Hannah Wettig: „Von identitätspolitischen Strebern, die Professorinnen gefallen wollen“

Leser PG13 wies in den Kommentaren auf einen interessanten Artikel von Hannah Wettig, früher bei der Mädchenmannschaft aktiv, zu den intersektionalen Theorien hin

Es gibt viele Namen: „Identitätspolitik“, „intersektionaler Feminismus“, „Critical Whiteness“, „Woke“ – und abwertend „Cancel Culture“ oder „Islam-Linke“. Davon war viel in den vergangenen Wochen in den Medien zu lesen. Die Begriffe werden in den Medien mehr oder weniger synonym verwendet. Das sind sie zwar nicht, aber auch ich werde das erst einmal tun und später differenzieren.

Als Grüne sind wir schon etwas früher mit dem Phänomen konfrontiert worden, zumindest in einigen Landesverbänden. In Berlin stellten etwa ältere Semester bei der letzten Frauenvollversammlung erstaunt fest, dass sie sich dem intersektionalen Feminismus verschreiben sollten und fragten, was das denn überhaupt sei.

Dass eine neue Ideologie so wirkmächtig auftritt und unbedingtes Mitmachen einfordert, während die Masse der Bevölkerung und sogar ein Großteil der politisch Tätigen noch gar nichts davon gehört hat, gehört zu den Besonderheiten dieser Strömung. Das führt zu den meist diskutierten Problemen dieser Entwicklung: Immer wieder werden Menschen aufs Schärfste attackiert für etwas, was sie gesagt haben, haben aber nicht den blassesten Schimmer, was daran eigentlich schlimm war.

Das ist in der Tat sicherlich für viele ein plötzliches Problem, weil die Basis, gerade die Älteren, von den Theorien gar nichts mitbekommen haben, es gar nicht so einfach ist, dass plötzlich zu verstehen, um was es eigentlich geht, aber für Fehler plötzlich aufs schärfste angegriffen zu werden.

Ich war damit zum ersten Mal vor neun Jahren konfrontiert. Damals schrieb ich für den feministischen Blog Mädchenmannschaft. Zur Feier des fünfjährigen Jubiläums waren alle Berliner Mitstreiterinnen aufgefordert, Workshops anzubieten. Ich bot an, etwas über Frauen in der ägyptischen Revolution zu machen. Das wurde begrüßt. Als ich aber zu der Veranstaltung kam, spürte ich Abweisung: Andere Bloggerinnen schnitten mich. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht und meinen Workshop durchgeführt. Keine der anderen Bloggerinnen nahm daran teil. Vier bis fünf Tage später nahm mich eine Bloggerin, die nicht in Berlin wohnte, also nicht auf der Veranstaltung gewesen war, in Kopie auf den internen Verteiler. Sie schrieb: Was ihr mit Hannah macht, ist Stalinismus. Ihr habt sie nicht einmal informiert, geschweige denn angehört zu den Vorwürfen. Deshalb leite ich das jetzt an sie weiter.

Ich las eine ellenlange hitzige Diskussion der letzten Tage. Daraus erfuhr ich, dass ich auf der Website in einem großen Artikel angeprangert wurde. Ich sollte mich öffentlich entschuldigen und meine weiße Position reflektieren. Mein Haupt-Vergehen: Ich hatte als weiß Positionierte über People of Color gesprochen. Sprich: ich hatte genau das getan, was ich angekündigt hatte und was sie begrüßt hatten: über Frauen in der ägyptischen Revolution berichtet.

Außerdem wurden mir noch ein paar andere Kleinigkeiten vorgeworfen, die auf Hören-Sagen beruhten – wie gesagt: Keine war bei dem Workshop gewesen. Meine Verteidigung, die Diskussion im Workshop sei ganz anders verlaufen, als sie es behaupteten, wurde beantwortet mit: „Du willst Dich also nicht kritisch mit Deinem Verhalten auseinandersetzen.“

In der Folge verließ die Hälfte der Bloggerinnen das Kollektiv, weil sie den Umgang mit mir einfach nur verrückt fanden. Die taz und die Jungle World berichteten darüber. Sie interpretierten das Ganze als Richtungsstreit. Ich hatte aber etwas anderes erlebt. Es ging nicht um unterschiedliche politische Positionen. Wir hatten gar keine politische Debatte geführt. Das Ganze war ein kafkaesker Prozess. Es ging um Macht, nicht um Inhalte.

Ich hatte diese Streitigkeiten in der Mädchenmannschaft schon mal aufgegriffen:

Die „Gegensicht“ der intersektionalen Feministinnen zwar nicht genau zu ihrem Vortrag aber zu Vorfällen aus dem Jubiläum findet sich hier und ich wollte sie eigentlich schon immer mal besprechen. Ich zitiere aber einfach mal aus dem Text:

Auf dem Podium saßen Julia Brilling für Hollaback!BLN, Dr. Daniele G. Daude für Bühnenwatch und Sandra Steinitz für Sl*twalk Berlin (im Folgenden benannt mit SW bzw. SW Berlin). Moderiert werden sollte das Podium von Anna-Sarah von der Mädchenmannschaft (MM).

Nach der Vorstellung der Initiativen durch die Podiumsteilnehmerinnen äußerten Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling mehrfach Kritik am Umgang der SW-Organisator_innen mit den aktuellen Blackface- und Niqab-Vorfällen auf dem SW Berlin 2012, bezogen sich dabei auch konkret auf die Debatte bei Facebook, die am Tag der MM-Veranstaltung ein besonderes Ausmaß an Zurschaustellung weißer Überlegenheitsgesten und Rassismusverharmlosung erreichte (eine entsprechende Contentwarnung gilt für den verlinkten Facebook-Thread). Kritik wurde von beiden auch am Umgang der SW-Orga mit den Kritiken aus dem vergangenen Jahr geäußert, es ging z.B. um die Problematik der Aneignung des Wortes ‚Sl*t‘ (‚Schl*mp*‘), weiterhin um produzierte Ausschlüsse und die Ignoranz diesen gegenüber.

Sandra Steinitz verstrickte sich in Rechtfertigungsversuche und derailte die von Dr. Daniele G. Daude und Julia Brilling geäußerte Kritik, Unmut von Teilnehmer_innen of Color und von wenigen weiß positionierten Teilnehmer_innen aus dem Publikum folgte, sowie weiterhin Kritik von Julia Brilling und Dr. Daniele G. Daude an konkreten Aussagen von Sandra Steinitz.

Im Publikum gaben sich vier bis fünf weiß Positionierte als Organisator_innen von SW Berlin zu erkennen und skandalisierten den Diskussionsverlauf, ebenfalls mit Rechtfertigungen, Abwehrhaltung und Derailing, zum Teil mit Umkehrungsrhetoriken. Julia Brilling und Dr. Daniele G. Daude reagierten, ebenso Teilnehmer_innen of Color und wenige weiß positionierte Teilnehmer_innen.

Anna-Sarah lenkte die Debatte auf ein neues Thema, doch die anwesenden SW-Organisator_innen kommentierten weiter das zuvor Gesagte und unterbrachen mehrfach. Sabine stand auf und wies eine der Organisator_innen zurecht.

Die Organisator_innen von SW Berlin äußerten sich wiederholt rassistisch und reproduzierten weiße Dominanz und Abwehr. Einige Teilnehmer_innen of Color verließen den Raum.

Nach einem Signal von und Verständigung mit Sabine stoppte Magda den Verlauf der Podiumsdiskussion mit dem Verweis, dass gerade Women of Color den Raum verlassen haben und ein Weitermachen keinen Sinn ergäbe. Ein_e Teilnehmer_in kritisierte, dass Betroffene den Raum verlassen müssen und nicht die Sl*twalk-Organisator_innen. Nach der Beendigung der Podiumsdiskussion verließ die SW-Orga den Raum besonders sicht- und hörbar, indem sie sich zudem gegenseitig Mitleid aussprachen für die „schlimme Situation“.

Hintergrund waren ua (spätere?) Femen-Aktivistinnen, unter anderem Zana Ramadami, die schwarz angemalt am Slutwalk teilgenommen hatten:

Die intersektionalen Feministinnen fanden das natürlich fürchterlich, die restlichen Feministinnen anscheinend nicht so bewegend, insbesondere wollten sie über ganz andere Sachen reden und haben gar nicht verstanden, warum sich darüber so aufgeregt wird. Sie wollten darüber reden, wie man das Patriarchat besiegt, die intersektionalen Feministinnen wollten ihnen vorhalten, warum ihr Aktivismus „Nicht gut genug“ ist und damit falsch. Die damaligen Feministinnen dachten wahrscheinlich „Warum greifen die uns so an, wir wollen doch die Welt besser machen und sollten alle zusammen halten“ oder etwas in der Art. Aber das intersektionale Programm hätte Demutsgesten erfordert, Einsicht falsch gehandelt zu haben, Distanzierung und die Mitteilung, dass man aus den Fehlern lehren wird und in Zukunft solche Sachen unterbinden wird und auf PoCs hören wird, wenn diese Kritik üben. Dann hätte man den PoCs die Bühne geben müssen, damit sie sagen was richtig ist.

Dazu dienten neue Sprach- und Verhaltensregeln des politisch Korrekten. Da wurden Wörter gebraucht, die ich überhaupt nicht kannte. Und das, obwohl ich immer politisch aktiv war und das genau in diesen Subkulturen. Immerhin war ich Teil dieses feministischen Kollektivs gewesen, hatte mich aber in den Monaten zuvor nicht an Diskussion beteiligt, weil ich in den arabischen Revolutionen unterwegs gewesen war. In nur wenigen Monaten hatte eine Clique das Kollektiv übernommen, die nun einforderte, dass wir uns an neue Regeln hielten und die bestimmten, wie Feminismus zu sein habe.

