Gibt es die Cancel Culture nur, wenn man dagegen machtlos ist?

Ein Bericht im Spiegel zur „Lage am Morgen“ fasst die Neuigkeiten zusammen und berichtet dabei auch über die Kandidatur von Maaßen und die Einschaltquoten von ja-Josef Liefers:

Die Unterstützer Maaßens – und vermutlich auch Maaßen selbst – sehen in der Aufregung über dessen Kandidatur vor allem eins am Werk: die sogenannte »Cancel Culture«. Sie hält angeblich das ganze Land im Griff und führt dazu, dass man nichts mehr sagen dürfe. Und das ist ja auch ganz offensichtlich: Die angeblichen Opfer dieser »Cancel Culture« werden derart mundtot gemacht, dass sie – im Fall von Maaßen – beispielsweise für Bundestagsmandate nominiert werden.

Ein anderes prominentes Beispiel ist der Schauspieler Jan-Josef Liefers, der sich an der Aktion #allesdichtmachen beteiligte, und dafür derart »gecancelt« wird, dass er seit Tagen unablässig von Medien interviewt wird und auf Titelseiten landet – und gestern natürlich wieder im »Tatort« spielte. Die Ineffektivität dieser »Cancel Culture« ist atemberaubend. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass »Cancel Culture« eine geschickte rhetorische Figur der Selbstviktimisierung ist, die als Karrierebooster in manchen Kreisen sehr gut funktioniert. Aber darf man so etwas überhaupt noch sagen?

Mir geht es dabei nicht um die zwei Fälle im Einzelnen, mir geht es um die Cancel Culture und ihr (teilweises) Bestreiten in linken Kreisen.

Denn das dort verwendete Argument ist aus meiner Sicht ein ziemlicher Strohmann. Es wird gerne in der Hinsicht gebraucht, dass eine Cancel Culture etwas ist, gegen das man sich dann nicht wehren können kann, dass also sicher dazu führt, dass man „gecancelt“ wird und damit ist jedes „überleben“ dann ein Beleg, dass es so schlimm ja nicht sein kann. 

Dieser Strohmann wird dann jedesmal erfolgreich widerlegt, wenn jemand den entfachten Shitstorm aushält und seinen Job behält bzw einigermaßen aus der Sache heraus kommt. 

Es ist ein Strohmann, weil der Begriff der Cancel Culture an sich keinen immer bestehenden Erfolg oder eine fehlende Möglichkeit der Gegenwehr beeinhaltet. Es beschreibt vielmehr eine Situation erheblichen sozialen Drucks, der aufgrund einer Meinung nicht nur gegen denjenigen, der eine unliebsame Meinung geäußert hat ausübt, sondern gleich sein Umfeld mit einbezieht und eine Distanzierung von diesem einfordert mit der Drohung ansonsten auch gegen den Arbeitgeber, Freunde, Familie etc vorzugehen. 

Derjenige soll quasi ein Ausgestoßener sein, alle sollen sich von ihm distanzieren und nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, weil ihnen sonst auch droht ausgestoßener zu sein. 

Eine Cancel Culture lässt damit häufig keine Diskussion zu, weil man mit Ausgestoßenen nicht diskutieren kann, sonst würde man sie wieder einbeziehen. 

Das ein Shitstorm und der Versuch des Ausstoßens mitunter nicht gelingt ist dabei eine ganz andere Sache, sie widerlegt an sich nicht, dass erst einmal ein erheblicher Druck aufgebaut wird, um es zu versuchen und das dann Leute ohne den passenden Mut davon abgeschreckt werden und versuchen, sich von der beanstandeten Handlung wieder zu distanzieren um die Ausstoßung zu beenden. 

Eine Cancel Culture kann insbesondere auch eine Gegenkultur hervorrufen, bei der Leute in kleinerer oder größerer Zahl deutlich machen, dass sie diesen Ausschluss gerade nicht wollen und statt dessen diese Person bewusst hervorheben oder auf andere Weise fördern oder einbeziehen. Eine Cancel Culture kann auch nur von einem Teil versucht werden, aber diese sind damit (außerhalb ihrer eigenen Gruppe) nur bedingt erfolgreich. 

In beiden Fällen, bei Maaßen und Liefers, wurde natürlich versucht sie zu Ausgestoßenen zu machen. Teilweise war das erfolgreich, aber eben nicht erfolgreich genug um Liefers sofort als Tatortkommentar abzusetzen. Wie sich seine Karriere in der Hinsicht entwickelt wird man sehen. Um so weniger, wenn die Einschaltquoten stimmen. Bei Maaßen hat es weitaus eher geklappt, er ist für viele jemand, von dem man sich fernhält und der zu meiden ist. Inwieweit er jetzt eine weitere politische Karriere macht oder ob dies eher auf den Osten begrenzt ist, ist eine weitere Frage

121 Gedanken zu “Gibt es die Cancel Culture nur, wenn man dagegen machtlos ist?

    • Eben, der Volksmund sagt: „Ausnahmen bestätigen die Regel“. Spiegel-Journalisten werden das aber nicht verstehen, dafür sind die längst zu verblödet und von sich eingenommen.

    • Die Cancel Culture ist nicht nur erfolgreich, wenn sie cancelt. Sie ist vor allem erfolgreich, wenn Menschen mit anderer Meinung sich nicht trauen, sie zu äußern.

    • Das Patriarchat gibt es nicht, da es nicht ansatzweise zu 100 Prozent erfolgreich war.
      Oder den Godwin ziehen, den Holocaust gab es so nicht, denn offensichtlich gab es Überlebende…. Da wird der Schwachsinn erst richtig sichtbar

      • „Patriarchat ist das feministische Wort für Kultur“
        Arne Kolb

        Nach der Definition war es erfolgreich, aber auch nicht zu 100%, da hast Du recht.

  1. Wobei cancel culture allerdings keine Einbahnstraße ist. Auch im „rechten“ Lager wird man sehr schnell niedergebügelt, wenn man eine abweichende Meinung hat. Das betrifft z.B. das Thema Impfung/Impfpflicht oder Gerichtsurteile wie aktuell bei Metzelder.

    Der Unterschied zu Liefers ist einfach nur, dass er nicht sofort einknickt sondern sich sogar dagegen wehrt. Was im übrigen zumindest anscheinend dazu führt, dass unsere Gesellschaft sich so langsam darüber bewusst wird, wie stark Meinungsfreiheit hierzulande bereits eingeschränkt ist.

    PS:
    Wenn ich mich nicht irre, ist es Danisch, der vermutet, dass die linksgrünen Staatsmedien momentan kleine Brötchen backen, weil bald Wahlen anstehen. Würde linksgrüne Ideologie zu stark in den Fokus gerückt, wäre der Wahlsieg der Grüninnen gefährdet. Hoffentlich ist er das trotzdem.

    • Es geht bei der Chancel Cultur nicht um das Niederbügeln, das ist ein Shitstorm und der ist schnell wieder vorbei. Bei der Chancel Cultur wird Druck auf deinen Arbeitgeber, deine Kunden, deine Bank, die Geschäfte welche dir etwas verkaufen und auf deine Freunde ausgeübt, die Geschäftsbeziehungen und den Kontakt mit dir abzubrechen. Es ist der Versuch der Vernichtung deiner wirtschaftlichen und sozialen Existenz. Und das alles unter Umgehung des Staates der die Hände hebt und sagt „meine Hände sind sauber“. Da die meisten Boykotte allerdings gegen eher unbequeme Personen passieren, sieht der Staat, der in erster Linie von den Leitmedien kontrolliert und dirigiert wird, kein Interesse daran etwas zu verändern. Im Gegenteil, werden doch „NGOs“ immer wieder dazu verwendet genau dies zu machen. So wie der Söldner heute im Ausland für den Auftraggeber mordet und der Staat damit saubere Finger behält, so agieren diese „NGOs“ immer mehr als ein verlängerter Arm der Geheimpolizei um vermeintliche Störenfriede auszuschalten. Klappt dies dann ausnahmsweise mal nicht, kann der Staat immer noch direkt wirksam werden und auch wenn der Geheimdienst irgendwann von den Gerichten zurückgepfiffen wird, gehen da schon gerne einmal Jahre ins Land, in welchen Schaden, der nicht mehr gut zu machen ist, angerichtet wurde.
      Deswegen ist es lächerlich auf China und seinem restriktiven System rumzuhacken, wenn unser System hier genauso restriktiv ist. Nun unsere Akteure sind etwas anders gestaltet, damit sie „Demokratie“konform sind. Ansonsten ist es dasselbe. Immerhin ist in China der Staat daran interessiert die Massen wohlhabend zu machen, während hier nur eine Elite wohlhabend sein soll.

    • „wie stark Meinungsfreiheit hierzulande bereits eingeschränkt ist.“

      So ist das ja nicht korrekt, Meinungsfreiheit existiert nach wie vor. Nur die Mitmenschen um einen herum sind einfach schrecklich intolerant und fanatisch geworden. Da gibt es einfach viel zu viele, die meinen die Wahrheit selbst gefrühstückt zu haben. Die Grünen sind hier als allererstes zu nennen, die haben dieses gesellschaftliche Klima aus Paranoia und Missgunst hervorgerufen. Dazu noch der überaus penetrante Neid, der den Leuten vor allem durch die Gemeinwohlsender eingepflanzt wurde …. igittigitt ….

    • Nun, selbstverständlich ist die CC Bestandteil jeder ordentlichen totalitären Bewegung.
      Eines der berühmtesten Vorbilder der Cancel Culture ist schließlich „kauft nicht bei …“. Wobei man auch hier wieder sieht, es geht nicht darum, durch den eigenen freien Konsumentscheid behutsam Einfluss zu nehmen, sondern sondern darum die „Menge zu entfesseln“. Dann braucht man sich auch selbst nicht dran zu halten und kann z.B. weiterhin günstig und praktisch bei Amazon kaufen, während die anderen brav boykottieren und im Eckladen einkaufen.

      Irgendwie immer das Gleiche, es wird von fernreisenden SUV-Eignern gefordert SUVs/Fernreisen zu verbieten.

      • Eines der berühmtesten Vorbilder der Cancel Culture ist schließlich „kauft nicht bei …“

        …den Deutschen?

        Das „Deutsche wehrt euch…“ war übrigens eine direkte Folge, wenn man sich das Datum anschaut, die Nazis nutzen den Beschluß vom März’33 als Steilvorlage, um im April’33 den Spieß umzudrehen.

    • „Wobei cancel culture allerdings keine Einbahnstraße ist. Auch im „rechten“ Lager wird man sehr schnell niedergebügelt, wenn man eine abweichende Meinung hat.“

      Du meinst mit Argumenten angegriffen? Das ist zumindest das, was hier im Blog passiert. Wieso Corona was mit „rechts“ zu tun haben sollte, erschließt sich mir auch nicht. Aber heutzutage ist ja alles „rechts“, was den lügenden Massenmedien widerspricht, anfangs waren es die „Rechten“ mit ihren Verschwörungstheorien, die unnötig Panik vor Corona schürten, kurz darauf waren die „Rechten“ diejenigen, die den immer ausufernderen Grundrechtsbeugungen widersprachen, immer wie man es gerade braucht, „rechts“ als Synonym für Leute die selber denken und eine abweichende Meinung vertreten.

      Natürlich vertreten sie diese dann offensiv und teilweise aggressiv, man macht sie ja ständig runter und Leute, die dann mit ihrer Bluepiller-Einstellung da aufschlagen, werden nicht immer mit Samthandschuhen angefasst, das ist beim Feminismusthema hier im Blog ja auch so.

      „Der Unterschied zu Liefers ist einfach nur, dass er nicht sofort einknickt sondern sich sogar dagegen wehrt. Was im übrigen zumindest anscheinend dazu führt, dass unsere Gesellschaft sich so langsam darüber bewusst wird, wie stark Meinungsfreiheit hierzulande bereits eingeschränkt ist.“

      Die Aktion war gut aufgebaut, schon wegen der großen Masse an Schauspielern. Cancel-Culture ist vor allem gegen Einzelne erfolgreich. Liefers ist darüber hinaus sehr beliebt und bekannt (der einzige Tatort, den ich ertragen kann) den musste man zumindest mal interviewen und konnte ihn nicht einfach in der Versenkung verschwinden lassen. Und er war schlau genug, diese Interviews für seine Position zu nutzen, bei Schauspielern nicht unbedingt zu erwarten.

      Besonders von cancel-Kultur betroffen sind alle, die exponiert (oder sich selbst unter Klarnamen im Internet exponieren), aber weder gut organisiert, noch ausreichend bekannt und beliebt sind. Leute wie der Aldi-Marktleiter neulich, der es gewagt hat, einen randalierenden Schwarzen aus seinem Markt rauszuwerfen, statt dem Opi, der angeblich N*ger gesagt hat.

      • So weit mir bekannt ist, hat der Mann „Neger(kuss)“ und nicht „N*ger“ gesagt. Wir sind hier nicht in den USA, und offiziell verboten ist das Wort selbst dort nicht.
        Dieses magische Denken in Bezug auf Sprache ist echt lächerlich.

