahana dafür einsetzte. Unter Merkel wurde auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz durchgewunken, eine Auslagerung politischer Zensur ins Privatrecht. Erst dadurch wurde die aktuelle Einseitigkeit überhaupt möglich.

          Für viele Westdeutsche beginnt der Niedergang der BRD mit der Wiedervereinigung, auch das ist eine nicht ganz unbegründete Persepktive. Was vielen Westdeutschen m.E. fehlt, einfach weil sie bisher immer gut gefahren sind, ist die Skepsis gegenüber den eigenen Medien und Politikern. Sie nehmen nicht wahr, wie grundlegend sich die Situation in den letzten zwei Jahrzehnten zum Negativen geändert hat. Mindestens ein Kollege, der mich immer ein bisschen als VTler belächelte, ist durch Corona ziemlich hart aus seiner Glaubenswolke geschüttelt worden und jetzt noch um einiges extremer drauf, als ich. Vielen steht das aber noch bevor. Oder wie sagten die 68iger: wer sich nicht bewegt, spürt auch seine Ketten nicht…

          • Aber genau damit bestätigst Du mein Beobachtung. Alle waren darauf angewiesen Jemanden zu kennen, um von ihm das gewünschte zu erhalten und mussten im Gegenzug aber auch etwas anbieten. Also im weitesten Sinne schon eine wesentlich intensivere Kooperation. Und nur selten hat Jemand seine Antipathie bzw. Abneigung gegenüber einem Anderen lange durchgehalten. Irgendwann brauchte man ihn und so kooperierte man eher und mit wesentlich mehr Menschen. Man brauchte schließlich das Netzwerk zum Überleben. Das gab es im Westen vielleicht noch in den Fünfzigern aber danach nicht mehr. Ob das jetzt besser war oder schlechter, will ich gar nicht werten.

          • @Frogorek

            Freundschaften und Netzwerke haben die Wessis genauso. Zumindest hier auf dem Dorf, sowas bringt nämlich immer Vorteile mit sich, dazu braucht es gar keine sozialistische Mangelwirtschaft 🙂

            Sie sind m.E. sogar weniger direkt, d.h. man tauscht nicht Schwarzmarktware, sondern hilft sich so, mit der Aussicht erst später einen Ausgleich zu bekommen. Ich halte solches Verhalten für eine typisch menschliche Eigenschaft, die ziemlich unabhängig von der Gesellschaftsform ist. Nur Halbautisten wie ich halten sich da raus, weil sie nicht gerne jemanden was schuldig sind.

            Aber keine Ahnung wie mit solchen menschlichen Aktivitäten z.B. in einer Bankerstadt wie Frankfurt aussieht.

  9. Mal sehen, was zum Jahrestag in den inzwischen knarzenden Schubladen „Ost“ und „West“ liegt:

    Im Westen erlebe ich nicht erst seit Corona eine gewisse Sehnsucht, für alle Menschen klare und strenge Regeln zu haben und auch durchzusetzen. Staat, Unternehmen, Bildung, Kultur, Individuum – alle sollen sich einer woken Grundhaltung unterwerfen. Und wer nicht teilnimmt, der wird zusehends unverblümter ausgegrenzt, bestraft und gecancelt. Das finden alle so gut, dass sie sogar eine Partei wählen, deren Kandidatin „Innovation durch Verbote“ ausruft. Die westlich sozialisierten Menschen sind offenbar der Freiheit überdrüssig, sie wollen eindeutige (totalitäre) Ansagen. Vielleicht hegen sie die infantile Hoffnung, das würde die ideologisch versprengten Menschen und die immer kleinteiligeren Gruppen wieder zusammenführen.

    Die im real existierenden Sozialismus sozialisierten Menschen sind noch nicht so weit. Die sind nach wie vor froh, dass sie grundlegende Dinge des Lebens selbst entscheiden dürfen. In den neuen Bundesländern gibt es sogar so schlimme Phänomene wie Stolz oder Patriotismus, die im Westen geächtet sind.

