Afghanistan: Erwachsene Töchter von Ortskräften werden gerettet, erwachsene Söhne nicht

Der Spiegel berichtet über eine Unterscheidung im Familiennachzug bei den Ortskräften in Afghanistan:

Adib hatte gehofft, die GIZ würde ihm und seiner Familie helfen, so, wie es die Bundesregierung seit Tagen verspricht. Stattdessen teilte ihm die Organisation mit, dass er selbst zwar einen Platz in einem der Flieger raus aus Kabul bekommen könne, nicht jedoch seine erwachsenen Kinder. »Ich soll meine Söhne den Taliban überlassen. Das ist Wahnsinn«, sagt er.

(…)

Dem SPIEGEL liegt ein Schreiben der GIZ an mehrere Mitarbeiter vor Ort vor. Darin heißt es auf Englisch: »Liebe Kollegen, ich hoffe Ihnen und Ihren Familien geht es gut und Sie sind sicher, soweit das in der gegenwärtigen Situation möglich ist … . Personen, die einen gültigen GIZ-Arbeitsvertrag haben oder in den vergangenen zwei Jahren hatten, können sich für eine Evakuierung registrieren. … Bitte nehmen Sie folgende Regel zur Kenntnis: Mit Ihnen gehen kann die sogenannte ›Kernfamilie‹, das bedeutet ein Partner (Ehemann/Ehefrau) und Kinder unter 18 Jahren. Zusätzlich werden unverheiratete Töchter über 18 Jahren ebenfalls zur Kernfamilie gezählt. … In der gegenwärtigen Krisensituation können leider keine Ausnahmen von dieser Regel gemacht werden.«

Die GIZ beruft sich dabei auf ein Regelwerk, das die Bundesregierung festgelegt hat. Es gilt auch für andere Institutionen, etwa die Bundeswehr, betroffen sind bislang jedoch augenscheinlich vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GIZ. Ortskräfte wurden nach deren Aussagen massiv unter Druck gesetzt, nicht mit Medien über ihre Lage zu sprechen.

(…)

Grünenpolitiker Cem Özdemir kritisiert das Verhalten der Bundesregierung als »inakzeptabel«. »Während von allen politischen Seiten gefordert wird, unsere Verbündeten und ihre Familien vor Ort so schnell wie möglich auszufliegen, werden neue bürokratische Hürden aufgebaut, die es den Menschen unmöglich machen, sich und ihre Familien in Sicherheit vor der Rache der Taliban zu bringen«, sagt er. Familien gehörten zusammen, besonders in Zeiten der Not. »Wer Familien trennt, handelt in so einer Situation unmenschlich.

Das ist erst einmal eine Unterscheidung nach Geschlecht, die für einen jungen Mann natürlich erhebliche Konsequenzen haben kann, er kann beispielsweise durch die Taliban getötet werden oder er muss ihnen beitreten, auch wenn er das nicht will.

Der Gedanke dahinter wird wahrscheinlich sein, dass man nicht aus Versehen Taliban nach Deutschland holen möchte. Wobei die Frage wäre, ob das bei einem Ortshelfer so wahrscheinlich ist.

Ist es eine faire Unterscheidung oder nicht?

57 Gedanken zu “Afghanistan: Erwachsene Töchter von Ortskräften werden gerettet, erwachsene Söhne nicht

  1. Feministinnen würden wohl behaupten „Patriarchy hurts men too“ und gleichzeitig fordern das nur Frauen und vielleicht noch Kinder gerettet werden.

    Natürlich ist das unfair, aber wie soll sich jemals in Afghanistan etwas ändern, wenn alle die eine Änderung wollen, lieber flüchten anstatt dafür zu kämpfen.

  2. Wäre ich Taliban und für ausländische Terroranschläge zuständig, würde ich nur noch Frauen als Terroristen ausbilden und in den Westen schleusen. Unter dem Schutzschirm der westlichen „Frauen sind die besseren Menschen“ – Ideologie könnten die unbekümmert (und bei Bedarf vollverschleiert) agieren. Was mich verwundert: die Alice ist alt genug, um sich an die Verbrechen der RAF-Terroristinnen wie Ulrike Meinhof zu erinnern. Wenn es schon hinsichtlich mit dem Gedächtnis hinsichtlich rezenter islamistischer Terroranschläge durch Frauen (z.B. Safia S.) hapert. Wie kann sie dann Frauen den individuellen Willen und die Entscheidungsfreiheit absprechen, Terroristinnen oder Taliban sein zu wollen?