      • Ich finde die allesdichtmachen-Aktion auch sehr gut. Ich war selber völlig überrascht davon, dachte immer, alle Prominenten stünden links(Grönemeyer) wie die ARD, von der sie im wesentlichen leben. Aber da haben es ausgesprochene Sympathieträger gewagt, dem aktuellen politmedialen Narrativ zu widersprechen, Respekt.

      • Die Aktion war gut aufgebaut, schon wegen der großen Masse an Schauspielern.

        Was mich aber stark gewundert hat: Die sind durch die Reihe komplett schockiert gewesen über die heftige Reaktion des Mainstream. Offenbar leben die so gemütlich in ihren Blasen, dass sie keine Ahnung haben, wie brutal öffentliche Kontroversen heute ausgelebt oder bekämpft werden. Die vielen Umfaller sind auch ein Beleg für die Naivität.

        Die dachten halt an ihre armen Beleuchter, die jetzt zum Lieferando-Radler „umschulen“ mussten und glaubten, für deren Jobs müssten sie jetzt doch mal das Wort erheben. Dass sie dadurch gleich zu Nazis wurden und öffentlich Berufsverbot für sie gefordert wurde, hat die komplett aus der Bahn geworfen.
        Die waren auch nicht viel heller als ihre Beleuchter.

          • Genau das meine ich ja mit Naivität. Wer heute für eine freiheitliche Gesellschaft den Mund aufmacht, der wird vom Mainstream-Mob bedroht. Und dazu auch noch mit Auftrags- und Auftrittsentzug, womit schnell auch noch die Lebensgrundlage entzogen ist.

            Aber was ist die Reaktion? Fordern die Kulturschaffenden solidarisch und öffentlich Polizeischutz für ihre Familien und sich? Hängen sie die Intoleranz gegenüber ihrer Meinungsäußerung an die große Glocke? Oder bitten sie um Vergebung und ziehen sich zurück? In der Hoffnung, dass der/die Verfasser*In der Bedrohungsmail oder des Tweets sie verschont?

            Das ist doch die zentrale Frage an die Avantgarde, falls es sowas noch gibt.

          • Was sind das bloß für Leute, oder? Wieso greifen die deren Familien und Kindern an? Erzählen die das dann auch ganz stolz beim eigenen Familientreffen oder Abend mit Freunden? „Damals, als diese Schauspieler die Regierung kritisiert hat, haben ich erstmal seine Kinder bedroht, anstatt ihn selbst anzugreifen.“

            Was für Schwachmaten!

            Es ist wie ich auch sonst schön öfter geschrieben habe: Anstatt sich mit der Kritik auseinander zu setzen, wir sofort der Arbeitgeber ausfindig gemacht und versucht dem Kritiker durch irgendwelchen wilden Falschbeschuldigungen der Lebensgrundlage zu berauben. Eine Auseinandersetzung mit der Kritik kommt denen gar nicht erst in den Sinn. Das wurde hier ja auch versucht, aber die Angriffe auf die Angehörigen anstelle direkt gegen den Kritiker gehen in die gleiche Richtung, ist das gleiche feige Verhalten.

          • @Matze

            Das ist das Gesetz der Masse. Wenn nur einer von 100’000 Leuten so drauf ist und 20 Mio haben die Aktion mitbekommen, hast du schon 200 Gestörte an der Backe und einige davon wohnen sehr wahrscheinllich in deiner Nähe…

            Ich beneide die Leute nicht, die derart in der Öffentlichkeit stehen und dann auch noch Kritik äußern und sich den medialen Hasskampagnen aussetzen. Es sind nicht umsonst so wenige. Man muss definitiv genug verdienen/besitzen, um für eine Weile die offizielle Infrastruktur meiden und direkten Angriffen ausweichen zu können.

        • Ja, aber geht es nicht den meisten Bluepillern so? Ich habe mich auch über die Naivität gewundert, ich hätte gedacht, die bekommen da mehr mit, als Prominente. Scheint nicht so zu sein, offenbar eher im Gegenteil.

          Spricht jetzt nicht so für kritische Intelligenz, aber gut, seien wir nicht zu hart, es sind nur Schauspieler. Und wie sagten die 68iger immer: „wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht“. Jetzt wissen die wenigstens endlich, wie klein der Bewegungsradius mittlerweile geworden ist…

      • Du meinst mit Argumenten angegriffen?

        Nee, genau das passiert auch dann eben nicht.

        Wieso Corona was mit „rechts“ zu tun haben sollte, erschließt sich mir auch nicht. Aber heutzutage ist ja alles „rechts“, was den lügenden Massenmedien widerspricht

        Ein gutes Beispiel für Cancel Culture, sonst in der Regel nichts. Deshalb auch die Anführungszeichen.
        Aber, wie erwähnt, auch die Kritiker der Massenmedien sind nicht zwangsläufig besser als die, die sie kritisieren. Widerspricht man der gängigen Kritik, weil sie ungerechtfertigt oder falsch sein könnte oder ist, wird man manchmal auch ganz schnell in eine entsprechende Ecke gestellt, bspw. als „Schlafschaf“ tituliert, das angeblich nichts begriffen hat oder der „Wolf im Schafspelz“ ist.

  2. „Cancel Culture“ beschreibt ja vor allem die Haltung, diejenigen, die von der eigenen sozialen Norm abweichen, auszugrenzen. Ein Jahrtausende altes Phänomen.

  3. Die Argumentation ist in etwa so, wie nach einem misslungenen Mordanschlag auf einen Sportler darüber zu schwadronieren dass es demjenigen gesundheitlich prächtig geht, ja dass er sogar leistungsfähiger und populärer denn je ist und er sich deswegen mal nicht so haben soll.

    In unserem Rechtssystem gibt es daher den Tatbestand des versuchten Mordes.

    Es ist schon überraschend, wenn ein Lager, das sich seitenlang über Microaggressionen wie die Frage „wo man herkommt“ oder Phänomene wie Manspreading echauffieren kann gleichzeitig beim Thema Cancel Culture einfach kein Problem sehen kann.
    Es ist grundsätzlich natürlich zu begrüßen wenn diese Hypersensibilität etwas zurückgingen, andererseits scheint die hemdsärmelige Aufforderung immer nur ans Lager der Bösen zu gehen.

    Mir scheint es auch, dass man bei der Cancel Cultur zwischen zwei Formen unterscheiden sollte: individueller CC = ich konsumiere ein Produkt nicht mehr (true fruits, Gilette) wegen deren Werbung und kollektiver: ich möchte den Konsum anderer Leute ( true fruits ) verhindern in dem ich die Flaschen im Supermarkt verstecke/zerstöre.
    Der Fall Liefers ist besonders charmant weil man den eben dank seiner Rolle in den obligatorisch zu bezahlenden Medien praktisch nicht privat cancelln kann.

    Privates canceln im Rahmen des eigenen Konsum bzw. der Aufmerksamkeitssteuerung halte ich für das kleinere Problem.
    Wobei eine Ausweitung der politischen
    Kampfzone (ich kaufe nicht mehr beim besten Bäcker am Platz, weil der ein Kommunist ist) in immer mehr Bereiche im Summe abzulehnen ist.

    Eine solche Gesinnungsorientierung ist nicht liberal.

  4. „Derjenige soll quasi ein Ausgestoßener sein, alle sollen sich von ihm distanzieren und nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, weil ihnen sonst auch droht ausgestoßener zu sein.“

    Zwei Dinge finde ich interessant:
    1. Scheint sich in der Öffentlichkeit, bzw. durch die sozialen Medien endgültig ein Muster weiblicher Konkurrenz und Aggressivität durchgesetzt zu haben, das Joyce Benenson in „The development of human female competition: Allies and adversaries“ 2013 beschrieben hat (Übersetzung DeepL, meine Aufzählung):
    „Von früher Kindheit an konkurrieren Mädchen mit Strategien, die das Risiko von Vergeltung minimieren und die Stärke anderer Mädchen reduzieren.
    Zu den Wettbewerbsstrategien von Mädchen gehören
    a. das Vermeiden einer direkten Einmischung in die Ziele eines anderen Mädchens,
    b. das Verbergen des Wettbewerbs,
    c. das offene Konkurrieren nur aus einer Position mit hohem Status in der Gemeinschaft,
    d. das Durchsetzen von Gleichheit innerhalb der weiblichen Gemeinschaft und
    e. das soziale Ausgrenzen anderer Mädchen.“
    https://www.researchgate.net/publication/258117629_The_development_of_human_female_competition_Allies_and_adversaries

    Insofern wäre „Cancel Culture“ als eine Form „evolvierter Mädchen/Frauen-Konkurrenz/Aggression“ zu begreifen. Wobei „Gleichheit“ in diesem Kontext trügerisch ist, denn auf der einen Seite ist das Ziel die Erlangung eines hohen sozialen Status, um seine Interessen durchzusetzen, auf der anderen Seite machen sich die Mädchen/Frauen unbeliebt (in der Eigengruppe), wenn sie diesen hohen sozialen Status zu offensichtlich ausstellen. „Alle Frauen sind gleich!“ – als Parole, aber alle wissen, dass einige gleicher sind, die sich dennoch als „Gleiche“ ausgeben (müssen).

    2. Damit schleicht sich m.E. eine bizarre Form von „Kollektivität“ ein, die nicht am Schluss einer Aushandlung von individuellen Interessen oder am Ende eines Wettbewerbs steht, sondern (ideologisch) immer schon vorausgesetzt ist.
    Eine abweichende Meinung zu haben und diese durchsetzen zu wollen, verstößt gegen die Regel des „Verbergen des Wettbewerbs“, also der Konkurrenz um die bessere/beste Idee und man begibt sich in die Gefahr, sozial ausgeschlossen zu werden.
    Die (ideologische) Homogenität wird mit solchen Drohungen des sozialen Ausschlusses zwar hergestellt, das Kollektiv wird durch den Druck auf die Mitglieder der Gruppe zur Konformität aber nicht schlauer, sondern blöder und handlungsunfähiger.
    Denn nur im Zuge einer kollektiven Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ideen und Meinungen wird das Kollektiv, welches schließlich aus Individuen besteht, zu einer gemeinsamen „Haltung“ gegenüber der Realität gelangen, welche adäquat die unterschiedlichen Perspektiven auf diese berücksichtigt und es handlungsfähiger macht.
    Die Gefahr ist, dass sich eine Ideologie des „kleinsten gemeinsamen Nenners“ durchsetzt, die also mehr oder weniger ein „one-trick-pony“ ist oder die aus der ganzen Welt den Nagel macht, weil man eben nur einen Hammer besitzt.

    • Sehr interessant!

      „… wird das Kollektiv, welches schließlich aus Individuen besteht, zu einer gemeinsamen „Haltung“ gegenüber der Realität gelangen, welche …“

      Meine Vermutung wäre: Es geht den Frauen (oder Mädchen) letztlich doch gar nicht um so ein Kollektiv. Diese Mädchen-Gruppen (oder Frauen-Gruppen) sind doch nur Fassade. Denn in diesen Artikeln zur weiblichen Strategie und Taktik (Evolution usw.) steht eben auch, dass Frauen eigentlich kleine Beziehungen von nur zwei oder drei Frauen pflegen (wogegen Männer gern größere Rudel bilden, in denen dann Hierarchien ausgehandelt und ausagiert werden).

      Frauen wollen eigentlich ein oder zwei gute Freundinnen und dann nur noch: den großartigen Mann für die großartigen eigenen Kinder. So ein „handlungsfähiges Kollektiv“ mit einer belastbaren Haltung zur Realität, das interessiert Frauen doch gar nicht.

      • Interessante Einwände, Jochen! 😉
        Ich fand einen Artikel sehr aufschlussreich (leider keine Ahnung mehr von der Quelle), in dem die Erwartungshaltung von Frauen bezüglich des Eintritts in eine politische Partei kritisiert worden ist. Muss also länger her sein – in der guten alten Zeit, in der man das noch durfte. 😉

        Die kritisierte weibliche Erwartungshaltung war, dass eine Partei funktioniert wie eine Familie. Während betont worden ist, das verfehle die Funktion einer Partei als ein Zweckbündnis zur Umsetzung gemeinsamer politischer Interessen.
        Aus diesem Grund könne man eine Partei auch nicht zu einem erweiterten Familienverband machen und auch nicht erwarten, dass er wie einer funktioniert.

        Das Buch von Pfaller „Erwachsenensprache“ ist sehr gewinnbringend zu lesen, was er mit seinem Verständnis von „Öffentlichkeit“ aber systematisch verfehlt ist m.E., eine solche „genderisierte“ Weltsicht mit einzubeziehen.
        Man müsste sich also fragen, was „Frauen, die eigentlich kleine und enge Beziehungen“ führen und Frauen, die Öffentlichkeit wie „Familie“ ansehen wollen unter „Öffentlichkeit“ verstehen.
        Wie aus dieser Perspektive „Öffentlichkeit“ aussieht und nach welchen Regeln diese Öffentlichkeit zu funktionieren hätte, wäre diese Weltsicht Grundlage von „Öffentlichkeit“.