Das man sich dort so einfach hat vertreiben lassen finde ich immer noch faszinierend. Immerhin war die Mädchenmannschaft ja das „Kind“ der älteren Feministinnen und sie hätten auch klarstellen können, dass die intersektionalen Feministinnen zu gehen haben und ihre eigene Seite aufmachen können, wenn ihnen das nicht passt.
Aber meine Vermutung ist, dass die andere Seite einfach viel zu aggressiv aufgetreten ist und man dem wenig entgegen zu setzen hatte und die intersektionalen Feministinnen auch gar nicht eingesehen hätten, dass man sie rauswirft.
Letztendlich hat das gleichzeitig dem Blog Mädchenmannschaft nachhaltig geschadet, dort erscheinen quasi keine interessanten Artikel mehr und der Blog dürfte – vermutlich zu Gunsten des Missy Magazins – erheblich an Leserschaft verloren haben.

Ich begann mich im Freundeskreis umzuhören, ob jemand schon mal etwas von dieser neuen Strömung gehört hatte. Und hörte viele dramatische Geschichten. Damals handelte es sich aber eindeutig noch um eine Strömung in kleinen linken Subkulturen. Linke Subkulturen hatten in ihrer Geschichte häufig Sprachregeln, die man nicht unbedingt von außen nachvollziehen konnte. Sie hatten auch häufig einen rigiden Umgang mit Abweichlern. Trotzdem fiel mir schon damals auf, dass es ein paar bemerkenswerte Unterschiede zu vorherigen Praxen gab.

Die Umstellung damals war auch aus meiner Sicht deutlich, aber immerhin hat sie indirekt auch diesen Blog ins Leben gerufen, denn erst mit dem Auftreten der intersektionalen Theorien ging die Diskussionskultur bei der Mädchenmannschaft vollends den Bach runter. Vorher war da – wenn auch eingeschränkt – durchaus noch kritisches erlaubt, aber mit dem Erstarken der intersektionalen Theorien wurde immer mehr geblockt bis man quasi keine Möglichkeit zum diskutieren mehr hatte.

Es findet gar keine Debatte mehr statt

Auch wir Grünen kennen aus unserer Geschichte denunziatorische Attacken auf den politischen Gegner und auch auf die eigenen Mitstreiter. Die erste Bundestagsfraktion der Grünen soll sich geradezu zerfleischt haben in Richtungskämpfen. Junge Menschen, die die Welt verändern wollen, gehen zuweilen gnadenlos gegen die Altvorderen vor, die das nicht wollen. Wir können das falsch finden. Aber es ist nun mal so und es war schon immer so. Aber hier ist etwas anders. Darum will ich zunächst auf die Praxis eingehen – und dann erst auf die Probleme mit der Theorie.

Es findet gar keine Debatte mehr statt. Es wird mit größter Vehemenz angegriffen: Die Attacke wird oft gegen etwas Symbolisches geführt. Es geht um Wörter, aber auch um Kleidung, Haarstil, Essen, Karnevalskostüme, Dreadlocks, das Zubereiten von exotischen Speisen durch Weiße.

In der Tat ist es eines der Probleme der intersektionalen Theorien, dass nicht mehr diskutiert wird. Das ist gleichzeitig seine Stärke. Denn sein Auftreten als dogmatische und fanatische Religion, die alle Ketzer angreift erlaubt eben nur ein Dafür oder ein Dagegen sein, und wer dagegen ist, der fliegt raus.

Wer damit in solchen Gefilden überleben will, der muss sich anpassen – mit Gegenwehr kommt er nicht sehr weit, wenn erst einmal diese Theorien genug Fuß gefasst haben. Er wird als Rassist und Sexist beschimpft werden und jeder, der ihm zur Seite steht gleich mit. Die Angriffe sind dabei in der Tat oft an Kleinigkeiten aufgehangen, wenn man es nicht aus dogmatischer Sicht sieht, es gibt dort eben kein Leben und Leben lassen, wer das zulässt ist ebenfalls Feind.

Ich habe große Sympathien für rebellierende junge Menschen. Darum habe ich in den vergangenen Jahren, wenn mich solche jungen Menschen bei Vorträgen angriffen, immer das Gespräch mit ihnen gesucht – und sie gebeten, mir zu erklären, warum das Wort, was ich verwendet hatte oder meine Position problematisch beziehungsweise rassistisch seien. Es kamen Phrasen und Glaubenssätze, viele Gefühle oder behauptete Gefühle von irgendjemand anderem, aber keine Argumente, jedenfalls keine, die der logischen Struktur meiner Argumente ähnelten. Ich finde das sehr anstrengend. Ich muss sagen, ich diskutiere lieber mit einem Betonkopf-Marxisten-Leninisten, obwohl ich deren Positionen furchtbar finde, aber sie bringen wenigstens Argumente, die man kontern kann.

Das ist eine nette Zusammenfassung, an der sicherlich einiges Wahres ist, wobei es interessant wäre, was sie selbst als logische Struktur ansieht. Aber in der Tat können viele dort überhaupt nicht diskutieren, weil Glauben keine Diskussion erfordert, ja dadurch sogar erschwert wird. Es ist ein Costly Signal einfach zu glauben und zu akzeptieren und eine gewisse Unlogik macht dieses Signal der Gruppenzugehörigkeit sogar stärker.

Vor ein paar Jahren habe ich für die Emma junge Feministinnen interviewt, die sich gegen diese Art der Identitätspolitik wenden. Sie erzählten mir von ihren Erfahrungen in der Szene. Was ich besonders bemerkenswert fand: Sie erzählten, dass viele jungen Feministinnen vor allem Modemagazine lesen und politische Diskussionen langweilig finden. Darüber musste ich lange nachdenken: Dieselben Frauen, die Professoren wütend wegen angeblich rassistischer Äußerungen niederbrüllen, interessieren sich gar nicht für Politik in ihrer Freizeit? Wie kann das sein?

Das wäre ja durchaus eine interessante Sache: Intersektionale Theorien als Lifestyle, der eine wirkliche Auseinandersetzung gar nicht mehr erforderlich macht. Wer glaubt, der muss nicht diskutieren. Wenn Rassismus und Sexismus allmächtig sind und die Privilegierten die Verantwortung dafür tragen diese Mißstände zu beseitigen, dann kann man als Frau auch Modemagazine lesen. Wenn alles, jeder Bereich, auch politisch ist, dann ist auch die Mode politisch und Modemagazine, etwa mit Unisexartikeln oder woken Modeln sind auch Politik

Dazu müssen wir uns die Herkunft dieser Ideologie anschauen; nicht die originäre Herkunft, sondern den Weg, wie sie in unsere Gesellschaft gekommen ist. Es sind Theorien, die in der Universität gelehrt werden, insbesondere in den Gender Studies. Dort werden sie zuweilen als rigide Glaubenssätze gelehrt. So erzählte mir etwa eine junge Feministin, die an der Humboldt-Universität in Berlin studiert hat, dass sie in ihrem ersten Semester scharf von der Dozentin zurechtgewiesen wurde, als sie auf die Frage, ob man einen Text von Roland Barth lesen dürfe, in dem das Wort „Neger“ vorkam, mit „ja“ geantwortet und das auch begründet hatte. Die Art, wie sie heruntergeputzt wurde, hat auch den anderen im Seminar Eindruck gemacht. Sie erzählte mir: „Du musst Dir vorstellen, da kommen einige aus der deutschen Provinz. Die wissen gar nicht, wie ihnen geschieht. Die kuschen oder gehen in die innere Emigration.“ Es wird also eingebimst und auswendig gelernt, nicht diskutiert. Keineswegs sind die Glaubenssätze, die hier in Deutschland von Vertreterinnen dieser Theorien vorgebracht werden, Ergebnis eines zivilgesellschaftlichen Prozesses, wie behauptet wird. Sondern sie sind von oben oktroyiert. Darum vermisst man auch zuweilen einen Bezug zur Realität.

Es bleibt auch nichts anderes als auswendig zu lernen, eine Diskussion kann allenfalls über Feinheiten aufkommen, aber auch dort ist es schwierig, weil Diskussion gerade Zweifel und Unstimmigkeit bedeutet.

Das spielt auch eine Rolle für unsere Arbeit als Grüne. Ein Beispiel aus einem Kreisverband: Einige junge Mitglieder hatten für das Wahlprogramm ein ganzes Kapitel zu Postkolonialismus geschrieben, unter anderem forderten sie, dass umgehend alle Straßennamen mit kolonialem Bezug umbenannt werden müssten. An sich ist das ein absolut unterstützenswertes Anliegen, was wohl jede grüne Fraktion gern umsetzen würde. Die Fraktion ist also sämtliche Straßennamen des Ortes durchgegangen. Sie hat keinen einzigen mit kolonialem Bezug gefunden. Die Autor*innen des Kapitels kannten auch keinen.

Das ist eine nette Anekdote. Was muss das frustrierend gewesen sein, dass da tatsächlich kein Name vorhanden war, etwas was man einfach vorausgesetzt hatte. Dabei wäre es so ein schön vorzeigbarer Aktivismus gewesen, mit dem man super seine woke Einstellung hätte darlegen können.

Aus solchen Erfahrungen lässt sich der böse Schluss ziehen: Die jungen Leute, die hier so scharfe Attacken führen, sind überhaupt keine rebellierende Jugend, die wütend darüber ist, dass echte Probleme immer noch nicht behoben sind. Es sind vielmehr Streber, die die Lehrsätze ihrer Professorinnen nachplappern. Deshalb wohl kommt es zu teilweise völlig absurd anmutenden Angriffen. Wenn etwa Menschen mit Dreadlocks attackiert werden oder eine grüne Spitzenkandidatin dafür, dass sie als Kind Indianerhäuptling werden wollte, dann liegt das nicht daran, dass die politische Linke in Deutschland keine Themen mehr hat, wie das konservative Feuilleton behauptet. Sondern es liegt mitunter daran, dass eifrige Schüler eine 1 bekommen wollen.

Das ist eine schöne Darstellung der „Call Out Culture“. Ich hatte ja hier schon einmal anhand einer Fußballmetapher dargestellt, dass sich im intersektionalen Feminismus die Spielregeln geändert haben: Wo es vorher auf das Torschiessen angekommen ist gibt es jetzt eben Punkte dafür, dass man darauf hinweist, dass der eigene Mitspieler zu wenig zu schwarzen Mitspielern abspielt, und das unabhängig davon, ob damit eher ein Tor erzielt wird oder nicht.

