Durchlässigkeit der Gesellschaft und Studium

Wo wir gerade schon mal allgemeinere Fragen hatten:

Deutschland hat ein Durchlässigkeitsproblem, in anderen Ländern studieren mehr Leute und auch mehr Leute aus „unteren“ Schichten.

Das liegt aus meiner Sicht zum Teil daran, dass in anderen Ländern bestimmte Berufe studiert werden, die hier Ausbildungsberufe sind. Da stellt sich dann die Frage, ob etwa eine Krankenschwester ihren Beruf studieren muss bzw ob die Uni so viel schlechter ist. Auch Meisterschulen etc wären in der Hinsicht in der Vergleichbarkeit.

Gegen mehr Leute die studieren spricht auch, dass das ohne eine Absenkung des Niveaus kaum machbar sein wird. Wer glaubt, dass jeder dazu in der Lage ist, der verfällt einem längst überholten Behaviorismus und verkennt Unterschiede zwischen den Menschen aufgrund ihrer Biologie.

Ein Ziel wie „70% der Leute sollten studieren können“ ist wenig realistisch, wenn man nicht Umdefinitionen macht (bisherige Ausbildungen mit gleichen Niveau als Studium) oder das Niveau absenkt. Schon heute klagen viele Universitäten über das Niveau der Studenten.

Der Gegenvorwurf wäre Elitismus und der Wert eines Studium.

81 Gedanken zu “Durchlässigkeit der Gesellschaft und Studium

  1. Es ist sicher einerseits die andere Definition von Studium, aber vor allem die Tatsache, dass man Gleichheit annimmt wo möglicherweise keine Gleichheit ist.
    Einer der größten Erfolge der deutschen Sozialdemokratie war die Eröffnung der Möglichkeit des Studiums für alle durch Bafög. Der Effekt war eine Öffnung einer bis zum zweiten Weltkrieg existierenden Ständegesellschaft in den akademischen Bereich hinein. Plötzlich wurde auch den Nachkommen der einfachen Arbeiter und Handwerker ein Studium möglich gemacht.
    Das hat viele Jahre gedauert und war in den achtziger Jahren letztendlich Normalität.
    Damit hat man den Bildungserfolg wieder zu einer Funktion der Intelligenz und und weniger der sozialen Herkunft gemacht.
    Das hat die Gesellschaft ziemlich durchgemischt.
    Doch dieser Zug ist ins stocken geraten. Die Erfolge haben sich nicht einfach so fortgesetzt. Und hier schlägt die übliche Logik von Politik und Soziologen durch. Das muss falsch sein, weil das vorher gut war.
    Was wäre denn, wenn im Sinne der Biologie eine neue Mischung des Erbgutes in Bezug auf die Selektion auf Intelligenz eingetreten wäre? Nehmen wir an es hätten Ende der 60er vermehrt Menschen mit hoher Intelligenz aus Schichten studiert denen das vorher verwehrt wurde und damit einen gesellschaftlichen Aufstieg hingelegt. Wäre es möglich, dass diese Menschen entsprechend andere Partner zur Vermehrung gesucht und gefunden hätten? Damit käme eine neue Entmischung zustande, die ihrerseits entsprechende Nachkommen zeugt.
    Damit wäre die Revolution Bafög Opfer des eigenen Erfolgs, wenn man Erfolg darüber definiert, dass immer mehr Menschen aus unteren Einkommensschichten studieren. In der Regel wird ja nicht beklagt, dass der Effekt messbar gegen die Verteilung von Intelligenz kollidiert. Denn eine ungleiche Verteilung von Intelligenz zu postulieren oder gar erbliche Faktoren dafür anzumelden ist ja nicht legitim, Biologismus und letztendlich Nazi.
    Norwegen hat übrigens ähnliche Probleme: https://youtu.be/TgDGqi1MbOc

    • Jetzt verstehe ich den Stuß besser, den du weiter unten verfaßt hast.

      Nur weil Soziologen viel Scheiße erzählen, muß man nicht noch mehr Scheiße erzählen.

      Die Biologie kann kein essentieller Faktor von Intelligenzunterschieden sein. Die sozialen Ursachen sind überoffensichtlich. Man schaue sich die Ne*er in Afrika an. Die sind heute genauso „klug“ wie die Leute bei uns im 19. Jahrhundert.

      Die Bildungssysteme in Afrika sind nicht gerade die besten. Na ja.

  2. „Einer der größten Erfolge der deutschen Sozialdemokratie war die Eröffnung der Möglichkeit des Studiums für alle durch Bafög.“

    Das BaföG gab es seit der ersten Hälfte der 60-er Jahre. Auf der Grundlage der Sozialen Marktwirtschft und seiner Erfolge („Wirtschaftswunder“; Ludwig Erhard: „Wohlstand für Alle!“).
    Die Möglichkeiten für Weiterqualifizierung und Berufserfolg, unabhängig von sozialer Herkunft, wurden dabei sicher wesentlich von Seiten der damaligen SPD angeregt, und auf der Grundlage des Godesberger Programms konsensual in der Bonner Republik getrgen und umgesetzt.

    „Plötzlich wurde auch den Nachkommen der einfachen Arbeiter und Handwerker ein Studium möglich gemacht…Damit hat man den Bildungserfolg wieder zu einer Funktion der Intelligenz und und weniger der sozialen Herkunft gemacht.“

    Berufserfolg war somit eine Frage von Intelligenz, Können, Wollen und Einsatz geworden, was seit Ende der 80-er Jahre zunehmend wieder in Frage gestellt worden ist.
    Heute ist „man“ als Töchter aus den „besseren Kreisen“ bereits bestens qualifiziert, selbst für höchste Staatsämter…

    • „Das BaföG gab es seit der ersten Hälfte der 60-er Jahre.“
      Ich meinte natürlich den Vorgänger des BaföG, nämlich das „Honnefer Modell“, das bereits 10 Jahre nach Kriegsende, 1955 erstmamls eingeführt wurde…

    • „Heute ist „man“ als Töchter aus den „besseren Kreisen“ bereits bestens qualifiziert, selbst für höchste Staatsämter..“

      Komisch dass mir dazu ein bestimmter Name einfällt 🙂

      • Das sieht die hier ganz anders:

        Nun ist die Gallina selbst Nutznießerin der Frauenbevorzugung ihrer Partei, es hat ihr auch nicht geschadet ein Verhältnis innerhalb der Machtpositionen der Partei zu haben, kommt aus allerbesten Verhältnissen und hat witzigerweise dasselbe studiert wie die die Baerbock…. Gearbeitet hat sie natürlich auch noch nie….

  3. Deutschland hat allgemein ein Leistungsproblem. Und ein Wettbewerbsproblem. In den USA ist es ganz normal, dass es in der Schule ein Ranking gibt, wer der Beste Schüler ist. Und das ist etwas, nachdem die Meisten streben. Bei uns ist jemand, der gut in der Schule ist, das auch sein will, dafür etwas leistet und mitarbeitet, ein Streber, der angefeindet und im Schlimmsten Fall gemobbt wird.

