Konkurrenz im Beruf unter Frauen

Ein interessanter Artikel behandelt Konkurrenz unter Frauen im Beruf:

Konkurrenz unter Frauen ist ein weit verbreitetes Phänomen und gleichzeitig ein Tabuthema. Während Männer beim Aufstieg sich verbünden und gemeinsam in Führungspositionen aufsteigen, kämpfen sich Frauen allein durch männliche Monokulturen an die Spitze. Wie diese Phänomene sich in geschlechtsspezifisch erlernten Verhalten von Konkurrenz, Rivalität, Wettbewerb, Solidarität und Verbündung sowie in dem sogenannten „Zickenstereotyp“ widerspiegeln, zeigt dieser Artikel von Gastautorin Doris Cornils.

Der Ansatzpunkt ist demnach wohl eine eher soziale Begründung unterschiedlichen Verhaltens, aber interessant ist ja unabhängig von der letztendlichen Begründung welches unterschiedliches Verhalten erst einmal vorliegt.

Aufruf zur Solidarität und einem Change in Richtung Diversity

Der Artikel ist gleichsam ein Aufruf an alle Frauen sich zu solidarisieren. Und aktiv den Change hin zu einer diversen Arbeitswelt mitzugestalten, in der wir alle voneinander lernen dürfen! In diesem Beitrag nehme ich nicht die strukturellen Faktoren in den Blick, die dazu beitragen, dass Frauen in geringerer Anzahl in Führungspositionen anzutreffen sind. Vielmehr stelle ich wissenschaftliche Studienerkenntnisse vor, an denen ich mitgewirkt und die ich Laufe der letzten Jahre weiterentwickelt habe.

Ein wissenschaftlicher Einblick ist eine interessante Sache. Hier stellt sie Publikationen dar, allerdings alles eher im deutschsprachigen Bereich wenn ich das richtig sehe.

Konkurrenz oder Wettbewerb? Alles Gender oder was?

Die Begriffe Wettbewerb und Konkurrenz werden oftmals im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendet. Jedoch bestehen hinsichtlich der Ausdrucks- und Bedeutungskraft Differenzen.Laut Duden handelt es sich bei Wettbewerb um eine Situation, an dem mehrere Personen beteiligt sind und die das Ziel verfolgen, die jeweils beste Leistung zu erzielen, um bestenfalls als SiegerInnen daraus hervorzugehen.Konkurrenz, lat. concurrere (zusammenlaufen, -treffen, eilig zusammenkommen, aufeinanderstoßen), beinhaltet darüber hinaus den Aspekt der Rivalität (den Kampf um den Vorrang) und bezieht sich neben dem Wettbewerb auch auf den Wettstreit. Im Rahmen unserer Studie „Mikropolitik und Aufstiegskompetenz von Frauen“ an der Universität Hamburg (2009-2012) konnten wir recht eindrucksvoll nachzeichnen, dass beim Aufstieg in Führungspositionen Frauen untereinander tendenziell eher in Konkurrenz und Männer eher in den Wettbewerb miteinander treten. Dem zu Grunde liegen unterschiedliche Sozialisationserfahrungen und Stereotype, die beide Geschlechter vom Aufwachsen bis ins hohe Alter (unbewusst) erlernen, verinnerlichen und die ihr alltägliches und somit berufliches Handeln prägen.

Die Studie selbst habe ich nicht gefunden, aber immerhin diese Zusammenfassung der Autorin

Die Aneignung mikropolitischer Kompetenz wirkt sich förderlich auf den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen aus, so ein zentraler Befund aus dem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt „Mikropolitik und Aufstiegskompetenz von Frauen“ an der Universität Hamburg.
In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschungi geförderten Forschungsprojekt untersuchten Prof. Dr. Daniela Rastetter, Doris Cornils und Anna Mucha drei Jahre lang, ob sich die Aneignung mikropolitischer Kompetenz positiv auf den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen auswirkt. Kernstück der Studie bildete das im Projekt konzipierte Mikropolitik-Coaching©. Im
Rahmen einer Intervention erhielten 30 weibliche Nachwuchsführungskräfte aus großen Unternehmen über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg ein professionelles Coaching in mikropolitischer Kompetenz.
Mikropolitisches Handeln bedeutet, Taktiken und strategische Vorgehensweisen (gezielt) einzusetzen, um die eigene Macht(-Position) aufzubauen bzw. aufrechtzuerhalten und dadurch die persönlichen Handlungsspielräume zu erweitern. Mikropolitische Interaktionen finden während des Aufstiegs und innerhalb von Führungspositionen im Kräftefeld der Organisation in unterschiedlichen Handlungsfeldern statt. Sieben mikropolitisch für den Aufstieg relevante Handlungsfelder wurden von den Forscherinnen identifiziert. Dabei handelt es sich um Selbstdarstellung, Networking/Koalitionen bilden, Unternehmenskultur, Körperlichkeit, Emotionen, Vereinbarkeit von Karriere und Familie/Work-Life-Balance und Verhältnis zu Macht.
Die Ergebnisse zeigen, dass weibliche Nachwuchsführungskräfte im Handlungsfeld Selbstdarstellung besonders mit der strategischen Nutzung gering strukturierter Situationen (wie z. B. Besprechungen) Probleme haben. Da es sich hierbei um karriererelevante Gelegenheiten für die Selbstdarstellung handelt, gilt es für Frauen in Aufstiegspositionen, diese zu erkennen und in ihrem Sinne zu nutzen. Die Selbstdarstellung sollte dabei situativ und flexibel an die jeweiligen kulturellen Parameter anpasst werden, denn dem Handlungsfeld Unternehmenskultur kommt als normativem Rahmen mikropolitischen Handelns für den Aufstieg eine wichtige Bedeutung zu.

