Baut der Reichtum der westlichen Welt bzw die Armut und der afrikanischen Länder auf der Ausbeutung der Kolonien auf?

Wir hatten hier anscheinend noch keinen Artikel zum Kolonialismus. Dabei ist es ja innerhalb der intersektionalen Theorien ein beliebtes Argument.

Einmal wäre da der reine Transfer von Gütern, zum anderen aber auch einmal eine moralische Schuld aufgrund der dortigen Verhaltensweisen und aufgrund der Folgen der Kolonialisierung.

Ein Gegenargument wäre wohl das klassische „was haben die Römer schon für uns getan?“ Argument: die afrikanischen Länder waren, ähnlich wie die Länder, die seinerzeit Rom unterworfen hat, schlicht nicht konkurrenzfähig und natürlich gab es auch einiges an Transferleistungen in die andere Richtung in Sinne von Straßen, Verwaltung etc.

Dagegen könnte man anführen, dass es wesentlich später war und damit die Gräueltaten dort aufgrund des höheren „Zivilisationsstandards“ eine ganz andere Vorwerfbarkeit haben.

Hätte man Afrika in Ruhe gelassen, sich vermute es ginge ihm heute wahrscheinlich wirtschaftlich schlechter.

Hätte man „fairen Handel“ geführt dann vielleicht besser. Aber das war bei der technischen Unterlegenheit (gerade auch im militärischen Sinne) kaum zu erwarten.

Letztendlich von ich aber mit der Diskussion wenig vertraut. Es erscheint mir das typische Spiel mit der Gruppenschuld zu sein, bei der die Privilegierten ihre Privilegien aufgeben sollten und bei den Nichtprivilegierten keinerlei Handlungsbedarf gesehen wird. Aus meiner Sicht gerade in Afrika eine verheerende Ansicht, weil es die Probleme vor Ort nicht löst.

105 Gedanken zu “Baut der Reichtum der westlichen Welt bzw die Armut und der afrikanischen Länder auf der Ausbeutung der Kolonien auf?

  1. Beispiel Kongo: Diese Land hat enorme Bondenschätze an Cobalt. Ohne Cobalt keine Computer, Handys oder Interkontinentalraketen. Der Kongo müsste eigentlich so reich wie Saudi Arabien sein. Allerdings hat die CIA die dortige Regierung gestürzt und eine Marionette eingesetzt, die die Ausbeutung der Ressourcen weit unter Wert ermöglicht.

    • Und bevor die Regierung durch die CIA gestürzt wurde, war der Kongo als Wirtschaftsmacht bekannt…
      Ach nee, davor gab es ja den Kolonialismus der Belgier.
      Aber davor: Kongo. Wahnsinnsland! Weltmacht!

      • Das rechtfertigt die Vorgehensweise natürlich kein bisschen und das weißt du auch.

        Eine Wirtschaftsmacht ist der Kongo auch jetzt noch nicht, sondern galt (gilt?) als Lehrbuchbeispiel für einen „failed state“. Ähnlich manchen Ländern im nahen Osten, denen die USA die „Demokratie“ gebracht haben…

        Dass es auch freundlicher gegangen wäre, beweisen m.E. die Chinesen, falls es stimmt, was man über deren Kooperationen hört.

        Es sind die Lügen des amerikanischen Imperiums, seiner Verbrecher-Geheimdienste, seine unglaubliche Gier und Doppelmoral, die uns vorgeworfen werden. Dabei werden „wir“ ja von den selben dreckigen Psychopathen regiert und belogen. Da muss man überhaupt nichts beschönigen, sondern wir sollten die Verbrecher endlich stürzen und vor Gericht stellen. Leider sind wir dazu genauso unfähig, wie es die Afrikaner bei ihren korrupten Diktatoren sind. Wer die Waffen hat, bestimmt wo es lang geht…

      • Die Saudis sind eine seltsame Ausnahme, über die ich öfter nachdenke. Wieso wurden die nie überfallen? Sie sind nahezu wehrlos, ein winziges Wüstenvolk, früher noch mehr, als heute. Ein Regime, welches massenweise Vorwände geliefert und riesige Profite versprochen hätte.

        Da steckt irgendwas dahinter, was wir nicht sehen oder wissen dürfen. Da gehe ich jede Wette ein! Vielleicht haben die eine Unterwerfungserklärung unterschrieben und überweisen regelmäßig was an die richtigen Leute oder so.

          • Die „rote“ USA -> Aramco: Arab-American Oil. Die Bedeutung ist nich mehr die der Vergangenheit und so kommt es dann, dass Biden den Terroristenstatus der yeminitischen Aufständler fallen lässt, obwohl sie unentwegt die Ölanlagen von Aramco angreifen. Denn die „blaue“ USA favorisieren den Iran als lokale Vormacht der Region.

          • Die Frage ist: WARUM?

            Die Saudis waren diejenigen die das Ölkartell, die OPEC anregten, um die Preise erhöhen zu können. Spätestens ab den 70igern war das auch wirkungsvoll. Da winken riesige Profite und die USA und ihre Vasallen greifen nicht danach? Um die Demokratie zu bringen oder so einen verlogenen Schmus? Warum nicht?

            Osama bin Laden war Saudi, in der später veröffentlichten 09/11-Version wurden m.W. die Saudis direkt beschuldigt, den Anschlag geplant zu haben. Aber wen überfällt man? Afghanistan und den Irak…

          • USS Quincy…
            Die USA haben erfolgreich den Zugriff auf das Öl gesichert.
            Der Name Saudi-aramco sollte da keine Rätsel aufgeben…

  2. Klare Antwort: Nein.

    Beweis 1: Deutschland. Keine Kolonien seit 1918. Wirtschaftsmacht nur 6 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Beweis 2: Neuseeland. Winziges Land im Nirgendwo. Nie Kolonien besessen. Sehr wohlhabend.

    Beweis 3: Singapur. Stadtstaat. Nie Kolonien besessen. Selbst Kolonie gewesen. Wirtschaftsmacht.

    • Ich empfehle immer wieder „Arm und Reich“ von Jared Diamond zu lesen.
      Das Problem ist ja nicht der Kolonialismus, sondern die vordergründig überraschende Tatsache, dass es Regionen auf der Erde gibt die derartig unterlegen waren, dass sie mehr oder weniger mühelos kolonialisiert werden konnten.
      Das Buch beleuchtet die Ursachen.
      Wenn man das dann akzeptiert und verstanden hat, dann wird auch klarer warum das dann so gelaufen ist.
      Im Beispiel des heutigen Afrikas: eine äußerst ungünstige Verquickung von wirtschaftlichen Interessen auf beiden Seiten (sowohl die erste Welt als auch die Kongolesen haben ein Interesse an der Ausbeutung der Ressourcen), der Unfähigkeit der dortigen Gesellschaft Infrastruktur und Organisation dazu zu stellen und einer Gesellschaft die auf Nepotismus und Korruption beruht und keinerlei Anreize zu eigener Weiterentwicklung bietet.
      Das ganze sieht dann für die üblichen Verdächtigen aus als ob das alles durch den Kolonialismus gekommen sei. Aber dieselben Probleme existieren dort auch wo nie eine Kolonie war.

      • Vielleicht ist das Buch „Arm und Reich“ ja doch besser als ich dachte. Laut Beschreibung bei Amazon führt Diamond die Armut in Afrika auf klimatische und geographische Gegebenheiten zurück, aber vielleicht ist das ja nur indirekt gemeint: ein anderes Klima produziert eine andere gesellschaftliche Ordnung, und das ist dann die Ursache.

        Sehr überzeugend fand ich „Warum Nationen scheitern“ von Acemoglu und Robinson. Ein Beispiel dort ist eine Stadt, die zur Hälfte in Mexiko und zur anderen Hälfte in den USA liegt. Der krasse Wohlstandsunterschied der Hälften ist bestimmt nicht klimatisch bedingt. Unterschiedliche Entwicklungen sind laut diesem Buch auch teilweise Zufall. So war die Pest in Europa im späten Mittelalter ein echter Entwickungsmotor: Arbeitskräfte waren begehrt, und damit sie nicht abhauten, wurden ihnen Rechte und damit Entwicklungsmöglichkeiten zugestanden.

        • Aus meiner Sicht ist es ein sehr gutes Buch, dass ziemlich plausibel erklärt warum Eurasien so erfolgreich ist und Afrika, Australien und die Amerikas nicht.
          Das hat viel mit sehr unterschiedlichen Startbedingungen zu tun. Daraus ergibt sich natürlich auch ein anderes soziales Miteinander.
          Und davon hängt eben ab wie erfolgreich Völker sind.
          Deswegen sind Asiaten (auch die ex-kolonisierten) so erfolgreich und nahezu alle Staaten Afrikas nicht. Besonders interessant in dem Zusammenhang (nicht im Buch) ist ja der Niedergang der arabischen Welt. Hier haben für einige Zeit Völker von Vorteilen profitiert, die andere geschaffen hatten (Perser, Römer, Griechen, Katharger und Ägypter), ohne diese Kulturen zu übernehmen. Am Ende steht man dann ohne alles da. Das wiederholt sich gerade vor unseren Augen in Saudi-Arabien. Den Sauds geht das Öl aus. Das wird ihre Position als Hüter der heiligen Stätten massiv Schwächen. Deswegen machen die im Jemen auch so auf dicke Hose. Die versuchen bei ihren Nachbarn Eindruck zu machen um von denen nicht angegriffen zu werden. Auf die Dauer wird das nicht funktionieren. Man hat versäumt selber etwas aufzubauen was über das Öl hinaus geht. Stattdessen hat man eine Art cargo cult Wirtschaft errichtet in der alle so tun als würden sie arbeiten und etwas erwirtschaften. Aber die industrielle Revolution hat die Aufklärung als Basis gehabt und auch gebraucht. Und diese ist ja im Wahabismus überflüssig….

        • „Aus meiner Sicht ist es ein sehr gutes Buch, dass ziemlich plausibel erklärt warum Eurasien so erfolgreich ist und Afrika, Australien und die Amerikas nicht.“

          Im Grunde ist es die Übertragung bekannter und bewährter Konzepte der Evolutionsbiologie auf den Menschen und seine Gesellschaft. Vereinfacht gesagt: mehr Territorum = mehr Entwicklung. Diese Grundwahrheit erklärt dann auch, warum ein Coronavirus aus China kommt und weniger aus Südamerika oder gar von Australien. Diamond hat die Anthropologie praktisch zu einem Teil der Naturwissenschaften gemacht, wofür man ihm nicht genug danken kann.

          • „Vereinfacht gesagt: mehr Territorum = mehr Entwicklung. “

            Allerdings ist Afrika ist riesig. Ein wichtiger Faktor für Europa war wohl auch das Mittelmeer,
            wodurch alle Anrainerländer über Handelsschiffe gut verbunden waren.

          • Es ist die Ost-West Ausdehnung Eurasiens. Dadurch gab es ein großes gemeinsames und übertragbares Potenzial an Nutztieren, Nutzpflanzen und Techniken die ausgebaut werden konnten.
            Das war auch ausschlaggebend für die erfolgreiche Besiedlung Südafrikas durch die Niederländer.
            Auf anderen Kontinenten sieht das dünn aus.

          • @Navido
            „Allerdings ist Afrika ist riesig.“

            Afrika ist evolutionär eine ziemliche Enttäuschung, die tropische Regenwaldzone vor allem ist erbärmlich artenarm, verglichen mit der Indomalayis oder auch Südamerika. Wenigstens reisst Madagaskar das ein wenig raus, aber es wäre wohl ehrlicher, dies evolutionär als eigenen Kontinent zu begreifen.

          • Die Fläche spielt m.E. nicht die große Rolle, sondern die Bevölkerungsdichte. Je dichter die Bevölkerung, desto eher Krieg, Seuchen, große Städte, Infrastruktur, Politik usw. alles starke Entwicklungstreiber, die in Afrika nahezu fehl(t)en.

            Das Klima spielt m.E. auch mit rein, indem es sich auf die Mentalität auswirkt. Es ist halt ein Unterschied, ob man immer was zu essen findet oder ohne Planung im Winter verhungert. Das dürfte sich sowohl auf die Kultur, wie auch auf den Genpool ausgewirkt haben (auch wenn letzteres total pollitisch unkorrekt ist, ist es doch wahrscheinlich).

    • Beweis 4: USA

      War britische Kolonie. Wurde ausgebeutet. Hat die Kolonialmacht deshalb zum Teufel gejagt. Hat sich direkt danach drangemacht, die führende Wirtschaftsmacht zu werden. Ist es immer noch.

