WordPress, der fürchterliche Gutenberg-Editor und Abschied vom Classic-Editor

Anscheinend hat WordPress sich entschieden den bisherigen Editor, der aufgebaut war wie ein klassisches Textverarbeitungsprogramm, nun mehr endgültig aufzugeben und nur noch den Gutenberg-Editor (Hass, Hass, Hass) einzustellen.

Dieser mag besser für das Erstellen von Webseiten sein, aber er stört meinen klassischen Artikelerstellungsfluss, weil man immer wieder irgendwo gesondert hinklicken muss oder einen verdammten „Block“ nicht editiert bekommt.

Ich weiß nicht wie man auf die Idee kommen kann einen Großteil der klassischen Formatierungsbefehle nicht direkt verfügbar zu machen und sie in Untermenüs zu verbergen. Klar kann man grundlegende Formatierungen nach wie vor durchführen, aber eben nicht so einfach wie vorher.

Sofern zukünftige Artikel noch bescheuerter formatiert aussehen als sonst schiebe ich alles darauf.
Ich weiß, dass man den Classic Editor als „Blockformatierung“ noch verwenden kann, aber das bei jedem „Block“ neu einrichten zu müssen geht mir schon so auf den Senkel, dass ich dazu keine Lust habe.

Wenn jemand einen Weg kennt nach wie vor bei der kostenlosen WordPressversion in den Classic Mode zu kommen (es gibt ein Plugin, aber dazu muss man auch einen kostenpflichtigen Blog betreiben) würde ich mich freuen.

Edit:

Investmentbanker, Work-Life-Balance und der Gender Pay Gap

Ein Artikel im Spiegel zu Klagen von Investmentbankern zu ihren Arbeitszeiten:

Vier Stunden täglich zum »Essen, Schlafen, Duschen«: In einer internen Umfrage beschreiben Berufsanfänger der Investmentbank Goldman Sachs »unmenschliche« Bedingungen und fordern eine 80-Stunden-Woche.

Junge Mitarbeiter von Goldman Sachs sind offenbar extrem unzufrieden mit der Arbeitsbelastung. Darauf deutet eine Umfrage unter 13 Analysten in ihrem ersten Jahr bei der US-Investmentbank hin. Eine interne Präsentation der Ergebnisse wurde anonym im Internet veröffentlicht und vom Unternehmen nicht dementiert. Demnach gaben die Befragten ihre letzte Wochenarbeitszeit mit durchschnittlich 105 Stunden an.ANZEIGEhttps://5425cf4f8e4194a5ddf2283450dbf6af.safeframe.googlesyndication.com/safeframe/1-0-38/html/container.html

Laut einer Aussage kann die Arbeitsbelastung bei bis zu 120 Stunden in der Woche liegen. »Die Rechnung ist einfach, damit bleiben vier Stunden pro Tag zum Essen, Schlafen, Duschen, Zeit fürs Bad und Übergänge«, sagt der oder die Betroffene dazu. »Das ist jenseits von ›hart arbeitend‹, das ist unmenschlich / Missbrauch.« In einer anderen Aussagen heißt es: »Mein Körper schmerzt ständig und mental geht es mir wirklich düster.«

Trotz der geringen Anzahl von Befragten könnte die Umfrage die Diskussion über Arbeitsbedingungen bei Goldman und in der Bankbranche insgesamt neu anheizen. Im Jahr 2015 hatte der Goldman-Analyst Sarvshres­hth Gupta sich das Leben genommen, der zuvor über 100-Stunden-Wochen und durchgearbeitete Nächte geklagt hatte. Im Jahr 2013 starb in London der deutsche Praktikant Moritz Erhardt, der zuvor 72 Stunden am Stück gearbeitet haben soll.

Gefragt nach ihrer psychischen Gesundheit vor und nach Beginn des Jobs auf einer Skala von eins bis zehn, gaben die Mitarbeiter im Schnitt eine Verschlechterung von 8,8 auf 2,8 Punkte an. Die physische Verfassung sank von durchschnittlich 9,0 auf 2,3 Punkte. Sämtliche Befragte berichteten, dass sich ihre Arbeit negativ auf Beziehungen mit Familie und Freunden ausgewirkt hätten und sie mit unrealistischen Deadlines konfrontiert würden.

Goldman-Chef David Solomon hatte nach seinem Amtsantritt 2018 angekündigt, die Arbeitsbelastung zu verringern. Dazu gehörte die Anordnung, dass junge Mitarbeiter freitags ab 21 Uhr und am Samstag gar nicht mehr arbeiten müssen.

Laut der Umfrage dringen die Befragten darauf, diese Versprechen auch einzuhalten, weil es »die einzige geschützte Zeit für uns ist, die wir bekommen«. Zu den weiteren Forderungen gehört eine Wochenarbeitszeit von maximal 80 Stunden und eine ausreichende Vorbereitungszeit für Besprechungen.

Also richtig miese Arbeitsbedingungen. Dafür mit einem hohen Einstiegsgehalt und der Erwartung auf noch erhebliche Steigerungen. Man arbeitet sich die erste Zeit tot, dann wird eine Auswahl getroffen wer befördert wird bzw bleibt und dann arbeitet man für den nächsten Karriereschritt.

Wie ist bei dieser Belastung wohl der Frauenanteil?:

Diese weiblichen Toptalente machen sich bisher noch rar im Investmentbanking. Es bewerben sich deutlich weniger Frauen als Männer. Zudem steigen die Frauen eher aus, wenn Kinder kommen. Grob 20 Prozent der Investmentbanker in Deutschland sind weiblich. In Spezialdisziplinen wie der Fusionsberatung (Mergers & Acquisitions) ist der Frauenanteil noch niedriger. Das ist noch eine Männerdomäne.