Voraussetzung für einen strategischen Umgang innerhalb und mit der Kultur ist es, sich mit der jeweiligen Unternehmenskultur, mit ihrem (informellen) Regelwerk vertraut zu machen. Dass die Unternehmenskulturen häufig von „männlich“ sozialisierten Spielregeln geprägt sind, zeigt sich besonders hinsichtlich des beruflichen Umgangs mit Emotionen. Einer Identifikation mit dem gesellschaftlich weit verbreiteten Stereotyp, Frauen seien „Emotionsmenschen“ und würden deshalb ihre Emotionen unkontrolliert zum Ausdruck bringen, widerspricht jenem Typus „professioneller“ Führung, der sich am etablierten „männlichen“ Managerideal, das mit Emotionskontrolle in Verbindung steht, orientiert. Frauen sind deshalb gut beraten, so ein weiteres Resultat, sog. „Emotionsregulationskompetenz“ zu entwickeln. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der bewusste Umgang mit Geschlechterstereotypen für Frauen in Führungspositionen von zentraler Bedeutung ist, da diese Schemata und Aufstieg nur schwer miteinander zu vereinbaren sind. Während z. B. die Identifikation mit dem Stereotyp der „fleißigen Biene“ hinderlich für die Selbstdarstellung ist, verhindert eine Reproduktion des Stereotyps der „Zicke“ Solidaritätshandlungen und damit Networking unter Frauen. Für eine erfolgreiche Karriere sind für Frauen jedoch sowohl der strategische Umgang mit
„Old-Boys-Networks“ als auch der Aufbau von karriereförderlichen Frauennetzwerken unerlässlich. Ganz allgemein lässt sich zusammenfassen: Ein positives Verhältnis zu Macht sowie die Bereitschaft mikropolitisch zu Handeln wirken sich positiv auf den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen aus.

Klingt eigentlich ganz interessant, auch die „Emotionsregulationskompetenz“. Hat etwas von „Agreeableness“ und „Sensitivity„.
Interessant auch die Auswahl der vorhandenen Klischees :“Fleissige Biene“ macht wahrscheinlich ihre Arbeit ohne zu murren, erregt keinen Widerstand, stellt sich nicht in den Vordergrund etc. Die Zicke hingegen legt sich mit allen an.
Stellt sich aber die Frage, warum man nicht ein geschlechtsneutrales Verhaltensmuster haben sollte, wie die „Harte, aber gerechte Königin/der König“ oder etwas in dieser Art. Kollidiert dann aber vielleicht eher damit, dass Frauen ihre Beziehungen eher auf Gleichheit als auf Hierarchien aufbauen.

Die ernsten Spiele des Wettbewerbs

„Männer konkurrieren einfach auf eine andere Art und Weise.“ „…weil man halt von einem Mann denkt, dass der das sportlich sieht. Der Bessere siegt“ (Cornils 2011). Die von Jungen und von Männern laut Bourdieu praktizierten „ernsten Spiele des Wettbewerbs“ spiegeln genau das wider: Konkurrenzsituationen werden als Wettbewerb aufgefasst.

Intrasexuelle Konkurrenz um Status musste bei Frauen eher „entwaffnet“ und ritualisiert werden, da es eher mit erheblichen Folgen belastet war, gerade wenn dieser mit Gewalt ausgetragen werden konnte.
Bei Frauen war dies so gesehen auch der Fall, nur das dort das Konkurrenzverhältnis um Status nicht in gleicher Weise existierte, da es für Männer weitaus weniger wichtig in der Partnerwahl war. Männer konnten es sich für Jagd und Konkurrenz mit befeindeten Gruppen nicht erlauben auf körperliche Auseinandersetzung zu verzichten und mussten daher daneben stehende intrasexuelle Wettbewerbe schaffen, die so etwas auf friedlichere Weise simuliert haben. Ein „faires Spiel“ verhindert den Rückfall auf Gewalt. Es wäre insofern nicht erstaunlich, wenn Männer eher entsprechende Regeln aufgestellt haben bzw auf die Akzeptanz dieser und die Deeskalationsstrategien eher selektiert sind.

Versinnbildlicht am Fußballspiel, das von Männlichkeitsforschern bezüglich des Wettbewerbsverhaltens unter Männern fundiert untersucht ist gilt: Auf dem Spielfeld sind sie Konkurrenten und jeder will gewinnen. Ist das Spiel zu Ende, können alle, Gewinner und Verlierer, gemeinsam ein Bier trinken gehen. Bei den ernsten Spielen des Wettbewerbs sind Wettbewerb und Solidarität zwei Seiten einer Medaille. Sie gehören zusammen: Ich will den Job, du auch, wir sind im Wettbewerb. Und: Wenn du den Job bekommst und aufsteigst, dann hol mich nach. Hier spiegelt sich das ebenfalls geschlechtsspezifisch erlernte Verhalten der Verbündung im Netzwerk und das Prinzip „der Ähnliche unterstützt den ihm Ähnlichen“ wider. Das führt im Netzwerk zu Vertrauen unter Vertrauten.  Dem Netzwerk-Solidaritätsprinzip liegt das Motto, „Eine Hand wäscht die andere“, zu Grunde. Dieses Prinzip trägt maßgeblich dazu bei, dass Männer in Führungsetagen als Gruppe gemeinsam aufsteigen.

Das wäre ja erst einmal ein sehr schlaues Prinzip. Es ist interessant, dass es hier als rein geschlechtsspezifisch erlerntes Verhalten dargestellt wird. Und was müsste man Frauen beibringen, damit sie anders vorbringen? Ein gesünderes Verhältnis zu Konkurrenz? Auch im Frauensport dürfte es üblich sein mit der gegnerischen Mannschaft nach dem Spiel freundschaftlich umzugehen oder nicht?
Könnten die Frauen hier etwa „positives männliches Verhalten“ lernen und ihre „toxische Weiblichkeit“ verlernen?