      • Das Beispiel passt historisch hinten und vorne nicht, finde ich. Die USA waren Kolonie, weil sie von jenen, die dort irgendwann zahlenmäßig überwiegend lebten, aus Europa heraus kolonisiert wurden. Die Kolonien wurden auch nicht direkt ausgebeutet, sondern sie mussten Steuern an das Empire zahlen, worauf die in zweiter oder dritter Generation bereits dort lebenden und das Land als ihre Heimat Betrachtenden keinen Bock hatten.

        Die vor den europäischen Kolonisten in Amerika lebenden Völker lebten vergleichsweise rückschrittlich und wurden entsprechend zurückgedrängt. Sie leben entweder inmitten der europäisch geprägten Gesellschaft in den Städten der USA oder versuchen in Reservaten ihre kulturellen Wurzeln mit Müh und Not zu erhalten. Dort sind sie weit davon entfernt, eine wirtschaftlich relevante Rolle für die USA zu spielen – was wohl auch gar nicht in ihrem Interesse ist – sondern leben eher als reine Selbstversorger.

        Die USA sind keine Kolonie, die sich von ihren Kolonisten emanzipiert hat, sondern eine Kolonie, die von den Kolonisten zu einem eigenen Land erklärt wurde, welches sich dann von der Kolonialmacht, aus der viele der Kolonisten kamen, losgelöst hat.

        Das Beispiel USA hieße also auf Afrika übertragen: Afrika oder zumindest ein Teil davon wäre zu großen Teilen von Nachfahren europäischer Kolonisten bevölkert, also zum größten Teil weiß, die gesamte Kultur wäre klar von den Europäern geprägt – wahrscheinlich wäre dieses Land dann ein durchaus relevanter wirtschaftlicher Player auf der Welt – und die indigenen Afrikaner würden als für die kulturelle Prägung des Landes unbedeutender Faktor in kleinen separierten Gegenden oder überwiegend der Unterschicht angehörender Stadtbewohner vor sich hin vegetieren.

        • „also zum größten Teil weiß, die gesamte Kultur wäre klar von den Europäern geprägt“

          Damit stimmst du dem Beispiel im Wesentlichen zu: Es geht nicht so sehr darum, ob ein Land irgendwann vor 250 Jahren mal gemolken wurde, sondern mehr darum, ob das danach dort lebende Volk eine Kultur hat, die mit wirtschaftlichem Wohlstand kompatibel ist.

          Dass das bei europäischen Siedlern eher gegeben ist als bei Menschen, die tief in zehntausenden von Jahren alten Traditionen verhaftet sind, widerlegt nicht die Validität des Beispiels.

          • Dem Beispiel stimme ich nicht zu, denn die USA waren keine gemolkene Kolonie, die irgendwann wieder sich selbst überlassen wurde. Es war eine von den Kolonisten zur Nation erklärte Kolonie. Man kann sie nicht als Gegenbeispiel dafür heranziehen, dass Kolonien automatisch von den Kolonialmächten ausgebeutet und verarmt werden, weil die Kolonie USA nie wieder sich selbst überlassen wurde. Sie wird bis heute von den Kolonisten bzw. deren Nachkommen beansprucht und betrieben.

            Der Aussage, dass wirtschaftlicher Erfolg und Misserfolg nichts mit Kolonialismus zu tun haben muss und weit überwiegend auch nicht hat, dem würde und wollte ich auch gar nicht widersprechen, denn das halte ich auch, gerade in Bezug auf Afrika und dessen Kolonisierung, für ausgemachten Blödsinn. Ich finde nur, dass das Beispiel der USA kein gutes Gegenbeispiel ist, um dies zu belegen, weil die historische Entwicklung der USA eine völlig andere ist, als die der ehemaligen afrikanischen Kolonien. Die USA waren keine Kolonie, bei der sich die Kolonisierten gegen die Kolonisten auflehnten, sondern die Kolonisten haben sich gegen das Land aufgelehnt, aus dem sie bzw. ihre unmittelbaren Vorfahren zum großen Teil selber kamen. Ein Verfechter des Glaubens daran, dass die „westliche Welt“ nur so reich geworden ist durch die Ausbeutung kolonisierter Länder, würde hier eben darauf hinweisen, dass die ausgebeuteten „Ureinwohner“ ja ebenso in Armut leben, wie die Menschen in Afrika und das sogar, obwohl in ihrem eigenen Land der große „Wohlstand“ herrscht, ihnen dort also gar von den westlichen Kolonisten in deren eigenen Land weggenommen und kackfrech vor ihrer Nasenspitze vorgelebt wird.

    • Von 1910 bis 1945 Kolonie Japans. Dann wurde die koreanische Halbinsel von 1950 bis 1953 durch den Krieg dem Erdboden gleichgemacht. Danach Waffenstillstand bist heute und Chaosjahre.
      Heute elftgrösste Wirtschaftsmacht der Erde. Die afrikanischen und arabischen Länder hatten zum Teil deutlich bessere Startbedingungen nach ihrer Unabhängigkeit von den Kolonialmächten.

  3. Afrika ist ein Kontingent der von gutem Wetter gesegnet ist. Es gab keinen Grund eine Vorratshaltung für Monate ohne Ernten zu etablieren, deswegen ist die Mentalität der Menschen nicht auf langfristiges denken gepolt.
    Deswegen war Jahrtausende lang keine Weiterentwicklung notwendig. Die Reiche sie trotzdem entstanden wie Kush öfter Ägypten waren, genau wie die in Mesoamerika, nur durch religiösen Fundermentalismus zusammenzuhaltrn, sozusagen als menschengemachte Notwendigkeit denn als Naturgegebene.
    Deswegen ist es bis heute schwer in Afrika genügend Menschen zu finden welche langfristig denken. Europäische Firmen aber auch Revolutionäre wie Che Guevara haben darüber schon gemeckert.
    Vielleicht ergeht es den Chinesen besser, wir werden sehen.

    • Afrika ist riesig. Weite Teile haben kein „gutes Wetter“ sondern lange Trockenzeiten in denen Vorräte sehr von Vorteil wären.
      Und (Süd)Europa hat fantastisches Wetter. Warme Sommer, milde Winter. Trotzdem die Heimat der ältesten europäischen Hochkulturen.

      • Zumindest jetzt haben sie keines mehr, m.W. war die Sahara bis vor wenigen tausend Jahren noch grün:
        https://www.br.de/wissen/sahara-wueste-geschichte-100.html

        Gut, wir wissen es nicht, der Punkt ist durchaus gerechtfertigt. Es gibt definitiv noch andere Einflussfaktoren. Ich kenne mich mit der Geschichte des alten Griechenlandes nicht aus und weiß daher nicht, wie die zu ihrer bemerkenswerten Kultur gekommen sind und warum sie diese dann wieder verloren. Ägypten ist ja auch so ein Beispiel. Eindeutig eine Hochkultur zur damaligen Zeit. Vermutlich Glück bei der Auswahl der Herrscher oder sowas. Vielleicht die Ballung der Menschen am Nil, Städte (und damit einhergehend Arbeitsteilung) sind ja quasi Voraussetzung für Entwicklung.

        • Wir hatten die Frage, warum die frühen Hochkulturen gerade dort entstanden, wo sie enstanden, in der 5. Klasse im Geschichtsunterricht behandelt.

          Zuerst kam Ägypten aufgrund der ungeheuer fruchtbaren Nilschwämmen, dann das Zweistromland, ebenfalls sehr fruchtbar. Bei den Griechen zwischen ihren kargen Hügeln lautete die Erklärung, dass die Grundlagen quasi von Ägypten und dem Zweistromland herübergeschwappt seien.

          Im Nachhinein halte ich das alles für bequeme Ex-post-Erklärungen. Vielleicht spielt der Zufall eine größere Rolle, als Historiker wahrhaben wollen.

          Außerdem halte ich es auch für möglich, dass das kulturelle Niveau, sagen wir, der Skythen, gar nicht so viel geringer war als das der Griechen. Aber es war anders, auf eine Art, die keine bleibenden Spuren hinterlassen hat.

          • renton:
            Die Griechen haben die Kultur von den Persern und Phoeniziern. Die zentralasiatischen Kulturen um den Oxus (auch Scythen) sind das ex oriente lux und stand über die alte Seidenstrasse mit Griechenland in Verbindung. Die Römer haben die Geschichte dann teilweise umgeschrieben und ein vereinfachtes Bild hinterlassen, das die Gegner zu Barbaren machte.
            Mit den Zeugnissen der Zeiten ist es fast wie mit den der Biologie: es fehlen gigantische Zeithorizonte.

  4. Was haben denn die Kolonien den im Vereinigten Königreich seither so ausgeprägten Unterschichten gebracht und genützt, z.B. im Vergleich zu den in Deutschland im Verlauf der Industriellen Revolution, und Dank der Bismarckschen Sozialgesetzgebung zunehmend partizipierenden, vormals durch extremen Pauperismus und prekäre Lebensverhältnisse geprägten Elendsschichten?!
    Wer waren und sind denn die Profiteure der Ausbeutung?!

    • In der Regel die lokalen Fürsten. Schön zu sehen in Libyen. Der „Bürgerkrieg“ ist in Wirklichkeit Streit der Kleptokraten bei denen die Räuberbanden aus Bengasi sich bei der Ausplünderung des Landes von den Räuberbanden aus Tripolis übers Ohr gehauen fühlen.

  5. Gegenfrage: Haben die endlosen Kriege zwischen den Ländern Europas Europa ruininiert?

    Ganz offenbar nein.

    Warum sollte dann die koloniale Ausbeutung für eine anhaltende Armut Afrikas verantwortlich sein können?

    Der Hauptgrund für Armut auf der Welt ist das fehlende kulturelle Verhältnis zur ZEIT. Der wohstandsmässige Aufstieg Europas liegt zuallererst an der Verbindlichkeit einer Zeit für alle, sozusagen an einer zeitlichen Gleichberechtigung, wobei man (sogar hier) Gleichstellung sagen kann!

    Heute wird freilich von den woken Rassisten die Pünktlichkeit und (das damit verbundene Pflichtbewusstsein) als „weisser Suprematismus“ denunziert. Konsequent, wenn man menschliche Interaktionen auf ein Nullsummenspiel hinunterfahren will.

    Denn genau das hat die Erfindung der Zeit für alle gemacht: die Kooperativität stark erhöht. „Zeit ist Geld“ bzw Wohlstand.

    • Liegt alles am Umgang, an der Nutzbarmachung der Zeit, der abstraktesten aller Dimensionen!

      Die immer feinere Unterteilung, jede weitere „Quantelung“ der Zeit ist und bedeutet technischen Fortschritt und damit Wohlstandsvermehrung.

      Es ist so einfach. Hand auf´s Herz, wer hat´s gewusst? 🙂

      Man kann stattdessen natürlich auch Verschwörungstheorien pflegen, wie der weisse Mann den schwarzen Mann runterhält und sowas….. Diese Igoranz wird aber gar nichts bringen und die Welt nicht besser machen können (und vielleicht wollen die Ignoranten das ja auch gar nicht, wenn sie das „ursprüngliche Verhältnis“ der „Eingeborenen“ zur Zeit loben, etwa).

  6. Kurze Antwort: Nein.
    Lange Antwort: Nein!
    Beispiel 1: USA. Der Süden baute auf Sklaverei, der Norden auf freie Arbeiter. Der Norden war viel reicher.
    Beispiel 2: Die Staaten Europas die Kolonien hatten (Spanien, Portugal) sind die ärmsten Staaten Europas. Die Staaten Osteuropas überholen diese Staaten trotz Jahrzehnten kommunistischer Ausbeutung gerade.

  7. Komplexes Thema ohne einfache Antworten.

    Was sicher nicht stimmt, ist, dass es ohne Kolonien keinen Wohlstand gäbe und aller Wohlstand auf Ausbeutung beruht. Das zeugt meistens nur von einem simplen, Trump-artigen Weltbild. Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel, im Gegenteil. Der größte wirtschaftliche Erfolg findet in Win-Win Situationen statt.

    Was sicherlich stimmt ist, dass die westliche Welt sich einen Dreck darum schert, was z. B. in Afrika passiert. Die Auswirkungen der EU-Agrarsubventionen waren so ein Fall, die Ackerbau oft unprofitabel für lokale Erzeuger machte. Aber auch die Unterstützung von Diktatoren und Gewaltherrschern. Waffenhandel. Rohstoffhandel.

    Kern für wirtschaftlichen Erfolg sind volkswirtschaftlich gute Infrastruktur, verlässlicher Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Bildungsystem, geringe Korruption und reibungslose Machtwechsel.

