Sexuelles und der Wunsch nach einer Identität, die einem Verantwortung abnimmt

Ich bin auf das „Queer Lexikon“ und dort auf einen für mich interessanten Artikel gestoßen:

Uhm hi
Ich hab eine frage
ich als person habe kein problem damit meinen Partner sexuell zu befriedigen (ich mag es auch) aber wenn jemand etwas bei mir machen möchte fühle ich mich total unwohl und möchte es auch nicht.
Ich weiß nicht ob es einen speziellen Begriff dafür gibt. Wisst ihr/du es?

Die Antwort ist:

Ich kenne den Begriff ‘Stone Butch‘, spezifisch für Lesben, denen es so geht, wie dir – also gerne beim Sex den aktiven Part innehaben, aber selbst, z.B. gar nicht angefasst werden wollen. Aber natürlich gibt es nicht nur Lesben, die sich so fühlen – und auch nicht nur butches. Insofern (solltest du keine Butch sein), kannst du vielleicht so etwas wie ‘stonesexuell’ oder so verwenden?

Alternativ gibt es vielleicht auch ein Label auf dem asexuellen Spektrum, das zu dir passt?

Und eine weitere Frage:

Hallo,
Bei mir ist es genau das Gegenteil wie bei Antwort 1.575,ich hätte kein Problem damit und fände es auch gut und so wenn es mir jemand macht aber ich will es nicht anderen machen,gibt es dafür auch ein Wort?
Lg

Antwort 1575 ist die oben zitierte. Die Antwort:

Hallo!

Ich habe mal ein bisschen schlaue Menschen gefragt und es gibt für das, was du beschreibst, nicht den einen, festgelegten Begriff, den alle Menschen verwenden, denen es geht wie dir. Aber es gibt ein paar Optionen:

Aus der lesbischen Community gibt es analog zu Stone Butch den Begriff Pillow Queen, d.h. eine Person, die auf den Kissen liegen bleibt und den passiven Teil von Sex genießt, aber nicht aktiv wird.

Alternativ gibt es auch den Begriff ‘Paper’ als Gegensatz zu ‘Stone’ (also wie in Schere, Stein, Papier) – oder, um es so richtig verwirrend zu machen, gibt es auch für das, was du beschreibst, Menschen, die sich als stone bezeichnen, um auszudrücken, dass ihr Interesse an Sex nicht wechselseitig ist, sondern sie nur einen Part (aktiv/passiv oder gebend/empfangend) gut finden.

Vielleicht ist bei diesen Optionen ja etwas für dich dabei?

Bekanntlich gibt es in dem Bereich gerade in der queeren Szene alles mögliche an Geschlechtern Sexualitäten etc.

Ich finde es interessant, dass sie in diesen Beispielen lediglich nach etwas suchen, mit dem sie sich bezeichnen können, also eine Form von Identität.

Es geht nicht etwa darum, dass man hinterfragt, warum man sich auf eine bestimme Weise verhält, ob das eine gute Wahl ist und ob man es ändern sollte, es geht so wie ich es verstehe eher um Identität.

Ich kann verstehen, dass es einfacher ist zu sagen „Ich bin eine Pillow Queen, akzeptiere das gefälligst“ als sich anzuhören, dass man auch mal selbst was machen kann. Oder das es einfacher ist sich als „Stonesexuell“ darzustellen als einmal zu hinterfragen, warum man Probleme damit hat, dass Leute sexuelle Handlungen an einem vornehmen.

Was nicht bedeutet, dass ich nicht verstehe, dass man bestimmte Vorlieben hat. Ich kann auch „ich bin eher passiv“ oder „ich bin lieber aktiv“ verstehen. Ich finde „ich bin passiv, das ist quasi meine sexuelle Identität“ allerdings etwas viel.

Aber natürlich bin ich auch nicht Teil der queeren Szene, vielleicht hat es da auch nicht den Charakter einer Identität.