Es gibt eben Virtue Signalling Punkte für solche Aktionen, und gerade dafür, dass man auf Fehler anderer hinweist.

Hintergründe der Identitätspolitik: Zugrundeliegende Theorien

Aber es gibt auch die, die darüber Macht ausüben. Dafür sind solche Glaubenssätze, vor allem wenn ihre Auslegung willkürlich ist, besonders gut geeignet. Professorinnen können so andere Professorinnen wegbeißen, Politikerinnen andere Politikerinnen usw.

Macht ist über die intersektionalen Theorien in der Tat recht einfach auszuüben. Es gibt bestimmten Personen eben das Recht herablassend von oben die Wahrheit zu verkünden und das mit einer gewissen Unangreifbarkeit. Es ist kein Wunder, dass einige das ausnutzen.

Die Theorien, auf denen das ganze fußt, sind hingegen teilweise gar nicht so dumm. Und es gibt auch viele junge Menschen, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen, Bücher lesen und darüber nachdenken. Die sollten wir nicht in einen Topf schmeißen. Solche kenne ich auch. Die sind allerdings in der Lage zu argumentieren und meist finden wir, dass wir gar nicht so weit auseinander liegen wie bei anderen Begrifflichkeiten.

Die Identitätspolitik geht zurück auf TheoretikerInnen der 1980er und 90er Jahre. Dem Philosophen Michel Foucault ging es um die Anerkennung sexueller Identitäten. Er selbst war schwul. Viele postkoloniale AutorInnen zeigten sehr richtig die Marginalisierung anderer Kulturen und Wissensproduktion auf. Dabei gingen sie davon aus, dass Identitäten konstruiert sind – durch Fremd- und Eigenzuschreibungen. Einiges davon kann essentialistisch interpretiert werden, als sei Identität statisch, wie es heute geschieht. Aber nur, wenn man Sätze aus dem Kontext greift, also das Buch nicht gelesen hat.

Die Philosophin Judith Butler wiederum behauptete, dass die Binarität der Geschlechter konstruiert sei, die Unterscheidung von Männern und Frauen durch ständige Performance, also das erlernte Verhalten, aufrechterhalten wird. Als ich das als Studentin gelesen habe, habe ich das nicht so verstanden, dass es keine Geschlechtsunterschiede gibt, sondern dass die Bedeutung, die wir ihnen zumessen, in Frage steht. Inzwischen muss man allerdings sagen, dass Judith Butler ihre eigene Theorie ad absurdum führt, wenn sie die Burka verteidigt.

Das sind die Anfänge, die allerdings im Laufe der Zeit immer unwichtiger wurden und von denen allenfalls noch Grundkonzepte übernommen worden sind. Es ist eine „ideologische Reduzierung“ eingetreten, die den Unterbau weitestgehend uninteressant in der täglichen Praxis macht, weil die Reduzierung weitaus simplerer Regeln bereit stellt, auf die man sich berufen kann.

Zum gleichen Zeitpunkt, aber in Deutschland damals relativ unbeachtet, entwickelte die Juraprofessorin Kimberly Crenshaw den Ansatz der „Critical Race Theory“ und des Intersektionalismus. Die Idee dafür beruht auf einem realen Fall: Bei General Motors klagten schwarze Frauen dagegen, dass sie bei Einstellungen diskriminiert würden. Das Gericht wies die Klage ab. Es argumentierte, dass bei General Motors viele Frauen arbeiten und daher offensichtlich Frauen nicht diskriminiert würden. Auch arbeiteten dort viele Schwarze, also würden auch Schwarze nicht diskriminiert. Tatsächlich waren aber alle Frauen, die dort arbeiteten, weiße, zum Beispiel Sekretärinnen. Die Schwarzen waren alle Männer, die in der Fabrik arbeiteten.

Kimberly Crenshaw befand, dass sich Diskriminierungen also nicht einfach addierten. Von der einfachen Addition von Diskriminierungen geht etwa der Triple-Oppression-Ansatz aus, der damals in der Linken en vogue war. Crenshaw zeigte, dass schwarze Frauen nicht einerseits als Schwarze und andererseits als Frauen diskriminiert würden, sondern dass sie spezifisch als schwarze Frauen diskriminiert wurden.

Der ursprüngliche intersektionale Ansatz wurde ebenfalls stark reduziert. Ging es ursprünglich noch darum, dass man hinterfragen musste, wie bestimmte mögliche Diskriminierungen zusammen spielen gibt es jetzt ein relativ einfaches Schema, in dem in jeder Kategorie bestimmte Gegensatzpaare von Unterdrückt und Privilegiert gebildet werden und verlangt wird, dass in allen Kategorien alle „Diskriminierungen“ unterlassen werden. Das Zusammenspiel dieser ist inzwischen keine große Sache mehr.

Das ist zweifellos eine wichtige Erkenntnis. Und auch die Methode, die daraus hervorging, nämlich in jeder Situation zu schauen, wie sich Mehrfach-Diskriminierungen auswirken, ist in den Sozialwissenschaften absolut sinnvoll. Aber es ist eben nur eine Methode für die Sozialwissenschaften, die Sozialpädagogik oder was auch immer. Es ist keine politische Theorie, keine Gesellschaftsanalyse. Es eignet sich anders als beispielsweise der Marxismus nicht, um daraus politische Gesamtkonzepte abzuleiten. Es wird aber heute so eingesetzt, und das führt zu den vielen Absurditäten, die wir erleben.

Ich habe etwas den Eindruck als hat sie die intersektionalen Theorien noch nicht ganz verstanden. Vermutlich hat sie versucht Grundlagentexte zu lesen, aber die ideologische Reduzierung dieser eben außen vor gelassen.

Die soziale Frage spielt eine untergeordnete Rolle

Warum es keine Gesellschaftsanalyse ist und wenn es als solche eingesetzt wird, in keinster Weise progressiv ist, lässt sich am Beispiel der sozialen Frage am deutlichsten zeigen. Es gilt aber für andere Bereiche genauso. Die soziale Frage spielt in der Identitätspolitik und im Intersektionalismus eine untergeordnete Rolle. Das ist auch nicht verwunderlich, denn dafür sind sie nicht entwickelt worden. Viele Poststrukturalisten, zu denen etwa auch Foucault gehörte, sahen sich als Marxisten oder Post-Marxisten. Aber politische Ökonomie war nicht ihr Untersuchungsgegenstand. Für den Intersektionalismus und die Critical-Whiteness-Theorie gilt, dass sie in den USA entwickelt wurden. Und in den USA tut man sich generell schwer mit der sozialen Frage.

Das ist ja in der Tat auch ein häufiger Vorwurf: Die Klassenfrage spielt in der Tat keine Rolle mehr. Dies eben, weil Klasse etwas wäre, was die anderen Bereiche durchbrechen würde und die ideologische Reduzierung erschweren würde.

Es geht gerade darum, dass man eine einfache Einteilung nach Gruppen hat: Wer Schwarz, weiblich, Homosexuell etc ist, der ist unterdrückt. Deswegen geht es ihm schlechter. Die weiße Unterschicht aufgrund von Klasse aus dieser klaren Welt herausnehmen zu müssen würde vieles erschweren. Das Bild würde an Klarheit verlieren, ohne das man davon einen ideologischen Vorteil hätte. Dazu ist Klasse auch zu wenig greifbar, das weiße Arbeiterkind zu wenig eindeutig einzuordnen. Klasse stört schlicht die so schön aufgebauten Feindbilder.

Das verweist übrigens auf ein weiteres Problem, das ich kurz ansprechen möchte: Viele der Glaubenssätze, die nun kursieren, kommen aus den USA und sind, da es eben keine Debatten gibt, eins zu eins übernommen worden. Sie passen aber gar nicht für unsere Gesellschaft. Ein Beispiel ist etwa der Indianerhäuptling. Es gibt wohl kaum eine Kultur, die natürlich wie die meisten Kulturen absolut konstruiert ist, die in Deutschland so positiv gesehen wird wie die Indianer-Kultur. Ob daher die Verwendung des Wortes in gleicher Weise zu verurteilen ist wie in den USA, darüber müsste erst einmal diskutiert werden.

Auch das ist in der Tat richtig und auch hier schon diskutiert worden. Es wurden amerikanische Probleme übernommen, die hier nur schwer zu übertragen sind. In Deutschland beispielsweise gibt es eine Tradition polnischer und rumänischer Niedriglohnarbeiter, die aber weiß sind. Zudem gibt es auch bereits vieles, was man in Amerika erst fordert, beispielsweise ein funktionierendes Sozialsystem, Krankenkassen, freien Zugang zu Universitäten, weit weniger private Schulen (wenn auch „Problemschulen“) etc.

Manches macht Sinn vor dem Hintergrund der amerikanischen Geschichte, wie der Begriff der Cultural Appropriation, der kulturellen Aneignung, wenn man sich etwa die Geschichte des amerikanischen Blues anschaut. In Deutschland aber hat niemand den Schwarzen den Blues geklaut und damit viel Geld gemacht. Im Gegenteil. Das Spielen von sogenannter „Negermusik“ war Widerstand gegen die Nazis und später auch in der DDR subversiv. Das sollte wohl anders bewertet werden.

In der Tat gab es in Deutschland zwar eine gewisse Kolonialgeschichte, aber eben keine Sklaverei in dem Sinne, wie es sie in Amerika gab. Es gab weitaus eher freiwillige Zuwanderung, etwa aus Italien, Griechenland und der Türkei. Die Rassenkonflikte verlaufen gänzlich anders als in den USA.

Da nun aber diese Theorien wie Gesellschaftsanalysen gehandelt werden, gab es immer wieder Kritik daran, dass die soziale Frage nicht auftaucht. Die Vertreterinnen dieser Theorien führen nun die Kategorie des Klassismus auf. Also es gibt Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus und viele andere Diskriminierungen.

Klassismus beschreibt die Diskriminierung von Menschen unterer Schichten. Diese Diskriminierung soll aufgehoben werden wie die anderen Diskriminierungen auch. In der Konsequenz heißt das, dass das Arbeiterkind dieselben Chancen haben soll Millionär zu werden wie das Millionärskind. Aber dass es Arbeiter gibt und Millionäre, wird in diesem Ansatz nicht kritisiert und auch gar nicht analysiert.