Diese verdammte Diskriminierung! Bremst auch hier wieder die Frauen aus.

Schmidt Junior ist da

So, nachdem ich etwas Zeit zum Kennenlernen hatte nun auch die Nachricht hier:

Schmidt Junior ist da, alle sind wohlauf und die Geburt lief gut. Ich konnte sogar die ganze Zeit dabei sein, was ja in Covidzeiten auch nicht selbstverständlich ist.

Der Kleine macht sich bisher sehr gut, auch wenn ich ganz vergessen hatte wie wenig man schläft mit einem neugeborenen Kind.

Fräulein Schmidt ist auch ganz begeistert und will immer dabei sein, streichelt ihn vorsichtig und ist allgemein süß mit ihm. Aber ich merke schon, dass man auch aufpassen muss, dass sie dabei nicht zu kurz kommt.

Ich bin gespannt, wie er sich entwickelt. Fräulein Schmidt kann schon ein ziemlicher Trotzkopf sein, wenn er auch so wird, dann gnade uns (der nichtexistierende) Gott.

Esther Vilar: Der dressierte Mann (Gastbeitrag)

Dies ist ein Gastbeitrag von Uepsilonniks

Esther Vilar: «Der dressierte Mann» – Herrlich böse aber auch klarsichtig

«Der dressierte Mann» erschien 1971, also gemeinsam mit der legendären 68er-Bewegung. Schon damals beherrschten Feministinnen den ganzen öffentlichen Diskurs mit der These eines sogenannten Patriarchats als System der Frauenunterdrückung – es hat sich also bis heute nichts geändert. Vilar merkte dazu an, dass der Mann die Feministin geradezu brauche, da sie ein schmeichelhaftes Bild von ihm zeichne, nämlich als skrupellosen Beherrscher der Welt, während er – wie ich hinzufüge – in Wirklichkeit nicht der Chef, sondern der Depp vom Dienst ist, eine Witzfigur, ein Esel wie in «Packesel».

Den existentiellen Unterschied zwischen Mann und Frau beschreibt Vilar so: «Was ist der Mann? Der Mann ist ein Mensch, der arbeitet. Mit dieser Arbeit ernährt er sich selbst, seine Frau und die Kinder seiner Frau. Eine Frau dagegen ist ein Mensch, der nicht (oder nur vorübergehend) arbeitet. Die meiste Zeit ihres Lebens ernährt sie weder sich selbst noch ihre Kinder, geschweige denn ihren Mann.» (17) Dabei macht es die Frau nicht anders als die Sexarbeiterin, da «die meisten Frauen beschlossen haben, die Laufbahn von Prostituierten einzuschlagen, das heißt, später einen Mann für sich arbeiten zu lassen und ihm als Gegenleistung ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung zu stellen…» (22) Die Frau ist nicht unterdrückt sondern Profiteurin eines Systems, das ihr alle Vorteile zuschiebt gegenüber dem Mann, welcher ein trostloses Schicksal teilt: «…wiederum  andere  gehen,  wenn  es  draußen  noch  stockfinster  ist,  mit  einer  alten  Aktentasche  unterm  Arm,  in  der  ein  Overall  und  ein  paar  Frühstücksbrote  liegen,  zum  Bus,  zum  Zug, in die Untergrundbahn und fahren zu der Baustelle oder  Fabrik,  bei  der  sie  beschäftigt  sind. … Es  ist  ganz  gleichgültig,  wie  ein  bestimmter  Mann  seinen  Tag  verbringt,  eines  hat  er  mit  allen  anderen  gemeinsam:  Er  verbringt  ihn  auf  eine  demütigende  Weise.  Und  er  tut  es  nicht  für  sich  selbst,  zur  Erhaltung  seines  eigenen  Lebens  –  dafür  würde  eine   viel  kleinere  Anstrengung  genügen  (Männer  legen  ohnehin  keinen  Wert  auf  Luxus)  -,  er  tut  es  für  andere,  und  er  ist  maßlos  stolz  darauf,  daß  er  es  für  andere  tut.  Die  Fotos  seiner  Frau  und  seiner  Kinder  stehen  auf  seinem  Schreibtisch,  er  zeigt  sie  bei  jeder  Gelegenheit herum. Was  immer  der  Mann  tut,  wenn  er  arbeitet  –  ob  er  Zahlen  tabelliert,  Kranke  heilt,  einen  Bus  lenkt  oder  eine  Firma  leitet -,  In  jedem  Augenblick  ist  er  Teil  eines  gigantischen,  unbarmherzigen  Systems,  das  einzig  und  allein  auf  seine  maximale  Ausbeutung  angelegt  ist,  und  er  bleibt  diesem  System  bis  an  sein  Lebensende ausgeliefert.  Es  mag  interessant  sein,  Zahlen  zu  tabellieren  und  Summen  mit  anderen  Summen  zu  vergleichen  –  aber  wie  lang?  Ein  ganzes  Leben  lang?  Sicher  nicht.» (19)

Deshalb hat sich die Frau auch nie gegen den Mann aufgelehnt, weil es schlicht nichts gibt, wogegen sie sich auflehnen könnte: «Es sind ihr alle Möglichkeiten zur Verfügung gestanden, sich unabhängig zu machen. Wenn sich also die Frau in dieser langen Zeit nicht von ihrem ‹Joch› befreit hat, dann gibt es dafür nur eine Erklärung: Sie hat keins… Der Mann ist der Frau nicht wichtig genug, daß sie sich gegen ihn auflehnt.  Ihre Abhängigkeit von ihm ist ja nur materieller, gewissermaßen ‹physikalischer› Art. Es ist die Abhängigkeit eines Touristen von seiner Fluggesellschaft, eines Wirts von seiner Kaffeemaschine, eines Autos von Benzin, eines Fernsehgeräts von Strom. Solche Abhängigkeiten bereiten keine Seelenqualen.» (25-26)