  10. Ich differenziere nicht in den alten Grenzen. Es gibt Schwaben und Sachsen, die Gemeinsamkeit ist der schreckliche Dialekt, nicht die Trennung nach Ost und West. Aber das sind Äußerlichkeiten und die sind sehr selten für mich ein Kriterium für eine negative Bewertung (Blondinen ausgenommen). Wenn in der Berichterstattung mal wieder über die rechten Tendenzen in der ehemaligen Zone berichtet wird, dann platzt mir die Hutschnur. Aber es ist halt medial immer eine sichere Sache jemanden schuldigen zu haben.

  11. Meine persönliche Einheit ist seit 20 Jahren vollzogen, ich bin „Wessi“, meine Frau „Ossi“ (über den Botschaftszaun geklettert), unser Kind eine weibliche Nervensäge (manchmal). Passt.

  12. Was sind das mal wieder für Brechmittelkommentare heute, die sich selber geil finden und alle anderen scheisse. Gewürzt mit brauner Sauce.

  13. Schwieriges Thema, einerseits passen sich die Verhältnisse an (zumindest in den Städten und bei den nachwachsenden Generationen), andererseits entwickeln sie sich mental teilweise wieder auseinander. Für die Westdeutschen sind viele Dinge selbstverständlich geworden, an deren Abwesenheit man sich im Osten noch gut erinnern kann, industrieller Wohlstand ebenso, wie Meinungsfreiheit, die ausgerechnet unter Merkel wieder massiv unter die Räder gekommen ist.

    Sagen wir so: man merkt in Westdeutschland 40 Jahre mehr „Reeducation“ sehr deutlich, außerdem diese „ist bisher immer gutgegangen“-Mentalität, das Gefühl, auf „der richtigen Seite zu stehen“ und gut geführt zu werden, eine Sicht, die Ostdeutschen geschichtsbedingt nicht teilen können…

  14. Hier mal wieder ein besonders schönes Propagandawerk:
    https://taz.de/Verleihung-des-Deutschen-Comedypreises/!5805190/

    Frau Kroymann hat Eier, weil sie sich über den Umgang mit Frauen beschwert und, ohne konkrete Namensnennung, gegen Mockridge schießt. Mönsch, hat die Eier. Ungefähr so viel, wie der seine Nachbarn bei der Stasi denunzierende, jeden Morgen dem Honnie-Bild an seiner Bürowand salutierende Beamte in der DDR. Oder so viel Eier wie der Opportunist im Dritten Reich, der, immer wenn man ihn öffentlich sah, wild darum wetteiferte, derjenige zu sein, der seinen rechten Arm am weitesten und entschlossensten rausstreckt.

    Und Bildunterschrift, dass ihr zumindest Frau Brugger beipflichtete. Aaaawwwww!!! Also Hazel Brugger, sowie die Heerscharen der ganzen anderen Lemminge ohne Fähigkeit zur eigenen Meinungsbildung und der komplette Medienapparat. Na ich hoffe, dass Frau Kroymanns Eier dick genug sind, ihre ach so kontroversen, völlig gegen den Mainstream gebürsteten Meinungen bei derart wenig Unterstützung auch durchzuhalten. Wir drücken ihr die Daumen… 😉

    Aber klar, man muss natürlich so tun, als würden da ein paar wenige Frauen um Respekt kämpfen. Das Thema MUSS bis in alle Ewigkeit als Tabu verkauft werden, damit sich immer mit der Masse mitmarschierende Hohlnüsse trotz ihrer Mainstreammeinungen als ganz doll krasse Rebellen empfinden können, die gegen das übermächtige Patriarchat ankämpfen. Wie erbärmlich; wie jämmerlich!

    Arne zitierte gestern Aussagen z. B. von Tom Gerhardt, der die Sache sehr kritisch sah. DAS sind Eier, denn diese Aussagen ziehen in der Regel Shitstorms auf Twitter nach sich; nicht zu vergessen die Gefahr, Zielscheibe hetzerischer Propagandamachwerke unserer „Qualitäts“-Medien zu werden.

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