Identitätspolitik und Intersektionalismus können Diskriminierungen nur beschreiben. Damit können sie zu ihrem Abbau beitragen. Aber gesellschaftliche Strukturen, dahinterliegende materielle Verhältnisse, fassen sie nicht an. Darum sind sie politisch nur bedingt brauchbar.

Da werden die intersektionalen Feministen widersprechen, sie sehen ihre ideologische Reduzierung eben als ein alles erklärendes Modell an, welches keine weitere Aufklärung benötigt. Es ist in sich geschlossen und die Ermittlung weiterer Gründe als „Die sind Priviligiert und die nicht, also müssen die nur ihre Privilegien abgeben“ braucht man nicht um die Strukturen zu ändern. Im Gegenteil: In der Aufklärung weiterer Faktoren steckt dann ein Angriff auf die eigentlichen Thesen und vielleicht sogar eine Schuldzuweisung an die Unterdrückten.

Brauchbar ist die Methode zur Überprüfung der eigenen Position. Wir sollten uns als politische Menschen immer fragen, ob wir etwas überhaupt beurteilen können und was die Basis unserer Erkenntnis ist. Ich weiß nicht, wie Eltern ohne Hochschulabschluss jetzt mit dem Digitalunterricht klarkommen. Ich kann es mir vorstellen, kann Studien darüber lesen, aber es bleibt immer ein Rest, die Ängste, die Ohnmacht, die damit einhergehen, den ich nicht erfassen kann.

Dass der Diskriminierte seine Situation besser erfassen kann, beschreibt schon Hegel in seiner Dialektik von Herr und Knecht. Es ist daher richtig, dass die Änderung der Verhältnisse damit beginnen muss, die Betroffenen zu hören und ernst zu nehmen. Es ist aber eine Verballhornung dieser Erkenntnis, wenn man nun meint, Weiße dürften gar nichts mehr dazu sagen. In der Konsequenz würde es übrigens dazu führen, dass die Chancen, Rassismus und Ungerechtigkeiten abzubauen, deutlich sinken dürften.

Das ist in der Tat wenig durchdacht, was hier auch schon Gegenstand von Artikeln war

Ich glaube übrigens, dass es einigen Protagonistinnen genau darum geht: Sie wollen Rassismus nicht bekämpfen, sondern präservieren. Wozu sollten sie denn sonst forschen? Aber das ist ein anderes Thema.

Hehe. Netter Seitenhieb und durchaus richtig.

65 Gedanken zu “Hannah Wettig: „Von identitätspolitischen Strebern, die Professorinnen gefallen wollen“

  1. Selbst schuld. Diese Trulla beschwert sich letztlich nur darüber, dass sie den Anschluss an den üblichen linken Jargon verloren hat. Sie hat das ja jahrelang mitgetragen. Aber diese Ausgrenzung ist dann doch zuviel. Aus einem einzigen Grund: es betraf sie selbst. Eine von den Guten….

    • Diese Einschätzung finde ich ein wenig ungerecht. Denn sie bringt ja doch eine Reihe von guten Punkten. Ihr Motiv für diese „Abrechnung“ mag gewesen sein, was Du vermutest („dass sie den Anschluss an den üblichen linken Jargon verloren hat“). Aber dadurch werden ihre Punkte – sofern korrekt – ja nicht hinfällig.

      • Natürlich hat sie recht mit der Diagnose der aktuellen Spinnerinnen.
        Dennoch übersieht sie, dass es eben gerade ihre Gruppe und auch sicher ihr Verhalten war, dass diese Entwicklung möglich gemacht hat.
        Natürlich ist es Schadenfreude. Aber es ist ja nicht so, dass mit den Feministinnen der Mädchenmannschaft vorher eine Diskussion möglich war. Das bestand aus Glaubenssätzen und eben dem passenden Jargon ansonsten warst du nicht diskursfähig. Das auch heute immer wieder geforderte männliche Bekenntnis zum Feminismus ist da ein Symptom. Ich bin mir sicher, davon würde sie genauso wenig abrücken wie vom Frauenstatut der Grünen, gegen das sie sicher weder opponiert noch gestimmt hat.

  2. Die sollen sich mal Gegenseitig ordentlich fertigmachen. Das Einzige, was man noch dazu überlegen müsste ist, wie man in den Konflikt mehr Öl gießen kann, ohne selbst zur Zielscheibe zu werden. Ich finde es toll, wenn solche widerlichen Gruppen sich selbst zerfleischen und hoffe, dass sie auch bei der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich sein werden. Schließlich geht es gegen den inneren Feind.
    Das Schöne ist, dass es Sekten immer so geht, egal aus welcher Richtung sie kommen und solange bei den Hühnern kein Hahn auftaucht der für Ruhe sorgt (darf ja nicht mehr) wird der Konflikt immer weiter gehen. Die feministischen Kapaune werden jedenfalls nicht für Ruhe sorgen können.

  3. Der Trick bei der Sache ist, immer moralisch eine Stufe höher zu stehen als alle anderen. Wenn du gegen den Verschleierungszwang muslimischer Frauen bist, stehst du noch auf dem Niveau der Aufklärung (Recht auf individuelle Selbstbestimmung gegen religiösen Zwang). Die Aufklärung ist aber selber längst als repressives westliches Denken entlarvt worden, es gibt keine individuellen Rechte, die für alle Menschen gelten, jede Kultur hat ihre eigenen Vorstellungen. Wie die Betroffenen selber das sehen, ist egal, denn der kulturrelativistische Standpunkt ist der moralisch höhere.

    Ebenso bei „Cultural Appropriation“. Nach meiner Erfahrung sind Menschen aller Kulturen (außer vielleicht der islamischen) erfreut, wenn Fremde sich für ihre Kultur interessieren und versuchen, sich Teile davon anzueignen. Wenn du nach Spanien kommst und versuchst, Spanisch mit den Einheimischen zu sprechen (auch und vielleicht besonders wenn es nur sehr unvollkommen geschieht), sind sie ausnahmslos erfreut und behandeln dich zuvorkommender. Aber egal, als Deutscher sich Teile der spanischen Kultur anzueignen, ist nach der herrschenden Lehre unmoralisch und stellt einen verbotenen Übergriff dar.

  4. Weiß positionierte Teilnehmer_innen. Mehr muss man eigentlich nicht lesen, um zu verstehen, wie vollkommen abgedreht die sind.

    Wahrscheinlich stehen die vorm Spiegel und fühlen sich als People of Colour in einem widerlichen weißen Körper und dürfen sich nicht mal Dreadlocks machen, weil kulturelle Aneignung.

  5. „Das Ganze war ein kafkaesker Prozess. Es ging um Macht, nicht um Inhalte.“

    Trashing the Sistahood, seit 1968. Das ist weder neu noch überraschend, der sogenannte Intersektionalismus. Die hier genannten Personen haben den nicht erfunden, sondern lange nach der praktischen Einführung lediglich darüber theoretisiert.

    Seltsam, seltsam, diese Theorieschwäche der extremen Linken an dieser Stelle. Wenn´s drauf ankommt, dann sind´s eben nur revolutionäre Schlagetods, die ihren Manie nachträglich und notdürftig rationalisieren. Und daher wirkt das dann auch so intellektuell unterbelichtet. Obwohl das noch geschmeichelt ist, der Intersektionalismus ist schierer Antiintellektualismus der krassesten Sorte.

    Und das liegt bestimmt daran, dass er im Wesentlichen Antisemitismus ist. Als gäbe es nicht die 100 Jahre Geschichte, wie dieser die politische Rechte geprägt hat. Und jetzt sieht die Linke gelassen und geradezu apathisch zu, wie sie von diesem Wahn aufgefressen wird. Mann-o-Mann. Oder besser gesagt Frau-o-Frau.

      • Ich kenne niemanden, der nicht als Kind mißhandelt wurde. Und die Zusammenhänge sind auch mehr als offensichtlich.

        Aber es gibt genug Ignoranten auf dieser Welt, die glauben, daß Phänomene wie Sucht, Kriminalität, politische Gewaltanwendung, Adipositas, Anorexie, unzählige psychische Erkrankungen, Gewalt gegen Kinder einfach so in die Welt kommen. Adipöse haben halt noch nicht genug Nährwertampeln gelesen.

        Die oben genannten und noch weit mehr Phänomene betreffen so gut wie jeden Menschen.

        Das kann man natürlich leugnen. Damit verhindert man aber den Fortschritt und diskreditiert sich als seriöser Diskutant. Der Zusammenhang von destruktivem Handeln und verdrängten traumatischen Kindheitserfahrungen ist mitterlweile nun vieltausendfach nachgewiesen worden. Dazu müßte man sich mit dem Thema aber auch mal ernsthaft auseinandersetzen.

        http://alice-miller.com/de

        PS: Bei Alex ist leider tatsächlich ein Antisemitismusfetisch festzustellen. Also man sollte diesen Vorwurf nur da formulieren, wo er auch wasserdicht ist, nicht als Allerweltswerkzeug. Denn das machen Linke ja auch exzessiv.

        • „Ich kenne niemanden, der nicht als Kind mißhandelt wurde.“

          Das beweist doch, dass Kindesmissbrauch Heterosexualität verursacht.

          • (Editiert: bitte sachlich bleiben)

            Keine sachliche Auseinandersetzung, stattdessen dümmliche Polemik.

            Hast du eigentlich mal einen Text auf der Seite von Alice Miller gelesen?

            Vom geistigen Niveau unterscheidest du dich nicht von diesen Gender-Zombies und Feministinnen, wie sie im obigen Beitrag geschildert werden.

            Du hast offenbar ein Problem mit meiner These von der Pathologie der Homo- und Transsexualität. Dann solltest du dich damit auseinandersetzen, warum du vor dieser Wahrheit eine derartige Angst hast. Und warum du offenbar all die offensichtlichen Indizien, die für diese These sprechen, ignorierst.