        Pfaller schreibt auf S. 60, „die zivilisierte, urbane Trennung zwischen dem privaten und öffentlichen Raum“ werde ebenso als Zumutung empfunden, wie „dass man im öffentlichen Raum „unpersönlich“ zu agieren hat, also zum Beispiel sachlich und mit Argumenten zu kommen hat anstatt mit Empfindungen, Befindlichkeiten und Verweisen auf die eigene Identität (…).“
        Er resümiert über diese Geisteshaltung: „Dass es auch Räume gibt, die nicht nach dem Prinzip „Du oder Ich“ strukturiert sind, sondern etwas Drittes, Allgemeines für den zivilisierten Austausch und die Entwicklung dieser Individuen Geeignetes, kann und will dieser Narzissmus nicht wahrhaben.“

        Das ist zwar richtig, aber erstens ahistorisch.
        Denn hinter dieser Einsicht stecken 2000 und mehr Jahre männlicher Praxis und Reflektion dieser Erfahrung und übrigens gibt es so gut wie keine Ethnie auf diesem Planeten, in der Männer nicht das Feld der Politik betreuen (nicht etwa „beherrschen“). Weil wir gelernt haben, was funktioniert und was nicht.
        Dieses wiederum hat zweitens mit einer Fähigkeit zu tun, von sich selbst und seinem Selbst abstrahieren zu können (was gute und schlechte Seiten hat), die bei den Geschlechtern leider nicht gleich verteilt zu sein scheint. Wer „Zweckbündnisse“ eingehen möchte, sollte persönliche Befindlichkeiten hinten anstellen (können).
        Womit wir beim dritten Punkt wären, dass mit „Empfindungen, Befindlichkeiten und Verweisen auf die eigene Identität“ in der Öffentlichkeit zu agieren und Öffentlichkeit als Raum zu begreifen, der „nach dem Prinzip „Du oder Ich“ strukturiert“ ist, der oben skizzierten weiblichen Weltsicht von Öffentlichkeit genau entspricht.

        Natürlich ist das narzisstisch, aber ich fürchte, es ist (im diesem, hier gemeinten Sinn) auch natürlich.

        • Es ist jedenfalls sehr auffällig, dass so gut wie keine Politikerin in ihre „Strategien“ die Frage einbezieht, wo die Ressourcen eigentlich herkommen sollen, über die sie zu verfügen intendiert.

          Es ist wirklich so, als käme frau nur sehr sehr schwer aus der „Ich verwalte, was der Mann ranschafft“-Rolle raus.

          • Ja, das ist die Grundüberzeugung (default).
            Anders herum muss es da sein, weil sie es ja verwaltet.
            Deshalb auch die immer wieder bemühte Phrase „Deutschland ist ein so reiches Land.“
            Dass dieser Reichtum auf u.a. Automobil- und Maschinenbau und chemischer Industrie beruht und mit einem radikalen Abbau dieser Branchen auch der Reichtum perdu sein wird, ist eigentlich ganz einfach zu begreifen. Zumindest, wenn man sich darüber bewusst ist, dass die Realität seinen Wünschen Grenzen setzt. Problem ist, wenn der Utopist sich selbst als „Gute/r“ ansieht und auf Widerspruch gekränkt reagiert. Dann wollen die Kinder nicht mehr mit dir spielen und Mutti hat dich nicht mehr lieb, w_a_n.
            PS: Und das nur, weil du sehr, sehr böse warst! 😉

        • @Crumar: Kannst Du mir vielleicht weiterhelfen? Ich suche die Stelle in „Erwachsenensprache“, in der Pfaller erläutert, dass gerade inhumane Menschen mit Empörung reagieren und es nicht aushalten, wenn sie z.B. im Rahmen einer Kunstaktion mit den Folgen ihrer Haltung konfrontiert werden. Wäre super, wenn Du dazu eine Seitenzahl hättest.

          • @YX

            Ich bin mir nicht sicher. Kannst du mir „Kunstaktion“ erläutern?
            Meinst du evtl. Kapitel 6, S. 162 und das Denkmal von Hrdlicka?
            Oder ab S. 172 den Exkurs über das Privatfernsehen?

          • Herzlichen Dank! Ist eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, ich glaube, das was ich suchte, findet sich auf Seite 162. Ist aber etwas wenig Fleisch dran, ich dachte mehr an Faschos, denen es unerträglich war, in künstlerischer Form mit den Folgen ihrer Anschauung konfrontiert zu werden. Da hat sich mein Gehirn in Laufe der Zeit etwas dazu gesponnen… 🙂

          • @YX

            Hast du auch von Stegmann „Die Moralfalle“ und von Kostner die „Identitätslinke Läuterungsagenda“ gelesen?
            Weil ich dir dann nämlich genau aufzeigen könnte, was sich dein Gehirn „dazu gesponnen hat“.
            Wenn du jetzt Wagenknecht liest, dann wird es in deinem Hirn nur noch KlickKlickKlick machen.

          • „Dass die die rausekeln, damit schießen sich die Linken selbst ins Knie.“

            Ich bin inzwischen auf Seite 125 und ich kann dir sagen, dass „die die rausekeln“ folgt einer Methode einer ganz bestimmten Schicht, die sich (nicht nur in der Linken als Partei) durchgesetzt hat.
            Bisher kann ich fast alle ihre Beobachtungen unterschreiben, außer der, zu der sie sich nicht durchgerungen hat. Dass nämlich all die wunderbaren Merkmale, die in Zukunft unser Zusammenleben bestimmen sollen rein biologistischer Natur sind. Weil der „determinierende Faktor“ von Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Orientierung so dermaßen auf der Welle einer biologistisch fundierten Elitetheorie schwimmt, die sich historisch blamiert hat und nunmehr und dadurch rehabilitiert wird.
            Der nächste Punkt ist – der damit zusammenhängt – die Denunzierung von statistischer Mehrheit als „reaktionär“. Es gibt keinen besseren Weg, um eine Elite zu rehabilitieren, als ihr nachzuweisen, sie müsse sich (zwangsläufig) (!!!) aus einer Minderheit rekrutieren.
            Die „progressive Elite“ ist eine per se bedrohte Minderheit.
            Wie nett.
            Der nächste Punkt ist, damit kann der Staat in Anspruch genommen werden, „Minderheitenschutz“ zu betreiben und die (traditionell) übliche linke Skepsis gegenüber dem staatlichen Handeln unterbleibt.
            Das sieht man zur Zeit bei Corona – die Linke überprüft keine staatlichen Maßnahmen auf autoritäre Anwandlungen, sie fordert noch mehr davon.
            Da sehe ich eine Verlängerung einer Achse seit 1968, die an sie herangetragenen Ansprüche nicht kritisch geprüft zu haben, sondern nur als der lautstärkste Verstärker gelten zu wollen.
            So langsam müsste man aus den folgenden Desastern gelernt haben.

      • „Frauen wollen eigentlich ein oder zwei gute Freundinnen und dann nur noch: den großartigen Mann für die großartigen eigenen Kinder. So ein „handlungsfähiges Kollektiv“ mit einer belastbaren Haltung zur Realität, das interessiert Frauen doch gar nicht.“

        Das erscheint mir unlogisch und entspricht nicht meiner Beobachtung der Realität. Frauen knüpfen eigentlich ununterbrochen soziale Beziehungen, überwiegend zu anderen Frauen. Sie können gar nicht anders. Ist bei meiner auch so, obwohl sie nichtmal so ein prototypisches Weibchen ist. Sie geht z.B. mit ihrer Kollegin spazieren (die hier in der Nähe wohnt), trifft sich mit den Müttern der anderen Schulkinder zum essen usw. und immer synchronisieren sie sich. Konflikte werden normalerweise nur als leiser Zweifel geäußert und zurückhaltend diskutiert. Es geht dabei schon um ein belastbares Verhältnis, nicht unbedingt zur Realität, aber zur empfundenen Realität und zu den anderen Weibchen. Ich bin verglichen mit ihr ein „einsamer Wolf“.

        Ich vermute das ist dem Umstand geschuldet, dass Frauen schlecht überleben konnten, wenn sie nicht vernetzt waren und z.B. der Ehemann starb oder sie sitzen ließ. Außerdem hockten sie viel öfter aufeinander, so dass Strategien zur Stressbewältigung und Konfliktvorbeugung nötig waren. Also viel Synchro und Geschwafel. Wenn da jemand ausscherte und Konflikte in die Gruppe trug, musste er unterworfen oder (wenn das nicht funktionierte) ausgeschlossen werden.

        Das Problem heutzutage ist, dass Frauen sich zwar noch vernetzen, aber nicht mehr unbedingt mit (tendentiell bodenständigen) Frauen aus ihrer Gegend, sondern zunehmend online mit Gleichgesinnten. Das verringert den eigenen Anpassungsdruck und minimiert das Risiko von Unterwerfung und Ausschluß, Frau hat ihren „SafeSpace“. Problematisch wird das, wenn solchen Frauen dann erlaubt wird, ihre verstiegenen und wenig geerdeten Ansichten in die Massenmedien zu tragen, denn damit sorgen sie bei allen anderen Frauen für Anpassungsdruck bzw. prägen diese auf andere soziale Standards, die beliebig bescheuert sein können! Die meisten Frauen werden ein Problem haben, aus dieser Synchro auszubrechen, denn sie scheuen Konflikte, und die Arbeit, einen bodenständigen Bezug zur Realität zu gewinnen, kommt ihnen vergeudet vor, was zählt ist schließlich die (gefühlte) Community, nicht die Wahrheit.

        Man könnte darüber lachen, wenn nicht Frauen auch noch die Mehrheit der Wähler stellen würden. Sie sind zum Großteil extrem leicht emotional manipulierbar (und teilweise auch noch stolz auf ihr Bauchgefühl), unterwerfen sich viel eher Gruppendruck und statt deinen abweichenden Argumenten zuzuhören, meiden sie dich, weil du ein Störer bist…

    • Ich musste da an diese Tweets von Henderson denken:

      Scheinbar sagt das aus, dass unter Männern ähnliche Mechanismen am Laufen sind.

      Aber… Mein Eindruck ist, dass die Fußballspiele in der Pause in der Schule damals ein gutes Muster für die Dynamiken in Hunter-Gruppen sind: Jeder, der Star-Allüren zeigte oder egoistisch spielte, kriegte massiv Wind von vorne. Das änderte aber nichts daran, dass es immer die ersten waren, die zuerst in die Mannschaften gewählt wurden. Status und Hierarchien waren sehr intakt, aber Mannschaftsdienlichkeit auch.

      (Ernötigte) Gleichheit unter Männern ist zweckgebunden und damit nützlich.
      Unter Frauen anscheinend konkurrenzmindernd und eher destruktiv..

      • Konkurrenzmindernd ist absolut nötig, wenn du mit 50 Kindern und 20 anderen Frauen in der Höhle hockst und darauf wartest, dass die Männer von der Jagd zurückkommen. Das ist auch nicht zwangsweise destruktiv. Die Frau die zuerst etwas herausgefunden hat, etwa wie man ein Kleidungsstück näht, war genötigt, das Wissen mit allen anderen zu teilen und alle zum Nachmachen zu animieren, darüber konnte sie sich schließlich Meriten verdienen. Frauen wissen ja, wer was taugt und wer nicht, sie dürfen es nur nicht öffentlich thematisieren (umso mehr lästern sie dann unter 4 Augen).

        Ein Mitschleppen konformer Versager war für Männer vermutlich viel problematischer. Man musste sich hundertprozentig auf den anderen verlassen können. Konflikte und Minderleistung mussten also direkt und möglichst zeitnah angesprochen und gelöst werden, notfalls mit Gewalt. Damit erst gar nicht viele Konflikte entstehen konnten, war man dafür untereinander großzügiger und vor allem auf den Arbeitsgegenstand fixiert.

        So erscheint es mir zumindest plausibel.

    • Die unterschiedlichen Wettbewerbsstrategien scheinen über beide Geschlechter nicht gleichverteilt sein. Nachdem aber eine davon zur Führung von größeren Gruppen (Staat, Firmen) schlechter geeignet ist sollte man das Führungspersonal darauf selektieren.

      Die geschlechtsneutrale Selektion wird aber aufgrund des Geschlechterunterschieds zu einem ungleichen Ergebnis führen. Was wiederum von einer erheblichen Menge an Leute einfach nicht verstanden werden kann.

      Man könnte also die ketzerische Frage in den Raum stellen , ob nicht die alten Regeln zwar suboptimal waren, da sie nur aus einem Kollektiv wählten (dem im Durchschnitt geeigneteren) , aber durch ihre Klarheit und Einfachheit praktikabler und stabiler. So könnte es für manche Teile dejenigen Gruppe, die Unterschiede innerhalb ihrer Gruppe nicht mag, einfacher sein komplett ausgeschlossen zu sein, als wenn sich wenige von ihnen qualifizieren.