Der Mann ist – während er sich einbildet, geliebt zu werden – nur ein Nutzobjekt für die Frau. Diese Sichtweise ist für Männer, auch für mich, vermutlich unerträglich, weshalb Vilar auch nur wenig Unterstützung von männlicher Seite erhielt. Liebe ist für Mann und Frau etwas völlig unterschiedliches: «Für die Frau bedeutet Liebe Macht, für den Mann Unterwerfung. Für die Frau ist Liebe ein Vorwand für kommerzielle Ausbeutung, für den Mann ein emotionsgetränktes Alibi für seine Sklavenexistenz. ‹Aus Liebe› tut die Frau Dinge, die ihr nützen, der Mann solche, die ihm schaden. Die Frau arbeitet ‹aus Liebe› nicht mehr, wenn sie heiratet; der Mann arbeitet, wenn er heiratet, ‹aus Liebe› für zwei.»  (124) denn: «außerhalb seiner Funktion als Ernährer mißt die Frau dem Mann keinen Wert zu.» (28)

Dass sich der Mann so bereitwillig versklavt, liegt zum einen an der Furcht vor (echter) Freiheit – eines der ganz großen Themen Esther Vilars – als auch an der systematischen Dressur der Mannes, beginnend mit der Erziehung, die den Mann dazu bringt, die Frau als seinen Gott zu sehen, dem er dient und sich unterwirft.

Religion ist neben anderen auch nur ein System der Dressur, da die Priester dem Mann sagen, dass er für seine Frau und die Kinder seiner Frau zu sorgen hätte – so sei es gottgewollt. Auch ein Grund, warum sich hier Frauen nicht gegen die vermeintlich «frauenfeindliche» Kirche auflehnen – die Frauen sind höchst einverstanden damit, welche Botschaften sie predigt.

Dass vermehrt Frauen arbeiten gehen, ändert nichts am grundsätzlichen Verhältnis zwischen Mann und Frau. Denn erstens ist die Arbeitswelt, also  Universität und Arbeitsplatz für die Frau nur ein Partnermarkt, auf dem sie sich den besten Ernährer sucht, damit sie selbst nicht mehr arbeiten muss, zweitens übt sie nur «Amüsierberufe» aus, Vilar: «Am besten amüsiert sie sich mit untergeordneten Handlangerdiensten, bei denen sie viel Publikum hat. Man findet sie ätherisch durch Korridore von Verlagen und Zeitungsredaktionen schwebend, im Vorzimmer der Film-, Fernseh- und Theaterbosse, in der Rolle der Regieassistentin, der Dolmetscherin, an den Schaltern der Reisebüros, in Juwelier- und Antiquitätengeschäften, in Boutiquen.  Kurz, überall dort, wo sich reiche und interessante Leute treffen. Das Geld, das sie verdient, verbraucht sie meist restlos für ihre aufwendigen Maskeraden, mit deren Hilfe sie sich an ihrem Arbeitsplatz jeden Tag von neuem wieder in Szene setzt.» (109) Das sind die privilegierten Frauen, wozu nicht die Arbeiterinnen zählen, von denen Vilar einräumt, dass sie es schwer haben – aber bei weiten nicht so schwer wie ihre Männer.

Vilar schrieb «Der dressierte Mann» mit großer Wut über die Meinungshoheit der Feministinnen und erhebt als Streitschrift nicht den Anspruch, in allen Punkten buchstäblich genommen zu werden. Dem spitzzüngigen «dressierten Mann» folgten sachliche Bücher, in denen sie aber den Grundgedanken ausbaute und untermauerte. Die Reaktionen fielen scharf aus, aber nicht auf argumentativer Ebene – selbst die große Spezialistin Alice Schwarzer konnte im TV-Duell nichts inhaltliches erwidern. Vilar erlebte stattdessen das, was man heute als «Cancel-Culture» bezeichnen würde, wie auch gewalttätige Übergriffe: So wurde sie einmal von vier Frauen zusammengeschlagen – wobei sich mir die Frage stellt, ob das wirklich Feministinnen waren oder einfach nur stinknormale Frauen, die ihre parasitäre Lebensgrundlage gefährdet sahen. Vilar merkte an, hätte sie gewusst, was auf sie zukommt – sie floh schließlich aus Deutschland – sie hätte nicht den Mut gefunden, dieses Buch zu schreiben. Ein Ende der Knechtschaft ist nicht in Sicht: «Nur die Frauen könnten den Teufelskreis von Dressur und Ausbeutung brechen. Sie werden es nicht tun, es gibt dafür keinen rationalen Grund. Auf ihre Gefühle darf man schon gar nicht hoffen – Frauen sind gefühlskalt und ohne jedes Mitleid. Die Welt wird also immer weiter in diesem Kitsch, in dieser Barbarei, in diesem Schwachsinn Weiblichkeit versinken, und die Männer, diese wunderbaren Träumer, werden niemals aus ihren Träumen erwachen.» (125)

Zum Schluss ein Wörterbuch «Frau – Deutsch»:

Frau: «Ein Mann muß mich beschützen können.»

Deutsch: «Ein Mann muß mich vor Unbequemlichkeiten schützen können. (Wovor könnte er denn eine Frau sonst schützen? Vor Räubern? Vor dem Atomkrieg?)»

Frau: «Ich will mich bei einem Mann geborgen fühlen.»

