Buchbesprechung: Meike Stoverock: „Female Choice. Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ (djadmoros): Teil 1

Dies ist ein Gastbeitrag von djadmoros

Den grundsätzlichen Argumentationsbogen des Buches kann man folgendermaßen zusammenfassen: erstens insistiert Meike Stoverock darauf, dass die Geschlechtlichkeit des Homo Sapiens ein primär biologisch bestimmtes Phänomen ist, das auf dem Prinzip der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung beruht, während es sich bei allem, was auf den ersten Blick wie »Genderfluidität« aussieht, um eine Normalverteilung auf der Skala des (ebenfalls biologischen, aber sich psychologisch manifestierenden) hormonellen Geschlechts handelt. Damit weist sie einen »Geschlechterkonstruktivismus« konsequent zurück. Zweitens postuliert sie, dass die sexuelle Evolution – das heißt: sowohl die Evolution des Paarungsverhaltens als auch die Evolution aufgrund des Paarungsverhaltens aller sich sexuell fortpflanzenden Spezies – praktisch durchgängig auf dem Prinzip der »Female Choice« beruht, dass es also jeweils die Weibchen einer Art sind, welche sich die Männchen ihrer Art aussuchen, weshalb diese Männchen durch Imponierverhalten die Weibchen umwerben. Drittens überträgt sie dieses Prinzip auf den Homo Sapiens, von dem sie behauptet, dass es auch bei dieser Spezies der Normalfall sei, dass eine Mehrzahl von Männern keine Chance auf Fortpflanzung habe, weil die Frauen nur einen kleinen Anteil der Männer (in der Größenordnung von 30 Prozent) als Partner in Betracht ziehen. Diese Konstellation und die 30:70-Relation hält sie mehr oder weniger für den Naturzustand der menschlichen Art. Viertens leitet sie aus diesem postulierten Naturzustand faktisch ein »Naturrecht« der Frau ab, und die weitere Argumentation folgt dem roten Faden eines Verlusts und einer Wiedergewinnung dieses Naturrechts. Die Geschichte seines Verlusts und seiner Wiedergewinnung ist dementsprechend zugleich die Geschichte des Anfangs und des Endes einer »männlichen Zivilisation«, die mit der Erfindung von Ackerbau und Sesshaftigkeit ihren Anfang nimmt und in der »feministischen« modernen Gesellschaft wiederum an ihr Ende kommt. Die Frauen restaurieren ihr Naturrecht, sich die Männer hoch selektiv auszuwählen, und die Gesellschaft soll dementsprechend Vorkehrungen ersinnen, um die von den Frauen als untauglich abgefertigte Mehrheit der Männer so zu kompensieren, dass diese nicht ihrer aus sexueller Frustration gespeisten Gewaltneigung erliegen. Gehen wir die Argumentationsschritte im Einzelnen durch.

(1) Kapitel 1, »Das Duale System«, ist argumentativ überzeugend, sagt aber nichts, was außerhalb der genderfeministischen Filterblase nicht als Selbstverständlichkeit gilt: »Alles sexuell entstandene Leben auf unserem Planeten basiert daher auf der Dualität der Geschlechter, auf zwei Gegenstücken, die wie Schlüssel und Schloss ineinanderpassen.« (S. 36) Da These von der »Female Choice« den Kontext einer Theorie der sexuellen Evolution voraussetzt, würde es ihr Argument zerstören, sich auf diesen grundlegenden Sachverhalt nicht einzulassen. Ebenso akzeptiert sie die Funktion von Hormonen für die Ausprägung menschlicher Geschlechtlichkeit, beginnend mit der Bedeutung des vorgeburtlichen Testosteronspiegels, aber auch für die Ausprägung von Stimmungen bis hin zum Prämenstruellen Syndrom:

»In der menschlichen Geschlechterdebatte werden Hormone meist nur zu einem Zweck erwähnt: um das jeweils andere Geschlecht herabzusetzen. Männer werden als triebgesteuerte Höhlenmenschen dargestellt, Frauen als nah an der Unzurechnungsfähigkeit rangierende Irre. Am Ende streiten dann alle ab, dass Hormone überhaupt mehr bewirken als vernachlässigbare Kleinigkeiten, weil niemand beleidigt werden will … . Dabei beeinflussen Hormone unser Wohlbefinden, unsere Bedürfnisse, unsere Partnerwahl, unsere Stimmungen und unser Verhalten sehr stark. So sorgen dafür, dass wir kuscheln, weglaufen, zuschlagen, Sex haben oder kleinen Babys in die Wangen kneifen wollen. Sie machen uns aggressiv, kooperationsbereit, widerborstig oder ängstlich. Sie entscheiden mit über unseren beruflichen Erfolg, unser Aussehen und darüber, wen wir attraktiv finden.« (S. 37 f.)

Die Konzentrationen von Testosteron, Östrogen und Progesteron im menschlichen Körper sind die drei hormonellen Faktoren, die bei Männern und Frauen ungleich verteilt sind und in ihren jeweils konkreten Relationen das »hormonelle Geschlecht« jedes Individuums ausprägen, einschließlich der biologischen Abweichungen wie im Fall des weiblichen Adrenogenitalen Syndroms und der männlichen Androgenresistenz. Aus diesem Grund kann Stoverock auch mit der Differenzierung von »sex« und »gender«, zwischen biologischem und sozialen Geschlecht, nicht viel anfangen, weil darin die bloße Anatomie einer Blank-Slate-Psychologie gegenübergestellt wird:

»Es ist schwer, die Trennung von ›biologischem‹ und ›sozialem‹ Geschlecht, ›sex‹ und ›gender‹ aufrechtzuerhalten, letztlich gibt es nur Geschlecht. Eine Einheit aus Chromosomen, Hormonen und sozialem Einfluss macht uns zu den geschlechtlichen Wesen, die wir sind.« (S. 49)

Diese Überzeugung führt die Autorin dann auch zu der klarsten Stellungnahme zum Fall David Reimer, den ich bei einer sich als Feministin verstehenden Frau gefunden habe. Anders als Alice Schwarzer, die den Wandel in der Bewertung John Moneys einfach ignoriert hat, und anders als Judith Butler, die zwar die Tragik des Falles konzediert, aber so tut, als sei David Reimers Geschlecht nicht von Anfang an klar bestimmt gewesen, kritisiert Stoverock ausdrücklich auch die Frauenbewegung:

»Seine Weigerung, das Scheitern des Experiments öffentlich zuzugeben, führte dazu, dass nach David noch unzählige weitere Kinder, intersexuelle wie auch andere Opfer ärztlicher Kunstfehler, die operative Geschlechtsneuzuweisung und die quälenden Sitzungen mit Money durchlaufen mussten. (…) In Teilen der Frauenbewegung hält sich Moneys Konzept des neutralen Kindes, dem die Gesellschaft eine Geschlechtsidentität aufdrückt, aber bis heute. Dabei gesteht die queerfeministische Bewegung paradoxerweise den geschlechtlichen Minderheiten – und dies völlig zurecht – einen angeborenen Faktor zu. Bei heterosexuellen Männern und Frauen dagegen, die nicht diskriminiert werden und die normierende Mehrheit darstellen, werden angeborene Muster bestritten.« (S. 47 ff.)

Bei einem so klaren Bekenntnis, zu dem sie teils darum motiviert ist, weil »mich als Biologin diese Missachtung meiner Zunft kränkt« (S. 21), teils, um das Thema nicht »den Biologisten« (S. 22) zu überlassen, dürfen wir gespannt sein, wie sie ihre weitere Argumentation bei aufrechterhaltenem Anspruch, als Feministin zu gelten, entwickelt.

(2) Das zweite Hauptstück in Stoverocks Argumentationsgang ist ein Resümee der Theorie der sexuellen Evolution. Die Evolution der Zweigeschlechtlichkeit führt eine konstitutive Asymmetrie zwischen den beiden Geschlechtern ein, die auf unterschiedlich hohen Kosten für den jeweiligen Anteil an der Reproduktion beruht, die sich mit dem Satz: »Sperma ist billig, Eier sind teuer« zusammenfassen lassen. Ein Weibchen kann im Verlauf seines Lebens nur eine begrenzte Anzahl von Eiern hervorbringen, während Spermien nahezu unerschöpflich produziert werden. Weibchen zahlen folglich einen höheren Preis für reproduktive Fehlschläge und sind darum wählerisch:

»Wegen der unterschiedlichen Fortpflanzungskosten haben beide Geschlechter vollkommen unterschiedliche Reproduktionsstrategien entwickelt. (…) Vereinfacht gesagt, muss das Männchen möglichst viele Weibchen rumkriegen, das Weibchen dagegen möglichst viele Verehrer abwehren, er ist wahllos, sie wählerisch. Dieses ›Sexueller Konflikt‹ genannte Phänomen hat im Laufe der Evolution bei den Geschlechtern eine völlig gegenläufige Sexualität hervorgebracht. (…) Sex ist für Männchen eine begrenzte Ressource, die die Weibchen kontrollieren. Dass Männchen oft und hartnäckig versuchen, sexuelle Kontakte zu Weibchen herzustellen, und Weibchen diese Versuche fast immer ablehnen, ist kein Fehler des Systems – es ist das System.« (S. 83 f.)

Stoverock zählt eine Vielzahl von Beispielen aus dem Tierreich auf, um das Prinzip der Female Choice zu illustrieren: Blaukiemenbarsche, Frösche, Vögel, Insekten, Löwen, Paviane, Mäuse, Seeelefanten. Dabei geht sie in einem eigenen Kapitel, »Gewalt ist eine Lösung«, auch auf die Rolle männlicher Aggressivität ein, die teils im Kampf gegen konkurrierende Männchen , teils in Form einer Vergewaltigung der Weibchen zum Ausdruck kommt. Und sie beschreibt die Kehrseite dieser Aggressionen: ihre Ablenkung auf Ersatzobjekte im Falle der sexuellen Frustration:

»Rangniedere Männchen, die keine Partnerin für sich gewinnen können, reagieren ihren aufgestauten Trieb an Jungtieren, toten Artgenossen, Gegenständen oder sogar anderen Tierarten ab, Von Seeottern vor Kalifornien wird berichtet, dass sie junge Seehunde angreifen, töten und sich über Tage hinweg wiederholt an deren Kadavern vergehen. Tümmler vergreifen sich an Abflussrohren, Robben an Königspinguinen, Schimpansen an Fröschen, Makaken an Sikaihirschen. (…) Sex mit toten Artgenossen wird regelmäßig von Enten, Pinguinen, Schwalben, verschiedenen Reptilien und Meeressäugern berichtet.« (S. 98)

Die entscheidende Frage ist nun, wie Stoverock dieses Prinzip auf die Spezies Homo Sapiens zu übertragen versucht.

(3) Den grundlegenden Sachverhalt der größeren Abhängigkeit menschlicher Kleinkinder von elterlicher Betreuung aufgrund ihrer im Vergleich zu anderen Spezies ontogenetisch frühen, »unfertigen« Geburt gibt sie korrekt wieder:

»Je weiter sich die frühen Hominiden aufrichteten, desto mehr wurden nämlich die Beckenschaufeln nach unten hin zusammengedrückt. Während aber der Geburtskanal immer enger wurde, wurden die Köpfe der Babys durch die steigende Intelligenz immer größer. Die einzige Lösung bestand darin, den Nachwuchs unfertig auszuliefern. (…) Das Menschenkind passte damit zwar wieder durch den Geburtskanal, war aber bei der Geburt unfähig zu Kommunikation und Fortbewegung. Ein echter Nichtskönner, eine Art Schreiraupe, deren Versorgung die Frau rund um die Uhr beanspruchte. Das wiederum bewirkte, dass die Mutter beinahe genauso hilfebedürftig wurde wie das Baby. Sie brauchte eine Gruppe mit engen sozialen Bindungen, die sie unterstützen konnte.« (S. 114)

Von diesem Moment an fällt jedoch mehr und mehr auf, dass ihr Bild des Menschen – und des Mannes – auf einer simplen Fortschreibung der bis dahin aufgeführten biologischen Sachverhalte in den Bereich der menschlichen Kultur beruht. Die Frage danach, was das ihn vom Tier unterscheidende Spezifische des Menschen darstellt, warum Menschen Mondraketen, Nuklearwaffen und Quantencomputer bauen, Menschenaffen dagegen nicht, stellt sich ihr nicht, und sie erweckt nicht den Eindruck, als würde sie den Sinn der Frage überhaupt verstehen. Obwohl sie, wie oben angedeutet, den polemischen Gebrauch der »Hormon«-Vokabel kritisiert, verwendet sie selbst nichtsdestotrotz ein simples Triebstaumodell und stellt den Mann als ein testosterongetriebenes Triebmonster dar, das seine innere Natur nur dann zu zähmen vermag, wenn es von einer Frau als Sexualpartner erwählt wurde und andernfalls eine Gefahr für seine soziale Umwelt darstellt:

»Wir haben gesehen, dass Gewaltbereitschaft integraler Bestandteil der männlichen Reproduktionsstrategie ist. Sie verbessert die Chancen der Männchen, sich beim Konkurrenzkampf oder beim mate guarding gegen Rivalen zu behaupten. Es ist also kein Zufall, dass Testosteron die Aggressivität erhöht, sondern Ergebnis einer evolutionären Anpassung. (…) Männer, die keinen oder nicht genug Zugang zu Sex haben, reagieren mit Aggression, darin unterscheiden sich Menschen nicht von Tieren. (…) Männer mit geringem Status haben tendenziell eher weniger Zugang zu Sex und reagieren öfter mit Gewalt. Diese mag sich als nicht-reproduktive Frustrationsgewalt gegen andere Männer, Kinder, Alte, Fremde richten – eine direkte Folge des Sexualtriebes ist sie dennoch.« (S. 111 f.)

Gleichzeitig bestehen ihrer Ansicht nach die für die Männchen ungünstigen Paarungsrelationen von bis zu 80:20 auch beim altsteinzeitlichen Menschen. Der Umschlag in das, was sie als »männliche Zivilisation« bezeichnet, erfolgt dann in der Jungsteinzeit mit dem Aufkommen des Ackerbaus und der Sesshaftigkeit – sie ist der Ansicht, dass sich das Problem der sexuellen Selektion durch die Frauen hier noch einmal dramatisch verschärft:

»Die Neolithische Revolution ist wie Evolution auf Speed. Vor allem die Männer müssen einen rasanten Lernprozess durchmachen, weil nun statt Jagdgeschick ganz andere Fertigkeiten gefragt sind, um eine Partnerin zu finden. Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen. Das hat zur Folge, dass die Female Choice den Mann jetzt mit ganzer Härte trifft. (…) Denn das [natürliche 80:20-Verhältnis] verschiebt sich nach der Entstehung der Landwirtschaft bis auf ein erbarmungsloses 95:5. Die Frauen wählen am Übergang zur Sesshaftigkeit nur noch eine verschwindend geringe Zahl der Männer als Partner aus. (…) Die Sesshaftwerdung bewirkt ein unbarmherziges Aussieben, das sicherstellt, dass nur die ideenreichsten und kreativsten Männer die neue Welt aufbauen, eine Art neolithische Supermänner. Die Fortpflanzungssituation ist für Männer eine Katastrophe. Der ohnehin hohe sexuelle Selektionsdruck steigert sich durch den genetischen Flaschenhals bis ins Unermessliche. Dies wiederum führt dazu, dass die Konkurrenz unter den Männern sich in einem Maße verschärft, das vermutlich kaum noch ein gemeinschaftliches Zusammenleben erlaubt. Denn die unbefrauten Männer reagieren auf die gleiche Weise wie die Männchen fast aller anderen sich sexuell fortpflanzenden Arten: aggressiv. Und diese Aggression stellt die Menschen vor ihre größte bisherige Herausforderung, denn sie gefährdet das sesshafte Leben in wachsenden Siedlungen, noch bevor es recht begonnen hat.« (S. 136 f.)

Als Reaktion auf diese Verhältnisse – und das ist jetzt Stoverocks zentrale These – setzen sich die Männer über die bisherige »natürliche Ordnung« der sexuellen Verhältnisse hinweg und erfinden Heiratsregeln, bei denen jeder Mann eine Frau abkriegt. Daraus entsteht nun »Zivilisation« als eine Sozialordnung, die »nach männlichen Bedürfnissen« eingerichtet wurde, nämlich nach den männlichen sexuellen Bedürfnissen. Somit ist »Zivilisation« gleichbedeutend mit der Unterdrückung der Frau, gleichbedeutend mit »Patriarchat« und gleichbedeutend mit einer reduzierten, partikularen Vernunft, in der die Bedürfnisse der Frauen (und anderer Herrschaftsunterworfener) ausgeschlossen bleiben, und schließlich bis zur Tautologie gleichbedeutend mit männlicher Zivilisation. Dementsprechend kann sie dann fordern, dass die Entfremdungen dieser »männlichen Zivilisation« durch eine Rückkehr zum Naturzustand der »Female Choice« wieder aufgehoben werden sollen. Bevor wir jedoch auf ihre politische Gegenwartsdiagnose eingehen können, müssen wir uns zunächst mit ihrem Bild der Ur- und Frühgeschichte näher befassen, denn dieses ist in so vielen Hinsichten schief und falsch, dass ihr anthropologisches Argument dadurch vollständig entwertet wird. Dieses kritische Unterfangen wird freilich dadurch erschwert, dass Stoverock ihrem Publikum einen Anmerkungsapparat verweigert, sodass man den Bezug ihrer Aussagen zu den Titeln des Literaturverzeichnisses umständlich erschließen oder erraten muss. Beginnen wir mit ihrer These einer ungünstigen 70:30-Paarungsrelation beim altsteinzeitlichen Homo Sapiens:

»Eine grobe Faustregel besagt, dass 80% der geschlechtsreifen Weibchen nur 20 % der Männchen ranlassen – dass also 80% der Männchen für Sex mit ihnen nicht in Frage kommen. Die müssen sich um die verbleibenden 20% der Weibchen prügeln. (…) Genetische Untersuchungen lassen darauf schließen, dass es bei unseren menschlichen Ahnen nicht anders war. Die heutige Weltbevölkerung hat ungefähr doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren, in präkulturellen Zeiten haben sich also ungefähr 70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart. Die restlichen 65% der Männer mussten um die restlichen 30% Frauen buhlen. Das Verhältnis von 2:1 zugunsten der Frauen verschärfte sich nach der Erfindung der Landwirtschaft sogar noch auf unglaubliche 17:1.« (S. 90)

Hier ist als erstes festzuhalten, dass die genannte 80:20-Relation sich nicht auf menschliche Populationen bezieht, denn sie illustriert diese Relation am Beispiel der Seeelefanten und kommt erst dann auf den Menschen zu sprechen. Sodann sind ihre Literaturverweise äußerst spärlich und offenkundig hoch selektiv – »Female Choice« gilt anscheinend auch für die Literaturrezeption der Autorin. Ohne allzu große Mühe lassen sich anthropologische Fachartikel finden, die ihrer Behauptung klar widersprechen: Lippold et al. (2014) finden archäogenetische Indizien für einen generellen Frauenüberschuss in paläolithischen Gemeinschaften oberhalb einer Relation von 3:2. Sikora et al. (2017) finden archäogenetische Indizien für inzestvermeidende exogame Heiratsregeln bei paläolithischen Jägern und Sammlern um 30.000 v.u.Z., d. h. Indizien für eine kulturell regulierte Partnerwahl. Nakahashi und Horiuchi (2011) gehen bei Homo Sapiens generell von stabilen Paarbeziehungen mit geringer weiblicher Promiskuität und geringer männlicher intrasexueller Konkurrenz aus. Das familienzentrierte Partnerschaftssystem von Homo Sapiens erweist sich als evolutionär vorteilhaft unter der Bedingung großer Gesamtgruppen, die wiederum bei hoher Bedrohung durch Raubtiere vorteilhaft sind. Fletcher et al. (2015) plädieren für die Universalität der romantischen Liebe im Sinne einer stabilen, langanhaltenden und exklusiven Paarbeziehung auf der Grundlage emotionaler Übereinstimmung.