    Die Armut in Afrika ist vor allem in ländlichen Gegenden beheimatet. Die Leute leben von Agrar- und Viehwirtschaft und leiden unter Missernten oder politischer Instabilität.

    Nichts davon ist durch den Westen verursacht. Wenn man mal den Klimawandel außen vor lässt. Aber solange sich die Juntas das Staatsgeld lieber in die eigene Tasche stecken als in ihre Länder zu investieren, kann man da wenig machen. Führend sind die afrikanischen Staaten vor allem in der Korruption. In Angola wird lt. 2010 World Bank Enterprise Survey in 50% aller Interaktionen mit Offiziellen ein Bestechungsgeld erwartet. Polizisten und Soldaten haben Checkpoints, bei denen man einen Obulus entrichten muss, um weiterzufahren. Ähnlich in Nigeria, wie mir ein Freund aus erster Hand erzählte.

    Natürlich werden die Rohstoffe in den Westen verkauft. Aber es ist nicht die Schuld des Westens, dass das Geld dafür in den Taschen der Machthaber statt den Taschen des Volkes landet.

    Es würde allerdings sicherlich helfen, wenn der Westen aufhören würde, diese korrupten Machthaber zu unterstützen. Nur am Ende des Tages müssen diese Länder sich selber ändern. Funktionierende Strukturen aufbauen. Korruption beenden. Wirtschaft diversifizieren. Investieren. Die eigene Wirtschaft für fremde Investitionen bereit machen. Aber man muss sich ja nur den global ease of doing business index anschauen. Da kommt lange nix, und unten Afrika. Wie soll da was entstehen, wenn das Hauptziel aller ist, sich auf Kosten Anderer die Taschen voll zu machen?

    • @Flin
      „Was sicher nicht stimmt, ist, dass es ohne Kolonien keinen Wohlstand gäbe und aller Wohlstand auf Ausbeutung beruht. Das zeugt meistens nur von einem simplen, Trump-artigen Weltbild.“

      Das ist das Weltbild ganz grosser Teile der Linken! Wie kann man das nur als „Trump-artig“ bezeichnen?! Weil man so die unangenehme Wahrheit beiseite schiebt, dass das eigene politische Lager ein total regressives Welt- und Menschenbild hat?!?!

      „Was sicherlich stimmt ist, dass die westliche Welt sich einen Dreck darum schert, was z. B. in Afrika passiert.“

      Als Deutsche schert es uns doch schon meist einen Dreck, was in Frankreich passiert! Und dann kommst du mit Afrika …. Die Menschen sind nun mal sehr häufig nur an sich selbst interessiert. Und bei uns ist es vielleicht sogar noch am besten!

      „Nichts davon ist durch den Westen verursacht. Wenn man mal den Klimawandel außen vor lässt.“

      Das ist ja jetzt die neueste regressive verschwörungstheoretische Erklärungsmasche. Der Klimawandel ist schuld an an dem ist der weisse Mann schuld, wie man zB aus der „Zeit“ erfahren kann.

      „Aber solange sich die Juntas das Staatsgeld lieber in die eigene Tasche stecken als in ihre Länder zu investieren, kann man da wenig machen.“

      Das ist auch bei uns so, siehe Maskenskandal. Das Gute ist aber, dass die Produktivität der Wirtschaft so gross ist, dass die Korruption keine entscheidene Rolle spielt.

      „Es würde allerdings sicherlich helfen, wenn der Westen aufhören würde, diese korrupten Machthaber zu unterstützen.“

      Warum sollte aus sich selbst etwas anderes entstehen? Die Einnahmequelle aus dem Ausland wäre weg und diese Länder wären sogar nur noch ärmer!

      Es liegt alles an dem sozialen Miteinander, dass es keine gemeinsame Zeit gibt und geben soll. Aber das den Leuten beizubringen, da würden alle „Kolonialismus“ schreien — dabei ist es genau diese Hilfe, die dann alles andere als Selbsthilfe nach sich ziehen würde. Statt dessen überlässt man die Leute in ihrem Primitivismus einer magischen Realität und freut sich noch an der vermeintlichen Ursprünglichkeit und Unverdorbenheit. Was nur einen humanitärer Rassismus darstellt….

      • Das ist deshalb Trump-artig weil dies ein Kern jeglicher seiner außenpolitischen Handlungen war. Man kann nur gewinnen, wenn jemand anders verliert. Die gesamte Zollpolitik war ein Ausdruck dieser Denkweise.

        Warum so getriggert?

        • Weil mit dieser Tour derzeit alles umgelogen wird, wie zB die Ausschreitungen gegen Asiaten etc.

          Rein symptomatisch kannst du den Vergleich machen. Ich denke, es ist verfehlt. Die ganze Zollpolitik ging darum, die USA strategisch wieder handlungsfähig zu machen. Oder ist es bei Dir noch nicht angekommen, dass China ein ziemlich bedenkliches Land ist, dem man ein friedliches normales Miteinander verweigern muss? Das heisst, wenn einem Demokratie und Freiheit überhaupt was wert sind ….

    • Also zu dem Thema gibt es einen interessanten Film „Empire of Dust“. Da wird so aus chinesicher Sicht der aktuelle Aufbau der Infrastruktur in Afirka (ich glaube tatsächlich in Kongo) geschildert. Eine ganz bemerkenswerte Szene ist mir im Gedächtnis geblieben: So beklagt der Chinese Yang (ein echter Rassist und nicht zimperlich in seinen Äußerungen sowie im Umgang mit seinen Arbeitern), dass die Afrikaner die von den Belgiern zurückgelassene Infrastruktur einfach so vergammeln ließen. Ich glaube, seiner Ansicht nach hat das einfach kulturelle Gründe gehabt. Die Afrikaner hätten keine Notwendigkeit in einem größeren Rahmen miteinander zu kooperieren, was aber absolut erforderlich für die Erhaltung übergeordneter Strukturen wäre. Also ganz vereinfacht sie denken eher als ein Clan denn als ein Staat.

      Die ganzen Kolonien waren für die kolonisierenden Staaten auch fast immer ein minus Geschäft. Klar einzelne Personen haben sich bereichert. Die Gesamtbilanz ist aber negativ.

      Im Zusammenhang mit der Entiwkclunghilfe ist mir persönlich auch kein positives Beispiel für eine gelungene Entwicklungshilfe bekannt. Die von uns praktizierte Entwicklungshilfe hat wahrscheinlich in Afrika wesentlich zu der extremen Korruption und Nepotismus beigetragen.

  8. Der erste Trick der Postkolonialisten: „Baut der Reichtum der westlichen Welt bzw die Armut und der afrikanischen Länder auf der Ausbeutung der Kolonien auf?“ Oder: „Baut der Reichtum der Europas bzw die Armut und der afrikanischen Länder auf der Ausbeutung der Kolonien auf?“

    Weder gibt es eine „westliche Welt“, noch haben alle Nationen Europas überhaupt Kolonien in Afrika gehabt – Russland hatte nie Kolonien in Afrika, aber zahlreiche europäische. Nicht wenige Länder Europas waren durch außereuropäische kolonialisiert; bspw. Griechenland, Rumänien und Bulgarien mehrere Jahrhunderte durch das Osmanische Reich.

    Die heutige Zuspitzung, wonach „die Weißen“ die Welt bzw. Afrika kolonialisiert haben, verdankt sich einer soliden Geschichtsfälschung.

    Schaut man für Deutschland auf den wirtschaftlichen Anteil der Kolonien am Handel (Ex- und Importe) am Vorabend des ersten Weltkriegs, dann ist deren Beitrag nach mehreren Quellen zwischen 0,5% und unter zwei Prozent anzusiedeln. Diesen Anteil (unter 2%) hat Afrika als Kontinent und Handelspartner heute noch immer. Selbst dieser marginale Anteil wird von lediglich zwei Ländern, nämlich Südafrika und Nigeria, dominiert. Die „Ausbeutung“ könnte man rasend schnell senken, indem man Erdöl nicht mehr in Nigeria kauft, sondern von anderen Lieferanten.

    Postkolonialisten operieren mit Schuldvorwürfen, wie aktuell auf SPON: »Die ganze deutsche Gesellschaft profitierte von der Ausbeutung« (in den afrikanischen Kolonien), die keine empirische Grundlage haben. Sie verlassen sich einfach darauf, dass ihre Mythen nie kritisch hinterfragt werden und die entsprechend woken Massenmedien tun ihnen diesen Gefallen.

  9. Man darf den Faktor Intelligenz nicht übersehen.
    Es gibt im Internet genügend Fundstellen um das zu prüfen: der durchschnittliche Intelligenzquotient in Afrika ist niedriger als in den arabischen Gegenden, noch mal niedriger als der der Europäer und der Aisaten. Es gibt Staaten in Afrika mit einem durchschnittlichen Intelligenzquotienten, der für unsere Begriffe an eine Behinderung grenzt. Googelt das. Ich denke mir das nicht aus,
    Das ist wohl dann auch der Grund dafür, dass in (Schwarz-) Afrika in den zehntausenden Jahren, in denen die Afrikaner sich ungestört, ohne Einwirkung von aussen, entwickeln konnten, sich bis heute der Grabstock als Technologie der Wahl zum Aufkratzen der Ackerkrume gehalten hat. Allenfalls ein Baum mit Wurzel wurde als Pflug verwendet. Wie sahen eigentlich zur Zeit der ersten Europäischen „Kolonialisten“ die Fahrzeuge in Afrika aus? Wie verbreitet warren Wagen und Kutschen? Da ist nicht viel Kunde überliefert….
    Und bis heute wohnen Menschen in aus Gras zusammengedrehten und mit Erde beschmierten Lehmhütten, Auf die man als Dach noch ein paar Büschel Gras gepackt hat…. An der Peripherie ihrer SIedlungsgebiete haben diese Menschen seit hunderten von Jahren gesehen, dass es Webstühle gibt. Dass es Schrift gibt. Literatur! Dass es Mathematik gibt. Dass man Transportgut auch in Wagen packen kann, anstatt sie auf dem Kopf zu balancieren. Und und und….
    Jedoch – Transfer? Fehlanzeige. Niemand hat diese Afrikaner daran gehindert, sich das alles anzueignen und ihre eigene Existenz damit zu bereichern. Niemand! Wie gesagt: bis heute gibt es den Grabstock, und die Lehmhütte. Und, nachweisbar, ein großes Intelligenzdefizit, verglichen mit Arabern, Europäern und Asiaten. Also von wegen Kolonialismus…. Nee.

    • „Man darf den Faktor Intelligenz nicht übersehen.“

      Oh weh, der Klassiker.
      Die Tests auf IQ haben mehrere Haken, u.a. den auf Allgemeinbildung abzuzielen oder unbewusst Elemente schulischer Bildung abzufragen, die mangels Schuldbildung nicht vorhanden sein können.
      Auch die „nonverbalen“ Tests arbeiten mit Konzepten der Geometrie (bspw. Achsenspiegelung), die Schulstoff der Grundschule bei uns sind und wesentlich leichter fallen, wenn man jemals mit einem Geodreieck zu hantieren gelernt hat. Was voraussetzt, man hat eins besessen.

      Regelmäßig scheitern in den USA die US-Afrikaner daran zu erklären, warum ausgerechnet Nigerianer in den USA ein so hohes durchschnittliches Jahreseinkommen haben, wenn doch die „weiße Vorherrschaft“ so etwas verhindern sollte.
      Was anders herum jedoch bedeutet, mit dem „niedrigen durchschnittlichen IQ der Afrikaner“ kann irgendetwas nicht stimmen.

      Zurück nach Afrika: Dass Mangelernährung einen Einfluss auf die Gehirnentwicklung hat ist unbestreitbar, nur ist das keine Frage der „Rasse“.

      Der historische Punkt ist ein rosa Elefant im Raum: Woher kamen denn eigentlich die Sklaven, das Elfenbein usw. für die Europäer zu dem Zeitpunkt, als der afrikanische Kontinent noch weitgehend unentdeckt war und wie kam der Islam nach Afrika (und die 17 Millionen Sklaven in die islamischen Länder)? Durch Afrikaner, die als Händler, bzw. Zwischenhändler dienten.
      Wer aber selber Sklaven hat, dem ist die Produktivität von Arbeit so egal, wie ihm auch Arbeit egal ist.
      Das war auch das „Problem“ der deutschen Kolonialisten, die immerhin die dortige Sklaverei (Tansania) beseitigt hatten – sie fanden keine Arbeitskräfte (und wer will schon Sklavenarbeit machen?).
      Die „Proletarisierung“ der Bevölkerung hatte in Afrika gar nicht stattgefunden.