Deutsch: «Mit Geldsorgen muß er mir um alles in der Welt vom Halse bleiben.»

Frau: «Zu einem Mann muß Ich aufblicken können.»

Deutsch: «Damit er für mich überhaupt in Frage kommt, muß er intelligenter, verantwortungsbewußter, mutiger, stärker, fleißiger sein als ich – was sollte ich denn sonst mit ihm anfangen?»

Frau: «Ich würde meinen Beruf sofort aufgeben, wenn es mein Mann von mir verlangt.»

Deutsch: «Sobald er genug Geld hat, werde Ich nie mehr arbeiten.»

Frau: «Ich wünsche mir nichts weiter, als ihn glücklich zu machen.»

Deutsch: «Ich werde mir alle Mühe geben, damit er niemals merkt, wie ich ihn ausnütze.»

Frau: «Ich will ihm alle kleinen Sorgen abnehmen.»

Deutsch: «Ich werde alles tun, damit ihn nichts von der Arbeit abhält.»

Frau: «Ich will nur für ihn da sein.»

Deutsch: «Kein anderer Mann soll für mich arbeiten dürfen.»

Frau: «Ich werde nur noch für meine Familie leben.»

Deutsch: «Nie mehr im Leben werde ich etwas tun. Soll er sich mal anstrengen!»

Frau: «Ich halte nichts von der weiblichen Emanzipation.»

Deutsch: «Ich bin doch nicht blöd. Ich lasse lieber einen Mann für mich arbeiten.»

Frau: «Wir leben schließlich im Zeitalter der Gleichberechtigung!»

Deutsch: «Er soll nicht denken, daß er mir Vorschriften machen kann, nur weil er mein Geld verdient!»

Frau: «Ich bin in diesen Dingen so schrecklich ungeschickt.»

Deutsch: «Das ist eine Arbeit, die er mir abnehmen muß. Wozu ist er denn sonst da?»

Frau: «Er weiß einfach alles.»

Deutsch: «Man kann ihn sogar noch als Nachschlagewerk benützen.»

Frau: «Wenn man sich wirklich liebt, braucht man nicht gleich einen Trauschein.»

Deutsch: «Er ist noch etwas widerspenstig, aber im Bett kriege ich ihn schon rum.»

Frau: «Ich liebe ihn.»

Deutsch: «Er ist eine erstklassige Arbeitsmaschine.»

Alles Seitenangaben: Esther Vilar – «Der dressierte Mann – Das polygame Geschlecht – Das Ende der Dressur» 9. Auflage November 2000

Georg Rosenbaum: Wir brauchen eine Männerbewegung

Ein Plädoyer für eine Männerbewegung:

Frauen sind längst nicht mehr das unterdrückte Geschlecht. Sie erobern im Gegenteil immer mehr Bereiche, die einst Männern vorbehalten waren. Längst sind Frauen willkommen in jeder Feuerwehr, sie leisten Dienst in der Polizei und sind gesucht in der Bundeswehr. Allerdings hat sich dies zum Beispiel noch nicht auf das Wehrpflichtgesetz ausgewirkt, dass zwar ausgesetzt aber nicht gestrichen wurde. Während man bei Berichten über Auslandseinsätze der Bundeswehr immer betont, dass Soldatinnen und Soldaten gleichermaßen für unser Vaterland dienen, ist im Gesetz immer noch nur von der Wehrpflicht für Männer die Rede.

Medial steht die Frau mittlerweile ganz oben, als Sprecherin der Tagesschau wie als Wissenschaftlerin oder Expertin. An Universitäten erreichen zunehmend Frauen die besseren Ausbildungen und Positionen. Sehr laut ist die Beteiligung von mehr Frauen in Politik und Wirtschaft die Rede. Nur ist dazu vor allem erst einmal Voraussetzung, dass die Frauen sich in Parteien einbringen und dort um Mehrheiten bemühen. Dort werden sie längst mit offenen Armen empfangen. Alle Parteien wissen, ohne Frauen haben sie keine Chance bei Wahlen. Das kann zu den merkwürdigen Blüten führen, dass zwar niemand wegen seiner sexuellen Orientierung oder Herkunft diskriminiert werden kann, wohl aber aufgrund einer Quotenregelung wegen seines Geschlechtes.

Das gleiche gilt für die Wirtschaft. Karriere kann dort allerdings nur machen, wer sich im Unternehmen bewährt und bereit ist, dort überdurchschnittliche Leistung und Arbeitszeit zu investieren. Sowohl für Männer als auch für Frauen gilt, dass man sich für Karriere oder für die Familie entscheiden muss, wenn man Karriere machen will. Wer ganz nach oben will, muss da ganz gewaltig Kompromisse schließen. Dazu waren Frauen bislang weniger bereit als Männer. Aber wenn die Frauen es wollen, werden sie auch die Unternehmensspitzen erobern, dafür spricht der Mangel an guten Spitzenkräften und die gute Ausbildung der Frauen. Außerdem wächst auch in der Wirtschaft der Druck, eine „Frauenquote“ zu erfüllen.

Während sich Frauen zunehmend besser vernetzen, und gelten reine Männervereine und -organisationen längst als anrüchig. Ein Schützenverein, der keine Frauen aufnimmt, gilt als rückständig. Auch wird es nicht gerne gesehen, wenn Männerfreundschaften bierselig durch die Gegend ziehen. Der Vatertag ist ein Ausdruck vom unerwünschten Männerbild. Männerorganisationen haben es wesentlich schwerer, werden häufig kritisch beäugt und an den Rand gedrängt, besonders, wenn sie sich für die Rechte von Männern einsetzen. Auf der anderen Seite haben Frauen Vereine und Angebote in Kirche und Gesellschaft von viele Vereine, die Männern versperrt bleiben. Wir Männer haben, im Gegensatz zu Frauen, damit kein Problem, dass sie ihren eigenen Raum brauchen.

(…)

Wir sollten es nicht den Feministinnen und Gendertheoretikern überlassen, ob wir an den Rand der Gesellschaft gestellt werden sollen oder uns in die gesellschaftliche Diskussion weiterhin einbringen dürfen. Wir sollten eine starke Stimme erheben, denn auch wir Männer sind 50 Prozent der Bevölkerung und haben Macht, wenn wir uns hörbarer machen.

Dazu müssen wir als Männer aber uns dieser Diskussion auch stellen und mit diskutieren. Wir dürfen es nicht anderen überlassen, welche Sprache uns vorgeschrieben wird, was im Duden steht und welche Rechte und Pflichten wir in der Gesellschaft ausüben. Jeder Mann weiß, dass sich die Welt verändert, und das wir unser Zusammenleben mit Frauen und Minderheiten neu überdenken müssen. Elementare Grundrechte (gerechte Entlohnung, Zugang zur Macht, etc.) müssen jedem Menschen unabhängig vom Geschlecht, Herkunft, Religion etc gewährt werden. Männer und Frauen müssen gegenseitig auf die Interessen des Partners Rücksicht nehmen. Dies kann je nach den Fähigkeiten von Frau und Mann und den Bedürfnissen der Familien ganz individuell verschieden sein. Dazu müssen wir Männer aber auch uns mehr gegenseitig dabei unterstützen und uns miteinander vernetzen. Wir können hier viel von den Frauenbewegungen dazu lernen.

Nur mit Männerrechtsorganisationen können wir etwas der Vielzahl von feministischen Gruppierungen entgegensetzen, die sich in der Gesellschaft etabliert haben. Mit Einzelkämpfertum werden wir Männer nichts erreichen, unsere Stimme wird in der pluralen Gesellschaft nicht wahr genommen. Dazu muss man nicht zwangsläufig Mitglied in einem weiteren Verein werden, wir Männer sind ja häufig vereinsmäßig schon in vielen Organisationen eingebunden, einer Partei, dem Sportverein, der Feuerwehr oder dem Schützenverein. Oft hilft auch eine Spende oder reine regelmäßige Fördermitgliedschaft weiter, um Männeranliegen mehr Gehör zu bieten. Je stärker Männerorganisationen werden, welche im seltensten Fall staatliche Fördermittel erhalten, desto mehr fließen die Anliegen von uns Männern auch in Parteiprogramme und in die Politik ein.

Alte Probleme, aber eine Lösung ist nicht einfach umzusetzen.
Was haltet ihr von seinem Text im Ganzen?

Selbermach Samstag 333 (27.03.2021)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

„Alle guten Männer über 35 sind vergeben… und für mich bleibt nur noch der Bodensatz“ klagt das Model

Einer dieser merkwürdigen Artikel, bei dem ich es erstaunlich finde, dass die Autorin glaubt, dass sie dabei gut abschneidet:

EARLIER this month I opened the door to a bouquet of flowers.

They were from yet another man who wants to date me. He’s 35, tall, dark and handsome.

Model Kim-Anh Le-Pham, 38, has been single for four years and has gone on almost 500 dates trying to find Mr Right

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Model Kim-Anh Le-Pham, 38, has been single for four years and has gone on almost 500 dates trying to find Mr Right

Yet, as experience dictates, I knew there’d be a catch.

After a few messages, he disappeared.

And this week, as the gifts roll in from admirers for Valentine’s Day — I have already received two — I know not to get my hopes up either.

I am 38 and have been single for four years.

And I hate to break it to any other single women in their late thirties, but all the decent men in our age bracket have been taken.

And sadly, the older silver foxes enjoy being single and have no intention of settling down, and the younger blokes are only into booty calls.

So back to men my own age. While I work out every day, these men look a decade older.

Beer bellies, bad manners, little respect for single women and minimal hygiene — I’ve seen it all on the apps.

Over the past four years I’ve been on almost 500 dates trying to find Mr Right.

Ich finde sie durchaus hübsch, so dass es eigentlich nicht schwierig sein dürfte einen passenden Mann zu finden, der sich für sie interessiert.

Aber anscheinend haben 500 Dates in 4 Jahren nicht das passende Ergebnis hervorgerufen. Das ist ein Date etwa jeden dritten Tag, was ja schon eine erstaunliche Menge ist. Wer geht jeden dritten Tag auf ein Date? Warum trifft sie keine vernünftige Vorauswahl? Reduziert die Auswahl auf die interessanteren Männer und nimmt sich dann für diese wirklich Zeit.

Natürlich: Sie versucht das Bild aufzubauen, dass sie begehrt ist, die Männer sich um sie bemühen und sie aber alle ablehnt, weil sie nicht gut genug für sie sind. Und das bei Männern, die wie in der Einleitung „35, groß, dunkel (?) und gutaussehend“ sind und ihr Blumen schicken.

And while I have become something of an expert on dating apps — last year I got a congratulations from Tinder for getting 25,000 likes for my profile — unfortunately, I am still looking for The One.

Das Hauptmotiv vieler solcher Artikel scheint einfach nur zu sein „schaut wie toll ich bin (25.000 likes!) aber kein Mann ist toll genug für mich“

Wie soll das wirken? Denken die Frauen: „Wenn sie Single ist, dann ist es ja auch okay, dass ich Single bin, in dieser schrecklichen Welt in der es einfach so schwierig für uns Frauen“ statt „Die blöde Kuh soll sich mal nicht so anstellen, wenn sie keinen findet, dann liegt es eben an ihr“

Sollen die Männer denken „Ich heldenhafter Simp werde sie erlösen, ich bin ja noch ein guter Mann“ nur um dann an ihren Klippen zu zerschellen?

My theory is all the good men were snapped up when they were young. All that’s left is the dregs.

Aber die Frauensahnestücke sind natürlich noch da.

I was 18 when I had my first serious boyfriend.

We were together for five years. We shared a house and were in love, but we met too young. We grew apart.

Later, I had another long-term relationship, for seven years. We also lived to­gether. While we never talked about marriage, it was on the cards. But it didn’t work out and our split was messy.

Das ist denke ich auch der Part, der klarstellen soll, dass sie eigentlich nichts falsch gemacht hat, es hat eben einfach nicht geklappt

Suddenly, in my early thirties, I was dropped into the dating world.

At times it has felt like I am the last single person in London. Even so, I have clung on to the idea of falling in love with someone my age.

I carefully worded my dating profiles so as not to attract the wrong type of man, and I used my professional pictures.

I’m a model and I wanted to sieve out the men who found that intimid­at­ing. But I haven’t been all that successful.

Wäre natürlich interessant ihr Profil zu sehen. Aber ihre „Professionellen Fotos“ dürften auch stark bearbeitet und geschminkt sein. Vielleicht hätte sie es es simpler versuchen sollen?

During my 500 dates, the only guy I have seriously dated was my age and had the best hair and teeth in the world.

He even had a “proper” job and took me out for fancy dinners. Alas, he wasn’t ready to settle down — or something like that.

Interessant welche Eigenschaften sie an ihm hervorhebt:

  • Ihr Alter
  • Sehr gute Zähne und Haare
  • einen passenden Job
  • hat sie in schicke Lokale ausgeführt.

Aber er wollte leider nichts ernstes. Tiefgreifende Gespräche, einen passenden Humor oder andere Gemeinsamkeiten waren aber auch nicht unter den Eigenschaften, die ihn interessant gemacht haben.

Apart from that, there was the guy who looked like Superman on his dating profile but turned up with a long white Santa beard. His body had gone to pot and he was wearing unwashed clothes.

Then there was the wealthy consultant who took me to his club where cocktails were thirty quid a pop. He was generous but knew the value of nothing. Plus, he continually scoffed salt and vinegar nuts on our date — the odour was revolting.

I went out with a psychologist. But every text I wrote to him I’d get one back analysing what I’d said. I’d ignore 90 per cent of them. After our second date he asked me to go back to his and when I said no, I got a long message at 2am telling me what I’d done wrong and that I wasn’t giving “us” a chance.

He was a nice guy but clearly wanted marriage after two encounters. I knew my postman better than I knew him. I get it, though — the dating pool for my age of hot, smart individuals is tiny. Nowadays, I only need to glance at a profile and know whether it’s worth me responding.

I have lost count of the number of men who use pictures that are a decade old. Do they not realise I will clock that the hot young thing I’d been messaging is not the bloke sat opposite me? Now I can tell if a photo is ancient.

Then there are the beer bellies. If a man has one, I know we’ll have nothing in common as I’m active and don’t do takeaways. If the profile is full of photos cropped in around the face, it’s a huge giveaway.

Erstaunlicherweise hat sie es dennoch in der App-Welt probiert und es gab keine Angebote für sie in der realen Welt.  Merkwürdig, dass man über Tinder, der App, wo man einfach nur Bilder sieht und ja oder nein sagt und die für Sex geschaffen worden ist schlechte Chancen hat.

 

Kampfzone Kindergarten: „Rabenmutter ist nicht, wer sein Kind in die Kita bringt. Sondern, wer es als Letztes abholt“

Ein interessanter Artikel zur intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen in Bezug auf die Kinderbetreuung:

Ein Artikel auf „Brigitte.de“ hat die Kampfzone Kita hervorragend beschrieben. Rabenmutter ist nicht, wer sein Kind in die Kita bringt. Sondern, wer es als Letztes abholt. Es ist ein tägliches Schneckenrennen in Gange, bei dem jede Mutter nur ein Ziel hat: bloß nicht als Letzte kommen. Dabei war meine Erfahrung: je später der Nachmittag, desto mehr Erzieher, die das Kind bespaßen können.

Wäre interessant, ob das so ist. Wobei in dem gegenwärtigen Kindergarten das aus meiner Sicht auch nicht ideal wäre. Fräulein Schmidt ist häufig die Vorletzte, ein Kind ist meist noch da. Wenn ich es schaffe, sie selbst abzuholen, dann sind die beiden meist in einer gewissen „Warteposition“, alle anderen Kinder wurden eben schon abgeholt und anscheinend löst das auch irgendwas aus, bei dem die Kinder darauf warten, dass sie abgeholt werden und nicht mehr so richtig spielen. Gut, sie schlafen auch nach dem Mittagessen erst einmal einen Stunde und dann kommt vielleicht einfach das Ganze nicht mehr so richtig im Gang. Aber mitunter habe ich auch schon, wenn sie mich wahrnehmen, wenn ich den Gang zum Kita-Gebäude hochgehe, ein triumphierendes „Fräulein Schmidts Papa!!“ gehört und die Kleine kommt mir entgegen gelaufen, sobald die Tür aufgeht.

Das Spielen mit den Kindern  macht ihr auf alle Fälle Spass und ist auch zum „mit anderen umgehen lernen“ aus meiner Sicht sehr wichtig, aber das Spielen mit den Kindergärtnerinnen in ihrem gegenwärtigen Kindergarten begeistert sie nicht so. 