      Die Zeit wird es zeigen, wenn die Zusammenhänge so wie beschrieben sind, wird sich die Gleichberechtigung (die im Kombination mit einer Bestenauslese optimal ist!) nicht halten können, weil sie sozusagen automatisch durch höchst schädliche Bestrebungen der Ergebnisgleichheit das wichtiger Kriterium der Bestenauslese ausschaltet.

      Mit anderen Worten: man erhält ein besseres Ergebnis wenn man eine Bestenauslese auf der nur halben Gesamtheit durchführt, als eine Teilhabeauswahl auf der Gesamtheit.

      • Wichtiger Gedanke. Ich vermute man kann diesen Rückschritt vermeiden, wenn man die Bestenauslese an transparente Vorbedingungen knüpft, etwa einen Intelligenztest.

        Das werden immer noch verschiedene Kreise ablehnen und als Benachteiligung empfinden, aber es ist wesentlich schwieriger angreifbar, als eine persönliche Entscheidung, denn eine solche muss auf eine Durchschnittsfrau immer willkürlich wirken, weil das ihrer Alltagserfahrung entspricht. Frauen werten nicht in erster Linie nach Leistung, sondern nach Emotion der anderen Person gegenüber.

        Blöderweise kommt diese Erkenntnis viel zu spät, die Frauen sind längst dabei das Land zu zerlegen und sie haben eine mediale und politische Macht angehäuft, die einen schaudern lässt. Die zutiefst gespaltene Gesellschaft hat ihre Ursachen u.a. und ganz wesentlich bei der holden Weiblichkeit.

        • Mit den objektiven Kriterien ist es so eine Sache. Sobald diese den Betroffenen nicht passen, z.B. weil sie sie nicht erfüllen, werden sie für Tabu erklärt.
          Bis vor wenigen Jahren war es noch allgemein anerkannt, dass eine hohe Verfügbarkeit für bestimmte Positionen eine Wert an sich darstellt – grundsätzlich unabhängig von der Eignung.

          Und obwohl jeder versteht, dass ihm nur der verfügbare Notarzt helfen kann und nicht der, der andere (möglicherweise sehr ehrenvolle) Prioritäten setzt, wird tapfer gefordert dass eine angekündigte Höherpriorisierung des eigenen Nachwuchs durch Frau Baerbock beklatscht gehört- anstelle hinter Ihre Eignung für die Staatsführung ein großes Fragezeichen zu machen. Der Versuch einen Bewerber für eine Führungsrolle wegen mangelndem zu erwartenden Einsatz abzulehnen ist heute nur machbar, wenn der anstelle dessen etwas „böses“ (z.B. etwas für sich) macht. Macht er aber etwas „Gutes“ (Kinder, Beten, Umwelt, Tiere, blablabla) ist das zu akzeptieren.

          Ich habe das Gefühl, dass viele Leute (insbesondere eines Geschlechts) schlecht von der Person auf die Eignung für unterschiedliche Rollen abstrahieren können. Das etwas, was aus einer Blickrichtung toll ist (fürsorgliche, mitfühlende Elternteil), für eine andere Sache schlecht ist (Kommandeur der Antiterroreinheit) ist irgendwie zu viel.
          Es gibt eben nur gut oder böse –

          • Ja, einfach wäre das nicht, aber man könnte schon gut damit argumentieren, denn Intelligenz ist hoch angesehen, auch in der normalen Bevölkerung. Niemand will von Dummköpfen geführt werden.

            Und da fast alle sich für sehr intelligent halten, wäre es schwierig, offiziell einzugestehen, dass man durch so einen Test durchgefallen ist. So ein „Dummheitsbeweis“ ist einfach schlecht zu rechtfertigen. Die würden den Test heimlich machen, vor ihrer Kandidatur, und dann einfach wegbleiben oder üben etc. um es beim nächsten Mal zu schaffen.

            Man müsste die Sache aber prominent aufhängen. In den USA würde man „die nationale Sicherheit“ als Argument anbringen, um sowas einzuführen, in Deutschland müsste man wohl auf zeitgeistige Argumente zurückgreifen, etwa den Staatsapparat vor Unterwanderung durch „Rechte“ zu schützen oder sowas 🙂

        • Ich vermute man kann diesen Rückschritt vermeiden, wenn man die Bestenauslese an transparente Vorbedingungen knüpft, etwa einen Intelligenztest.

          Ich denke Bestenauslese funktioniert nicht über ex ante Bedingungen. Das einzige was wirklich langfristig stabil funktioniert ist eine robuste Filterung, wo Individuen keine Möglichkeit haben die Vorteile von risikobehafteten Entscheidungen selber einzustreichen während die Nachteile auf andere abgewälzt werden. #SkinInTheGame

          Man kann nicht verhindern dass suboptimale oder auch schädliche Entscheidungen getroffen werden, die auf viele andere Menschen negative Auswirkungen haben. Aber man kann verhindern dass Menschen immer wieder solche Entscheidungen treffen können.

          • „Ich denke Bestenauslese funktioniert nicht über ex ante Bedingungen.“

            Ich will nicht die Besten auslesen, sondern die Dummen draußen halten, das ist ein erheblicher Unterschied.

            „Das einzige was wirklich langfristig stabil funktioniert ist eine robuste Filterung, wo Individuen keine Möglichkeit haben die Vorteile von risikobehafteten Entscheidungen selber einzustreichen während die Nachteile auf andere abgewälzt werden.“

            Das klingt edel, aber ich kann mir die Umsetzung nicht vorstellen. Fehlentscheidungen werden oft in komplexen und/oder zeitkritischen Angelegenheiten getroffen und die exakte Ursache kann oft genug nicht sauber genug eingegrenzt werden. Ist zumindest meine Erfahrung.

            Kannst du ein Beispiel nennen, wo das deiner Ansicht nach funktionieren würde?

            Ich bin auch nicht ganz sicher, ob das Vorgehen sinnvoll ist, denn jede Fehlentscheidung führt normalerweise (bei geistig gesunden Menschen) zu einem Lerneffekt. Unter Umständen sortiert man also die Leute aus, die gerade anfangen zu „reifen“, um sie gegen unbelastetes (und unerfahrenes) Personal auszutauschen. Halte ich zumindest für eine Gefahr.

          • Ich will nicht die Besten auslesen, sondern die Dummen draußen halten, das ist ein erheblicher Unterschied.

            Du hattest geschrieben, du möchtest eine Bestenauslese an transparente Vorbedingungen knüpfen. Ich glaube das funktioniert nicht. Wer bestimmt die Vorbedingungen? Wer legt die Kriterien fest? Wer führt die Tests (du hattest Intelligenztests vorgeschlagen) durch, nach welchen Rahmenbedingungen, und wer legt die Konsequenzen fest? Das verschiebt nur das Problem, dann liegt es halt an denjenigen die diese Vorbedingungen festlegen und durchführen.

            Du kannst die „Dummen“ nicht von vornherein draußen halten, weil du dazu auch von vornherein festlegen müsstest wer „dumm“ ist und wer nicht. Und in dem Moment wo es so eine Festlegung gibt, ist Mißbrauch wieder Tür und Tor geöffnet.

            Fehlentscheidungen werden oft in komplexen und/oder zeitkritischen Angelegenheiten getroffen und die exakte Ursache kann oft genug nicht sauber genug eingegrenzt werden.

            Ja eben. Du kannst solche Fehlentscheidungen nicht verhindern. Was du allerdings verhindern kannst: Dass dieselben Leute Fehlentscheidungen (ev. weitreichende) immer wieder treffen können.

            Kannst du ein Beispiel nennen, wo das deiner Ansicht nach funktionieren würde?

            Im kleinen: Wenn die Eltern entscheiden dass das Kind heute kein Eis mehr bekommt, sollten sie auch selber keins mehr essen.

            Im mittleren: Mehr individuelle Haftung für schlechte Ergebnisse von Entscheidung die von Menschen im öffentlichen Dienst getroffen werden.

            Im großen: Beschäftigungsverbot für Politiker nach deren Ausscheiden aus der Politik in Unternehmen ab einer bestimmten Größe. (Verhindert dass Politiker später von ihren eigenen Gesetzen profitieren)

            Ich bin auch nicht ganz sicher, ob das Vorgehen sinnvoll ist, denn jede Fehlentscheidung führt normalerweise (bei geistig gesunden Menschen) zu einem Lerneffekt. Unter Umständen sortiert man also die Leute aus, die gerade anfangen zu „reifen“, um sie gegen unbelastetes (und unerfahrenes) Personal auszutauschen. Halte ich zumindest für eine Gefahr.

            Darauf wollte ich gerade hinaus. Der Lerneffekt tritt nur dann ein wenn du selber zumindest zu einem Teil auch die negativen Konsequenzen einer Entscheidung trägst. Situationen wo Menschen Entscheidungen treffen können die folgendermaßen asymmetrisch verteilt sind
            a) Vorteile kommen demjenigen zugute der die Entscheidung trifft
            b) Nachteile treffen alle anderen
            verhindern genau diesen Lerneffekt den du beschreibst. Es ist geradezu eine Einladung risikoreiche Entscheidungen zu treffen, denn wenn es klappt bekomme ich den Gewinn, wenn es nicht klappt haben die anderen die Nachteile. Kopf: ich gewinne, Zahl: du verlierst.

            Es ist das alte „Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert“. Das sollte man vermeiden. Und der robuste Weg dazu ist #SkinInTheGame

          • @pingpong

            „Du hattest geschrieben, du möchtest eine Bestenauslese an transparente Vorbedingungen knüpfen.“

            Tatsächlich, das hatte ich geschrieben. Mein Fehler, das ist leicht missverständlich. Jedenfalls soll die Bestenauslese nicht über diese Vorbedingungen stattfinden, sondern es sind eben Vorbedingungen, um überhaupt für den Wettbewerb zugelassen zu werden. Damit selbst bei einer Fehlentscheidung oder Korruption ein gewisses Niveau nicht unterschritten wird.

            „Ich glaube das funktioniert nicht. Wer bestimmt die Vorbedingungen? Wer legt die Kriterien fest? Wer führt die Tests (du hattest Intelligenztests vorgeschlagen) durch, nach welchen Rahmenbedingungen, und wer legt die Konsequenzen fest? Das verschiebt nur das Problem, dann liegt es halt an denjenigen die diese Vorbedingungen festlegen und durchführen.“

            Die Fragen sind berechtigt und ich habe auch keine verbindliche Antwort darauf. Es sollte etwas sein, worauf (fast) alle sich einigen können, ich könnte mir z.B. auch ein Testspiel vorstellen, bei dem in einem komplexen Szenario die Regeln erkannt und geändert werden müssen, so dass ein bestimmtes Ziel erreicht wird. Menschen die immer nur nach dem Bauch urteilen und die Folgen ihrer eigenen Entscheidungen nicht antizipieren können, wären damit draußen und jedem dürfte einleuchten, dass das auch besser so ist. Das Spiel kann so oft wiederholt werden, bis man es sicher schafft. Und es sollte komplex genug sein, damit man nicht durch raten ans Ziel kommt.

            „Und in dem Moment wo es so eine Festlegung gibt, ist Mißbrauch wieder Tür und Tor geöffnet.“

            Das ist richtig, es sollte daher eine Fähigkeit abgeprüft werden, die man als Politiker bzw. Führungskraft auch tatsächlich braucht. Mißbrauch kann man nie ganz verhindern, wenn Menschen aufeinandertreffen, es gibt kein perfektes System.

            „Im mittleren: Mehr individuelle Haftung für schlechte Ergebnisse von Entscheidung die von Menschen im öffentlichen Dienst getroffen werden.“

            Das meinte ich eben, ist zumindest nicht leicht möglich, weil man dann nachweisen müsste, dass der Sachbearbeiter wissentlich Fakten ignoriert hat, man kann ihn ja nicht für Sachen verantwortlich machen, die er nicht wissen konnte. Die sehen sich im ÖD auch eher mechanistisch, die befolgen in erster Linie Anweisungen und Gesetze und das teilweise ohne darüber nachzudenken oder ihren Entscheidungsspielraum positiv auszunutzen.

            „Im großen: Beschäftigungsverbot für Politiker nach deren Ausscheiden aus der Politik in Unternehmen ab einer bestimmten Größe. (Verhindert dass Politiker später von ihren eigenen Gesetzen profitieren)“

            Dann gründet ein Konzern halt ein mittelständisches PR-Unternehmen aus und macht von da aus Lobbyarbeit. Solche Regeln lassen sich leicht umgehen. Es ging mir auch eher um die Bekämpfung von Dummheit, Korruption ist nochmal ein ganz eigenes kompliziertes Thema.