Stoverock stützt sich dagegen hauptsächlich auf Mansperger (1990), der für Homo Sapiens wie auch Nakahashi/Horiuchi (2011) von »multimale, multifemale«-Gemeinschaften ausgeht, ansonsten aber bereits alle Thesen Stoverocks formuliert hat: kurze Partnerschaftsperioden (Mansperger: »a few months or less«, Stoverock: ca. 4 Jahre), »selective promiscuity« (für die Stoverock den Modus der Female Choice postuliert) sowie eine spätere Unterdrückung dieses Partnerschaftssystems: »suppressed and modified by culture.« Manspergers Argument für die menschliche Promiskuität ist ein Sparsamkeitsargument und besteht darin, dass es in Bezug auf die Promiskuität unter (manchen!) Menschenaffen keine Zusatzhypothesen zur Erklärung eines abweichenden Spezifikums bei Homo Sapiens benötigt. Dieses Argument impliziert freilich, dass die Charakteristika von Homo Sapiens als einem Kulturwesen, also seine spezifische Differenz zu den Menschenaffen, keine besondere Rolle spielen. Es erklärt die Organisation der menschlichen Sexualität zu einer bruchlosen Fortsetzung der Naturgeschichte. Genau das ist Stoverocks Anliegen, für das sie alle konkurrierenden kulturanthropologischen Denkansätze sowie ihr widersprechende archäogenetische Befunde ausblendet.

Für das Zustandekommen des neolithischen 17:1-Spitzenwerts diskutiert die Autorin keine Alternativhypothese. Nach Feldmann, Aw und Zeng (2018) kann der extreme Flaschenhals durch die Konkurrenz patrilinearer Gruppen erklärt werden: patrilineare Deszendenz sorgt für eine starke Homogenisierung des Y-Chromosomen-Pools, und kriegerische Konkurrenz kann dann bewirken, dass solche homogene Gruppen als Ganze oder in ihrem männlichen Anteil ausgelöscht werden. Vereinfacht gesagt: der Flaschenhals kann anstatt durch ein Female-Choice-Modell auch durch »Tötet die Männer, nehmt euch die Frauen«-Szenarien zwischen patrilinearen Abstammungsgruppen erklärt werden. Solche Szenarien sind auch schon in der feministischen Literatur protokolliert worden, zum Beispiel bei der Historikerin Gerda Lerner: »There is overwhelming historical evidence for the preponderance of the practice of killing or mutilating male prisoners and for the large-scale enslavement of female prisoners.« (Lerner 1986, S. 81) Lerner bezieht sich dabei auf mesopotamische Quellen des dritten vorchristlichen Jahrtausends wie die Geierstele, was aber nicht dagegen spricht, dass solche Praktiken schon früher ausgeübt wurden.

Ebenso wichtig wie die empirischen Einwände gegen Stoverocks Thesen sind alternative systematische Argumente, das erklären können, warum Homo Sapiens nicht einfach die Naturgeschichte ungebrochen fortsetzt. Ein solches Argument ist ein ökonomisches: der Mensch bestreitet seinen Lebensunterhalt in sozial organisierter Arbeitsteilung, die eine möglichst große Verlässlichkeit und Kontinuität der Versorgung gewährleisten soll. An dieser Stelle lohnt sich ein ausführliches illustrierendes Zitat von Claude Lévi-Strauss:

»Vor allem auf den primitivsten Stufen, wo die Härte der geographischen Umwelt und der rudimentäre Stand der Techniken sowohl die Jagd wie den Gartenbau und das Sammeln zu einem Wagnis machen, wäre das Dasein für ein auf sich gestelltes Individuum fast unmöglich. Einer der stärksten Eindrücke meiner ersten Felderfahrungen hinterließ mir ein junger Mann in einem Eingeborenendorf Zentralbrasiliens, der mit düsterer Miene, ungepflegt, schrecklich abgemagert und, wie es schien, im Zustand völliger Verwahrlosung stundenlang in der Ecke einer Hütte kauerte. Ich habe ihn mehrere Tage beobachtet: er ging selten hinaus, außer, um allein zu jagen, und wenn um die Feuerstellen die Familienmahlzeiten begannen, hätte er die meiste Zeit fasten müssen, wenn nicht eine Verwandte von Zeit zu Zeit ein bißchen Nahrung neben ihn gestellt hätte, die er stumm verzehrte. Als ich, von diesem ungewöhnlichen Schicksal verwirrt, schließlich fragte, wer dieser Mensch sei, bei dem wir irgendeine schwere Krankheit vermuteten, lachte man mich aus und sagte: ›Das ist ein Junggeselle!‹; tatsächlich war das der einzige Grund für diesen offensichtlichen Fluch. Diese Erfahrung haben wir seither noch häufig gemacht. Der klägliche Junggeselle, der nichts zu essen hat, wenn sich die Mahlzeit nach einer erfolglosen Jagd- oder Fischfangexpedition auf die Früchte des Sammelns und zuweilen des Gartenbaus, beides weibliche Tätigkeiten, beschränkt, ist ein charakteristisches Bild der | Eingeborenengesellschaft. Aber nicht nur das unmittelbare Opfer befindet sich in einer unerträglichen Situation: seine Verwandten oder Freunde, von denen in solchen Fällen sein Überleben abhängt, ertragen seine stumme Furcht mit Mißmut; denn jede Familie kann mit den vereinten Anstrengungen des Ehemanns und seiner Frau oft gerade so viel erzeugen, um nicht zu verhungern. Ohne Übertreibung darf man also sagen, daß die Ehe in diesen Gesellschaften für jedes Individuum von doppeltem Interesse ist: nicht nur für sich selbst eine Gattin zu finden, sondern auch seiner Gruppe jene beiden Übel der primitiven Gesellschaft zu ersparen: den Junggesellen und das Waisenkind.« (Lévi Strauss 1993, S. 90 f.)

Der Junggeselle als »Übel der primitiven Gesellschaft«: Primitive Gesellschaften können es sich überhaupt nicht leisten, auf die von 70 % der Männer erbrachten Versorgungsleistungen zu verzichten, und die 30 Prozent der Top-Männer können unmöglich 70 Prozent der Frauen samt ihren Kindern und Eltern versorgen. Die Autorin redet zwar pauschal vom »harten Leben der Nomaden«, hat aber nicht das geringste Verständnis dafür, wie sich diese Härte in soziale Organisation übersetzt. »Jeder nur eine Frau«, das Muster, das Stoverock mit der Entstehung der »männlichen Zivilisation« sich ausbilden sieht, ist so alt wie die menschliche Kultur selbst, wenngleich nicht im Sinne einer sanktionierten Monogamievorschrift, sondern im Sinne der Resultate eines assortative mating: Miller (2010, S. 225 ff.) weist darauf hin, dass sexuelle Selektion auch unter Bedingungen von 1:1-Paarungsrelationen stattfinden kann, weil sich die Paare entlang der jeweils individuellen Fitness der Partner sortieren und das Fitnessdifferential bei den Nachkommen der Paare wirksam wird.

An dieser Stelle eine kurze Pause, mit einem munteren Liedchen von Dr. Bajan zum Thema des »Assortative Mating«: Ugadajte! (Ratet mal!)

 

Am Fluss, am tiefen, oben auf dem hohen Berg schmachteten einsam drei Kieferbäumchen. Im Dorf auf dem Berg, wo die Kiefern standen harrten drei fesche Schwestern auf ihr Glück. Die Erste mit schönem Gesicht, die Zweite von guter Figur, ja, und die Dritte – eine Affenschande, und dazu noch einfältig!

Am Fluss, am tiefen, unten am hohen Berg standen einsam drei mächtige Eichen. Im Dorf unten am Berg, wo die Eichen standen, schmachteten unbefraut drei stattliche Brüder. Der Erste heiter und galant, der Zweite gar sehr ernst, ja, und der Dritte – ein Strolch und Schürzenjäger!

Es war einmal an einem schönen Abend, da gingen die Jünglinge mit den Mädchen aus. Der Erste schmetterte Liedchen, der Zweite schenkte Wodka ein, ja, und der Dritte griff hier und dort nach allem, was verboten war! Gut ist der Roggen gewachsen! Der Weizen steht in vollem Saft! Ratet mal, wer hat wem die Heirat versprochen?

Miller weist zudem darauf hin, dass Male Choice und Female Choice beim Menschen alternierend stattfinden: zwar hat die Frau das letzte Wort, aber die ihr zur Verfügung stehende Auswahl steht bereits in Relation zu ihrer eigenen Attraktivität:

»Männliche und weibliche Partnerwahl waren je nach dem Stadium der Partnerwerbung mal mehr, mal weniger wichtig. Normalerweise hielten Männer nach physisch attraktiven Frauen Ausschau und verfolgten sie, um eine Paarungsgemeinschaft zu bilden. In diesem Stadium war die männliche Partnerwahl von größerer Bedeutung und die Frau einer intensiven sexuellen Selektion nach dem ersten Eindruck äußerer Attraktivität unterworfen. Sobald ein Mann dann versuchte, mit einer Frau eine Paarungsgemeinschaft zu bilden, wurde die erste Stufe der weiblichen Partnerwahl ausgelöst.« (Miller 2021, S. 234)

Stoverock möchte mit einer Statistik aus den kulturvergleichenden Arbeiten von George P. Murdock nachweisen, das Polygynie die dominante Paarbeziehungsform in primitiven menschlichen Gesellschaften darstellt:

»Die Daten zeigen, dass eine überwältigende Mehrheit der Kulturen, nämlich 1041, in vorübergehend oder dauerhaft polygynen Systemen (Harems) leben, gegenüber 186 monogynen und lediglich 4 polyandrischen Kulturen. Diese Verhältnisse spiegeln die Verteilung der Paarungssysteme in der Tierwelt wider. Der evolutionäre Druck hat auch bei den Menschen vor allem polygyn-monoandrische Systeme hervorgebracht.« (S. 115)

Schaut man tatsächlich genauer nach, erweist sich die Behauptung als manipulativ: Murdock, den sie im Text als Quelle nennt, ist in ihrem Literaturverzeichnis gar nicht namentlich gelistet. Man muss umständlich erschließen, dass es um das dort gelistete Ethnographic Atlas Codebook, World Cultures, 10(1) geht. Die von Stoverock genannte Summe von 1041 polygynen Systemen ergibt sich, wenn man in Tabelle 9 (»Marital Composition: Monogamy and Polygamy«) die den Codes 2-6 zugeordneten Zahlen summiert. Code 2 mit 453 Fällen ist jedoch als »Independent nuclear, occasional polygyny« ausgewiesen, das heißt, die primäre Bestimmung dieses Typs lautet »Unabhängige Kernfamilie«. Schlägt man diese Kategorie nun den nicht polygynen Systemen zu, weil ihre primäre Bestimmung nicht polygyn ist, dann ergibt sich anstelle eines Verhältnisses von 1:11,5 zugunsten der Polygynie ein Verhältnis 1,1:1 zuungunsten der Polygynie. Die nackten Zahlen abstrahieren zudem von jeglichem Kontext, selbst von den Aussagen, die man anderen Tabellen desselben Werks entnehmen kann: 788 dieser Kulturen sind sesshaft, 831 betreiben Ackerbau, 739 betreiben Viehhaltung von Schweinen, Schafen, Ziegen oder Rindern, im Unterschied zu 294, die primär vom Sammeln (103), Fischen (116) oder von der Jagd (75) leben. Wie diese ergänzenden Daten in ein Modell passen sollen, das vorneolithische (Jäger und Sammler) und neolithische Gesellschaften (Ackerbau und Viehzucht) typologisch gegeneinander ausspielt, erklärt uns die Autorin nicht. Ihre Rezeption empirischer kulturanthropologischer Daten ist reinstes Rosinenpicken und bleibt bar jeglicher nachvollziehbarer theoretischen Einordnung. Da Stoverock sich als einziges ausführliches ethnographisches Beispiel für die Polygynie auf die südafrikanischen San bezieht, bietet sich ein Zitat zu den benachbarten !Kung an, die derselben Kulturgruppe angehören. Stoverock sagt:

»Denn die Female Choice ist in der Nomadengesellschaft voll intakt. Bei den San werden Partnerschaften zwar von den Müttern junger Frauen arrangiert. Doch eine Frau wird den Partner ihrer Tochter eher nach Kriterien bestimmen, die auch für die selbst relevant sind. Und tatsächlich wählen sie den künftigen Kindeserzeuger vorwiegend nach seinem Jagdgeschick aus, glücklose Jäger bleiben unbegehrte Junggesellen.« (S. 129)

Differenzierter ist die Darstellung, die Günter Dux auf Basis der ethnologischen Primärliteratur gibt:

»Die mit Abstand wichtigste soziale Institution, die das Verhalten der Geschlechter bestimmt, ist die Praxis, die Mädchen schon im frühesten Kindesalter, idealiter zwischen zwei und sechs Jahren, in die Ehe zu versprechen. An der Auswahl sind beide Eltern beteiligt, vielleicht mit einem leichten Übergewicht der Entscheidung des Vaters. Die Eltern haben bei der Auswahl des Mannes sicher das Interesse des Kindes im Auge, vor allem das an einer guten Behandlung durch den Mann und an der Versorgung mit Fleisch. Das letztere ist jedoch auch ihr eigenes Interesse. Denn der Mann ist über Jahre zu einer Form des Braut-Dienstes verpflichtet, die darin besteht, auch die Eltern der Frau mit Fleisch zu versorgen. Das Mädchen bleibt nach dem Versprechen zunächst in der Familie der Eltern, wird jedoch früh und noch als Kind dem Bräutigam zugeführt.« (Dux 1994, S. 114)

Weder die Frau, noch ausschließlich ihre Mutter, sondern ihre verwandtschaftliche Bezugseinheit trifft letztlich die Entscheidung zur Partnerwahl. Dabei wird auch klar, dass die Versorgungsbefähigung des Mannes nicht einfach ein Fitnessindikator für gute Gene ist, sondern ein wichtiger ökonomischer Faktor in der Subsistenzsicherung der Familie:

»Übereinstimmend ist in den Berichten vermerkt, daß die !Kung verrückt sind nach Fleisch, selbst wenn genug Nahrung im Camp vorhanden ist. Die Aussicht auf Versorgung mit Fleisch ist deshalb noch allemal ein gutes Argument, die widerstrebende Nisa in die Ehe zu reden. Ihr Vater erklärt: ›Also, nimm diesen Mann als deinen Ehemann, diesen starken Mann, der Nahrung bringen wird für dich und für mich zu essen. Ist etwa dein Vater der einzige, der Nahrung finden kann? Ein Ehemann tötet Dinge und gibt sie dir, ein Ehemann ist hinter Dingen her, die er dir gibt; ein Ehemann verschafft Fleisch, das ist Nahrung für dich zu essen.‹« (Dux 1994, S. 116)

Das ergibt ein ganz anderes Bild der Polygynie: welcher Mann es sich leisten kann, verwirklicht sie, aber die meisten Männer geben sich mit einer Frau zufrieden (anstatt, wie Stoverock unterstellt, gar keine abzukriegen):

»Polygynie ist die von den Männern begehrte ideale Eheform. Allerdings können sie nur fünf Prozent der Männer verwirklichen. Entscheidend sind die persönlichen Fähigkeiten eines Mannes, vor allem die Fähigkeit, zwei oder gar mehr Frauen mit Fleisch zu versorgen. Bei den Frauen stößt die polygyne Ehe auf wenig Gegenliebe. Sie ziehen es vor, einen Mann für sich zu haben.« (Dux 1994, S. 115)

Anders gesagt: eine relative ökonomische Abhängigkeit der Frau, deren Entstehung Stoverock ins Neolithikum verlegt, aber auch eine komplementäre männliche Versorgungsverpflichtung, existiert seit Anbeginn der menschlichen Art. Den entsprechenden Hinweis dazu gibt sie selbst auf Seite 114 (die Mutter »brauchte eine Gruppe mit engen sozialen Bindungen, die sie unterstützen konnte«), erkennt aber die Implikation nicht, dass diese Unterstützung wesentlich durch den Mann und Vater erfolgte. Daran, wie sie ihren Blick auf die Frage der Fortpflanzung verengt, erkennt man, dass sie als Biologin, aber nicht als Soziologin ausgebildet ist. Die Fortpflanzung des Menschen ist aufgrund des erforderlichen hohen parentalen Investments in zunächst hilflosen Nachwuchs in ein System der Ökonomie eingebettet. Menschenaffen kennen keine Ökonomie. Ökonomie entsteht unter der conditio humana, den spezifischen Bedingungen des Menschseins, als technologisch vermittelte, arbeitsteilige Auseinandersetzung mit der Natur in der sozialen Organisation und normativen Ordnung kultureller Regeln. Und im Kern dieser Ökonomie steht von Anfang an die Familialisierung des Mannes als zumindest mittelfristig stabile Relation zwischen Vätern und Mutter-Kind-Dyaden. Zugleich ist die familiale Grundkonstellation der Ort der menschlichen Ontogenese im Sinne des Erlernens geteilter Intentionalität in der Mutter-Kind-Beziehung und der kollektiven Intentionalität in der altersmäßig später liegenden Hinzuziehung des Vaters. Die Einschätzung, dass elterliche Paarbeziehungen nach sieben Jahren eine Krise durchmachen, passt dabei zu den primitiven Bedingungen, unter denen die Enkulturation des Nachwuchses zu einem in der Gruppe moralisch zurechnungsfähigen Individuum üblicherweise in diesem Alter abgeschlossen ist. Als Resultat der »Familialisierung des Mannes« am Beginn der kulturellen Evolution entsteht somit tatsächlich ein spezifisches »männliches Bedürfnis« – das Bedürfnis nämlich, ein guter Versorger von Frauen und Kindern zu sein, denn dieses Bedürfnis ist die kulturelle Form, die das biologische Bedürfnis nach Sex beim Kulturwesen Homo Sapiens annimmt. Nur weil Stoverock als Kulturanthropologin einen Totalausfall darstellt, kann sie sich zu Formulierungen wie der folgenden versteigen:

»Männer haben die Zivilisation von Anfang an so gestaltet, dass zuallererst ihre aus dem Sexuellen Konflikt entstandenen Bedürfnisse und Notwendigkeiten berücksichtigt wurden. (…) Das, womit wir im Moment hadern, ist die Erkenntnis, dass die Zivilisation fast nur für eine Sorte Mensch funktioniert: den Mann.« (S. 17)

Die neolithische Revolution bringt darum keine »männliche Zivilisation« hervor, weil die im Kern auf relativ stabilen Paarbeziehungen beruhende Vergemeinschaftungsform der Geschlechter ein Merkmal der menschlichen Kultur schlechthin ist. Die Geschlechterbeziehungen des paläolithischen Homo Sapiens sind nicht, wie Stoverock behauptet, »naturbelassen«. Zivilisation »funktioniert« entweder für beide Geschlechter, oder für keines, also überhaupt nicht. Stoverock verwechselt den Übergang zur menschlichen Hochkultur mit der Entstehung der menschlichen Kultur als solcher. Sie verlegt in die Anlaufzeit zur Hochkultur im Neolithikum, was tatsächlich eine Eigenschaft der menschlichen Kultur schlechthin ist und mit der Familialisierung des Mannes einsetzt: das Paarungsverhalten kulturellen Regeln zu unterwerfen. Sie missversteht das Neolithikum auch noch in anderer Hinsicht, wenn sie dort die »Entstehung männlicher Hierarchien« verorten will: »Männliche Hierarchie« ist in erster Linie funktionelle Hierarchie unter Männern, die in altsteinzeitlichen Jagdgruppen und frühgeschichtlichen Kriegergemeinschaften gleichermaßen funktioniert. Die sakrale Hierarchie der frühen Staaten und aller späteren ständegesellschaftlichen Statushierarchien dagegen ist ein ganz anderes Phänomen, das sich auf Lineages, d. h. auf Dynastien, und schließlich auf ganze soziale Schichten bezieht. Es ist immer die ganze Sippe, immer ein ganzer Familienverband, der im sozialhierarchischen Statusfahrstuhl nach oben oder unten fährt.