    Jemand, der der Beste sein will, oder viel Geld verdienen will, wird mit Argwohn betrachtet.

    Und alle Steuersysteme, Sozialsysteme, Bildungssysteme sind darauf ausgelegt, dass von unten niemand hoch kommt. Und denen, die haben, gegeben wird. Ob das die Rente ist. Oder die gesetzl. Krankenversicherung. Arbeitslosengeld2. Immer das gleiche.

    Sogar in Kindergärten und Grundschule wird sich speziell nur um die Schlechten gekümmert. Förderung, Inklusion, spezielle Klassen mit eigens ausgebildeten Betreuern und Lehrkräfte etc. Für die Hochbegabten? Nix. Müssen die Eltern selber mit klar kommen, dass ihre Kinder das alles scheisse und langweilig finden. Da gibt’s dann höchstens nen 6er oder nen Verweis, wenn die Hausaufgaben nicht gemacht werden.

    • Krankenversicherung ist mal ganz schwierig. Einerseits ist es natürlich tatsächlich wirtschaftlich reguliert wer sich privat Krankenversichern darf, andererseits wäre das System ohne die Privaten längst am Ende. Wir brauchen hier eine Reform, aber einfach die ganzen Privatversicherten in die gesetzliche zwingen würde das System augenblicklich kollabieren lassen!

        • Sicher? Klar, ich würde etwas mehr zahlen müssen, dafür wären die Kinder mitversichert, aber vor allem würde das Gesundheitssystem viel weniger Geld bekommen.
          Du musst Die mal vor Augen führen wie wenig die GKV bezahlt. Ich habe hier gerade eine Abrechnung über eine kleine Zahninspektion auf dem Tisch: Anschauen, Status aufnehmen, Zahnstein entfernen und reinigen – unter 90 € zum 2,3 fachen Satz.
          Zahl ich natürlich selbst wegen der Selbstbeteiligung/Rückerstattung. Bedeutet die GKV hätte dafür sagenhafte 40 Euro springen lassen. Dafür wechselt dir deine Werkstatt kaum die Reifen. Das kann nicht funktionieren.
          Und wenn dann noch Kreti und Pleti ihre Kinderschar und Gattin mitversichern lassen liegt hier das eigentliche Problem eine Versicherung oder ein Umlagesystem (eine Versicherung ist die GKV ja eigentlich nicht), dass seine Kosten nicht finanzieren kann wird nicht besser wenn mehr Leute einzahlen. Die Hoffnung wäre lediglich, dass die hinzukommenden überproportional gut zahlen und weiger entnehmen.
          Mein Beitrag dazu ist, dass ich die Ärzte überhaupt über meine Rechnungen wirtschaftlich am Leben erhalte.

          • Die Niederlande kommen ohne Zweiklassenmedizin aus, die auch aus ethischen Gründen fragwürdig ist.

            Marktwirtschaft und Konkurrenzprinzip sind etwas Gutes – aber nur wenn sie durch das Solidarprinzip eingehegt und begrenzt werden.

            Bildung, Wohnen und Gesundheit sind Bereiche, wo das Marktprinzip z.T. Verheerendes anrichten kann. Man denke nur an all die völlig überflüssigen Operationen, die in deutschen Krankenhäusern getätigt werden. Mit Gesundheit sollte man keinen Profit machen oder sich narzißtisch aufputschen.

            PS: Im Ostblock mußte man schmerzlich lernen, daß das Marktprinzip doch nicht so schlimm ist, wie von Marx behauptet.

            Und im Westblock muß man noch lernen, daß das Marktprinzip nur dann wirklich funktioniert und sein Bestes liefert, wenn es begrenzt und ergänzt wird. Konkurrenz liefert nicht überall automatisch das beste Ergebnis.

          • Ich kann dir nicht ganz folgen. Status Quo: Wir haben 2 getrennte Solidaritätstöpfe.

            – Einer für die Armen und Mittleren, die untereinander „solidarisch“ sind (GKV).
            – Und einer für die Oberen und ganz Oberen, die ebenfalls nur untereinander „solidarisch“ sind (PKV).

            Wenn wir die beiden Töpfer zusammenschmeißen könnten, würde das die medizinische Versorgung der Ärmeren verbessern, ohne das irgendjemand mehr zahlen müsste. Allerdings müssten die Reichen um einen Teil ihrer Luxusbepamperung verzichten.

          • Ja das sieht vordergründig so aus, es ist aber so, dass die privaten Kassen mit ihren deutlich höheren Sätzen die Mittel für die gesetzlichen Kassen erst bereit stellen. Wären alle privatversicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung würde es zwar etwas mehr Einnahmen geben (Stichwort Beitragsbemessungsgrenze) aber auch viel weniger Zahlungen an Krankenhäuser, Ärzte usw.. Dann sähe es vermutlich hier so aus wie in GB….

          • „Wären alle privatversicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung würde es zwar etwas mehr Einnahmen geben (Stichwort Beitragsbemessungsgrenze) aber auch viel weniger Zahlungen an Krankenhäuser, Ärzte usw.“

            Wieso das, die Summe bliebe gleich.

            „Dann sähe es vermutlich hier so aus wie in GB….“

            Den NHS halte ich für ein gutes Vorbild, den Greuelberichten der deutschen Medien glaube ich nicht. Von Briten hört man überwiegend Gutes.

          • „Den NHS halte ich für ein gutes Vorbild, den Greuelberichten der deutschen Medien glaube ich nicht. Von Briten hört man überwiegend Gutes.“
            Tatsächlich? Das ist mir neu.

            Jedenfalls ist das Gesundheitssystem meines Wissens umso teurer im Verhaltnis zur Qualität, je mehr es einem privaten Gesundheitssystem ähnelt. Beispiel: Die USA geben inzwischen 20% des BIP für Gesundheit aus, fast drei mal so viel wie es bei rein staatlichen Systemen üblich ist (etwa 7%). Den NHS hielt ich bisher für eine Ausnahme von der Regel, aber ich kann mich natürlich auch irren.

          • @Kosten der privaten KV
            Der Grund dafür ist, dass private Krankenversicherungen viel Geld für eine Verwaltung ausgeben, die v.a. dazu da ist schlechte Risiken auszusortieren. Deswegen versteh ich auch nicht so recht, warum Obamacare das US-amerikanische System nicht billiger gemacht hat, da es, wenn ich recht erinnere genau dieses aussortieren entweder verboten oder allenfalls begrenzt erlaubt (hat). Wobei ich mir da jetzt aber nicht mehr so sicher bin. Dass private KVs in Deutschland billiger sind, liegt daran, dass sie nicht die niedrigen Beiträge der Armen und höhere Risiken, die keine private Versicherung nehmen würde, querfinanzieren muss, wie das bei der gesetzlichen KV der Fall ist.

