„Wie Hass im Netz den Wahlkampf gefährdet“

Die Berliner Zeitung berichtet über eine Studie zu „Hass gegen Politiker“ durch der Organisation HateAid:

Für die erste Recherche der gemeinnützigen Organisation stehen die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien im Fokus. Dafür hat HateAid Hasskommentare auf der Plattform Twitter im Zeitraum vom 19. bis 26. August dieses Jahres ausgewertet. Die ersten Ergebnisse: Innerhalb einer Woche erhielt Armin Laschet (CDU) 5662 potenziell hasserfüllte Kommentare bei Twitter, gefolgt von Annalena Baerbock (Grüne) mit 1086 und Olaf Scholz (SPD) mit 620 Hasskommentaren.

Also:

  • Armin Laschet: 5662
  • Annalena Baerbock: 1068
  • Olaf Scholz: 620

Das wären dann 7350 Hasskommentare, was uns zu folgender Verteilung bringt:

  • Laschet: 77%
  • Baerbock: 14,5%
  • Scholz: 8,4%

Dann die Sschlußfolgerung:

Vor allem Täterinnen und Täter aus dem rechten bis rechtsextremen Spektrum nutzen laut Anna-Lena von Hodenberg, Geschäftsführerin von HateAid, das Internet strategisch, um politische Gegnerinnen und Gegner mundtot zu machen. Während bei Olaf Scholz gut 42 Prozent und bei Annalena Baerbock 32 Prozent dieses Hasses von Accounts kamen, die HateAid eindeutig einem rechten bis rechtsextremen Spektrum auf Twitter zuordnen konnten, machte dies bei Armin Laschet mit 10 Prozent nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus.

Das wären dann also:

  • Laschet: 566.2 Rechte/ 5095,8 Andere Hasskommentare
  • Baerbock: 341,8 Rechte/ 726,24 Andere
  • Scholz: 52 Rechte /568 Andere

Tatsächlich hat Laschet damit eigentlich den meisten rechten Hass abbekommen und dazu noch jede Menge anderen Hass.

Und die Berliner Zeitung bzw die Geschäftsführerin irrt recht offensichtlich, wenn sie sagt, dass gerade Rechte damit jemanden mundtot machen wollen:

  • Rechter Hass: 960 Kommentare
  • Anderer Hass: 6390 Kommentare

Rechter Hass macht damit 13% des Hasses aus. Natürlich könnte es sein, dass damit rechter Hass immer noch die größte Gruppe stellt, wenn man genug andere Gruppen hat, aber man darf vermuten, dass Laschet einiges an linken Hass erhalten hat.

Inhaltlich sollen sich die Diskussionen laut der Datenrecherche im rechten Spektrum auf Twitter vor allem auf drei Themenbereiche konzentriert haben: Afghanistan, Corona und die AfD. Mit diesen Themen würden die rechten Gruppen versuchen, zu mobilisieren und Meinungen zu beeinflussen, fasst HateAid zusammen. In einschlägigen Telegram-Gruppen von Rechten und „Querdenkern“ standen zuletzt vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und CSU-Chef Markus Söder im Mittelpunkt der Debatten.

Schade, dass nur in dieser Hinsicht aufgeschlüsselt wird. Interessant wären auch Beispiele bzw die Bewertungskriterien für rechten Hass.

Die gezielten digitalen Angriffe von rechts und die Mobilisierung zur Ausübung von digitaler Gewalt auf politische Gegnerinnen und Gegner konnte laut HateAid vor allem in den vergangenen US-Präsidentschaftswahlen deutlich beobachtet werden. Der Hass kam vorwiegend aus dem Spektrum rund um die Alt-Right-Bewegung. Auch in Deutschland hat es bereits in der Vergangenheit gezielte Hass-Angriffe auf Politikerinnen und Politiker von rechts gegeben.

Die „Deplorables“ selbst waren in der Tat auch keinen Hass ausgesetzt und Trump wurde lediglich sachlich angegangen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Gewalt als politisches Werkzeug auch im deutschen Bundestagswahlkampf angekommen ist. Wir können live dabei zuschauen, wie die Spitzenpolitiker im Netz bedroht und beleidigt, diffamiert und gezielt angegriffen werden“, sagt Anna-Lena von Hodenberg. „Hass und Gewalt werden so zum Berufsrisiko im politischen Betrieb, erzeugen ein Klima der Angst und schrecken andere ab, für politische Ämter zu kandidieren.“ Die digitale Gewalt gefährde den Wahlkampf.

Irgendwie werfen sie da „rechte“ Gewalt mit allgemeiner Gewalt in einen Topf und auch wenn ich Gewalt generell als Mittel des politischen Diskurses ablehne, sowohl von Rechts als auch von Links finde ich es erstaunlich, dass man da gar nicht hinterfragt, warum gerade Laschet so viel abbekommt und dort die politische Linie der Hasskommentatoren näher aufschlüsselt.

(…)

Befragungen der letzten Jahre haben laut HateAid gezeigt, dass Politikerinnen und Politiker besonders von der digitalen, aber auch von der analogen Gewalt betroffen sind: So wurden 57 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in Deutschland schon bedroht oder sogar körperlich angegriffen. 35 Prozent wurden in den sozialen Netzwerken beleidigt.

Vor allem Politikerinnen sind von der digitalen Gewalt betroffen

Parteiübergreifend seien vor allem Frauen betroffen: Rund 90 Prozent aller weiblichen Bundestagsabgeordneten sollen bereits mit Hatespeech konfrontiert worden sein. „Sobald eine Frau sich engagiert und sich öffentlich äußert, erfährt sie Hass, Beleidigungen, Anfeindungen. Es werden nicht nur Nacktfotos, sondern auch Fake-Zitate geteilt, wie bei Renate Künast (Grüne)“, sagte Anna-Lena von Hodenberg in einem Interview, das im Juni dieses Jahres in der Berliner Zeitung veröffentlicht wurde.

„90% der Politikerinnen sind bereits mit Hatespeech konfrontiert worden, Frauen besonders betroffen“ ist etwas unseriös als Schlussfolgerung, wenn man nur Frauen gefragt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der es einen Politikergibt, der noch nciht für die politische Haltung seiner Partei angepflaumt worden ist oder der da in der Hinsicht etwas abbekommen hat. Jeder Mensch, der sich politisch engagiert erfährt Hass.

Deswegen hatte ich ja auch schon einmal vertreten, dass es gute Sitte sein sollte immer beide Geschlechter zu befragen, wenn man wissen will, wer von einem Thema besonders belastet ist.

Mithilfe der digitalen Gewalt wird laut von Hodenberg versucht, Frauen in politischen Ämtern aus ihrer Position zu drängen. Auch Trans-Menschen oder Schwarze Menschen seien Zielscheibe solcher Angriffe. „Bestimmte Stimmen und Perspektiven werden durch den Hass im Netz aus dem öffentlichen Raum verdrängt – das ist höchst demokratiefeindlich“, so von Hodenberg.

Oder Extreme von Links und Rechts versuchen Politiker der entgegengesetzten politischen Richtung das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Siehe auch: