Die intersektionalen Theorien und die fehlende Symmetrie bzw der Verstoß gegen „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“

Ich fand den Gedanken in diesem Thread von Tweets ganz interessant:

In physics there’s a term called CP violation, it basically means that a phenomenon isn’t symmetric and if you mirror flip the actors, the conclusion is different. The left basically sees almost all of its beliefs as CP violating. If you flip all the symbols, it doesn’t…

…indicate anything about their own positions. I get concerned about this because one of our most BASIC psychological engines for determining behavior is the Golden Rule: „do unto others as youd have done unto you.“ People are supposed to be able to self-awaringly ask…


..themselves, „if I kept ALL things equal and simply flipped basic signs and variables, would this be okay.“ If you can’t have this basic function, I honestly think it’s a stepping stone to really bad societal outcomes.

Und durch Deepl gejagt:

In der Physik gibt es einen Begriff namens CP-Verletzung, er bedeutet im Grunde, dass ein Phänomen nicht symmetrisch ist und wenn man die Akteure spiegelt, ist die Schlussfolgerung anders. Die Linke sieht im Grunde fast alle ihre Überzeugungen als CP-Verletzung. Wenn man alle Symbole umdreht, sagt das nichts…

…nichts über ihre eigenen Positionen aus. Mich beunruhigt das, weil einer unserer grundlegendsten psychologischen Motoren zur Bestimmung von Verhalten die Goldene Regel ist: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Die Menschen sollen sich selbstbewusst fragen können…


…sich zu fragen: „Wenn ich ALLE Dinge gleich lassen würde und einfach die grundlegenden Zeichen und Variablen umdrehen würde, wäre das in Ordnung.“ Wenn Sie diese grundlegende Funktion nicht haben können, denke ich ehrlich gesagt, dass es ein Sprungbrett zu wirklich schlechten gesellschaftlichen Ergebnissen ist.

Und ich glaube, dass fast das Unwohlsein vieler mit den intersektionalen Theorien bzw mit SJWs ganz gut zusammen: Es werden unterschiedliche Regeln nach Hautfarbe, Geschlecht etc angewendet, es ist nicht „symmetrisch“.

Beispielsweise darf man einen Weißen für genau das gleiche Leben, welches evtl eine Schwarze Person führt, etwa wenn beide gleichrangige Angestellte der gleichen Firma in der gleichen Lohngruppe sind, vorwerfen, man ansonsten gleiche Leben führt, vorwerfen, dass er ein fieser Unterdrücker ist etc

Oder eine Frau darf „Kill all men“ und „Men are Trash“ verwenden und es ist nur ihr berechtigter Kampf gegen die Unterdrückung der Männer. 

Das war schon mehrfach Thema hier:

Ob man die komplizierte Herleitung über die CP-Verletzung da letztendlich braucht ist eine andere Frage, aber die fehlende Symmetrie macht es aus meiner Sicht irgendwie klarer als der reine Begriff Doppelmoral. 

 

59 Gedanken zu “Die intersektionalen Theorien und die fehlende Symmetrie bzw der Verstoß gegen „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“

  1. Das ist auch der Grund, warum das Tauschen der Geschlechter als Argument nicht funktioniert, da bei den Geschlechtern von völlig verschiedenen Voraussetzungen ausgegangen wird; er unterdrückt sie, also sind bei ihm positive Diskriminierung – z.B. in der Schule – erlaubt, bei ihr aber nicht. Einen Nazi kann man schließlich auch nicht damit überzeugen, wenn man ihm vorrechnet, wie schlimm das wäre, wenn man andere Menschengruppen so anfeinden und verfolgen würde.

    • „er unterdrückt sie, also sind bei ihm positive Diskriminierung – z.B. in der Schule – erlaubt, bei ihr aber nicht. “

      Dieses Denken ist auch schon tief in unsere Gesellschaft gesickert. Die Talking Points finden sich schon längst weit gestreut. Bullshit der Marke „Ich bin ja selbst gar nicht für eine Quote, aber die Zahlen zeigen ja, es geht nicht ohne“ ist inzwischen schon überall zu hören. Kein Wunder. Politiker aller Fraktionen, selbst der CDU und FDP (!) quaken diesen Müll inzwischen rauf und runter. Man liest es überall in den Medien. DANN KANN ES JA NUR STIMMEN!!!

      Kurz nebenbei: „Ich bin ja selbst gar kein Freund der Quote…“ ist in meinen Augen längst das linksidentitäre Pendant geworden zum rechtsidentitären All-Time-Classic „Ich habe ja nichts gegen Ausländer…“. Es kommt immer ein Aber und danach jede Menge Bullshit, warum man dann doch regelrecht dazu gezwungen ist, für die Quote zu sein (die Männer hören ja nicht von selber auf, Frauen klein zu halten) oder warum einem die Ausländer letztlich gar keine andere Wahl lassen, als dennoch was gegen sie zu haben (die können sich einfach nicht benehmen, etc.).

      WIE asymmetrisch da gedacht wird, das zeigt nach wie vor dieser ältere Artikel wunderbar:

      https://www.spiegel.de/politik/deutschland/frauenquote-koalition-bessert-gesetzentwurf-nach-a-1021432.html

      „Experten“ (hinter diesem Wort werden wohl, um den politischen Lobbyismus nicht allzu offenkundig werden zu lassen, „Gleichstellungs“-Beauftragte und Damen vom Deutschen „Juristinnen“-Bund verborgen) befinden, dass ein komplett geschlechtsneutral formulierter Passus in der Novellierung des Bundesgleichstellungsgesetzes, der im Öffentlichen Dienst bei Einstellungen und Beförderungen in etlichen Bereichen auch zu einer „Männerquote“ führen würde, „offensichtlich verfassungswidrig“ sei.

      Um zu begründen, warum ein Paritätsgesetz keinesfalls auch dazu führen darf, dass Männer in Berufung auf Parität Vorrechte einklagen können, gehen sie sogar so weit, eins zu eins das zu sagen, was nicht heuchlerische, also Quoten IMMER ablehnende Menschen sagen: „Denn allein aus der Feststellung, dass ein Geschlecht in einem bestimmten Bereich in der Minderheit sei, folge noch keine tatsächliche Benachteiligung.“ Nur dass sie das Argument vorbringen, um ein Gesetz so schleifen zu lassen, dass es faktisch explizit nur für Frauen nutzbar ist. Ein Gesetz, welches je nach Gemengelage mal Frauen, mal Männern Vorrechte einräumt, ist also verfassungswidrig, ein Gesetz, welches faktisch nur Frauen Vorrechte einräumt, ist hingegen die Erfüllung eines Verfassungsauftrags.

      So etwas sagen Leute, die man medial als „Experten“ bezeichnet.
      Und die Quelle ist tatsächlich der Spiegel und nicht der Postillon.
      Und ja, diese „Experten“ meinen all das wirklich ernst.
      Und nein, sie kommen sich dabei noch nicht einmal dämlich vor.

    • Aber wir sind doch alle Nazis, oder, zumindest wenn man der ZEIT glauben soll, „Menschen mit Nazihintergrund“. Heißt das automatisch, wir sind auch allesamt unmöglich zu überzeugen? 0:-)

  2. Oder eine Frau darf „Kill all men“ und „Men are Trash“ verwenden und es ist nur ihr berechtigter Kampf gegen die Unterdrückung der Männer.

    Also ich hätte jetzt kein Problem damit „Kill all women“ und „Women are trash“ zu lesen oder zu schreiben. Gleichberechtigung für alle – auch Frauen – konsequent umgesetzt. Ebenso „toxische Weiblichkeit“ – ein viel zu wenig benutzter Begriff im Zusammenhang mit Menschen mit Menstruationshintergrund.

  3. „Was du nicht willst, das man Dir tu…“
    Diese Binsenweisheit werden Intersektionale erst nach dem unvermeidlichen Backlash für sich entdecken. Vor dem mir übrigens auch gruselt.

  4. most BASIC psychological engines for determining behavior is the Golden Rule: „do unto others as youd have done unto you.“

    Ist das nicht eine extrem männliche Sichtweise?

    Was im Verhalten von Frauen erlaubt die Annahme, dass „Wie du mir, so ich dir“ bei ihnen – Männern gegenüber – eine BASIS-Regel sei?

    Friendzone, Foodie Calls, Hypergamie…

    Gibt es irgendein Beispiel für typisch weibliches Datingverhalten, das Männer auf Augenhöhe sieht?

    • Nein, das sicherlich nicht. Dennoch gleicht die Realität über die Zeit die Chancen und die Bedingungen für beide Geschlechter doch aus.

  5. Aus der Sicht der SJWs liegt hier gar kein Fehlen von Symmetrie vor. Sie gehen zwar davon aus, dass Weiße zu benachteiligen oder Männer zu beleidigen in Ordnung ist, dasselbe bei Nichtweißen oder Frauen aber nicht. Aber „die Vorzeichen umdrehen“ würde aus ihrer Sicht bedeuten, dass die komplette Unterdrückungssituation umgekehrt sein müsste. Bestimmt würde jeder SJW sagen, dass, wenn die Männer die Unterdrückten wären oder die Weißen die, die unterprivilegiert sind, es natürlich auch keineswegs in Ordnung wäre, sie zu benachteiligen. Insofern sehen SJWs hier bestimmt keine bewusste Doppelmoral

    Der Knackpunkt ist, dass sie ausschließlich in Kollektiven denken. Alle Weißen sind schuld, dass Nichtweiße unterdrückt sind; alle Männer sind schuld, dass Frauen benachteiligt werden; begründet wird das damit, dass ja jeder einzelne von ihnen, auch wenn er für das System, das ihm Privilegien gibt, zwar nicht direkt verantwortlich ist, aber doch davon profitiert, ob er will oder nicht.

    Was uns, die wir eine durch die Aufklärung beeinflusste, individualistische Ethik verfolgen, als Asymmetrie und Doppelmoral erscheint, ist tatsächlich nur eine Folge simplizistischen Weltbilds der SJWs, in dem „die Guten“ eine homogene Gruppe sind und „die Bösen“ ebenso.

    Hinzu kommt noch das bekannte „slippery slope“-Argument, nach dem jede Mikroaggression gegen eine unterdrückte Gruppe ein Baustein ist, der am Ende zu Genozid und Femizid führt, während jegliche Aggression gegen „Privilegierte“, auch wenn sie gar nicht so mikro ist, schlimmstenfalls zu verletzten Gefühlen führen kann. Wer so eine Weltsicht hat, für den ist natürlich logisch, dass Aggressionen nicht unabhängig davon bewertet werden können, in welche Richtung sie gehen.

    Das Gefährliche an der Sache ist, dass diese kollektivistische Sicht von den meisten Menschen nicht geteilt wird und sie eine Aggression immer zuerst als Aggression gegen sie selbst als Individuum sehen werden, und dann entsprechende Gegenreaktionen folgen.

    • Schlimmer. Man beginnt sich selbst als Teil eines Kollektivs zu verteidigen und zu rechtfertigen.
      Ich habe mich zum Beispiel nie als Teil des Kollektivs „weißer Männer“ gefühlt und versuche dies auch weiterhin zu vermeiden. Aber mein Stammhirn beginnt in Verteidigungshaltung, sich eben über die Identifizierung mit diesem Kollektiv zu rechtfertigen:

      Haben „wir weißen Männer“ nicht die Zivilisation errichtet?
      Haben „wie weißen Männer“ nicht Gesellschaften erschaffen, in die alle einwandern wollen?
      Was habt „Ihr PoC/Frauen“ denn bislang geleistet?

      Das ist in gewisser Weise ein verständlicher Verteidigungsmechanismus, aber eben gefährlich, weil er genau die kollektivistische Spirale der Identitätspolitik aufnimmt und weiterführt.

      Es ist bereits jetzt relativ klar, was geschehen wird: Es wird einen Backlash durch „weiße Männer“ geben. Wie der sich politisch artikuliert, steht in den Sternen. Da wir Menschen aber auch nur Tiere sind, sehe ich nichts Gutes für die Zukunft.

      • Ach ich sehe das nicht so negativ. An der Geschichte entnehme ich, dass lange Phasen von Frieden und stabilen Verhältnissen für die Gesellschaft selten von großem Nutzen waren. Es ist schon OK immer wieder alles abzureißen und wieder neu aufzubauen.

        • „Es ist schon OK, immer wieder alles abzureißen…“

          Aber doch nicht unbedingt, während ich als mittelalte Person langsam meine Ruhe haben will. 😦

          • Ja für das Individuum ist das manchmal nicht so schöne, aber gesellschaftlich betrachtet ist es ein großer Gewinn.
            Mittlerweile denke ich, dass „ein periofischer Reset“ die einzige Möglichkeit darstellt, eine Gesellschaft stabil zu machen. Endloses Wachstum ist nicht möglich und eine Stagnation ist definitiv schlechter als ein „Reset“.
            Ich habe keine Option bisher gesehen, die eine nicht dynamisch wachsende Gesellschaft attraktiv macht. Sobald ein gewisses Maximum erreicht ist, kommt es unweigerlich zu Dekadenzerscheinungen, die letztlich entweder in dem Untergang oder einer Revolution münden.
            Ich meine theoretische ist so einiges denkbar, doch in der Realität kann der Mensch seiner Menschlichkeit nicht entfliehen.