20 Gedanken zu “Sexuelles und der Wunsch nach einer Identität, die einem Verantwortung abnimmt

  1. Von Identität lese ich da nichts. Die fragen halt nach einer Bezeichnung für ihre jeweilige Eigenart, das ist allenfalls etwas skurril. Irritierend finde ich aber, dass es in die Rubrik Kummerkasten eingeordnet ist. Da würde ich was anderes erwarten.

  2. Es gibt doch schon uralte Studien die zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und homosexueller Orientierung gibt (ich glaube ca 3/10 Homosexuellen ggü. 1/10 Heterosexuellen wurde als Kind missbraucht). Das man als Opfer von sexuellem Missbrauch eher nicht sexuell aktiv wird mag verständlich sein. Da Sexualität aber zu einer Partnerschaft dazu gehört, muss man irgendwie damit umgehen.

  3. „Ich kann verstehen, dass es einfacher ist zu sagen „Ich bin eine Pillow Queen, akzeptiere das gefälligst“ als sich anzuhören, dass man auch mal selbst was machen kann.“

    Man stelle sich mal vor man ist eine der 50 Lesben in einer 10.000 Seelensiedlung.
    40 fallen als Partnerinnen schon durch’s Alter weg, und dann dividiert man des gleich nochmals durch pillows und stones und lesbian-sheepishism.

    Klar enden die alle Porno guckend online und verwirren sich dazu noch Gegenseitig in „Hilfs“Foren.

    Und wer was sagen würde, der lässts, weil dann ist man ja antisemitisch und ein Nazi.

    https://www.washingtonpost.com/news/post-politics/wp/2013/05/22/biden-jewish-leaders-helped-gay-marriage-succeed/

    Das würde man doch seiner ärgsten Feindin kaum wünschen.

    Gal Gadot hätte es imho verdient.

    Sieht so nach Völkerverhetzung aus.

  4. Ich kenne den Begriff ‘Stone Butch‘, spezifisch für Lesben, denen es so geht, wie dir – also gerne beim Sex den aktiven Part innehaben, aber selbst, z.B. gar nicht angefasst werden wollen.

    Niemand hat die Absicht, hier tiefenpsychologische Zusammenhänge herzustellen. Bis zu 70% der Lesben wurden als Kinder sexuell mißbraucht.

    Man könnte sich also fragen, warum es für manche Menschen unangenehm ist, berührt zu werden, Kontrolle abzugeben, sich anzuvertrauen und ob das vielleicht etwas mit schmerzhaften Erfahrungen zu tun haben könnte..

    Man kann es aber auch sein lassen und sich konsequent dummstellen.

    PS: Wer verstehen will, warum manche Menschen andere Leute zwanghaft als „Troll“ denunzieren und ausgrenzen wollen, mache sich hier schlau.

    FS: Die Sache mit der Identitätisierung ist schon gegeben und psychologisch auch nachvollziehbar. Die Naturalisierung und Substantialisierung bedeutet eben auch eine Legitimierung von möglicherweise pathologischen Verhaltensweisen, die man auch hinterfragen könnte.

    Ganz deutlich wird das im Zusammenhang mit der zwanghaften Naturalisierung von Homo- und Transsexualität.

    Wenn man sagt „Ich bin halt so“, muß man nicht mehr hinterfragen.

    Dieser Mechanismus kommt auch bei vielen hier im Forum zum Tragen, die sagen: Diese und jene psychische Störung, destruktive Verhaltensweise ist halt so. Bitte nicht fragen, wie so etwas vielleicht in der Kindheit entstehen könnte. Bitte keinen Sinn darin erkennen. Sonst müßte ich mir selbst ja auch die Sinnfrage stellen.

    Und bitte auch keine Texte auf der Miller-Seite lesen, die genau diese Prozesse plausibel beschreiben. Lieber zwanghaft dummstellen und exorbitante Scheiße erzählen.

  5. Wenn es einen Namen hat, dann gibt es noch mehr davon. Dann ist der/die/das nicht alleine damit. Wenn es einen Namen hat und integraler Teil eines offiziell anerkannten Queer-Spktrums ist, dann ist es nicht abartig oder pervers.

    Ich denke auch, es geht hier um genau diese zwei Zusicherungen die der Selbstakzeptanz dienen können und sollen.

