Die Faszination der Verbindung des „Kampf für das Gute“ in Verbindung damit jemanden anderen schlecht behandeln zu können

Ich las im Internet ein interessantes Zitat aus einem Buch von Aldous Huxley, Chome Yellow:

“The surest way to work up a crusade in favor of some good cause is to promise people they will have a chance of maltreating someone. To be able to destroy with good conscience, to be able to behave badly and call your bad behavior ‚righteous indignation‘ — this is the height of psychological luxury, the most delicious of moral treats.

Durch Deepl gejagt:

„Der sicherste Weg, einen Kreuzzug für eine gute Sache zu starten, besteht darin, den Leuten zu versprechen, dass sie die Möglichkeit haben, jemanden zu malträtieren. Mit gutem Gewissen zerstören zu können, sich schlecht zu benehmen und sein schlechtes Verhalten ‚gerechte Empörung‘ zu nennen – das ist der Gipfel des psychologischen Luxus, der köstlichste aller moralischen Leckerbissen.

Da ist denke ich etwas dran. Und es ist sicherlich auch einer der Gründe, warum diverse extreme Richtungen, die auch Gewaltbereit sind, ob von Links oder rechts, für einige Leute so attraktiv sind:

Für eine gute Sache zu kämpfen (und sei es nur sehr oberflächlich oder nur in deren Namen) erlaubt einem vieles zu rechtfertigen. Gegen andere Macht ausüben zu können, am besten noch ohne dafür belangt zu werden, ist ein sehr klares Zeichen für Status und das kann einem natürlich ein Hochgefühl verschaffen.

Erscheint mir auch für die ausgearteten BLM Proteste ganz passend, die viel Krawall angezogen haben. Ein guter Anlass, die Polizei muss niederknien und sich entschuldigen, kein Politiker traut sich so richtig dagegen vorzugehen, ideal für Leute, die Macht ausleben wollen und die Rechtfertigung brauchen, dass sie es für einen guten Zweck machen.

Auch perfekt für Regime wie den praktizierten Kommunismus, bei denen Leute teilweise wahllos in die Gulags gesteckt worden sind, weil man eine Quote vollbekommen musste und keiner etwas gegen einen machen konnte oder Leute im dritten Reich, die sich an Juden und anderweitig „unwerteren Gruppen“ abarbeiten konnten.

Um so brutaler es wird um so eher muss wahrscheinlich ein gewisser Sadismus oder der schlichte Spass an Gewalt dazu kommen, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass analog zu dem Wärter-Experiment einige Leute wenn sie die passende Macht bekommen einfach dadurch korrumpiert werden.

19 Gedanken zu “Die Faszination der Verbindung des „Kampf für das Gute“ in Verbindung damit jemanden anderen schlecht behandeln zu können

  1. @ Christian

    Das hättest Du nun auch kürzer haben können. 🙂

    „Das Übel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davorsteht.“
    (Karl Kraus 1909)

    Aber es gibt übrigens auch ein Buch in diesem Sinne:

    „Der Fluch des Guten: Wenn der fromme Wunsch regiert – eine Schadensbilanz

    Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Dienstreise von Papst Franziksus nach Lampedusa, Ground Zero in Nagasaki, Che Guevaras Reise nach Guatemala, dem Song «Imagine» von John Lennon und der NGO-Kampagne gegen eine Kupfermine in Zambia? Auf den ersten Blick kaum. Sehr wohl gibt es aber einen gemeinsamen Nenner. Der langjährige Reporter Alex Baur (NZZ, Stern, GEO) ist auf seinen Recherchen immer wieder auf Geschichten gestossen, bei denen im Namen der vermeintlich guten Sache tödliche Dummheiten und Verbrechen begangen wurden. Mit scharfem Blick und spitzer Feder bringt er diese verborgenen und verdrängten Geschichten hinter den Geschichten ans Licht.“

  2. Gerade bei vorgeblich „Friedlichen“ & „Progressiven“ ist es immer wieder erschreckend zu beobachten, mit welchem Furor, welcher Begeisterung, Unnachgiebigkeit und nicht zuletzt offenkundiger Freude Hass ausgelebt wird bzw. dazu angestachelt wird, wenn jemand bzw. etwas zum Hass „freigegeben“ wird. Seien es z.B. Personen, insbesondere Politiker (Bush, Trump oder aktuell Laschet), Organisationen, Firmen, Institutionen, konträre Meinungen…v.a. wenn sich eine gewisse Gruppendynamik hochschaukelt, kommen dabei wirklich widerliches Gedankengut und ekelhafte Charaktermängel zutage. Da wird längst nicht aufgehört, wenn der Gegner am Boden liegt und sich nicht mehr wehrt; Nachtreten ist da fast schon Pflicht, bis der nächste Sündenbock fällig ist. Dazu passt auch Jordan Petersons Beobachtung hinsichtlich virtueller „Reputation destruction“ und wie unnachgiebig hier insbesondere seitens Frauen die vollständige Auslöschung des Hassobjekts vorangetrieben wird.