          • Der hauptgrund dürfte schlicht sein, dass die PKV einzelne Personen versichert und keine unbestimmte Anzahl an Familienmitgliedern mit keinem oder geringem Einkommen bei vollem Schutz. Das ist auch ein völlig irres Konzept. Es kann schlicht nicht sinnvoll sein wenn zwei Erwachsene und 4 Kinder vollen Versicherungsschutz bei einem Beitrag genießen. Man stelle sich das mal bei der Rente vor. Man wäre verheiratet und Frau und Kinder bekämen beim Eintreten des Rentenalters automatisch volle Rente obwohl nie eingezahlt. Kann weder als Umlagesystem noch als Versicherung funktionieren und tut es auch nicht.
            Ich wäre auch für eine drastische Veränderung des Systems. Jeder muss sich versichern (einzeln), es gibt einen Selbstbehalt (der gestundet werden kann), Leistungen werden gekappt (Warzenbesprechen, Homöopathie etc fallen aus), und jede Versicherung hat einen individuellen Satz an Beitrag. Die Versicherung kann einmal im Jahr gewechselt werden, Rückstellungen können übertragen werden.

            Das letzte ist das komplizierteste. Aber insbesondere die Selbstbeteiligung würde dem völlig irren Ausmaß an Arztbesuchen in diesem Land den Riegel vorschieben. Deutsche besuchen im Durchschnitt (ohne Zahnarzt) 10mal pro Jahr einen Arzt! Das ist doch völlig irrwitzig!

          • „Der NHS ist ein staatliches System.“
            Weiß ich, ich hielt es bisher für einen Ausreißer nach unten, im Vergleich zu anderen staatlichen Systemen, was die Qualität angeht, bei ähnlichen Kosten.

          • @Sebastian
            „unbestimmte Anzahl an Familienmitgliedern mit keinem oder geringem Einkommen bei vollem Schutz. Das ist auch ein völlig irres Konzept.“

            Es ist das Solidaritätsprinzip.

            „Man stelle sich das mal bei der Rente vor. Man wäre verheiratet und Frau und Kinder bekämen beim Eintreten des Rentenalters automatisch volle Rente obwohl nie eingezahlt.“

            Schonmal was von Witwen- und Waisenrente gehört? Das gleiche Prinzip.

          • Ist das der Regelfall? Nein, das funktioniert im übrigen überhaupt nur deswegen, weil Männer mit relativ hohen Ansprüchen sehr früh sterben. Im übrigen ist der Unterschied auch der dass eben der ursprüngliche Bezieher nicht mehr bezieht.
            Und was überhaupt ist daran solidarisch, die Hausfrau eines anderen Mannes krankenzuversichern?
            Solidarität ist, dass wer nicht kann sich auf die Gesellschaft verlassen kann. Mit der Logik der Krankenkassenfinanzierung müsste ich auch Wohnung und essen von Frau und Kindern mit bezahlen.

          • @Anti Da ich bei meinen paar Aufenthalten in UK glücklicherweise keinen medizinischen Notfall hatte, kenne ich den NHS nur medial vermittelt. Mein Eindruck ist dass er für die Briten sowas wie eine Ersatzreligion ist, ein nationales Denkmal der Solidarität das anzutasten als Sakrileg angesehen wird. Hier ein Erlebnisbericht eines in London lebenden Amerikaners über die Notaufnahme eines dortigen Krankenhauses. Wenn es sonst nichts nützt ist es wenigstens unterhaltsam.

          • PS Clip aus der BBC Tragi-Sitcom „Getting On“ über den Alltag von NHS-Krankenschwestern

          • Wie soll das Gesundheitssystem weniger Geld haben, wenn jene, die aktuell weniger zahlen (Privat), mehr zahlen müssen?

            Der scheinbare Gewinn durch die Privatversicherung entsteht nur, weil die Versicherungen nur Leute aufnehmen, die wenig pro Kopf kosten und daher etwas mehr pro Fall zahlen können und daher etwas Geld für Spielzeug abfällt. Trotzdem ist dadurch insgesamt weniger Geld im System.

      • Ganz im Gegenteil sind die privaten KK am Ende und wären ohne so absurde Maßnahmen wie „Bei Harzt IV zahlt der Staat die Prämien weiter“ usw, samt und sonders pleite. Deren Geschäftsmodell waren halt Akademiker, die aufgrund der finanzielle Lage und körperlich nicht riskanten Jobs im Schnitt kaum krank wurden. Nur werden die jetzt nach ein paar Jahrzehnten nach und nach massenweise alt und damit viel viel öfter krank, während gleichzeitig bei schrumpfender Mittelschicht viel weniger neue gesunde Zahler hinzukommen. Private KV ist staatlich geförderte Insolvenzverschleppung.

        Glaub bitte nicht der Propaganda der privaten Wirtschaft was das angeht, Sowohl KV als auch Rente wären als zentrale Institutionen ohne die Möglichkeit des „Verpissens aus den Sozialsystemen“ um Welten besser dran. Sieht man auch beim kommunistischen Musterland Schweiz, z.B.

        • Hinzu kommt noch, dass sie Antragsteller mit Vorerkrankungen einfach abweisen oder ihnen einen extrem hohen Tarif anbieten durften und nach wie vor dürfen.

    • „Für die Hochbegabten? Nix.“

      Doch, es ist nicht so, dass es nichts gibt. Man muss als Eltern halt hinterher sein. Unser Sohn hat sich in Mathe immer gelangweilt, nach Absprache mit der Lehrerin durfte der dann als Hausaufgaben z.B. die Matheolympiade vom Vorjahr oder irgendwelche Knobelaufgaben machen. Hat er auch genutzt. Lehrer sind da schon aufgeschlossen, wenn man auf sie zugeht.

      Jetzt ist er im Gymnasium und erhält noch zusätzlichen „Förderunterricht“ und außerschulisch nimmt er am Hector-Seminar teil (von einer privaten Stiftung, gibts nur in BaWü). Er hat auch schon Angebote ausgeschlagen, weil es ihm sonst zuviel geworden wäre (er ist zwar klug, aber auch ein bisschen faul 🙂 )

    • Und alle Steuersysteme, Sozialsysteme, Bildungssysteme sind darauf ausgelegt, dass von unten niemand hoch kommt. Und denen, die haben, gegeben wird. Ob das die Rente ist. Oder die gesetzl. Krankenversicherung. Arbeitslosengeld2. Immer das gleiche.

      Sogar in Kindergärten und Grundschule wird sich speziell nur um die Schlechten gekümmert. Förderung, Inklusion, spezielle Klassen mit eigens ausgebildeten Betreuern und Lehrkräfte etc. Für die Hochbegabten? Nix.