Beziehungsspiele: Freundin oder Feindin

Frauen hingegen beschreiben sich in der Konkurrenz um Jobs gegenseitig als schlechte Verliererinnen: „Die dreht einem danach den Hals um oder redet schlecht über einen. Von klein auf lernen Mädchen Beziehungsspiele, die innerhalb des sozialen Geschlechterlernens zwischen wenigen, im Laufe der Pubertät zwischen zwei Mädchen erfolgen und nicht, wie beim Geschlechterrollenlernen unter Jungs üblicher, innerhalb einer Gruppe. Frauen, die im Kindesalter mit Jungs aufgewachsen sind, mit Legos gespielt haben oder ähnlich, verfügen ebenfalls über diese Sozialisationserfahrungen und fühlen sich in männlich dominierten Berufsfeldern häufig „wohler“ als unter Frauen.

Dass das Spielverhalten einen starken biologischen Anteil hat ist inzwischen durch Studien gut belegt. Das spricht dafür, dass auch korrelierende Verhaltensweisen einen biologischen Anteil haben könnten.
Interessant dazu auch die „prosoziale Dominanz“

Mädchen gehen eher indirekt vor. Sie suchen bei anderen Mädchen Anerkennung, die sie entweder erhalten oder die ihnen verweigert wird. Aggression äußert sich kaum brachial, sondern vor allem als sogenannte Beziehungsaggression, die im Wesentlichen auf soziale Ausgrenzung abzielt. Zwei reden beispielsweise abfällig über eine dritte oder ein Mädchen droht einem anderen Mädchen an, es nicht mehr mitspielen zu lassen oder es nicht zum Geburtstag einzuladen, um so seinen Willen durchzusetzen. Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist ferner, daß sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

 

Sie wählen außerdem häufiger sog. MINT-Berufe (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaft, Technik), in denen mehr Männer mehrheitlich vertreten sind.

Das wäre ein weiteres Indiz.

Bei Beziehungsspielen geht es um das Erlernen von Kooperation und Konkurrenz. Es handelt sich bei Kooperation und Konkurrenz nicht um zwei Seiten einer Medaille, sondern um Entweder-oder-Optionen. Entweder sind wir Freundinnen oder Feindinnen (Rivalinnen). Entweder kooperieren oder konkurrieren wir um das bessere Aussehen, den Jungen beziehungsweise Mann, den Job und so weiter.

Das scheint mir etwas düster gemalt, aber vielleicht ist Kooperation und Unterstützung bei entsprechender Gleichheit (aber mit durchaus vorhandenen geheimeren Hierarchien, siehe die Queen Bee Problematik) eher ein weibliches Modell. Frauenfreundschaften mussten vielleicht eher einplanen, dass die andere die Kinder versorgt und beaufsichtigt und da ist ein gewisses Vertrauen und eine gewisse Exklusivität wichtiger, während bei Männern etwa die Verteilung der Jagdbeute durchaus Hierarchien zulässt.

Konkurrenz unter Frauen wird persönlich genommen

Konkurrenzsituationen zwischen Frauen werden auf der persönlichen Beziehungsebene ausgetragen, deshalb werden sie auch persönlich genommen. Frauen haben gelernt sich als Rivalinnen zu begegnen, die erbittert gegeneinander kämpfen. Wenn eine den Job bekommt und die andere nicht, kann es passieren, dass die Verliererin jahrelang nicht mit der anderen spricht. Eng verbunden mit dem Konkurrenzverhalten steht das sog. „Zickenstereotyp“. Die Äußerung „das ist eine Zicke“ oder „die ist zickig“, wird alltagssprachlich recht gebräuchlich und häufig von Frauen untereinander verwendet. Wenn wir uns das Stereotyp einmal genauer betrachten, hat das keinesfalls positive Auswirkungen auf die Beziehung von Frauen untereinander.

Reputationsbeschädigung bzw der Kampf um die soziale Dominianz etc als klassische Mittel weiblicher intrasexueller Konkurrenz.
Andererseits entwickeln sich auch aus männlichen Konkurrenzkämpfen gerne Feindschaften und die Leute nehmen es persönlich. Insofern ist es eben keine binäre Angelegenheit „Männer kämpfen gegeneinander und helfen sich dann trotzdem, Frauen werden erbitterte Feinde“, sondern „Männer zeigen dieses Verhalten häufiger und andere weniger und umgekehrt“.

Das Zickenstereotyp

 „Also ich denke immer noch die größten Konkurrenten sind Frauen untereinander.“, „Das war ein Gezicke vor dem Herrn, wirklich ganz schlimm unter Frauen“, sie „bekriegen sich dann halt untereinander“, soweit, „dass es Zickenkriege gibt“ (Cornils 2011). Diese Aussagen weiblicher Führungskräfte bringen es auf den Punkt: Es sind überwiegend Frauen, die sich gegenseitig als „zickig“ oder „stutenbissig“ bezeichnen. Dahinter verbirgt sich ebenfalls ein Geschlechterstereotyp. Jedoch eines, das vorrangig Mädchen und Frauen im Laufe ihres Lebens erlernen und verinnerlichen.

Auch eine interessante Formulierung. Da klingt es so als wäre es eher ein Gerücht, etwas was über Frauen behauptet wird. Etwas was Frauen über andere Frauen annehmen.
Die interessante Frage wäre ja, ob es stimmt.

Die Zicke gilt als störrisch, launisch, widerspenstig und eigensinnig. Ihr typischer Laut, das Meckern bedeutet im Stereotyp übersetzt, sich beschweren, keifen, nörgeln oder sich gehässig zu äußern. Geraten Frauen in einen „Zickenkrieg“ miteinander, dann heißt das schlichtweg, sie sind streitorientiert, fallen sich gegenseitig in den Rücken und verhalten sich unsolidarisch. Sie sind dann Konkurrentinnen, die sich bekriegen. Manche Stereotype sind so tief verinnerlicht und unbewusst, dass sie wirkungsmächtig werden. Im Verhalten unter Frauen in der Berufswelt spiegelt es sich darin wider, dass Frauen sich häufig allein an die Führungsspitze kämpfen, während Männer in Grüppchen an ihnen vorbeiziehen.