          • „Dann solltest du dich damit auseinandersetzen, warum du vor dieser Wahrheit eine derartige Angst hast“

            =

            „Du kritisierst mich, das kann nur bedeuten, dass du Angst hast vor dem, was ich sage“

            Wo war doch gleich der Unterschied zwischen gbdalt+ und einer Wald- und Wiesenfeministin?

          • @El_Mocho:

            Das war ich. Ich habe auch schon angefangen zu lesen (»Am Anfang war Erziehung«), aber es wird noch ein bißchen dauern, bis ich durch bin und einen Text dazu liefern kann.

          • @GbdAk

            Ich hab eigentlich nur deine „Logik“ verarscht. Du behauptest:

            „A verursacht X“.

            Wir überprüfen nun:

            1. A kommt sowohl bei X wie auch bei nicht-X vor. Das ist das zwar keine Widerlegung, aber deine Begründung ist über die Wupper.

            2. Es gibt X, für die nicht-A gilt. Damit ist deine Behauptung eindeutig widerlegt.

            Das hab ich dir schon mehrmals in verschiedener Form aufs Butterbrot geschmiert. Jedesmal blickst du es nicht, sondern pöbelst nur rum. Das ist sehr lustig, weitermachen!

        • Ich kenne niemanden, der nicht als Kind mißhandelt wurde. Und die Zusammenhänge sind auch mehr als offensichtlich.

          Das bezieht Dich ja offensichtlich mit ein.
          Vielleicht solltest Du dämliches Arschloch mal über Dein kaputtest Umfeld und Deine brutalen Eltern reflektieren, anstatt hier kackdreist und ohne jede Grundlage den Eltern aller anderen Menschen zu unterstellen, sie seien Kindesmisshandler. Mich z.B. hat man definitiv nicht misshandelt, sondern ganz im Gegenteil auf jede Art gefördert, an der ich Interesse gezeigt habe. Weswegen ich auch im Gegensatz zu Dir keine fixen Ideen und Wahnvorstellungen entwickelt habe.

          • Aus so einer Antwort schließe ich übrigens, daß auch du als Kind mißhandelt wurdest.

            Mißhandlungen können auch rein psychischer Natur sein – ohne Schläge, ohne sexuellen Mißbrauch. Du scheinst dich sehr sehr wenig mit dem Thema auszukennen. Und daß du deine Eltern so schön verteidigst, ist wirklich rührend. Die haben dich bestimmt ganz wunderbar behandelt.

            Ich habe oben genug Formen destruktiven Verhaltens aufgelistet. Ich kann mir kaum vorstellen, daß nichts davon auf dich zutrifft.. Die obigen Formen und vieles mehr treffen ungefähr auf 99,9% der Menschen zu.

            Und auch Anorak hat mit seinem Kommentar mal wieder gezeigt, daß hier offenbar in psychologischer Hinsicht viele Nichtsblicker unterwegs sind. Ist schon erschreckend dieser Zynismus und diese totale Weigerung, halbwegs solide zu denken.

          • Du hast echt gewaltig einen an der Murmel. Und das schlimme ist ja nicht einmal, dass Du Tag für Tag die selbe hirnschreddernde Idiotie in jeden Thread ejakulierst, sondern dass Du sie trotz jahrelangen, ach was, inzwischen jahrzehntelangen vernichtenden Widerspruchs von jedem einzelnen Menschen, der sich je die Mühe gemacht hat, Dir zu antworten nicht nur wieder und wieder schreibst sondern auch noch ernst meinst.

            Ansonsten: Schöne Immunisierungsstrategie die Du da entwickelt hast: Beleglos behaupten, alle seien misshandelt worden, und wenn sie das Gegenteil behaupten, ist das der untrügliche Beweis, dass sie sogar so stark misshandelt worden, dass sie die Misshandlung leugnen. Das Schema kommt mir vage bekannt vor…. woher nur?

            Mal ganz abgesehen davon, dass Deine Argumentation „alle seien misshandelt“ worden, schon logisch gewaltig krankt: Wenn alle das täten, wäre das der Normalfall und man würde sich über Leute lustig machen, die ihre Kinder NICHT misshandeln. Dass Du misshandelt worden bist, glaube ich allerdings sofort, sofern bei Dir kein zu unheilbaren/m Wahnvorstellungen bzw. Realitätsverlust führender genetischer Defekt vorliegt. Und zwar sowohl physisch und psychisch gleichermaßen in strafrechtlicher relevanter Weise.

            Meine laienhaften Einschätzung nach bist Du ein Fall für die geschlossene Psychiatrie (Jesus und der Geist von Frau Miller stimmen mir da übrigens zu, lies mal deren Sachen ganz genau!).

          • Die Editierfunktion im Default-WP ist echt Mist.
            Und die Vorschaufunktion ist nur unwesentlich besser 😉

            @Christian
            Gibt es ohne Self-Hosting wirklich keine WP-Addons mit denen man dergleichen nicht mit vertretbarem Aufwand hinbekommen kann? Oder kann man irgendwie dabei helfen, dafür spenden falls so etwas auf WP.com kostenpflichtig ist, oder so? Nur 5 Minuten Zeitfenster, basierend auf z.B. Session-Cookies und/oder IP-Adresse reiche(t)n doch schon. Mir passieren insbesondere nebenbei auf dem Sofa/in der Bahn usw. auf kleinen Mobilgeräten ohne richtiges Keyboard dauernd Flüchtigkeitsfehler, aber ein mich ohne Gegenmaßnahme ohnehin schon zu überwachen versuchendes Gerät auf Stimmerkennung (am besten noch mittels „Cloud“) zu trainieren kommt erst recht nicht in Frage, schon gar nicht wenn ich in aller Öffentlichkeit „diktieren“ müsste. Zumal die Ergebnisse davon, wie man hier gelegentlich „bewundern“ darf, oft auch unfreiwillig komisch bis komplett sinnentstellend sind.

          • @Seb

            Mit jedem neuen Post von dir kann ich mir eindrücklicher vorstellen, wie liebe- und respektvoll du von deinen Eltern als Kind behandelt worden sein mußt. Du hast sicherlich keine traumatischen Verletzungen als Kind erfahren.

            Aber mal eine andere Frage: Niemand wird ja dazu gezwungen, sich ungesund zu ernähren, zu rauchen oder zu trinken. Wie erklärst du dir, daß Menschen sich freiwillig so vollfressen, daß sie adipös werden?

            Es wurde bereits an vielen Beispielen gezeigt, daß solch ein destruktives Verhalten auf verdrängtes Kindheitsleid zurückzuführen ist.

            Um das verstehen zu können, müßtest du dich allerdings mal ernsthaft mit dem Thema befassen.

            http://alice-miller.com/de

            PS: Regimekritiker zur Nazizeit oder in kommunistischen Systemen haben mit Sicherheit auch viel Widerspruch erfahren müssen. Feminismuskritiker werden ebenfalls regelmäßig mit „Kritik“ bombardiert. Quantität sagt nicht viel aus über die Qualität des Widerspruchs.

            Aber das siehst du sicherlich genauso.

        • Da springt mich ein eklatanter Widerspruch an.

          Ich kenne niemanden, der nicht als Kind mißhandelt wurde. Und die Zusammenhänge sind auch mehr als offensichtlich.

          Okay…

          Der Zusammenhang von destruktivem Handeln und verdrängten traumatischen Kindheitserfahrungen ist mitterlweile nun vieltausendfach nachgewiesen worden.

          Wenn ausnahmslos jeder traumatische Kindheitserinnerungen hat – wie kann man dann noch einen Zusammenhang mit destruktivem Handeln aufzeigen? Das ist dann m.E. so unmöglich und unergiebig, als würde man behaupten, destruktives Handeln ginge auf Atmen zurück.

          Alle Menschen atmen. Folglich atmen auch alle Destruktiven.
          Alle Menschen wurden als Kind misshandelt. Also wurden auch alle Destruktiven als Kind misshandelt.

          Eine Kontrollgruppe, um die These empirisch zu prüfen, gibt es gar nicht.

          • Wie alt bist du eigentlich?

            Brauchst Du das für ein ad hominem?

            Und hast du jemals einen Text oder ein Buch von Alice Miller gelesen?

            Mehrere, aber Du gehst nicht auf mein Argument ein: Wenn alle Menschen missbraucht wurden, dann taugt Missbrauch nicht mehr als Faktor für ein Verhalten, dass sich bei einigen zeigt und bei anderen nicht.

            Ähnlich wie Egoschooter schlecht als Ursache für Schulmassaker taugen, wenn fast alle Jungs dieses Alters Egoschooter spielen.

            Deine Ausführungen sind jedenfalls erschreckend ignorant.

            Dafür, dass Du dich inhaltlich um eine Stellungnahme drückst, bist Du recht unbekümmert, was den Vorwurf der Ignoranz betrifft.

          • Wenn alle Menschen missbraucht wurden, dann taugt Missbrauch nicht mehr als Faktor für ein Verhalten, dass sich bei einigen zeigt und bei anderen nicht.

            Spot on, bravo!

            Mein Vorschlag: Auf jeden post von GbdAk wo er wieder von Alice Miller schwafelt und davon dass jeder als Kind misshandelt wurde, einfach mit diesem Satz antworten. 🙂

          • @User unknown

            Mehrere, aber Du gehst nicht auf mein Argument ein: Wenn alle Menschen missbraucht wurden, dann taugt Missbrauch nicht mehr als Faktor für ein Verhalten, dass sich bei einigen zeigt und bei anderen nicht.

            Mag sein, daß du Bücher oder Texte von Alice Miller gelesen hast.

            Obige Passage zeigt aber, daß du offenbar nicht ein Prozent davon verstanden hast.

            Wie gesagt. Das Ausmaß der Ignoranz ist wirklich schockierend. Diese „Argumentationen“ sind derartig formalistisch und primitiv, daß man gar nicht mehr weiterweiß.

            Aber ich helfe dir ein bißchen: Ich spreche von Verhalten, das sich bei nahezu allen Menschen zeigt. Das habe ich auch so bereits geschrieben. Aber ich bin nicht doof und weiß natürlich, daß sich bei dem Thema viele Menschen nicht die geringste Mühe machen, Ausführungen auch korrekt zu verstehen und wiederzugeben.