Schließlich verwechselt Stoverock auch Individualbesitz und Privateigentum. Individualbesitz gibt es, seit paläolithische Jägergruppen die Jagdbeute erst unter den Jägern aufteilen, bevor diese es innerhalb der Paarbeziehung weitergeben. Privateigentum entsteht aus der Weitergabe erblichen Besitzes. Jedes Stück Fleisch aus dem Beuteanteil des Jägers ist ein Individualbesitz. Der wesentliche Unterschied zum Zeitalter der Landwirtschaft besteht darin, dass man im Unterschied zu Pflug, Ochse und Immobilie ein Rib-Eye-Steak nicht als Familienerbsteak Familienerbstück weiterreichen kann. Für Erbangelegenheiten dagegen muss die Nachkommenschaft unzweifelhaft bestimmbar sein. Die Einschränkung der sexuellen Freiheiten der Frau entsteht daher nicht aus dem »Bedürfnis«, die Female Choice zurückzudrängen, sondern daraus, die Vaterschaft und damit Genealogien zurechenbar zu machen.

(4) An dieser Stelle beginnen wir zu verstehen, inwiefern Stoverock ihr Erklärungsmodell als »feministisch« verteidigen kann: sie macht in aller subjektiven Unschuld den auf einem impliziten Biologismus beruhenden Sexismus der feministischen Ideologie explizit. Ihre nach dem Triebstaumodell konstruierte Vulgärpsychologie des Mannes ist nicht nur mit jedem feministischen Vorurteil über Männer kompatibel, sondern adelt es geradezu. Man kann dies freilich auch als eine Entfaltung der dem Feminismus inhärenten Widersprüche verstehen, insofern sie unfreiwillig aufdeckt, dass diese Ideologie zwischen der Skylla der Biologieverleugnung im Genderfeminismus und der Charybdis des uneingestandenen Biologismus im Radikalfeminismus offenbar einer bipolaren Störung unterliegt.

Hiervon ausgehend möchte ich über ihre Gegenwartsdiagnose nicht mehr allzu viel ausführen. Aus falschen Voraussetzungen ergeben sich falsche Schlussfolgerungen, und wenn die »männliche Zivilisation« des Neolithikums keinen Sündenfall darstellt, dann kann auch die Frauenbewegung nicht davon erlösen. Die längeren Ausführungen zur Geschichte der »männlichen Zivilisation«, vornehmlich der Bezug auf die Hochreligionen, verlängert den zum Thema Neolithikum formulierten Grundgedanken in die Epoche der antiken Zivilisationen, das heißt andersherum: findet überall den Nagel, weil sie nun mal nur zum Hammer statt zum ganzen Werkzeugkasten gegriffen hat:

»Alle monotheistischen Religionen greifen den Wunsch des Mannes auf, über die Ressource Frau verfügen zu können. Dieser Wunsch entspringt direkt dem Sexuellen Konflikt und steht daher Obrigkeiten als Gelenkschmiere für die Manipulation der Massen nahezu unbegrenzt zur Verfügung.« (S. 177)

In die soziologische Leerstelle ihres Denkens füllt sie auf diese Art ersatzweise die stereotypen Erklärungen des Feminismus ein.

Da diese Rezension nun schon recht lang und immer noch ein Drittel des Buches übrig ist, entscheide ich mich hier für eine Zweiteilung, bei der ich den gegenwartsdiagnostischen Teil im Verlauf der kommenden Woche nachreiche. Mein Hauptanliegen, Stoverocks völlig verfehlte anthropologische Argumentation aufzuweisen, sehe ich mit diesem Text erfüllt.

Literatur:

Buss, David M. (2016), The Evolution of Desire. Strategies of Human Mating. Revised and updated edition. New York: Basic Books Dux, Günter (1992), Die Spur der Macht im Verhältnis der Geschlechter. Über den Ursprung der Ungleichheit zwischen Frau und Mann. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Dux, Günter (1994), Geschlecht und Gesellschaft. Warum wir lieben. Die romantische Liebe nach dem Verlust der Welt. Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Feldman, Marcus W.; Aw, Alan J.; Zeng, Tian Chen (2018), Cultural hitchhiking and competition between patrilineal kin groups explain the post-Neolithic Y-chromosome bottleneck. In: Nature Communications 9. DOI: 10.1038/s41467-018-04375-6. Fletcher, Garth J. O. et al. (2015), Pair-Bonding, Romantic Love, and Evolution: The Curious Case of Homo sapiens. In: Perspectives on Psychological Science 10 (1), S. 20–36. DOI: 10.1177/1745691614561683. Geary, David C. (2010), Male, Female. The Evolution of Human Sex Differences. 2nd ed. Washington, D.C: American Psychological Association Junker, Thomas (2008), Die Evolution des Menschen. München: C.H.Beck Krause, Johannes; Trappe, Thomas (2019), Die Reise unserer Gene. Eine Geschichte über uns und unsere Vorfahren. Berlin: Propyläen Lerner, Gerda (1986), The Creation of Patriarchy. New York – Oxford: Oxford University Press Lippold, Sebastian et al. (2014), Human paternal and maternal demographic histories: insights from high-resolution Y chromosome and mtDNA sequences. In: Investigative Genetics (http://www.investigativegenetics.com/content/5/1/13) Machin, Anna (2018), The Life of Dad. The Making of the Modern Father. London: Simon & Schuster Mansperger, Mark C. (1990), The precultural human mating system. In: Human Evolution (5), S. 245–259. (DOI: 10.1007/BF02437241) Mealey, Linda (2000), Sex differences. Development and evolutionary strategies. San Diego: Academic Press Miller, Geoffrey F. (2010), Die sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes. Heidelberg: Spektrum Nakahashi, Wataru; Horiuchi, Shiro (2011), Evolution of ape and human mating systems. In: Journal of Theoretical Biology, 296, S. 56–64. (DOI: 10.1016/j.jtbi.2011.11.026.) Sikora, Martin et al. (2017), Ancient genomes show social and reproductive behavior of early Upper Paleolithic foragers. In: Science (358), S. 659–662. (https://science.sciencemag.org/content/358/6363/659) Wilson, Edward O. (2014), Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen. München: C. H. Beck

Weiter Besprechungen:

170 Gedanken zu “Buchbesprechung: Meike Stoverock: „Female Choice. Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ (djadmoros): Teil 1

  1. Vielen Dank für diesen tiefgehenden Kommentar zu Stoverocks Buch. Ich bin schon auf den 2. Teil gespannt.

    Zufälligerweise habe ich deren Blog über Jahre sporadisch verfolgt (war nicht so schwer, die Einträge sind zwar häufig lang, aber eher selten).

    Wer nicht nur eine werkimmante Einschätzung vornehmen mag, kann sich einmal die Zeit nehmen, das Blog zu lesen (und dabei auch nach den von der Betreiberin gelöschten Artikeln recherchieren).

    Einen Zusammenhang zwischen der persönlichen Lebensgeschichte der Autorin und ihren aktuellen schriftlichen Äußerungen und dem genannten Buch herzustellen, mag etwas verfrüht sein, bietet eventuell aber auch recht interessante Einblicke in eine komplizierte Argumentationsstruktur, die einen harten Wechsel des Lebens- und Beziehungsstils begründen soll.

      • djadmoros: Danke für die gründliche Arbeit und die interessanten Erkenntnisse. Bin gespannt auf den 2. Teil.

        Ein paar Fragen, die sich vielleicht erst nach dem 2. Teil beantworten lassen:

        (a) Der von Stoverock postulierte weitaus höhere Selektionsdruck müßte normalweise dazu führen, daß Männer viel leistungsfähiger werden als Frauen. Erklärt sie hier versehentlich das Gender pay gap und den geringen Frauenanteil in Spitzenpositionen? 😉

        (b) Die Thesen von Stoverock widersprechen den empirisch belegten Strukturen von Beziehungsmärkten bei unausgeglichenem Geschlechterverhältnis, in denen Frauen mehr Marktmacht haben und ihre Wünsche durchsetzen können: und zwar feste, monogame Beziehungen.

  2. Deine (Gegen-)These ist also kurz gesagt, dass die patriarchale Sexualordnung nicht dazu dient, rangniedere Männchen vor der Sexlosigkeit zu bewahren, sondern diese der ökonomischen Organisation und mithin der materiellen Versorgung aller dient?

    Ich bin nicht sicher, ob ich dem folgen mag. Es erscheint mir auch unter Berücksichtigung heutiger weiblicher Instinkte zwar möglich, dass Frauen einsehen, dass sie ihre materielle Versorgung besser sichern können, wenn sie sich auf einen Mann mittleren Rangs fokussieren anstatt dem einen Alpha nachzulaufen, für den sie völlig ersetzbar sind. Aber müsste man dann nicht eine Haufen kultureller Regeln für Frauen finden, die dies gesellschaftlich absichern? Es findet sich aber kein „Du sollst nicht begehren Deiner Nachbarin Mann?“ Mir scheint derartige Organisation durch und durch männlich zu sein. Demnach erscheint es mir realistischer, dass sich die monogame Ordnung aus der Organisation männlicher Beuteteilung ergeben hat. „Ihr kommt mit mir das Nachbardorf erobern und dafür bekommt jeder von Euch eine der eroberten Frauen“. Und davon abgeleitet natürlich: „Du wirst dem xy zur Ehe versprochen, damit er Dich schon jetzt davor beschützt, vom Nachbarstamm geraubt zu werden“.

    Davon abgesehen wirft Deine These aber die spannende Frage auf, ob mit der Veränderung der Ökonomie hin zu immer größerer Arbeitsteilung ab dem Zeitalter der Industrialisierung nicht die materielle Notwendigkeit der Organisation in Paarbindungen entfallen ist und die „Frauenbefreiung“ mithin nichts anderes als eine Reaktion auf diese Veränderung der Verhältnisse darstellt?

    • „die „Frauenbefreiung“ mithin nichts anderes als eine Reaktion auf diese Veränderung der Verhältnisse darstellt?“

      und

      „Die Aussicht auf Versorgung mit Fleisch ist deshalb noch allemal ein gutes Argument, die widerstrebende Nisa in die Ehe zu reden“

      Wenn Fleisch eh irgendwie aus der Steckdose kommt, sieht die widerstrebende Nisa gar nicht ein, einen mittelmäßigen Mann heiraten zu müssen.

      Ich denke, da ist was dran.
      In dem Maße, in dem der unmittelbar spürbare ökonomische Druck wegfällt, verschwindet auch die Bereitschaft der Frau zum eigentlich ökonomisch notwendigen Kompromiss.

      • Mir fehlen zwei Prinzipien:

        Mater certa, pater semper incerta – das ist für die Organisation der Geschlechterverhältnisse ganz entscheidend. Selbstverständlich haben auch mit genetisch und sozial „mittelmäßigen“ Männern verheiratete Frauen die Möglichkeit fremdzugehen, die Fremdgehwahrscheinlichkeit ist sogar im Östrus am grössten empirisch.

        Und:

        Vater Sozialstaat. Die große Klappe der Frauen lässt sich nur aufrechterhalten, weil die Versorgung mit Fleisch eben „automatisiert“ ist; sobald ein Kind vorliegt, ist der Mann geliefert. Im Zweifelsfall übernimmt Übervater Sozialstaat (zu 80% aus männlichen Steuern finanziert). Da lässt es sich prima räsonieren.

    • sich die monogame Ordnung aus der Organisation männlicher Beuteteilung ergeben hat

      Man kann die Entstehung sozialer Ordnungen (oder wesentlicher Merkmale derselben) auf zwei ganz verschiedene Weise erklären:

      (a) mit der Psyche der Akteure, also deren Ziele, Präferenzen etc. als Ausgangspunkt, analog zu Axiomen in der Mathematik. Der Betrachtungshorizont ist hier notwendigerweise auf eine Population beschränkt, und man steht vor dem Problem eines argumentativen Zyklus, weil Menschen soziale Wesen sind und die Psyche von den sozialen Verhältnisse (mit-) geformt wird.

      (b) als darwinistischer Konkurrenzkampf unterschiedlicher sozialer Ordnungen in unterschiedlichen Völkern, wobei die effizienteren, die mehr zu mehr kriegerischer oder ökonomischer Kraft führen, den ineffizienten den Schädel einschlagen, sie versklaven, aufkaufen oder sonstwie aus dem Verkehr ziehen.

      Die Monogamie hat mMn erhebliche Effizienzvorteile, daher würde ich sie grundsätzlich anhand von (b) erklären.

    • @Ih
      „… die spannende Frage auf, ob mit der Veränderung der Ökonomie hin zu immer größerer Arbeitsteilung ab dem Zeitalter der Industrialisierung nicht die materielle Notwendigkeit der Organisation in Paarbindungen entfallen ist und die „Frauenbefreiung“ mithin nichts anderes als eine Reaktion auf diese Veränderung der Verhältnisse darstellt?“

      Gute Frage! Ja, der Fortschritt verspricht ja immer grössere Effektivität und die müsste unter dem Strich doch so ankommen! Aber leider ist dem nicht so. Der Mensch begnügt sich ja nicht mit einem Lendenschurz und einem Loch im Fels, sondern will heute Klamotten aus Seide und edelste Glasbetonstahl-Gebäude. Und daher haben wir den grundsätzlichen Mangel, der in der Natur herrscht wie die Gravitation, immer noch nicht überwunden und müssen ackern wie die Doofen. Und wenn wir denn Nachwuchs haben wollen, dann müssen wir uns zusammentu, diese Mehrlesitung gut schultern zu können, denn auch Egoismus geht zu zweit am besten 😉
      Ein Paradies oder „Goldnes Zeitalter“ ist ja eine nette Vorstellung, aber das hat es wohl nie gegeben und es wird es auch nicht geben, wenigstens in der Realität. Eigentlich auch gut so, denn das wäre vermutlich auch unerträglich langweilig.

    • @lh

      „Aber müsste man dann nicht eine Haufen kultureller Regeln für Frauen finden, die dies gesellschaftlich absichern?“
      Der Punkt ist, Meike S. ist der festen Überzeugung, dass alle „kulturellen Regeln für Frauen“ in dem derzeitigen System nur gemacht worden sind, weil sie Männern nützen und demzufolge sie (=“Frauen“) in ihrer eigentlichen Natur ausbremsen und sie will demzufolge den eigentlichen Naturzustand wiederherstellen (schlecht verdauter Engels).

      Ohne hässliche Begleiterscheinungen, wie ständige Schwangerschaft und frühzeitigem Tod im Kindsbett oder Kindern, die in den ersten Lebensjahren an allen möglichen Krankheiten sterben. Zum Glück gab und gibt es ja eine patriarchale Medizin, nicht wahr, denn das wäre ein bisschen zu viel Natur und anders herum ein bisschen zu wenig männliche Zivilisation.

      Wie alle feministischen Bilanzfälscherinnen hat sie u.a. neben der Pille und dem Penicillin die Leistungen der bürgerlichen Ehe unterschlagen, sie mit dem hälftigen Anteil am Einkommen ihres Mannes (von den Möglichkeiten der Steuerersparnis ganz abgesehen), einer kostenlosen Krankenversicherung sowie der Hälfte zukünftiger Leistungen in Gestalt der Rentenpunkte mitzuversorgen. Schwamm drüber.

      Ihre Autosuggestion der weiblichen Unterdrückung der eigenen Wahlmöglichkeiten nach dem Lustprinzip, basieren in Wirklichkeit auf Leistungen von Männern in einer „patriarchalen Gesellschaft“, denen das Realitätsprinzip zugedacht wird. Das ist in diesem Modell kein „bug“, es ist das „feature“.

      Die Männer und männlichen Singles, die dieses Gesellschaftssystem bisher finanzierten, könnten aber auf die Idee kommen, diese Finanzierung zu unterlassen, wenn es ihnen nichts mehr nützt.
      Was sie nicht voraussieht, weil sie schon nicht begriffen hat, welche materiellen Voraussetzungen die bisherigen Wahlmöglichkeiten haben.
      Würden 65% der Männer konsequent ihre Arbeit auf die eigene Reproduktion und ihre eigenen Wünsche beschränken, dann wären alle und zwar wirklich alle Vergünstigungen für Frauen und „ihre Kinder“ nicht mehr finanzierbar.
      Das Modell „Vergesellschaftung der Kosten“ würde gnadenlos scheitern.

      Das Sicherungsmodell, was sie anzustreben hätte, wäre eine demnach eine Personalisierung über „Alphas“, die Willens und in der Lage sind, mehrere Frauen und ihre Wahlfreiheit zu finanzieren.
      Mir ist a. nur nicht klar, warum sich – bei völliger Wahlfreiheit der „Alphas“ – in einem solchen Harem eine Meike befinden sollte.
      Mir ist b. auch nicht klar, wie sich selbst eine jüngere Meike vorstellen könnte, mit ein, zwei oder mehr Kindern von ein, zwei oder mehreren Alphas älter zu werden.

      Denn spätestens mit sinkendem SMV nützt ihr die Behauptung einer weiblichen sexuellen Wahl gar nichts mehr, weil der Kandidatenpool, der sich für sie interessiert, ab spätestens dem 35. Lebensjahr für sie immer kleiner werden wird.
      Sie übersieht, faktisch hat sie sich der Sexualstrategie der männlichen „Alphas“ und deren Selektionskriterien unterworfen und nicht anders herum.

      Bis zu ihrem Lebensende sind es dann noch ein paar Jahrzehnte.
      Was kann jetzt noch schief gehen??? 😉

      • @crumar
        „Sie übersieht, faktisch hat sie sich der Sexualstrategie der männlichen „Alphas“ und deren Selektionskriterien unterworfen und nicht anders herum.“

        Ja, darauf läuft ihre „female choice“ paradoxerweise hinaus! Auf eine tribalistische Harems-Gesellschaft, die eine doch extrem patriachalen Eindruck macht. Diese Vorstellung kommt irgendwie mit jedem Primitivismus daher.