            „Darauf wollte ich gerade hinaus. Der Lerneffekt tritt nur dann ein wenn du selber zumindest zu einem Teil auch die negativen Konsequenzen einer Entscheidung trägst. Situationen wo Menschen Entscheidungen treffen können die folgendermaßen asymmetrisch verteilt sind
            a) Vorteile kommen demjenigen zugute der die Entscheidung trifft
            b) Nachteile treffen alle anderen
            verhindern genau diesen Lerneffekt den du beschreibst. Es ist geradezu eine Einladung risikoreiche Entscheidungen zu treffen, denn wenn es klappt bekomme ich den Gewinn, wenn es nicht klappt haben die anderen die Nachteile. Kopf: ich gewinne, Zahl: du verlierst.“

            Die Strafe wenn es nicht klappt, ist, dass du nicht „den Gewinn“ (i.d.R. irgendein Bonus) bekommst. Das sollte für den Lerneffekt eigentlich auch schon reichen. Ich bin da eigentlich ganz bei dir, aber ich sehe da nur Jahrzehnte andauernde Gerichtsverfahren vor mir. Lass mich ein Besipiel bringen:

            Ein Manager boxt ein bestimmtes Produkt durch, welches in der Entwicklung sehr teuer ist. Das führt dazu, dass die Firma in die Miesen gerät, das Produkt scheitert am Markt, Mitarbeiter müssen entlassen werden, es wird keine Dividente gezahlt. Wie willst du den Manager haftbar machen? Er kann die in den Sand gesetzten Milliarden selbst nicht aufbringen und seine Verteidigungsstrategie ist auch klar: er wird argumentieren, dass das Marktumfeld sich unerwartet geändert hat, dass die Zinsen unerwartet gestiegen sind etc. er wird argumentieren, dass Mitarbeiter oder Partnerfirmen schludrig gearbeitet oder ihn angelogen haben. Der Normalfall wird sein, dass er die Verantwortung nach unten delegiert, denn schon heute ist es so, dass jede Etage sich maximal absichert, um nicht belangt werden zu können. Am Ende landet alles beim schwächsten Glied, z.B. dem Ingenieur, der weder den Überblick hat, noch ernsthaft haftbar gemacht werden kann, die Entscheidungskomepetenz verschmiert hingegen im Management. Niemand ist ganz unschuldig, aber das ist schwer nachzuweisen und richtig zu greifen bekommt man niemanden.

            Siehe VW-Skandal oder Unglücke wie bei den abstürzenden Airbussen. Das Problem haben die Ingenieure nicht gesehen, die Verantwortung, eine alte Konstruktion aufzurüsten, statt eine saubere neue zu bauen (weil viel teurer) lag beim Management, welches aber von spezifischen Gefahren keine Ahnung hat und sich auf die Aussage der Ingenieure verlassen hat, die mögen die Faust in der Tasche geballt haben, aber letztlich haben sie gemacht, für was sie bezahlt wurden, nur eben nicht fehlerfrei genug, weil zu komplex…

  5. Was haltet ihr von H.G. Maaßen? Er scheint mir ein sehr integrer Mann zu sein, die meisten Vorwürfe gegen ihn beziehn sich darauf, dass er nicht linientreu ist. Lanz hat er nassgemacht in seiner Sendung (obwohl der ein eindeutig gecastetes Publikum hatte).

        • Irgendwo musst du es ja gesehen haben. Was ich damit aussagen wollte: Das heutige BRD-Fernsehen sollte man so wahrnehmen wie früher das DDR-Fernsehen: Nicht als Quelle von relevanten Informationen oder Plattform im demokratischen Meinungsstreit (weil es beides nicht mehr ist), sondern als „Wasserstandsanzeiger“ der offiziell gewollten Linie. Zu mehr taugt es nicht. Deswegen ist die Zeit meist zu schade.

          • @musikmuseum

            Ein typischer Alibi-Beitrag, denn erstens stark in der Minderheit bei den ÖR und außerdem offensichtlich ohne Konsequenzen. Noch dazu von einer jungen Frau geäußert (hätte ein Mann sowas auch sagen dürfen?) Die Julia Ruhs ist m.W. auch nur „Volontärin“, d.h. nur vorübergehend dort (und wahrscheinlich wird es auch dabei bleiben, dazu dient ja das Volontariat, um die Kompatibilität festzustellen). Ich könnte mir allerdings gut vorstellen, dass einige aus der Redaktion das unterstützt haben, die sich ansonsten nicht trauen den Mund aufzumachen, eine Externe kann man halt so Sachen sagen lassen…

    • Das einzige, was an dem interessant ist, ist die Feindschaft gegen ihn. Eine irre Hysterie hat sich diesen reichlich durchschnittlichen Typen rausgepickt und seine Partei war so rückgratlos (-> Merkel und Laschet sind praktisch die Verkörperungen dieser wachsweichen Rückgratlosigkeit) den dranzugeben. Ich glaube mehr ist da nicht dran an dieser Causa Maasen. Das ist dann so dieser herrschende intolerante Konformitätsterror (und keine „cancel culture“), der jedem klarmacht, dass auch er als nächstes dran sein kann. Die sich letztens ja den Liefers ausgesucht hat, wegen seiner total harmlosen Satire gegen die hirnrissigen Corona-Verordnungen (die eigentlich low hanging fruit für jeden Spott sein sollten, nur nicht in dieser verspiessten Kultur der Intoleranz, die die Grünen hervorgebracht haben).

      • „Das einzige, was an dem interessant ist, ist die Feindschaft gegen ihn.“

        Der hat irgendwo sinngemäß gesagt (finde das Zitat gerade nicht), dass die Verfassung und Grundrechte natürlich höher stehen als zB „Klimaschutz“. Leute die sowas klar sagen sind heute wichtig.

      • „Durchschnittlich“

        Er kommt vom Nachrichtendienst, ist ein brillanter Jurist, mit einer Asiatin verheiratet…kann es sein, dass alle ausser dir „durchschnittlich“ sind?

    • Ja bei Maassen finde ich es überraschend, dass in fast allen aktuellen Artikeln (sogar in der nzz) über ihn berichtet wird, er habe die Hetzjagten von Chemnitz „angezweifelt“.
      Nachdem sich inzwischen der Rauch gelegt hat, muss man doch hier sagen, dass er die „Hetzjagtlüge“ zurückgewiesen hat. Das wurde bereits geklärt (Kanzleramt, „Hase du bleibst hier“) und die einzige verbliebene Verteidigunglinie der Hetzjagt-These-Vertreter ist: das ist nur Wortklauberei ob man das nun Hetzjagt nennt oder nicht – immerhin ist eine Person mehrere Meter gerannt, – lasst uns doch darüber nicht mehr streiten….

      • Hat es zum Zeitpunkt der Berichterstattung eine „Hetzjagd“ gegeben? Ja oder Nein? Wurden zum Zweck der der politischen Meinungsmache Falschnachrichten verbreitet? Nachweislich.

        • Kann es sein, dass du ihn missverstehst? Ich lese aus seinen Zeilen genau das raus: Maaßen hat sich gegen die verbreitete Lüge gewendet und diejenigen, die immer noch an dem Narrativ der Hetzjagden in Chemnitz festhalten wollen, tun dies darüber, dass sie den Begriff der Hetzjagd bis ins absolut alberne entfremden.

          Ich fand es lustig, dass scheinbar auch wochenlange rechte Hetzjagden auf Ausländer keine Opfer gefunden haben. Zumindest ging nichts durch die Medien von in Krankenhäusern eingelieferten Gewaltopfern – und ich bin mir sicher, wäre in der Zeit auch nur ein fremdländisch aussehender Mensch in einem Krankenhaus mit entsprechenden Blessuren erschienen, wir hätten es mitbekommen, mitbekommen MÜSSEN, hätten es wochenlang auf allen Kanälen rauf- und runtergebetet gekriegt.

          Waren die Ausländer in Chemnitz alle so verdammt sportlich oder die Neonazis derart fett, dass Letztere nie einen von Ersteren zu fassen bekamen?

          Bitte verzeiht meinen schon an Zynismus grenzenden Sarkasmus, aber irgendwie zwingen einen derartige Zustände geradezu zu einer solchen Kontrahaltung; das ist so was wie mentale Hygiene…

          • Korrekt, genauso war es gemeint.
            Er kann doch nicht immer noch beschädigt sein, obwohl die anderen klar gelogen haben. Da müssten doch jetzt die anderen beschädigt sein, aber selbst die am wenigsten schlechte Zeitung in Europa tut sich schwer hier Klartext zu reden.

            Aber so läuft es eben ….
            Gut, das für Maassen nun zumindest ein politische Volksabstimmung gibt.

    • Maaßen ist doch schlicht ein Andersdenkender, der bislang standhaft wirkt. Inhaltlich muss man den nicht mögen, aber Figuren, die noch Gegenwind aushalten, werden offenbar immer seltener.

      Die lösen sich doch alle auf wie Schneeflöckchen, wenn irgendwer auf Twitter irgendeinen Aggro-Rotz rausbläst – und mutieren zu einer Besserung gelobenden Träne der Reue.

      Ich fand ja auch bei der Schauspieler-Aktion die Umfaller am spannendsten, die sofort um Vergebung bettelten, nachdem sie als menschenverachtende Nazis (oder so) tituliert wurden. Die Botschaft durchs Umfallen war klarer und stärker als der Inhalt von so manchem Clip.

    • Wenn ich den Namen Hans-Georg Maaßen lese, muss ich an den Fall Murat Kurnaz denken. Und ich denke an die Rolle des Bundesamtes für Verfassungsschutz im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin am 19.12.2016, dessen Präsident Herr Maaßen zu dem Zeitpunkt war. Ich sehe Herrn Maaßen als aufgabenorientierten Technokraten und dienstbeflissenen Juristen, der gerne seiner eigenen Agenda folgt und sich nur ungern von demokratisch legitimierten Kontrollinstanzen auf die Finger schauen lässt, dennoch ein guter Diener seines Herrn (egal, ob sie nun Schily, Schäuble, de Maizière, Friedrich oder Seehofer hießen).

    • Als er noch Chef vom Verfassungsschutz war, konnte ich ihn nicht leiden. Ein Widerständler ist er mal nicht, zumindest war er es bis dahin nicht. Mittlerweile scheint er in eine oppositionelle Rolle gerutscht zu sein und findet sich gut darin zurecht. Schwierig zu sagen, für was er genau steht, aber er wirkt einigermaßen bodenständig und rational und traut sich (mittlerweile), auch mal den Mund aufzumachen. Nicht der schlechteste Mann.

    • Ein ehemaliger Verfassungsschutzpräsident, der zum Quasi-Staatsfeind wird, ist auf jeden Fall spannend.

      Ich würde es allerdings nicht integer nennen. Ich denke er versucht sich nur clever zu positionieren. Maaßen ist wahrscheinlich etwas kopflos in die Lage geraten, die Bundeskanzlerin der Lüge zu bezichtigen. Er hat damit wohl einer Stimmung und Erkenntnislage des Sicherheitsapparats entsprochen und insofern aus meiner Sicht auch seinen Job gemacht. Aber dass der Loyalitätsverrat gegenüber seiner obersten Dienstherrin nicht konsequenzenlos bleiben konnte, hätte ihm auch klar sein müssen. Aber ich denke, es war ihm nicht klar. Sonst wäre das nicht bei so einer Lappalie und so konfrontativ passiert. Danach hat er aber imho nur das Beste aus der Situation zu machen versucht indem er Kapital aus dem Wissen geschlagen hat, dass es im Sicherheitsapparat (und auch dem Rest der Bevölkerung) eine erhebliche Opposition gegen Merkels Kurs gab und gibt.

      • „Quasi-Staatsfeind“ – geht’s auch eine Nummer kleiner? Der Mann hat öffentlich seiner obersten Chefin widersprochen, das kommt nie gut an, selbst bei Chefs, die wirklich und ehrlich an Kritik interessiert sind.

        • Der Mann hat seinen Job gemacht und Merkel gelogen. Und ich bezweifle, dass Merkel an Kritik interessiert ist, ich halte Maaßen für klug genug, dass er erst den offiziellen Dienstweg gegangen ist (oder hast du da andere Informationen?)

          Dafür gilt er jetzt als „Rechter“ und die üblichen medialen Dreckschleudern keifen herum, als wäre er ein Staatsfeind, wie man das ja bei der AfD auch macht.

          Außerdem hat er sich mehrmals mit den Medien angelegt und hatte er nicht auch ein Video gemacht, wo er beschrieb, wie unter Merkel Politik gemacht wird? Ich finde es nicht mehr, aber der plauderte da recht offen (viel zu offen fürs Merkel-Regime) aus dem Nähkästchen. Natürlich gefällt das der Führerin und ihren Leit- und Haltungsmedien nicht.

        • Aber beachtenswert ist doch, daß es die spD war, die am härtesten gegen ihn aggitierte.
          Er solle doch einen guten Posten im Innenministerium erhalten.
          Und da motzte am meisten eben die spD.
          Zu dem Zeitpunkt sprach auch kaum jemand über eine Werte-Union.

  6. Das ist schon witzig: Verhältnisse wie in den USA: diese puritanische Hyperintoleranz gibt es hier so nicht und trotzdem verleugnen die Linksextremen diese hierzulande, weil sie sich gerne eine herbeiphantasieren und hauptsache man hält dagegen.

