„Man kann Interessen verhandeln, „Identität“ nicht.“

Mark schrieb in einem Kommentar:

ustig an der linken Identitätspolitik ist ja, dass dann vielfach Konservative oder Rechtsliberale davon profitierten:

Erste Frau an der Spitze in GB war Margaret Thatcher.
Erste Frau in Deutschland war Angela Merkel.
Erste Frau in Schweiz war eine Elisabeth Kopp (FDP – freisinnig demokratische Partei).

Diese Frauen fanden linke Identitätspolitik meist nicht süper! 🙂

Aber ich denke: Identitätspolitik mag sicherlich einen gewissen Nutzen haben, nur stellt sich die Frage, was ist der Unterschied zwischen Identitätspolitik und Interessenpolitik und ist Identitätspolitik tatsächlich besser als reine Interessenpolitik. Ich denke, reine Interessenpolitik dürfte mit weniger unerwünschten Nebenfolgen einhergehen als reine Identitätspolitik.

Das ist ja auch durchaus verständlich, wenn vielleicht auch nicht für diejenigen, die reine Identitätspolitik betreiben. Denn natürlich kommen in einer heterogenen Gruppe eher die nach oben, die Eigenschaften der Leute haben die bisher erfolgreich waren.

Crumar schrieb dazu in einem Kommentar:

Agentur Standardsatz erstens: Man kann Interessen verhandeln, „Identität“ nicht.
Dann zweitens: Individuen sind demzufolge gegenüber ihrer „Identität“ lediglich passiv – sie werden hineingezwungen, wie in eine Zwangsjacke.
Drittens und im engen Zusammenhang damit: Gruppen müssen eine „reine“ Ausprägung der jeweils eigenen „Identität“ aufweisen (wie wollen sie sich sonst von anderen „Identitäten“ abgrenzen. Sonst s. 2)?
Viertens, dahinter verbirgt sich ordinärer Biologismus, denn „Identität“ entsteht offensichtlich deterministisch aus biologischen Merkmalen (s. 3).
Fünftens, alle „Identitäten“ (s. 3) kämpfen um eine „fairen“ Anteil (an was auch immer) auf der Basis ihrer „Identität“ (s. 2).
Jetzt zurück zu Punkt 1.

Nur diese fünf Punkte zusammen und in Verbindung miteinander und man sieht sofort, das kann nur nach hinten losgehen.
So wie diese Politik Produkt einer sich fragmentierenden Gesellschaft ist, wirkt sie wie ein Brandbeschleuniger hin zum „Kampf aller gegen alle“.

Die Idee, dass man Identitäten nicht verhandeln kann finde ich interessant. Es erleichtert in der Tat die Abwehr von Forderungen, die eigene Position zu verändern: Ich bin, wie ich bin, ich kann es nicht ändern und man kann es auch nicht von mir verlangen.

Wobei das im Feminismus ja auch nicht konsequent wäre, denn die männliche Identität wird ja anscheinend als etwas gestaltbares angesehen, etwas was sich ändern kann und muss-

Die Theorie des „Strategischen Essentialismus“ zeigt ja auch, dass es ohne einen Biologismus geht, wobei mir diese Theorie auch eher eine theoretische Ausformung von etwas ist, die zwar eine Rechtfertigung sein mag, aber letztendlich nicht das ist, was das Denken bestimmt.

In der Tat ist es aber häufig ein Zwingen in eine bestimmte Identität, etwas, was viele Frauen und Männer eben gar nicht sein wollen und was eine radikale Minderheit bestimmt und mit so viel Tabus ausgestaltet, dass es dann tatsächlich zu einem gewissen Teil Einzug hält