    P.S: „Pillow-Queen“ gefällt mir als Begriff. Muss ich mal an passender Stelle verwenden…

  6. Eine Identität isses erst, wenns ne eigene Flagge hat.
    Eine rechtliche Person, deren multiple Ausprägungen sich auf eine Flagge einigen können, reicht für die Konstituierung.

  7. „Oder das es einfacher ist sich als „Stonesexuell“ darzustellen als einmal zu hinterfragen, warum man Probleme damit hat, dass Leute sexuelle Handlungen an einem vornehmen.“

    „Die Antwort ist: Man muss es nicht wissen, man muss es nur glauben! Und der Glauben braucht keine Begründung.

    Das Münchhausentrilemma

    Wenn wir uns die Antworten ansehen, sehen wir dieselben Muster: Es ist wahr, weil es geoffenbart wurde, es ist wahr, weil es in einer heiligen Schrift steht, es ist wahr, weil es eine Autorität verkündet hat (als Papst unfehlbar ), weil es der Tradition entspricht. Alle die Dinge führen uns direkt in das Münchhausen-Trilemma (nach Hans Albert _1_), d. h., wir landen entweder

    – in einem Zirkel, was logisch fehlerhaft ist
    – in einem unendlichen Regress, was in Praxis undurchführbar ist
    – oder gelangen zu einer willkürlichen Aussetzung des Begründungspostulats, was uns direkt in den Dogmatismus führt.

    Die Religionen landen i. d. R. im Dogmatismus  (»Es ist wahr, weil der Papst ex cathedra  entschieden hat« oder »Es ist wahr, weil die Bibel es sagt«), oder in einem logischen Zirkel  (»Die Bibel ist von Gott geoffenbart und aus dem Grund wahr. Wir wissen es, weil die Schreiber der Bibel es sagen.“ https://dittmar-online.net/begruendung.html

    Bin heute zu faul was eigenes dazu zu schreiben und poste mal diesen (mMn) passenden Ausschnitt.

    „Es gibt drei Methoden, mit denen Menschen ein Verhalten rechtfertigen, das sich nicht vernünftig begründen lässt:

    Tradition — das haben wir schon immer  so gemacht.
    Mehrheit — die anderen machen das ja auch  alle so.
    Religion — oft gemischt mit den beiden vorigen »Begründungen«.

    Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, die Genitalien kleiner Kinder zu beschneiden. Wenn es Tradition ist, oder die Mehrheit es tut, oder man eine Religion anführen kann — ist es erlaubt. Und wer sich gegen die Praxis ausspricht, der ist ein Feind von Tradition und Religion.

    Es ist ein  Zweck der organisierten Religion, das für wahr und das Verhalten für richtig befinden zu können, dass kein Mensch ernst nehmen würde. Es wird eindringlich »Respekt» _3_ Von den Religionen eingefordert: Weil normalerweise  kein rationaler Mensch auf die Idee käme, solche abwegigen Gedanken zu respektieren.

    Was erwachsene religiöse Menschen freiwillig und ohne Zwang unter sich machen, wäre kein Thema und zu tolerieren (nicht respektieren). Kritisch wird es erst, wenn daraus Forderungen an die Allgemeinheit abgeleitet werden.“

  8. Also, so super krass finde ich die Frage, ob es für dasunddas Verhalten einen Begriff gibt (und man demzufolge damit nicht so alleine ist) nicht.
    Dafür ist so ein „Kummerkasten“ ja auch da.
    Und wenn man dann noch weiß, wie das passende Gegenstück heißt, ist das doch super.
    (Wobei ich es mir schwierig vorstelle, Sex mit jemand haben zu wollen, von dem man sich nicht anfassen lassen will…)

  9. Die „Pillow Queen“ ist wohl jemand, due die im Heterobereich so genannte „Seestern-Stellung“ praktiziert? 😉
    Ich kaue ansonaten noch an der Vorstellung, Sex wàre etwas, wo der eine Partner sexuelle Handlungen am anderen vorninmt und das danach wechselr …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.