    Ansonsten ist die Intoleranz natürlich auf dem Vormarsch. Darüber sollte sich keiner wundern, wenn die Öffentlichkeit von Ideen eines drohenden bevorstehenden Weltuntergangs beherrscht wird, gegen den man ganz unbedingt etwas machen müsse. Einfach das mal in Frage stellen, um die Toleranz der lieben Mitmenschen anzutesten! Dann weiss man doch alles …

  7. Einen Fall von Cancel Culture seh ich bei Klaus Reinhardt, Präsident der Kassenärztlichen Vereinigung, der meinte, es gäbe keine wissenschaftzliche Evidenz für die Wirksamkeit von Masken. Nach Rücktrittsforderungen ist er zurückgerudert.

    Um ihn inhaltlich zu widerlegen, präsentierte Spiegel-Online mal die Evidenz, sicherlich das beste, was sie finden konnten. Was da präsentiert wurde, ist lausig, Ich geh das unten mal kurz durch. Masken können nutzen oder nicht, weiß ich nicht, aber dass die Evidenz schwach ist, ist eine korrekte Feststellung. Rücktrittsforderungen dafür sind unerhört.

    Zum Inhalt.
    Der Artikel steht hier:

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-nach-aussagen-von-aerztekammer-praesident-was-fuer-die-wirksamkeit-von-masken-spricht-a-b66831a5-3fb5-4ec7-8b4a-23d2419fb4e7

    Meine Kommentare:

    1. In einer Aerosolstudie schreiben die Autoren selbst, dass sie nur Aerosole in Vorwärtsrichtung messen und bei Masken einfach mehr an den Seiten rausgehen können. Eine zweite Studie bezieht sich nur auf Tröpfchen und nicht Aerosole.

    2. Eine Lancet Studie findet einen Effekt nur mit geringer Sicherheit. Außerdem ist das eine Metastudie, und die sind hochproblematisch.

    3. Der 2%-Effekt einer Oxford-Studie liegt nicht mal in der Nähe statistischer Signifikanz.

    4. Bei der laienhaften Hamsterstudie hab ich vier schwere methodische Fehler gesehen.

    5. Eine anekdotisches Beispiel aus Hamburg fällt in die Kategorie, die in der Oxford-Studie systematisch untersucht wurde und zu keinem Ergebnis geführt hatte.

    • präsentierte Spiegel-Online mal die Evidenz, sicherlich das beste, was sie finden konnten

      Allzu viel würde ich da vom Spiegel nicht erwarten.

      Wenn man es ordentlich untersucht sind die Ergebnisse ziemlich eindeutig, siehe diese paper: https://arxiv.org/abs/2102.04882

      Die Studien die keinen Effekt von Masken finden sind unterdimensioniert was die statistische Aussagekraft betrifft. Die statistische Aussagekraft ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Studie einen statistisch signifikanten Effekt findet, wenn die untersuchte Maßnahme tatsächlich einen Effekt hat. Analysiert wurden die Studien aus diesem systematic review.

      Die Auswirkungen der bekannten Einschränkungen der Studien wurden nicht quantitativ und statistisch analysiert, was zu Verwirrung bezüglich der Wirksamkeit von Masken führte. Diese Verwirrung mag dazu beigetragen haben, dass Organisationen wie die WHO und die CDC das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit zunächst nicht empfohlen haben. Hier zeigen wir, dass die empirische Evidenz, wenn man die Einhaltung der Richtlinien zum Tragen von Masken berücksichtigt, darauf hinweist, dass Masken die Übertragung von Krankheiten verhindern: Alle von uns analysierten Studien, die keine Wirksamkeit von chirurgischen Masken feststellten, waren in einem solchen Ausmaß unterdimensioniert, dass selbst wenn Masken zu 100 % wirksam gewesen wären, die fraglichen Studien wahrscheinlich immer noch keinen statistisch signifikanten Effekt gefunden hätten. Wir stellen auch einen Erklärungsrahmen für die Wirkung von Masken auf die Infektionswahrscheinlichkeit bei einmaliger und wiederholter Exposition zur Verfügung. Das Rahmenwerk zeigt, dass das häufigere Tragen einer Maske einen super-linear ansteigenden Schutz bietet, und zwar sowohl für die anfällige als auch für die infizierte Person, die eine Maske trägt. Diese Arbeit zeigt, (1) dass sowohl theoretische als auch empirische Beweise dafür sprechen, dass Masken vor Atemwegsinfektionen schützen, und (2) dass nichtlineare Effekte und statistische Überlegungen bezüglich des Prozentsatzes der Expositionen, bei denen Masken getragen werden, beim Design empirischer Studien und der Interpretation ihrer Ergebnisse berücksichtigt werden müssen.

      • 1. Erstmal das Wichtigste. Dieses Paper ist von Februar 2021. Hier geht es um Cancel Culture. Reinhardt hätte sich ja später korrigieren können, wenn neue Evidenz auftaucht. Die Existenz dieses Papers zeigt doch eher, dass Reinhardt im Herbst 2020 die Lage durchaus richtig beschrieben hatte.

        2. Die Übersetzung bei dir ist falsch. Im Paper steht „This work shows (1) that both theoretical and empirical evidence is consistent with masks protecting against respiratory infections“, aber in der Übersetzung steht „Diese Arbeit zeigt, (1) dass sowohl theoretische als auch empirische Beweise dafür sprechen, dass Masken vor Atemwegsinfektionen schützen“. „Konsistent sein“ ist nicht das gleiche wie „dafür sprechen“. Ersteres bedeutet nur, dass der Nutzen von Masken nicht widerlegt ist.

        3. Das ist eine Meta-Studie, und die sind ziemlich problematisch. Ein Problem ist der „Cornfirmation-Bias“: Studien, bei denen nichts rausgekommen ist, erscheinen gar nicht. Mal unabhängig von Masken: stell die vor, in 100 Studien wird eine Effekt untersucht, den es nicht gibt. Statistisch gesehen würden 5 Studien trotzdem einen signifikanten Effekt sehen, und diese 5 Studien erscheinen dann als Paper.

        • 1. Erstmal das Wichtigste. Dieses Paper ist von Februar 2021. Hier geht es um Cancel Culture. Reinhardt hätte sich ja später korrigieren können, wenn neue Evidenz auftaucht. Die Existenz dieses Papers zeigt doch eher, dass Reinhardt im Herbst 2020 die Lage durchaus richtig beschrieben hatte.

          Das paper untersucht Studien aus einem systematic review vom April 2020. Die Studien selbst sind aus dem Zeitraum 2004-2020 (s. Tabelle 1 im paper). Die Evidenz war schon lange da, es wurde lediglich die Aussagekraft noch nicht untersucht.

          2. Die Übersetzung bei dir ist falsch.

          Hat deepl so übersetzt.

          „Konsistent sein“ ist nicht das gleiche wie „dafür sprechen“. Ersteres bedeutet nur, dass der Nutzen von Masken nicht widerlegt ist.

          Die Studie ergibt eindeutig dass Masken wirken. Eine Übersetzungsschwierigkeit eines einzelnen Satzes ändert daran nichts.

          3. Das ist eine Meta-Studie, und die sind ziemlich problematisch. Ein Problem ist der „Cornfirmation-Bias“: Studien, bei denen nichts rausgekommen ist, erscheinen gar nicht. Mal unabhängig von Masken: stell die vor, in 100 Studien wird eine Effekt untersucht, den es nicht gibt. Statistisch gesehen würden 5 Studien trotzdem einen signifikanten Effekt sehen, und diese 5 Studien erscheinen dann als Paper.

          Das Problem bei Masken-Studien besteht nicht darin dass Arbeiten ohne Ergebnis nicht erscheinen. Das Problem besteht darin, dass die Ergebnisse(!) gemischt sind. Gemischte Ergebnisse deuten gerade NICHT auf confirmation bias hin. Die Studie untersucht diese gemischten Ergebnisse und kommt zu dem Schluss, dass die eine Hälfte (nämlich die, die zum Ergebnis kommt dass Masken nicht wirken) methodisch fehlerhaft sind.
          Die Studie untersucht genau das Problem welches du beschreibst, nur in die umgekehrte Richtung: Es gibt Arbeiten, die trotz Vorhandensein eines Effekts zu dem Schluss kommen dass es keinen Effekt gibt.

          • „Die Studien selbst sind aus dem Zeitraum 2004-2020 (s. Tabelle 1 im paper). Die Evidenz war schon lange da, es wurde lediglich die Aussagekraft noch nicht untersucht.“

            Mal abgesehen davon, dass es bei diesen Studien nicht um den Corona-Virus ging, war die Evidenz eben ziemlich durchwachsen. Die Aussagekraft war durchaus untersucht, sie wurde hier nur neu geschätzt. Man mag ja durchaus alles nochmal durchgehen, inklusive Einführung einer neuen Größe, „adherence“, und damit zu neuen Schätzungen der Power kommen, und dann finden, dass Masken mehr nutzen als gedacht, aber das ist ja wohl kaum die Aufgabe von Reinhardt gewesen. Er hatte den Stand von Herbst 2020 korrekt dargelegt. Dem kann man ja inhaltlich widersprechen, aber Rücktrittsforderungen würde ich als Cancel Culture betrachten. Du nicht?

            „Die Studie ergibt eindeutig dass Masken wirken. Eine Übersetzungsschwierigkeit eines einzelnen Satzes ändert daran nichts.“

            Diese Übersetzungsschwierigkeit besteht doch gerade darin, dass die Autoren tatsächlich gar nicht behaupten, dass Masken wirken, sondern lediglich, dass die Nutzlosigkeit von Masken nicht bewiesen ist. So steht es zumindest im Abstract.

            „Das Problem bei Masken-Studien besteht nicht darin dass Arbeiten ohne Ergebnis nicht erscheinen. “

            Ich wollte hier auch nur das Prinzip erläutern. Confirmation Bias bedeutet, dass es eine Tendenz zu positiven Ergebnissen gibt, nicht, dass es negative Ergebnisse gar nicht gibt. Ich weiß nicht, ob das hier der Fall ist, aber das prinzipielle Problem ist unumstritten. Wieviele Untersuchen, die gar nichts gefunden haben, verschwanden denn in der Versenkung? Woher willst du das wissen? Etwas saloppe Schätzungen für Studien im allgemeinen liegen bei 95%.

          • Reinhardt sagt lt. Spiegel Artikel:

            Er sei von Alltagsmasken nicht überzeugt, so Reinhardt, „weil es keine wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind – schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken.“

            Wenn er so etwas behauptet, dann wäre es sogar ganz genau seine Aufgabe gewesen sich zuerst einmal ein Bild über die wissenschaftliche Evidenz zu machen. Hat er offenbar nicht getan. Seine Behauptung ist auch dann falsch, wenn man die Studie die ich verlinkt habe außen vor lässt: Es stimmt eben nicht dass es keine Evidenz darüber gibt dass Masken hilfreich sind. Die gibt es. Und es gibt andere Studien, die zum gegenteiligen Schluss kommen, das ist ja gerade das Problem. Was man in so einer Situation nicht machen kann: Aus den gemischten Ergebnissen eine so einseitige Schlussfolgerung ziehen wie Reinhardt es tut. Mit dem Stand von Herbst oder Frühjahr 2020 hat das alles nichts zu tun, seine Aussage wäre zu jedem Zeitpunkt falsch gewesen.

            Bevor Reinhardt sich öffentlich so äußert wie er das getan hat, hätte er genau jene Untersuchung durchführen sollen die in der Studie gemacht wird: angesichts gemischter Ergebnisse zu schauen, was an den jeweiligen Studien dran ist. Und wenn er das ordentlich gemacht hätte, dann wäre er zum selben Ergebnis gekommen wie in der Studie: Masken wirken, und die Studien die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen sind methodisch schwach aufgestellt bzw. fehlerhaft.

            Diese Übersetzungsschwierigkeit besteht doch gerade darin, dass die Autoren tatsächlich gar nicht behaupten, dass Masken wirken, sondern lediglich, dass die Nutzlosigkeit von Masken nicht bewiesen ist. So steht es zumindest im Abstract.

            Wie gesagt: Die Studie ergibt eindeutig dass Masken wirken. Eine Übersetzungsschwierigkeit eines einzelnen Satzes (den man durchaus auch anders verstehen kann als du es oben darlegst) ändert daran nichts, du kannst die Studie gerne durchlesen.

            Ich wollte hier auch nur das Prinzip erläutern. Confirmation Bias bedeutet, dass es eine Tendenz zu positiven Ergebnissen gibt, nicht, dass es negative Ergebnisse gar nicht gibt. Ich weiß nicht, ob das hier der Fall ist, aber das prinzipielle Problem ist unumstritten.

            Es ist hier nicht der Fall. Das Problem bei den Masken-Studien besteht nicht in confirmation bias, sondern darin, dass es gegensätzliche Ergebnisse gibt. Die einen Studien sagen so, die anderen so. Daraus entsteht die Verwirrung dass sich keiner sicher ist was denn nun stimmt.

            Die verlinkte Studie behebt diese Verwirrung. Das Ergebnis lautet: Diejenigen Studien, die einen Effekt von Maßnahmen finden sind statistisch und methodisch aussagekräftig. Die anderen nicht.