  3. Die GIZ beruft sich dabei auf ein Regelwerk, das die Bundesregierung festgelegt hat. Es gilt auch für andere Institutionen, etwa die Bundeswehr, betroffen sind bislang jedoch augenscheinlich vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GIZ

    Da soll mir mal einer erklären, dass wir nicht im Staatsfeminismus leben.

    Nein, da hat sich AKK nicht mit Merkel, Baerbock, von der Leyen zusammengesetzt. Und die haben auch keine externen Beraterinnen wie Frau Schrupp, Frau Uhlmann und Frau Schwarzer gebraucht, um dieses Regelwerk auszuarbeiten.
    Die haben das einfach dem pudeligen Maasmännchen in den Block diktiert und der hat natürlich hechelnd zugestimmt.

    Das Argument, dass Terrorismus nur mit Männern nach Deutschland kommt, ist kompletter Schwachsinn, hundertfach widerlegt. Nur weil Frauen seltener MINT studieren, sind sie noch lange nicht unfähig einen Sprengstoffgürtel zu zünden.

    Also ist das Regelwerk nur sexistische Menschenauslese und ein Beweis für die Unwertigkeit männlichen Lebens in unserer westlichen Gesellschaft.

    • Du vergisst, dass Männer Die Macht haben. Sie könnten einfach damit aufhören, Männer zu töten. Frauen hingegen klnnen nicht einfach damit aufhören, dass Männer Frauen töten.

      Nein, ich glaube nicht, dass das feministische Weltbild elaborierter ist als diese dre Sätze.

      • Frauen haben im Dritten Reich ein tragende Rolle inne gehabt. Es ist ein Mythos, dass Frauen keine Einfluss hätten. Es töten Väter, Söhne, Brüder, die haben alle Frauen, Mütter, Schwestern. Und der Einfluss der Frauen auf ihre Pantoffelhelden im Islam ist nicht unbekannt.

  4. Ideologie heißt für mich, dass man das Denken bei bestimmten Themen durch Dogmen ersetzt.
    Jetzt können wir uns austauschen, was jeder für bestimmte Dogmen hat, aber bringt einen das wirklich weiter?

    Doch zur Frage:

    Es ist ganz große Kacke für die erwachsenen Söhne. Aber ich lasse mich nicht dazu verführen, eine Gegenposition zu Feministen (Plural) einzunehmen, bloß weil die stets und Männer mal mehr und mal weniger gut verhüllt alle Männer zum Teufel wünschen.

    Unter den Bedingungen des Radikalislams haben die unverheirateten Töchter gar keine Rechte und gar keine Chance, während die Söhne wenigstens einen Hauch davon haben.

    Lasst und bei der Debatte nicht die Sicht mit Nebelkerzen nehmen: Nicht Teile und herrsche, sondern die Leute vom Sockel reißen, die zu verantworten haben, dass es so weit gekommen ist. Dazu zähle ich übrigens auch die Wokeria, die im Afgahnistan Mission betrieben haben, statt den Leuten wirklich zu helfen. Es ist ja ernsthaft zu fragen, warum die Leute in Afghanistan offenbar nicht wollen, was wir Hilfe nennen, und lieber Steiniger und Händeabhacker nehmen.

    • Unser übergriffiger Missionarseifer ist das Problem. Wir haben plötzlich Gleichheit und Gerechtigkeit auf unsere Fahnen geschrieben und erwarten nun, dass die restliche Welt sich gefälligst daran hält. Sonst machen wir Krieg oder fliegen die Frauen aus.
      Die sind aber vollkommen anders drauf. Und ob das rundum übel ist, muss sich immer wieder im Vergleich mit der westlichen Lebenskultur beweisen.
      In unserer Lebenskultur reduziert sich die Reproduktion, die Gesellschaft löst sich von selbst auf. Geschlechter ergänzen sich nicht, sie konkurrieren auf jeder winzigen Ebene. Sie entfernen sich voneinander. Familien werden immer seltener.
      Kindern werden die Väter genommen, junge Männer werden im Katastrophen- oder Kriegsfall von der Gesellschaft geopfert – trotz des Gleichheits- und Gerechtigkeitspostulates.

      Unsere vorgeblich moralische westliche Überheblichkeit basiert auf einer Illusion. Dadurch, dass wir bis auf die individuelle Ebene herab die Menschen in permanenter Konkurrenz und gefühlter Benachteiligung halten, gibt es kaum mehr Zusammenhalt, echte menschliche Solidarität und Vertrauen. Entsprechend die Geburtenraten.