          • @ Frog,
            ich versteh Dich ja.
            Ich weiss nur nicht, ob es lohnt, dagegen anzukämpfen, oder es einfach laufen zu lassen (damit es möglichst früh eskaliert).
            Ist vermutlich auch eine Frage, die nicht wirklich geklärt werden kann.

      • „Man beginnt, sich selbst als Teil eines Kollektivs zu verteidigen und zu rechtfertigen. … aber eben gefährlich, weil er genau die kollektivistische Spirale der Identitätspolitik aufnimmt und weiterführt.“

        Ich finde das eine sehr guten Punkt.

    • Die unterschiedliche Wertung von Aggressionen gegen unterschiedliche Gruppe läßt sich aber nur durchhalten wenn man Filter aufsetzt und z.B. männliche Suizide ignoriert nachdem ihnen schlimmes durch Mitglieder der angeblich untedrückten Gruppe angetan wurde oder z.B. das Mobbing und seine Folgen dass innerhalb einer Gruppe (z.B. Frauen) stattfindet.

      Das ist schon harte Ignoranz gegenüber der Realität.

        • Früher hieß das nur noch nicht SJW, paternalistische Weltverbesserer mit Scheuklappen gab es zu allen Zeiten. Früher hat nur die Religion viele davon halbwegs konstruktiv untergebracht.

      • SJWs haben auch einen großen Mangel an geistiger Flexibilität, d.h. eine einmal gefasste Meinung wird nie wieder aufgegeben, gegenteilige Fakten werden wegerklärt oder abgestritten.
        Wahrscheinlich hängt das auch mit der starren Einteilung in Gut und Böse zusammen:
        Wer einmal als böse klassifiziert wurde, der kommt aus dieser Kategorie nie wieder raus, weil jeder Zweifel an dem einmal gefassten Feindbild als Sympathie mit dem Feind gewertet werden könnte.

    • Danke für die Darstellung der unterschiedlichen Weltbilder, vielleicht ist das ja der Punkt, an dem man ansetzen kann? Wie kann man mit jemandem argumentieren, der ein Starwars-Weltbild hat?

      Denn mit unserer individualistischen Argumentation kommt man ja nicht weit, weil eben die Grundannahmen schon nicht passen.

    • Das ganze ist nichts als ein Denksystem das es einem erlaubt die eigenen niederen Instinkte rauszulassen ohne sich deswegen schämen zu müssen. Es wäre fast schon bewundernswert wenn es nicht so entlarvend billig wäre.

    • @ronin
      „Bestimmt würde jeder SJW sagen, dass, wenn die Männer die Unterdrückten wären oder die Weißen die, die unterprivilegiert sind, es natürlich auch keineswegs in Ordnung wäre, sie zu benachteiligen.“

      Das Problem ist, dass die SJWs DOGMATISCH davon ausgehen, dass Frauen und Nichtweiße benachteiligt sind, dass heißt selbst wenn es zu einem Genozid/Androzid gegen weiße Männer kommen sollte, werden sie immer noch glauben, dass eigentlich Frauen und Nichtweiße benachteiligt sind*, oder, wenn sie das dann doch nicht schaffen, es als gerechtfertigte Rache sehen für jahrtausendelange Unterdrückung der anderen.

      *Das wird in diesem Fall wohl so ähnlich sein wie die Behauptung Hillary Clintons, dass Frauen die Hauptopfer des Krieges seien, weil ihre Männer sterben und sie nun nicht mehr versorgt seien.

      @Adrian
      „Schlimmer. Man beginnt sich selbst als Teil eines Kollektivs zu verteidigen und zu rechtfertigen.“

      Ja, die Gefahr besteht durchaus. Und dann kommt es wirklich zu einem Rassenkrieg a la Turnertagebücher.

  6. Scheint mir nun unerheblich zu sein, ob man das nun Asymmetrie, doppelte Standards oder Doppelmoral nennt.
    Das Problem ist halt einfach, dass bei fehlender Ergebnisgleichheit vielfach Diskriminierung geschrien wird, obwohl überhaupt keine Diskriminierung vorliegen muss, auch keine strukturelle, was meist eine Chiffre dafür ist, um alles und nix zu erklären, zumal „strukturell“ schon mal überhaupt nix erklärt, sondern nur aussagt, dass es eine gewisse Regelmässigkeit bzw. Kontinuität gibt. Was aber die Ursachen für diese Regelmässigkeit bzw. Kontinuität sind, dazu sagt „strukturell“ schon mal gar nix.