          • „Was man in so einer Situation nicht machen kann: Aus den gemischten Ergebnissen eine so einseitige Schlussfolgerung ziehen wie Reinhardt es tut. “

            Aus gemischten Ergebnissen einseitige Schlüsse ziehen, darf wahrscheinlich nur Lauterbach.

          • Für Lauterbach gilt derselbe Vorwurf. Auch er hätte mehr liefern müssen als ein „Ist aber so!“ *bodenstampf*

  8. Die angeblichen Opfer dieses Patriarchats werden derart unterdrückt, dass sie – im Fall von Baerbock – beispielsweise als Bundeskanzlerkandidatin nominiert werden. (…) Die Ineffektivität dieses Patriarchats ist atemberaubend. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass „Patriarchat“ eine geschickte rhetorische Figur der Selbstviktimisierung ist, die als Karrierebooster in manchen Kreisen sehr gut funktioniert. Aber darf man so etwas überhaupt noch sagen?

    😀

  9. Wenn du eine bekannte Rampensau bist, dann wird das mit der Ausgrenzung (Cancel Culture) schwierig, weil sie sofort hohe Wellen schlägt und die Intoleranz sichtbar wird.
    Wenn du hingegen Nappel bist und dich weigerst, den Genderstern zu tragen schreiben, dann wird dein Examen halt abgewertet oder du bekommst den Job einfach nicht oder du hast auf Parteitagen der Grünen kein Rederecht.

    Von daher sagen die beiden obigen Beispiele eigentlich gar nichts aus über gesellschaftliche Toleranz und das Maß der Ausgrenzung aufgrund abweichender Meinung oder unbeliebten unveränderlichen menschlichen Attributen.

      • Auf die Idee sind schon andere gekommen:
        https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/juedinnen-und-anderer-gender-stuss/

        Zitat: „Wenn man von Jüdinnen und Juden, kurz Jüd*innen, sprechen muss, weil Juden als maskuliner Sammelbegriff unzulässig geworden ist, dann bekommen Leute wie ich auf neue Weise einen Stern verpasst.“ *BURN!!!*

        Und dann noch: „Und wenn Politiker von »jüdischen Münchnerinnen und Münchnern« sprechen, die nach dem 9. November 1938 ins KZ Dachau eingeliefert wurden, dann wird es auch historisch falsch, weil es damals nur die Männer traf.“ Endlich sagt’s mal jemand. Ein erfrischender Gegenentwurf zum sonst üblichen weiblichen Opferneid, der bekanntlich sogar Schwarzer und ihre Schwesternschaft Sturm laufen ließ gegen ein Denkmal den Schwulen, die wegen ihrer Sexualität von den Nazis ermordet worden und erst Ruhe gaben, als auch ein Bild von Lesben reingekommen ist, obwohl diese nicht wie Schwule explizit von den Nazis verfolgt worden sind.

        • Eure beiden Namen klingen verdächtig jüdisch.

          Davon abgesehen ist „Jüd*innen“ natürlich höchst genderungerecht, da es „Jüden“ vermutlich nur im Mittelalter gab. Da geht es Euch ähnlich wie den „Bäuer’innen“.

          Ich empfehle Euch hiermit den Übertritt zum messianischen Judentum. Der Jud‘ sollte seinen historischen Fehler wiedergutmachen und endlich die schmerzhafte Vergangenheitsbewältigung in Angriff nehmen.

          PS: Behandelt man Juden wie normale Menschen, erleidet man mitunter auch so einiges an Cancel-Culture.

          Es müßte sich tatsächlich mal ein Jud‘ wie Henryk M.Broder einen Genderstern anheften. Das ergibt zwar wenig Sinn, aber allein das Empörungsunwetter wäre es wert.

  10. Ich beglückwünsche dich zu deiner Gelassenheit und Sachlichkeit im Umgang mit solchen Vollpfosten wie vom „Spiegel“. Bin jüngst zufällig kostenlos an sechs relativ aktuelle Ausgaben gekommen, auch die mit dem „Feindbild Frau“.

    Der „Spiegel“ driftet immer mehr ins feministische Nirwana ab. Das intellektuelle Niveau dort muß unterirdisch sein. Fleischhauer, Matussek und Broder sind weg. Das ist ein einziger Gutmenschen-Ponyhof.

    Und wenn einer dieser Leute das jetzt liest, wird er monieren. „Gutmensch“ ist ein Begriff aus dem rechten Milieu.

    Es gibt ja mehr als genug Beispiele für erfolgreiche Cancel-Culture. Und auch in bezug auf Liefers und Maaßen wird ja Druck ausgeübt.

    Im Deutschlandfunk wurde unzählige Male im Zusammenhang mit Maaßen behauptet, er habe rechtsextreme Ausschreitungen in Chemnitz relativiert.

    Das kommt dann bei vielen Bürgern als objektive Nachricht an. War die kurze Verfolgungsszene eine „Hetzjagd“? War sie „rechtsextrem“? Was war vorher passiert? Von wem gingen die Aggressionen zuerst aus.

    Das sind Fragen, die im Gutmenschenponyhof nicht gestellt werden.

    Dieses Journalistenmilieu ist einfach unendlich verkommen. Die Auflagen schwinden ja immer mehr. Man könnte also mal vom Roß runterkommen. Aber das will man nicht.

    Viele Journalisten sind keine „Meta-Demokraten“. Sie registrieren Einschränkungen nur, wenn das linke Milieu betroffen ist. Also wie in den 50er und 60er Jahren. 🙂

  11. Feministinnen nannten das früher ‚deplattforming‘.

    Wenn man sich darauf beschränkt auf jede Kritik mit „du bist ein Nazi/Frauenhasser“ zu antworten und sich keine Mühe mehr macht richtige Argumente zu benutzen, dann sieht man das canceln vielleicht als die logische Antwort auf Kritik.

  12. Cancel cancel culture!

    Es gibt verschiedene Abstufungen der Cancel Culture. Von Boykottaufrufen, Deplatforming, Blockierung der Vorlesung, Auftrittsverbot, Jobverlust bis hin zur Zerstörung der sozialen und beruflichen Existenz.

    Nur weil z.B. ein Veranstalter Lisa Eckhart ausgeladen hat, heißt das nicht, dass alle Veranstalter dem folgen. Aber sie wurde in dem Moment gecancelt und immer mehr Unternehmen handeln in vorauseilendem Gehorsam.

    In Deutschland gibt es keine absolute Meinungsfreiheit. Beleidigung, Volksverhetzung und Drohungen sind richtigerweise davon nicht gedeckt. Es gehört auch dazu, dass man Widerspruch erhält und Gegenmeinungen aushalten muss.

    Sprechverbote im Sinne staatlicher Regulierung gibt es nicht, aber wer sich zu kontroversen Themen kritisch äußert, muss mit Repressalien rechnen. Und das wohlgemerkt schon bei strafrechtlich nicht relevanten Äußerungen.

    Der Meinungskorridor wird immer enger. Nur weil man pauschal alles als Sexismus, Rassismus oder Rechtsextremismus bezeichnet, das mit Genderthemen, Migrationskritik, Islamkritik oder Corona-Maßnahmen zu tun hat, hat man nicht automatisch recht. There’s a difference between hate speech and speech that you hate.

    Die Kontaktschuld wird auch häufig als Totschlagargument verwendet, um Menschen zu diffamieren und jegliche Diskussion im Keim zu ersticken. Kontakt ist aber keine geistige Komplizenschaft. Genauso wenig wie “Applaus von der falschen Seite” zu bekommen. Mittlerweile werden sogar Listen erstellt.

    Viele haben eine Schere im Kopf und äußern sich nicht mehr öffentlich aus Angst vor Repressalien: Bestrafe einen, erziehe hundert. Es handelt sich inzwischen um eine Ersatzreligion und wer sich ihr verweigert, wird zum Ketzer und von ihren Eiferern mit dem gesellschaftlichen Tod bedroht.

    Das Hauptproblem an Cancel Culture sind weniger radikalen Minderheiten, die Andersdenkende versuchen zu diffamieren und dadurch aus der Öffentlichkeit drängen. Es liegt vor allem an Entscheidungsträger, die vor diesen Leuten einknicken und Medien den Einfluss solcher Gruppen durch ihre Berichterstattung multiplizieren und somit ihre Methoden legitimieren.

    Viele Medien aus dem linken Spektrum nutzen diese „Empörungsstürme im Wasserglas“, um selbst eigene politische Interessen durchzusetzen. Cancel Culture ist oftmals ein Mittel zum Zweck, um die Deutungshoheit zu behalten.

    Besonders an Universitäten herrscht ein Zeitgeist der überpolitischen Korrektheit und des Hypermoralismus. In London plant man schon an Universitäten ein Gesetz gegen die Cancel Culture. Universitäten sollten ein Ort des freien Diskurses sein und kein Safe Space, in denen nicht mehr über alles diskutiert werden kann.

    Das fängt gerade erst in Deutschland an. In den USA ist das schon längst gängige Praxis. Meist schwappt das mit +5 Jahre Verspätung zu uns rüber, aber so weit sollten wir es erst gar nicht kommen lassen.

    Jeden zu canceln, der nicht in sein eigenes Weltbild passt, führt dazu, dass sich die Fronten verhärten und sich die Gesellschaft weiter spaltet. Das ist Gift für die Debattenkultur.

    In einer Studie des Allensbach Instituts (FAZ) sagten 78 Prozent der Deutschen, dass man seine Meinung zu bestimmten Themen nicht oder nur mit Vorsicht frei äußern kann.

    Voltaires „Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen“ steht exemplarisch für den Austausch, den freie Gesellschaften brauchen.

    • „In Deutschland gibt es keine absolute Meinungsfreiheit. Beleidigung, Volksverhetzung und Drohungen sind richtigerweise davon nicht gedeckt.“

      Da hast du noch einiges vergessen: Verleumdung und Diffamierung von Religion oder Bundespräsidenten z.B. es gibt sicher noch mehr.

      Das ist nicht alles „richtigerweise“ verboten. Verleumdung und konkrete Drohungen sind klar, wobei die Presse da Sonderrechte zu geniessen scheint, zumindest verleumdet sie äußerst geschickt durch Suggestionen, was 90% der Leser nicht durchschauen, aber eben nicht strafbewährt ist.

      Beleidigung sollte m.E. nicht bestraft werden, gibt es keinen Grund dafür, sowas muss man aushalten können. Volksverhetzung war von Anfang an ein Gummiparagraph, um unliebsame Diskussionen und Meinungen zu unterbinden. Auch hier gilt leider zweierlei Standard, d.h. der Zeitgeist urteilt (und das ist immer eine große Gefahr).

    • Gute Ansage.
      Wobei vielleicht ein eher neuartiger Aspekt etwas untergeht: Die Einführung der Gewalt über das Vehikel „Hass“ in den Meinungsdisput.
      „Hass“ ist inzwischen ein Totschlagargument, das sehr gerne eingesetzt wird. Es ist der große Bruder der Mikroaggression, die man verübt, ohne es überhaupt selbst zu bemerken.
      Durch die beliebige Deutung einer Äußerung als Hass wird denen, die sprechen oder schreiben, Gewaltausübung unterstellt. Diese Kausalität behauptet sogar der Bundespräsident.

      Ein komplett aufgeweichter Gewalt-Begriff tut dann den Rest: Wenn ich einer Frau sage, dass sie ein Dirndl gut ausfüllen würde, verübe ich sexualisierte Gewalt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik wird in den letzten Jahren durch diese „Delikte“ gewaltig aufgebläht.
      Der Gewaltbegriff wird weitgehend entmaterialisiert und bietet so die Grundlage, dass Menschen Äußerungen anderer als Gewalt interpretieren und sich nunmehr als Verbrechensopfer stilisieren.
      In diesem Umfeld wird ein Kampf der Worte erheblich schwieriger – weniger Menschen trauen sich, ihre Emotionen öffentlich verbal zu artikulieren.
      Das widerspricht komplett der vielfach beschworenen Vorstellung von einer freiheitlichen, offenen Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit herrscht.

  13. Der Spiegel-Artikel oben zeigt, dass etwas in Bewegung ist. Natürlich wollen Medien und Politaktivisten jeden unangespitzt in den Boden rammen, der nicht auf ihrer Linie ist, aber es funktioniert offenbar nicht mehr so gut. Liefers und Wilke-Möhring werden weiter Tatortkommissare spielen, und Maaßen hat gute Chancen, seinen Wahlkreis in Thüringen zu gewinnen und im Bundestag gegen Kanzlerin Baerbock und Vizekanzler Laschet zu stimmen.

    Es Ist eben so, dass das dominierende Narrativ des ÖRR offenbar zunehmend weniger Anhänger findet, und deshalb funktioniert das canceln nicht mehr so richtig.

  14. Wieso cancel culture gibt es nicht?
    Ist doch versucht worden

    Liefers, Tukur und Co sind einfach nur bekannt genug und die Wahrnehmung der cc ist seit einigen Wochen eine andere.

    Die Schmierfinken vom Spiegel sind einfach nur schei$$e. Wer liest denn noch überhaupt den Spiegel. Zeit oder taz?