      Mit diesem Modell andere Kulturen zu behelligen, sollte wenigstens angemessen hinterfragt werden.

      • Unser übergriffiger Missionarseifer ist das Problem.

        Ja.

        Unsere vorgeblich moralische westliche Überheblichkeit basiert auf einer Illusion

        Was meinst du damit? Wir sind gar nicht überheblich sondern spielen es nur vor, weil wir einer Illusion aufsitzen? Und ohne Illusion wären wir tatsächlich (nicht nur vorgeblich) überheblich? Inwiefern wäre das besser?

        • Unsere vorgeblich moralische westliche Überheblichkeit basiert auf einer Illusion

          Hast recht, blöd formuliert.
          Will sagen: Wir hängen einer Illusion nach, aus der wir unsere moralische Rechtfertigung ziehen, auf andere Kulturen überheblich herabzuschauen.

          Diese Illusion lautet: Unsere westliche Kultur ist für Menschen und die gesellschaftliche Zukunft besser als andere Kulturen.

          • „blöd formuliert.“

            @beweis, Jeder wohlwollende Leser hat es schon beim ersten Mal genau so verstanden

          • „Diese Illusion lautet: Unsere westliche Kultur ist für Menschen und die gesellschaftliche Zukunft besser als andere Kulturen.“

            Und wenn dem tatsächlich so ist (wofür vieles, vor allem die ganz harten Fakten sprechen)?

            Und es nur eine Illusion über die Hinlänglichkeit angewendeter Massnahmen zum Erreichen der Übernahme dieser Kultur ist?

            Oder gar, dass es bei der Besetzung Afghanistans nie primär um das Ziel der Übernahme der westllichen Kultur ging? Das das eine Nebensache war, die nur „nice to have“ gewesen wäre?

            Der Abzug aus Afghanistan ist keine Absage an die Weitergabe westlicher Werte, sondern eine rein strategische Entscheidung. (Und wir kennen die wirklichen Beweggründe für den Rückzug nicht. Meiner Ansicht nach steckt einfach die Absicht dahinter Iran zum Hegemon der ganzen Region zu machen.)

          • Und wenn dem tatsächlich so ist (wofür vieles, vor allem die ganz harten Fakten sprechen)?

            Für uns ist unsere Kultur besser. Wir stehen ja auf harte Fakten. Aber für die ist vielleicht ihre Kultur besser. Die stehen mehr auf Glaube.

            Klar ging es seinerzeit nicht um die Missionierung und Weitergabe westlicher Werte. Nach 9/11 hat ein angefahrener Hund zugebissen. Im Grunde vollkommen sinnbefreit, weil ja schon die Engländer und Sowjets ordentlich Lehrgeld in Afghanistan gezahlt hatten. Aber es wurde schon damals so eingerahmt, dass wir die armen blauen Frauen aus den Burkas befreien müssen.

            Jetzt geht es plötzlich ganz zentral um westliche Werte. Frauenrettung, Demokratie, Gerechtigkeit, wissenschaftliche Evidenz. Eben unser Heil, das wir über die Welt ergießen wollen.

            Wenn man einen Vogel nach seinem halben Leben aus dem Käfig verbannt – ist der dann glücklich? Wenn man eine Hauskatze nach einem halben Leben auf die Straße setzt – denkt die sich dann: Hurra, endlich Mäuse jagen und auf Bäume klettern? Vielleicht ist für die Freiheit so schlimm wie für Freie eingesperrt zu werden?

            Aber nein, westliche Soldatinnen nach dem Stimmbruch wollen afghanischen Frauen erklären, wie geil diese Freiheit sei. Und die weinen fast vor Mitleid…

          • „Unsere westliche Kultur ist für Menschen und die gesellschaftliche Zukunft besser als andere Kulturen.“

            Das ist keine Illusion, sondern durch harte Fakten belegbar.
            Das Problem ist, dass es schlechterdings nicht möglich ist, Gesellschaften andere Kulturen aufzuzwingen.
            Die westliche Zivilisation hat sich über Jahrtausende entwickelt.

          • Ist aber die Frage, welche Fakten man bemüht. Nimmt man die Form der Bevölkerungspyramide oder den menschlichen Reproduktionsfaktor, dann liegt da Afghanistan vorne. Die Bevölkerung ist frischer und wächst. Wir müssen hingegen Pflegekräfte importieren für die letzten 20 Jahre unserer Menschen.

            Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Ich finde deren Way of Life echt ätzend und würde da nicht mal Urlaub machen wollen. Aber ich erwarte auch nicht, dass die mein Leben mögen. Ich finde es gut, dass es Unterschiede gibt.