      • „Denn spätestens mit sinkendem SMV nützt ihr die Behauptung einer weiblichen sexuellen Wahl gar nichts mehr, weil der Kandidatenpool, der sich für sie interessiert, ab spätestens dem 35. Lebensjahr für sie immer kleiner werden wird.“

        Wenn einfach die weibliche Wahl von den Männern akzeptiert wird, dann tritt das Problem ja gar nicht mehr auf. Der Mann paart sich halt mit allen Frauen, vollkommen wahllos. Die Frauen bilden vielleicht Gemeinschaften zur Absicherung untereinander. Das gibt es ja durchaus bei einigen Tieren. Ich meine eine Affenart hat deswegen auch bei den Frauen viel gleichgeschlechtlichen Sex zur Stärkung der internen Verbundenheit, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.
        passt alles nicht zum Menschen. Aber man wird sehen. Ich bin insofern gespannt auf den zweiten Teil

        • @Christian:

          »Ich meine eine Affenart hat deswegen auch bei den Frauen viel gleichgeschlechtlichen Sex zur Stärkung der internen Verbundenheit, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.«

          Alt-Right-»Masku« Jack Donovan spricht hier beißend von der »Bonobo-Masturbationsgesellschaft«. 🙂

        • @Christian

          „Wenn einfach die weibliche Wahl von den Männern akzeptiert wird, dann tritt das Problem ja gar nicht mehr auf. Der Mann paart sich halt mit allen Frauen, vollkommen wahllos.“

          1. Meikes Theorie setzt Wahllosigkeit auf der männlichen Seite bei gleichzeitiger Wahlfreiheit auf der weiblichen Seite voraus.
          Das wird aber nicht passieren, denn die heißesten Männer haben immer noch die Wahl, die heißesten Frauen zu wählen. Wenn 35% der Männer 70% der Frauen gegenüber stehen, dann setzt sich die sexuelle Wahl nach Kriterien des begehrteren Geschlechts durch oder irgendwas stimmt nicht mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.
          Ich würde nicht nach den Kriterien „fett und arrogant“ entscheiden, sondern attraktiv, jung und intelligent.

          2. In einer Normalverteilung auf der Hotness-Skala: 68% aller Frauen sind zwischen 4-6, 16% zwischen 7-10. Wenn ich die 4-6 noch einmal verteile: 20% für jeweils 4,6 und 28% für die 5 dann befinden sich in 6-10 36% aller Frauen. Da wird es für eine 5 ziemlich eng.

          „Die Frauen bilden vielleicht Gemeinschaften zur Absicherung untereinander. Das gibt es ja durchaus bei einigen Tieren.“

          Da haben sie viel zu tun. Denn die Organisation MGTOW (TM) wird im Rahmen kleinerer Generalstreiks von 65% aller Männer durchgesetzt haben, dass jeder und jede (und „ihre Kinder“) in die Sozialversicherungssysteme einzuzahlen hat, alle Vergünstigungen für Frauen ersatzlos gestrichen werden und der männliche Mindestlohn bei 50 Euro die Stunde liegt (plus drei Monate bezahltem Urlaub im Jahr).
          Irgendwer muss diese Nettigkeiten aber bezahlen und daher rufe ich Meike fröhlich zu: „Bitch, finde deine Erfüllung und geh arbeiten und das nicht zu knapp, sonst reicht es nicht für dich!“ 🙂

          • @Blue Jaw

            Das würde ich auch gar nicht bezweifeln wollen.
            Ich bin jedoch der Kandidat für das Gegenteil einer Erektion, wenn ich mir den Weg zum Beginn einer Mutterschaft von Hengameh auch nur vorstelle.
            Es könnte etwas mit dem S-Wort zu tun haben.
            Allein der Gedanke lässt meine Eier schrumpeln.

      • „Das Sicherungsmodell, was sie anzustreben hätte, wäre eine demnach eine Personalisierung über „Alphas“, die Willens und in der Lage sind, mehrere Frauen und ihre Wahlfreiheit zu finanzieren.“
        Nein, sie lässt sich von allen Männern finanzieren (Alpha bis Omega). Ihre zentrale Lebensleistung ein oder zwei Kinder bekommen zu haben reicht damit die Gesamtgesellschaft ihr bis ans Lebenende ein genehmes Leben zu finanzieren hat, darunter:
        – Stressfreier > 8h-Jobs
        – Permenente Verehrung durch die Gesellschaft
        – Quoten in allen Bereichen

      • Eben, weibliche Wahl gibt es ja – der Konsummarkt macht es vor: Aber ob ich zu kim oder zu H&M oder zu Peek&Cloppenburg oder in den Designerladen gehe, das macht eben einen Riesenunterschied …

    • @lh:

      Ich würde die urgeschichtlichen Verhältnisse nicht als Patriarchat bezeichnen. Der Begriff macht m. E. überhaupt nur da Sinn, wo er tatsächlich eine deskriptive Leistung erbringt, beispielsweise in Max Webers klassischer Definition, die auf eine institutionalisierte Hausvätergewalt bezogen ist, die »Autorität eines Hausherrn innerhalb einer häuslichen Gemeinschaft«. Die Asymmetrien der »Urgemeinschaft« sehe ich insofern nicht als Patriarchat.

      »Es findet sich aber kein „Du sollst nicht begehren Deiner Nachbarin Mann?“«

      Ich meine, das altorientalische Recht hat die Verhältnisse explizit für beide Geschlechter geregelt, und Deuteronomium 22.22 bestraft auch den Mann mit dem Tod:

      »Wenn ein Mann bei einer Frau liegend angetroffen wird, die einem Mann gehört, dann sollen sie alle beide sterben, der Mann, der bei der Frau lag, und die Frau.«

      Deinen letzten Absatz würde ich unterschreiben: die Entstehung der Möglichkeit, die Subsistenzsicherung auf individuelle Erwerbsarbeit zu gründen, stellt einen Schlüsselfaktor für die Autonomisierung der Frauen und die Entstehung eines »feministischen Bewusstseins« dar. Wobei das bürgerliche feministische Bewusstsein inzwischen auf der Inkonsequenz besteht, den persönlichen Geschlechtervertrag aufzukündigen, aber am gesellschaftlichen Geschlechtervertrag festzuhalten: die Wurzel des vom Konservatismus zum Staatsfeminismus transmogrifizierten, von männlicher Erwerbsarbeit getragenen Transferleistungssystems.

      • „den persönlichen Geschlechtervertrag aufzukündigen, aber am gesellschaftlichen Geschlechtervertrag festzuhalten“

        Das muss ich mir merken. Ist wie nach einer Scheidung mit Ehegattenunterhalt. Der Mann soll der Frau weiterhin den alten Lebensstandard durch seine Erwerbsarbeit ermöglichen (unabhängig davon das zwei Haushalte mehr kosten, wie einer), aber sie tut im Gegenzug nichts mehr für ihn. In diesem Fall will Frau weiterhin alle Transferleistungen von Männer, aber ohne dafür selbst etwas tun zu müssen und vor allem ohne dafür etwas für einen Mann tun zu müssen.

        Ich frage mich bei sowas immer was sich solche Frauen eigentlich für ihre Söhne für ein Leben wünschen.

  3. Die Frau ist genauso verpeilt wie die Gender-Ideologen oder Gender-Linguisten. Denn sie denkt sich völlig willkürlich irgendwelche Dinge aus, die nicht im geringsten irgendwie belegt sind geschweige denn wahrscheinlich:

    Die Frauen restaurieren ihr Naturrecht, sich die Männer hoch selektiv auszuwählen, und die Gesellschaft soll dementsprechend Vorkehrungen ersinnen, um die von den Frauen als untauglich abgefertigte Mehrheit der Männer so zu kompensieren, dass diese nicht ihrer aus sexueller Frustration gespeisten Gewaltneigung erliegen.

    Wie verpeilt muß man sein, um allen Ernstes an solch ein Szenario zu glauben? Vielleicht hat sie eine weibliche Machtneurose. Ich will ja nicht ins Tiefenpsychologische gehen und hier eruieren, was für Kindheitserfahrungen dazu führen können, daß eine Frau gerne Macht über Männer haben möchte, sie sich auswählen können will und daß Männer als gewaltbereite, sexgeile Wesen beschrieben werden.

    Kleiner Tip: So ein Männerbild kann leicht entstehen, wenn man als kleines Mädchen vom Vater sexuell mißbraucht wurde. Und dann können auch schon mal recht merkwürdige Erlösungsphantasien und Utopien entstehen mit so einem Kindheitshintergrund.

    Wo wir bei dem kruden Männerbild der Frau Doktor Stoverock wären. Männer (und Frauen) neigen nur dann zu Gewalt, wenn sie selbst als Kinder Gewalt erfahren haben. Die Frau hat null Ahnung von Psychologie. Und das im Jahr 2021, wo diese Zusammenhänge schon seit Jahrzehnten bekannt sind.

    Erschreckend, was heutzutage die Universitäten verläßt. Und die hat auch noch einen Doktortitel.

    • „Männer (und Frauen) neigen nur dann zu Gewalt, wenn sie selbst als Kinder Gewalt erfahren haben“

      Du hast die Quelle für diese kühne Aussage vergessen.

        • Ich glaube, das Problem, welches deine Aussage zu einer steilen These macht, ist das Wörtchen „nur“. Das ist auch mit dem von dir Verlinkten nicht zu belegen. Sicher lässt sich feststellen, dass Gewalttäter vermehrt eine gewaltbelastete Kindheit hatten, aber dass jeder Gewalttäter aufgrund dessen derart geprägt wurde, das klingt doch ein wenig verstiegen. Es gibt auch genug andere Gründe, die Menschen individuell gewalttätige Tendenzen entwickeln lassen.

          • Eben nicht. Aber dafür müßtest du dich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen.

            Ich spreche natürlich nicht von jedweder Gewalt, sondern von struktureller, destruktiver Gewalt gegenüber Unschuldigen.

            Ein Polizist muß auch manchmal gewalttätig sein. Und Kinder testen sich auch hier und da aus.

            Mir ist es ein Rätsel, wie man sich derartig dummstellen kann. Lies mal ein paar Texte oder Bücher von Alice Miller und wende deren Inhalt auf dein eigenes Leben an.

            Gerade Männer tun sich unheimlich schwer damit zu sehen, daß die Destruktivität dieser Welt eine Widerspiegelung des verdrängten Kindheitsleides der Menschen ist. Das kann man natürlich erst verstehen, wenn man es an sich selbst verstanden hat. Aber das wollen die wenigsten.

          • Ist mir zu kultistisch, aufgrund von einer Website von einer Person das Argument einfach so anzunehmen. Science Twitter – oder was davon übrig ist – hingegen scheint eher der Richtung zuzuneigen, dass „Prägungen in der Kindheit“ (bzgl Phobien, Fetische) deutlich, deutlich überschätzt wurden in der Vergangenheit.

            Exzerpt:

            The average person finds 22 weird things sexually arousing, and they have nothing to do with childhood experiences. https://t.co/FUZPaKIrAn pic.twitter.com/iJcBQbWcUY— Rolf Degen (@DegenRolf)

          • Christian, könntest Du bitte mal im Spamordner nachschauen? Mir wurde privat mitgeteilt, dass da ein Kommentar in der Warteschleife hängen bleibt. 🙂

        • „Du scheinst ein emotionaler Analphabet zu sein“

          Genau, das wird es sein.

          Es ist absolut ausgeschlossen, dass du Scheuklappen hast oder gar Zusammenhänge vernachlässigst.

          Wieso wurdest du eigentlich noch nicht zum König der Psychologen gewählt? Ach nee, das ist ja schon Alice Miller.

          Übertrieben selbstbewusste One-Trick-Ponies sind so lächerlich…

          • „Das solltest du erst mal tun.“

            Hab ich vor 30 Jahren. Fand ich damals schon kurzsichtig.

            Man muss Neigung zum Gläubigen haben, um das für der Weisheit letzten Schluss zu halten.

  4. Das fand ich einen Absatz fürs Poesiealbum:

    Die Fortpflanzung des Menschen ist aufgrund des erforderlichen hohen parentalen Investments in zunächst hilflosen Nachwuchs in ein System der Ökonomie eingebettet. Menschenaffen kennen keine Ökonomie. Ökonomie entsteht unter der conditio humana, den spezifischen Bedingungen des Menschseins, als technologisch vermittelte, arbeitsteilige Auseinandersetzung mit der Natur in der sozialen Organisation und normativen Ordnung kultureller Regeln.

    Und

    dass man im Unterschied zu Pflug, Ochse und Immobilie ein Stück Fleisch nicht als Familienerbsteak weiterreichen kann

    nominiere ich zum AllesEvolution-Wortspiel des Monats. 🤣

  5. Mein allergrößten Respekt und ein noch größeres Dankeschön für diesen Text und die Auseinandersetzung mit diesem Buch. Ich freue mich auf den kommenden weiteren Teil.

    Das ist für mich einer der Schlüsselsätze:

    „An dieser Stelle beginnen wir zu verstehen, inwiefern Stoverock ihr Erklärungsmodell als »feministisch« verteidigen kann: sie macht in aller subjektiven Unschuld den auf einem impliziten Biologismus beruhenden Sexismus der feministischen Ideologie explizit.“

    denn genau dies habe ich so erwartet. Ich denke es ist nicht nur Sexismus, sondern mittlerweile ein verbohrter Hass, der rassistische Züge angenommen hat und antisemitische Schemata aufgreift (Dehumanisierung des Mannes, toxische Männlichkeit in Anlehnung an den Brunnenvergifter, uvm.).

  6. Es ist also ganz klar ein sexistisches und biologistisches Machwerk, welches pseudowissenschaftlich und tendenziös die Diskussion hinbiegt, wie man das so kennt, von einschlägigen politisch motivierten Elaboraten (des Rassismus und Antisemitismus).

    Die sexuelle Selektion wird hier auf eine „female choice“ verengt. Es wird vollkommen ignoriert, dass es das Komplement einer „male choice“ gibt, damit Stoverock die erstere zum alleinigen Modus der sexuellen Selektion beim Menschen erklären kann. Ebenso werden Monogamismus und die Familienstruktur des Menschen ignoriert und so getan, als sei die Menschheit immer sowas wie eine kommunistische Kommune gewesen. Die ganze Argumentation ist hoch selektiv, pseudowissenschaftlich und folgt klar dem Ziel eine sexistisch-suprematistische Sicht zu unterbreiten, wie sie im Femismus seit langer Zeit schon gilt. Stovericks Buch ist also als Versuch der Restauration dieses Feminismus zu sehen.

    Kein Wunder, dass Stoverick von der elitär-abgehobenen Möchtegernoberschicht („titel, thesen, temperamente“) frenetisch für dieses sexistische Machwerk, in dem ein weiblicher Suprematismus halbwegs sauber biologistisch gerechtfertigt wird, gefeiert wird.

    Den lächerliche Versuch, die Genderideologie durch die pseudowissenschaftlichen Begriff des „hormonellen Geschlechts“ zu retten, muss man auch noch erwähnen, „der Ehre halber“.
    Ganz lächerlich ist auch die sophistische Einengung auf „ein Geschlecht“, lediglich eine reduktio ad absudum.

    • @Alex:

      »… pseudowissenschaftlichen Begriff des „hormonellen Geschlechts“ …«

      Diese These hatte mir eigentlich eingeleuchtet. Worauf stützt Du Deinen Vorwurf der Pseudowissenschaft?

      • @Ingbert
        Die wissenschaftliche Sichtweise ist, dass Hormone und andere Botenstoffe zwar graduell oder in einem Gradienten wirken, die Antwort fällt dann aber binär aus. (btw: gar nicht selten ist der default oder Grundzustand der weibliche Zustand).
        Das „hormonelle Geschlecht“ ist also absolut gleichbedeutend mit Geschlecht.
        Wenn man jetzt das „hormonelle Geschlecht“ einführt, dann doch wohl, um damit eine angebliche Vielfalt der Geschlechter zu begründen, die gar nicht existiert….
        Was existiert ist natürlich eine „hormonell bedingte Varianz in der Ausprägung geschlechtlicher Phänotypen“, aber ich denke, diese präzise Wissenschaftlichkeit ist nicht das gewünschte, was ein verkürzter Slogan leistet, der von vorneherein für den politischen Bedarf mundgerecht gemacht worden ist.

        • @Alex:

          Meinem Verständnis nach hat sie diese »hormonell bedingte Varianz« gemeint. Als Judith Butler mit ihrem Gender Trouble loslegte, konnte sie ja auf reale Erfahrungen in der homosexuellen Szene zurückgreifen – die maskuline »Butch« und die effemininierte »Tunte« sind ja nicht bloß Karikaturen, sondern real existierende Typen. Der Fehler bestand darin, diese Erfahrungen einem rein kulturalistischen Modell unterwerfen zu wollen.

        • Es gibt fünf Ebenen Geschlecht zu beschreiben: Gene (Chromosomen XY-XX), Hormone (aktivierende und strukturierende), Topographie (Pimmel, Bart, Titten), Gehirnanatomie und Verhalten. Die gehören zusammen und bedingen sich auch, sind aber nicht die gleichen – ausserdem können auf allen Ebenen Fehler vorkommen. Das ist viel komplizierter, als es von der Frau dargestellt wird.

  7. Einfach nur genial!

    Einen Punkt würde ich ergänzen, der aber ohnehin klar ist. Du schreibst oben:

    „Diese Konstellation und die 30:70-Relation hält sie mehr oder weniger für den Naturzustand der menschlichen Art. Viertens leitet sie aus diesem postulierten Naturzustand faktisch ein »Naturrecht« der Frau ab, und die weitere Argumentation folgt dem roten Faden eines Verlusts und einer Wiedergewinnung dieses Naturrechts.“

    Hier liegt wohl ein naturalistischer Fehlschluss der werten Autorin vor. Aus etwaigen Naturzuständen der menschlichen Art lassen sich eben keine Rechte ableiten. Aus dem natürlichen Fakt „Female Choice“ – wenn dies denn tatsächlich ein Fakt ist – folgen nicht irgendwelche Rechte von Frauen, Männern, Tieren oder Göttern.

    Was ich nicht ganz verstehe: warum Du Dir solche Arbeit mit den fehlenden Referenzen der Autorin gemacht hast. Soweit ich das sehe, gibt es in Frau Stoverocks Buch praktisch keine Belege, also z. B. keine konkreten Verweise auf Text-Stellen in wissenschaftlichen Publikationen. OK, dann würde ich alle Behauptungen Stoverocks als Thesen ohne Beleg behandeln. Und was ohne Beleg behauptet wird, kann eben auch ohne Beleg zurückgewiesen werden.

    • „naturalistischer Fehlschluss“

      Genau das ist es, so wird das genannt. Wobei dieser Begriff ja klar impliziert, dass es sich um ein Versehen handelt und nicht um Vorsatz, wo ich in diesem Fall nicht so sicher wäre.

    • „OK, dann würde ich alle Behauptungen Stoverocks als Thesen ohne Beleg behandeln. Und was ohne Beleg behauptet wird, kann eben auch ohne Beleg zurückgewiesen werden“

      Da finde ich djadmoros vrogehensweise wesentlich besser, denn eine schlichte Zurückweisung bringt ja keine wirkliche Erkenntnis. Es ist dann quasi unentschieden, es könnte richtig sein oder nicht richtig sein.

    • @Jochen Schmidt:

      »Hier liegt wohl ein naturalistischer Fehlschluss der werten Autorin vor. Aus etwaigen Naturzuständen der menschlichen Art lassen sich eben keine Rechte ableiten. Aus dem natürlichen Fakt „Female Choice“ – wenn dies denn tatsächlich ein Fakt ist – folgen nicht irgendwelche Rechte von Frauen, Männern, Tieren oder Göttern.«

      So ist es. Wobei sich auch das klassische Naturrecht auf einen Naturzustand beruft, insofern könnte Stoverock sich auf eine Tradition berufen, wenn sie explizit politisch-philosophisch argumentieren würde (was sie aber nicht tut).

      »Was ich nicht ganz verstehe: warum Du Dir solche Arbeit mit den fehlenden Referenzen der Autorin gemacht hast.«

      Weil ich sicherstellen wollte, nicht meinerseits womöglich relevante Literatur zu übersehen.

