Frauenförderung, Frauenquoten etc 1

Kennt wer ähnliche Geschichten?

Reformen in der katholischen Kirche und „Maria 2.0“

Die katholische Kirche ist erneut von Mißbrauchsvorwürfen stark belastet, gerade durch ein Gutachten zu diversen (wenn auch teilweise länger zurückliegenden) Mißbrauchsfällen

Hier scheint nach wie vor innerhalb der Kirche ein erheblicher Widerwille zu bestehen solche Vorfälle aufzuklären, eine staatliche Aufklärung nachhaltig zu unterstützen und für den Fall, dass die Vorwürfe sich bestätigen, die Leute auch intern zu maßregeln. Statt dessen scheinen diesen nach wie vor hohe Ämter offen zu stehen. 

Das ist insofern interessant, weil eine Kirche natürlich immer das Gute vertreten soll und gerade die christliche Kirche sich auf die Fahnen geschrieben hat, dass man die Schwachen beschützen soll und Unrecht nicht hinnimmt. Natürlich: Auch das Vergeben von Taten bei Buße wäre Teil des Glaubens, aber das würde ja auch ein Eingestehen der Tat und eine Buße erfordern, die ich so nicht wahrnehme. 

Statt einer Aufklärung macht man anscheinend aber eher die Türen zu und regelt alles nur untereinander. Damit hat sich die katholische Kirche ein erhebliches Imageproblem eingefangen, an das aber anscheinend auch keiner wirklich ran will. Ein Leben im Zölibat ist allerdings auch kein Zuckerschlecken und eine unterdrückte Sexualität tut ohnehin niemanden gut. Vielleicht ist es diese Lage, die dann auch dafür sorgt, dass man lieber nicht zu viel Staub aufwirbeln will. 

Eine Reform fordert bereits seit längerem die Frauenbewegung „Maria 2.0“. Da die Tagesschau über einen „Thesenanschlag“ berichtete greife ich das hier mal auf:

Sie fordern, Frauen für Weiheämter zuzulassen und sexuellen Missbrauch aufzuklären: In Deutschland hat die Initiative „Maria 2.0“ für eine Reform der katholischen Kirche demonstriert. Die Leitung hat Glaubwürdigkeit verspielt, sagen die Frauen.

Die katholische Reformbewegung „Maria 2.0“ hat mit einem Thesenanschlag an Dom- und Kirchentüren im gesamten Bundesgebiet ihre Forderungen nach Reformen in der Kirche untermauert. Aktionen gab es unter anderem in München, Würzburg, Augsburg, Köln, Mainz und Freiburg.

In den sieben Thesen, die an zahlreichen Dom- und Kirchentüren aufgehängt wurden, kritisiert die Bewegung „eklatante Missstände in der katholischen Kirche“ und nennt Klerikalismus und Machtmissbrauch sowie den Umgang mit sexualisierter Gewalt bis hin zur Vertuschung. Außerdem spricht sie sich für den Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche aus und für eine erneuerte Sexualmoral.


Konkret fordert „Maria 2.0“ „eine geschlechtergerechte Kirche mit dem Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern sowie die Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt“. Außerdem geht es der Initiative um die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine neue katholische Sexualmoral. Diese solle nicht mehr „lebensfremd und diskriminierend“ sein, sondern wertschätzend gegenüber allen Formen „selbstbestimmter, achtsamer Sexualität und Partnerschaft“.

Darüber hinaus wenden sich die Thesen gegen „Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger“. Diese hätten das Vertrauen tiefgreifend erschüttert. Kirche müsse verantwortungsvoll und nachhaltig das ihr anvertraute Vermögen nach christlichen Prinzipien verwalten. Die Kirchenleitung habe Glaubwürdigkeit verspielt, heißt es weiter.

Da schlagen die konkrete Thesen an die Türen der Kirche aber irgendwie scheint es kein Artikel, der darüber berichtet, für wichtig zu halten, diese einfach mal abzudrucken.

Immerhin waren sie auf der Homepage zu finden:

1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte
In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung
In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz
In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen
Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat
In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung
zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften
Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt.
Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.

Teilweise ja durchaus berechtigte Forderungen, aber die katholische Kirche wird den Teufel tun sie umzusetzen. Denn sie muss die Wirkungen weltweit im Auge behalten und kann nicht in einem Land plötzlich Priesterinnen oder gar eine Papstin zulassen und in anderen nicht. Sie riskiert damit eine Schisma, also eine Kirchenspaltung, wenn dies den Traditionellen nicht gefällt.

Genau das war ja das letzte Ergebnis von an Kirchentüren geschlagenen Thesen. Gegenwärtig ist Religion eher Tradition als wirkliche rationale Abwägung, welche der Kirchen einem besser gefällt und ich vermute mal, dass die katholische Kirche eher Mitglieder verliert, denen Religion relativ egal ist und die die Kirchensteuer nicht mehr zahlen wollen und nicht solche, die wegen der Skandale etwas in die evangelische Kirche übertreten. 

Und gerade der Prunk und das Erhabene mögen auch viele Leute ansprechen, die zu etwas aufblicken wollen, Teil von etwas großes sein wollen und die in den Priestern gerade Autoritätspersonen sehen wollen.

Dabei wäre die Aufhebung des Zölibats ja kirchlich sehr einfach zu begründen. Zum einen haben es viele andere christliche Kirchen, wie die evangelische und die orthodoxe auch nicht, zum anderen gibt es Bibelstellen, die gerade fordern, dass der Priester verheiratet ist. Und es würde Priesterstellen sicherlich auch interessanter für Leute machen, die ein „normaleres Leben“ führen wollen, zu dem ja Sex einfach dazu gehört.