      • „Was anders herum jedoch bedeutet, mit dem „niedrigen durchschnittlichen IQ der Afrikaner“ kann irgendetwas nicht stimmen.“

        Das würde es bedeuten, wenn die nach USA kommenden Nigerianer ein repräsentatives Sample der nigerianischen Bevölkerung sind und nicht ein Sample der Top 10%

      • Oh weh, der Whataboutismus mit der „ja aber die kulturelle Prägung ist schuld am schlechten Abschneiden der Schwarzen! bei Intelligenztests!“….
        Das mag teilweise in der Frühzeit der Intelligenztests in der Tat hier und da so gewesen sein. Aber heutzutage können Forscher die Intelligenz von Affen, von Vögeln, von Hunden, sogar von Tintenfischen testen. Die Ausrede mit der kulturellen Prägung und dem entsprechenden Bias zieht nicht mehr. Oder welcher Oktopus hat schon jemals ein Geodreieck besessen, geschweige denn verwendet?

        Mangelernährung? Ok, das erklärt individuelle Unterschiede. Die hat es aber überall auf der Welt immer wieder mal gegeben. Aber das über Jahrtausende ganze Weltgegenden mangelernäht waren und drob daran gehindert wurden so viel Intelligenz zu etnwickeln, dass man Schrift, Mathematik, richtige Pflüge, anständige Behausungen und die Nutzung des Wagens anstelle des Tragens auf dem Kopf schlicht und einfach übernommen hat, geschweige denn selbst entwickelt – nein, das hat nichts mit Mangelernährung zu tun.

        Und Ausnahmen wie Nigeria, bzw. ein bestimmter Bevölkerungsteil von Nigeria, bestätigen die Regel. Sie wiederlegen sie nicht. Innerhalb der schwarzen Bevölkerungen gibt es ein drastisches (Intelligenz-)Gefälle, und die Igbo, so heißt dieser Stamm aus Nigeria, stehen an der Spitze, sowohl was körperliche als auch gestige Fähigkeiten betrifft. Mitglieder dieses Stammes machen sowohl in England als auch in den USA einen großen Teil der sportlichen UND akademischen schwarrzen Überflieger aus. Typisch: Chef des Leichtatlhetik-Teams, Sportstipendium, und dabei Einserabiturient – wird wohl ein Igbo sein. Warum? Weil sie es einfach können. Na und? Sie sind nicht repräsentativ für ganz Schwarzafrika.

        Es ist wie es ist: Intelligenz IST ein wesentlicher Faktor.
        Seit Jahrtausenden.

        • Wenn ich das recht erinnere, ist es zwar einerseits so, dass Schwarze in USA in allen kognitiven Tests um rund eine Standardabweichung schlechter Abschneiden als der Durchschnitt.

          Andererseits hat Flynn rausgefunden, dass das für die Kinder von schwarzen GIs, die in Deutschland aufgewachsen sind, nicht ansatzweise der Fall ist.

          Das spricht dagegen, dass hier einfach nur Biologie am Werk ist, wie du es anscheinend unterstellst.

          • Diese ganzen „Intelligenz“-Tests messen Gelerntes. Nicht zuletzt weil sich das bequem standardisieren lässt. Daher messen sie keine Intelligenz, sondern Lernbereitschaft. Und die ist nunmal sehr sozial bedingt.
            Das ist wie mit dem Gender-Pay-Gap: je genauer man es betrachtet, desdo mehr löst sich das in Luft auf.

            Immerhin kann man noch (wie oben geschrieben) noch die Lernfähigkeit von den verschiedensten Tieren untersuchen. Und hier wird es dann auch ganz augenscheinlich, dass es einen ganz erheblichen Qualitätsunterschied zwischen Lernenkönnen und Intelligenz gibt. Das heisst, wenigstens für die Intelligenten.

          • Die Kinderr von GIs in Deutschland? Also die Kinder von einer eher intelligenteren Gruppe unter der schwarzen Bevölkerung?
            Bitte google mal „Project 100,000“. Oder „McNamara´s Folly“.
            „McNamara Morons“ (!)…. Der Verteidigungsminister der USA suchte dringend Kanonenfutter. Vietnam und so. Und hat die Anforderungen an den Eingangs-Intelligenztest für Army-Personal gesenkt. Das Ergebnis? Eine Katastrophe!
            Jedenfalls: seitdem hat das amerikanische Militär wieder bestimmte Mindestanforderungen an die Intelligenz seines personals. Und dann stellen die Forscher fest, dass die Kinder solcherart qualifizierter Leute – auch eine gewisse Intelligenz haben? Ok….. Aber sehr repräsentativ ist das natürlich nicht, oder?

          • @von Berg @w_a_n
            Hast du einmal gegoogelt, wie groß dein „Stamm“ der Igbo ist?
            Es sind über 30 Millionen Menschen. Da hat der IQ aber viel zu tun gehabt, um um die anderen Bevölkerungsgruppen in Nigeria einen Bogen zu machen.

            „Das mag teilweise in der Frühzeit der Intelligenztests in der Tat hier und da so gewesen sein.“

            Nein, es sind absolut aktuelle und das ärgert mich.
            Die teilweise an den einfachsten Sachverhalten kranken: Sie beginnen oben links und enden unten rechts mit einem Fragezeichen. Rate mal: Welche zwei Fehler bzw. kulturelle bias sind darin enthalten?
            Der Gründer des SAT-Tests ging davon aus, es gäbe eine angeborene Intelligenz, was niemand daran hinderte, Vorbereitungskurse für SAT-Tests zu verkaufen. Finde den Fehler.

            Mit dem Erscheinen der „Bell Curve“ galten Juden auf einmal als außergewöhnlich intelligent, knapp siebzig Jahre davor als schwachsinnig – im gleichen Land übrigens und Israelis performen in IQ-Tests eher unterdurchschnittlich.

            Die reine Gestaltung des Tests betrifft Deutschland bspw. im Rahmen des PISA-Tests, da speziell für die multiple choice Aufgaben erst einmal gelernt werden muss, dass es auch mehrere richtige Antworten geben kann, weil es keine Dominanz von Tests in dieser Art im Schulbetrieb gibt.
            So wird aus einem „Intelligenztest“ ganz schnell gemessene „Test-Intelligenz“.
            Das Spektrum der Fragen, die Fragestellung sind uns vertraut, weil uns die Massenmedien seit Jahrzehnten mit der Aufforderung traktieren, mal eben unsere Intelligenz zu testen.
            Das halte ich für ein plausible Erklärung des Flynn-Effekts.

            „Andererseits hat Flynn rausgefunden, dass das für die Kinder von schwarzen GIs, die in Deutschland aufgewachsen sind, nicht ansatzweise der Fall ist.“

            Das hat Sowell auch knackig auf die Formel gebracht, es gebe in Deutschland eben keine „Gangsta-Kultur“. Ergänzend: Keine mehrheitlich abwesenden Väter, keine Ghettos, keine Gangs, keine von den Steuereinnahmen des Bezirks abhängigen (schlechten) Schulen, kurz: Kein Teufelskreis der Verelendung. Und auch keine selbstmitleidige Ideologie, an der eigenen Lage sei primär die „Unterdrückung durch die Weißen“ schuld.

          • Eine Anmerkung:
            Intelligenz muss zu erheblichen Anteilen erblich sein, sonst wären wir es nicht! Die dem Menschen eigene weit überlegene Intelligenz muss eine Folge evolutionärer Selektion sein.
            Es sei denn man bezweifelt diese. Aber dann müsste es möglich sein Schimpansen Differentialgleichungen beizubringen….

          • Man kann an konkreten Inteligenztesten und dem Konzept der Intelligenz eine Menge kritisieren.

            Andererseits halte ich es wenig plausibel, dass a) Begabung, auch geistige, nicht wenigstens zum Teil vererbt wird und b) diesbezüglich innerhalb genetisch enger verwandter Gruppen keine Korrelationen existieren.

          • @crumar

            „Keine mehrheitlich abwesenden Väter, keine Ghettos, keine Gangs, keine von den Steuereinnahmen des Bezirks abhängigen (schlechten) Schulen, kurz: Kein Teufelskreis der Verelendung. Und auch keine selbstmitleidige Ideologie, an der eigenen Lage sei primär die „Unterdrückung durch die Weißen“ schuld.“

            Die Frage ist, wie man das ändern könnte.

            Dass Frauen, die in feministischer geistiger Marinade aufwachsen wirtschaftlich keinen Fuß auf die Erde kriegen, ist ja nicht so schlimm, solange es genug Pudel gibt, die sie querfinanzieren.

            Das Netz haben Schwarze aber nicht. Aber Einsicht eben auch nicht.

            Matze zitierte kürzlich eine Umfrage, wie groß die Ingroup Bias der Bevölkerungsgruppen in US ist. Schwarze waren mit großem Abstand die narzisstischsten.

            Bei so einer „Wir sind super und sehen es gar nicht ein, dass wir was anders machen müssen“ sehe ich nicht, dass irgendjemand außerhalb irgendwas an der Lage verbessern könnte. Schon gar nicht, solange es scharenweise Weiße gibt, die sich selbst moralisch pimpen können, indem sie den armen Nege.. äh … unterdrückten Massen „helfen“.

            ps. Da ich,mir nicht vorstellen kann, dass du meinst, so was wie Intelligenz gäbe es nicht, stellt sich mir angesichts deiner Ablehnung von IQ die Frage: Meinst du, Intelligenz kann man gar nicht messen oder meinst du lediglich, IQ ist ein deutlich schlechteres Maß als vB anscheinend annimmt?

          • Wie Peterson immer sagt: Wenn du IQ Tests abgeschafft hast, wieso glaubst du, du könntest stattdessen etwas besseres einführen, statt – in aller Wahrscheinlichkeit – etwas schlechteres?

          • @Sebastian @Renton

            „Eine Anmerkung:
            Intelligenz muss zu erheblichen Anteilen erblich sein, sonst wären wir es nicht! Die dem Menschen eigene weit überlegene Intelligenz muss eine Folge evolutionärer Selektion sein.
            Es sei denn man bezweifelt diese. Aber dann müsste es möglich sein Schimpansen Differentialgleichungen beizubringen….“

            Absolut!
            Dass Menschenkinder gleichsam unfertig und mit den motorischen Fähigkeiten eines Fadenwurms zur Welt kommen hat einen Grund, nämlich das gewachsene Gehirnvolumen, damit die Größe des Kopfes.
            Damit kommen wir aber zur Fallhöhe der Argumentation: Der zeitliche Abstand vom Menschen zu Primaten ist einige Millionen Jahre und es ist sinnvoll, biologisch evolutionär zu argumentieren.
            Während der Rückstand der Afrikaner zu den Europäern ein kultureller und technologischer war.
            Dass ausgerechnet die größten vorkolonialen afrikanischen Reiche Kalifate waren, hat ihnen nicht wirklich geholfen. Es gab auch andere Reiche: https://de.wikipedia.org/wiki/Aksumitisches_Reich nur sind die eben untergegangen.

            „Man kann an konkreten Inteligenztesten und dem Konzept der Intelligenz eine Menge kritisieren.“

            Muss man auch. Auflösung von oben: Arabisch wird von rechts nach links geschrieben. Demzufolge startet man auf der Seite oben rechts und endet unten links. Man müsste den Test also spiegelbildlich verfassen, denn die Position eines Fragezeichens unten rechts macht aus dieser Perspektive keinen Sinn. Das Fragezeichen auf griechisch sieht übrigens so aus: ;
            In alten, „kulturell unsensiblen“ Tests wurden Kinder nach Haustieren gefragt – selbstredend sind Schweine im arabischen Raum keine. „Falsche“ Antwort.
            An einigen Punkten hat die Kritik am „Eurozentrismus“ ihre Berechtigung.

