Wann eine neue Freundin/einen neuen Freund den Eltern vorstellen?

Eine alte Frage wurde auf Twitter aufgegriffen und ich glaube wir hatten hier noch gar nicht darüber diskutiert:

Dahinter steckt die Frage, wann man eine neue Beziehung seinen Eltern vorstellt.

Interessant finde ich den Fall oben aus dem Tweet, weil dort ganz verschiedene Perspektiven bestehen:

  • die Verliebte denkt sich, dass es ein Liebesbeweis ist
  • die Freundin der Verliebten findet es eher Creepig

Ein Liebesbeweis wäre es wohl, weil man üblicherweise nur jemanden den Eltern vorstellt, den man für wichtig hält und bei dem man meint, dass es etwas ernsteres ist. Warum eigentlich? Vermutlich weil die Eltern auch kein schlechtes Bild von einem haben sollen und es Personen sind, deren Meinung einem wichtig ist. Bei Frauen, die einen Freund ihren Eltern vorstellen kommt vielleicht noch dazu, dass zu viele Vorstellungen eines Partners, mit dem es dann nichts wird, einen angreifbarer für Wertungen gerade konservativer Eltern machen können. Aber auch bei Männern möchte man vielleicht nicht jede anschleppen und erst einmal eine gewisse Sicherheit haben.

Warum könnte es creepig sein? Vielleicht aus dieser Wertung heraus:

A man who gives away emotions and commitment readily and easily is like the woman who does the same with sex.

The male slut.

Etwas abgewandelt könnte man sagen, das sich hier aus evolutionärer Sicht die jeweiligen Kosten niederschlagen:

  • für die Frau ist Sex teuer (aus evolutionärer Sicht: Eine anfängliche Bindung kann sie lösen, ist sie aber einmal schwanger, dann hat dies entsprechenden biologischen Folgekosten). Gibt sie damit Sex zu schnell weg kann dies „billig“ wirken
  • für den Mann ist Sex billig, aber Bindung evolutionär gesehen teuer. Gibt er damit Bindung zu schnell weg, dann kann das ebenfalls „billig“ wirken

Das könnte letztendlich der Grund sein, warum Betas, die zu früh ihre Liebe bekennen ohne das entsprechende Wertigkeiten vermittelt wurden, eher schlecht ankommen. Sie verlangen zu wenig für ein (evolutionär) teures Gut. Bindungsbereitschaft würde danach besser ankommen, wenn sie nicht einfach so gegeben und zu früh/zu viel wird, sondern eben in einer gewissen Gegenseitigkeit und eben nicht als Ramsch, sondern mit einem gewissen Gefühl für den eigenen Wert.

Die andere Option wäre, dass er eine große Geste macht um sie zu überzeugen, dass sie ihm etwas bedeutet, was schlecht wäre, weil es dann keine ehrliche Geste wäre oder das es bereits keine ehrliche Geste ist, weil er so abgestumpft ist, dass er jede zu seinen Eltern bringt. Es könnte auch creepy sein, weil man den anderen, der vielleicht noch gar nicht so weit ist, in sehr formelle Gespräche „zwingt“ und es implizit die Aufforderung enthalten kann „ich habe dich meinen Eltern vorgestellt, also bleibe mit mir zusammen, sonst ist es peinlich“.

Zwei Wochen nach dem man sich kennengelernt hat erscheint mir, wenn es nicht aus irgendwelchen Gründen nicht vermeidbar ist, etwas früh. Allerdings sehe ich auch keinen Grund zu lange zu warten.

Auch hier dürfte es auf den Einzelfall ankommen: Wenn man sich vorher noch gar nicht kannte und keine Berührungspunkte hatte und nur auf ein Dates war, dann würde ich es auch merkwürdig finden. Kennt man sich schon länger und kommt dann zusammen ist es auch nicht so dramatisch, die Eltern kennen sie dann vielleicht ja eh schon, nur im anderen Kontext.

Ich glaube ich habe Südländerins Eltern nach etwas 3 Monaten kennengelernt, weil ich dort das erste Mal in Südland war, Südländerin hatte damals Semesterferien und hatte schon bevor wir zusammengekommen sind einen Flug nach Hause gebucht und ich habe sie dann besucht, allerdings noch im Hotel geschlafen und erst mit der Mutter kurz einem einen Kaffee getrunken und dann den Vater noch später kurz getroffen.

Meine Eltern hat sie dann etwa in dem sechsten Monat unserer Beziehung kennengelernt, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Da war sie jedenfalls zum ersten Mal im Haus meiner Eltern. Aber die wohnen auch ein ganzes Stück von mir weg. Wenn sie näher dran wären, dann wäre es sicherlich früher zu einem Treffen gekommen

19 Gedanken zu “Wann eine neue Freundin/einen neuen Freund den Eltern vorstellen?

  1. Aufgrund eines einzigen Tweets lässt sich da keine Aussage machen. Es gibt dafür kein pauschales, allgemeingültiges Vorgehen.
    Der „optimale“ Zeitpunkt dürfte von vielen Faktoren abhängen, wie Alter der Betroffenen, Wohnsituation, Verhältnis zu den Eltern, eventuelle Vorgeschichten und einiges mehr.

