Welche Philosophen/Sozialwissenschaftler sind für die Geschlechterdebatte wichtig bzw von Bedeutung und warum?

Da der Blog hier häufig ja etwas biologielastig ist dachte ich ich frage einfach mal nach, welche Philosophen bzw Sozialwissenschaftler man sich näher anschauen sollte bzw welches für ein Verständnis der Geschlechterdebatte sinnvoll sind.

Schön wäre eine Darlegung warum dies der Fall ist.

38 Gedanken zu “Welche Philosophen/Sozialwissenschaftler sind für die Geschlechterdebatte wichtig bzw von Bedeutung und warum?

  1. Ich staune immer, dass die postmodernen Feministen (vielleicht unbewusst) von Nietzsche beeinflusst sind, der schrieb ja immerhin „Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht“.
    ;-)))

    • „Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht“.
      Wer die Fleischpeitsche vergisst, der verliert auf jeden Fall. 😀

      Aber ich würde Nietzsche auch als einen der wichtigsten Vordenker der MGTOW betrachten. Ich halte seine Arbeiten für essenziell im Bereich der menschlichen Motivation und dem Gottverständnis. Gerade letzteres ist in Zeiten der Identitätspolitik und der aufkommenden Woken Religion sehr wichtig.

    • Das glaube ich nicht. Staatstheorie und Staatsphilosophie waren und sind prägend für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Christian ist besessen von der „Wirkmächtigkeit“ biologischer Umstände, aber in dieser Hinsicht steht er oft im Schilf. Man kann gesellschaftliche Entwicklungen nicht auf die Biologie runterbrechen, das erklärt so gut wie gar nichts, genau so wenig, wie die physikalischen Gesetze geeignet sind, den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu erklären.

      • @Pjotr
        „Man kann gesellschaftliche Entwicklungen nicht auf die Biologie runterbrechen…“

        Das wurde schon mehrfach behauptet, aber nicht begründet. Dabei stimmt es. Oder besser gesagt: „Man kann gesellschaftliche Entwicklungen nicht auf die Evolutionsgesetze nicht intelligenter Arten runterbrechen…“
        Das liegt daran, dass ein großes Gehirn nicht nur intelligenter ist, sondern auch mehr Informationen aufnehmen und somit mehr lernen kann. Und das Gelernte hat natürlich Einfluss – und mehr Gelerntes somit entsprechend mehr -, sonst wäre es nutzlos (und es heißt ja in der Evolution „Use it or lose it“). Lernen wiederum hat den evolutionären Vorteil, eine viel schnellere Anpassung des Verhaltens an veränderte Umstände zu ermöglichen als die die Evolution selbst kann. Außerdem nutzt Intelligenz nichts, wenn man durch sie gewonnene neue Erkenntnisse nicht abspeichern kann und Gelerntes nicht als Basis für intelligentes Verhalten dienen kann, sondern nur Instinkte.
        Daher:
        Gesellschaftliche Entwicklungen = evolutionäre Basis + Umweltbedingungen (einschließlich vorhandener Ideen)
        Evolutionär vorteilhaft ist dabei, was unter den gegebenen Umständen (also in Kombination mit der Umwelt, einschließlich vorhandener Ideen) ein selektionsvorteilhaftes Verhalten bewirkt.

        PS: Ich fackele hier keinen Strohmann ab, da zwar niemand im Ernst von 100% genetischem Einfluss ausgeht, aber hier wird oft die Umwelt zu sehr vernachlässigt als ob sie vernachlässigbar (d.h. < 10% oder so) wäre.

    • Muss ich wohl mal lesen. Leider komm ich mit theoretischen Büchern nicht so voran. Camille Paglia „Die Masken der Sexualität“ steht auch nur halb gelesen im Regal. Obwohl ich sie sehr schätze.

  2. Ich bin einer der größten Philosophen und Sozialwissenschaftler aller Zeiten.

    Die Beschäftigung mit meinen Ansichten ist vor allem deshalb sinnvoll, weil ich dem Destruktivitätsbiologismus entsage und diesen deutlich kritisiere. Auf der anderen Seite zeige ich deutlich, warum unsere Geschlechtlichkeit zu 100% biologisch bedingt ist.

    Die menschliche Destruktivität hat ihre Ursache in traumatischen Kindheitserfahrungen, die gleichwohl von vielen Menschen bagatellisiert und rationalisiert werden.

    Man kann die Biologie also durchaus sinnvoll integrieren, ohne in einen albernen, vorsintflutlichen Destruktivitätsbiologismus zu verfallen, der die Geschichtlichkeit von Individuen ignoriert.

    Wie sehr traumatische Kindheitserfahrungen das Leben und Handeln beeinflussen, könnte man verstehen, wenn man sich mal ernsthaft mit diversen Biografien auseinandersetzen würde.

    Mit mir sollte man sich auch deshalb beschäftigen, weil ich besonders gut dazu in der Lage bin, den Ideologiecharakter vieler Denkansätze und Argumentationsfiguren herauszuarbeiten.

    Siehe meinen Text zu Sigrid Schmitz auf:

    http://gender-ideologie.de (im Bereich „Artikel“)

    Des weiteren lesenswert:

    http://alice-miller.com/de

    PS: Es gibt auch einen Destruktivitätssozialismus, der vor allem bei Linken und Marxisten beliebt ist. Auch sie ignorieren die Geschichtlichkeit von Individuen und führen destruktives Verhalten auf Armut und soziale Mißstände zurück, obwohl es nachweislich auch unzählige Menschen gibt, die zwar arm sind, aber nicht kriminell, drogensüchtig etc. Auch Wohlhabende werden mitunter kriminell oder drogensüchtig oder schlagen ihre Kinder.