  8. Sehr guter Text, djad! Ich hatte mich völlig berechtigt bereits darauf gefreut. Vielen Dank! 🙂

    Anmerkungen zu ihrer unehrlichen Argumentation auch als Biologin, die durch die übliche, verschleiernd manipulative Formulierung zunächst nicht auffallen:
    »Je weiter sich die frühen Hominiden aufrichteten, desto mehr wurden nämlich die Beckenschaufeln nach unten hin zusammengedrückt. Während aber der Geburtskanal immer enger wurde, wurden die Köpfe der Babys durch die steigende Intelligenz immer größer. Die einzige Lösung bestand darin, den Nachwuchs unfertig auszuliefern.“

    Das richtige Wort für „steigende Intelligenz“ ist gestiegenes Gehirnvolumen und das Gehirn ist in Bezug auf den Verbrauch an Energie ein kostspieliges Organ. Die „energetic costs“ sind ab Geburt ca. die Hälfte des gesamten Energiebedarfs. Bei Geburt hat der Säugling erst ein Viertel des Gehirnvolumens eines Erwachsenen und das Gehirn wächst rapide weiter.
    Damit steht dem evolutionären Vorteil an kognitiven Fähigkeiten ein energetischer/kalorischer Mehrbedarf entgegen, den eine Frau nach der Geburt alleine nicht decken kann.
    Dass die Notwendigkeit einer stabilen Nahrungsversorgung evolutionär zu einem Muster führt, in dem das weibliche Interesse daran besteht, genau in diesem Augenblick („70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart“) mit dem Nachwuchs einer anderen Frau zu teilen, finde ich nicht plausibel.

    Damit zur nächsten verräterischen Formulierung : „Denn die Female Choice ist in der Nomadengesellschaft voll intakt. Bei den San werden Partnerschaften zwar von den Müttern junger Frauen arrangiert. Doch eine Frau wird den Partner ihrer Tochter eher nach Kriterien bestimmen, die auch für sie selbst relevant sind. Und tatsächlich wählen sie den künftigen Kindeserzeuger vorwiegend nach seinem Jagdgeschick aus, glücklose Jäger bleiben unbegehrte Junggesellen.“

    Korrekt formuliert heißt „nach Kriterien bestimmen, die auch für sie selbst relevant sind“ jedoch: „nach Kriterien bestimmen, die auch für sie selbst nützlich sind“.
    Dem vorausgesetzt sind damit soziale Verhältnisse, in denen es Männern auferlegt worden ist und erwartet werden kann, seine Jagdbeute innerhalb eines (erweiterten) Familienverbandes zu teilen.
    Dass Männer von der ihnen auferlegten Weitergabe ihrer Ressourcen profitieren und sie deshalb solche sozialen Verhältnisse durchgesetzt haben, ist ein Wiederspruch in sich.

    Dieses Muster der „Paarungsehe“ und später der „Konvenienzehe“, in der Mütter ihre Kinder verabreden, zieht sich bis in die bürgerliche Gesellschaft durch. Es ist damit erklärungsbedürftig, warum ein „Patriarchat“ Frauen damit beauftragt, Verhältnisse durchzusetzen, die lediglich Männern nützen.
    Es sei denn, es handelt sich um Verhältnisse, die auch für Frauen nützlich sind.
    Wenn man dies allerdings voraussetzt, dann hat sich seit der Nomadengesellschaft wenig geändert und das „Patriarchat“ ist eine lustige Verschwörungstheorie. 😉

    • Eine Aussage von Dir verstehe ich nicht so ganz. Du schreibst oben:

      „Dass Männer von der ihnen auferlegten Weitergabe ihrer Ressourcen profitieren und sie deshalb solche sozialen Verhältnisse durchgesetzt haben, ist ein Wiederspruch in sich.“

      Ich sehe da eigentlich keinen Widerspruch. Ich verstehe aber auch nicht, warum Du „profitieren“ schreibst. De facto profitieren Männer nicht, wenn sie ihre erlegte Beute weitergeben müssen. Vielleicht profitieren sie von einer Art Tausch, bei dem eine Komponente darin besteht, dass sie ihre erlegte Beute weitergeben …)

      Also vielleicht kannst Du es nochmal anders formulieren und mir so auf die Sprünge helfen …?

      • @Jochen
        Doch, doch. crumar hatte darauf hingewiesen, dass die Abgabe der Beute zuerst im Interesse der Anderen ist und daher es logisch ist, dass diese sich hier durchgesetzt haben in ihren Ansprüchen und dass es nicht im primären Interesse des Beute-Herausrückers liegen kann. Allerdings gibt es auch ein sekundäres Interesse über den Nachwuchs, der abhängig ist, dass auch die Anderen (die erweitere Familie und Frau, etc) versorgt werden. Also ist das Beuterausrücken letztlich auch ganz im Sinne des Beutemachers, was seine Nachkommenschaft angeht — und das ist es, was evolutionär überhaupt relevant ist.
        So müsste ich jetzt auch Euch beide zusammengeführt haben, nicht nur die Geschlechter in ihrer evolutionären Funktion 😉

      • @Jochen @Alex

        Die permanente Unterstellung, wir würden in einer „patriarchalen Gesellschaft“ leben, die somit ausschließlich Männern nützt hat – entgegen dieser Unterstellung – zahllose soziale Regeln hervorgebracht, die männliche Ressourcen a. als (gesellschaftlich) teilbar ansehen und b. die anderen nützen.
        Was ich (kleinbürgerlichen) Feministinnen vorwerfe, das Muster des Anspruchs auf den Anteil ist bereits so internalisiert, dass dieser fraglos und immer schon vorausgesetzt wird.
        Auf der einen Seite wird Männern Egoismus vorgeworfen und auf der anderen Seite ist die „Teilhabe“ ein überhaupt nicht mehr reflektierter „Naturzustand“.

        „Allerdings gibt es auch ein sekundäres Interesse über den Nachwuchs“ – aber nur, wenn sich dieser unmittelbar an der Pflege des Nachwuchses beteiligt.
        Die Eltern der Tochter (wenn sie die Herkunftsfamilie verlässt) sind das eher nicht.
        D.h. hier sind soziale Regeln am Start, die diese erst zur „erweiterten Familie“ werden lassen, welche anspruchsberechtigt ist.

        • @crumar:

          »D.h. hier sind soziale Regeln am Start, die diese erst zur „erweiterten Familie“ werden lassen, welche anspruchsberechtigt ist.«

          Generell kommt hier der ganze Zoo unterschiedlicher Familienformen zum Tragen, nicht zuletzt der »abendländische« Typus der bilateralen Kernfamilie mit seiner inhärent vergleichsweise starken Position der Frau, der somit selbst zur »deep history« des Feminismus gehört.

          • @djad

            Ich habe die Einschränkung hier als „patrilokal“ gemeint. Die Tochter verlässt die Herkunftsfamilie. und siedelt sich bei der Familie des Mannes an. Mir ist klar, dass patrilokal nicht automatisch patrilinear heißt, trotzdem muss es in diesem Fall einen Grund dafür geben, warum die Eltern der Frau zum Kreis der Anspruchsberechtigten gehören.

    • @crumar:

      »Das richtige Wort für „steigende Intelligenz“ ist gestiegenes Gehirnvolumen und das Gehirn ist in Bezug auf den Verbrauch an Energie ein kostspieliges Organ.«

      So ist es! Bereits hier greifen biologische und kulturelle Evolution ineinander, insofern das menschliche Gehirnwachstum wahrscheinlich nicht ohne die sehr frühe Erfindung des Feuers (1 Mya oder älter) möglich gewesen wäre, wodurch den frühen Hominiden leicht verdauliches tierisches Eiweiß zugänglich wurde (der Darm eines Rohkost verzehrenden Schimpansen ist dreimal so lang wie der eines Menschen), und von da an wird auch die Fleischversorgung für die heimischen Kochtöpfe ein Schlüsselfaktor.

      »Dass Männer von der ihnen auferlegten Weitergabe ihrer Ressourcen profitieren und sie deshalb solche sozialen Verhältnisse durchgesetzt haben, ist ein Wiederspruch in sich.«

      Feministinnen projizieren ihr (modernes) Bedürfnis nach Individualautonomie auf die gesamte Menschheitsgeschichte zurück und übersehen geflissentlich, dass die Bestimmung des Menschen als hyperkooperative Spezies auch die Kooperation zwischen den Geschlechtern umfasst. Nur darum können sie alles »Männliche« so radikal verdrängen und abspalten.

      • @djad

        „Bereits hier greifen biologische und kulturelle Evolution ineinander“
        Sehe ich auch so.
        „leicht verdauliches tierisches Eiweiß“, welches man durch kooperative Tätigkeiten wie die Jagd erlegt, die u.a. Perspektivenverschränkung, Planung und Kommunikation erfordert, bzw. die Herausbildung dieser Fähigkeiten beschleunigt. Tic-Toc-Tic-Toc…

        „Feministinnen projizieren ihr (modernes) Bedürfnis nach Individualautonomie auf die gesamte Menschheitsgeschichte zurück“ – das musst du bitte genauer erklären, denn wenn ich eines bei Feministinnen sehe, dann ist es Agitation gegen männliche Autonomie und ausgeprägten Individualneid (die These vom Penisneid war völlig falsch 😉 ).

        „übersehen geflissentlich, dass die Bestimmung des Menschen als hyperkooperative Spezies auch die Kooperation zwischen den Geschlechtern umfasst“

        Es wäre die Milliarden Jahre dauernde Unterdrückungsgeschichte als Mythos sonst auch nicht erzählbar.
        Aber die armen Mädels haben keinen heroischen Spartakus-Aufstand im historischen Arsenal, sondern nur den Mythos der Amazonen. Wenn wir streiken, dann stehen alle Räder still, bei einem Frauenstreik muss lediglich Papa auf die Kinder aufpassen. Das Kapital zittert – nicht wirklich.
        Incels werden wenigstens als potentielle Terroristen beschrieben, das nächste Buch einer Frau, warum man Männer so richtig hassen dürfen muss, wird mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen.
        Frauen: Mostly Harmless.
        Meike will wild und gefährlich leben – aber mit sozialer Absicherung durch die „Alphas“ (bzw. einer konservativ verfassten Gesellschaft mit sozialen Transfers zu „Frau“).
        „Bau-mir-sofort-eine-wilde-Achterbahn (und zwei Sicherheitsnetze)!“-Feminismus.

        • @crumar:

          »… wenn ich eines bei Feministinnen sehe, dann ist es Agitation gegen männliche Autonomie und ausgeprägten Individualneid«

          Mich dünkt, wir reden von derselben Sache: insofern das feministische »Bedürfnis nach Individualautonomie« ein Abhängigkeiten verleugnendes Bedürfnis ist und in der Wahrnehmung der vermeintlichen männlichen Unabhängigkeit eine Projektion, kann man es auch als »Individualneid« bezeichnen. Es ist illusionär, weil das historische Geschlechterverhältnis nie so radikal in männliche Autonomie und weibliche Unterwerfung polarisiert gewesen ist, wie die Feministinnen das glauben.

          • Mich deucht, dann sind wir einer Meinung. 🙂

            Noch eine verräterische Stelle in ihrem Text:
            „Vor allem die Männer müssen einen rasanten Lernprozess durchmachen, weil nun statt Jagdgeschick ganz andere Fertigkeiten gefragt sind, um eine Partnerin zu finden. Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen.“

            Sie m.E. generell ein Problem damit, den Prozess zu sehen, der zum Resultat geführt hat und das würde ich dreist unter „female/feminist gaze“ verbuchen.

            Richtig ist, dass bereits das „Jagdgeschick“ ein Bündel männlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten als männliche ausgeprägt hat, wie Mut, Beharrlichkeit, körperliche Ausdauer, „Stoizismus“, 3D-Denken, Augen-Hand-Koordination, Perspektivenverschränkung, Planung und Kommunikation usw. (insofern eine Arbeitsteilung nach Geschlecht vorlag) usw.
            Unabhängig von der sexuellen Selektion, die ausgewählte Männer besonders belohnte, waren aber Männer als Gruppe diesem Lernprozess ausgesetzt und ergo war das „normativ männlich“.

            Wenn man genau hinschaut, heißt ihr „Vor allem die Männer müssen einen rasanten Lernprozess durchmachen“ umgekehrt, „vor allem Frauen mussten keinen rasanten Lernprozess durchmachen“.
            Nicht ganz unberechtigt: Ist das Recht auf den Anteil am Produkt der Arbeit (Resultat) identisch, dann ist auch das Produkt und der Prozess zu diesem hin egal (female/feminist gaze).
            Was nicht nur den Evolutionsdruck Männern aufhalst (Blick aufs Resultat), sondern sie zum eigentlichen Agenten der gesellschaftlichen Entwicklung macht (Blick auf den Prozess).

            Im Grunde beschränkt sich dadurch ihr Blick: „Nur die intelligentesten und geschicktesten Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht und können sich fortpflanzen.“ auf eine „female choice“, die auf männliche Intelligenz und Geschick selektiert, zu deren Entwicklung Frauen nichts beigetragen haben, außer sich selbst zur Reproduktion zu selektieren.
            Das ist nicht wirklich eine frohe Botschaft.

            In MGTOW-sensibler Sprache umformuliert: „Nur Männer kommen mit den Anforderungen der sich im Höllentempo verändernden Welt zurecht.“
            Als Feministin würde ich auch depressiv werden. 😉

          • @crumar
            „Was nicht nur den Evolutionsdruck Männern aufhalst (Blick aufs Resultat), sondern sie zum eigentlichen Agenten der gesellschaftlichen Entwicklung macht (Blick auf den Prozess).“

            Beim Feminismus landet man am Ende irgendwie immer bei einem Patriarchat. Man kann fast auf die Idee kommen, das liegt an den Prämissen und Dogmen und der Rest ist Uhrwerk.

          • Ja, und das ist saukomisch.
            Oder?
            Wo ist denn „die aktive Rolle der Frau“ in einem Geschehen einer Theorie, die dich zu der passiven Rolle verdammt, die du dem „Patriarchat“ übereignet hast, für Frauen vorgesehen zu haben?
            Aus der Nummer kommt keine mehr raus.
            Nicht als „Opfer“ zumindest.

  9. Im Zusammenhang mit der These, es hätten sich stets ungefähr (bzw. mindestens) doppelt so viele Frauen wie Männer fortgepflanzt, habe ich immer schon ein ganz dummes Verständnisproblem. Und zwar geht es ja darum, dass die Varianz des y-Chromosoms als so viel geringer zu erkennen sei als die von x. Mein Problem als Frage: ist ein männlicher Fortpflanzungserfolg in dieser Betrachtungsweise denn nicht ohnehin erst dann zu erkennen, wenn ein Sohn gezeugt wurde (der wiederum einen Sohn zeugte usw.)? Also am Beispiel des Blogeigners: u.a. Südländerin hätte sich durch Fräulein Schmidt erfolgreich fortgepflanzt – er hingegen erst mit der Geburt des 1. Sohnes (insofern dieser später wiederum…)?

    • Als blutige Laie der Genetik hier mal meine Vermutung:
      Von der Mutter kommt immer ein X
      Vom Vater kommt ein Y oder ein X
      Also wird die Y Linie immer schwächer sein.
      Trotzdem hat Frl. Schmidt die Linie von Chris in sich, gibt sie aber nur mit 50% Wahrscheinlichkeit weiter.
      Gibt es hier Fachleute?

      • „Also wird die Y Linie immer schwächer sein.“

        Eben, das muss sie quasi per Definition.
        Wären deutlich andere Größenordnungsverhältnisse denn überhaupt denkbar?

        Besonders lustig wirds natürlich, wenn man aus der Tatsache, dass irgendwo im Laufe der Jahrtausende eine Vielzahl männlicher Fortpflanzungslinien gemäß der Betrachtungsweise „unterbrochen“ wurden, nonchalent schließen will, die Mehrheit der Männer habe keine Sex-Partnerinnen gefunden. Und genau diese Interpretation wird uns ja nahegelegt von den meisten (nennen wir sie ruhig:) Pseudo-Forschern…

        • Ich bin sehr vorsichtig mit Schlussfolgerungen zur Vererbung. Erstens hab ich davon keine Ahnung und zweitens halte ich das Thema für viel zu wenig erforscht. Out of Afrika galt ja auch als gesichert und wackelt jetzt ziemlich stark. So habe ich es verstanden.

          Wäre doch mal ein Thema fürs Blog……

          • Letzt noch sah ich (mit einem Auge, beim Kochen) einen kurzen Ausschnitt, wo durch jahrzehntelange Forschung die out-of-africa-These widerlegt werden sollte. Dafür wurden die genetischen Marker frag-nicht-wievieler-chinesischen-MÄNNER überprüft (ob nicht irgendwer doch vom Peking-Menschen abstammte)… Ergebnis: nope. Kein einziger, der nicht den mit OOA verbundenen Marker besaß.

          • Es gab wohl in Europa Fossilienfunde von aufrecht gehenden Vor-Menschen. Sind wohl 5-7 Millionen Jahre alt. Das soll der Out of Afrika Theorie widersprechen. Hab das wohl auf einem Doku Kanal nebenher gesehen. Out of Europa und danach wieder teilweise zurück wäre ja damit auch denkbar. Steckt wohl noch viel Arbeit drin…..

          • @Mika
            Manche Leute spotten ja, es gäbe mehr Anthropologen als fossile Artefakte.
            Schon Darwin hat die Lückenhaftigkeit der fossilen Ablagerungen beklagt.

            Was Afrika angeht, so ist der Kontinentalplattenbruch da im Nordosten eine absolut ideale Fundstelle, so dass das „out of Africa“ auch als Opportunistätseffekt gelten kann. Ist so als würde man seinen verlorenen Autoschlüssel nur an der doch entfernt liegenden Strassenlaterne suchen, da man ja in der Dunkelheit unbedingt Licht braucht, um diesem Witz hier anzubringen.

            Wichtiger ist aber, dass die humane genetische Vielfalt Afrikas den Urspung unserer aktuellen Menschenlinie des Homo sapiens nahelegt (der Rest der Welt hat demgegenüber eine unbedeutende Variabilität). Wo die alten Linien sich entwickelt haben und wo die eigentliche Menschwerdung der ganzen Gattung stattfand, kann heute niemand sagen, aber der Fund in Bayern lässt darauf schliessen, dass wir praktisch gar nichts wissen. Was einen immer freut, das verspricht jede Menge Arbeit & Entdeckungen 🙂

          • „Es gab wohl in Europa Fossilienfunde von aufrecht gehenden Vor-Menschen. Sind wohl 5-7 Millionen Jahre alt. Das soll der Out of Afrika Theorie widersprechen.“

            Mein Problem mit diesem Fund ist und bleibt:
            Es gibt keine Hinweise auf eine Verwandtschaft heutiger hominiden mit diesen Funden. Bzw.: Ich kenne keine, und nichts, was ich bislang dazu gefunden habe, belegt dazu irgend was.

            Zu OOA gibt es eine ziemlich umfangreiche Kette an kontinuierlichen weiterentwicklungen zum heutigen Menschen. Zu diesem Wesen, das da mal vor 5-7 Mio Jahren in Europa aufrecht gegangen sein mag, gibt es nichts vergleichbares.
            Das ist also in meinen Augen kein Vorfahre des Menschen, sondern ein ausgestorbenes Relikt.

    • @Semi
      Da wird nicht das X mit dem Y Chromosom verglichen, sondern das Y Chromosom mit dem Genon des Mitochondrium. Weil das Y nur in der männlichen Linie weitergegeben wird und die Mitochondrien (bzw deren Genom) nur in der weiblichen Linie. Also ist es so, wie du schon meinst, dass Chris *seinen* sexspezifischen Marker nur dann weiterreicht, wenn es einen Jungen gibt und andersherum Südländerin (irgendwie furchtbarer Begriff), wenn es ein Mädchen gibt. Unter dem Strich und über die Zeiten kommt es aber gar nicht auf das einzelne Individuum an, sondern nur was die Summe aller Individuen betrifft und dass die Nachkommenschaft generell im Geschlechter-Verhältnis 1:1 steht. So stellen sich dann theoretisch zwei Abstammungslinien dar, die ideal gesehen absolut ebenbürtig sein sollten.