      So wie du es formulierst, widersprichst du dir selbst.
      Die Guten (oben) bekommen alles, die Schlechten (unten) nichts. Aber man kümmert sich nur um die Schlechten. Das passt hinten und vorne nicht.

  4. Ohne Durchlässigkeit von oben nach unten wird’s mit der Durchlässigkeit von unten nach oben schwierig. Wir brauchen eine fehlerkultur, eine Kultur des Scheiterns, der firmenpleiten, des Misserfolgs, des Bankrotts von Startups.
    Das gilt ganz besonders für alles was groß und sehr erfolgreich ist. Der Umgang mit VW nach dem Diesel Betrugs Skandal ist Symptom des Problems. Too big to fail ist Gift für eine Gesellschaft die Durchlässigkeit von unten nach oben anstrebt.

    • Als Grüner eine Kultur des Scheiterns fordern ist widersinnig. Man müsste damit all die gepamperten Ökoprojekte sofort sterben lassen.

    • Wir brauchen keine Durchlässigkeit von oben nach unten. Wir brauchen eine solidarische Gesellschaft, die sich auch wirklich gemeinschaftlich einbringt. Unter anderem durch Rot-Grün haben wir Gutverdiener und insbesondere die Reichen profitieren lassen.
      „Reichenschutzzäune“ wie Beitragsbemessungsgrenzen schonen Gutverdiener und belasten dadurch Normalverdiener und Menschen mit niedrigerem Einkommen. Dazu ein von Rot-Grün installierter Niedriglohnsektor, der die Einkommen klein hält.

      Grün-Rote Förderprojekte, die bisher keinerlei Beweis für ihre Zukunftsfähigkeit erbracht haben, dürfen nicht mehr von der Allgemeinheit finanziert werden. Unsinnige Klimaziele gehören in die Tonne. Rot-Grün am besten gleich dazu!

  5. Wir haben viel zu viele Studenten, und viel zu viele Studenten, die Blödsinn studieren. Die Sozial- und Geisteswissenschaften sind zu einem drei Viertel untauglich und tragen nur zur Dekonstruktion unserer Gesellschaft bei. Wir finanzieren tausende Taugenichtse und Dummschwätzer, die diesem Land nie etwas zurückgeben werden.

    • So sieht es aus. Eigentlich müssten in diesem Bereich die allerhöchsten Anforderungen gelten, ein Numero Clausus, strenger als in der Medizin, einfach weil der gesellschaftliche Bedarf z.B. an Sozialwissenschaftlern gering ist und Dummköpfe in diesen Fächern unglaublichen Schaden anrichten können, insbesondere wenn sie danach in die Medien drängen, um ihren Schmus und ihre Fehlinterpretationen unter die Leute zu bringen.

      • Also meine Lebensgefährtin hat sowas studiert und zahlt nun mehr Steuern als die Mehrheit der Rechtsanwälte und Ingenieure, die ich kenne.

        Es kommt nicht so sehr auf den Abschluss an, sondern auf den Mehrwert, den man mit seinem Können durch eine individuelle Leistung für eine Institution, wie für einen Betrieb, oder „für sich selbst“ als Selbstständiger erbringt.

        Aber ja, die Mehrheit derjenigen, die z.B. Geschichte studiert haben, arbeiten hinterher für wenige als ein Industriekaufmann. Ist aber ja deren freie Entscheidung. 😉

      • Der Herr Danisch hat ja vorgeschlagen, dass man, um so etwas (nutzlose Studenten) zu unterbinden, Studiengebühren einführen sollte, wobei gezahlte Steuern darauf angerechnet werden. Finde ich eine interessante Idee, über die ich noch nachdenken muss.

        Nachteil: Die Kinder der Reichen können immer noch Nutzloses (oder Schädliches) studieren.

        • „Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte, und die vierte verkommt.“

          Das ist seit Jahrhunderten so und auch gut so: Das ermöglicht die Durchlässigkeit von oben nach unten. Problematisch ist doch, dass der Unterschicht so ein Politik-Studium als der geile Scheiß verkauft wird, mit dem die meisten dann am Ende in einer prekären Volontariatsstelle einer Zeitungsredaktion landen — und dort ihren Frust abladen und die reichen Gören (die dasselbe studiert haben) stützen.
          Hier geht mMn auch das Bafög nach hinten los, da auch finanziell nutzfreie Abschlüsse subventioniert werden.

  6. Der prozentuale Anteil an Akademikern ist eigentlich nicht so wichtig. Wichtig ist dass es keine Klassenschranken geben darf, aber das ist in Deutschland (wieder) der Fall. Das hat mehr mit Politik zu tun: Für ärmere Eltern ist es eine wirtschaftliche Belastung, ihre Kinder länger als bis zur 9. oder 10. Klasse zu ernähren und die sonstigen Kosten zu tragen, da sind sie dann eher geneigt sie gleich eine Lehre machen zu lassen. Für wohlhabende Eltern ist das dagegen Portokasse und die können sie außerdem auch noch auf ein Auslandsjahr schicken und solche Sachen.

    Als Gegenmaßnahme gab es in der sozialliberalen Ära das Schüler-Bafög, aber das ist inzwischen zur Unkenntlichkeit zusammengekürzt worden und schafft defacto keinen Ausgleich.

  7. Oh weh, eine Diskussion ums Bildungssystem.

    Ich halte von Universitäten gar nichts mehr, seit ich studiert habe. Ich halte das Konzept für vollkommen überholt (Vorlesungen! das stammt noch aus der Zeit, in der Bücher teuer und selten waren), außerdem schließe ich mich Danischs Kritik an: das Prüfungsrecht wird nicht eingehalten und teilweise vollkommen willkürlich geprüft. Bis dahin, dass man nachträglich den Bewertungsspiegel ändert, weil zuviele Leute durchgekommen sind (und die Studienplätze nicht ausreichen). In wieder anderen Fächern sind die Anforderungen nahe Null, wissenschaftliches Arbeiten wird weder verstanden, noch gelehrt, noch praktiziert (z.B. Gender Studies). Viele Professoren sind korrupt oder wirklich dumm und borniert, didaktische Nieten sind die meisten sowieso, dafür unkündbar, oft auch faul (3-Tage-Woche) oder in privater Sache unterwegs.

    Fachhochschulen aller Art sind m.E. besser, zumindest was die technischen Fächer angeht.

    Aber um nichts in der Welt würde ich eine handfeste Ausbildung abschaffen. Ein durchschnittlich intelligenter Azubi hat praktisch oft mehr drauf, als jemand mit abgeschlossenem Studium, der aus seiner Theoriewelt erstmal ins reale Leben finden muss. Das steht quasi konträr zur Selbstüberschätzung von Uniabsolventen, die die Nase gerne hoch tragen.