    Der entscheidende Faktor ist die Humanität, die man als Kind erfahren hat – oder sich nachträglich selbst erarbeitet.

    PPS: Ganz allgemein sollte man etablierten Denkern möglichst wenig Respekt entgegen bringen. Da es sich bei deren Lehren in aller Regel um verschiedene Schulen der Abwehr handelt. Es handelt sich in der Regel um recht willkürliche Konstruktionen, deren Attraktivität aber darin besteht, die traurige allgegenwärtige Wahrheit der Kindesmißhandlung auszublenden.

  3. obwohl es nachweislich auch unzählige Menschen gibt, die zwar arm sind, aber nicht kriminell, drogensüchtig etc

    Ebenso gibt es unzählige Menschen, die in ihrer Kindheit traumatische Erfahrung durchgemacht haben. Irgendwo habe ich sogar gehört, dass ALLE Menschen als Kinder traumatische Erlebnisse haben, kannst du dir das vorstellen?

    Trotzdem sind unzählige Menschen als Erwachsene nicht kriminell, werden nicht drogensüchtig, oder schlagen nicht ihre Kinder. Aufmerksame Beobachter sollen sogar festgestellt haben, dass Eltern ihre Kinder in der Regel sehr lieben – ja wirklich, man glaubt es kaum!

    Und nun? Jetzt sind wir keinen Schritt klüger. Das ist eben das Problem mit so windelweichen und unspezifischen Theorien.

    • Ja, sehe ich auch so. Diskursverluderung (s.o.) ist somit schon irgendwie ein interessantes neues Wort, das hier auch passen könnte.

    • @Pingpong

      Du gehörst leider zu den Leuten, die nicht die geringste Ahnung von dem Thema haben und sich mal seriös damit auseinandersetzen sollten.

      Die von dir genannten „Argumente“ sind allesamt keine sowie völlig hanebüchen.

      Bin immer wieder schockiert, wie extrem dumm sich die Leute stellen.

      „Traumatische Kindheitserfahrungen“ kann zum Beispiel sehr viel bedeuten. Da gibt es riesige Unterschiede.

      Bitte nimm’s mir nicht übel, aber du hast nicht die geringste Ahnung von dem Thema. Kann man ändern, indem man z.B. Bücher von Alice Miller liest.

      Psychologischer Analphabetismus.

      • Bitte nimm’s mir nicht übel, aber du hast nicht die geringste Ahnung von dem Thema. Kann man ändern, indem man z.B. Bücher von Alice Miller liest.

        Was steht da drin? Dass „traumatische Kindheitserfahrungen“ sehr viel bedeuten kann? Wieso sollte mich das interessieren? „Liberal“, „Modern“, populistisch“, „Nazi“, „Rassist“ usw. kann auch sehr viel bedeuten. Deswegen sind Diskussionen in denen diese Begriffe eine zentrale Rolle spielen auch immer so, ähm, „faszinierend“ 😉

        Also bitte nimm’s mir nicht übel, aber ich warte lieber auf djadmoros Rezension 🙂

        Wenn du meinst dass es sehr wichtig ist dann sag konkret was es bedeuten soll und lass das herumwieseln.

    • Sehr gute Zusammenfassung der bekannten Abwehrmechanismen. Du wirfst am Ende die Frage auf, wie man da überhaupt noch weiterkommen kann. Hierzu fand ich das Buch „How to Have Impossible Conversations: A Very Practical Guide (Peter Boghossian & James Lindsay) sehr gut.

  4. Der soziologische Klassiker zum Thema ist sicherlich Georg Simmel (1858-1918), zum Beispiel der Sammelband Schriften zur Philosophie und Soziologie der Geschlechter.

    Aus der Einleitung der Herausgeber:

    »Der Wert und die Stärke der hier versammelten Aufsätze Simmels liegen … nicht so sehr in der letzten theoretischen Formulierung einer Soziologie der Geschlechter (wie sie vor allem die späteren erkennen lassen) als vielmehr im Phänomenologischen: der (oft erstmaligen) Analyse sozialer Mikroprozesse in den Erscheinungen z. B. der Koketterie, Liebe und Prostitution im Zusammenhang sozialer Institutionen und Rahmenbedingungen wie etwa derjenigen der Universität, der Verwandtenehe und des Militarismus.« (S.8)

    In theoretischer Hinsicht lautet Simmels (auf die moderne bürgerliche Gesellschaft bezogene) Kernthese, dass Männer stärker durch soziale und berufliche Differenzierung und Spezialisierung geprägt sind, während Frauen psychisch und intellektuell weniger differenziert seien, was er in Vorwegnahme des modernen Differenzfeminismus aber eher als Vorzug wertet – man kann das als Variante der These von der geringeren weiblichen Entfremdung in der Moderne lesen.

    Der Schlusssatz von »Das Relative und das Absolute im Geschlechter-Problem« (1911):

    »(A)uf der einen Seite steht das Männliche als Absolutes, das mehr als Männliches ist, das die Objektivität, die um den Preis des Dualismus gewonnene normative Höhe über aller Subjektivität und aller Gegensätzlichkeit bedeutet – auf der anderen das Weibliche als Absolutes, das mehr als Weibliches ist, das die Einheit des menschlichen Wesens, gleichsam noch vor der Trennung in Subjekt und Objekt, in substanzieller, ruhender Geschlossenheit trägt.« (S.223)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.