          • „Die Bevölkerung ist frischer und wächst. Wir müssen hingegen Pflegekräfte importieren für die letzten 20 Jahre unserer Menschen.“

            Und wie ist die Pflegesituation in Afghanistan? Was haben die in Afghanistan von ihren frischen, jungen Menschen?

          • @Beweis

            „Für uns ist unsere Kultur besser. Wir stehen ja auf harte Fakten.“

            Ich vermute mal ganz arg, dass auch Afghanen die Segnungen der Technik und Medizin sehr, sehr schätzen würden ….

            „es wurde schon damals so eingerahmt, dass wir die armen blauen Frauen aus den Burkas befreien müssen.“

            Das fällt den Progressiven jetzt auf die Füsse wie dem Bush das mit den irakischen Massenvernichtungswaffen.

            „Jetzt geht es plötzlich ganz zentral um westliche Werte. “

            Das ist ja nur das Rückzugsgefecht der Progressiven, die den Biden in den Himmel gelobt hatten, nicht zuletzt um den Trump zu dämonisieren. Jetzt stehen sie wie die allerletzten Heuchler da und müssen auf einmal westliche Werte verteidigen, die sie aber von Grund auf verachten.

            Nicht „der Westen“ hat in Afghanistan eine krachende Niederlage erlitten, es ist dieser neue Progressivismus, der meinte, die Frauenrechte würden am Hindukusch verteidigt. Dabei interessiert sich dieser Progressivismus nur für Privilegien und nicht für Rechte. Und daher sind die Frauen in Afghanistan, wenn dieses abgetreten wird, an andere Weltmächte, denen auch total egal. Man muss nur laut heulen, um einen letztes Rest von Glaubwürdigkeit zu bewahren (siehe zB das „Atlantic“-Stück im SMM).

          • @Adrian
            „Das Problem ist, dass es schlechterdings nicht möglich ist, Gesellschaften andere Kulturen aufzuzwingen.“

            Vor allem, wenn diese Gesellschaft systematisch religiös fanatisiert wird, dieses „Aufzwingen“ abzuwehren und einen „heiligen Krieg“ dagegen zu führen ….

          • „Unsere westliche Kultur ist für Menschen und die gesellschaftliche Zukunft besser als andere Kulturen.“ – „Das ist keine Illusion, sondern durch harte Fakten belegbar.“

            Aber die Auswahl dieser Fakten unterliegt einer Wertung. Bei uns ist die Überlebensrate von Säuglingen höher, in Afghanistan die Religiösität. Was davon man wichtiger findet, ist subjektiv.

            „Das Problem ist, dass es schlechterdings nicht möglich ist, Gesellschaften andere Kulturen aufzuzwingen.“

            Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Man darf die eigene Kultur gerne für die bessere halten, aber Menschen aus anderen Kulturen werden sie zunächst instinktiv ablehnen, gemäß dem Prinzip: Kenn ich nicht, mag ich nicht. Deshalb ist Zwang der falsche Weg.

            „Die westliche Zivilisation hat sich über Jahrtausende entwickelt.“

            Klar, aber soooo lange unterscheiden wir uns im Prinzipiellen noch nicht von Afghanistan. Es ist jedenfalls weniger als tausend Jahre her, dass hierzulande (& im Westen generell) afghanische Verhältnisse herrschten: Kleiderordnung, Ständeordnung, lokale Warlords, die sich bekriegten, Räuberbanden, Sklaverei und Hörigkeit, Körperstrafen, religiöse Fanatiker und Religionskriege, katastrophale hygienische Verhältnisse, Quacksalberei und Aberglauben, und ab und an eine Hungersnot – das Mittelalter ist noch nicht so lange her.

          • @Beweis
            „Ist aber die Frage, welche Fakten man bemüht.“

            1. Also ich würde die Lebensqualität als besten Indikator sehen, denn die würden auch die (religiösen Fanatiker unter den) Afghanen gerne verbessert sehen (aber, siehe 2.). Bevölkerungswachstum alleine ist wertlos und ohne technischen Fortschritt führte sie zu einer Hungersnot, was auch die Afghanen nicht wollen!