          • Obige Passage zeigt aber, daß du offenbar nicht ein Prozent davon verstanden hast.

            Inwiefern?
            Was genau meinst Du hätte ich nicht verstanden, und welche Äußerung zeigt das?

            Du musst bedenken, Du bist sehr viel klüger und gebildeter als wir alle – wir können schlecht erraten was Du meinst, also erklär es bitte in einfachen Schritten.

          • @Kirk:

            Das verlinkte video passt so genau als hätte er das Beispiel extra für dich erfunden 🙂

            „Das Kind hasst seine Mutter. Der Grund dafür ist natürlich, dass sie ihn nicht genug umsorgt und geliebt hat.“

            Kommt dir bekannt vor? Klick einfach mal auf play und sperr die Ohren auf, ich habe das video sogar mit timecode verlinkt, es startet bereits an der richtigen Stelle. Die punchline ist dann ca eine Minute später bei 6:38 🙂

          • Es hat keinen Sinn, mit Leuten wie Euch zu diskutieren. Das, was ich hier lesen mußte, ist einfach nur erschreckend begriffsstutzig. Ich bin kein Kindergärtner und erkläre hier Offensichtlichkeiten.

            Eine Aussage von Alice Millers Büchern ist, daß das Thema Mißhandlung so gut wie jeden Menschen betrifft. Wer das nach der Lektüre nicht verstanden hat, sollte sich um seinen Geisteszustand Sorgen machen.

          • Dann tu doch einfach Dir und uns den Gefallen und verzieh Dich an einen Ort, an dem die Leute Dich verstehen anstatt zu bemitleiden und/oder auslachen.

          • @GbdAk:

            »Wer das nach der Lektüre nicht verstanden hat, sollte sich um seinen Geisteszustand Sorgen machen.«

            Lehrbuchdefinition religiösen Sektierertums. Analog zu: wer die heiligen Schriften nicht kennt, ist bloß ein Heide, aber wer sie kennt und trotzdem verleugnet, ist ein Ketzer.

  6. Wie andere hier schon schrieben, hält sich auch mein Mitleid in Grenzen. Wenn jemand, der im Zuge der Revolution bereits unzählige Menschen durch Denunziation und Intrigen aufs Schafott gebracht hat, mit denselben Methoden ebenfalls diesem Ende zugeführt wird, fühlt sich das dann doch irgendwie weit weniger tragisch an. Man könnte fast sagen, es hat so etwas von Gerechtigkeit – Karma.

    Das arme, arme Mädel hat doch eigentlich gar nichts gegen die Methoden, die es hier beklagt. Eigentlich zerfließt die Autorin doch nur in Selbstmitleid, dass es nun SIE trifft. Solange man gegen weiße, heterosexuelle Männer austeilen und denen gepflegt das Maul verbieten konnte, war die Welt noch in Ordnung. Aber wenn nun SIE auf einmal zu etwas nichts mehr sagen dürfen soll und bei „Zuwiderhandlung“ mit typischen Mobbingmethoden bedacht wird, und das alles einzig aufgrund IHRER Hautfarbe, DANN ist auf einmal alles ganz doll schlimm.

    Mädel, hör auf zu jammern und reflektier einfach mal dein eigenes Mindset. Das, was dir widerfahren ist, ist nicht eine plötzliche negative Entwicklung. Es ist ein schon immer inhärenter Bestandteil der Ideologie gewesen, der du hinterherhechelst. Die Sache war nie anders und sie war nie gut und gerecht. Das einzige, was sich für DICH geändert hat, ist, dass du dich da auf einmal nicht mehr auf der Seite der sorglosen, faschistoiden Täter befunden hast, sondern die Sache mal von der Seite erlebt hast, auf der unter anderem besagte heterosexuelle, weiße Männer schon immer gestanden haben: auf der Seite der Opfer eures Faschismus‘. Und so lange du DAS nicht begreifst, verdienst du auch kein Bisschen Mitgefühl.

    • Naja, so sehr man eine gewisse Genugtuung über dieses Eat your own dogfood Erlebnis der Autorin empfindet, sollte man schon etwas Mitleid empfinden. Diesen Leute wird übel mitgespielt – die verlieren ja ihre Peergroup und fühlen sich (zu recht) aus der eigenen Gruppe ausgeschlossen. Das ist viel schlimmer als wenn du als rationaler Mensch von denen abgewertet wirst – unsereins nehmen die ja nicht als satisfaktionsfähige Diskutanten wahr. Von den eigenen Leuten hingehängt zu werden ist emotional viel schlimmer als vom Gegner angeprangert zu werden. Aber es ist wohl eine Nebenwirkung der Weltverbesserung, die Kollegen aus dem Hotel Lux grüßen aus ihren Gräbern.

  7. Ich kommentiere mal ein paar ihrer interessanten Passagen:
    „Aber politische Ökonomie war nicht ihr Untersuchungsgegenstand. Für den Intersektionalismus und die Critical-Whiteness-Theorie gilt, dass sie in den USA entwickelt wurden. Und in den USA tut man sich generell schwer mit der sozialen Frage.“

    Charmante Untertreibung.
    Kennzeichnend für die USA ist die Verwandlung von sozialen Fragen in „rassische“ und die nachfolgende Diskussion ist davon geprägt, alles bei der „Rassenproblematik“ zu belassen, um sich der sozialen Frage nicht zu stellen. Das nimmt so absurde Züge an, es ist für einen Europäer nicht nachvollziehbar.

    Ich kann mich an die mediale Diskussion über die Behandlung einer an Krebs erkrankten armen schwarzen Frau erinnern, die sich die Kosten nicht leisten konnte, da nicht krankenversichert.
    Worüber wurde diskutiert? Nein, nicht über eine günstige Krankenversicherung, sondern auf ihr Recht, von schwarzen Krankenschwestern behandelt zu werden. Man müsse dafür sorgen, dass das Krankenhauspersonal diverser werde und speziell schwarze Krankenschwestern ausbilden.
    Dass, wenn sie sich die Behandlung nicht leisten kann, die Hautfarbe des behandelnden Personals völlig egal ist spielte keine Rolle, aber alle waren zufrieden mit sich und ihrer Lösungskompetenz von „rassischen“ Fragen, die sie erst zu „rassischen“ gemacht hatten.
    Mein Kopf ist auf der Tischplatte aufgeschlagen.

    „Viele der Glaubenssätze, die nun kursieren, kommen aus den USA und sind, da es eben keine Debatten gibt, eins zu eins übernommen worden. Sie passen aber gar nicht für unsere Gesellschaft. Ein Beispiel ist etwa der Indianerhäuptling. Es gibt wohl kaum eine Kultur, die natürlich wie die meisten Kulturen absolut konstruiert ist, die in Deutschland so positiv gesehen wird wie die Indianer-Kultur.“

    Korrekt.
    Und erstens müssen wir natürlich Waffen an unsere Blutsbrüder (Winnetou!) in die USA schicken, um die verdammten Yankees aus ihrem Land zu werfen. 🙂 Zweitens ist die indigene Bevölkerung in Deutschland nun einmal weiß. Mit der „Rassen“-Kartierung der USA wären diese Deutschen German Natives, die Versuche, mit Abwertungen wie „Kartoffel“, „Bio-Deutscher“ oder „Alman“ davon abzulenken sind eigentlich lustig.

    „Identitätspolitik und Intersektionalismus können Diskriminierungen nur beschreiben. Damit können sie zu ihrem Abbau beitragen. Aber gesellschaftliche Strukturen, dahinterliegende materielle Verhältnisse, fassen sie nicht an. Darum sind sie politisch nur bedingt brauchbar.“

    Charmante Übertreibung.
    Sie „beschreiben“ nur Diskriminierungen, die in ihr „theoretisches“ (Religionen haben Glaubenssätze, keine Theorien), dogmatisches framework passen und blenden alle anderen aus. Es ist bereits vorab gesetzt, dass die Hälfte der Bevölkerung gar nicht diskriminiert werden kann, weil dem falschen Geschlecht zugehörig.
    Weitet man das auf die Hautfarbe aus, dann können in Deutschland 99,5% der Bevölkerung als privilegiert gelten und im Leben (und in der Geschichte) nicht diskriminiert worden sein, weil sie nicht schwarz sind.

    Der nächste Punkt ist, dass daher nichts erklärt wird.
    Ein normativ gesetztes Herrschaftsverhältnis = „Patriarchat“ „kreuzt“ sich mit einem anderen Herrschaftsverhältnis = „weiße Vorherrschaft“.
    Warum? Wie? Wie ist die Kreuzung entstanden? Hat sie sich im Lauf der Zeit verändert? Nun, weil sie sich kreuzen. Tautologie.

    Sie haben nicht nur ein begrenztes Verständnis von „gesellschaftlichen Strukturen“, sie haben gar keine Vorstellung von realen sozialen Verhältnissen, deren Geschichte und demzufolge auch nicht von Gesellschaft.

    „Es ist daher richtig, dass die Änderung der Verhältnisse damit beginnen muss, die Betroffenen zu hören und ernst zu nehmen. Es ist aber eine Verballhornung dieser Erkenntnis, wenn man nun meint, Weiße dürften gar nichts mehr dazu sagen. In der Konsequenz würde es übrigens dazu führen, dass die Chancen, Rassismus und Ungerechtigkeiten abzubauen, deutlich sinken dürften.“

    Es wäre erstens richtig, den Betroffenen zuzuhören, das findet jedoch gar nicht statt. Stattdessen reden diejenigen, die sich zu ihren Sprechern oder Fürsprechern aufschwingen, ohne dafür ein Mandat zu haben. Zweitens bedeutet „zuhören“ oder „ernst nehmen“ nicht das, was tatsächlich gemeint ist. Es kann die subjektiv empfundene Diskriminierung durchaus artikuliert werden, ohne dass ich meinen müsste, sie sei sachlich begründet oder es läge objektiv eine vor.
    Der Punkt „Weiße dürften gar nichts mehr dazu sagen“ betrifft meine bereits vorab herabgesetzte Position als Sprecher (Unterstellung einer privilegierten Position), in der es unmöglich ist zu artikulieren, mich überzeugen die Sachargumente für die Existenz einer Diskriminierung nicht.
    Was also bezweckt wird, folgt dem Muster einer religiösen Verkündung, die nicht anzuzweifeln ist (schon gar nicht von einem weißen Mann).