    Also: Schlussendlich geht es darum, dass sozialistische Konzept der Ergebnisgleichheit durchzusetzen gegen die liberalen Konzepte wie Chancen- und Leistungsgerechtigkeit

  7. Der Deepl Übersetzer macht hier etwas komisches.

    the Golden Rule: „do unto others as youd have done unto you.“

    wird übersetzt mit

    die Goldene Regel ist: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

    Die deutsche Übersetzung ist NICHT das, was im englischen steht. Die Übersetzung müsste heißen „Behandle andere so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest“. Der Deepl Übersetzer macht daraus eigenständig die doppelte Verneinung: „Behandle andere NICHT so, wie du selbst NICHT gerne behandelt werden möchtest“.

    Doe dogmatische Anwendung der „goldenen Regel“ führt genau zu jenem idiotischen Aktionismus den die Intersektionalitäts-SJW betreiben und sich dabei auch noch gut fühlen weil sie ja die „goldenen Regel“ beachten. Das grundsätzliche Problem ist, dass die goldene Regel eine Handlungsaufforderung enthält: Behandle andere so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest. Dieser Ansatz lässt außer Acht, dass Menschen unterschiedliche Präferenzen haben. Wenn meine Vorlieben inkompatibel mit denen meines Gegenübers sind, dann führt die goldenen Regel ins Chaos. Jeder kann sich darauf berufen, den anderen doch „nur so zu behandeln wie ich selbst gerne behandelt werden möchte“ – und nichts funktioniert.

    Die bessere Alternative ist die silberne Regel, das was der Deepl Übersetzer fälschlicherweise aus dem englichen Original gemacht hat. Sie enthält keine Handlungsaufforderung, sondern gerade das Gegenteil: Tu nicht…

    Das ist im großen Zusammenhang die robustere Strategie, weil es idiotischen Aktionismus vermeidet.

    • Vermutlich, weil hier Recht frei ein deutsches Sprichwort benutzt wird. Man kann oder sollte halt nicht immer alles wortwörtlich übersetzen.

      • @mario:

        Man kann oder sollte halt nicht immer alles wortwörtlich übersetzen.

        Es sollte aber zumindest sinnerhaltend sein. In diesem Fall hat die Übersetzung jedoch einen ganz andern Sinn. Das kann nicht mehr als künstlerische Übersetzungs- bzw. Interpretationsfreiheit subsumiert werden.

          • Nein, es läuft auf was ganz anderes hinaus.

            Die goldene Regel „behandle andere so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest“ führt gerade nicht zu Reziprozität. Sie ist ein Freifahrtschein, unter ihrem Mantel kann jeder Idiot seine eigenen Vorlieben und Präferenzen seinen Mitmenschen aufdrücken. Das ist es, was die SJW machen.

            Die silberne Regel „Behandle andere nicht so, wie du selbst nicht gerne behandelt werden möchtest“ ist mehr im Geiste des hippokratischen primum non nocere. Es ist eine defensive Regel. Sie hat eigene Probleme, z.b. regt sie nicht dazu an, aktiv positiv zur Gemeinschaft beizutragen. Im Großen ist es aber die robustere Regel. Sie erzeugt mehr „skin in the game“ und führt damit zu Reziprozität.

            Die goldene Regel begünstigt Asymmetrie, die silberne Regel entblößt Asymmetrie.

          • @pingpong
            Ich finde beide Regeln sind perfekt symmetrisch zueinander. Nur W Busch kann mit einer (scheinbaren?) Asymmetrie aufwarten, die das brechen würde — deshalb ein ungeheuer guter Gag: „… denn das Gute, dieser Satz steht fest, ist stehts das Böse, das man lässt.“

          • pingpong hat Recht. Es macht einen großen Unterschied aus, ob die Reziprozität ins Positive („do unto other…“) oder ins Negative („Tue nicht was..“) gewendet wird. Nur die Negative Goldene Regel ergibt in sich konsistente Handlungsanweißungen. Die Positive führt z.B. zu der Situation dass der religiöse Fanatiker, den Agnostiker missionieren darf, der Agnostiker jedoch nicht den Fanatiker.

