Stereotyp-Genauigkeit: Leistungskurse bei Schülerinnen und Schülern

Ein interessanter Bericht:

Bei der Wahl der Leistungskurse für das Abitur bestätigen sich in Nordrhein-Westfalen weiterhin Klischees. Insgesamt erwarben 71.100 junge Leute im vergangenen Jahr ihr Abitur an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule in NRW.

So wählten 2020 fast 45 Prozent der Abiturientinnen Englisch und 41,7 Prozent Deutsch als Leistungskurs, wie das Statistische Landesamt (IT.NRW) am Donnerstag mitteilte.

Dagegen entschieden sich die männlichen Abiturienten am häufigsten für Mathematik (43,3 Prozent) als Leistungskurs. Englisch lag mit rund 36 Prozent bei den Jungen auf Platz zwei.

Bei den Abiturientinnen kam Mathe an dritter Stelle – 25 Prozent wählten das Fach als Leistungskurs. Insgesamt erwarben 71.100 junge Leute im vergangenen Jahr ihr Abitur an einem Gymnasium oder einer Gesamtschule in NRW.

Bei den Abiturientinnen lag Biologie als Leistungskurs auf Platz vier der Beliebtheitsskala (22,6 Prozent), gefolgt von Pädagogik (18,7 Prozent). Bei den männlichen Abiturienten kam Deutsch auf Platz drei (22,6 Prozent) und Erdkunde auf Platz vier (20,6 Prozent)

Also deutliche Überschneidungen in einigen Fächer, aber gleichzeitig auch deutliche Unterschiede, die auch gut zu den späteren Berufstätigkeiten passen.

32 Gedanken zu “Stereotyp-Genauigkeit: Leistungskurse bei Schülerinnen und Schülern

  1. Mich würden die Zahlen von vor 25 Jahren interessieren. Damals war die Wahl der LKs noch relativ frei (z.B. waren Bio/Chemie bzw. Franz./Pädagogik möglich).

    Seit einigen Jahren (15 ?) gibt es eine engere Wahl. So muss ein LK Mathe, Fremdsprache oder Deutsch sein. Da alle Englisch hatten, wird die Wahl der häufigsten LKs da eng.

      • Lt. Wikipedia in einigen Bundesländern, nämlich:

        „Pädagogik als Unterrichtsfach der gymnasialen Oberstufe wird an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland in den Bundesländern Bayern (Schulen), Baden-Württemberg (wenige Privatschulen), Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen unterrichtet. In allen anderen Bundesländern werden pädagogische Inhalte affinen Fächern zugeordnet oder in Sammelfächern (z. B. Sozialwissenschaften) unterrichtet.“

        https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4dagogikunterricht#Verbreitung_des_P%C3%A4dagogikunterrichts_in_Deutschland

        Und wenn ich mich recht an meine Schulzeit in NRW erinnere war das auch damals unter vielen Schülern ein belächeltes Fach.

        • Es ist echt nicht zu fassen. Wieso ist das ein Fach an einer Schule? Warum dann nicht auch Maschinenbau?
          Was ist denn an Pädagogik allgemeinbildend?

          • Rechtskunde wäre sinnvoll. Insbesondere Versicherungs- und Steuerrecht. Ein wenig Arbeits- und Verwaltungsrecht schadet auch nicht.

            Päda-LK gab es zumindest in NRW. Ich war Abi ’97.

  2. Die Einführung der wählbaren „Leistungskurse“ war grundlegend falsch; damit einhergehend wurde die Allgemeinbildung sträflich vernachlässigt, und der Grundstein für Fachidioten-Ausbildung gelegt.
    Das Niveau heutiger „Leistungskurse“ soll oftmals eine weiter fallende Tendenz aufweisen…(?)