    Dass diese Ideologie jede gemeinsame Anstrengung, Diskriminierungen abzuschaffen torpedieren wird, sieht man am Schicksal der „Mädchenmannschaft“ – die Selbstgerechten haben das Projekt mit Bravour versenkt. Die Ideologie ist spaltend und führt zum Kampf Aller gegen Alle.

    • Und da macht man mir hier Vorwürfe, wenn ich das Ami-Volk als komplett verstrahlt bezeichne.

      Die Debatten dort sind hysterische Reality-Shows. Diese Amis können kaum einen vernünftigen Gedanken fassen. Amokläufe? Möglichst viele Menschen bewaffnen.

      Trump wird mit 2.9 Mllionen Stimmen weniger Präsident? Die Russen sind schuld. Facebook ist schuld.

      Ich plädiere für eine UN-Blauhelm-Mission „Building Democracy“ oder so.

      • @Gendern

        „Komplett verstrahlt“ halte ich für übertrieben, aber in einem Ausmaß irrational unterwegs, das hier – zum Glück! – (noch!!!) nicht vorstellbar ist.

      • „Und da macht man mir hier Vorwürfe, wenn ich das Ami-Volk als komplett verstrahlt bezeichne.“

        Zu Recht. Amis sind nicht alle gleich. Es gibt jede Menge Amis die den Irrsinn durchschauen.

        • @anorak

          Das ist richtig, aber es ist in den USA sehr viel schwerer geworden zu artikulieren, dass es sich um Irrsinn handelt.
          Dieser Irrsinn macht sich überall breit, auch in unserer kleinen marxistischen community – wenn Texte aus dem Englischen übersetzt werden, dann gibt es natürlich eine „male supremacy“ und eine „white supremacy“, als wäre das eine feststehende Tatsache und natürlich werden alle „unterdrückt“.
          Dabei müssten ihnen auffallen, mit „Unterdrückung“ wird eine Repression behauptet, die nicht existiert.
          Die Repression benötigen sie vielmehr um zu begründen, wie sich eine „männliche Vorherrschaft“ überhaupt etablieren und halten kann.
          Aber alle empirischen Tatsachen (die uns wohlbekannt sind) sprechen gegen deren Existenz.
          Sie haben nicht nur die sprachlichen Konventionen und damit verbundene Denkweisen übernommen, sondern die werden völlig kritiklos weiter verbreitet.

        • „Das ist richtig, aber es ist in den USA sehr viel schwerer geworden zu artikulieren, dass es sich um Irrsinn handelt.“

          Das gilt doch für den gesamten Westen. Überall ist es sehr viel schwerer geworden, Widerspruch zu artikulieren. Vielleicht ist kein westliches Land irrer als das Andere, sondern es dominiert nur ein anderer Teil des pseudolinken Irrsinns, etwa in Deutschland der Ökologismus und in den USA der identitätspolitische Irrsinn (btw. wie sieht es eigentlich in Israel aus?).

  8. „Es findet gar keine Debatte mehr statt…“

    Absolut richtig. Ich würde sogar noch draufsetzen und sagen, es gibt Nichts worüber ich mit diesen
    Menschen diskutieren könnte.
    Ich kann mich noch an die Debatten der kommunistischen Parteien im Osten sehr gut erinnern und
    möchte nicht in diese Zeit zurück, um keinen Preis. Dann schon lieber glauben (es spart Zeit).

  9. Das geht ja da zu wie in der AfD! Ich bin schockiert.

    Feministische Volksfront gegen Volksfront des Feminismus.

    Schlümm diese infamen Angriffe auf die Gender Studies. Da müssen wir uns gegen wehren, weil wir bauen mit diesem tollen Fach das Projekt „Gleichstellung“. Ganz schlimm dis.

    Wir sind hochwissenschaftlich und setzen uns mit Kritik ausnander.

    Das eigentlich Kranke ist doch, daß wir mittlerweile eine derartig enteierte Gesellschaft sind, daß feministisch kastrierte Hochschulleitungen diesen Scheiß etablieren und fördern.

    Ich sehe das Grundproblem nicht in der Existenz dieser Sekte, sondern darin, daß sich die gesamte Gesellschaft dummstellt und auf Kuschelkurs macht. Diese Gender-Püppchen laufen doch sofort heulend zu Mutti, wenn man denen mal dezidiert widerspricht und sich z.B. nicht von so einer Tussi wie im Text geschildert runterputzen läßt.

    Was ist das für eine Dozentin? Ein neuerlicher Beweis, daß Frauen in der Wissenschaft nichts zu suchen haben?

    Als Student ist es allerdings schwierig gegen diese Sekte zu opponieren, da man einfach noch nicht den Horizont hat. Als Student kann man sich das nicht vorstellen, was für eine degenerierte Institution die Universität mittlerweile ist und daß dort die größten Zombies lehren.

  10. Sehr interessanter (und ausführlicher) Artikel oben!

    Kleine Korrektur an Frau Hannah Wettig:

    „Für den Intersektionalismus und die Critical-Whiteness-Theorie gilt, dass sie in den USA entwickelt wurden.“

    Das stimmt so nicht für den Intersektionalismus. Soweit ich informiert bin, wurde der Intersektionalismus entwickelt von linken Intellektuellen der Weimarer Republik, vor allem von Walter Benjamin. Allerdings hat Benjamin daraus kein Drama gemacht.

    • Huch.
      Hättest du dazu bitte ein paar Hinweise? Denn das ist mir komplett neu.
      Bisher kannte ich das geflügelte „Katholische Arbeitertochter vom Land“ von Ralf Dahrendorf als Ausdruck für Mehrfachbenachteiligungen.

  11. Sehr interessanter Beitrag. Vielen Dank!
    Der Teil irgendwo in der Mitte über die konstruierten Geschlechter hat mich an unten verlinkten Vortrag von Vera F. Birkenbihl erinnert, den ich letztens für mich entdeckt habe.
    Den wollte ich hier mal teilen weil ich denke er passt.

  12. Hochinteressanter Text. Gibt auch ein Bienchen für Fleiss.
    Bei dem Abschnitt über die nicht existierenden kolonialistischen Straßennamen hab ich herzlich gelacht. ;-)))

  13. unter anderem forderten sie, dass umgehend alle Straßennamen mit kolonialem Bezug umbenannt werden müssten. An sich ist das ein absolut unterstützenswertes Anliegen, was wohl jede grüne Fraktion gern umsetzen würde. Die Fraktion ist also sämtliche Straßennamen des Ortes durchgegangen. Sie hat keinen einzigen mit kolonialem Bezug gefunden. Die Autor*innen des Kapitels kannten auch keinen.

    Dit ist so ehnlich wie mit den Dschendapäigäp. Man sucht einfach so lange, bis man was findet.

    Kaiser-Wilhelm-Platz? Kolonialbezug! Muß wech.

    Kölnstraße? Kolonialbezug! Wegen colonia agrippinensis und so. Muß wech.

    Wilhelmstraße? Siehe oben.

    An sich ist das ein absolut unterstützenswertes Anliegen, was wohl jede grüne Fraktion gern umsetzen würde.

    Da haben wir schon das Problem mit diesen Vollhonk*innen. Der Inhalt der meisten Straßennamen ist den Menschen völlig egal. Die Namen sind Heimat seit Jahrzehnten. Diese Straßenumbenennerei von Linken ist wirklich krank und gewissermaßen auch eine Spielart des Marxismus.

    Man kann auch damit klarkommen, wenn irgendein Reichswehrgeneral einen Straßennamen hat. Viel intelligenter wäre eine Stele, die über den Kontext aufklärt. So wäre Historie doppelt erfahrbar. Also auch die Wertsetzungen der Vergangenheit, die zu diversen Straßennamen und Statuen führten.

    Stattdessen entscheiden sich linke Woke-Zombies für Vandalismus und Kulturbanausentum.

    Es lebe der heilige historische Waschzwang.

    Unter den realexistierenden Marxisten war diese Haltung jedenfalls im Ostblock allgegenwärtig. Der Heinrich-Platz in Berlin-Kreuzberg soll jetzt in Rio-Reiser-Platz umbenannt werden.

    Wie finden das die Menschen, die in dem Kiez wohnen? Hatte Rio-Reiser wirklich so viele Verdienste, daß man eine Straße oder einen Platz nach ihm benennen sollte?

    Und dann wollen die Grünen ja eigentlich nur Frauennamen zulassen. Dazu sagen sie dann, daß Reiser immerhin schwul war.

    Jetzt, wo die Grünen an der Macht sind, sind sie genauso spießig und dumm wie die Konservativen, die sie früher attackierten.

  14. Es scheint ja da inzwischen etwas backlash zu geben und die „alte“ Garde der Feministinnen gewinnt etwas die Initiative zurück:

    tinyurl.com/yzzg9g87

    Maya Forstater, deren Job nicht verlängert wurde, weil sie den Standpunkt vertrat, dass Männer und Frauen sich biologisch unterscheiden und der in der ersten Instanz bescheinigt wurde, dass das berechtigt war, weil ihre Sicht “not worthy of respect in a democratic society“ sei, hat ihr Berufungsverfahren gewonnen. Damit wären genderkritische Sichtweisen zumindest in UK erst einmal nicht mehr zur Begründung von Entlassungen ausreichend. Die Unterstützung Forstaters ließ damals J.K. Rowling zur Zielscheibe ähnlicher Angriffe werden.

    Ich denke aber wie viele auch, dass Frau Wettig natürlich ihren eigenen Standpunkt beschönigt und die eigene Mitschuld an den Entwicklungen komplett ignoriert. Das an sich beweist eigentlich schon, dass die Denkweise so unterschiedlich nicht ist, die Möglichkeit eigener Fehler war beim EMMA-Feminismus ebenfalls noch nie vorhanden und das von dieser Ecke irgendwelche Diskussionen befördert wurden, wäre mir auch neu. Die Struktur ist am Ende dieselbe: das Übel ist identifiziert und muss in allen möglichen und unmöglichen Bereichen nur noch aufgezeigt oder eben erfunden werden. Ob es nun das Patriarchat oder die whiteness ist, bleibt sich im Kern gleich.