„Manche Stereotype sind so tief verinnerlicht und unbewusst, dass sie wirkungsmächtig werden“ ist auch eine interessante Formulierung. Eben eine rein soziale Begründung, die einfach auf das Narrativ und seine Wirksamkeit abstellt.

Man möchte in Umkehrung der Theorien zur toxischen Männlichkeit sagen: Frauen müssen diese toxische Weiblichkeit überwinden. Und sie sind dafür verantwortlich, dass sich die Gruppe der Frauen ändert. Aber natürlich wird irgendwie das Patriarchat daran schuld sein.

Vom Netzwerk-Solidaritätsprinzips lernen

Häufig wird von Frauen kritisch angemerkt, dass sie nicht Männer in ihrem Verhalten nachahmen wollen. Für sie fühlt es sich nicht authentisch an, wenn sie sich den männlichen Spielregeln anpassen.

Zumindest für einen Teil der Frauen ist es wahrscheinlich schwieriger. Andere werden sich eben in dem Bereich ganz wohl fühlen. Das ist ja bei Männern nicht anders, nur eben mit anderer Prozentzahl.

Mit diesem Beitrag rege ich zu einer anderen Perspektive an: Meines Erachtens gilt es (übrigens auch für Männer)

  • Geschlechtersozialisationsprogramme bewusst zu machen und diese zu verstehen,
  • sie kritisch zu hinterfragen sowie
  • von den positiven Aspekten des jeweils anderen Geschlechterprogramms zu lernen.

Es zeigt sich, dass das Prinzip der Netzwerk-Solidarisierung unter Männern sehr erfolgreich ist. Beim Aufstieg in Führungspositionen gehen männliche Aufstiegskandidaten auf der einen Seite in den Wettbewerb. Auf der anderen unterstützen sie sich beim Aufstieg, indem sie sich solidarisieren und andere Männer nachholen. Die Wahrscheinlichkeit also als Gruppe in den Führungsspitzen anzukommen ist dadurch groß. Es geht mir nicht darum dieses Prinzip per se zu idealisieren. Kritisch ist anzumerken, dass ausschließlich bestimmte Männlichkeitstypen von der, wie Connell es bezeichnet „patriarchalen Dividende“ (2014) profitieren. Die Folge davon ist, dass nur sozialisationsbedingt ähnliche Männer sich unterstützen.

Tatsächlich scheinen Männer auch Frauen stärken zu unterstützen als etwa weibliche Mentoren. Und das Frauen seltener gefördert werden scheint auch schlicht daran zu liegen, dass es weniger Frauen gibt, die nach oben wollen. Die Gefahr, dass einem eine Affaire unterstellt wird mag dazu beitragen.

Der Thomas-Kreislauf – der Ähnliche wählt den Ähnlichen

Die Allbright-Stiftung identifizierte 2017 den sogenannten „Thomas-Kreislauf“ in den DAX-Vorständen. Sie konnten nachweisen, dass in den Vorständen mehr Männer mit den Vornamen Thomas (50 Jahre alt, deutsch, Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieur) und Michael (insgesamt 49) vertreten waren, als weibliche Vorstandsvorsitzende (Anzahl 46) insgesamt! Es ist folglich hinsichtlich sozialer, nachhaltiger, wirtschaftlicher und chancengerechter Aspekte nicht nur gegenüber Frauen, sondern auch gegenüber anderen Männlichkeitsidentitäten, die dem Typus nicht entsprechen, von Nachteil, wenn Thomas den ihm ähnlichen Thomas fördert und wir in den Führungsetagen eine Monokultur männlicher Manager antreffen. Die ZEIT machte mit dem Beitrag „Die Hans-Bremse“ deutlich, dass das männliche Netzwerk-Solidaritätsprinzip nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in den Behörden somit in der Verwaltung in Deutschland vorherrscht. Seit 1949 gab es bis zum Erscheinungsdatum des Beitrags 692 beamtete Staatssekretäre, davon gerade einmal drei Prozent Frauen. Welcher Vorname dominierte? Richtig: Hans.

Diese Vornamengeschichte ist auch ein eher schwaches Argument. Natürlich sind bestimmte in der relevanten Altersgruppe häufige männliche Vornamen bei Führungspositionen eher vorhanden, wenn Männer ihr Leben eher auf Karriere ausrichten und Frauen eher auf eine Vereinbarkeit mit Familie. Eine Kausalität zum männlichen Namen herzustellen bzw damit zum Geschlecht blendet eben gerade diese Faktoren, die mit dem Faktor „Mann“ zusammen hängen aus, wie etwa die Bereitschaft zu mehr Wochenstunden, das höhere Interesse an Statusaufbau etc

Frauen solidarisiert Euch!

Aus diesen „Fehlern“ der Reproduktion von Chancenungleichheit die folgerichtigen Schlüsse ziehend, können Frauen von dem Netzwerk-Solidaritätsprinzip lernen. Sie können sich bewusst machen, wie ihr eigenes Verhältnis zu Konkurrenz ist. Oder wie stark sie mit dem „Zickenstereotyp“ identifiziert sind und es gegebenenfalls im Alltag weitertragen. Und sie können sich fragen, ob sie sich mit Frauen (diversen Alters, sexueller Ausrichtungen, unterschiedlicher Herkunft etc.) gegenseitig unterstützen und solidarisieren wollen. Sie können einander im Wettbewerb begegnen und sich gleichzeitig untereinander fördern und in Netzwerken kooperieren und unterstützen. Gemeinsam in die Führungsetagen aufzusteigen würde bedeuten, dass sie dort nicht nur zahlreicher vertreten wären (was hinsichtlich sozialer, wirtschaftlicher und nachhaltiger Aspekte für uns alle von Vorteil wäre), sondern auch, dass nicht weiterhin eine männliche Monokultur vorherrscht. Deshalb lautet mein Aufruf an alle Frauen da draußen: Solidarisiert Euch und gestaltet den Change zu einer diversen Arbeitswelt, in der wir alle voneinander lernen dürfen, aktiv mit!