      Das Problem: sie sind es gar nicht. Deren Vergleich ist schlimmer als der berüchtigte Apfel-Birne-Vergleich. Die Drift durch Mutation ist in beiden Genomen völlig unterschiedlich und gestattet gar keinen sinnvollen Vergleich, da man das Ganze überdies auch nicht sinnvoll mit der Zeit verbinden kann. Überdies ist die Annahme, dass es sich bei den Mitos um eine rein weibliche Linie handelt sehr fragwürdig und wahrscheinlich falsch. Die alte Grundannahme über Mitos war, dass diese sich nur teilen können. Aber genausogut fusionieren sie und dann findet auch genomische Rekombination statt. Mit anderen Worten, die männlichen Mitos haben da bestimmt reingepfuscht und wenn das auch wenig geschah, dann entwerten sie unseren rein weiblichen Marker.

      Man müsste andere geschlechtsspezifische Marker haben, um einen aussagekräftigen Vergleich zu wagen. Ich habe da keine Idee, was es sein könnte.

      • Danke für die Korrektur bzw. Ergänzung.
        Also: seit 2018 wissen „wir“ nun mit Sicherheit, dass das, was bislang für die rein-weibliche Vererbungslinie gehalten wurde, wahrscheinlich nur den Regelfall beschreibt, zu dem es aber Ausnahmen gibt.
        Vgl.
        https://taz.de/Vererbung-der-Mitochondrien/!5557011/
        https://www.spektrum.de/news/maennliche-mitochondrien-schreiben-lehrbuecher-um/1610296

        „Also ist es so, wie du schon meinst, dass Chris *seinen* sexspezifischen Marker nur dann weiterreicht, wenn es einen Jungen gibt und andersherum Südländerin (irgendwie furchtbarer Begriff), wenn es ein Mädchen gibt.“

        Hä?
        Gemäß dem Regelfall geben Mütter ihre sexspezifischen Marker doch auch an ihre Söhne weiter?

        • „Gemäß dem Regelfall geben Mütter ihre sexspezifischen Marker doch auch an ihre Söhne weiter?“

          Du hast einen doppelten Chromosomensatz (eine Hälfte von der Mutter, eine vom Vater). Das heißt bekanntlich bei Jungen bestehen die Geschlechtschromosomen aus einem Y und einem X-Chromosom. Das Y-Chromosom stammt zwingend vom Vater (die Mutter hat ja keines), das X-Chromosom stammt dann logischerweise immer von der Mutter.

          Oder habe ich deine Frage falsch verstanden?

          • Wir waren ja schon soweit, dass die Varianz von y nicht mit der von x, sondern mit der der mitochondrialen DNA verglichen wird – von der es nach überholter Überzeugung hieß, sie stamme immer (und nur) aus der weiblichen Vererbungslinie ab.
            Hieße vulgär-biologisch: Frauen pflanzen sich aus Sicht der „alten“ Wissenschaft (auf die sich wohl auch in diesem Buch bezogen wurde) in jedem Kind fort, Männer hingegen nur in ihren Söhnen.
            Und bei diesen Voraussetzungen sollen wir aber ganz eifrig nach einer irgendwie gearteten (sozialen) Erklärung dafür fahnden, warum sich denn „doppelt so viele“ Frauen als Männer fortgepflanzt hätten^^

          • @Semi
            „Hieße vulgär-biologisch: Frauen pflanzen sich aus Sicht der „alten“ Wissenschaft (auf die sich wohl auch in diesem Buch bezogen wurde) in jedem Kind fort, Männer hingegen nur in ihren Söhnen.“

            Ne ne, es ging immer nur darum, welche Vererbung *geschlechtsspezifisch* sei:

            Männer: Y-Chr
            Frauen: Mitos

            Obwohl die Frauen beide Nachkommengeschlechter mit ihren Mitos ausstatten und die Männer nur die männlichen Nachkommen mit ihrem spezifischen Merkmal ausstatten, wäre das für einen Vergleich absolut egal, denn die Kontinuität beider Linien durch die Generationen ist es, worauf es ankommt und die wäre gleichzusetzen.
            Wenn da nicht die ganzen Probleme im Kleingedruckten wären.

          • Ach so, ja klar, verstanden: eine Mutter gibt ihre geschlechtsspezifischen Marker zwar auch an ihre Söhne weiter, die dann aber – laut überholter Theorie bzw. im höchstwahrscheinlichen Regelfall – nicht mehr in die nächste Generation.

      • Stimmt, so ähnlich hätte ich das auch gedacht.

        Die mitochondriale DNA wird tatsächlich nicht nur über Frauen weitergegeben, da gibts Studien dazu:
        https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Mitochondriale-DNA-wird-auch-paternal-vererbt-230429.html

        Allerdings in geringem Ausmaß:

        „Dr. Shiyu Luo und Kollegen untersuchten drei miteinander nicht verwandte Mehrgenerationenfamilien und fanden bei Sequenzierungen der gesamten mitochondrialen DNA (mtDNA) bei insgesamt 17 Familienmitgliedern paternale mtDNA, die vom Vater stammte (PNAS 2018; online 26. November).
        .
        Der Anteil der väterlichen an der gesamten mtDNA betrug dabei zwischen 74 und 26 Prozent. Die biparentale Vererbung scheint dabei einem Vererbungsmuster ähnlich dem autosomal-dominanten Erbgang zu sein, so die Wissenschaftler.
        .
        Damit rühren die Forscher vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center an die wissenschaftliche Lehrmeinung, Mitochondrien würden nur maternal vererbt werden. „Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass es einige Ausnahmefälle gibt, in denen mtDNA über den Vater an die Nachkommen vererbt wird – auch wenn das zentrale Dogma der maternalen Vererbung der mtDNA valide bleibt“, schreiben die Forscher.“

        Ich würde mal spekulieren, dass das mit anormalen Samenzellen zusammenhängt, denn die Begründung für mitochondriale Vererbung ist ja m.W., dass nur der Kopf der Samenzelle in die Eizelle eindringt und dort wohl keine Mitochondrien sind (?), denkbar ist vielleicht auch noch, dass der Verschmelzungsvorgang umfassender ist, also mehr als nur der Kopf eindringt.

        Faszinierend, dass man in der Genetik (ähnlich zur Quantenwelt) nur noch mit Wahrscheinlichkeiten rechnen kann. Es gibt dort auch nicht die digitale Eindeutigkeit, die man manchmal gern hätte.

        Ich frage mich, ob dieser Effekt rausgerechnet werden kann, bzw. bei der Studie zum männlichen Fortpflanzungserfolg schon irgendwie Berücksichtigung fand oder ob der Effekt insgesamt zu klein ist, um eine Rolle zu spielen.

        • „„Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass es einige Ausnahmefälle gibt, in denen mtDNA über den Vater an die Nachkommen vererbt wird – auch wenn das zentrale Dogma der maternalen Vererbung der mtDNA valide bleibt“, schreiben die Forscher.““

          In Bezug auf Individuen gilt das „Dogma“ nach wie vor, als Grundregel. Aber je mehr Generationen betrachtet werden, desdo unbrauchbarer wird es! Weil schon ein einziges Rekombinationsereignis eines väterlichen Irrläufermitochondriums ausreicht, die mütterliche Mitolinie heftigst zu verändern.

          Und so gleicht sich am Ende alles aus. Was ja auch der ganze Sinn von der Rekombination und der ganzen Geschlechtlichkeit ist!

          • Was heißt ausgleichen? Dass die Varianz innerhalb der (rein) männlichen Vererbungslinien erheblich geringer ist, ist doch wohl ausgemacht? Nur den Rückschluss auf den geschlechtsspezifisch stark unterschiedlichen Paarungserfolg als (alleinige) Ursache darf man gepflegt ad acta legen?

          • @Semi
            Da ist gar nichts ausgemacht.
            Die Varianz kannst du gar nicht vergleichen. Für das Kerngenom ist zB eine Reparaturmaschine zuständig, die nahezu perfekt arbeitet, während diese Maschine der Mitos völlig degeneriert und einfach nur schlecht ist. Und deshalb ist es gar nicht übel, wenn – wenn es auch nur sehr selten ist – die maternale Linie mal mit der paternalen aufgefrischt wird.
            Die Mutationsraten in den Mitos sind so übel hoch, dass die Mutationsstellen schon wieder zurückmutiert sind, bevor eine Mutation im Kerngenom, im Y-Chromos. überhaupt erfolgen konnte!

            Die beiden Genome miteinander zu vergleichen, um zu den verschiedenen Fortpfanzungserfolg der Geschlechter einzuschätzen wäre so ähnlich als würde man von aussen auf Erde und Mars sehen und aus den sichtbaren Kratern beider Planeten folgern, dass nur der Mars von Meteoren getroffen und verändert worden ist.

          • „Die Varianz kannst du gar nicht vergleichen.“

            Wird sie aber (immer noch).
            Sonst wär doch inzwischen diese Vorstellung – von wegen „wir stammen von doppelt so vielen Frauen ab“ – ausgestorben, und man müsste sich vielmehr auf das beschränken, was heute sicher beobachtbar ist (soweit ich weiß: die Fortpflanzungsrate von Männern liegt im Schnitt zwischen 5 und 10 % unter der von Frauen)

          • Die Leute wollen selbst aus Steinen Milch rauspressen und irgendwelche steilen spannenden Thesen beweisen. Und nichts macht die Leute mehr an, als die Geschichten zur Entwicklung des Menschen. Also ist die Hartnäckigkeit, wie da an Mythen festgehalten wird zu erwarten.

    • Der große Vorteil von Sexueller Fortpflanzung gegenüber Zellteilung ist eine Durchmischung der Gene, wie sie bei Zellteilung eines Lebewesens nicht möglich wäre.

      Der Vater steuert ein X oder ein Y, die Frau eines von zwei **unterschiedlichen** X-Chromosomen bei. Der „Vorteil“ des Y-Chromosoms ist nur, dass man – für eine große Reihe an Genen – relativ sicher sagen kann, welches Gen von welchem Chromoson „wirkt“ (exprimiert ist).

      Steuert die Frau ein „rezessives X-Chromosom“ bei (was auch wieder eine grobe Vereinfachung ist, weil kein Chromosom an sich komplett rezessiv ist), kann der Vater auch einen „Fortpflanzungserfolg“ durch sein dominantes X-Chromosom haben, man kann es nur phenotypisch wesentlich schwerer feststellen.

      Richard Dawkins geht ja auch von der Idee der Egoistischen Gene aus, die quasi als Pendant zum „echten Lebewesen“ auch bestrebt sind, sich so gut wie möglich fortzupflanzen. Insofern ist es eh fraglich, inwiefern ein „ganzes“ Lebewesen einen Fortpflanzungserfolg erzielen kann, weil die Idee „Fortpflanzungserfolg“ auf Gen-Ebene viel mehr Sinn ergibt, zumal ja auch Gene nicht nur für sich wirken, sondern letztendlich in dem Verbund von 48 +/- 3 Genen.

  10. Die restlichen 65% der Männer mussten um die restlichen 30% Frauen buhlen.

    Ich bin noch nicht ganz durch, habe aber eine zentrale Frage:
    Wie kommt die auf die steile These, dass Männer grundsätzlich bereit sind, jede fruchtbare Frau zu besteigen? Verstehe ich nicht. Da gibt es doch Grenzen des Erträglichen, die ich zum Beispiel in meinem Leben fast nie überschritten habe – egal, mit wie viel Alkohol oder Drogen ich mich narkotisiert hatte. Das betrifft gleichermaßen Äußerlichkeiten wie Wesensmerkmale.
    Ich kenne auch viele andere Männer, die durchaus wählerisch sind. Die wollen zwar häufig stechen, aber nicht überall rein. Und bevor sie in der falschen landen, rubbeln sie ihre Spermien lieber ins Kleenex.

    Triebunterdrückung als Sublimation soll ja laut Freud ein Quelle der kreativen menschlichen Energie sein und damit der Besonderheit, dass eben nicht wie im Tierreich nur gerammelt, gegessen und geschlafen wird.

    • „Wie kommt die auf die steile These, dass Männer grundsätzlich bereit sind, jede fruchtbare Frau zu besteigen?“

      Weil sonst Meikes Theorie nicht funktioniert und du damit ein ganz mieser patriarchaler Giftzwerg bist! 🙂

      Ohne Scheiß: Sie glaubt, in dieser Konstellation der sexuellen Wahlfreiheit könnten sich 70% der Frauen fortpflanzen.
      Jetzt ist natürlich die naheliegende, deshalb gemeine Frage: Wo ist die Nachfrage höher und wo das Angebot knapper?
      Lass mal schauen: 35% der Männer und 70% der Frauen sollen sich fortpflanzen können.
      Preisfrage: Welches Geschlecht setzt seine sexuelle Selektionsstrategie durch?
      Ich tippe auf das „knappere Geschlecht“ und du?
      Wenn ich das knappere Geschlecht wäre und zufällig Mann, dann würde ich nach Alter, Attraktivität und Intelligenz aussuchen. Da ist „70% der Frauen“ vielleicht ein bisschen zu hoch angesiedelt… 😉

      • „Wie kommt die auf die steile These, dass Männer grundsätzlich bereit sind, jede fruchtbare Frau zu besteigen?“

        Männer sind nicht gleich, und irgendein notgeiler findet sich immer.

        • @JCD

          „irgendein notgeiler findet sich immer“ würde ich auch gar nicht bezweifeln.
          Nur müsste aus dem sexuellen Erfolg automatisch ein Reproduktionserfolg werden und das funktioniert so beim Menschen nicht.

        • @JC Denton:

          »Männer sind nicht gleich, und irgendein notgeiler findet sich immer.«

          Dieser »Notgeile« ist dann aber vermutlich nicht jener Qualitäts-Alpha, der Stoverock zufolge der bevorzugte Gegenstand weiblicher Wahl ist.

          • Rechtlicher Anspruch auf eine Samenspende klingt jetzt irgendwie komisch. Sie war/ist in Frankreich bisher nur Hetero-Paaren erlaubt, die durch Sex keinen Erfolg haben und ist jetzt auch alleinstehenden Frauen und Lesben erlaubt.
            Interessant dabei ist das sie eine genetische Datenbank aller bisher (noch immer anonymen) Samenspender anlegen wollen.

          • Können sich die angehenden Solomütter dann ihren Nachwuchs auch noch wunschgemäß konfigurieren, oder wie ist das zu verstehen? Meine bisher eher abstrakt zu verstehende Begrifflichkeit der „Herrenfrauen“ bekommt ja so eine greifbare Ausformung.

          • @Matze

            Rechtlicher Anspruch auf eine Samenspende klingt jetzt irgendwie komisch.

            Wieso das? Wie ist das denn anders zu bewerten?

            Das Gesetz sieht im Kern eine künstliche Befruchtung für alle Frauen unter 43 Jahren vor. Sie sollen sich künftig auf Kosten der Krankenkassen bis zu sechs Mal künstlich befruchten lassen können. Damit sollen alleinstehende Frauen sowie lesbische Paare ein Recht auf die sogenannte medizinisch assistierte Fortpflanzung (PMA) erhalten.

            https://www.deutschlandfunk.de/kuenstliche-befruchtung-mehrheit-der-franzosen-ist-fuer.795.de.html?dram:article_id=481550

            Das ist doch Matriarchat pur und der Start in die vaterlose Gesellschaft.

          • Steht doch da im Artikel. Der Schritt dahin ist dann nicht mehr weit. Eine eugenische Gesellschaft zur Erfüllung von Frauenwünschen. Vorbild könnten die Leitsätze der »Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene (Eugenik)« (1931/32) sein.

          • 10. Alle, die heiraten wollen, sollen gehalten sein, sich rechtzeitig durch einen sachverständigen Arzt (Eheberater) untersuchen und eugenisch beraten zu lassen. Menschen aus erbtüchtigen Familien sollen nur in erbtüchtige Familien heiraten und möglichst viele Kinder haben.
            11. Die Fortpflanzung von Menschen, von denen minderwertiger Nachwuchs zu erwarten ist, ist möglichst zu verhüten. Ein geeignetes Mittel, die Fortpflanzung Untüchtiger zu verhüten, ist die Sterilisierung (Unfruchtbarmachung), die mit Zustimmung der betreffenden Personen oder ihrer gesetzlichen Vertreter auszuführen wäre.

      • Also müsste ein erheblicher Teil von den 70% Frauen um Exemplare der 65% verbliebenen Männer buhlen – oder verbittert die Wechseljahre abwarten, was dann die eigentliche „Female Choice“ wäre. Denn die Premium-Stecher stellen ihr Gemächt nicht sieben von zehn Frauen zur Verfügung.

        Damit lösen sich Meikes Zahlen doch alle auf und sie könnte ihr Buch einstampfen lassen…

        • Es heißt zwar 80% aller Frauen wären auf die 20% der heißesten Männer scharf, aber das gilt umgekehrt auch.
          Nehmen wir doch eine Normalverteilung auf der Hotness-Skala an:
          68% aller Frauen sind zwischen 4-6, 16% zwischen 7-10.
          Wenn ich die 4-6 noch einmal verteile: 20% für jeweils 4,6 und 28% für die 5 dann befinden sich in 6-10 36% aller Frauen. Da wird es für eine 5 ziemlich eng, würde ich sagen.

          • “ aber das gilt umgekehrt auch.“

            Ich denke, das ist nicht so einfach zu spiegeln.

            Sicher findet jeder Mann eine 9 schärfer als eine 5.

            Aber eine männliche 5 findet eine weibliche 5 aufrichtig begehrenswert. Umgekehrt gilt das nicht.

        • In die Selektion spielt das Alter der Frauen dann ja auch noch massiv rein, hier mal quantitativ darstellt, auf was die Alpha sich konzentrieren werden:

          Es wird eine kurze Bindungsphase geben und dann ist der Alpha wieder weg, auf zu frischen Weidegründen. Wahrscheinlich läuft das ganze dann auch Mehrgenerationenhäuser hinaus, damit die alten Frauen nicht alle alleine als Single alte werden müssen, mit den eigenen minderwertigen Söhnen als Haussklaven, aber ganz empathisch und so.

          • Ich denke, da braucht man nicht zu spekulieren. Irgendwo ist ja schon das Datingverhalten eines klassischen Alphas heutzutage gepostet worden. Ich meine Leonardo DiCaprio. So weit ich da das gesehen habe, seine Zielgruppe der Partner sin Frauen so um die 25 Jahre und das hat er auch mit 45 Lebensjahren konsequent eingehalten.
            Also ….

    • @Beweis
      „Wie kommt die auf die steile These, dass Männer grundsätzlich bereit sind, jede fruchtbare Frau zu besteigen? Verstehe ich nicht. Da gibt es doch Grenzen des Erträglichen, die ich zum Beispiel in meinem Leben fast nie überschritten habe ….“

      Ja, DU. Das sind DEINE Massstäbe. Und solche eigenen Massstäbe hat jeder Mensch.
      Von aussen betrachtet, sieht es so aus, als bleibe eigentlich niemand partnerlos.
      Wie geht das alles zusammen?
      Neben dem Sexualtrieb scheint die Natur dem Menschen noch mit einer Krücke ausgestattet zu haben, die dem doch sehr hirnlastigen Wesen über die Geschlechtlichkeit auch ins Geistige transportiert. Diese menschliche Eigenschaft ist natürlich die Liebe!