            2. Dass die (religiösen Fanatiker unter den) Afghanen etwas anderes für sich als besser ansehen, heißt nicht, dass es auch für sie besser ist, denn man kann sich darin auch irren. Diese Annahme beruht nämlich auf völlig falschen Annahmen (auf religiösem Schwachsinn) und aus Falschen folgt meistens Falsches. Weswegen sie das eigentlich auch nicht für sich als besser ansehen, sondern schlicht glauben, dass sie nicht besser leben dürften, weil sie sonst in der Hölle landen würden! Aber selbst, wenn letzteres nicht der Fall wäre: Es ist außerdem ein Irrtum anzunehmen, dass aus den eigenen Bedürfnissen schon ohne, dass man nachdenken müsste, folgen würde, was diese am besten befriedigt! Man kann also auch diesbezüglich tatsächlich irren.

            @Alex
            „Ich vermute mal ganz arg, dass auch Afghanen die Segnungen der Technik und Medizin sehr, sehr schätzen würden ….“

            Eben. Q.E.D. von 1.

          • @Renton
            „das Mittelalter ist noch nicht so lange her.“

            Das wäre ein weiterer Grund entschieden gegen die Taliban zu kämpfen. Denn damit bekämpfen wir auch unsere eigene Vergangenheit und lassen die noch weiter zurück … Die Vorstellung wäre ja unerträglich, fielen wir in die Zeiten des „finsteren Mittelalters“ zurück. Was soll dann aus der Menschheit werden? „Wer, wenn nicht wir?“

          • @beweis:

            Ist aber die Frage, welche Fakten man bemüht.

            Wie wärs mit humanistisch-aufgeklärten Grundsätzen? Wert des Lebens, individuelle Freiheit, demokratische Mitbestimmung usw?

            Wenn man einen Vogel nach seinem halben Leben aus dem Käfig verbannt – ist der dann glücklich?

            Daraus folgt allerdings nicht, dass Käfighaltung in irgendeiner Form besser oder auch nur gleichwertig ggü. dem Leben in der freien Natur wäre. Das wäre postmodern-relativistischer Unsinn.

            Der Punkt den du machst ist folgender: Es kommt auf die Geschwindigkeit der Veränderung an. Die Veränderung muss so langsam sein, dass die Situation immer kontrolliert und stabil ist. Das ist das Problem mit den naiven-woken „Progressiven“, die sehen die Welt nur statisch und lassen solche dynamischen Aspekte außer Acht.
            Aus diesem Grund lässt man Vögel ja auch nicht von heute auf morgen frei, sondern es gibt Auswilderungsprogramme wo das ganze unter Aufsicht und nach und nach passiert. Progressiv ohne Rücksicht auf die Veränderungsrate ist bullshit.

            Naiver Interventionismus funktioniert nicht. „Wir bringen euch jetzt die westliche Demokratie“ funktioniert nicht. Der relativistische Umkehrschluss „Westliche Demokratie ist nur eine (gleichberechtigte) Gesellschaftsform unter vielen“ ist aber natürlich auch Unsinn.

          • @pingpong

            Deswegen sollten wir die einfach in Ruhe lassen. Vielleicht haben sie ja irgendwann Bock auf humanistisch-aufgeklärte Grundsätze. Dann werden die das schon richten. Aber unsere Werte am Hindukusch „verteidigen“, ist im Grunde imperialistische Aggression.

            Ursprünglich stammt diese These ja aus der Vorstellung, dass die Taliban bei uns Terroristen einschleusen und dann 9/11 und solche Dinge abziehen. Das ist mittlerweile kein Thema mehr. Die werden jetzt sogar mit dem Shuttle hergebracht.
            Da würde ich mir als Taliban aber hämisch in meinen Zottelbart lachen.

          • @beweis:

            Deswegen sollten wir die einfach in Ruhe lassen.

            So einfach ist das leider auch wieder nicht. Wenn ich mitbekomme dass mein Nachbar seine Kinder und seine Frau misshandelt, dann habe ich durchaus eine moralisch-ethische Verantwortung einzugreifen.

            Die Frage ist: Wo liegt die Grenze zwischen naivem Internventionismus und berechtigtem Eingreifen? Nach welchen Kriterien kann man das entscheiden?

          • @pingpong

            Kannst du doch machen. Du kannst da mit ein paar Amazonen hinfliegen und den Talibaninnen nachts die Burkas klauen und verbrennen. Kannst auch versuchen, Grundgesetze, Bibeln und grüne Frauenstatute zu verteilen.

            Aber auf Staatsebene eine moralisch-ethische Verantwortung für jegliches Leid auf der Welt zu tragen, möchte ich mir als Staatsbürger verbitten. Der Staat hat sich primär um seine Staatsbürger zu kümmern.

          • @beweis:

            Warum so fatalistisch?