    Angesichts der Tatsache, dass zig-tausende Handwerker fehlen (und bei uns merkt man das massiv!) würde ich viel mehr Zeit und Aufwand in dieses Problemfeld stecken, diese Berufe müssen unbedingt attraktiver werden (aber ohne das Niveau zu senken, also keinesfalls Uni).

    • „Aber um nichts in der Welt würde ich eine handfeste Ausbildung abschaffen. Ein durchschnittlich intelligenter Azubi hat praktisch oft mehr drauf, als jemand mit abgeschlossenem Studium, der aus seiner Theoriewelt erstmal ins reale Leben finden muss. Das steht quasi konträr zur Selbstüberschätzung von Uniabsolventen, die die Nase gerne hoch tragen.
      Angesichts der Tatsache, dass zig-tausende Handwerker fehlen (und bei uns merkt man das massiv!) würde ich viel mehr Zeit und Aufwand in dieses Problemfeld stecken, diese Berufe müssen unbedingt attraktiver werden (aber ohne das Niveau zu senken,…).“

      Das duale Ausbildungssystem war ein wichtiger Pfeiler für die weltweit bestaunte Produktivität der deutschen Volkswirtschaft und des ursprünglich als Schand-Label gedachten „made in Germany“, von dessen Nimbus wir bis heute immer noch profitieren, obwohl…

  8. Wer glaubt, dass jeder dazu in der Lage ist, der verfällt einem längst überholten Behaviorismus und verkennt Unterschiede zwischen den Menschen aufgrund ihrer Biologie.

    Das ist Schwachsinn. Von der Biologie her sind wir alle nahezu gleich intelligent. Da muß man schon ziemlich schwachsinnig sein, wenn man glaubt, derartig große Intelligenzunterschiede, wie sie nun mal existieren, seien ein Resultat der Biologie.

    Die hohen Unterschiede sind schlicht Ergebnis des sozialen Milieus. Ein Kind von Nichtakademikern hat es einfach schwerer, weil der Input durch diese Eltern nun mal geringer ist. Ein Bildungssystem kann nicht alles kompensieren, sollte aber sein Bestes versuchen.

    Dieser Biologismus ist lächerlich angesichts der Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert, wo nur ein winziger Teil der Gesellschaft Abitur machte und studierte.

    Die Debatte ist außerdem reduktionistisch, da man an der Uni auch ziemlichen Scheiß studieren kann und später dann Diversity-Beauftragter wird. Weil man in postcolonial Staddies gelernt hat, daß der weiße Mann an allem schuld ist und „Diskriminierung“ überall dräut.

    Neulich hat übrigens so ein Schwachsinnssoziologe im Deutschlandfunk behauptet, Zigeuner seien total schlmm benachteiligt in unserem Bildungssystem, weil die wohl weniger Abitur machen und so.

    Der kam überhaupt nicht auf die Idee, daß das vielleicht mit gewissen kulturellen Eigenheiten dieses Milieus zu tun habn könnte. Für diesen Pseudosoziologen gab es eine direkte Gleichung: wenig Abitur = Diskriminierung durch’s Bildungssystem.

    Solche Vollhonks arbeiten mittlerweile an den Hochschulen.

    Intellektuelle Leistungen werden in unserem Schulsystem überbewertet. Viel wichtiger ist, daß Kinder sich emotional und sozial wohlfühlen in der Schule. Ist das gegeben, klappt es auch wesentlich besser mit der Leischtung.

    Von der DDR lernen heißt siegen lernen.

    Das westdeutsche dreigliedrige Schulsystem mit früher Selektion führt zwangsläufig zu sozialen Monokulturen und menschlich unterentwickelten Leistungszombies. Siehe Leute wie Christian Lindner, Friedrich Merz, Roland Koch etc., für die es in östlichen Gefilden naheliegenderweise keine Entsprechungen gibt. Außer vielleicht Herr Amthor. Aber der ist ca. 1995 geboren und wohl auch für diesen Jahrgang eine Singularität.

    Unsere Gesellschaft ist eine lächerliche Leistungs-Zombie-Gesellschaft, die völlig falsche Prioritäten setzt.

    Warum? Na, weil wir unbedingt „konkurrenzfähig“ bleiben müssen.

    Wirklicher Grund: Weil es genug Idioten in den Industrieländern und anderswo gibt, die glauben, man müßte „konkurrenzfähig“ sein. Nur aus diesem Umstand speist sich diese Pseudorationalität.

    Gäbe es diese Zombies nicht, könnten wir bereits in einer viel sozialeren und ökologischeren Welt leben.

    PS: Den geringeren Bildungserfolg von Zigeunern oder Muselmanen würde der Blogautor wohl auf die Biologie zurückführen. Oder er sieht ein, daß die Existenz dieser Bildungsprobleme darauf hindeutet, daß Intelligenz eben hauptsächlich eine soziale Ursache hat.

    • „Das ist Schwachsinn. Von der Biologie her sind wir alle nahezu gleich intelligent. Da muß man schon ziemlich schwachsinnig sein, wenn man glaubt, derartig große Intelligenzunterschiede, wie sie nun mal existieren, seien ein Resultat der Biologie.“
      Ok, wie sind wir dann intelligent geworden, wenn nicht durch Evolution? Wir sind wirklich erheblich intelligenter als alle anderen Primaten. Wie konnte es dazu kommen wenn Intelligenz nicht erblich ist und nicht Unterschiede bestehen, die erheblich sind? Dann hättest du niemals einen Selektionsvorteil gehabt. Und dann bist du schnell beim (unsinnigen) Argument der „Intelligent Design“ Vertreter der irreducible complexity. Wenn es niemals einen wesentlichen Selektionsvorteil gegeben haben kann muss der Mensch Schöpfung sein und nicht das Ergebnis von Evolution.

      • Ich spreche von Intelligenzunterschieden innerhalb einer Art.

        Du sprichst davon, wie die Spezies Homo sapiens sehr intelligent wurde. Du sprichst also von einer grundsätzlichen Überlegenheit gegenüber anderen Tieren. Diese Überlegenheit trifft natürlich auch auf weniger intelligente Arbeiterkinder, Zigeuner oder Muselmanen zu. Deren grundätzliche Überlegenheit gegenüber Schafen, Kühen und Katzen ist tatsächlich biologisch bedingt, weil es eine Eigenschaft unserer Art ist. Unabhängig von sozialen Intelligenzfaktoren.

        Du hast mit deinem Posting sehr gut illustriert, daß du wirklich extrem dumm sein mußt. Das ist schon sehr fremdschaminduzierend.

        So viel Stuß und Begriffsstutzigkeit hat man selbst hier selten gesehen.

        Versuch‘ doch bitte erst mal halbwegs den Punkt, den Inhalt von Aussagen richtig zu begreifen und wiederzugeben.

        Oder wolltest du illustrieren, wie dumm auch Studierte oder Abiturensöhne sein können? 🙂

        Ich muß sagen, daß ich an der Uni tatsächlich eine Menge Holzköpfe getroffen habe. Man kann auch mit Abitur ziemlich doof sein.