Insofern hätte ich es auch nicht gerne, dass Fräulein Schmidt dort zu lange alleine ist. Wobei ich es auch nicht unbedingt so schlimm finden würde, wenn es für ein kurze Zeit ist und nicht anders geht. Aber ich könnte die Mütter, wenn es so wäre, wie im Artikel beschrieben, durchaus verstehen. 

Das ständige Vergleichen kennt keine Gewinner

Leider können die Eltern diese Vorzüge nicht genießen: So blickt die Mutter mit der Vier-Stunden-Betreuung auf die Mutter herab, die ihr Kind sechs Stunden in die Kita gibt. Und die Mutter, die ihr Kind acht Stunden oder mehr betreuen lässt, beruhigt sich, dass ihr Kind erst mit zwölf Monaten in die Krippe kam und nicht schon mit sechs Monaten, wie manch anderes Kind. Eine Rabenmutter guckt, ob die andere nicht noch schwärzer ist.

Da bin ich mal gespannt, ob ich so etwas noch wahrnehme. Schmidt Junior (ich glaube das wird der Name) wollen wir auch mit ca. einem Jahr in die Betreuung geben, damit Südländerin wieder anfangen kann. Wir werden insoweit nicht in der Form in das „Wettrennen“ einsteigen. Aber ich kann mir vorstellen, dass es in bestimmten „Schichten“ durchaus stattfindet: In vielen Bereichen wird es schlicht eine Notwendigkeit sein, da die Frau arbeiten muss. Aber andere werden natürlich den Kampf darum austragen, dass es wichtiger ist das Kind zu betreuen und man reduziert hat vs. diejenigen, die Karriere machen wollen und das wichtiger finden. 

Das ständige Vergleichen und Verurteilen kennt keine Gewinner. Denn es zehrt allen Müttern an den Nerven. Auch ich als Vater werde oft mit diesen Sticheleien konfrontiert. Spüre die mitleidigen Blicke anderer Mütter, wenn ich mit meinem Kind früh das Haus verlasse oder es spät abhole. Höre freche Fragen wie „Warum kriegt ihr denn dann überhaupt Kinder, wenn ihr sie weggebt?“ und das Gerede von „Fremdbetreuung“ und den „armen Kindern“.

Die Diskussion hatte ich auch schon. Ich habe einen Artikel dazu, finde ihn aber gerade nicht. Es war dieses „Du gehst Vollzeit arbeiten? Ich nehme mir Zeit für mein Kind, dass ist doch ganz klar wichtiger“. Bei dem ich dachte „Du hast halt auch einen Scheiß Job“ aber natürlich auch bei jedem „Papa morgen nicht arbeiten?“ und bei der Freude, wenn ich sie von der Kita abhole oder es schaffe mittags noch kurz nach Hause zu kommen nur um gar nicht zum Essen zu kommen, weil sie mich gleich im Beschlag nimmt, wieder ein schlechtes Gewissen bekomme bzw mich auf das Wochenende mit ihr freue („Morgen muss Papa nicht arbeiten“)

Doch all das trifft mich nicht im Geringsten. Als Mann ist mir die Meinung anderer zumeist egal. Und die von Kindergartenmüttern mit Schuldkomplex erst recht. Die einzige Frage, die für mich zählt, ist: Geht es meinen Kindern gut? Und solange meine Kinder spätestens am Sonntagvormittag fragen, wann denn das Wochenende endlich vorbei ist, habe ich ein verdammt gutes Gefühl, wenn ich am Montagmorgen die Tür hinter unserer Kita schließe und zur Arbeit gehe.

Das fragt unsere nicht. Aber sie ist vielleicht auch einfach noch zu jung. Sie freut sich schon auf die Kita und die Kinder dort und man merkt, dass ihr das Spielen mit den anderen Kindern gut tut. Ich habe auch kein schlechtes Gewissen sie dort hin zu geben. Aber es ist auch schön Zeit mit ihr zu verbringen. 

„Sex als Ehepflicht“ und das Schuldprinzip in Frankreich

Ein Urteil aus Frankreich macht gerade Schlagzeile:

Weil sie ihrem Ehegatten sexuelle Kontakte verweigert hat, ist eine Französin vom Berufungsgericht in Versailles in einem Scheidungsprozess für allein schuldig erklärt worden. Diese schockierende Auslegung des Zivilrechts ist nun vom Kassationsgericht für zulässig erklärt worden.

Eine Klage der Frau gegen das Urteil von Versailles wurde abgewiesen. Ihr bleibt nun als letztes Rechtsmittel eine Beschwerde wegen „Einmischung in das Privatleben“ und „Verletzung der moralischen und körperlichen Integrität“ vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof, die sie, unterstützt von feministischen Organisationen, einreichen will.

Die seit einem Arbeitsunfall behinderte 66-Jährige erklärte zum Kassationsurteil laut Onlinemagazin Mediapart: „Ich empfinde das als Rechtsverweigerung und Skandal.“ Nach 27 Jahren Ehe hatte sie 2015 die Scheidung von ihrem Mann unter anderem wegen dessen Abwesenheiten sowie „Drohungen und Tätlichkeiten“ verlangt. Er beschuldigte sie im Gegenzug, seit 2004 ihren „ehelichen Pflichten“ nicht nachgekommen zu sein, sprich: nicht mit ihm geschlafen zu haben. Sie hat dem nicht widersprochen, dies aber namentlich mit der Gewalt ihres Gatten und ihrer geschwächten Gesundheit begründet.