    Insbesondere körperlich Schwächere, darunter viele Frauen, werden zu richtig sadistischen Agitatoren, wenn es ums gemeinsame Hassen geht. Sinngemäß hieß es dazu über die Nazis: „Die kleinsten Ferkel, die Nesthäkchen, sind die größten und lautesten Schreihälse“.

    Dieses gemeinsame Hassen scheint stammesgeschichtlich tief verankert zu sein. Bei aggressiven Gruppenauseinandersetzungen unter Schimpansen z.B. lässt sich immer wieder beobachten, wie insbesondere bestimmte weibliche Exemplare „ihre“ Kämpfer „anfeuern“ und agitieren. Und auch historisch und kulturenübergreifend ist diese Freude am Hassen und Demütigen des Gegners allgegenwärtig zu beobachten. Macht spielt definitiv eine Rolle, aber auch das ungestrafte Ausleben normalerweiser unterdrückter und nicht erlaubte negativer Emotionen und Phantasien.

      • Gemeint war damit eher (ungeachtet des Geschlechts), dass das Hassen und Anstacheln häufig von Personen (i.e. Lauch, Weh, halbe Portion, ausgeht, die in einer körperlichen (oder auch nur intellektuellen / rhetorischen) Auseinandersetzung definitiv den Kürzeren ziehen würden und daher Stärkere für sich kämpfen lassen.

  3. Es gibt in Afghanistan Frauen, die haben niemanden etwas zu sagen und stehen an unterster Stufe. Erst wenn man sie verheiratet und sie einen Sohn gebären, der dann wiederum heiratet, erhalten sie Macht über die Schwiegertochter und dann soll es keine Spur geben von der beschworenen Frauensolidarität. Die machen wohl oft ihren Schwiegertöchtern das Leben zu Hölle.

    In Afrika hänseln beschnittene Mädchen mitunter ihre unbeschnittenen Freundinnen. Diese wollen daher die Beschneidung auch hinter sich bringen, nur um dann ebenfalls andere unbeschnittene Mädchen zu hänsel. Das geben die tatsächlich als Grund an.

    Wenn man Gelegenheit bekommt anderen zu schaden, dann nutzen das leider einige aus. Das die Frauen und Mädchen in den Beispielen sich dabei denken das sie etwas gutes tun, kann ich mir nicht vorstellen.

  4. Ein Sündenbock fördert den Gruppenzusammenhalt ungemein.
    Erstens kann dieser Sündenbock zu einer permanenten Bedrohung hochgejazzt werden, wodurch sich in der Gruppe automatisch die Reihen schließen, die Mitglieder sich synchronisieren.
    Zweitens kann die Gruppe am Sündenbock ungehemmt niederste Instinkte austoben, bis hin zum Blutrausch, was ein sehr starkes, verbindendes Gruppenerlebnis sein dürfte. Hinterher ist aufgrund der Grenzüberschreitung auch die Hemmschwelle für den Ausstieg aus der Gruppe wesentlich höher.

  5. Mit Moral tötet es sich leichter.
    Ein Satz aus einem Basistext aus dem Studium. Ich weiß leider nicht mehr von wem das stammt (verm. engl. Autor), aber wir hatten die Kreuzzüge und Soldaten als Thema. Ich weiß noch, wie ich total geplättet war, weil man mit moralischen Grundsätzen einfach jedes Handeln begründen kann. Auch wenn es faktisch total unsinnig ist. Von da an haben ich verstanden, aus welchen Kräften sich Religion und Glaube nähren. Die Klimafetischisten, Rassismusschwurblerinnen und Feminismusnazis sind heute die neuen Gläubigen einer allumfassenden Religion ohne Gott, aber mit vielen moralischen Grundsätzen. Diese Grundsätze sind praktischerweise immer austausch- oder wandelbar, weil das eigene Handeln immer richtig ist, solange ich kaputt mache, was mich kaputt macht oder wahlweise andere schützen kann.
    Ein solch hübsches Konzept spricht eher einfache Gemüter an.