        • Intelligenzunterschiede innerhalb einer Art auf dem Level, dass es selektionsentscheidend ist, muss es aber geben, da es sonst gar nicht zu einer Verbesserung kommen könnte. Die Unterschiede sind natürlich größer zwischen einem Schimpansen und einem sehr dummen Menschen am unteren Ende der Intelligenzverteilung als zwischen einem Genie wie Dir und einem minderbemittelten Nichtswisser wie mir.
          Ich werfe mich in den Staub vor euch Merkwürden 😀
          Himmel hast du einen Schlag….

        • Ich könnte noch anfügen, daß man auch an den jüngsten Diskussionen um den Transzendenzbegriff sehen konnte, daß hier doch ziemlich viele Banausen kommentieren. 🙂

          Es wird also noch nicht mal begriffen, daß Gott nicht als Teil des Diesseits, sondern des Jenseits angesehen wird. Naturwissenschaftliche Beweise sind also per se, per definitionem gar nicht möglich. Und nur atheistische Fundamentalisten sind so dumm zu glauben, daß irgendeinen religiösen Menschen solche naturwissenschaftlichen Belege auch nur die Bohne interessieren würden. 🙂

          Ich spreche nicht umsonst von emotionalem Analphabetismus. 🙂

          So wie Gender-Zombies nicht verstehen, was der Geschlechtsbegriff eigentlich aussagt, so verstehen atheistische Fundamentalisten gar nicht, was der Transzendenzbegriff meint.

          Wenn diese Fundamentalisten meinen, Gott widerspreche den Naturgesetzen, dann sollten sie mal ein bißchen Philosophie pauken. Das sind auch lächerliche Allgemeinplätze, die einem jeder Philosophieprofessor verklickern kann. Aber hier sind sie offenbar unbekannt.

          Fundamentalisten waren eben noch nie sonderlich intelligent.

          • Halleluja, ich Preise den Tag an dem du hierher gekommen bist (man müsste von „herabschreiten“ sprechen) um uns unwürdige Würmer zu erleuchten. Danke dafür.
            Wie sind wir nur all die Jahre ohne dich ausgekommen?

        • Dass meinetwegen Sentinelesen „dümmer“ wären als europäische Ureinwohner, ist ein Vorurteil.
          Ob die Kinder der beiden klügsten Sentinelesen eher überdurchschnittlich intelligent wären, wäre das Ergebnis von Genen, die die individuelle Intelligenz beeinflussen. Es gäbe kein Gen für IQ, aber welche, die bspw. das Gedächtnis verbessern,
          „Sportlichkeit“ ist zwar stark trainingabhängig, aber manche Menschen haben bessere Lungen als andere…

      • Es gibt bislang keine Empirie, die zeigt (oder auch nur nahelegt), daß Intelligenz erblich sein könnte in dem Sinne, daß z.B. „genetische Vorteile“ existieren, welche die Möglichkeit zur Erlangung von Kenntnissen wie etwa denen der höheren Mathematik verbessern. Sollte es so etwas wie „mathematisches Talent“ geben, müsste dies weit unterhalb konkreter mathematischer Fähigkeit(en) angesiedelt sein, etwa auf der kognitiven Ebene. Dies wäre dann aber noch keine Intelligenz.

        Falls hier die Frage kommt, woher man denn überhaupt weiß, was Intelligenz ist: Das weiß man nicht im selben Sinne, wie man weiß, daß der Mond nicht aus Marzipan ist. Die Aussage „es ist keine Intelligenz“ folgt daraus, daß wir so nicht reden, d.h. daß wir Intelligenz nicht zuschreiben, nur weil jemand „kognitiv fit“ ist. Betonung auf „nur“. Da Alltagsbegriffe wie „Intelligenz“ nie in perfekter Schärfe verwendet werden, kann man sich in diversen Grenzfällen streiten, ob man Fähigkeit X nun als Intelligenz werten soll oder nicht. So etwas wie einen absoluten Intelligenzbegriff wird man nicht finden. (Man kann natürlich einen neuen Begriff „Intelligenz-2“ scharf definieren, der hängt in seiner Verständlichkeit dann aber nach wie vor vom unscharfen Alltagsbegriff ab und kann daher nicht klären, „was Intelligenz ist“. Dennoch kann er sich für gewisse Zwecke als nützlich erweisen.)

        Unbestritten ist, daß gewisse biologische Voraussetzungen existieren (und vererbt werden), die Intelligenz möglich machen. Diese Voraussetzungen sind, wie schon gesagt, aber noch keine Intelligenz. Intelligenz ist demonstrierte und demonstrierbare Fähigkeit, aber nicht jede Fähigkeit ist (=nennen wir) Intelligenz.

        Es gibt daher keine „Gene der Intelligenz“. Eine solche Behauptung ist ebenso konfus, als würde man sagen, es gäbe „Tischtennisgene“, weil bestimmte Gene für die Ausprägung unserer Arme verantwortlich sind und man ohne Arme kein Tischtennis spielen kann. Jemanden, der ohne Arme geboren wird, bezeichnen wir nicht als „genetisch tischtennisunbegabt“. Erneut ist Sprachgebrauch wesentlich mitentscheidend für die (nicht-)Zuschreibung von „Begabung“, nicht die Biologie allein.

        Zweifellos gibt es angeborene Fähigkeiten, die ausschließlich „dem Gegebenen“ geschuldet sind, also unserer Biologie. Ist das dann keine Intelligenz? Diesen Einwand kann man nicht einfach vom Tisch wischen. Daß das, was wir im wesentlichen „Intelligenz“ nennen, sich praktisch immer auf Erworbenes bezieht, nicht auf Gegebenes, aber auch nicht.

        Zum Beispiel besteht ein großer Teil dessen, was nötig ist, damit wir sagen, eine Person X sei intelligent, in der sprachlichen Kompetenz von X, etwa in der Demonstration von Faktenwissen. Nun besteht Faktenwissen aus weit mehr als reinem Gerede, aber ohne Sprache kann es kein Faktenwissen geben. Daß aber Sprachkompetenz nicht vererbt wird, ist unbestritten. Kein Mensch entwickelt Sprachkompetenz von allein. Erneut gilt (wie beim Tischtennisbeispiel): Bestenfalls werden biologische Eigenschaften vererbt, die dem Erwerb von Sprachkompetenz später förderlich sind. Worin genau solche kompetenzerwerbsfördernden Eigenschaften bestehen (könnten), darüber schweigen sich Biologie und Neuroforschung allerdings bislang sehr gründlich aus.

        Daß es irgendwelche Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Fähigkeiten geben muß, ist klar. Auch daß einige davon genetisch weitergegeben werden können, ist plausibel. Die Aussage „Intelligenz ist erblich“, eventuell noch qualifiziert mit „zu X Prozent“, halte ich jedoch aus den angeführten Gründen für äußerst unklar und irreführend.