            „Andererseits halte ich es wenig plausibel, dass a) Begabung, auch geistige, nicht wenigstens zum Teil vererbt wird und b) diesbezüglich innerhalb genetisch enger verwandter Gruppen keine Korrelationen existieren.“

            Sicherlich, nur macht es wesentlich mehr Spaß eine Begabung zu haben, wenn gesellschaftliche Umstände existieren, die diese fördern und zur Entfaltung bringen und das Gehirn ist ein Organ, das man trainieren muss.
            Es gab in Europa ein paar Revolutionen, die auf dem afrikanischen Kontinent nur mit großer Verzögerung eingetroffen sind. Prominentes Beispiel: Die Buchpresse. Die kam in Nordafrika erst mit Napoleon an.
            An dieser Entwicklung sicherlich nicht unschuldig islamische Herrscher, die vor der Verbreitung von Wissen, welches Autoritäten in Frage stellt Angst hatten (im 15. Jahrhundert war Buchdruck teilweise per Todesstrafe verboten).
            So konnte sich in Europa m.E. etwas umwälzendes entwickeln: Nicht nur Wissenschaft, sondern intellektuelle Neugier, Wissenserwerb als „L’art pour l’art“ und eine kritische (intellektuelle) Debatte samt öffentlicher Meinung. Das ist eine feedback-Schleife und die hat es so in Afrika (und im arabischen Raum) nicht gegeben.
            Man muss nicht auf die Gene zeigen, wenn die historischen Unterschiede so offensichtlich sind.

          • @w_a_n

            „ps. Da ich,mir nicht vorstellen kann, dass du meinst, so was wie Intelligenz gäbe es nicht, stellt sich mir angesichts deiner Ablehnung von IQ die Frage: Meinst du, Intelligenz kann man gar nicht messen oder meinst du lediglich, IQ ist ein deutlich schlechteres Maß als vB anscheinend annimmt?“

            Mein Problem sind wirklich die Tests selbst und der bias, den sie enthalten (ohne das mitzubekommen).
            Es sind bspw. grafische Repräsentationen von zusammengesetzten geometrischen Figuren, die man als Konzept einer zweidimensionalen Abbildung einer Figur erst einmal verstanden haben muss.
            Für uns ist das selbstverständlich, weil wir M. C. Escher groß geworden sind und selbst über die Fabrikation einer optischen Täuschung lachen können.
            Stell dir vor, du hast das noch nie gesehen (mangels Buch oder Presse) und sollst nun Fragen zu rotierenden Dreiecken über einem Quadrat beantworten, die zeigen, wie intelligent du bist.
            Eigentlich müsste man Konzepte wie „Spiegelung um eine Achse“ erst einmal mit dreidimensionalen Objekten trainieren, um klar zu machen, was eigentlich die Frage ist.
            Weil das „schulische Wissen“ gar nicht existiert, wenn der gesamte Schulbesuch auf sechs Jahre ohne Geodreieck, Lineal und Papier angesetzt ist.
            Diese Form der scheinheiligen Ignoranz von Voraussetzungen der Messung nervt mich so richtig.
            Es sind auch so „Kleinigkeiten“, wie die Ignoranz gegenüber der spiegelbildlichen Lesediagonale eines europäischen und eines arabischen oder hebräischen Textes – der eine geht von links oben und endet rechts unten, beim anderen ist es umgekehrt.
            Wenn das eine Schema mit dem Fragezeichen endet:
            X-X-X
            X-X-X
            X-X-?
            Ergibt sich aus dem anderen Schema die Frage, warum da noch zwei X vor dem ? stehen.
            Ich werfe solchen IQ-Tests also vor, ziemlich unintelligent zu sein.

          • Diese sogenannte Intelligenz ist tatsächlich ein kulturelles Erzeugnis. Denkvermögen ist natürlich genetisch bestimmt. Diese Prozesse sind allerdings unverstanden, sogar die Abspeicherung von Erinnerung ist noch unverstanden.

          • @crumar,

            ok, kein Widerspruch.

            IQ-Tests haben einen so massiven Messfehler/Bias, dass man dem Umstand einer Standardabweichung zwischen Kulturen nicht übermäßig argumentativ belasten darf.
            D’accord.

            Aus diesem Umstand zu schließen, dass keine biologischen Unterschiede existieren zwischen Menschengruppen, deren Vorfahren die letzten 100.000 Jahre unter sehr unterschiedlichen Selektionsdrücken verlebt haben, ist meines Erachtens aber auch non sequitur.

          • @w_a_n

            „Matze zitierte kürzlich eine Umfrage, wie groß die Ingroup Bias der Bevölkerungsgruppen in US ist. Schwarze waren mit großem Abstand die narzisstischsten.“

            Logisch. Der OPFERnarzissmus ist stark in ihnen.
            Hast du irgend etwas anderes erwartet?
            Das wäre eigentlich, als ob DAS PATRIARCHAT nicht existiert, aber ein „Feminismus“, der glaubt das Patriarchat existiert.
            SHOCKING!

            „Aus diesem Umstand zu schließen, dass keine biologischen Unterschiede existieren zwischen Menschengruppen, deren Vorfahren die letzten 100.000 Jahre unter sehr unterschiedlichen Selektionsdrücken verlebt haben, ist meines Erachtens aber auch non sequitur.“

            Ähmm. Eine der Hochkulturen der Menschheit kam sehr, sehr frühzeitig aus Ägypten.
            Es gab schon ein Staatswesen, als gewisse Andere lustige Wisente an die Höhlenwände gemalt haben.
            Shocking!

  10. „Baut der Reichtum der westlichen Welt bzw die Armut und der afrikanischen Länder auf der Ausbeutung der Kolonien auf?“

    Nein. Der Wohlstand der westlichen Welt basiert auf der hohen Produktivität, die sie den Errungenschaften der Industrialisierung verdankt, und die hat „der Westen“ selbst entwickelt und aufgebaut. Auch westliche Länder die nie Kolonien hatten sind wohlhabend, zB Schweden oder die Schweiz. Afrika ist einfach auf dem Stand, auf dem Europa vor der Industrialisierung auch war. Das ist nicht „unsere Schuld“.

    Das bedeutet nicht, dass der Kolonialismus nicht auch moralische Fragen aufwirft. Aber nicht diese.

    • Es gab auf youtube mal so ein Video, in dem ein chinesicher Gastarbeiter den Schwarzen gefragt, warum sie bis heute kein halbwegs funktionierende Infrastruktur haben.
      Als Beispiel brachte er: Afrika hatte stellenweise sehr viel früher als China ein Eisenbahnnetz und kaum ein paar Jahrzenhte später bauen sie ihre eigenen Hochgeschwindigkeitszüge.
      Er rantet dann noch eine Weile rum, warum sie sich die ganze super Technologie, die ihnen die Europäer quasi gratis hingestellt haben nicht angeignet haben, so wie die Chinesen es gemacht haben.
      Leider finde ich das Video nicht mehr.

      • Frogorek hat weiter oben bereits die Antwort geliefert: die erwähnte Szene stammt aus dem Film „Empire of Dust“. Interessante Doku.

      • Die Szene stammt aus der weiter oben bereits genannten Doku „Empire of Dust“. Ist durchaus sehenswert. Man merkt den Chinesen durchaus eine gewisse Frustration mit der afrikanischen Arbeitseinstellung und kulturellen Besonderheiten an. Und ja der chinesische Chef ist durchaus ordentlich rassistisch. Die Afrikaner sind es gegen den Chinesen allerdings auch. Da gibt sich keine Gruppe was

    • „Der Wohlstand der westlichen Welt basiert auf der hohen Produktivität, die sie den Errungenschaften der Industrialisierung verdankt, und die hat „der Westen“ selbst entwickelt und aufgebaut.“

      Richtig. Der Fehler der Postkonlialisten besteht darin den Wert von Arbeit massiv zu unterschätzen und den Wert von Ressourcen massiv zu überschätzen.

  11. Ich kann was Aktuelles aus den Kolonien beitragen:

    Gabi arbeitet am Schalter für moralische Schuldannahme, fühlt sich aber auch manchmal etwas underfucked.
    Vor einigen Jahren ist sie mit ihrem Freund und etwas Flugscham nach Tansania und Sansibar gereist. Sie hat an einer Tierguck-Safari teilgenommen in einem streng geschützten Nationalpark. Da gibt’s auch vom Aussterben Bedrohtes.

    Auf Sansibar hat sie dann relaxt und musste sie sich den Weg zum Meer immer durch viele Beachboys und Massai bahnen; „Come to my shop“. Hat sie natürlich gemacht. Bei jedem gab es das gleiche bunte Tuch aus China. Mit einem Massai freundete sich das Paar an. Nach der Rückkehr schickten sie ihm mehrfach über Western Union Dollars. Woche für Woche waren dann in Afrika die Motorräder kaputt, Onkels krank, die Medikamente brauchten – ein ganzer Blumenstrauß von Nöten kam über WhatsApp.
    Gabi musste viel an den Massai denken, offenbarte das ihrem Freund – Trennung.

    Der Massai erkor Gabi aus und eine monatelange rein virtuelle Lovestory begann. Gabi fing an, in ihrer Umgebung Geld für den Armen zu schnorren. Die hätten ja nichts, würden in Lehmhütten hausen, warmes Blut aus frisch getöteten Kühen trinken. Da käme nicht mal Strom aus einer nicht vorhandenen Steckdose.

    Monat für Monat stand sie bei Western Union an, schickte Geld für eine kleine Solaranlage, Medikamente, Bustickets. Sie fühlte sich wie „Gabi ohne Grenzen“ und träumte von der ersten gemeinsamen Nacht auf dem Kuhfell in der Lehmhütte. Dass ich sie „Sextouristin“ nannte, nahm sie mir etwas übel, war sich aber sicher, dass der Massai nachts wirklich nur von ihr träumte. Er hätte erst ein Mal im Leben Sex gehabt und zwar mit einer Massai-Frau. Aber denen könne er nichts abgewinnen. So unschuldig, so rein.

    Er schickte ihr ein Video mit den einheimischen Pfeiflauten, die er beim täglichen Hüten seiner Ziegen ausstieß. Das Pfeifen wurde übertönt durch die im Hintergrund reinrauschenden WhatsApp-Nachrichten. Gabi wollte sich die Kommunikationsflut im afrikanischen Nirgendwo nicht erklären.

    Die Lockdowns gingen ins Land und sie schaarte auf Instagram sehr viele POCs aus Tansania und Sansibar um sich. Das Geschäftsmodell „Alte weiße Frau“ ist dort sehr ausgereift und floriert auch nach der Menopause. Selbst die Digitalisierung und Netzabdeckung ist fortgeschrittener als hier. Einer kannte ihren Massai und wusste sogar die Namen seiner Verwandten. Ja, der hätte zwei Frauen und vier Kinder.

    In Gabi brach eine Welt zusammen. Sie fühlte sich schmutzig, missbraucht, ausgenommen. Das Schwein! Zum Glück hatte sie bereits mehrere neue afrikanische Charmeure am Start, einer gab sich als 20-Jähriger aus. Sie schickte mir ein Bild. Ich denke, der ist gerade 16.
    Ich werde Gabi heute Abend mal anrufen und fragen, wie es denn weiterging.

    Soweit mein Bericht aus den Kolonien. Ist vielleicht teilweise offtopic. Sorry dafür.

    • Ich habe ebenfalls einen Bericht aus Afrika. Eine deutsche Kirchengemeinde hat eine Partnergemeinde in einem ostafrikanischen Land. Regelmäßig fährt ein Lastwagen dorthin. Viele Kleiderspenden. Alte Nähmaschinen, die ohne Strom. Eine Schreinerei würde gesponsert. Aus den Kleidern werden Häuser gebaut, das geht wohl. Die Menschen kochen mit offenem Feuer, deswegen sind Ofenbauprojekte sinnvoll, damit sich weniger Menschen verletzen u d man nicht so viel Holz benötigt.

      Ein Freund von mir war dort. Seine Eltern waren seit Jahrzehnten regelmäßig dort. Sehr freundliche Leute. Ein Gemeindehaus sollte gebaut werden. Ob man denn die Stühle und Tische dafür spenden könne. Er schlug vor, stattdessen die Schreinerei zu nutzen.

      Er war stark desillusioniert, nach dem er wieder da war. Meinte, dass man sich nur schwer vorstellen könne, was für eine Kultur und Geisteshaltung dort herrscht. So wenig Drang, die eigene Wirklichkeit zu gestalten. Angefangen bei der Gestaltung und dem Schmuck des eigenen Hauses. Bis hin zu wirtschaftlichen Prozessen. Er ist inzwischen kein Freund mehr von Spenden. Seiner Ansicht nach sind die Spenden nicht für die Menschen dort, damit sie ein besseres Leben haben. Sondern nur für uns, damit wir uns gut fühlen.

      Nähmaschine hat er übrigens keine einzige gesehen.

      • Nähmaschine hat er übrigens keine einzige gesehen.

        Metallschrott ist wertvoller Rohstoff. Da gibt’s echte Dollars für. Der Schrott wird dann nach China verschifft, wo daraus nachhaltige Winkekatzen gefertigt werden. Die werden dann fair gehandelt.