    • Warum war das falsch? Ich gestehe dass ich als damit konfrontierter Schüler den Sinn der reformierten Oberstufe nicht verstand, all die komplizierten Pflicht- und Wahlpflichtregeln und das Punktesystem. Als ich dann in die Uni kam war der Sinn auf einen Schlag klar: Es ist das gleiche System, die Schule soll darauf vorbereiten.

      Im Detail kann man natürlich viel an Inhalten auszusetzen haben. Blöd ist auch dass das an sich schon komplizierte System ständig verändert wird, und unter verschiedenen Bundesländern nicht kompatibel ist.

      • Die vorrangige Aufgabe von Allgemeinbildenden Schulen (bis zum Abitur) sollte die Vermittlung einer bestmöglichen Allgemeinbildung sein, basierend auf den grundlegenden Erkenntnissen i.S d. Humboldtschen Bildungsideals.
        Die Führungsrolle, die Deutschland im Bereich der Wissenschaft und Forschung in der ersten Hälfte des 20-ten JH hatte, verdankte es nicht zuletzt diesen Grundlagen
        Die universitäre Spezialisierung kann auf umfassend-ganzheitliche Grundlagen gewinnbringend aufbauen.

        • Bis zur 10. oder 11. Klasse sollte man eigentlich genügend Allgemeinbildung gesammelt haben können, so dass eine etwas spezifischere Ausrichtung auf den angestrebten Berufsweg sinnvoll und von Vorteil ist.
          Wenn Fächer wie Deutsch, eine Fremdsprache, Mathematik zumindest als Grundkurs bis zum Abitur beibehalten werden müssen, ist die Allgemeinbildung nicht in Gefahr.

  3. So wählten 2020 fast 45 Prozent der Abiturientinnen… Dagegen entschieden sich die männlichen Abiturienten…

    Boah bei solch inkonsistenten Formulierungen möchte man einfach nur noch kotzen. Aber Gendern ist ja gut für alle.

    • mispel,

      was ist daran inkonsistent? Das hat absolut nichts mit Gendern zu tun, sondern ist im Gegenteil die exakt korrekte Anwendung der deutschen Sprache:

      „Abiturienten“: alle (generisches Maskulinum)
      „Abiturientinnen“: nur die weiblichen (weibliche Form)
      „männliche Abiturienten“: nur die männlichen (denn eine eigene spezifisch maskuline Form gibt es im Deutschen nicht)

      Wie hättest Du es denn geschrieben? Entgendert nach Pollatschek?

      B20

      • Da sieht man das Problem beim Generischen Maskulinum. Meint man nur den männlichen Teil einer Gruppe, muss man diesen mit einem Adjektiv konkretisieren. Von daher finde ich das Gendern gar nicht mal so schlimm. Mit Abiturient bin auch wirklich ich gemeint 😉

        • Du bist mit „Abiturient“ immer gemeint. Mit „männlicher Abiturient“ aber ausschließlich nur du im Sinne der männlichen Abiturienten.

          Die Krux liegt in der nicht ausschließlich für Männer bestimmten Formulierung beim generischen Maskulinum.

          „Abiturienter“ wäre die“ gendergerechte “ männliche Form.

          • Ich finde es nun mal „zum Kotzen“, wenn Sprache immer beliebiger wird (und Rechtschreibung nebenbei bemerkt immer schlechter) und sich einer Ideologie beugen muss, nur weil sich irgendwelche Leute „offended“ fühlen. Ich bin ein Freund klarer Sprache und guten Ausdrucks. Sprache sollte nicht auch noch zu einem Werkzeug der Selbstdarstellung werden, mit dem andere Menschen ausgegrenzt werden sollen.

          • „Sprache sollte nicht auch noch zu einem Werkzeug der Selbstdarstellung werden, mit dem andere Menschen ausgegrenzt werden sollen.“

            Sprache war immer – und wird immer sein – ein Weg, auf dem Gruppenmitglieder sich untereinander erkennen. Die Basis von „My Fair Lady“ ist weder veraltet, noch hält es es lediglich die Lower Classes aus den Upper Classes fern, sondern ebenfalls andersrum.
            Jede Gruppe bildet einen Jargon aus.
            Und dass „einfache“ Leute versuchen, jene nachzuäffen, die sie als Elite ansehen, ist auch unvermeidbar.

