Ein gleiches Renteneintrittsalter von Männern und Frauen führt in der Schweiz zu Protesten

Ein interessanter Bericht:

«Hände weg von den Frauenrenten»: Mit ihrem Appell gegen die Erhöhung des Frauen-Rentenalters haben die Gewerkschaften eine Protest-Lawine losgetreten. Schon 160’000 Menschen haben unterschrieben – das dürfte Rekord sein.

Beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) kann man es selbst kaum glauben. Am Freitag lancierte er einen Appell gegen die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre. Drei Tage später haben ihn bereits über 160’000 Personen online unterzeichnet – und der Zähler klettert immer höher.

Momentan liegt das Frauenrentenalter bei 64, das der Männer bei 65. Vor einiger Zeit waren es bei den Frauen noch 62.

 

 

So viel Support innert so kurzer Zeit dürfte in der Schweiz noch nie ein politisches Anliegen bekommen haben. Am Wochenende sei der Ansturm von Unterstützungswilligen so gross gewesen, dass gar die Website zusammengebrochen sei, sagt SGB-Zentralsekretärin Gabriela Medici (35). «Wir wurden völlig überrannt.» Vor allem über Whatsapp habe sich der Aufruf in Windeseile verbreitet.

Der AHV-Appell des SGB ist an den Ständerat gerichtet. Dessen Sozialkommission brütet derzeit über der AHV-Reform. Wie vom Bundesrat vorgeschlagen, will auch sie das Rentenalter der Frauen demjenigen der Männer angleichen.
Faktisch führt das für die Frauen zu einer Rentenkürzung. Zwar sind Abfederungsmassnahmen vorgesehen. Doch geht es nach der Kommission des Ständerats, sollen diese weniger grosszügig ausfallen als vom Bundesrat vorgeschlagen. Was den Gewerkschaften, denen schon die Bundesratspläne viel zu weit gehen, noch mehr Zündstoff lieferte.

Schon interessant, dass etwas, was eigentlich eindeutig gerecht ist (warum sollten Frauen eher in Rente gehen können als Männer? Man könnte weitaus eher diskutieren, dass Männer früher in Rente gehen können sollten als Frauen, damit sie, da sie früher sterben, gleich lang Rente bekommen)

Auch interessant, dass das anscheinend die Massen durchaus bewegt, wohingegen es um „das Patriarchat“ und seine Beeinträchtigungen eher still ist. Da gehen Frauen nicht in solchen Massen auf die Strasse.

Die kleine Kammer wird im März über den Vorschlag seiner Kommission beraten. Mit dem Brief wollen die Gewerkschaften Druck auf die bürgerlichen Parlamentarier machen, die Pläne der Kommission noch einmal überdenken.
«Die Herren im Ständerat dachten wohl, der Frauenstreik sei vergessen. Von wegen!», sagt Medici mit Blick auf die riesige Unterstützung aus der Bevölkerung. «Wir haben erst angefangen! Die Frauenrenten müssen endlich rauf.»

Das dürfte in der Schweiz ja wahrscheinlich damit zusammen hängen, dass Frauen nach wie vor weniger einzahlen. Ein guter Weg die Renten nach oben zu bringen wäre mehr Vollzeit bei Frauen und höhere Einzahlungen. Aber ich vermute, dass das nicht auf Begeisterung stößt.

 

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