    • Der Algorithmus hat eine feststehende Redensart der Quellsprache in eine bedeutungsgleiche Redensart der Zielsprache übersetzt. Das ist genau was gute menschliche Übersetzer auch machen. Eine wortwörtliche Übertragung wäre hier streng genommen „falsch“, weil der Sprichwort-Aspekt verloren ginge. Dass ein Automat das beherrscht ist schon ziemlich gut.

  8. Guten Tag liebe Leser

    CP-Verletzung
    Invarianz
    Chiralität
    linksdrehende Kulturen
    Joghurt
    Contergan.

    Gerad der Conterganskandal zeigt,wenn bei einer biochemischen Formulierung eines Wirkstoffes
    die Vorzeichen gewechselt oder die Richtung gespiegelt oder rotiert wird,kann eine tödliche Wirkung entstehen.Toxische Eigenschaften können durch solche Änderungen zum Problem werden.
    Wenn zwei das Gleiche tun ist es nicht Dasselbe.
    Ergebnisgleichheit ist eben nicht dabei automatisch vorrauszusetzen.
    Kommt einem alles sehr bekannt vor.

    Gruß Sense

  9. Mit Argumenten oder Logik kommt man bei einem SJW leider nicht weiter. Das ist so, als würde man einem Bulli der einen gerade ins Klo taucht sagen, dass das unlogisch ist.
    Nein, da müssen ändere Maßnahmen verwendet werden.

  10. Einem französischen Dichter wird der Ausspruch zugeschrieben: „Das Gesetz in seiner Erhabenheit verbietet Reichen und Armen gleichermaßen, unter Brücken zu schlafen.“ Sprich: Ungleiches gleich zu behandeln ist ungerecht, so würden wohl auch die Intersektionalisten argumentieren.

    So weit so gut, aber es kommt halt darauf an, worin die Ungleichheit liegt und worauf sie zurückzuführen ist.

      • Und die Ochsen sind bekanntlich ausschließlich männlich. Gutes lateinisches Sprichwort.
        Man könnte Jupiter hier auch durch seine Frau Juno ersetzen. Wie lautet eigentlich der Dativ von Juno? Ist „Quod licet Juni non licet bovi“ grammatikalisch korrekt?

  11. Die haben die Regel für sich modifiziert von “ Behandle jeden so, wie du auch selbst behandelt werden willst“ zu „Behandle andere schlecht und wird ihnen dann dein schlechtes Verhalten vor“

  12. Dass die Intersektionalisten Grundsätze der Vernunft verletzten, sollte nun wahrlich nicht verwundern, wenn sie eigentlich eine religiöse, »dogmatische Sekte« sind (John McWorter (hinter Paywall)), deren Angehörige sich selbst für Auserwählte halten.

    Wer nur schwarz und weiß, gut und böse kennt und sich selbst für »die Guten« hält, der hält sich eben nicht mit irgendwelchen Reziprozitätsgedanken auf, Kant ist ja nicht mehr als ein toter, weißer Mann.

  13. Neorassistinnen sind Rassistinnen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass ihr Rassismus nicht stinkt.
    Analog: Neosexistinnen sind Sexistinnen…

  14. „fehlende Symmetrie“

    Die Herstellung von mehr Symmetrie wäre doch eigentlich eine schöne Aufgabe für die neue, mit 5 Mio Steuergeld jährlich geförderte Stiftung „Gleichstellung“, s. https://www.focus.de/politik/deutschland/die-gleichstellungs-apo-kommt-eine-analyse-wie-die-stiftung-gleichstellung-feministische-lobbygruppen-mit-macht-und-geld-versorgen-soll_id_13092843.html

    Leider ist ziemlich sicher, daß sie im Gegenteil die Feministische Infrastruktur und die asymmetrische Interessenvertretung von Frauen und Männern verstärken wird.

    • Tja auf ihrer Seite der Gleichung steht halt, dass Männer Unterdrücker sind und Frauen habituelle Opfer. So wäre die Symmetrie wieder hergestellt, wenn sie das denn so frei einräumen würden. Aber da sie ihrem eigenen Argument nicht zu trauen scheinen, verschweigen sie es lieber und setzen es stillschweigend voraus. Ich glaube, das ist die Basis aller Bigotterie und Heucheleien: man macht eine imaginäre Rechung auf, dessen Zusammensetzung man nicht preisgeben will. Weil man schon weiss, dass diese Rechung nicht nachvollziehbar ist und auf willkürlichen Prämissen beruht.

  15. Pingback: Billy Coen: Zweifaches Maß bei der Quote | uepsilonniks

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