            Mein Problem mit der Genderei ist lediglich, dass unsere Gesellschaft sich so entwickelt hat, dass Leute, die vom Schweinehüten konzeptionell überfordert wären, es geschafft haben, in die politische und mediale Elitekreise vorzudringen und dort jetzt den Ton mitzubestimmen.

            Wären die Gender Studies eine Wissenschaft, würden sie untersuchen, welchen Zusammenhang es zwischen Frauenförderung und Kompetenzverlust gibt.
            Da sie es nicht sind, können wir nur mutmaßen, ob das ein wesentlicher Faktor ist oder ob Gesellschaften in Friedenszeiten schlichtweg immer einen Weg finden, dekadent und imkompetent zu werden.

          • Sprache war immer – und wird immer sein – ein Weg, auf dem Gruppenmitglieder sich untereinander erkennen.

            Das stimmt. Bei der Genderei ist es nur zusätzlich noch so, dass es medial und politisch propagiert wird, was der ganzen Sache einen totalitären Charakter gibt.

          • Sicher, Genderei ist ein Gessler-Hut. Arrogante, zu totalitärem Denken („La Verité c’est MOI“) neigende Idioten wollen andere zu einer Demutsgeste zwingen.

            Pink ist das neue Braun.

            Aber manchmal ist schlampige Sprache rund um Genus einfach nur schlampige Sprache rund um Genus 😉

  4. Ist natürlich nicht umspannend. Aber interessanter ist ggf., wie sich die für Abiturient*innen meist relevanteren letzten Bildungsgänge an den Unis darstellen. In Architektur, Mathematik, Internationale Wirtschaft und Management, Biotechnologie, Wirtschaftsrecht, sowie Zahnmedizin und Humanmedizin, aber gerade auch in den staatsorganisatorisch einflussreichen harten Studiengängen wie Rechts- und Verwaltungswissenschaft stellen Frauen mittlerweile die Mehrheit.

    Eine männliche Dominanz gibt es nur noch in den Bereichen Informatik, Ingenieurwesen, Physik sowie bei technischen Studiengängen zu Allem, was fliegt, fährt, bohrt, schwimmt.

    DAX-Vorstände rekrutieren sich vor allem aus BWL-Absolventen, wo mittlerweile fast ein Geschlechterverhältnis von 50:50 in den Studiengängen vorliegt. Abgeordnete sowie Entscheider*innen in der Exekutive sind mit großer Mehrheit juristisch ausgebildet. Dort ist die bedeutende Mehrheit im Studiengang bereits weiblich.

    • Am Ende nutzen Frauen halt doch am liebsten die Hochschule als Heiratsbörse und das Studium als Dummy im Lebenslauf damit das Party-Leben nicht so auffällt 😉

    • Wiki: „Unter Dominanz versteht man in der Biologie und in der Anthropologie, dass ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen gegenüber einem anderen Individuum bzw. einer Gruppe einen höheren sozialen Status hat, worauf letzteres unterwürfig reagiert.“

      Dieses Wort wurde von Feministinnen missbraucht, um hier eine falsches Verhältnis zu behaupten. Nur weil irgendwo ein Geschlecht oder Hautfarbe in der Unterzahl ist, hat diese Gruppe nicht gleich einen niedrigeren sozialen Status. Und grundsätzlich werden Frauen in unseren Breitengraden eh erstmal als höherwertig angesehen.

  5. In NRW gibt es noch Leistungskurse? In Bayern wurden die schon vor zwanzig Jahren oder so mit Einführung des G8 leider abgeschafft (i.e. für die damaligen Fünftklässler – der letzte Abiturjahrgang mit Kollegstufe war IIRC 2011).
    Pädagogik oder Erdkunde als Leistungskursfächer gab es aber nicht – Erdkunde nur als Grundkurs und Pädagogik überhaupt nicht.