Oder: Eignet euch die „männliche Strategie“ unabhängig von dem Geschlecht eures Konkurrenten ab und seht zu, dass ihr auf diesem Weg selbst nach oben kommt statt euch auf andere Frauen zu verlassen.

26 Gedanken zu “Konkurrenz im Beruf unter Frauen

  1. Auf der einen Seite
    „…dass in den Vorständen mehr Männer mit den Vornamen Thomas (50 Jahre alt, deutsch, Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieur) und Michael (insgesamt 49) vertreten waren, als weibliche Vorstandsvorsitzende (Anzahl 46) insgesamt“

    Auf der anderen Seite
    „ob sie sich mit Frauen (diversen Alters, sexueller Ausrichtungen, unterschiedlicher Herkunft etc.) gegenseitig unterstützen“

    Was für ein abenteuerlicher Gedankengang: Männer aus gleichen sozialen Schichten, gleichen Alters und gleichen Interessen/Denkweisen sind gut in Kooperation. Also müsste es möglich sein, dass Frauen, die nicht das geringste vereinigt außer ihres XX Chromosoms, genauso gut kooperieren.

    Feminusmus macht noch die klügsten Menschen dumm.

    Ich würde übrigens wetten, dass es auch über 30 Stefans und etwa 20 Markusse gab.

    • Ich bin der Meinung, dass man den AutorI_x*nnen mit den dümmsten Argumenten in einer Veröffentlichung ungestraft in den Hintern treten darf.

      Thomas war der beliebteste Jungenname in D für die Geburtsjahre 1957, 1958, 1959 an zweiter Stelle, dann ungebrochen beliebtester von 1960-1967, 1968 wieder an zweiter Stelle, 1969 wieder beliebtester. Erst in den 70ern nahm die Bedeutung ab.
      1964 war das Jahr mit den meisten Geburten in Deutschland, bis 1967 handelt es sich um die „geburtenstarken Jahrgänge“.
      Die Wahrscheinlichkeit, dass sich in in irgendeinen Segment der Gesellschaft, welches sich aus Ü50 zusammensetzt kein Thomas befindet wird demzufolge gering sein.

      Was sich in den Vorständen tatsächlich vollzogen hat, ist ein verschwinden von Juristen zugunsten von Wirtschaftswissenschaftlern, während der Anteil derjenigen mit Ingenieurshintergrund stabil geblieben ist. Dumm gelaufen, für Frauen, die seit Pi mal Daumen 2000 die Mehrheit der Jura-Studenten stellen.

      Aus dem Text: „Bei den ernsten Spielen des Wettbewerbs sind Wettbewerb und Solidarität zwei Seiten einer Medaille. Sie gehören zusammen“
      Jup, Erfolgsrezept „toxischer Männlichkeit“ seit Minimum dem Bau der Pyramiden. Im englischen Sprachraum gibt es das neumodische „Coopetition“, der Mix aus Cooperation und Competition.
      Kann man lernen.

      Allerdings steht dem entgegen, das Männer als Mängelwesen gelten sollen, die sich durch überlegene Weiblichkeit zu ergänzen lassen haben. Das Problem der Konstruktion als überlegene Weiblichkeit ist aber, Mary Sue muss nichts lernen, sondern andere (Männer) von ihr.

  2. Auch ohne in Führungspositionen zu sein, haben Frauen oft die „Macht“ in den Unternehmen.
    Beispiel Automobilindustrie. Dort finden sich viele Frauen in den „typisch-weiblichen“ Unternehmensbereichen wie

    1. Teamassistenz (früher „Sekretärin“)
    2. Personalentwicklung
    3. werksärztlicher Dienst (Gesundheitsmanagement)
    4. Rechtswesen
    5. interne Kommunikation (werksinterne Mitarbeiterzeitschriften/Intranetartikel)
    6. Materialsteuerung

    In den „harten“ Bereichen Produktentwicklung/Konstruktion und Prozessentwicklung (z.B. Montagetechnik) sind weniger Fauen, aber trotzdem erstaunlich viele.

    Die Machtpositionen sind:

    zu 1. Wenn man eine Berufswege-/Karriereplanung hat z.B. als Ingenieur, braucht mann einen guten Draht zu den „Hierarchien“ also den Chefs obendrüber. Das geht meist nur über den Umweg über die „Assistenz“. Dort sitzt „Sie“. Wwenn man bei ihr „verkackt“ hat, kann man seine Berufswegeplanung erstmal auf Eis legen.

    Deshalb wird genau darauf geachtet, ob der Chef sie „mitnimmt“, wenn er z.B. befördert oder versetzt wird, ober ob sie „dableibt“. Wenn er sie mitnimmt, kann man sich wieder Hoffnung machen, weil dann eine „Neue“ kommt.

    zu 2. Bei der Personalentwicklung sind fast paritätisch Frauen tätig, meist als Wirtschaftspsychologin. Diese bestimmen z.B. im Rahmen der Personalrekrutierung (Bewerbungsverfahren, Assessmentcenter), wer überhaupt „reinkommt“ ins Unternehmen.

    ZU 6. Materialsteuerung ist fast nur weiblich besetzt. Diese Abteilung koordiniert die Zulieferungen (z.B. über LKW) an das Automobilwerk, meistens Industriekauffrauen. Als Ingenieur braucht man oftmals Einzelteile aus der aktuellen Zulieferung für Befundungszwecke o.ä.
    Dazu muss man sich mit „seiner“ Materialsteuerin gut verstehen, da die Ausschleusung einer Teilmenge aus dem Lieferprozess ein Sonderaufwand für sie ist. Ansonsten kann sie einem das Leben schwer machen.