  6. Fehlt mir nur noch der An-Führer: die Bereitschaft, böses zu tun, ist sicher weit verbreitet, aber die Überzeugung, dabei gutes zu tun ist noch nicht da. Die meisten brauchen dafür noch einen Anführer, der ihnen die Absolution erteilt und ihnen sagt: Gehe hin und töte und quäle, du handelst in höherem Auftrag, du tust gutes, wenn du böses tust und bist nicht verantwortlich für deine Taten.

    • Anführer und/oder heilige Schrift.
      Das hilft ungemein, da man keine Entscheidungen treffen muss und sich eückwirkend entschuldigen kann: ich habe doch nur Befehle befolgt…

      Milgram lässt grüßen.

  7. Es gibt in Afghanistan Frauen, die haben niemanden etwas zu sagen und stehen an unterster Stufe.

    Ist das wirklich so? Ich habe muslimische Familien erlebt mit in der Öffentlichkeit verhüllten Frauen, in denen die Frauen im häuslichen Bereich recht totalitär herrschen. Wenn da der ansonsten messerfuchtelnde Sohn die Türschwelle überschreitet, dann unterwirft er sich wie ein Wurm Mutters Anweisungen. Selbst der angebliche Patriarch fügt sich weitgehend komplett der Regierung in deren Hoheitsbereich.
    Ich bezweifle, dass insbesondere in solchen Kulturen Frauen komplett männlicher Willkür unterliegen, wie es uns die Feministen immer einreden wollen.
    Eine Mutter ist dort eine Autorität, die durchaus auch weiß, wie sie die Weichen stellt für das Handeln ihrer Männer draußen in der großen weiten Welt. Manchmal schickt sie die Söhne sogar in die Ferne, um dort für die Familie anschaffen zu gehen – und die stranden auf Lampedusa oder sonst wo.

    Es ist nämlich gar nicht so fies und gemein, dass die afghanischen Frauen und Mädchen nicht gleichgestellt mit dem Gewehr in die Schlacht ziehen. Es ist vor allem ihr Schutz, ein Privileg.
    Und wir machen das ebenso, geben das aber nicht offen zu. Die Soldatinnen sind fast nie an der Front, wenn es richtig heiß zugeht. Wie in fast allen wirklich bedrohlichen und gefährlichen Lebensbereichen.

    Dieses Gelaber, dass das Patriarchat eine wirkliche Gleichstellung verhindert, ist schlicht eine Lüge, denn es geht immer nur um eine Mindestgleichstellung bei möglichen Vorteilen, nie bei Nachteilen.

    • Arne Hoffmann bespricht die Machtposition von Frauen in Migrantenfamilien in „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“. Sehr aufschlussreich. Mancher Mann kann sich keine Stulle schmieren, ohne einen hysterischen Wutanfall zu provozieren.

      • Möglich, dass es dort anders ist. Problematisch finde ich an dem feministischen Text, dass es ausschließlich um Frauen geht, deren Leben an westlichen Standards gemessen wird. Es wird kein Wort verloren über die Einbindung und die Rolle der Frauen im Kontext mit Männern und Kindern.
        Wenn jemand aus dem Westen traurig feststellt, dass man ja nun leider nicht alle afghanischen Frauen evakuieren könne, dann muss man schon hinterfragen, ob das Leid der Frauen so omnipräsent und umfassend ist. Ob man wirklich die Frauen einer ganzen Nation abtransportieren und umsiedeln sollte – und ob das wirklich die Welt aller Beteiligten besser machen würde.
        Als seinerzeit der Einmarsch da erfolgte und Regionen „befreit“ waren, haben sich trotzdem sehr viele Frauen geweigert, ihre Burka abzulegen. Sie haben die kulturelle Identität, in der sie aufgewachsen sind, nicht abgestreift und diese Befreiung abgelehnt. Viele haben sie sicher angenommen, aber lange nicht alle.
        Nun möchten unsere Feministen die Frauen dort gerne zu ihrem Glück zwingen. Letztens las ich in einem Bundeswehrforum, dass afghanische Frauen deutsche Soldatinnen bemitleideten, von denen sie eigentlich bekehrt werden sollten. Eben weil diese westlichen Kämpferinnen kinderlos am anderen Ende der Welt im Krieg lebten. Deren feministischer Missionarseifer lief komplett ins Leere.
        Das hat mir abermals gezeigt, dass es nicht so einfach ist, wie die Feministen es sich ausmalen. Oft ist es sogar komplett anders.

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