          • Welcher andere Nick? Ich bin nicht GdbAk, falls Du das annimmst. Dümmliches rumpöbeln versuche ich weitestmöglich zu vermeiden.

        • @ADRD:

          Intelligenz ist demonstrierte und demonstrierbare Fähigkeit

          Bingo!

          Das Problem mit den Begriffen „Intelligenz“ oder „IQ“ liegt darin, dass sie nur an einem Ende der Skala aussagekräftig ist. Und zwar an dem Ende über das man nicht so gerne redet.

          Anders gesagt: ein gutes Abschneiden bei einem Intelligenztest oder eine hoher IQ hat ziemlich wenig Bedeutung. Schlechtes Abschneiden oder niedriger IQ hat große Bedeutung.
          Hohe IQ Zahlen oder astronomische Ergebnisse bei „Intelligenz“tests sind m.E. hauptsächlich Fetischismus. Relevant ist OB man über IQ 100 liegt, nicht aber WIEVIEL darüber. Sorgen sind angebracht bei IQ unter 70 oder so.

          • „Anders gesagt: ein gutes Abschneiden bei einem Intelligenztest oder eine hoher IQ hat ziemlich wenig Bedeutung. Schlechtes Abschneiden oder niedriger IQ hat große Bedeutung.
            Hohe IQ Zahlen oder astronomische Ergebnisse bei „Intelligenz“tests sind m.E. hauptsächlich Fetischismus. Relevant ist OB man über IQ 100 liegt, nicht aber WIEVIEL darüber.“

            Bei jemandem mit einem IQ von 150 hätte ich keine Bedenken, wenn er theoretische Physik studiert; bei einem IQ von 105 dagegen schon.

          • Bei jemandem mit einem IQ von 150 hätte ich keine Bedenken, wenn er theoretische Physik studiert; bei einem IQ von 105 dagegen schon.

            Warum? Was geht es dich an was andere Leute in ihrer Freizeit machen?

            Umgekehrt: bei jemandem mit IQ 105 hätte ich keine Bedenken wenn er mir im Straßenverkehr begegnet. Bei jemandem mit IQ 65 schon.

        • „Es gibt bislang keine Empirie, die zeigt (oder auch nur nahelegt), daß Intelligenz erblich sein könnte in dem Sinne, daß z.B. „genetische Vorteile“ existieren, welche die Möglichkeit zur Erlangung von Kenntnissen wie etwa denen der höheren Mathematik verbessern.“

          Äh, doch, die gibt es.

          „Sollte es so etwas wie „mathematisches Talent“ geben, müsste dies weit unterhalb konkreter mathematischer Fähigkeit(en) angesiedelt sein, etwa auf der kognitiven Ebene. Dies wäre dann aber noch keine Intelligenz.“

          Die Informationsverarbeitungskapazität des Gehirns ist vielleicht noch nicht Intelligenz, aber doch ein bedeutender Teil davon.

          „Daß aber Sprachkompetenz nicht vererbt wird, ist unbestritten.“

          Das würde ich bestreiten. Die Fähigkeit, eine neue Sprache zu lernen, kann sehr wohl erblich im verhaltensgenetischen Sinne sein.

    • „Die hohen Unterschiede sind schlicht Ergebnis des sozialen Milieus.“

      Und wenn zwei Schüler aus dem selben Milieu komplett unterschiedliche Schulleistungen erbringen, ist die Ursache was?

      • Dann liegt’s daran, daß der eine immer Milch und der andere Kakao zum Frühstück trinkt.

        Es könnte aber auch sein, daß die Frage nach der Ursache, wenn man „Ursache“ und „Wirkung“ ausschließlich so auffasst wie „eine Billardkugel stößt die andere an“, hier in die Irre führt und als Erklärungsschema nicht universell tauglich ist. Wir sprechen dem Mensch eigene Entwicklungsmöglichkeiten ab, wenn wir derart reduktionistisch und deterministisch denken. Und wundern uns dann, wenn uns unsere so konstituierte Intuition eine Situation scheinbar unerklärlich (oder mindestens unerklärt) macht, die eigentlich bloß das natürlichste der Welt zeigt, nämlich aus eigener Kraft entwickelte Unterschiede.

    • Da gibt es aber andere Erkenntnisse. Alles sind gleich intelligent? Quark. Hochintelligenz und Debilität ist bei Männern häufiger verbreitet als bei Frauen. Kriminalität ebenfalls. Asiaten werden intelligenter als „Weisse“ und „Schwarze“ eingeschätzt. Und die Muselmanen? Hast du Allah in der Birne, ist kein Platz mehr fürs Gehirne. Und die Tatsache, dass Muslime bei technologischen und wissenschaftlichen Leistungen permanent untervertreten sind, ist schon etwas eigenartig. Vor allem, weil es in den letzten Jahrhunderten immer schlimmer geworden ist.

  9. Ich betrachte das Problem mal von der anderen Seite.

    Wie sieht es mit den Qualifikationsmöglichkeiten außerhalb von Abitur und Studium aus?

    Die Schulen für mittlere Bildungsabschlüsse wurden in den letzten Jahren um- bzw. abgebaut. Aus Hauptschulen wurden Gemeinschaftsschulen oder sie wurden dicht gemacht. A
    Aus Realschulen wurden auch Gemeinschaftsschule bzw. die Inhalte wurden so geändert, dass es einen dem HS-Abschluß ähnlichen Abschluß nach der 9. Klasse gibt und den RS-Abschluß nach der 10. Klasse, der inhaltlich auf weiterführende Schule (berufliche Gymnasien) vorbereitet.

    Der politische Wunsch zu mehr und höheren Bildungsabschlüssen, verbunden mit dem Versprechen gesellschaftliche aufzusteigen, wird nicht nur beim Abitur gemacht, sondern auch unterhalb der Gymnasien. Gewünscht ist ein „Durchmischung“ und „Durchlässigkeit“ der unteren Milieus nach oben.

    Der Handwerkssohn, dem vor 50 Jahren die Haupstschule reichte, geht heute auf’s Gymnasium. Bzw. nach meinen Beobachtungen sind es die Töchter. Auf dem Gym sind die Verhältnisse Jungen zu Mädchen ca. 1/4 Jungs. In den Realschulen sind es ca. 3/4 Jungs (ländliche Kleinstadt mit starker Industrie).
    Für die ansässigen Handwerker ist das oft problematisch. Maler, Schreiner, Elektriker, Bau, etc. buhlen um den Nachwuchs. Die Industrie bezahlt (im Gegensatz zum Handwerk) Lehrlingsgehälter im 4-stellingen Bereich und Aufstiegs bzw. Qualifikationsmöglichkeiten (Erwerb Hochschulzugang, Duale Studium, etc) Das klassische Handwerk hat oft das Nachsehen. In dieses Lücke schlüpfen dann oft Menschen mit Migrationshintergrund.