    Als Fazit:

    Frauen bestimmen, ob man

    1. überhaupt „reinkommt“ (Personalwesen)
    2. „hochkommt“ (Assistenz/“Chefsekretärin“)
    3. effektiv arbeiten kann (Materialsteuerung)

    Und das alles ohne Führungstätigkeit der Frauen.

    • „Und das alles ohne Führungstätigkeit der Frauen.“

      Wozu auch Führungstätigkeit, wenn man alles viel wirksamer und gründlicher bestimmen kann, ohne offensichtliche Angriffsfläche zu bieten. Die schicken halt in allen Bereichen die Männer an die Front und verhindern damit selbst verheizt zu werden.
      Und als Bonus können sie sich nachher noch beklagen, immer nur in zweiter Reihe stehen zu müssen.
      Das Konzept ist pfiffig und läuft super.
      Na klar, manchmal wird dann schon eine Völkerrechtspraktikantin nach vorne geschickt, aber kluge Frauen machen das nicht. Die konzentrieren sich auf die Melange von Benachteiligungsgejammer und Bestimmung des Geschehens im Hintergrund.

  3. Der Artikel ist gleichsam ein Aufruf an alle Frauen sich zu solidarisieren.

    Frauen solidarisiert Euch!

    Welch sexistische Anmaßung, zu verlangen, dass Frauen sich mit anderen allein aufgrund des Geschlechts solidarisieren sollen. Ich bestimme immer noch selbst, mit wem ich mich solidarisiere, wen ich unterstütze, und mit wem ich zusammenhalte.
    Das muss wohl diese prosoziale Dominanz sein, die sich erdreistet, alle anderen Frauen bevormunden zu wollen. Zum Glück bin ich dem Krabbenkorb schon seit langem entkommen.

    Auch sonst habe ich bei diesem Text immer wieder den Kopf geschüttelt, aber jetzt keine Lust, das im Einzelnen aufzudröseln.
    Nur ein Punkt noch, der mir besonders aufgestoßen ist:

    Frauen, die im Kindesalter mit Jungs aufgewachsen sind, mit Legos gespielt haben oder ähnlich, verfügen ebenfalls über diese Sozialisationserfahrungen und fühlen sich in männlich dominierten Berufsfeldern häufig „wohler“ als unter Frauen.

    Diese Behauptung ist durch nichts belegt. Ich würde fast wetten, dass die Autorinnen sich das einfach aus den Fingern gesogen haben, weil es ihrem Narrativ entspricht.
    Für mich persönlich gilt die Behauptung als falsifiziert. Als ich aufgewachsen bin, wohnten in der Nachbarschaft nur ein paar Mädchen (2 bis 4 Jahre älter), die als Spielkameraden in Frage kamen (im Rückblick passte ich als introvertierter Nerd wohl schon damals nicht dazu). Auch im Kindergarten und in der Schule hatte ich kaum mit Jungen zu tun. Das änderte sich erst, aber dafür schlagartig, als ich mit meinem Studium anfing.

    Und was Legos mit dem späteren Sozialverhalten zu tun haben sollen, erschließt sich mir erst recht nicht.

    • „Das muss wohl diese prosoziale Dominanz sein, die sich erdreistet, alle anderen Frauen bevormunden zu wollen.“

      Wobei du dich mit ihr solidarisieren sollst, aber whrs. recht unsolidarisch behandelt wirst, sobald du ihr widersprichst.

    • Bei den Legos stellt sich die Frage ob Ursache oder Wirkung.
      Führt spielen mit Lego dazu dass Frauen eher wie Männer handeln oder spielen Mädchen die aufgrund einer Prädisposition eher wie Männer ticken lieber mit Lego?

    • „Diese Behauptung ist durch nichts belegt. Ich würde fast wetten, dass die Autorinnen sich das einfach aus den Fingern gesogen haben, weil es ihrem Narrativ entspricht.“

      Ob es dazu Studien gibt, wäre schon interessant. Rein anekdotisch würde ich der Aussage allerdings zustimmen.

      Es geht darum, ob Frauen in frühen Jahren lernen, sich in konstruktive, also etwas erschaffende, Teamstrukturen ohne Rückgriff auf weibliche Beteiligungsmuster (Gute Laune–Deko sein und sexualisierte Emo-Häppchen als Belohnung für erfolgreiches männliches Handeln anbieten) engagieren. Gemeinsam aus Lego ein Schiff, ein Raumschiff oder eine Burg bauen sind hier gute Aufgabenstellungen dafür.

      • Teamstrukturen ohne Rückgriff auf weibliche Beteiligungsmuster (Gute Laune–Deko sein und sexualisierte Emo-Häppchen als Belohnung für erfolgreiches männliches Handeln anbieten) engagieren.

        Ich würde das durchaus negativer auslegen wollen.
        Mädchen bzw. später Frauen sind keine Gute-Laune-Deko und (sexualisierten) Emo-Häppchen, sondern Anhängsel, die häufig relativ leistungslos von den Leistungen der Jungen bzw. Männer profitieren.
        Zumindest, wenn man das Baumhaus-Syndrom auf die wohlhabenderen (a)sozialen Schichten überträgt.
        Jungen machen, bauen, leisten und die Mädchen beschweren sich so lange heulend bei den Eltern, bis die Jungen sie auf elterlichen Druck hin im Baumhaus mitspielen lassen. Wohlgemerkt, im fertiggestellten Baumhaus. Fürs Bauen sind Mädchen schließlich nicht zuständig.

        Und das setzt sich auch später im Leben fort, wenn „eine starke Frau ihrem erfolgreichen Ehemann den Rücken freihält“. Für diese quasi unmenschliche Lebensleistung kassieren Frauen dann auch gerne mal Milliarden Dollars nach ein paar Jahren Ehe.