            Ich schrieb doch es ist nicht einfach. Ich habe die entsprechenden Fragen nur gestellt, nicht beantwortet. Ich weiß nicht wie die Antwort lautet.

            Aber auf Staatsebene eine moralisch-ethische Verantwortung für jegliches Leid auf der Welt zu tragen, möchte ich mir als Staatsbürger verbitten.

            So verkürzt und übertrieben ist die Antwort bestimmt nicht.

          • @Beweis Ich meine mich zu entsinnen da steht was von dem deutschen Volke und nicht dem „Staatsbürger“ auf nem Gebäude in Berlin.

            Papier ist ja schnell bekritzelt.

          • @Alex

            „Das wäre ein weiterer Grund entschieden gegen die Taliban zu kämpfen. Denn damit bekämpfen wir auch unsere eigene Vergangenheit und lassen die noch weiter zurück… Die Vorstellung wäre ja unerträglich, fielen wir in die Zeiten des „finsteren Mittelalters“ zurück.“

            Denk nochmal über das nach, was Du geschrieben hast. Was für ein hanebüchener Unfug!

            1. Ohne Zeitmaschinen kann man seine Vergangenheit nicht bekämpfen. Wir haben keine Zeitmaschinen.
            2. Wieso sollten wir ins Mittelalter zurückfallen, wenn die Taliban oder meinetwegen die Afghanen so leben? Wir haben die überfallen, nicht umgekehrt. Die sind keine Bedrohung für uns, auf jeden Fall nicht für unsere Zivilisation. Selbst wenn – wenn! – eine Handvoll Verbrecher mal von dort zu uns kommen und ein paar Anschläge verüben sollten.

            Echt ey. „Ein weiterer Grund entschieden gegen die Taliban zu kämpfen“ – genau dieser Missionierungsdrang hat uns zwanzig Jahre vergeblichen Krieg beschert. Und jetzt fängst Du schon wieder damit an?!?

  5. „Ist es eine faire Unterscheidung oder nicht?“

    Schwierige Frage.

    Es ist ganz klar sexistisch. Es ist ein Verstoß gegen die sonst immer an erster Stelle stehend Gleichberechtigung (oder manche machen daraus ja eine Gleichstellung) der Geschlechter. Dass dies aber nur da gefordert wird, wo es Frauen hilft, ist ja auch klar.

    Familien zu trennen finde ich auch sehr schwierig. Warum dann Mädchen und Frauen bevorzugt werden ist klar, denn bei der Kriegsführung gehört ja die sexuelle Misshandlung oft dazu. Ich weiß gar nicht, wie weit das nach dem WW2 für Deutschland aufgearbeitet wurde, aber das Ausmaß soll beachtlich sein (hat mir jemand hierzu einen Literaturhinweis?).
    Tatsache ist aber auch, dass Jungen und junge Männer ebenso nicht davor verschont werden vergewaltigt zu werden. Homosexualität und Islam passen zwar nicht zusammen, aber sie wird durchaus gelebt. Zudem muss sexueller Missbrauch von Männern in Kriegszeiten nicht unbedingt mit Homosexualität zusammenhängen, Stromkabel um die Testikel und eine Autobatterie machen jeden gefügig.

    Eine Folge für Töchter dürfte die Versklavung sein und oft dazu Schwangerschaften. Das ist für eine Frau extrem, dass sie ein Kind von einem Feind hat (Auch hierzu würden mich Zahlen aus dem Nachkriegsdeutschland interessieren) und die Vergewaltigung dazu. Allerdings schätze ich die Chance, dass Frau dies überlebt, höher ein, als die Überlebenschance eines jungen Mannes. Einfach weil die Frau gebraucht wird für weitere Bastarde, zur Sklavenarbeit und sie in Relation zum jungen Mann nicht ganz so gegen den Feind agiert, sondern zum Überleben mit ihm kooperiert. Männer sind da einfach unflexibler (oder wahlweise kämpferischer).

    Die Idee, Frauen als Kämpferinnen auszubilden und mit den Flüchtlingsströmen nach Europa zu schleußen, ist nicht abwegig. Die Taliban oder der IS sind nicht dumm, sie sind fanatisch. Und wie Fanatismus aussehen kann, erleben wir seit etlichen Jahren mit dem Feminismus und aktuell mit den Grüninnen (auch wenn dumm bei Baerbock…, ach lassen wir das).