    • „Der Massai erkor Gabi aus und eine monatelange rein virtuelle Lovestory begann. Gabi fing an, in ihrer Umgebung Geld für den Armen zu schnorren.“

      Man kann also feststellen, dass auch Schwarze wirtschaftlich denken können und überaus kreativ und gekonnt eine Nachfrage mit den passenden Angeboten gegen Entgelt bedienen 🙂

      • Klar. Die sind da weitaus ausgefuchster als jedes durchschnittliche Bleichgesicht. Die erzählen den älteren weißen Frauen exakt das, was die brauchen. Das öffnet dann schlagartig Herz und Geldbörse. Ein echter Wirtschaftszweig namens „Bezness“. Gut dokumentiert sind die Geschichten in diesem Forum:
        https://forum.1001geschichte.de/index.php
        Allein die Anzahl der Beiträge zeigt schon, wo der Ehegattenunterhalt unserer Damenwelt landet.

        • Unterhaltsamer Link.

          Wobei ja beispielhaft „Ich bin die Janine, Biodeutsche, 28 Jahre, und lebe in einer festen Beziehung mit einem Westafrikaner, von dem ich im 5. Monat schwanger bin (mein drittes Wunschkind).“ eher keine Bezieherin von Ehegattenunterhalt ist. Die muss ihre sexuelle Vorliebe selber finanzieren (oder hartzen)…

          • Aber Peter, Janine (28) ist doch die Tochter vom Pharma-Vorstandsvorsitzenden, der mit 200+-Blutdruck im Alter von 65 kollabiert ist und seiner Frau mit dem eigenen Fitness-Studio und der Tochter Janine sein Vermögen hinterlassen hatte. Die demonstriert mit ihrem Westafrikaner übrigens auch fürs Klima.

      • „Man kann also feststellen, dass auch Schwarze wirtschaftlich denken können und überaus kreativ und gekonnt eine Nachfrage mit den passenden Angeboten gegen Entgelt bedienen “

        Definitiv!

        • Hihi, mal Freitags darauf achten: Wenn jemand strümpfig durch die Straßen läuft, ist es sicher ein Musel auf dem Heimweg vom Freitagsgebet… 😀

  12. Warum geht man davon aus, das westlicher Reichtum der Maßstab ist?

    Aus Gesprächen mit Afrikanern ist mir bewusst geworden, das die Afrikaner teilweise erheblich abweichende Meinungen zu Reichtum haben, verglichen mit uns im Westen. Zeit, Besitz, Kinder, Freizeit und Bildung haben für Afrikaner einen vollkommen anderen Stellenwert. Wer sind wir, das wir sie mit unseren Werten messen? Ein Massai mit 3 Frauen und 20 Kindern, der 2 Stunden am Tag in unserem Sinne arbeitet, fühlt sich reicher, als der Bürohengst, der nach 12 Stunden sinnloser Tätigkeit zur nörgelnden Frau ins Reihenhaus des Frankfurter Speckgürtels zurück kommt.
    Ich sehe die Afrikaner nicht als minderbemittelt, sie sind nur nicht so wie wir. Sollen sie in Afrika leben, wie es ihnen gefällt. Das geht uns nix an!

    • „Warum geht man davon aus, das westlicher Reichtum der Maßstab ist?“

      Weil das die (spätestens) durch den Feminismus etablierte Perspektive ist?
      Eine Frau, die zu Hause zwei Stunden am Tag arbeitet und sonst auf die Ressourcen ihres Gatten zurückgreift, gilt als unterdrückt und bedauernswert…

    • Was mir eher bei den Gesprächen mit Afrikanern aufgefallen ist: durch die Globalisierung, das Internet und dabei vor allem die Social Media, aber auch durch die sich verschlechternde Lage vor Ort (die mit ein Grund ist, warum ich hier vor Ort immer mehr europäischstämmigen Südafrikanern begegne) weicht diese scheinbar romantische Selbstgenügsamkeit der zunehmenden Erkenntnis, dass es da draußen mehr gibt. Mehr Wohlstand, mehr Konsum, mehr Möglichkeiten. Insbesondere die jungen Leute, angefeuert durch die Beispiele der mittels Western Union & Co. fleißig in die Heimat überweisenden Verwandten und Landsleuten in London, Paris, Berlin usw., die es dort (vorgeblich) zu Reichtum und Glück gebracht haben, möchten am globalen Konsum teilnehmen. Da das vor Ort wegen korrupter und nepotistischer Systeme kaum möglich ist, sind sie nicht mehr mit dem zufrieden, was sie vor Ort haben und verlassen Afrika.

  13. Das Hauptproblem an der „Theorie“ dass die westlichen Nationen durch die Kolonien an der Situation Afrikas Schuld sind sind die fernöstlichen ehemaligen Kolonien die eine ganz andere Situation haben. Das konnte noch keiner schlüssig erklären da wird dann die allgemeinen Theorie flugs spezialisiert um diese Anomalie zu erklären. Allerdings passt die Theorie zum on Afrika teilweise verbreiteten Voodoo Glauben der im Kern besagt:jemand anderes ist schuld.

  14. Prinzipiell haben Kolonialzeit zu Kriegen geführt, weil Völker zu Staaten zusammengefasst wurden, die nicht im Traum auf die Idee gekommen wären, einen gemeinsamen Staat zu bilden, weil ausländische Interessen dergleichen ausnutzten und wegen verschiedener „Stellvertreterkriege“ im kalten Krieg.

    D.h., inzwischen sind es die Nachwirkungen des Kolonialismus und der Kolonialismus durch die Hintertür.

  15. Nicht 100%ig zum Thema passend, aber es trifft das Thema „Gerechtigkeitsdebatte“, wo ich die Debatte um koloniale Schuld auch verankere. Heute ein Beitrag aus einer schweizer Zeitung, deren Meinungsbild differenzierter ist als bei deutschen Medien, geschrieben von einem deutschen Autor. Auffällig, wie viele ehemalige Autoren und Redakteure dort publizieren.

    https://www.nzz.ch/meinung/die-deutsche-gerechtigkeitsdebatte-hat-system-ld.1609611

    Die deutsche Gerechtigkeitsdebatte hat System

    Im Superwahljahr brauchen Grüne, SPD und Linkspartei möglichst viel Ungleichheit, um mit «Reichensteuern» und Vermögensabgaben zu punkten. Die wahren Ursachen für den teilweisen Nicht-Wohlstand werden selten thematisiert.

    Das Buch «Working Class – Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können» der Journalistin Julia Friedrichs kommt wie bestellt. Rechtzeitig zum Superwahljahr führt die junge Autorin Klage darüber, dass der soziale Aufstieg durch Erwerbsarbeit in Deutschland kaum mehr möglich sei. Auf 323 Seiten werden allerhand Daten und Betroffenheit als Belege dafür angeführt, warum es der Mittelschicht nicht mehr zu Wohlstand reiche. Schuld seien Globalisierung, Deregulierung, Finanzkapitalismus und natürlich eine unsoziale Politik. So weit, so bekannt – und nicht ganz falsch.

    Der Sound passt zur Stimmungslage, die da stets aufs Neue intoniert wird: Das «reiche Deutschland» leiste sich viel Armut. Um die Dramatik zu unterstreichen, wird neuerdings ein statistischer Trick angewandt: Nicht tatsächliche materielle Not ist das Kriterium, denn die ist laut Statistischem Bundesamt 2018 auf den Tiefststand von 3,1 Prozent gesunken. Auch ist die Zahl der Bezieher von Hartz IV, Grundsicherung oder Asylbewerberhilfe zurückgegangen. Also wird eine mögliche «Armutsgefährdung» konstruiert. Betroffen ist bereits, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben muss. Würde über Nacht ein Geldregen über Deutschland niedergehen und jedermanns Vermögen verzehnfachen, so würde sich an der statistischen Armutsgefährdungsquote nichts ändern.

    Hausgemachte Probleme

    Soziale Gerechtigkeit ist ein Dauerthema in Deutschland. Wollte Ludwig Erhard noch «Wohlstand für alle» schaffen, so geht es heute vor allem darum, die Unterschiede zwischen Arm und Reich einzuebnen. Grüne, SPD und Linkspartei, die im Herbst auf einen Machtwechsel in Berlin zusteuern, brauchen möglichst viel Ungleichheit, um ihre Forderungen nach «Reichensteuern» und zusätzlichen Vermögensabgaben zu rechtfertigen. Gerne garniert mit einem Bürgergeld oder einer Garantiesicherung, die auch jenen zustehen soll, die nicht arbeiten wollen.

    Über die banale Forderung nach Umverteilung von oben nach unten kommt die deutsche Gerechtigkeitsdebatte selten hinaus. Auch das hat System: Die wahren Ursachen dafür, warum die untere Hälfte der Bevölkerung in relativem Nicht-Wohlstand verharrt, werden selten thematisiert. Denn zu Ende gedacht, würde man dann auch bei jenen als Schuldigen landen, die über die «ungerechten Verhältnisse» am lautesten klagen. Sie betreiben in Wahrheit eine Umverteilung von unten nach oben.

    Ohne Eigentum bleibt man ewig Mieter

    Am Beispiel der steigenden Mieten und hochschiessenden Immobilienpreise wird dies besonders deutlich: Obwohl in Deutschland nur 14,4 Prozent der 357 000 Quadratkilometer als Siedlungs- und Verkehrsfläche ausgewiesen sind, haben die Grünen dem «Flächenfrass» den Kampf angesagt. Wo immer sie das Sagen haben, werden neue Baugebiete verhindert. Einfamilienhäuser sollen möglichst gar nicht mehr erlaubt sein. Diese politisch gewollte Verknappung treibt die Preise drastisch in die Höhe. Ein ausuferndes Baurecht und immer strengere Energieeinsparauflagen sorgen zusätzlich dafür, dass sich auch gutverdienende Mittelschichtsfamilien den Traum von den eigenen vier Wänden abschminken können. Nutzniesser sind die Besitzer von Grundstücken und Immobilien. Eine Dynamik von weniger Angebot und mehr Nachfrage (auch durch Zuwanderung) lässt ihr Vermögen wachsen. Was wiederum den beklagten Graben zwischen Arm und Reich vertieft.

    Ohne Eigentum bleibt man ewig Mieter und damit von einer Vermögensbildung fürs Alter abgeschnitten. Hier ist Deutschland mit einer Eigentumsquote von unter 50 Prozent ohnehin Schlusslicht. Der Bonner Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick hat errechnet, dass die ärmsten 20 Prozent der deutschen Haushalte mittlerweile fast 40 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. 1993 seien es noch 23 Prozent gewesen.

    Dieser Personenkreis ist es auch, der unter den hohen Energiepreisen zu leiden hat: Den Strompreis können sich jährlich an die 350 000 Haushalte nicht mehr leisten, und die Stromzufuhr wird ihnen abgedreht. Zwei Millionen Menschen in Deutschland fehlt laut Statistischem Bundesamt das Geld, um die eigene Bleibe ausreichend zu heizen. Selbst der Bundesrechnungshof rügt diese einseitige Belastung in seinem neusten Bericht. Dennoch wollen Grüne und SPD die Preise für Strom, Gas, Benzin und Heizöl weiter nach oben treiben. Das soll den Klimawandel bremsen, obwohl Deutschland kaum zwei Prozent zum weltweiten CO2-Ausstoss beiträgt.

    Nutzniesser dieser Energiewende sind wiederum jene Vermögenden, die über Dächer und Grundstücke für Solarplantagen und Windräder verfügen oder viel Geld in hochrentierliche «grüne Fonds» stecken. Sie können sich auch die teuren E-Autos leisten, derweil dem werktätigen Pendler sein alter Diesel verleidet wird, den er dringend zum Broterwerb braucht. Auch so wird den Armen genommen und den Reichen gegeben.

    Europas Grosssponsor

    So geht es geradezu fort mit der grün-roten Umverteilung. Während zu Hause das Geld fehlt, um insbesondere den abhängig Beschäftigten mehr Netto vom Brutto zu lassen, gibt man sich in Europa als Grosssponsor. Entgegen der eindeutigen Rechtslage erklärt der Finanzminister Olaf Scholz eine Schuldenunion zum politischen Ziel. Der Kanzlerkandidat der SPD, der einen Amtseid zum Wohle des deutschen Volkes geleistet hat, nimmt also die eigenen Steuerzahler in Haftung, um die deutlich wohlhabenderen Bürger in Italien, Spanien oder Frankreich vor unangenehmen Reformen zu bewahren.

