Selbermach Mittwoch

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Die Suche nach Frauen für Führungspositionen, Selbstvertrauen und zu schnelle Beförderungen

Arne hat einen interessanten Artikel aus der Züricher Zeitung zitiert und ich klaue einfach mal seinen Auszug dreister Weise, weil er das passende aus dem Artikel rausgezogen hat:

Frauen seien weniger kompetitiv, harmoniebedürftiger und teamorientierter als das andere Geschlecht, heisst es (…). Und: Wegen des schlechteren Selbstvertrauens träten Frauen in Lohngesprächen zu wenig bestimmt auf – was zu tieferen Löhnen führe und dazu, dass sie es oft nicht bis ganz nach oben in der Hierarchie schafften. Nur: Sind diese Aussagen in ihrer Absolutheit so wirklich noch korrekt? (…) Seit langem machen mehr Frauen als Männer Abschlüsse an Universitäten und Fachhochschulen. Und bei Rekrutierungen und Beförderungen werden Frauen sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor bevorzugt.

Eine neue Untersuchung zeigt denn auch ein differenzierteres Bild. So wertete die Avenir Group Daten aus ihren Assessments der letzten fünfzehn Jahre aus. Assessment-Center beurteilen im Auftrag von Headhuntern und Unternehmen Bewerber für Kaderjobs. Dies anhand von Tests, Rollenspielen und Gesprächen.

Die Firma testet 600 bis 700 Kandidatinnen und Kandidaten pro Jahr. Aus den Daten analysierte sie eine repräsentative Auswahl von 728 im Detail. Das Ergebnis: Frauen zwischen 25 und 40 Jahren stufen ihre Fähigkeiten und Leistungen noch deutlich schlechter ein, als das gleichaltrige Männer tun. Ab 40 dann aber steigt das Selbstvertrauen der Frauen – und zwar deutlich. Und überholt etwa ab 45 dasjenige der gleichaltrigen Männer.

Wenn ich es richtig verstehe haben nicht Frauen im allgemeinen mehr Selbstvertrauen, sondern Frauen, die Assessments-Center für Kaderjobs absolvieren. Das kann ich mir gut vorstellen, weil es bei den Frauen noch eine deutlichere Auswahl sein dürfte als bei den Männern. Zumal die Frauen gerade aufgrund der Begehrtheit von Frauen allen Grund zum Selbstvertrauen haben während die Männer plötzlich um weniger für  Männer zur Verfügung stehende Plätze kämpfen und sich zu Recht fragen könnten, ob sie im Wettbewerb bestehen können.

(…) Zum einem ähnlichen Schluss gelangte eine Studie aus den USA, die im Juni 2019 in der „Harvard Business Review“ publiziert wurde. Auch dort stuften sich 5000 Frauen bis 40 im Mittel deutlich tiefer ein als die gut 4000 befragten Männer. Das Selbstvertrauen der in den USA befragten Frauen stieg dann deutlich an, ab 45 waren die Männer überholt. Insgesamt gewannen die Männer über den Zeitraum von 25 bis +60 Jahre „nur“ 8,5 Prozentpunkte an Selbstvertrauen, die Frauen dagegen um ganze 29%.

Wäre interessant, ob es auch dort eine Auswahl der Frauen war oder Frauen insgesamt.

(…) Seit einigen Jahren werden Frauen auf allen Ebenen stark gefördert. Es ist heute sogar so, dass faktisch jedes Unternehmen inklusive der öffentliche Arbeitgeber schriftlich festgesetzt hat, dass Männer bei Rekrutierungen und bei Bewerbungen diskriminiert werden. So heisst es stets: Selbst wenn der Mitbewerber über die gleiche Qualifikation verfügt, wird die Frau bevorzugt – wegen ihres Geschlechts.

Das dürfte zumindest für Deutschland so deutlich nicht gesagt werden, aber dennoch in vielen Bereichen dennoch so sein.

Das hat Auswirkungen auf das Ego der Frauen. Und das hat nicht nur positive Folgen. Laut Doris Keller Creus, Partnerin beim Personalberater XCG, suchen Kunden heute oft explizit Frauen für Chefjobs. „An Headhunter werden Suchaufträge vergeben, in denen Firmen ausschliesslich Frauen auf der Shortlist haben wollen. Diese stehen dann unter hohem Erfolgsdruck und müssen oft Kompromisse bei ihrer Personalsuche eingehen. Entsprechend kommen immer wieder Kandidatinnen in die Auswahl, die zwar grundsätzlich über gutes Potenzial, aber häufig noch nicht über die nötigen Fähigkeiten und Erfahrungen für eine Top-Position verfügen oder einfach zu früh in ihrer Karriere gepusht werden“, kritisiert sie.“Dabei erhalten Bewerberinnen oft zu wenig ehrliches, konstruktiv-kritisches Feedback vom Unternehmen oder dem Rekrutierer. Das aber wäre für die Weiterentwicklung essenziell, eine bessere Selbsteinschätzung würde für künftige Bewerbungen helfen.“

Frauen bevorzugt, aber dadurch natürlich auch wieder diskriminiert.

Allerdings sicherlich in der Sache auch richtig, dass es durchaus ein Nachteil sein kann.

(…) Das Pendel hat jetzt stark auf die andere Seite ausgeschlagen. Zu stark? Denn auch das Ego der Männer hat sich verändert. Ein Mann, der eine Stelle im öffentlichen Dienst sucht, ist überzeugt, „nur dann eine Chance zu haben, wenn sich keine Frau bewirbt“. Fatalistisch auch ein Jugendlicher zur „NZZ am Sonntag“: „Auf die coolen Lehrstellen habe ich eh keine Chance, da bewerben sich immer auch Frauen“.

Zwei Partner eines grossen Headhunters möchten sich nicht öffentlich zum Thema äussern. Sie bestätigen aber, dass heute öfter jüngere Frauen für Kaderjobs angesprochen werden. Und zwar mehr als gleichaltrige, gleich qualifizierte Männer. Manchmal hole man diese Frauen zu früh. Es sei in der Tendenz „eher“ so, dass jüngere Frauen bei Bewerbungen auf Führungspositionen arrogant auftreten und ihre Fähigkeiten überschätzen würden.

Männliche Privilegen lassen grüßen. Bei einer „Gruppenbetrachtung“ Männer gegen Frauen werden natürlich nur Nachteile der Gruppe Frauen ausgeglichen und die Männer hätten immer noch mehr Jobs, demnach keine Benachteiligung. Bei einer Betrachtung nach dem Individuum hat aber ein Mann schlicht die Nachteile.