    Ich halte es aber für anmaßend und recht creepy, wenn Außenstehende wie diese Freundin, die den Tweet geschrieben hat, dazu ein Urteil fällen und sich in die höchstpersönlichen Belange der Betroffenen bevormundend versuchen einzumischen.

  2. Keine Ahnung.
    Interessanter find ich die Frage, nach welchem Zeitraum man heiraten sollte.
    Oma hat nie geheiratet, meine Eltern erst nach 30 Jahren.
    Ein Ex- Kollege (Deutsch-Koreaner mit üblem Berliner- Slang, Bodybuilder) wollte schon nach nem halben Jahr, ich hatte den Eindruck, seine Freundin hatte ihn als Erste überhaupt rangelassen.

    Ich würd sagen: frühestens nach 10 Jahren. Dann sind mit Wahrscheinlichkeit beide mindestens einmal fremdgegangen, und haben sich mit Drama wieder zusammengerauft. Stresstest bestanden.

    • Ein altes Pärchen sitzt auf der Gartenbank, er zu ihr:
      Du…wir kennen uns ja nun schon seit 50 Jahren…meinst du nicht, wir sollten mal heiraten?
      sie: Gute Idee…aber wer nimmt uns in dem Alter denn noch…
      😉

  3. Wenn ein Schneeflöckchen mit 25 noch zu Hause wohnt, ist es eher spät, erst nach zwei Wochen den Eltern mitzuteilen, wer da ein und aus geht.

    Vor eine paar Tagen habe ich eine Mutter gesprochen, deren 19-jährige Tochter jetzt eine Katze haben will. Die Mutter hat aber keinen Bock drauf. Also meinte ich, sie solle das doch ablehnen und damit ihrer Tochter einen Stupps in die Freiheit und Selbständigkeit geben. „Aber nein“, war die Antwort. Dann würden doch das Kindergeld und der Unterhalt wegfallen, über den sie sich seit vielen Jahren mitfinanziert. Also gibt‘s jetzt eine Katze. Hat mir zu denken gegeben, dass gar nicht die Kinder unbedingt die sind, die aus Bequemlichkeit bis zum gefühlten Vorruhestand zuhause wohnen wollen.

    Ansonsten finde ich es eher befremdlich, wenn Kinder ihre Liebesbeziehung den Eltern vorstellen wollen, das hat etwas Unselbständiges. Anders ist es natürlich, wenn eine Hochzeit geplant ist oder Nachwuchs kommt, weil das einschneidende Geschehnisse sind, die auch die Eltern betreffen.

  4. Sind Offenheit und Ehrlichkeit keine Werte mehr? Also vorstellen, wenn es die Gelegenheit dazu gibt, aber natürlich darf das auch wieder nicht zum Zwang werden. Eigentlich ganz simpel, in der Praxis dann natürlich nicht.

  5. Woah, so viele Gedanken habe ich mir darüber noch nie gemacht XD. Man kann auch alles verkopft sehen.

    Ist mir doch egal wann und wo, passiert halt irgendwann XD. Bei meiner ersten Beziehung kannte ich die Eltern bevor ich von der Beziehung wusste, bei der jetzigen zweiten kenne ich die Eltern nur aus dem Videochat, weil sie aus dem Ausland kommt.

    Kommt halt wie es kommt, bzw. wer wann wie will.

  6. These: Er denkt sich nichts dabei. Am ersten Sonntag im Monat kocht Mama immer Gulasch. Sehr lecker, er geht da immer hin. Seine Ische wollte das WE mit ihm verbringen, dann kann sie ja gerade zum Essen mitkommen.

    Dass sowohl die Ische als auch ihre Freundin da ein großes Bohei machen, basiert auf ihrem Trugschluss, dass die Welt so ist, wie sie sich die Welt vorstellen, und dass es hier ein formelles „der Mutter vorstellen“ gibt, was nur in ihrer beider Kopf existiert.

  7. Meine Großmütter haben mich einst – unabhängig voneinander – ermahnt, dass ich zu oft jmd Neues vorstelle. Subtext: Was sollen denn die Leute denken.

    Wenn die Frau damit ein Problem hätte, dass ich sie meiner Verwandtschaft vorstelle, wär der Subtext: „Wir haben nix Festes! Spinnst Du?! Soll ich als Schlampe gelten?“

    Was die Männer und mich angeht… Würde tatsächlich Marco zustimmen, dass da ganz praktisch überlegt wird. Für mich ist das kein Meilenstein für Beziehung, weil ich auch weibliche Kumpel schon mit zu den Eltern genommen hab aus pragmatischen Gründen.

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