    • Noch vergessen, aus dem damaligen Kommentar zu Veranstaltung:

      „Letztlich konnten sich auf #MMwird5 lediglich weiß positionierte Personen halbwegs sicher bewegen,…“

      Das klingt, als hätte es dort irgendwelche rassistischen Hetzjagden gegeben, während es lediglich darum geht, wer zu welchen Themen etwas äußerte und zwar komplett unabhängig vom tatsächlichen objektiven Inhalt dieser Äußerungen.
      Wenn man solche Statements liest, fragt man sich schon, wer um alles in der Welt sich diesen Leuten freiwillig anschließen will…

  15. Die Gute hat sich einen Irrgarten gebastelt und findet selbst nicht mehr raus. Ist auf alle Fälle interessant, was in der Klapsmühle gerade angesagt ist. Die sind so abgedreht wie die von Scientology. Gruselig.

  16. Mal abgesehen von deinem tendenziell rassistischen Vokabular (Schwarze sind keine „Affenmenschen“) hast du recht. Es gibt in Deutschland, Europa und den USA inzwischen eine ganze Menge von „Antirassisten“, die von ihrer Hautfarbe leben, und zwar nicht schlecht.

    • @nouseforislam:

      »Da es sogar angedacht wird, Menschenaffen einen Platz im GG zu verschaffen und so die Grenzen zw. Mensch und Tier mehr und mehr zu verschwimmen beginnen, beginne ich einfach schon mal damit, auf Unterscheidungen zu verzichten«

      Sehr gut! Dann muss man sich nicht mehr so heftig anstrengen, um Dich von einem Affen zu unterscheiden!

  17. Nouseforislam, warum verpisst du und dein scheiß Rassismus sich nicht einfach und zwar für immer?

    Was versprichst du dir davon andere Menschen als Affenmenschen zu bezeichnen? Denkst du damit gewinnst du Freunde? Denkst du bist besser wie irgendwelche Möchtegern-Antirassisten, die Deutsche als Köterrasse bezeichnen oder irgendein anderer der rassistischen Heuchler, gegen die ich hier regelmäßig schreibe? Nee, du bist ganz genau so ein Vollidiot. Tue allen hier einen Gefallen und verschwinde.

  18. An sich lese ich Hannah Wettig z.T. gerne. Dieser Text enthält neben vielen Passagen, denen ich zustimme, leider ein paar falsche Aussagen.
    Das finde ich schade.

    Aus dem Text von Hannah Wettig:

    „Die Identitätspolitik geht zurück auf TheoretikerInnen der 1980er und 90er Jahre. Dem Philosophen Michel Foucault ging es um die Anerkennung sexueller Identitäten. Er selbst war schwul.“

    Es ging Foucault durchaus um die Anerkennung sexueller Minderheiten, aber das, was zeitgenössische Kritiker von Identitätspolitik meistens meinen, wenn sie diesen Begriff verwenden, wurde von Foucault abgelehnt. Dbzgl. war Michel Foucault ein Kritiker von Identitätspolitik. Wie ich in einem Gastartikel bei Man Tau einmal schrieb:

    Der französische poststrukturalistische Philosoph und Historiker Michel Foucault stellte in einem Interview (am Beispiel von sozialen Bewegungen zur sexuellen Befreiung) bezüglich Identitätspolitik klar:

    In genau diesem Bereich bin ich von bestimmten Bewegungen (…) nicht immer richtig verstanden worden. Obwohl es von einem taktischen Gesichtspunkt aus zu einem bestimmten Zeitpunkt wichtig ist, sagen zu können: „Ich bin homosexuell“, darf man meiner Ansicht nach Fragen zur sexuellen Identität nicht längerfristig und im Rahmen einer breiten Strategie stellen. Es geht also in dem Fall nicht darum, die eigene sexuelle Identität zu bekräftigen, sondern die Aufforderung zur Identifikation mit der Sexualität zurückzuweisen. Man muss es zurückweisen, der Verpflichtung zur Identifikation mittels und mit Hilfe einer bestimmten Form von Identität nachzukommen.“

    (aus: Interview mit Michel Foucault, 1984 in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 816)

    Im gleichen Interview erklärt Michel Foucault:

    Ich habe niemals irgendeiner Bewegung zur sexuellen Befreiung, welcher auch immer, angehört. Erstens, weil ich keiner Bewegung, welcher auch immer, angehöre, und weiter, weil ich die Tatsache nicht akzeptieren kann, dass das Individuum mit seiner Sexualität identifiziert werden könnte.“

    (ebd. S. 816)

    Diese Passage sollte m.E. nicht so verstanden werden, als wolle sich Foucault hier gegen die Teilnahme an emanzipatorischen sozialen Bewegungen richten. Faktisch hat Michel Foucault in biographischer Hinsicht nämlich an vielen sozialen Bewegungen teilgenommen, auch an solchen zur sexuellen Befreiung. Was Foucault hier also offenbar sagen will, ist, dass er seinem Selbstverständnis nach nie im Sinne einer kollektivistischen Identitätspolitik an einer sozialen Bewegung teilgenommen hat, sondern stets als Individuum, das sich gemeinsam mit anderen Individuen für eine als richtig angesehene Sache einsetzt, dabei aber seine persönliche Identität und sein kritisches Denken niemals einem soziozentrischen Kollektiv oder einem dualistischen Schema unterordnet. Ein paar Seiten weiter formuliert Foucault diesen Aspekt folgendermaßen:

    Ich wünsche meine Freiheit gegenüber allen Formen des Kampfes zu wahren, in denen ich mich engagiert habe.“

    (ebd. S. 822)

    In einem anderen Interview erklärt Michel Foucault (wiederum am Beispiel von sozialen Bewegungen zur sexuellen Befreiung):

    (…) wenn die Identität nur ein Spiel ist, wenn sie nur eine Vorgehensweise ist, um Beziehungen, soziale Beziehungen und Beziehungen sexueller Lust zu befördern, die neue Freundschaften erschaffen würden, dann ist sie von Nutzen. Doch wenn die Identität zum Hauptproblem der sexuellen Existenz wird, wenn die Leute denken, dass sie ihre „eigene Identität“ „enthüllen“ müssen, und dass diese Identität zum Gesetz, Prinzip und Kodex ihrer Existenz werden muss, wenn die Frage, die sie ständig stellen, lautet: „Ist diese Sache meiner Identität entsprechend?“, dann kehren sie, denke ich, zu einer Art Ethik zurück, die der traditionellen heterosexuellen Virilität sehr nahe ist. Wenn wir zur Frage der Identität Stellung beziehen müssen, so muss dies sein, insofern wir einmalige Wesen sind. Doch die Beziehungen, die wir zu uns selbst unterhalten müssen, sind keine Identitätsbeziehungen; sie müssen eher Beziehungen der Differenzierung, der Schöpfung und der Innovation sein. Es ist sehr langweilig, immer derselbe zu sein.“

    (aus: Michel Foucault, ein Interview: Sex, Macht und die Politik der Identität, 1984, in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften 1980 – 1988, Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 914)

    https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#franz654

    Aus dem Text von Hannah Wettig:

    „Zum gleichen Zeitpunkt, aber in Deutschland damals relativ unbeachtet, entwickelte die Juraprofessorin Kimberly Crenshaw den Ansatz der „Critical Race Theory“ und des Intersektionalismus.“

    Es war allerdings nicht Kimberly Crenshaw, sondern der Rechtswissenschaftler Derrick Bell, auf den die sogenannte Critical Race Theory als rechtstheoretische Denkschule zurückgeht. (Übrigens ein Pessimist, der nicht an die Möglichkeit der Überwindung von Rassismus gegen Schwarze glaubte.) Kimberly Crenshaw kam erst kurz danach dazu.

    Kimberly Crenshaw hat jedoch nicht den Ansatz der Intersektionalität entwickelt, sie hat das Wort Intersektionalität erfunden und bereits bestehende theoretische Ansätze aus dem Black Feminism zum Thema Mehrfachdiskriminierung weiterentwickelt. Das sagt sie auch selber.

    Es hat mehrere bekannte Vertreterinnen des Black Feminism vor Kimberly Crenshaw gegeben, die Intersektionalitäts-Konzepte entwickelt haben, auch wenn es den Begriff Intersektionalität noch nicht gab.

    Kimberly Crenshaw ist gleichzeitig der Critical Race Theory und dem Black Feminism zuzuordnen. Die meisten anderen bekannten Vertreterinnen des Black Feminism sind jedoch nicht der Critical Race Theory zuzuordnen. Das, was wir heute mit dem Begriff Intersektionalität bezeichnen, hat sich im Kontext des Black Feminism und zuerst außerhalb der Critical Race Theory entwickelt.

    „Viele Poststrukturalisten, zu denen etwa auch Foucault gehörte, sahen sich als Marxisten oder Post-Marxisten.“

    Das ist falsch. Der Poststrukturalismus ist hinsichtlich seiner philosophischen Fundierung ein Versuch Nietzsche und Heidegger anstatt Hegel und Marx in das Zentrum einer linken Theorie zu stellen. Daher sahen (und sehen) sich die meisten Poststrukturalisten nicht als Marxisten.

    Michel Foucault betonte explizit kein Marxist zu sein.

    Michel Foucault:

    „(…) Ich bin niemals Marxist gewesen (…).“

    (aus: Michel Foucault – Strukturalismus und Poststrukturalismus, (1983), in: Michel Foucault – Dits et Ecrits. Schriften. Vierter Band, Suhrkamp, 2005, S. 527 f.)

    Und der Begriff Post-Marxismus wurde nur von den beiden poststrukturalistischen Marxismus-Kritikern Ernesto Laclau und Chantal Mouffe in der Anfangsphase ihres Werkes als Selbstbezeichnung verwendet, später nicht mehr.

  19. Pingback: Billy Coen: Kein Mitleid mit Feministen, die das feministische Gift zu kosten kriegen | uepsilonniks

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