  15. Wäre das so, dürften im deutschen Kulturraum keine Türken leben. Und so weiter.

    Die peinlich dürre Argumentation des SPIEGEL macht mir Hoffnung, dass bald der Boden erreicht ist. Zum Vergleich: Das Heft kostet 4,00 Euro, eine Rolle ZEWA-Toilettenpapier 0,99 Euro.

    • Nachtrag:
      Die sowjetische Regierungszeitung PRAWDA hatte immer einen sehr breiten unbedruckten Rand. Die Russen witzelten immer, dass damit die Verkäufe künstlich gesteigert wurden, weil Leute das Blatt ausschließlich kauften, um den druckschwärtefreien Rand zum Rollen von Zigaretten zu verwenden. Aber auch am Hintern sei das vorteilfaft gewesen.
      Hallo SPIEGEL, lest ihr mit?

    • Hähä, bedenkt man, dass sich beide Produkte für dieselbe Verwendung anbieten, das deutlich günstigere aber auch noch wesentlich freundlicher zum Anus ist, fällt die Kaufentscheidung nicht schwer… 😉

    • Das Heft kostes 5,50€, du Fake-News-Verbreiter!

      Und es ist nicht nur inhaltlich dünner geworden. 🙂

      Ich war auch mal ein naiver Grüner, habe aber seit ca. dem Jahr 2000 die Dinge immer mehr hinterfragt. Jetzt bin ich immer noch ein Grüner, aber eben nicht mehr politisch korrekt verblödet. Was ich gemacht habe, war nicht schwer. Ich habe einfach nur mein Gehirn benutzt.

      Habe gestutzt angesichts der immergleichen Gutmenschen-Narrative. Deshalb ist es für mich immer wieder unfaßbar, wenn ich Texte von Journalisten vom „Spiegel“, „Zeit“, „Süddeutsche“ etc. lese.

      Die benehmen sich wirklich wie Milchbubis, die Angst haben, daß das gewöhnliche linke Weltbild einstürzt.

      • 5,50€, ich Lügner 😦
        Ich gestehe, dass ich früher auch gerne Spiegel, SZ und Zeit gelesen hatte. Aber ich fand ja auch mal die SPD halbwegs sympathisch.

        Was haben die alle genommen (was ich nicht genommen habe), dass die so wirr reden jetzt? Gekifft hatte ich auch, aber nur ein bissel. Erdstrahlen hätte ich genauso abgekriegt. Soja habe ich nicht gefressen. Vielleicht ist es das.

        • Ich haue mir jeden Tag die „Sojamilch“ hinter die Binde und mein Gehirn ist noch intakt.
          Übrigens auch, weil in regulärer Milch viel von den weiblichen Hormonen enthalten ist, die daraus resultieren, warum eine Kuh Milch gibt, nämlich wg. Schwangerschaft.

          Wenn du dir den Spaß machst, alte „Spiegel“ aus den 70ern auf dem Flohmarkt zu kaufen, dann wirst du feststellen, er war früher nicht nur billiger, es stand auch wesentlich mehr drin.
          Die Seiten waren enger gesetzt, die Artikel länger und sprachen ein Publikum an, das in der Lage war, einem Argument über einen Absatz hinaus zu folgen.
          Wenn Thomas Fischer heute Kolumnen verfasst, dann wirkt er wie ein Relikt aus dieser Zeit.
          Nur hätten Stokowski und Ataman damals nicht veröffentlichen können, weil unterhalb des Niveaus.
          Fischer war damals NORMAL und Stokowski und Ataman mit ihren „Identitätspolitiken“ wären arbeitslos gewesen.

          Dass du für weniger Inhalt mehr bezahlst und dabei Nieten, wie Stokowski und Ataman, mit durchfüttern musst, die Qualität sinkt und das Blatt immer „diverser“ wird, sind keine Widersprüche, sondern es ist ein und derselbe Vorgang.
          Diesen „Spiegel“ haben damals Gewerkschafter gelesen, die nicht mehr schulische Bildung hatten als die Hauptschule. In Frankreich sind Sekretärinnen in den Urlaub gefahren mit Foucaults „Die Ordnung des Diskurses“ im Gepäck. „Strecken zur Decke“ ist eine Haltung, die dir etwas abverlangt.

          Die Idee, ein „breiteres Publikum“ mit schlichterem Satzbau anzusprechen, mit „aufgelockertem Layout“, kürzeren Artikeln, mehr Werbung, weniger Recherche und weniger intellektueller Zumutung entsprach der zeitgeistigen Annahme, die Messlatte tiefer zu legen (a la „Focus“) gewährleiste das, ohne Auswirkungen auf das eigene Niveau zu haben.
          Ganz großer Fehler.

          Damals hat ein Bruchteil des Publikums von heute ein Abitur gehabt und der „Spiegel“ ist nicht anspruchsvoller geworden, sondern blöder.
          Das Streben nach Exzellenz erzieht die Autoren und es erzieht die Leserschaft.
          Wenn der Anspruch nicht mehr da ist, dann ersetzt den Triathlon das Planschbecken und statt schwimmen zu lernen gibt es ideologische Schwimmflügel.
          Das ist mit „The Bigotry of low expectations“ gemeint, weil es sich nicht nur um eine arrogante Haltung gegenüber der Leserschaft handelt, der man mehr nicht zutraut.
          Sondern weil es sich auch um eine Ausrede handelt, nicht mehr liefern zu können und zu wollen.

          • „Das ist mit „The Bigotry of low expectations“ gemeint, weil es sich nicht nur um eine arrogante Haltung gegenüber der Leserschaft handelt, der man mehr nicht zutraut. Sondern weil es sich auch um eine Ausrede handelt, nicht mehr liefern zu können und zu wollen.“

            So sieht es aus. Und die Monokultur, die daraus entsteht (selbes Problem in TV und Radio) führt auch zu einer Abwärtsspirale beim Publikum. Die lernen nichts mehr, bekommen keine Anregungen usw. Früher bestimmten im Radio z.B. Moderatoren die Musik, Leute die einen eigenen Geschmack und Ecken und Kanten mitbrachten. Heute macht es eine Musikmoderation, die auf die vermeintlichen Vorlieben der Zuhörer optimiert, die Folge: der ständig selbe Einheitsbrei, der einem aus den Ohren quillt.

            Nicht viel anders wird es mit der „einfachen Sprache“ sein, die man jetzt auch im Deutschlandfunk hören kann, mit dem Ziel die bunte Migrantenschaft anzusprechen, simplifiziert man die ohnehin schon oberflächliche Berichterstattung noch auf Kindergartenniveau… sowas kann kein gutes Ende nehmen.

          • Hach, Stokowski ist eine Labertasche, aber ehrlich. Ich habe bei ihr lange versucht, irgend etwas Handfestes aus den Artikeln herauszuziehen, aber da ist nichts. Nichts. Das war die Erste, die ich beim Spiegel dann völlig ignoriert hatte, mir war richtig egal geworden, was die schrieb.

            Aber viele der Spiegel-Artikel sind nur noch ein gegenseitiges Bestätigen, dass man im Recht ist und immer mehr werden Themen und Argumente weggelassen, die das eigene Weltbild stören könnten. Das war früher eher nur in der taz so gewesen, aber selbst da gab es immer wieder Highlights von echter Frische. Na ja, war einmal.

          • „Wenn du dir den Spaß machst, alte „Spiegel“ aus den 70ern auf dem Flohmarkt zu kaufen, dann wirst du feststellen, er war früher nicht nur billiger, es stand auch wesentlich mehr drin.“

            Ich habe ja wirklich überlegt, mal einen kompletten alten Spiegel zu lesen und mit einem neuen zu vergleichen. Als ich nämlich vor ein paar Jahren einen Artikel von 1969 aus deren Archiv las, kamen mir fast die Tränen, so umfang-, so faktenreich war der Artikel. Ich hatte danach das Gefühl, so umfassend informiert zu sein, dass ich mir eine eigene Meinung bilden konnte.

            War es früher wirklich so viel besser? Ich will, nein, möchte es nicht wahrhaben.

          • Stokowski malt nicht im „Spiegel“. Ataman auch nicht. Im heutigen „Spiegel“ liest man vor allem feministische Betroffenheitsartikel wie z.B. von Susanne Beyer. Es gibt noch ein paar andere weibliche Redakteure, die feministisch verblödet sind.

            Es ist ein einziges Trauerspiel.

            Und zu den Siebzigern: Das eigentlich Krasse ist doch, daß man den „Spiegel“ noch in den Neunzigern und sogar Anfang der Nuller lesen konnte, ohne ein Ponyhofgefühl zu haben. Der eigentliche Niedergang geschah wohl gegen Ende der Nuller und in den Zehnern.

            Und die Layoutreformen seit 2014 waren schrecklich und ein Fall für den Tiefenpsychologen. Es ist herrlich, Ausgaben im alten Design zu lesen. Gerade ein klassisches Nachrichtenmagazin leidet unter dieser „schwulen“ Überästhetisierung, wie sie heute praktiziert wird.

            Beim „Spiegel“ hat man wohl geglaubt, die Leserschaft bleibt wegen des schlichten Designs und nicht wegen des Inhalts aus. Klassischer Fall von Problemabwehr

  16. Es wird in meinen Augen dabei oftmals folgender Trick angewendet: Man lässt die Leute, die am besten ins Feindbildschema passen, auf jede öffentliche Bühne und die, die nicht ins Feindbildschema passen, werden aus dem öffentlichen Diskurs ferngehalten. Das sieht man z.B. daran, dass Kritiker des Feminismus in öffentlichen Debatten überwiegend aus der konservativen und rechten Ecke kommen und nur selten aus linken und liberalen Kreisen. Letztere müsste es aber gemäß dem (laut Umfragen) geringen Anteil an Feministinnen in der Bevölkerung sehr oft geben.
    An der Stelle wird dann mit dem Finger auf diejenigen gezeigt, die man zulässt und dann gesagt: Seht ihr, die können überall auftreten, es gibt keine Cancel Culture.

    • Man zeigt allgemein nur diejenigen, die ein bisschen blöde aussehen, die keine guten Argumente usw. haben oder irgendwie anrüchig wirken, das ist bei allen Agenda-Themen so, nicht nur beim Feminismus! Auch bei Corona, Migration, Klima usw.

      Die interviewen 100 Leute und nehmen dann die, die am blödesten aussehen, es sind auch schon Fälle aufgetreten (etwa bei Pegida) wo sie Leuten Geld zahlten, damit sie die „richtigen“ Sachen in die Kamera sagen, ein Team ist aufgeflogen, da hatte einer ihrer eigenen Leute einen Demonstranten gemimt und sich interviewen lassen. Wenn Linksextreme versuchen die Sache aufzurollen, suggeriert man die Gewalt den legalen Demonstranten an (ala „bei der Demo flogen Steine, Polizisten wurden verletzt“).

      Das ist Handwerkszeug bei Propaganda! Ebenso wie das Abfackeln von „Strohmännern“ (=Scheinargumente widerlegen), das Einfordern von Distanzierungsgesten („ich bin kein Flacherdler, kein Covid-Leugner und wähle nicht AfD!“), das Herausschneiden und Verschweigen wichtiger Fakten und Argumente. Das Suggerieren von Zusammenhängen und Anrüchigkeit, wo keine ist usw.

      Ich bin immer wieder überrascht, wie naiv viele Leute hinsichtlich der Massenmedien sind. Ich hatte beim Studium als Nebenfach auch mal so ein Medienfach, keine Ahnung, wie das hieß, das wurde von einem jungen Kerl gehalten, der Journalist oder sowas war. Der hat ganz klar gesagt: wenn ihr Skrupel habt (etwa bei einem Unfall mit der Kamera draufzuhalten), dann könnte ihr so einen Job nicht machen, zum Glück wollte ich das auch nie, aber so ticken die da.

      Ein Kumpel von mir arbeitet beim MDR und hatte eine zeitlang bei einem lokalen TV-Sender gearbeitet, der hat mir mal erzählt, dass er keinen Artikel aus der Zeitung übernehmen kann, ohne jeden Fakt nochmal einzeln nachzuprüfen, es sind immer Fehler und Übertreibungen etc. drin!

      Die Massenmedien (und ein guter Teil der Alternativen natürlich auch) sind ein Sumpf! Man sollte niemals den Fehler machen, den News-Dealern etwas ungeprüft abzunehmen.

  17. „Sehr passend“ zum Thema ist heute ein ziemlich krasses Beispiel von Cancel Culture bekanntgeworden, Danach hat die REferentin der SPD-Bundestagsfraktion Stephanie Weyand eine Denunzianten-Mail geschrieben, die genau ein solchen Canceln zum Ziel hat. Und jetzt kommt es krass: Ausgerechnet diese Frau ist Ansprechpartner der SPD-Fraktion für einen„Medienpolitischen Dialog“ zum Thema: „Meinungsfreiheit und demokratische Diskussionskultur in den Medien – gegen Hass und Hetze“.
    Aber lest selbst:
    https://www.achgut.com/artikel/unter_einem_dach_mit_der_genossin_denunziantin

  18. Pingback: PfefferundSalz über Cancelculture | uepsilonniks

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