      Und von der weiss man, dass sie das Materielle tatsächlich soweit hinter sich lässt, wie die Genderleute das mit der Geschlechtlichkeit gerne hätten.

      Der grösste Dichter der Liebe (Leila & Madschun) wurde vom Sultan eingeladen, damit er seine Frau sähe. Er war tief enttäuscht über das, was er sah und musste einsehen, dass es „ein geistiges Auge“ war, dem Dichter zu eigen.

      • @Alex

        Ich bin ja ein großer Verfechter der Power of Love. Sie hält mich gesund, erfüllt mich mit Glück und Lebensfreude und kann alles in rosarote Watte packen.
        Als Hetero erlebe ich aber zu einzelnen Frauen eine andere Form der Liebe als zum Beispiel zu meinem besten Freund, meiner Mutter oder meinem Kind. Auch liebe ich Kartoffeln.
        Dass meine Liebe zu einzelnen Frauen zeitweise so einzigartig war, hat auch mit dem Materiellen zu tun – ein multifaktorielles Geschehen.

        Wenn also eine Frau übelst aus der Seele stinkt, kann der Funke nicht überspringen – egal, wie groß die Zündkerze ist. Und auch bei Äußerlichkeiten gibt es Grenzen.

        Ich denke, es geht sehr vielen Frauen und Männern wie mir. Wobei wir als Männer das Glück haben, dass bei der geschlechtlichen Form der Liebe nur Wesen und Material hineinspielen, bei Frauen hingegen meist zusätzlich noch der Status.

        • Naja, Liebe ist eben weniger ein Natur- als ein Sozialprodukt. Was als begehrenswert galt und gilt unterliegt durchaus Schwankungen. Auch sexuelle Erregung dürfte im Falle eines Urlaubs*** eine andere sein, als nach jahrelanger Suche nach der richtigen und den damit verbundenen Verpflichtungen. Dass wir eben nur als extrem-soziale Wegen überlegen können lässt uns unsere „Liebesinvestition“ immer im Kontext der sozialen Überlebenswahrscheinlichekit sehen – schliesslich pflanzen sich auch Omas und Opas, Tanten und Onkels und Cousinen in meinem Kind fort. Das kommt hier kaum vor. Mir ist das alles zu viel „invidivualistischer Sozialstaat“. Ich kümmere mich um meine naTürlichen Gefühle und die materielle Versorgung übernimmt Übervater Sozialstaat. Das ist aber nicht EEA.

  11. Vielen Dank und ich bin schon auf den zweiten Teil gespannt.

    Nach dem was ich bisher gelesen habe, gehe ich davon aus dass die gute Meike etwas unterkomplex argumentiert. Naturrechtlich lässt sich „female choice“ in keinem Fall ableiten. Dies wäre nur gegeben, wenn frau „fest eingebaute“, also körperliche Möglichkeiten hätte, Befruchtung und Schwangerschaft zu verhindern.

    Hat sie aber nicht. Dem gegenüber hat der Mann allerdings die körperliche und hormonell-handelnde Überlegenheit und eine autonome Ejakulationsfähigkeit.

    Eine gesellschaftliche Normierung und kulturelle Einhegung der Sexualität ist daher im Interesse der Frau und nicht des Mannes.

    • Eine gesellschaftliche Normierung und kulturelle Einhegung der Sexualität ist daher im Interesse der Frau und nicht des Mannes.

      Sehr interessanter Aspekt, den ich noch nicht auf dem Radar hatte. Das könnte auch ein Grund für die feministische Sexualisierung des Mannes sein und die vorgebliche Angst davor (Frauenparkplätze, Frauenschwimmen etc.), die sich real nicht begründen lässt.
      Also ist das im Grunde eine Angst der Frauen vor sich selbst und der Tragweite einer Befruchtung.
      Kenne ich von einer Bekannten, die ihre Mitverantwortung für konsensuale Kopulation stets brüsk zurückweist. („Der hatte mich mehrfach eingeladen und so süße Komplimente gemacht, da konnte ich nicht anders“).
      Weitergedacht wäre das auch die Erklärung dafür, warum einvernehmlicher Sex oft als Rape Culture interpretiert wird. Jetzt geht mir sogar ein Licht auf, was Alice Schwarzer damals gemeint haben könnte, als sie meinte, Sex zwischen Mann und Frau sei immer Vergewaltigung.

  12. Danke für die Ausarbeitung.

    „das seine innere Natur nur dann zu zähmen vermag, wenn es von einer Frau als Sexualpartner erwählt wurde“

    Das ist ja eine immer wieder anzutreffende weibliche Powerphantasie (oder wie soll man das nennen), das erst eine Frau einen Mann zum vollständigen Menschen/Wesen macht, das er ohne sie unfertig ist. Das ein Mann eine Frau an seiner Seite hat oder schon mal hatte ist für Frauen auch sehr wichtig, wie eine Art Gütesiegel. Auf einen Incel hingegen oder jemanden der einfach keine feste Freundin haben will, werden hingegen schnell alle möglichen Ängste projiziert.

    „Bei den Frauen stößt die polygyne Ehe auf wenig Gegenliebe. Sie ziehen es vor, einen Mann für sich zu haben.“

    Ist auch verständlich. Wenn er die Auswahl hat, muss er sich ihre gegenwärtigen Zickerein nicht antun und kann sich die Liebe bei einer andern Frau besorgen.

    Was mich noch interessiert:
    Geht sie irgendwie darauf ein wie die Alpha-Männer bestimmt werden sollen?
    Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten oder soll das alles schön genetisch festgelegt sein?
    Soll dann auch jede Forschung und Hilfe um unfruchtbare Frauen wieder fruchtbar(er) zu machen eingestellt werden oder hat sie die Hoffnungslosigkeit auf Fortpflanzung nur für statusniedrige Männer vorgesehen?

    • @Matze:

      »Geht sie irgendwie darauf ein wie die Alpha-Männer bestimmt werden sollen? Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten oder soll das alles schön genetisch festgelegt sein?«

      Sie sieht Kriterien wie den Jagderfolg anscheinend nur als Indikator für genetische Fitness. Wahrscheinlich hätte sie auch gegen den Kriterienkatalog der Evolutionspsychologie (Hip-Waist-Ratio, Gesichtsform, Muskeln etc.) keine Einwände.

      Interessanterweise unterstellt sie dann aber, das Männer von der Verlagerung der Kriterien auf die fortgeschrittenen Technologien des Neolithikums (Handwerkskunst etc., genau sagt sie es nicht) besonders herausgefordert waren. Warum das so sein sollte, sagt sie aber nicht. Natürlich kann in einer entstehenden komplexen Arbeitsteilung nicht jeder alles oder alles gleich gut, aber eben darum gibt es ja berufliche Spezialisierungen, der Zimmermann ist dann eben auf einem anderen Gebiet gut als der Töpfer.

      Sie verbrät einfach ein frühgeschichtliches Halbwissen, ohne sich darüber informiert zu haben, was in den jeweiligen Fachdisziplinen eigentlich als »Stand der Forschung« gilt. Bei der Masse an Weblinks, die sich in ihrem Literaturverzeichnis finden, habe ich ohnehin den Eindruck, dass sie eher den Stand des populären Wissenschaftsjournalismus wiedergibt anstatt des Stands der Wissenschaft.

  13. An dieser Aussage stosse ich mich.
    „(…) sich sexuell fortpflanzenden Spezies – praktisch durchgängig auf dem Prinzip der »Female Choice« beruht (…). Drittens überträgt sie dieses Prinzip auf den Homo Sapiens“.
    NEIN!
    Sie überträgt nicht, sondern sie schliesst nicht davon aus.

  14. Das Naturgesetz der Gravitation übertrage ich nicht von Europa auf Australien, sondern ich schliesse auch Australien nicht von der Gravitationstheorie aus, sondern glaube fest, dass es auch dort Erdanziehung gibt.

    • In Ordnung! In diesem Fall plädiere ich dafür, Australien von der Gravitation auszuschließen! 🙂

      Scherz beiseite – in diesem Fall ist es genau das, was ich kritisiere: ich muss homo sapiens genau darum vom Prinzip der Female Choice im Sinne der Autorin ausschließen, weil das auf der Identifikation genetischer Fitnessindikatoren beruhende System zwar nicht ausgelöscht, aber überlagert wird von einem System, in dem es auf ökonomische Leistungsfähigkeit ankommt.

      Anders formuliert: die genetische Fitness kann bei homo sapiens erst dann zum Tragen kommen, wenn die »ökonomische Fitness« ihre Schuldigkeit bereits getan, nämlich die Nachkommen ins geschlechtsreife Alter hinübergerettet hat. Die ökonomische Fitness wiederum ist eine Funktion teils der ökologischen Gunstlage, teils (um die Chancen/Herausforderungen der ökologischen Nische faktisch nutzen/bewältigen zu können) der »kulturellen Fitness«, das wäre dann die Qualität der Bildung.

      Und auf epigenetischem Wege kann die Qualität der Ontogenese, das heißt, des individuellen Aufwachsens, mutmaßlich auch direkt die genetische Fitness beeinflussen.

      Das heißt, die genetische Fitness von homo sapiens wird von mehr und anderen Faktoren beeinflusst als nur der Female Choice.

      • Ich glaube, auf dieses Misverständnis kann man noch viel grundlegender antworten. Florian, ebenso wie die Autorin, gehen davon aus, dass reine Female Choice überall im Tierreich gelten würde – und das stimmt halt einfach nicht. Abgesehen von Haremsbildungen wie bei Löwen, bei denen der Zugang zu Weibchen im Grunde rein unter den Männchen ausgemacht wird, ist es auch so: in dem Maße, in dem die Männchen ebenfalls Ressourcen in die Aufzucht stecken, wählen sie auch, um sicherzugehen, dass sie auch in die richtigen Nachkommen investieren. Es ist also nicht so, dass alle Tiere reine Female Choice haben, und nur Menschen haben plötzlich ein neues Konzept entwickelt. Vielmehr ist es ein graduelles Kontinuum, in dem der Anteil des Male Choice mit dem Anteil des männlichen Beitrags zur Kinderaufzucht korreliert. Menschen sind einfach nur an einem Ende des Spektrums, weil Menschenkinder eben so unglaublich lange unglaublich viele Ressourcen brauchen. Ein Mann *könnte* die Frau sofort nach dem Sex/dem Beginn der Schwangerschaft sitzen lassen und sein Glück bei der nächsten versuchen, und auf diese Weise sehr viele Kinder zeugen. Aber in einer Welt, in der man morgens nicht weiß, ob man heute was zu Essen bekommt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder überleben und sich ihrerseits zu erfolgreichen Erwachsenen entwickeln, sehr gering. Da ist es die bessere Strategie, mit nur einer Frau wenige Kinder zu zeugen, dann aber sicherzustellen, dass man diese auch gut durchbringt.
        Ich verstehe aber, dass das Konzept der reinen Female Choice der Autorin so einleuchtend vorkommt. Als junge Frau, die halbwegs OK aussieht, macht man die Erfahrung, dass viele Männer Sex mit einem wollen und man viele abweisen muss. Was sie übersieht ist, dass zu dem Zeitpunkt die Male Choice schon längst stattgefunden hat: nämlich wen die Männer überhaupt ansprechen. Hässliche und alte Frauen haben eben keine große Auswahl, sondern müssen nehmen, was übrig bleibt, oder alleine bleiben. Um das zu erkennen, müsste die Autorin aber fähig sein, sich vom eigenen Bachnabel zu lösen, und das große Ganze in den Blick nehmen, statt nur aus der eigenen, beschränkten Perspektive aus zu denken.

        • Ich denke das Buch ist ein Versuch das tatsächlich erlebte Male Choice zu verarbeiten bzw. neu zu denken. So weit ich das mitbekommen habe, hat die Dame nach einigen Eskapaden ihren Ehepartner verloren, der sich einer jüngeren Dame zugewandt hat. Jetzt am Ende des Intervalls in dem der eigene SMV was wert war, ist es ein Versuch in dem Dschungel der kulturellen/biologischen/evolutionären und sonstigen Pfade einen zu finden, der den eigenen Vorstellungen am besten entspricht. Dabei ist die Dame so scheint es verloren gegagngen.

    • Die einzige Sache, die wirklich zu beanstanden wäre ist die Schreibweise „Homo Sapies“, die einfach nur falsch ist, der Artname ist immer klein zu schreiben. Sorry, für die Pedanterie, aber das wäre wirklich schön nachträglich zu verändern, wertet den guten Aufsatz nachhaltig auf! Hat er verdient!

      • @Alex:

        Oh, da ist mehr als eine Schlamperei drin, die mir erst nachträglich auffällt – die vergessene Literaturangabe zu Lévi-Strauss, beispielsweise, das ist die Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft-Ausgabe von »Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft« … 🙂

  15. Ich finde es schon seltsam, dass Stoverock bei Polygynie zwangsweise eine weibliche Entscheidung sieht. Ich hätte aus dem Bauch heraus eher gesagt: ein Mann, der seine männliche Konkurrenz klein halten kann, macht sich auch die Frauen, die er für sich beansprucht, gefügig. Die Frau dürfte sich ihrem Schicksal in einem solchen Fall fügen, weil sie ohne den Schutz des stärksten Männchens wesentlich schlechtere Überlebenschancen für sich und für ihre Nachkommen hätte. Da ist nicht gerade viel Platz für „female choice“.

    Oder mißverstehe ich da ihre Darstellung?

    Die Ausführungen von djadmoros sind aber vermutlich weit näher an der komplexen sozialen Realität.

    • Die Polygamie war wohl beim Adel recht beliebt, seit frühester Zeit, steht schon in der Bibel. Ob die Frauen gefragt wurden, bezweifle ich aber stark.
      Der normalo Bauer, oder Handwerker bekam eine Frau ab und fertig. Selbst wenn das in der Steinzeit mal anders war, die Monogamie hat sich als Erfolgsmodell entwickelt. Warum sollten die Frauen in primitive Zeiten zurück wollen? Obwohl, ein Teil wird so doof sein…..

    • @Androsch Kubi:

      »… ein Mann, der seine männliche Konkurrenz klein halten kann, macht sich auch die Frauen, die er für sich beansprucht, gefügig.«

      Bei dem von mir zitierten Günter Dux finden sich tatsächlich auch Hinweise darauf, dass !Kung-Männer ihre Ansprüche gelegentlich auch mit Gewalt durchsetzen. Andererseits genießt auch die verheiratete Frau noch den Schutz ihrer elterlichen Sippe, also kann sich ihr Gatte auch nicht alles herausnehmen, ein gewisses Gleichgewicht bleibt da schon gewahrt.

      Generell projiziert Stoverock viel zu sehr moderne individualistische Vorstellungen in die Vergangenheit und unterschätzt die Rolle der »Blutsverwandtschaft«: die kleinste soziale Einheit ist in vormodernen Zeiten nicht das Individuum, sondern der wie im einzelnen auch immer strukturierte Familienverband (der auch matrilinear sein kann wie bei den Irokesen), bzw. das »Verwandtschaftsatom«, das Lévi-Strauss an der Wurzel der Heiratsregeln identifiziert.

      • Danke.

        Man hat fast den Eindruck, als ob Stoverock zu einem guten Teil „biologistisch“ argumentiert, um ein Bild zu erzeugen, welches zu ihren individualistischen Vorstellungen und ihrer Wunschentwicklung passt 🙂

  16. Ihr lest alle einen Kram. Wenn ich das tun würde, hätte ich wenig interessante Bücher gelesen. Für mich gilt, dass ich nicht an einem Hundescheisshaufen riechen muss, um zu wissen, dass er stinkt.

      • Fandst du denn das Buch als Buch interessant oder die eine oder andere darin enthaltene unbeabsichtigte Selbstauskunft der Autorin? 😉

      • Ich wollte auch eher meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, dass man sich selbst so quälen kann, indem man sich so einen Lesestoff zu Gemüte führt. Ich habe mich auch immer standhaft geweigert, „Das Kapital“ zu lesen, auch wenn man sagt „know your enemy“. Aber wenn Du anderen die Munition lieferst, um den Genderspinnern in den Hintern zu treten, dann frisch ans Werk.

    • Ist doch praktisch, wenn djadmoros das liest und bewertet, er kann es besser einordnen als wir (zumindest als ich) und es könnte wichtig werden, das ein- oder andere Argument gegen Stoverocks Darstellungen zu haben.

      Die Frauen- und Genderbewegung ist mit wissenschaftlich erscheinenden Werken nicht gerade gesegnet, weshalb wir das vorliegende Buch vermutlich demnächst noch öfter unter die Nase gerieben bekommen werden… jede Wette.

  17. Out of Afrika, ich hätte da mal eine Frage an die Experten.

    Sind die Schwarzen ausgewandert und wurden hellhäutig? Das soll angeblich in wenigen 1000 Generationen schwierig zu erklären sein.
    Oder waren die Menschen eher hell und wurden erst später dunkler?
    Gibt es da Theorien abseits von Rassismus?
    Ich finds einfach interessant. Und was ist mit den Neandertaler Genen bei den Eurasiern, die Afrikaner nicht haben?

    • Das ist ganz simpel: ein Mutationstreffer in einem Gen der Herstellung, Transport oder Einlagerung des Melanins und schon hast du Aufhellung, milden „Albinismus“, helle Haut, Ist in nördlicheren Breiten ein Vorteil.

      Die blauen Augen zB sind eine ganz bestimmte Punktmutation, die nur einmal vorkam, da so unwahrscheinlich (vor ein paar tsd. Jahren im Baltikum).

      Die Fähigkeit auch nach dem Säuglingsalter Milch zu verwerten, ist einem Defekt in der Regulation des Schlüsselenzyms zu verdanken, die 3mal entstand, 2mal in Afrika, 1mal in Europa.

      Das mit den Neanderthal-Genen ist wohl alles Unsinn, mMn.

      • Danke.

        Also einige zufällige Mutationen und schon haben wir „Rassen“.
        Scheint dann wohl auch der Grund zu sein, warum Indianer keinen Alk vertragen. Und mit meinen blauen Augen habe ich dann wohl einen genau bestimmten UrUr……Goßvater

  18. Warum interessiert sich hier eigentlich niemand für die tiefenpsychologischen Implikationen?

    Es ist doch bekannt, daß viele Feministinnen als Kinder sexuell mißbraucht wurden und daher ihr paranoides Männerbild rührt.

    Genau diese Kindheitssituation vermittelt uns die Autorin mit ihrem Machwerk. Natürlich ohne es selbst zu registrieren.

    Männer sind geile Sexmonster und tendieren zur Gewalt, wenn sie keinen Sex kriegen. Wollen Frauen kontrollieren. Die Utopie, das Ideal: Starke überlegene Frauen, die Sex nach Gusto haben, einen Großteil der Männer schlicht entsorgen..

    Eine schöne Utopie für ein Mädchen, das vom Vater sexuell mißbraucht wird.

    Mich wundert diese Unfähigkeit, so einen Schrott symbolisch zu entziffern. Menschen schreiben nicht aus Spaß so einen Unsinn, auch die anderen Feministinnen. Dieser Schrott basiert auf unaufgearbeiteten Kindheitskomplexen.

    Valerie Solanas wurde von ihrem Vater sexuell mißbraucht.

    http://www.alice-miller.com/de/feminismus-marxismus-und-kindheit/

    • @Gendern, bis der Arzt kommt:

      »Warum interessiert sich hier eigentlich niemand für die tiefenpsychologischen Implikationen?«

      Weil »tiefenpsychologische Implikationen« eben nicht überall impliziert sind. Es trifft zu, dass einige der prominenten Feministinnen Missbrauchserfahrungen hatten, wenngleich nicht immer in der Kindheit, und es bietet sich an, deren Männerhass auch psychodynamisch zu erklären. Aber auch nicht jede psychodynamische Erklärung setzt eine Missbrauchserfahrung voraus – auf diesem Feld der Erklärungsansätze kämpfen unterschiedliche therapeutische Sekten untereinander um den rechtgeleiteten Pfad zum Seelenheil ihrer Klienten.