    Für mich gewiss ist, dass Frauen in diesem „Krieg“ (ist es einer?) viel Leid ertragen werden, aber die Chance dies zu überleben höher sind. Männer dürften in ihrem Leid nicht minder getroffen sein und habe eine höhere Chance getötet zu werden. Auch weil Männer in der Verwaltung bzw. der Hierarchie in Staat und Gesellschaft höher angesiedelt sind und mehr Verantwortung tragen und sie aus diesen Positionen entfernt werden müssen. Frauen wird es da nicht anders gehen, aber die sind traditionell eher mit Wenigen davon betroffen (außer Quoten helfen sie in Positionen zu heben, wo es dann auch gefährlich werden kann). Im Kriegsfall wären Merkel, AKK und vdL auch mehr gefährdet als Boris Palmer.

    Insgesamt eine schwierige Frage, aber ich kann es verstehen, dass Töchter hier mitgenommen werden. Gut finde ich es nicht. Gerechter wäre es auch die jungen Männer/Söhne zu retten.

    • Frau Katrin Göring-Eckardt („Die Stimmungskanone im grünen Haubitzenlager“), geboren im thüringischen Städtchen Friedrichroda, bis zum 23. Lebensjahr DDR-Bürgerin, aktive evangelische Christin und Gründungsmitglied der in der DDR-Zeit entstandenen Gruppierung Demokratischer Aufbruch, hat dies doch sinnstiftend beantwortet: https://www.achgut.com/artikel/katrin_goering_eckardt_die_stimmungskanone_im_gruenen_haubitzenlager

      „Erst vor ein paar Wochen erklärte sie vor der Synode in Bremen, durch die Flüchtlinge werde Deutschland „religiöser, bunter, vielfältiger und jünger“; die Unternehmen bekämen nicht nur die „benötigten Fachkräfte“, es sei zudem „eine schöne Ironie der Geschichte“, dass Flüchtlinge künftig die Renten von Wählern der „Alternative für Deutschland“ bezahlen würden. „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt.“ Es gebe keinen Grund, Angst zu haben.“

      Das sollte deine „Bedenken“ doch ausräumen. Oder?

  6. Kanada nimmt schon seit langem keine alleinreisenden Männer als Flüchtlinge auf:

    https://www.theguardian.com/world/2015/nov/23/canada-syrian-refugee-resettlement-plan-no-single-men

    Ich halte das durchaus für eine sinnvolle Maßnahme (wie es bei den sog. „Ortskräften“ auszieht, darüber kann man streiten). 80% aller illegalen Migranten die nach Europa kommen, sind junge Männer, Frauen und Kinder nur sehr wenige. Erscheint mir logisch; keine muslimische Familie lässt ihre Töchter alleine ins Ausland reisen.

    Junge Männer stellen überall den Großteil der Straftäter, hinzu kommt der sexuelle Notstand im fremden Land, dessen Sprache man nicht spricht, der sie dann übergriffig werden lässt.

    In Deutschland besteht außerdem die Möglichkeit der Familienzusammenführung; das wissen die Migranten natürlich auch und schicken den Sohn, der dann später die Familie nachholen kann (auf Kosten der Deutschen).

  7. „Ist es eine faire Unterscheidung oder nicht?“

    Die Frage kann doch wohl nicht ernst gemeint sein?!? Die klare Antwort: Nein, ist es nicht!

    1. Männern droht generell die größere Gefahr. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, die meisten der durch die Taliban Ermordeten werden Männer sein. Wenn es um Schutz gehen soll, könnte man eher Frauen zurücklassen, die sind weniger gefährdet.

    2. Was das gerne bemühte Argument betrifft, dass Frauen dafür mehr von den Taliban unterdrückt werden als Männer, sage ich zweierlei: a. sind diese Frauen schonmal am Leben und b. ist das mal wieder typisch für Leute mit ausgeprägter Geschlechterempathielücke. Dürfen Männer bei den Taliban tanzen und Musik hören? Hatten die Taliban in den 90ern das Drachensteigenlassen, Afghanistan großteils von Männern ausgeübten Nationalsport, nicht verboten? Machen die Taliban den Männern keine Vorschriften? Es sind nicht genau die gleichen wie für Frauen, aber die, die behaupten, Frauen würden stärker unterdrückt, haben sich doch nie die Mühe gemacht, die Unterdrückung der Männer auch nur anzuschauen, um sie dann mit der der Frauen zu vergleichen. Macht das mal, unvoreingenommen, und berichtet dann von den Ergebnissen. Vorher nehme ich solche Behauptungen nicht ernst.