    Mit einem Medianvermögen von netto gerade einmal 61 000 Euro sind die Deutschen sogar ärmer als die Griechen, denen sie mit vielen Milliarden helfen mussten. Der EU-Schnitt liegt bei 100 000 Euro. Zugleich hat das Land unter der Regierung Merkel nicht nur die Spitze der Steuer- und Abgabenbelastung unter den OECD-Ländern erklommen, sondern hier trägt die arbeitende Mittelschicht mit 27,17 Prozent auch am meisten zum Steueraufkommen bei. Alle Versprechen, insbesondere die unteren Einkommensschichten spürbar zu entlasten, sind Makulatur.

    Tabuthema Migration

    Völlig ausgeblendet wird in der deutschen Gerechtigkeitsdebatte das Thema Migration. Selbst in offiziellen Studien wie dem «Sozialreport 2021» wird allenfalls am Rande zwischen heimischer und importierter Armut unterschieden. Als einer der wenigen namhaften Politiker hat einzig Friedrich Merz gefordert, in die Debatte um Wohlstandsunterschiede die Tatsache einzubeziehen, dass man ohne die Zuwanderung der Jahre 2015/16 in die Sozialsysteme «eine Million Hartz-IV-Empfänger weniger» hätte. Doch der Ruf nach mehr Transparenz wurde umgehend als Rassismus diskreditiert. Dabei hat der konservative Merkel-Widersacher die Fakten auf seiner Seite. Von den damals 5,52 Millionen Hartz-IV-Empfängern haben rund zwei Millionen keinen deutschen Pass. 980 000 werden der Personengruppe «Asylbewerber» zugeordnet.

    Auch der jetzt vorgelegte Bericht des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung spricht eine klare Sprache: Vor allem die Zuwanderung von bildungsfernen Schichten aus Afrika und Arabien sowie deren deutlich höhere Geburtenrate hätten dazu geführt, dass die Bevölkerung in Deutschland nicht geschrumpft, sondern auf die Rekordmarke von rund 83 Millionen gestiegen sei. Jeder vierte der insgesamt 416 000 Asylanträge, die 2020 in allen 27 EU-Staaten gestellt wurden, ging bei deutschen Behörden ein. Die allermeisten Bezüger bleiben dauerhaft auf Transferzahlungen angewiesen.

    Derweil verliessen in den letzten zehn Jahren rund 500 000 Hochqualifizierte das Land, um einer Abgabenlast zu entgehen, die nach dem Willen von Grünen, SPD und Linkspartei für die sogenannten Besserverdiener noch weiter steigen soll. Auch so wird eine soziale Schieflage erzeugt. Doch davon liest man auch bei Julia Friedrichs kein Wort.

    Wolfgang Bok war Chefredaktor der «Heilbronner Stimme» und arbeitet heute als freier Publizist. Der promovierte Politologe lehrt an der Hochschule Heilbronn strategische Kommunikation.

    In meinen Augen ein ehrlicher Beitrag.
    Den Teil mit der Eigentumsquote finde ich sehr interessant. Deutschland ist ein Land der Mieter, während es im europäischen Ausland üblich ist Besitz zu erwerben (auch nicht überall, aber mehr als in D), gerade in den Südländern – @Christian, du hast da familiäre Erfahrungen, ist das so? – wird über Generationen Besitz gehalten.

    Auch Merz’s Ausführungen über die Zuwanderung ’15/16 und dem Zusammenhang mit H4 finde ich interessant, wenn man bedenkt, wie nach Einführung von H4 gegen Bezieher medial gehetzt wurde und heute kaum noch darüber berichtet wird.

    • „wo ich die Debatte um koloniale Schuld auch verankere.“

      Klar, das ist Verlagerung dieser „Debatte“, sagen wir lieber Monolog, ins Internationale. Die alte „Dritte-Welt“-bzw „Trikont“-Romantik. Die höhreren akademischen Weihen dazu kamen von Edward Said („Orientalismus“), der lustigerweise natürlich NICHT den Orientalismus der linken Weltverbesserer meinte, der jetzt unter dem Schutzschirm des von Said mitbegründeten „Postkolonialismus“ sich absolut durchgesetzt hat. So dass Leute mit offenen Augen wie _Flin_ oben mit der Nähmaschine sich wundern müssen, was alles so falsch läuft.

  16. Was die meisten bei der Analyse von ökonomischem Erfolg und und Misserfolg fallen lassen ist m.E. der gewichtigste Faktor: Kultur i.w.S.

    Welche Werte gelten in einer Gesellschaft? Wie wird Leistung beurteilt? Wie Wettbewerb? Wie Bildung und Wissenschaft? Was ist mit dem Eigentum? Haben Individuen Chancen zur Entfaltung oder gilt eine kollektivistische Stammeskultur?

    Das Klima und Territorium sagt m.E. nicht viel aus. Singapur hat 5 Millionen Einwohner und liegt in den Tropen. Island hat 400.000 Einwohner und liegt fast in der Arktis. Beide sind wohlhabend.
    Analog könnte man Kanada und Brasilien nennen. Beide groß, aber das Eine weitaus reicher als das andere.

    Australien wurde seit Jahrtausenden von Aboriginies besiedelt. Es gab dort keinerlei Entwicklung. Der kam erst durch europäische Siedler und zwar unmittelbar und schnell. Trotz gleicher Geografie.
    Gleiches gilt für USA und die „Indianer“.

    DDR und BRD. Beide im Grunde die gleichen Voraussetzungen. DDR ärmer als BRD. Allein auf Grund einer unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Kultur“.

    • Die Kultur spielt bestimmt eine Rolle,

      Wusstet Ihr z.B. dass es so etwas wie Eigentum in unserem Sinne teilweise gar nicht gibt?
      Ich war beruflich oft in Sub-Sahara Afrika unterwegs (Telekommunikationsindustrie) – die erzählten mir in Ghana, dass Ländereien eigentlich ‚Stammesoberhäuptern‘ gehören – man kann sie zwar von denen abkaufen und dann einen Büroturm hinstellen oder sonstwas, aber wenn der Chief das aus irgendeinem Grund wieder haben will, dann haste halt Pech gehabt und musst es zurück geben.

      üblicherweise läuft das dann natürlich so ab, dass der Käufer den Chief dann lebenslang bestechen muss (politisch korrekt: Miete bezahlen muss) obwohl er das Land/Grund eigentlich abgekauft hat – Es gibt zwar auf dem Papier das Eigentumsrecht, de facto aber nicht so wirklich.

      Ein Zeitgefühl gibts auch nicht wirklich – das war am deutlichsten in Angola, in dem ich mal ein Software-Training halten musste für Inginieure dort. Ich sollte um Punkt 8:00 anfangen, das wurde mehrmals betont, dass ich unbedingt pünktlich anfangen musste. Der erste Teilnehmer kam um 9, die meisten zwischen halb 10 und 10. Um halb 12 wollten sie dann unbedingt schon Mittagspause machen – natürlich kamen sie erst um halb 2 wieder zurück und um 4 musste Feierabend sein.

      Ich war auch oft als Consultant bei Kunden vor Ort und habe quasi als Leihkraft Projekte abgewickelt (da sitzt man dann mehrere Woche in Grossraumbüros und arbeitet mit den Kunden – bei mir alles gebildete Leute meist mit Ingenieur-background zumindest aber mindestens university education).

      In Asien kommen sie pünktlich, sind still und arbeiten vor sich hin, machen sogar Mittagspause am Platz (Chinesen essen in 5 Minuten und schlafen dann etwa ne Stunde üblicherweise auf ihrem Platz). In Afrika ist die Nettoarbeitszeit einfach wesentlich kürzer. Zunächst hauen sie deutlich früher ab in den Feierabend und machen länger Mittagspause. Während der Arbeitzeit wird ausgiebig über Politik diskutiert, es wird laut gesungen, manchmal wird auch lautstark über das Projekt diskutiert (ohne dass es konkret wird) – nur konzentriert daran gearbeitet wird nicht.

      Wenn du diesen Unterschied zwischen Kulturen mal am eigenen Leib live miterlebt hast – wie gesagt, ich hatte beruflich nur mit der (technischen) Bildungselite dieser Länder zu tun – dann wundert es dich nicht, weshalb Sub-Sahara Afrika so hinterherhängt….

      übrigens – unsere Arbeitsethik und -Moral hängt den Asiaten auch ziemlich hinterher, weshalb ich daran glaube, dass sie den Westen schon bald überholen werden

    • @Adrian
      „DDR und BRD. Beide im Grunde die gleichen Voraussetzungen. DDR ärmer als BRD. Allein auf Grund einer unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Kultur“.“

      Tinnef.
      Die DDR hat die Reparationszahlungen an die UdSSR faktisch alleine bezahlt und es wurde noch fleißig demontiert, als es im Westteil bereits den Marshallplan gab.
      „Der “Bremer Ausschuß für Wirtschaftsforschung” gab in seiner 1951 veröffentlichten Schrift “Am Abend der Demontage” u.a. folgende Demontageverluste der SBZ/DDR im Vergleich zum Jahre 1936 an: Walzwerke 82 v.H., eisenschaffende Industrie 80 v.H., Zementindustrie 45 v.H., Papiererzeugung 45 v.H., Energieerzeugung 35 v.H., Schuhindustrie 30 v.H., Textilindustrie 25 v.H., Zuckererzeugung 25 v.H., Braunkohlenbergbau 20 v.H., Brikettfabriken 19 v.H. Der Gesamtwert der Demontagen wird auf 5 Mrd. Mark geschätzt.“

      Insgesamt summierten sich die Reparationen von 1945-1953 auf 66,4 Milliarden Mark.
      Es wird resümiert: „Bei einem Dollarkurs von 4,20 DM betrug die Gesamtentnahme aus ihrer Besatzungszone bzw. der DDR bis 1953 15,80 Mrd. Dollar. Auf der Konferenz von Jalta hatte die UdSSR 10 Mrd. Dollar an Entnahmen und jährlichen Lieferungen als Reparationen von Deutschland gefordert.”
      https://www.ddr-geschichte.de/Wirtschaft/Industrie/Reparationen/reparationen.html

      Zum Vergleich: Der Marshallplan umfasste der 13,12 Milliarden Dollar, was zum heutigen Wert ca. 142 Milliarden sind. Man beachte, die Reparationen sollte ursprünglich Deutschland bezahlen und nicht nur die DDR und die herausgeholte Summe übertraf die ursprünglich geforderte bei weitem.

      Allein für die Förderung von Uran für die UdSSR waren in den 1950ern über 130.000 Beschäftigte tätig und für diesen Rohstoff gab es kein Entgelt.
      Was kaum einer weiß: „Schon 1952 hatte die Wismut AG Belgisch-Kongo von der Spitze der Uranproduzenten in der Welt verdrängt.“
      https://www.saechsische.de/mit-uran-aus-der-ddr-wurde-die-sowjetunion-zur-weltmacht-801841.html
      Die Gesamtsumme aller Reparationen hat ein Wirtschaftsexperte nach der Wiedervereinigung auf 500-600 Milliarden DM veranschlagt.
      Die Voraussetzungen waren völlig unterschiedlich.

      • Viel interessante wären die Reparationen pro Jahr und insgesamt ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung zu setzen.
        Im Übrigen glaube ich nicht, dass das der einzige Grund für den Rückstand der DDR war, denn es gab definitiv ’ne Menge Verschwendung, die man in kapitalistischen Ländern nicht sieht, und die Wirtschaftsleistung wuchs bis in die 70er Jahre, um dann zu sinken*. Wären die Reparationen allein verantwortlich, hätte letzteres nicht stattfinden dürfen.

        *https://twitter.com/HumanProgress/status/1379947208901062657

  17. Die Armut Afrikas beruht schon auf Ausbeutung. Allerdings nicht auf der Ausbeutung durch den Westen, sondern an der Ausbeutung durch die eigenen korrupten Eliten. Diese Ausbeutung verhindert das überhaupt größere Anstrengung zur Produktivitätssteigerung unternommen werden. Wer strengt sich schon an oder investiert, wenn er damit rechnen muss, dass ihm dann einfach noch mehr genommen wird?

    • Die „korrupten Eliten“ sind im Weltbild der Postkolonialisten und Co. aber nur die Marionetten der westlichen Eliten! Damit sehen sie die afrikanischen Eliten nur als Vollstrecker einer globalen Ordnung des „internationalen Finanzkapitals“.