        • Da hast Du durchaus recht. Meine Aussage war, dass eine frühzeitige robuste Sozialisation mit/durch männliche Geschwister Frauen nützlicher und erträglicher werden lässt.

          Oder um bei Deinem Beispiel zu
          bleiben: Gerade weil und wenn das Baumhaus-Gequengel dann Spinne im Bett zur Folge hat, kommt Mädchen auf den Trichter. 😉

      • Um so ein großes gemeinschaftliches Projekt mit Lego zu bauen, braucht man schon wirklich sehr viele Teile.
        Meine Legos passten leicht in eine Schuhschachtel hinein. Damit waren die Möglichkeiten begrenzt (reichte bei sorgfältiger Planung gerade mal für ein einstöckiges Puppenhaus ohne Dach, aber mit Außentreppe).
        Ich sehe Lego eher als das ideale Alleinspiel, das Kreativität schult, sowie den pragmatisch-sparsamen Umgang mit Resourcen (wenn für das vorgesehende Muster 8 gelbe Steine nötig sind, man aber nur 6 hat, muss man eben eine andere Lösung finden).

  4. Dem zu Grunde liegen unterschiedliche Sozialisationserfahrungen und Stereotype, die beide Geschlechter vom Aufwachsen bis ins hohe Alter (unbewusst) erlernen, verinnerlichen und die ihr alltägliches und somit berufliches Handeln prägen.

    Das kann so sein. Oder eben auch nicht. Bin immer wieder fassungslos über diese völlig dreiste Genderisierung der Geschlechterwelt. Als ob das alles unzweifelhaft belegt wäre.

    Sollte man das nicht mal „dekonstruieren“?

    Ach nee, is‘ ja nich‘ „progressiv“.

    • Sie operieren mit der Behauptung und Unterstellung, etwas sei „unbewusst“, nämlich den Betreffenden, aber den Beurteilenden ist bewusst, dass sie „unbewusst“ bei den Betreffenden existieren.

      Nun müssten die Betreffenden die letzten Jahrzehnte unter einem Stein gehaust haben, um Aussagen wie bspw. „typisch Mann“ oder „typisch Frau“ absolut buchstabengetreu und ohne Spur von Ironie zu verstehen.
      Der vollzogene Dreischritt: „(unbewusst) erlernen, verinnerlichen und alltägliches und somit berufliches Handeln prägen“ setzt aber genau das voraus.

      Die These beruht auf der Grundeinstellung, dass keine Wandlung im gesellschaftlichen Denken stattgefunden hat und behauptet wird daher nicht, die „Stereotype“ seien „unbewusst“, sondern sie seien noch immer als „Stereotype“ unbekannt.
      Denn nur unbekannte „Stereotype“, von deren Existenz die Betreffenden keine Ahnung hatten, die also außerhalb ihres Bewusstseins existieren, können „unbewusst gelernt und verinnerlicht“ werden.

      Das Kunststück der „Psychologisierung“ ist demnach, einen gesellschaftlichen Wandel einzufordern (Bewusstsein der „unbewussten Stereotype“), der bereits vor Jahrzehnten stattgefunden hat, für die Beurteilenden jedoch immer noch vor „uns“ liegt.

      Das muss er auch, denn nur so können sich die Beurteilenden erhaben fühlen gegenüber denjenigen, denen nicht bewusst ist, dass was sie „prägt“ ihnen selbst „unbewusst“ ist.
      Ihre „Grundeinstellung, dass keine Wandlung im gesellschaftlichen Denken stattgefunden hat“ dient nur der selbstdienlichen Pflege des eigenen Egos, wonach ohne ihre eigene, höhere Einsicht kein gesellschaftlicher Wandel möglich ist. Und der muss – selbstredend – immer vor ihnen liegen und nicht ohne ihre Erkenntnis (des „Unbewussten“) möglich sein.

      Ebenso verhält es sich mit dem „unconscious bias“, bei dem ich mich immer frage, wie oft noch wiederholt werden wird er sei „unbewusst“, bis man die Verkünder der frohen Botschaft mit nassen Lappen bewirft.
      Die idiotischen Hütchenspielertricks der „Avantgarde“ von vorvorgestern.

      • Gut zusammengefasst. Dem gendersüchtigen Deppenklientel mit seinen ewigen Minderwertigkeitsgefühlen verlangt es nach Unterwerfungsgesten, nach Racheakten, die sie der restlichen Welt aufdrücken können. Getreu dem Motto, wer den Genderstern erst mal mitmacht, macht irgendwann alles mit.

        • Danke. Es muss doch aufgefallen sein, kaum ist es der Meute gelungen, den Genderstern der „restlichen Welt aufzudrücken“, war sie u.a. mit dem „:“ bereits wieder einen Schritt weiter.

          Das Engagement – besonders für den „*“ – erweist sich im Nachhinein sich als klassisches Distinktionsmerkmal der selbsternannten Elite, das in dem Augenblick, da es dem Pöbel zugemutet worden ist nicht mehr als Ausdruck einer feineren Gesinnung gelten konnte.

          Simone Schmollack fasst den Voluntarismus der „historischen organischen Sprachentwicklung“ in der „taz“ (1) so zusammen: „Dafür gibt es viele Varianten, liebe Leser_innen, Leser.innen, Leser*innen, Lesende oder eben Leser:innen.“
          Und nicht zu vergessen bzw. auf jeden Fall zu vergessen den ganz heißen Scheiß des Binnen-I, nämlich LeserInnen, mit dem die Sache ihren Anfang nahm sowie die Leserx von Lann Hornscheidt.

          In jedem Fall der ultimative Ausdruck von „Gerechtigkeit“ und zwar jedes einzelne Mal und jetzt aber endgültig. Spaß! Eben weil es sich um ein klassisches Distinktionsmerkmal der selbsternannten Elite handelt, wird es immer weitergehen.
          Ich bin mir sicher, selbst nach Einführung von: ∞ wird es eine Forderung nach der Ergänzung + geben.