Das Gericht in Versailles war 2019 jedoch im Scheidungsprozess zur Ansicht gelangt, laut ihrem Eingeständnis habe sie „in schwerer und wiederholter Weise ihre ehelichen Pflichten in einer Art und Weise verletzt, die ein weiteres Zusammenleben (für ihren Gatten) unannehmbar gemacht“ habe.

Nun steht im französischen Zivilgesetz nichts von einer ehelichen Sexpflicht. Das Gericht beruft sich auf ein Präzedenzurteil von 1996, in dem es heißt: „Auch wenn es zulässig ist, aus medizinischen Gründen dem Gatten während einiger Wochen die sexuellen Beziehungen zu verweigern, ist dies nicht mehr der Fall, wenn die Weigerung mehr als ein Jahr dauert und nicht (in gegenseitigem Einvernehmen) vorgesehen war.“

In einer gemeinsamen Erklärung protestieren die Fondation des femmes und das Collectif contre le viol: „Die französische Justiz spricht damit den Frauen das Recht ab, ihr Einverständnis zu sexuellen Beziehungen geben zu können. Die Ehe ist keine sexuelle Leibeigenschaft, und darf das nicht sein.“

Es sei darum von größter Bedeutung, dass mit einem europäischen Grundsatzentscheid klar gestellt werde, dass „kein Richter die Frauen zu sexuellen Beziehungen verpflichten kann“. Bereits 1995 habe der Europäische Menschenrechtsgerichtshof diese überholte Interpretation der „ehelichen Pflichten“ aufgegeben.

 

Aus meiner Sicht ist die Aufregung unangebracht. Ich habe sie schon nicht verstanden, wann immer das allerdings bereits sehr alte Urteil aus Deutschland mit gleichen Ergebnis besprochen wird

In Frankreich wird an die Schuld an der Scheidung verschiedenes geknüpft, etwa beim Unterhalt:

Anmerkung: Die Zahlung von Unterhalt (pension alimentaire) an den anderen Ehegatten ist eine vorläufige Maßnahme, d. h. der Unterhalt wird nur bis zur Scheidung gezahlt. Nach der Scheidung können die ehemaligen Ehegatten lediglich gegenseitige Ansprüche auf Ausgleichsleistungen (prestation compensatoire) oder Schadensersatz geltend machen. Dies wird bei der gerichtlichen oder außergerichtlichen einverständlichen Scheidung durch Einigung, in den anderen Fällen vom Richter geregelt.

  • Mit der Ausgleichsleistung sollen aus der Beendigung der Ehe resultierende Unterschiede in den Lebensbedingungen ausgeglichen werden. Ihre Höhe wird vom Richter je nach Einkommen und Bedarf jedes Ehegatten festgesetzt. Die Ausgleichsleistung wird in der Regel pauschal erbracht:
  • entweder durch Zahlung eines gegebenenfalls an Zahlungsbedingungen geknüpften Geldbetrags
  • oder durch Übertragung von Eigentum oder von zeitweiligen oder lebenslangen Nutzungs-, Wohn- oder Nießbrauchrechten

Ausnahmsweise kann die Ausgleichsleistung auch die Form einer Leibrente annehmen, deren Höhe im Falle von Änderungen bei Einkommen oder Bedarf der Ehegatten nach unten korrigiert werden kann.

  • Einem Ehegatten kann Schadensersatz zugesprochen werden, wenn die Scheidung gravierende Folgen für ihn hat und
  • wenn die Scheidung wegen unheilbarer Zerrüttung der Ehe beantragt wurde und er Antragsgegner ist, selbst aber keinen Scheidungsantrag gestellt hat, oder
  • wenn die Ehe allein aufgrund des Verschuldens des anderen Ehegatten geschieden wird.

Es geht also letztendlich um den Unterhalt. 

Genau wie bei dem deutschen Urteil geht es damit nicht darum, dass sie mit ihm schlafen muss. Sie hätte sich dann eben nur, wenn sie merkt, dass sie nicht mehr mit ihm schlafen will, etwa weil er – wie sie sagt – sie schlägt, sich scheiden lassen müssen. 

Ihre sexuelle Selbstbestimmung wird damit auch nicht angegriffen. Sie bekommt eben dann nur kein Geld von ihm oder einen herabgesetzten Betrag, wenn ich es richtig verstehe. 

Meine Vermutung ist, dass ähnlich wie in Deutschland jeder die für sich günstigen Umstände beweisen muss, er also ihre Schuld am scheitern der Ehe und sie die seine. Sie hat seinen Vortrag, dass sie nicht mehr mit ihm schlafen wollte, nicht bestritten, er gilt dann eben als zugestanden. 
Er hat aber ihr Vorbringen über Gewalt etc.  nicht zugestanden und sie hat es anscheinend nicht belegen können. Damit fällt es raus. Hier vermute ich einfach mal, dass die Schuldfrage dazu geführt hat, dass dieser Vorwurf häufiger kommt und die Gerichte in Frankreich da schon misstrauischer geworden sind. Immerhin geht es um Geld. 

Wenn man ein Schuldprinzip einführt, dann wird letztendlich alles zu einer „Ehepflicht“ was man üblicherweise in einer Ehe erwarten kann. Das dazu Sex durchaus dazugehört, dass werden die meisten wohl unterschreiben. Natürlich gibt es dann wiederum genug sexlose Ehen, bei denen man einfach so zusammenbleibt, weil es eben bequem geworden ist. Aber das wäre dann ja auch eine gewisse Gegenseitigkeit. 

Es wäre interessant genauere Einzelheiten des Falles zu lesen und die Meinung eines französischen Rechtskundigen dazu zu hören. Meist relativiert das wieder vieles. Aber mangels passender Französischkenntnisse suche ich erst gar nicht. Wer was interessantes findet, kann es ja gerne darstellen