  18. Ich hab vor längerer Zeit mal einen Artikel über Kolonialismus geschrieben.
    Ja klar baut unser Reichtum in Europa auf Kolonialismus, Mord und Todschlag des rassistischen, imperialen Systems seit 1492 und davor auf:

    Macht, Gewalt, Herrschaft: Europas Kolonialismus hinterlässt tiefe Spuren auf dem Globus seit 500 Jahren

    Kolonialismus, das ist die Dominanz einer Gruppe von Menschen durch eine andere Kultur. Dabei geht es um Fremdherrschaft, Macht und Abhängigkeit. Die Zeiten des Eroberns sind zwar vorbei, aber heute gibt es subtilere Formen des Neokolonialismus durch die Länder des globalen Nordens.

    Europa hat ein Rassismus-Problem. Nicht erst seit ein paar Jahren, denn es reicht bis in die Anfänge des europäischen Kolonialismus zurück. Schon damals ging es um Profitinteressen, Bewegungsfreiheit, die Frage, wie Arbeit organisiert ist und um unseren Lebensstil. Genau diese Schlagwörter spielen auch heute eine zentrale Rolle. Europäer_innen gehen etwa seit dem 15. Jahrhundert auf der ganzen Welt nach Belieben ein und aus. Für „die anderen“ gilt dies nicht (welche aber nicht simpel die „Nicht-Europäer_innen“ sind, sondern eher Menschen aus armen Staaten, bzw. mittellose Menschen). Bis heute gibt es Beispiele für einen – zwar nicht mehr rein europäischen – aber westlichen Neokolonialismus.

    Beispiele des neuen Kolonialismus
    Länder wie Frankreich oder Großbritannien haben bis heute Kolonien, wie etwa Französisch-Guayana, oder die britischen Jungferninseln. Die Staaten Australien, Kanada und die USA wurden von europäischen Einwander_innen kolonisiert und sind später unabhängig geworden. Europäische Staaten haben in Weltausstellungen ab Mitte des 19. Jahrhunderts Bewohner_innen aus den Kolonien in menschlichen Zoos ausgestellt wie etwa diese bestürzende Dokumentation online zeigt. Diese dunklen Zeiten sind vorbei, dennoch gibt es auch heute andere Formen von Kolonialismus. Diese werden von Konzernen und Regierungen vorangetrieben und äußern sich etwa in Freihandelsabkommen, Verträgen, oder in der Schuldenpolitik des Internationalen Währungsfonds (IWF).

    Betrachten wir beispielsweise das Freihandelsabkommen „Economic Partnership Agreement“ (EPA) zwischen der EU und 48 afrikanischen, 16 karibischen und 15 pazifischen Staaten (kurz: „AKP-Gruppe“ genannt). EPA schreibt vor, dass AKP-Staaten ihre Märkte für Importe aus der EU zu 80 Prozent zollfrei abwickeln sollen. Eine Folge davon ist, dass agrar-subventionierte, europäische Produkte afrikanische Märkte überschwemmen. Dies gefährdet die Landwirtschaft vor allem von westafrikanischen Ländern.

    Es gibt einige Mittel und Wege, wie arme Länder dazu gebracht werden können, im Interesse von reichen Ländern zu agieren: So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa Tansania in den 1990er-Jahren dazu gebracht, bestimmte Steuergesetze umzusetzen. Für den IWF und die Weltbank sind Schulden ein Mittel, neue Märkte zu öffnen und auch, um Zugriff auf billige Arbeitskräfte und Rohstoffe zu erlangen. Gleichzeitig sollen mit dem Druckmittel „Schuld“ Privatisierungen und Liberalisierungen der Kapitalmärkte vorangetrieben werden. Der IWF hat beispielsweise Guinea-Bissau (Westafrika) dazu gedrängt, Cashewnüsse in Monokulturen anzubauen, um Schulden zu begleichen. Das Land verfügte in den 1980er-Jahren über eine diversifizierte Landwirtschaft. Heute hingegen müssen die meisten Ressourcen importiert werden. Es gibt viele Beispiele, in denen Länder nach demselben Prinzip in die Abhängigkeit getrieben wurden.

    Ein weiteres Beispiel für Neokolonialismus ist „Land Grabbing“: [SYMBOLBILD] Hier geht es darum, dass Regierungen, Konzerne und Spekulanten weltweit Ackerland aufkaufen und Agrarrohstoffe herstellen. Diese werden fast immer ins Ausland verkauft, lokale Bauern und Bäuerinnen verlieren mit der Enteignung auch ihre Lebensgrundlage. Nicht selten passiert es, dass Menschenrechte verletzt, Betroffene vertrieben, oder Felder zerstört werden.
    Bei diesen Formen von Neokolonialismus gibt es noch eine andere Ebene, nämlich die Umweltverschmutzung. Der Umweltaktivist und Träger des Alternativen Nobelpreises 2010 Nnimmo Bassey spricht von einem „System der Ausbeutung afrikanischer Ressourcen“, die er als eine schwere Straftat bezeichnet. für eine schwere Straftat hält. Denn in den letzten Jahrzehnten hat sich nicht viel geändert. „Afrika – seine Ressourcen und seine Menschen – werden nach wie vor ausgebeutet zum Vorteil von wenigen Ländern und Konzernen. Der Kontinent wird entgegen anderslautender Bekundungen in Abhängigkeit gehalten“, wie Bassey betont.

    Diese Beispiele lassen sich – ohne es zu überzeichnen – um einige hundert weitere Beispiele erweitern, wie nicht nur das „Schwarzbuch Globalisierung“ beweist. Es ist knallharte Realität, dass reiche Staaten und multinationale Konzerne auf der Suche nach Profitmaximierung manchmal auch über Leichen gehen.

    Imperiale Lebensweise
    „Die Verbrechen und die Ausbeutung des Kolonialismus sind ausgeblendet, wie auch der Beitrag des kolonialen Systems für den Wohlstand und die Kultur Europas.“
    Professor Dr. Jürgen Zimmer, Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“

    Neokolonialismus hängt sehr eng mit unserer Lebensweise im sogenannten „Westen“ zusammen. Denn Produkte, die wir konsumieren, werden sehr oft in ärmeren Ländern mit niedrigerem Lohnniveau produziert. Darum geht es auch in dem Buch von Ulrich Brand und Markus Wissen: „Imperiale Lebensweise – Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus“. Dabei müsse auch darauf geachtet werden, wie Produkte produziert und verteilt werden und welche Konsumnormen es gibt.

    Bei dem Begriff „imperiale Lebensweise“ geht es um drei wesentliche Punkte:
    1. Produktion und Konsumation im Kapitalismus produziert Gewinner_innen (meist im Norden) und Verlierer_innen (meist im Süden). Erstere leben auf Kosten Letzterer.
    2. Als Folge davon spitzen sich Konflikte und Krisen um Ressourcen und Lebensgrundlagen zu. Oft erwächst sich dadurch ein Überlebenskampf, welcher zur Folge hat, dass arme Menschen in reiche Staaten flüchten.
    3. Die Lebensweise im „Westen“ verfestigt gesellschaftliche Verhältnisse. Eine Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer bedeutet für den Westen auch, dass Produkte billiger werden. Diese Vorteile treffen aber nicht gleichmäßig auf alle Klassen zu.
    „Die imperiale Lebensweise beruht auf Exklusivität, sie kann sich nur so lange erhalten, wie sie über ein Außen verfügt, auf das sie ihre Kosten verlagern kann.“ Brand und Wissen betonen, dass dies nicht durch moralisches und ethisches Konsumieren bekämpft werden kann, denn die imperiale Lebensweise ist ein strukturelles Problem. Die Autoren verbinden Handlungen im Alltag mit der gesellschaftlichen Struktur.

    Schluss
    Wir müssen ein neues Bewusstsein darüber schaffen, wie Europäer_innen konsumieren, produzieren und sich in der Welt verhalten. Daher müssen wir uns selbst an der Nase nehmen. Einfach nur ethischer zu konsumieren ist dabei keinesfalls die Lösung. Vielmehr muss mehr Bewusstsein für die alten und neuen Formen des Kolonialismus geschaffen und diesbezüglich eine breite, gesellschaftliche Debatte geführt werden. Das bedeutet auch, dass wir uns gegen Rassismus einsetzen. Denn Europa muss seine Verantwortung wahrnehmen und seine koloniale Geschichte reflektieren, aber vor allem aufarbeiten.

    • Diese Sicht ist einfach eine ideologisch motivierte Kritik, die nicht zur Kenntnis nehmen will, dass heute kein Zwang und keine Unterdrückung mehr herrschen wie in der ungesetzlichen Eroberungs- und Besatzerzeit. Es ist zutiefst unehrlich zu tun als hätte sich da nichts grundlegend gebessert. Die Menschen der Ex-Kolonien sind frei und ihnen steht auch die Zukunft frei. Mit dem Kommunismus hat es ja noch viel schlechter geklappt als mit den nicht-kommunistischen Systemen, die sich durchgesetzt haben, wobei die Erben der Kommunisten jetzt ihre revisonistische Missgunst als Klageweiber jedes noch so winzigen Missstands ausleben. Eine sehr zweifelhafte und narzisstische Übung, die so menschenfeindlich ist wie sie „den Kapitalismus“ sehen will.

  19. Europäischer Kolonialismus
    Ich finde es ist völlig unverhältnismäßig heftig, wie bagatellisiert und normal europäischer Kolonialismus ist. Europa ist in den letzten 500 Jahren auf der ganzen Welt ein und aus gegangen und lässt bis heute nur jene hinein, die ihnen als “nützlich für die Wirtschaft” erscheinen (bis auf ein paar Tausend, die aufgrund des humanen Bleiberecht bleiben dürfen, aber selbst jene müssen sich früher oder später “nützlich” machen).

    2 Ebenen möchte ich hervor streichen
    1. Zum einen die territoriale Landnahme:
    sind einige wenige große und mächtige Staaten aus europäischen Siedler_innen hervorgegangen: USA und Australien. Viele kleine Inseln, die bis heute europäisch sind: Falklandinseln, Neukalledonien, französisch Guinea (letzeres ist sogar auf dem Euro drauf, weil dort mit dem Euro gezahlt werden kann). Als drittes ist noch der Common Wealth zu erwähnen, der ebenso ein deutliches, koloniales Zeugnis darstellt.

    2. Hinterlassene Narben: Sklaverei, Verschleppung, Vertreibung, Mord
    Das klingt so reißerisch, ist aber bloß der Versuch, zunächst mal aufzuzählen, was europäische Staaten in den letzten 500 Jahren angerichtet haben:
    Europa hat nicht Spuren, sondern tiefe Narben hinterlassen, in Form von:
    40 Millionen verschleppte Arbeitssklaven (das haben alle europäischen Kolonialmächte gemacht)
    Landraub, Aufteilung der Welt
    Umerziehung (zB. “stolen Generation”, Australien)
    Vertreibung und Mord

    Wie selbstverständlich das ist — Imperialismus, Kapitalismus… zb us Western, in denen von Weißen nativ americans abgeschlachtet wurden…

    • lightyear2k, Das war eine schöne und ausführliche Darstellung.

      Sollte mich mal so eine Nase antexten, wir müssten noch den Kolonialismus kritisch reflektieren, dann verweise ich ihn/sie/es einfach auf Deine zwei Beiträge hier. „Ham wa doch schon, Guggst Du hier!“

      🙂

        • Verstehe. Ich hatte gefragt, weil vor allem der Ausdruck, die Stilistik in Deinen Texten öfters noch recht unvollkommen sind. Für einen Abiturienten fände ich das peinlich, aber für einen Dreizehnjährigen, also ca. 8klässler, ist Dein Niveau schon wirklich gut. In vier Jahren bist Du da sicherlich noch viel weiter.

          Mir gefällt, dass Du unsere Filterblase hier öfter mal mit Deinen Ansichten anstichst. Mir gefällt nicht, dass Du Dich auf keine Diskussion einlässt. Ich weiß, dass das je nach Antwort viel verlangt wäre, Du wirst ja oft genug angefeindet inzwischen. Aber versuch doch mal, auf den inhaltlichen Part einer Antwort einzugehen, wenn er denn da ist. Die sich daraus ergebende Diskussion könnte mehr Erkenntnis bringen für beide Seiten, als einfach nur Statements zu hinterlassen. Dafür gibt’s Twitter 😉

          • Ich glaube, er veralbert dich. Wenn man bedenkt, dass er hier schon seit einigen Jahren immer mal wieder auftaucht, steile Thesen in Verbindung mit Streubombenbeleidigungen reinzuwerfen, hätte er damit schon im Grundschulalter angefangen haben müssen.

          • Der Gedanke ist mir gekommen. Aber vielleicht stimmt es ja halbwegs, was er sagt, und er ist 15 oder so. Dann bestünde noch Hoffnung, nicht nur für seinen Schreibstil 😉

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