          Stabil hingegen ist die von Schmollack vertretene Haltung: „Noch tun sich zwei Drittel der Deutschen schwer mit dem Gendern. Früher oder später werden sie sich aber doch damit arrangieren müssen.“

          Dass zwei Drittel der Bevölkerung gegen die Gender-Sprache sind, ist nicht etwa als demokratische Absage des Vorhabens der selbsternannten Elite zu verstehen, sondern als Zeichen dafür, dass sie noch umerzogen werden muss.

          Sprachmanipulativ ist ebenfalls auffällig, wie oft demokratische Mehrheiten inzwischen als „Dominanz“ ausgegeben werden.
          D.h. es wird eine Form von Herrschaftsverhältnis unterstellt – als wäre dieses Ursache und Ziel dieser Mehrheit – und damit unter Verdacht gestellt.
          Damit werden undemokratische Denk- und Verhaltensweisen als Widerstand gegen erfundene „Dominanzverhältnisse“ geadelt.

          Wenn ich mir die Entwicklung anschaue, dann vollzieht sich hier ein Umbau einer Elitetheorie auf einer neuen Basis, deren Ziel für die Bevölkerung – mit Althusser gesprochen – „die Reproduktion ihrer Unterwerfung unter die herrschende Ideologie“ identisch geblieben ist.

          (1) https://taz.de/Gendergerechte-Sprache/!5769880/

          • „Das Engagement – besonders für den „*“ – erweist sich im Nachhinein sich als klassisches Distinktionsmerkmal der selbsternannten Elite, das in dem Augenblick, da es dem Pöbel zugemutet worden ist nicht mehr als Ausdruck einer feineren Gesinnung gelten konnte.“

            Das ist schon in deren Selbstbezeichnung „progressiv“ enthalten: Es muss immer weitergehen. Sie sind die Zukunft, deren maßgebliches Merkmal ist, sich von der Gegenwart zu unterscheiden.

  5. „Im Verhalten unter Frauen in der Berufswelt spiegelt es sich darin wider, dass Frauen sich häufig allein an die Führungsspitze kämpfen, während Männer in Grüppchen an ihnen vorbeiziehen.“

    „Allein“, wobei sie bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden sollen und es wie bei uns extra interne Förderprogramme gibt um Frauen nach oben zu bringen. Unterstützt von größtenteils Männern. Aber klar, die Frauen machen das „alleine“.

    Ich glaube auch nicht das für Männer das Geschlecht die ausschlaggebende Rolle spielt, sondern eben die Kompetenzen, was man zusammen getan hat und ob man sich auf den anderen Verlassen kann. Wenn der Andere eine Frau ist, dann ist das eben so. Es zeigt sich schon in der Kindererziehung dass Vätern das Geschlecht ihres Kindes egaler ist, während Mütter es schon unterschiedlich bewerten ob ihr Sohn weint oder ihre Tochter.
    Diese Sexualisierung wird m.M.n. hauptsächlich von Frauen betrieben und dann von ihnen auf Männer projiziert. Siehe auch die unsichtbaren Boys Club und die real existierenden Frauennetzwerke.

  6. In der „Bonner Runde“ reden die fast ausschließlich über „Klima“. Andere Themen kommen kaum vor. Die spinnen einfach nur.

    • Der AfD-Heini ist der einzige der widerspricht, und den hamse nicht ausreden lassen. Die Moderatorin hatte zwar brav seine Meinung abgefragt, aber die Unterbrechung durch die anderen Parteiheinis nicht unterbunden.

  7. Während Männer beim Aufstieg sich verbünden und gemeinsam in Führungspositionen aufsteigen, kämpfen sich Frauen allein durch männliche Monokulturen an die Spitze.

    Wo sollen denn diese „männlichen Monokulturen“ zum Durchkämpfen heute noch sein? Die nervenden Feminazi-Weiber haben doch schon längst dafür gesorgt, dass

    a) zum einen alles exklusiv von Männern und/oder für Männer gemacht wurde, stigmatisiert bis gänzlich unmöglich gemacht wurde, während Angebote und Gruppen exklusiv für Frauen vollkommen selbstverständlich sind und mehr und mehr werden.

    b) zum anderen Frauen überall da, wo die Männer, aus welchem Grunde auch immer, in der Mehrheit sind, mit geradezu absurdem Tempo „nach oben“ durchgejagt werden. Ich habe das selber bei einer guten Freundin mitbekommen: Sie hatte nach der Fluch aus der DDR für einige Zeit die unter den damaligen Bedingungen verzeihliche Wahlvorstellung, als nicht korrupte Person im Einklang mit den tatsächlichen Parteiprogrammen der SPD gesellschaftlich etwas zu bewirken (natürlich ist sie sofort wieder ausgetreten, ich glaube noch bevor Schröder und seine Agenda-Clique die Macht übernahmen). Sie wurde mangels anderer an dergleichen interessierter Frauen binnen weniger Monate nach Parteieintritt und ohne die geringste politische Erfahrungvon Männern an tausenden, teilweise schon Jahrzehnte die Basis-Drecksarbeit machenden anderen Männern mit Erfahrung und Ambitionen vorbei geradezu die Karriereleiter hochgejagt und befand sich innerhalb von kürzester Zeit im Stadtrat einer der größten deutschen Städte, in Kommissionen unter Beteiligung von Staatsekretären und Ministerpräsidenten usw. Und das war beileibe kein „Einzelschicksal“, dass passierte damals und passiert noch heute nahezu jeder Frau, die sich in einer Partei betätigt und bereit ist, mehr als eine Mitgliedschaft auf dem Papier anzustreben.

  8. Pingback: Die Macht der Frauen | uepsilonniks

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.