    3. Und dann gibt es noch die Furcht, sich Terroristen und Verbrecher ins Land zu holen. Das hat mit Fairness nichts zu tun, sondern mit dem eigenen Bedürfnis nach Sicherheit (was nichts Illegitimes ist). Wenn dann aber unverheiratete (warum eigentlich keine verheirateten? Weil da wieder eine weitere Familie dranhängt?) erwachsene Töchter ins Land gelassem werden, warne ich, dass man sich so mittelfristig das größere Problem erzeugt. Es sind die Mütter, die die mutmaßlich späteren Terroristen, ihre später in Deutschland geborenen Kinder nämlich, erziehen. Wem darauf einfällt: Aber, Renton! Wie wahrscheinlich ist es denn bitte, dass die Tochter eines mit dem Westen kooperierenden Ortskräftlers islamistisches Gedankengut hegt? Dem antworte ich, dass er sich mal fragen soll, wieso er die gleiche Überlegung nicht bezüglich der Söhne des Ortskräftlers anstellt.
    Wie wahrscheinlich ist es denn bitte, dass ein Kollaborateurssohn hier zum Terroristen wird?

    • Wie es so aussieht, werden die meisten Terroristen hier zu solchen gemacht. Zielgruppe sind ausgerechnet Halodris, Kleinkriminelle und Strauchdiebe, denen man versprechen kann, dass ihr radialreligiöses Engament sie instant in die Reihe der Rechtgläubigen versetzt, so wie ein tiefer Zug aus der Opiumpfeife sie in den siebten Himmel versetzt hatte.
      Wenn man sich nie dafür interessiert hat und immer weggegesehen, dann kann es sein, dass man in der Rezeption auf 9/11-Niveau stehengebleiben ist und Terroristen nur als „Schläfer“ begreifen kann, die vor langer, langer Zeit mal auf Mission geschickt wurden.

  8. Das kommt jetzt halt drauf an. Nach unseren Maßstäben ist das natürlich sexistisch. Wenn man aber Gründe für Asyl und die Regeln die man von den Taliban kennt berücksichtigt macht es Sinn.

    Im Regime der Taliban von vor 20 Jahren galt eine Frau nichts und brauchte einen männlichen Vormund. Wenn die Frauen ohne ihre Eltern oder Ehepartner in einem Afghanistan der Taliban gestrandet sind, kommen die natürlich nicht besonders weit. Also gibt es Gründe ihnen Asyl zu gewähren. Für Männer zwar auch zu einem gewissen Grad, aber nicht so sehr wie Frauen.

    • Stimmt schon, aber bedeutet im Prinzip, dass so ziemlich jede Frau aus Afghanistan asylberechtigt wäre. Es läuft dann auf ein „survival of the fittest“ hinaus. Wer es nach Deutschland oder sonst einen westlichen Staat schafft, der darf bleiben. Für alle anderen gilt: Pech gehabt.
      Hier zeigt sich auch, dass das Asylrecht in erster Linie dazu da ist, unser Gewissen zu beruhigen, denn es ist doch offensichtlich, dass nur ein winzig kleiner Teil der Asylberechtigten aufgenommen wird und das Asylrecht mehr Schein als Sein ist.

      • @Pjotr
        „das Asylrecht mehr Schein als Sein ist.“

        Ein Recht auf etwas zu haben, bedeutet noch lange nicht, dass der, der das Recht gewährt dieses allen denen hinterherzutragen hat, für die es gelten würde.

        Hier machst du genau den Denkfehler aus Rechten Pflichten zu machen, was zum Ersetzen der Gleichberechtigung durch die Gleichstellung führte. Diese Leute haben dann dementsprechend auch immer behauptet, dass die Gleichberechtigung „mehr Schein als Sein ist.“

  9. Pingback: Mörderischer BRD-sexismus des tages | Schwerdtfegr (beta)

  10. Ja, dass muss dieser Patriachat sein, der „auch“ Männern schadet.

    Angenommen, ein solchermaßen im sprichwörtlichen Stich gelassene Afghane kommt da einigermaßen aus der Nummer heraus. Welche Motivation könnte er wohl haben, irgendwas von „westlichen Werten“ hören zu wollen?

  11. Fair weil: Frauen ohne jegliche Familienangehörige dürfen in Afghanistan nicht mal auf die Straße.

    Die Männer kommen schon zurecht, wer sagt das sie den Taliban „beitreten“ müssen?! Das sind lediglich 50.000 Mopedfahrer mit Waffen, welche lediglich Wert auf den strengen Islam legen. 99% der Männer sind sowieso schon Muslime, für diese ändert sich so gut wie gar nichts.

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