    Nicht der Umgang und der Wunsch nach mehr und höheren Bildungsabschlüssen ist das große Problem (ist es auch, aber nicht wirklich) sondern der Umgang mit dem Nicht-Hochschulwilligen.
    Anfang der 2000er wurde dies massiv von den Medien herbeigeschrieben, dass es eine Durchlässigkeit nach oben braucht und Deutschland mehr Fachkräfte mit höheren Abschlüssen. Seither findest du zwar irgendwelche Bachelor, aber Ahnung habe die kaum. Oder du bekommst im Handwerk Meister ohne Ende, aber keine Gesellen, weil alle nach oben streben.

    Es braucht keinen Entwicklung nach oben, es braucht eine Akzeptanz nach „unten“. In einem obigen Kommentar hieß es, wir brauchen eine höhere Fehlerkultur. Das sehe ich auch so.

    • Bildung im Sinne von Kompetenz und Menschwerdung haben wir in der Tat sehr weitgehend aus den Augen verloren. Er geht im universitären Bereich nur noch um Sterne auf der Schulter, um Karrieren und Netzwerke. Was jemand kann, tritt in den Hintergrund. Wen er kennt und für sich gewinnen kann, ist entscheidend. In einem solchen Umfeld haben dann Figuren wie vdL, AKK, Giffey und jetzt Baerbock überhaupt erst eine Chance, nach oben zu kommen. Das ist etwa seit den 80ern so und hat sich in den letzten 20 Jahren unter links und grün nochmal derart verschlechtert, daß jetzt nicht mal mehr die Betriebe den universitären Abschlüssen (vom Abitur gar nicht zu reden) vertrauen. Überall dort, wo man sich nicht rein rhetorisch durchmogeln kann, leidet man unter den Blendern, die auf den „hohen“ Posten in Wirtschaft und Politik sitzen und ihre neoliberale Agenda pflegen, die jegliche Subsidiarität, also die lokale Kontrolle von Menschen über ihr eigenes Leben, gezielt immer weiter aufreibt und zerstört.

      Eine Durchlässigkeit von unten nach oben hat es nie gegeben, entgegen den Hoffnungen der 60er Jahre (Dahrendorf). Wer sozial aufsteigen will, braucht den richtigen Stallgeruch, und den kriegt man nicht durch Fleiß. Das war und ist weltweit so, und wenn sich das kollektive Bewußtsein der Menschen nicht ändert, wird sich auch am sozialen Tribalismus nichts ändern. Mit der Identitätspolitik wurde und wird ein neuer Abgrenzungsmechanismus installiert, der bisherigen gesellschaftliche Schieflagen immer schneller und weiter vorantreibt. Der Coronakult ist, so wie es aussieht, die erste Applikation und Kulmination dieser Bestrebungen und Vorhut für noch schlimmeres.

    • @jolanda:

      Es braucht keinen Entwicklung nach oben, es braucht eine Akzeptanz nach „unten“.

      Ich würde noch weiter gehen, Akzeptanz alleine reicht nicht. Was bedeutet das schon, eine „Akzeptanz“ nach unten?

      Naiver Interventionismus ist in komplexen Gesellschaften zum Scheitern verurteilt, so ein Ansatz führt immer zu Instabilitäten. Egal ob es sich um Interventionismus der Sorte „alle sollen studieren können“ oder „wir brauchen wieder mehr Handwerker“ handelt.

      Ich denke das Problem sind absorbierende Zustände, aus denen man (selbst) nicht mehr herauskommt. Wir haben diese Problem in Bezug auf das untere Ende der Wohlstandspyramide erkannt. Deshalb hatten wir vor nicht allzu langer Zeit noch ein Sozialsystem, um das uns viele beneidet haben. Leider haben wir den absorbierenden Zustand am anderen Ende der Wohlstandspyramide aus den Augen verloren. Der ist ebenso ein Problem. Es ist ein m.E. ein Irrglaube, eine Gesellschaft könnte den absorbierenden Zustand am unteren Ende abschaffen ohne sich gleichzeitig um den absorbierenden Zustand am oberen Ende zu kümmern. Es ist kein Zufall, dass die sehr Wohlhabenden von der Pandemie überproportional profitiert haben, während das Heer der prekär Beschäftigten in eine NOCH prekärere Lage geraten ist.

      Die ökonomischen Theorien passen nicht mehr zur Wirklichkeit. Die Theorien sagen voraus, je größer und erfolgreicher eine Firma wird, desto unbeweglicher und bürokratischer und weniger innovativ wird sie. Dadurch entstehen Möglichkeiten für Startups die mit frischen Ideen in den Markt drängen, die großen Firmen werden anfällig. Das ist nicht das, was wir beobachten. Wir sehen ungefähr seit der Finanzkrise 2008 die Mächtigkeit von too big to fail. Auch in der Pandemie haben – entgegen der ökonomischen Theorie – die großen Firmen überproportional gut abgeschnitten bzw. sogar profitiert.

      Die asymmetrische Verteilung von wirtschaftlichem Risiko – welche nur zum Teil aus too big to fail resultiert – ist ein Problem. Solange ab einem gewissen Level von Wohlstand und Reichtum es quasi unmöglich ist, dieses wieder zu verlieren, wird sich auch am anderen Ende der Wohlstandspyramide keine höhere Durchlässigkeit ergeben. Da können wir Interventionismus betreiben wie wir wollen.

      Die Ständegesellschaft war diesbezüglich wenigstens noch ehrlich: die haben nicht so getan als gäbe es keinen absorbierende Zustand am oberen Ende. Als Nachkomme einer Adelsfamilie hattest du ausgesorgt. Und der absorbierende Zustand am unteren Ende existierte eben.

      Wenn wir mehr Wohlstand für alle wollen, dann brauchen wir (wieder) mehr Misserfolg, Pleiten und Konkurse (und ein Ende von too big to fail). Ist sehr provokant ausgedrückt, ich weiß 😉

      • „Wenn wir mehr Wohlstand für alle wollen, dann brauchen wir (wieder) mehr Misserfolg, Pleiten und Konkurse (und ein Ende von too big to fail). Ist sehr provokant ausgedrückt, ich weiß “

        Und vor allem wäre mehr Besinnung auf relativ wenige ordnungspolitische Regeln sinnvoll,die von allen Menschen (Wirtschaft-Subjekten) verstanden werden können, und die auch allgemein als gemeinschaftsfähig anerkannt sind vs. einer Politik des Spaltens.
        Eine vernünftige und auf den Interessenausgleich Aller bedachte Ordnungspolitik ist das Gegenteil der derzeit büokratisch ausufernden Verbots- und Vorschriftspolitik der Aufspaltung von gesellschaftlichen Gruppen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.