      Für wichtiger halte ich, dass die Autorinnen der ersten Stunde zwar aus ihren speziellen psychischen Quellen einen bestimmten Diskurs, eine bestimmte Erzählung »stiften«, dass dieser Diskurs aber, wenn er einmal installiert ist, ein Eigenleben annimmt, bei dem keine Reproduktion der psychischen Quellen mehr erforderlich ist. Sondern der Diskurs konstituiert dann ein »Feld« im Sinne Bourdieus, in dem eine bestimmte Sorte von Bildungskapital investiert werden kann, um innerhalb des Feldes eine anerkannte Position zu erlangen. Die Prämie einer Reproduktion des Diskurses ist dann keine psychologische Prämie im Sinne einer Verarbeitung psychischer Konflikte mehr, sondern eine soziale Prämie, die in Anerkennung innerhalb des Feldes und im besten Fall obendrein in Zugang zu materiellen Ressourcen (Fördergelder, Professuren, Buchtantiemen etc.) besteht.

      Bei bereits etablierten Diskursen ist diese soziologische Erklärung üblicherweise hinreichend. Es kann natürlich auch wieder eine psychische Motivation hinzukommen, aber im Fall Stoverock haben schon mehrere Kommentatoren darauf hingewiesen, dass diese bei ihr in enttäuschter Mutterschaft bestehen dürfte.

      »Dieser Schrott basiert auf unaufgearbeiteten Kindheitskomplexen.«

      Das ist Dein persönliches Glaubensbekenntnis, mit dem Du Deiner therapeutischen Religionsstifterin folgst, auf deren heiligen Schriften Du pflichtschuldigst verweist. Forschungsmethodisch ist das in der Art, wie Du verallgemeinerst, äußerst fragwürdig. Also tu Dir selbst einen Gefallen und lass‘ Dir von Onkel djads soziologischem Exorzismus den Dämon des psychologischen Reduktionismus austreiben! 🙂

      • Es geht hier um das symbolische Bild, das viele Feministinnen mit ihren Narrativen erzeugen. Und diese paranoiden, sexualtraumatischen Narrative müssen ja irgendwo herkommen.

        Normale Frauen denken sich so etwas nicht aus.

        Dir fehlt es an tiefenpsychologischer Erfahrung. Offenbar hast du noch kein einziges Buch oder einen Text von Miller gelesen.

        Das solltest du erst mal tun.

        • @Gendern, bis der Arzt kommt:

          »Dir fehlt es an tiefenpsychologischer Erfahrung. Offenbar hast du noch kein einziges Buch oder einen Text von Miller gelesen. Das solltest du erst mal tun.

          Bist Du sicher, dass Du eine Miller-Rezension von mir lesen willst? 🙂

          • Ich schließe mich an.
            Ich bin mir ganz ganz sicher, dass ich eine Miller-Rezension von djad lesen möchte.

            🙂

          • Danke für euer Vertrauen! 🙂 Ich habe mir jetzt mal das von Kirks Wiedergänger »Gendern …« empfohlene »Am Anfang war Erziehung« geordert. Ich muss mir aber acht bis zwölf Wochen Zeit dafür ausbedingen, weil ich auch noch andere Aufgaben in der Pipeline habe.

            Wenn ich in einem Vierteljahr nicht liefere, dürft ihr mir »in den Arsch trappen«, wie der Schwabe sagt! 🙂

          • „Ich habe mir jetzt mal das von Kirks Wiedergänger »Gendern …« empfohlene »Am Anfang war Erziehung« geordert.“

            Ich habe die Bücher von Alice Miller in meiner Jugend intensiv gelesen. Das ist doch einige Jahrzehnte her, aber im Grunde geht es um die Kernaussage der frühkindlichen Prägung durch körperliche oder psychische Gewalterfahrung.

            Vom Tenor her wird psychoanalytisch argumentiert (auch wenn sich Miller später von der PA distanziert hat). Tatsächlich aber kann die Verbindung zwischen solch frühen Erfahrungen und späteren Lebenshaltungen in fast jeder Therapierichtung postuliert und (teilweise) behandelt werden.

            Wesentlich ist doch immer die Richtung der Ursache: Das Kind nimmt eine negative Erfahrung mit in sein späteres Leben und und versucht den inneren Konflikt (häufig inadäquat) zu lösen. Ob dabei Feministinnen herauskommen, kann ich nicht so recht sagen.

            Der Umkehrschluß aber, dass aber eine Feministin *immer* eine Gewalterfahrung in ihrer Kindheit hatte, erscheint mir nun wirklich nicht angebracht. Ganz so einfach ist es nicht.

            Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, eine Besprechung dieses recht alten Buches hier lesen zu dürfen.

          • @ Djadmoros

            „Ich habe mir jetzt mal das von Kirks Wiedergänger »Gendern …« empfohlene »Am Anfang war Erziehung« geordert.“

            Ist m.E. ein gutes Buch. Alice Miller ist m.E. auch generell lesenswert.

            Ist halt nur doof, wenn man wie Kirk überhaupt keine anderen Tiefenpsychologen oder überhaupt Psychologen liest.

            Freud, Adler, Jung, Reich, Rank, Klein, Fromm, Horney (um nur ein paar der älteren Klassiker zu nennen) sind ja z.B. ebenfalls alle lesenswert.
            Das Problem fängt halt da an, wo man sich völlig auf einen von ihnen fixiert. Dann ist man natürlich blind für die Teilwahrheiten anderer tiefenpsychologischer/psychologischer Autoren und ebenso blind für die Fehler des einen Autors, auf den man sich fixiert hat.

            Im Falle von Kirk würde ich aber ohnehin empfehlen, dass er mal ein allgemeines Lehrbuch der Psychologie liest und sich mit dem Forschungsstand in verschiedenen Forschungsbereichen der Psychologie etwas vertraut macht und danach erst wieder zur Tiefenpsychologie zurückkehrt.

            Die Klassiker der Tiefenpsychologie sollten m.E. stets im Lichte des aktuellen empirischen Forschungsstandes neu-interpretiert werden, wie es z.B. die empirisch-orientierte tiefenpsychologische Entwickungspsychologie oder die Neuro-Psychoanalyse im Falle von Freud getan haben.

          • @Leszek:

            Hallo Leszek! Schön, dass es Dich noch gibt! 🙂

            »Das Problem fängt halt da an, wo man sich völlig auf einen von ihnen fixiert. Dann ist man natürlich blind für die Teilwahrheiten anderer tiefenpsychologischer/psychologischer Autoren und ebenso blind für die Fehler des einen Autors, auf den man sich fixiert hat.«

            In der Tat! Eine mögliche Arbeitshypothese wäre, dass ich am Ende nicht Miller kritisiere, sondern bloß »dem Gendern seinen« Umgang mit ihr …

      • „… dass dieser Diskurs aber, wenn er einmal installiert ist, ein Eigenleben annimmt, bei dem keine Reproduktion der psychischen Quellen mehr erforderlich ist. Sondern der Diskurs konstituiert dann ein »Feld« im Sinne Bourdieus, in dem eine bestimmte Sorte von Bildungskapital investiert werden kann, um …“

        Einfach nur genial. Ich würde dies ausdehnen auf den feministischen Diskurs über die eigenen Missbrauchs-Erfahrungen als Frau und Opfer.

    • Solche Verallgemeinerungen sind leicht angreifbar, weil sie oft nicht zutreffen und außerdem können sie zum Bumerang werden!

      Stell dir vor 2/3 der Frauen äußern in einer manipulativen Umfrage, dass sie feministischen Zielen zustimmen, dann fehlt nur noch jemand vom Schlage Alice Schwarzer, die folgerichtig zu dem Schluß käme, dass 2/3 aller Frauen in der Kindheit sexuell mißbraucht worden sein müssen. Davon abgesehen wird dadurch jeder Vater einer Feministin zum Verdachtsfall, selbst wenn er mit dem Hirndurchfall seiner Tochter gar nichts zu tun hat.

      Auf eine radikale Minderheit mag deine Behauptung zutreffen, bei anderen ist es Unzufriedenheit, etwa weil sie lesbisch sind und daher abseits der Männerversorgung bleiben bzw. selbst leisten müssen. Wieder andere sind nicht zum logischen Denken fähig und gehen in die klebrigen Spinnennetze feministisch-rabulistischer Agitation, die ja im ersten Augenblick durchaus überzeugend wirken kann, schon weil sie mit selektiven Statistiken omnipräsent ist und kaum jemand sich öffentlich traut, zu widersprechen. Wenn man ständig eingeredet bekommt, man sei benachteiligt, und keiner widerspricht, dann kann man schon anfangen, den Unsinn zu glauben. Zumal es halt immer Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt und geben wird…

      • Irrtum. Sie sind lesbisch, gerade weil sie als Kind mißbraucht wurden. Aber dazu müßte man in der Lage sein, „Homosexualität“ kritisch zu hinterfragen.

        Dein Zwei-Drittel-Beispiel ist ignorant, weil es nicht um normale Frauen, sondern eben um Feministinnen geht.

        Der Vater ist bei Feministinnen IMMER das Problem. Jedenfalls so gut wie immer. Genauso wie viele „Maskulisten“ traumatische Erfahrungen hinsichtlich ihrer Mütter haben und daher besonders sensibel auf den heutigen Frauenkult reagieren. Völlig zurecht.

        Entscheidend ist eben, wie man mit so einer Kindheit umgeht. Wählt man den Weg der Ideologie und haßt alle Frauen, wie das am rechten Rand der Männerbewegung häufiger mal vorkommt.

        Oder ist man in der Lage zu differenzieren und setzt sich mit seiner Kindheit auseinander.

        Ich bin nicht naiv. Das Thema Kindheit ist sehr tabuisiert. Mir ist schon klar, daß ich mich da leicht zum Affen mache. Aber statt mir pauschal einen Psycho-Kult zu unterstellen, sollte man sich mal seriös mit den Ansichten Millers auseinandersetzen.

        Das geht letztlich aber nur, wenn man bereit ist, sich selbst und seine Kindheit zu hinterfragen.

        Ein guter Einstieg ist das Buch „Am Anfang war Erziehung“.

        • Hey Gendern,

          Djadmoros und andere haben doch die Fehler in deiner Argumentation klar herausgearbeitet.

          Um mal symbolisch zu sprechen: Sie haben dir gezeigt, dass man neben einem Hammer und Nagel auch einen Tacker oder Kleber benutzen kann um zwei Stücke zu verbinden. Niemand hat behauptet, dass ein Hammer niemals das geeignete Werkzeug ist – ab und an hilft der Hammer, aber doch nicht bei jeder Problemstellung und nicht bei jedem Schritt der Problemlösung…

          Deine Argumentationskette ist schlich zu monokausal um die Realität abbilden zu können.

  19. Großen Respekt und ein großes Dankeschön für diese Rezension!

    Als nächstes müsstest Du mit Stoverock im ÖRR über ihre Thesen debattieren 😉

    • @Renton:

      Danke! 🙂 Wenn es im ÖRR mit rechten Dingen zugehen würde, hätte schon längst jemand anderes einen Verriss geschrieben und wäre zum Disput geladen worden …

  20. Dank für die ausführliche Textanalyse, die ich nicht wirklich an allen Stellen verstanden habe – dazu bin ich zu wenig Wissenschaftler.

    Zwei Punkte sind mir dennoch besonders aufgefallen:

    Als Resultat der »Familialisierung des Mannes« am Beginn der kulturellen Evolution entsteht somit tatsächlich ein spezifisches »männliches Bedürfnis« – das Bedürfnis nämlich, ein guter Versorger von Frauen und Kindern zu sein, denn dieses Bedürfnis ist die kulturelle Form, die das biologische Bedürfnis nach Sex beim Kulturwesen Homo Sapiens annimmt.

    Finde ich bemerkenswert, wenn ich in mich selbst und meinen Bekanntenkreis schaue. Sozusagen irren wir nach der Familiengründung nicht mehr durch die Straßenschluchten, um die Frauen unserer Träume zu finden und aufzureißen, sondern wir finden Erfüllung und Lebenssinn darin, unsere Liebsten zu versorgen und zu beschützen. Wir sind mutiert. Wenn die Frau dann die Kinder nimmt und uns verlässt, gehen wir nicht wieder auf die Pirsch, sondern enden vorzeitig mit der Pulle in der Hand unter der Brücke.
    Wir agieren im Gender-Reigen inklusiv und denken im Unterschied zu den Feministen gleichermaßen an Kinder, Frauen und Männer. Deswegen ist der Maskulismus im Vergleich zum Feminismus nie wirklich stark geworden. Er polarisiert nicht, weil das gegen unsere Natur wäre.

    Männer, die keinen oder nicht genug Zugang zu Sex haben, reagieren mit Aggression, darin unterscheiden sich Menschen nicht von Tieren.

    Diese Behauptung der Autorin reiht sich in die aktuelle ARD-Themenwoche „Frauenhass“ und den Tatort vom Sonntag ein. Ich sehe da allerdings keine Kausalität. Wie belegt sie das?
    Dass Tümmler sich an Abflussrohren vergreifen oder andere Arten mit Kadavern rummachen, lässt doch keine Rückschlüsse auf den Menschen zu. Denn der besitzt ja eben die Fähigkeit, seine Triebenergie umzusteuern. Daraus enstehen dann Kultur, Kreativität, Wissenschaft. Ansonsten hätten wir doch bei Meikes Female-Choice-Berechnung die Folge, dass Millionen von Männern metzelnd durchs Land ziehen würden, weil sie von den wählerischen Damen keine abgekriegt haben.
    Ich empfinde es als bösartig von der Autorin, so etwas als wissenschaftlich plausibel zu verbreiten. Oder hat sie da noch eine andere Erklärung?

    • „Wie belegt sie das?“

      Das ist Frauenwissen! Es gibt ja Männer die ihren Schwanz in Ziegen stecken usw.. Das sind zwar extreme wenige, doch Meike ist Feministin. Also macht sie aus extrem wenigen negative auffallenden Männern eine Allgemeinaussage über alle Männer.

      Bei Frauen ist es genau anders herum. „Ich kenn aber eine, die einen Mann hat der weniger verdient!!!“

    • @Beweis:

      »Denn der besitzt ja eben die Fähigkeit, seine Triebenergie umzusteuern.«

      Genau davon scheint sie noch nie gehört zu haben. Ich schelte sie ja darum »Biologistin«, weil sie diese Idee gar nicht zu kennen scheint, weder in der psychoanalytischen noch der philosophisch-anthropologischen Variante, geschweige denn in moderneren Ansätzen.

      Ich verweise hier auch immer wieder gerne auf das Mönchtum (im erweiterten Sinne, darunter zählen dann auch Buddhisten und hinduistische Yogis): seit Jahrtausenden gibt es menschliche Kulturtechniken (wenngleich nicht für die breite Masse), die eigene innere Natur so weit wie möglich zu überwinden – was heute nur als sexuelle Repression wahrgenommen wird, war der ursprünglichen Idee nach mal ein Akt der Emanzipation und der Selbstbefreiung nicht nur von der Tyrannei der Triebe, sondern auch von den sozialen Verpflichtungen, die entstehen, wenn man seinen Trieben nachgibt.

      Stoverocks Vorstellung, dass »Zivilisation« nicht mehr bedeutet als »Steckdosen für alle!« ist insofern an Einfältigkeit kaum zu überbieten! Ich halte es auch nicht für Bösartigkeit, sondern mehr für die Eigenschaft eines medialen Systems, das Frauen jedes noch so seichte Geplapper als ernsthaften Debattenbeitrag durchgehen lässt, während Männer dafür auf kleiner Flamme geröstet werden.

  21. Ich hab den Beitrag mit Interesse durchgelesen, und werde das auch mit den folgenden tun, aber:
    „Schimpansen“ und „Frösche“?
    Ich brauch harte Drogen, oder nüchtern ein halbes Jahr, um dieses Bild wieder aus dem Kopf zu kriegen. 😦

        • Die armen Frösche! Aber die Welt ist ja gerecht, daher:

          Kommt ein Löwe an ein Wasserloch, vor dem sich gerade ein paar Elefanten vor Lachen im Staub wälzen. Will der Löwe wissen: „Was lacht ihr denn so?“

          Einer der Elefanten schnappt nach Luft und bringt nach einigen Sekunden japsend hervor: „Der da hat grad einen Affen gefickt…“

          Der Löwe guckt verwundert und meint: „Ja gut, das mache ich auch hin und wieder, aber sooo lustig finde ich das nu auch wieder nicht.“

          Antwortet der Elefant: „Ja, aber bei dir platzen sie auch nicht…!“

      • Seufz
        Dazu passend:
        Ich bin einigermaßen gespannt, ob sie auch nur einen Hauch Mühe investiert, die Unlogik sth. along the line: „Prostitution für unattraktive Männer, die freiwillig nie eine anpacken würde, ist auch noch female choice“ irgendwie zu kaschieren.

        • (ich glaube übrigens mitnichten, dass das für den Leserbriefeschreiber gilt. Und irgendwo triggern solche Beschreibungen auch immer mein Pädagoginnenherz, das sich vorstellen könnte, mit solchen „Losern“ zu arbeiten…)

  22. Pingback: Endsieg des Feminismus‘: Das Band zwischen Vater und Kind zerreißen | uepsilonniks

  23. #Zickenkrieg

    Etwas verspätet und deshalb wahrscheinlich in den Weiten des Webs untergehend: Frau Stoverock bekommt nun auch Gegenwind aus der schwer esoterisch angehauchten „Matriarchatsforschung“. Gabriele Uhlmann („Female choice
    – unser unbekanntes Menschenrecht“) schreibt eine ausführliche Rezension und beschwert sich darüber, dass Stoverock ihre Anregungen bei twitter nicht umgesetzt habe:

    „Um zu retten, was noch zu retten war, bevor das Buch veröffentlicht werden sollte, schrieb ich der Autorin auf Twitter eine kurze Privatnachricht mit meinen Anmerkungen und den Links zu meinem Artikel „Female Choice – unser unbekanntes Menschenrecht„, in dem ich auf diese Zusammenhänge schon 2015 eingegangen war, sowie zu meinem Vortrag „Explosion und Expansion„, in dem ich die regionalen Vorgänge detailliert dargestellt habe.
    In ihrer Antwort berief sich Stoverock auf ihre Expertise als Biologin und auf nicht näher spezifizierte Literatur, in der sie schwankende Angaben zum Beginn der „Landwirtschaft“, die sie als „Ackerbau und Viehzucht“ definierte, nachgelesen haben will. Die Jahreszahlen seien Details. Minuten später twitterte sie öffentlich: „Jemand mansplaint mir mein Buch aufgrund des Umschlagtextes. Plottwist: es ist eine Frau.„“

    Eine netter kleiner Einblick in die Welt der Cranks um Heide Göttner-Abendroth oder Marija Gimbutas, die sehr scgön illustrieren, wie das Prinzip, sich für die feststehende, sprirituell-moralisch überhöhte Erklärung die Belege zusammenzusuchen und alles andere zu ignorieren, so funktioniert.

    tinyurl.com/yfud4wht

  24. Pingback: Buchbesprechung: Meike Stoverock: „Female Choice. Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ | Alles Evolution

  25. Pingback: Buchbesprechung: Meike Stoverock: Female Choice (Gastbeitrag von Ronin) | Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.