    Wenn ich im Folgenden ein paar Erinnerungen an die Gepfogenheiten meiner Kollegstufenzeit nenne, dann soweit ich das noch im Kopf habe. Kann sein, dass mein Gedächtnis mich hin und wieder trügt. Also ohne Gewähr und vorbehaltlich Irrtümern meinerseits.

    Von zwei Leistungskursen musste mindestens einer eine Fremdsprache (E, L, F), Mathematik oder Physik sein. Beim zweiten gab es außerdem die Fächer Deutsch, Biologie, Wirtschaft/Recht, und Geschichte/Sozialkunde. Die Kombination Deutsch-Biologie war ebenfalls zulässig, und wurde von all denen gewählt, die nicht so richtig wussten, was sie machen sollten. Wirtschaft/Recht war insbesondere bei jenen beliebt, die zwar einen Favoriten beim ersten Leistungskurs hatten, aber keine Präferenz für den zweiten.
    Häufige Kombinationen waren demnach D-B, E-F, E-WR, M-WR und M-Ph.

    In meinem Jahrgang waren wir so 90 bis 100 Kollegiaten. Daraus wurde über eine Formel die Anzahl der einzurichtenden Leistungskurse berechnet.
    Einige Fächer gab es dann als Leistungskurs doppelt, andere nur einfach.

    An unserem neusprachlichen Gymnasium kam nicht jedes Jahr ein Physik-LK zustande. Wenn es ihn gab, dann manchmal mit gar keinem, meistens einem, oder ausnahmsweise zwei Mädchen (das war, solange ich das verfolgt habe, nur in meinem Jahrgang so – ich habe mich mit der anderen zwar gut verstanden, sie schlug aber später (nach Abbruch eines technischen Studiums) einen ganz anderen Berufsweg ein).
    Mit 15 oder 16 Kursteilnehmern war es für meine Schule ein sehr großer Physik-LK. Wenn Physik nicht zustande gekommen wäre, hätte ich vermutlich Englisch stattdessen gewählt.
    Von mindestens drei der Jungs im Physik-LK weiß ich, dass sie später ebenfalls Physik studierten – allerdings erst ein Jahr nach mir wg. Bund.

    In Mathematik gab es zwei Leistungskurse. So etwa ein Viertel dürften Mädchen gewesen sein.
    Durch die Kombination mit dem anderen Leistungskurs ergab es sich, dass beide Kurse recht unterschiedliches Niveau hatten.
    Es muss ein oder zwei Ausnahmen gegeben haben, aber im Prinzip fanden sich in dem einen Kurs die Schüler, die tatsächlich Neigung zu Mathematik hatten, während es im anderen Kurs diejenigen waren, für die Mathe als Leistungskursfach eher das kleinste aller Übel war (wer sprachlich nicht begabt war, dem blieb kaum etwas anderes übrig – zumal die andere mögliche Alternative Physik nun wirklich kein Ausweichfach ist).

    • „Mathe als Leistungskursfach eher das kleinste aller Übel“

      Wichtiger Punkt. Das gilt im Prinzip allgemein, meines Wissens aber besonders häufig für Mädchen in Mathe-LKs.

      Dies führt immer wieder zu Fehlinterpretationen von Statistiken, wieviele Mädchen MINT-Fächer gewählt haben und wie gut deren Noten waren. Ich kenne selber einige Fälle aus meinem Bekanntenkreis, wo sie Mathe wegen des äußeren Zwangs gewählt haben und sich auch brav hindurchgekämpft haben, zugleich aber NULL Interesse am Fach hatten. Nach dem Abi zählt nur noch das Interesse, und dann wird irgendwas mit Sprachen und Pädagogik gewählt, Bestenfalls Mathe-Lehrer.

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