Obamas Flirtstrategien oder Flirten mit Marx, Marcuse oder Foucault

Obamas Memoiren enthalten einen interessanten Absatz, der mir ein paarmal bei Twitter begegnet ist:

Looking back, it’s embarrassing to recognize the degree to which my intellectual curiosity those first two years of college paralleled the interests of various women I was attempting to get to know: Marx and Marcuse so I had something to say to the long-legged socialist who lived in my dorm; Fanon and Gwendolyn Brooks for the smooth-skinned sociology major who never gave me a second look; Foucault and Woolf for the ethereal bisexual who wore mostly black. As a strategy for picking up girls, my pseudo-intellectualism proved mostly worthless; I found myself in a series of affectionate but chaste friendships.

Und die Deepl-Übersetung:

Rückblickend ist es peinlich zu erkennen, in welchem Maße meine intellektuelle Neugier in den ersten beiden Jahren des Colleges den Interessen verschiedener Frauen entsprach, die ich kennenzulernen suchte: Marx und Marcuse, damit ich der langbeinigen Sozialistin, die in meinem Wohnheim lebte, etwas zu sagen hatte; Fanon und Gwendolyn Brooks für die glatthäutige Soziologiestudentin, die mich nie eines Blickes würdigte; Foucault und Woolf für die ätherische Bisexuelle, die meist Schwarz trug. Als Strategie, um Mädchen aufzureißen, erwies sich mein Pseudo-Intellektualismus meist als wertlos; ich fand mich in einer Reihe von liebevollen, aber keuschen Freundschaften wieder.

Tatsächlich muss das keine schlechte Strategie sein, ein gemeinsames Thema kann ein guter Einstieg in ein Gespräch sein und Wissensdarstellung kann einem einen gewissen „Wert“ zuweisen, wenn es die jeweilige Frau bei einem Mann interessant findet, dass sie mit ihm über solche „hochtrabenderen“ Themen reden kann.

Was Obama falsch gemacht hat, dass er dann doch nur in „Keuschen Freundschaften“ gelandet ist, ist schwer zu sagen, da dazu keine Informationen im Text vorhanden sind. 

Meine Vermutung wäre, dass theoretische Diskussionen das Gehirn ansprechen, das logische Denken, aber Anziehung üblicherweise aus Gefühlen, aus dem Ansprechen der emotionalen Seite entsteht. 

So etwas kann gut sein als Einstieg, in dem es nach dem klassischen Pickupmodell darum geht einen gewisse Einstieg („Approach“) hinzubekommen bzw danach dafür zu sorgen, dass sie einem als jemanden mit einem gewissen Status, einen hohem Wert ansieht. Wissen kann dazu evtl zu nüchtern sein, es sagt der Frau wenig über den Mann selbst. Man sollte von da aus zu anderen Themen wechseln, sie etwas aufziehen mit etwas, etwas herausfordernd sein oder personenbezogenere Geschichten erzählen, die am besten klassische „Attraction switches“ bedienen. 

Merkt man, dass sie interessiert ist („IOIs sendet“) dann wäre der nächste Schritt, dass man signalisiert, dass man sie interessant findet und sie dazu zu bringen ihrerseits ihren Wert darzustellen. 

Dann wäre der nächste Schritt sich in eine ruhigere Ecke zurückzuziehen und dort ruhiger und vertrauter mit ihr zu reden, über persönlichere, tiefere Themen, Vertrauen aufzubauen und von dort aus ersten körperlichen Kontakt auszutesten etc.

Es ist glaube ich ein typischer Fehler vieler Männer davon auszugehen, dass ein gemeinsames Thema ausreicht, weil die übrige Anziehung wie bei ihnen auch rein körperlich ist. „Wenn ich mich mit ihnen unterhalte und sie merkt, dass wir uns gut verstehen, dann wird schon was daraus werden, ich warte auf das passende Signal“. Das kann durchaus klappen, wenn sie ihn eh schon toll findet. Aber viele Männer übersehen die oft subtileren Signale der Frauen und diese werden nicht deutliche, weil sie denken, dass er anscheinend doch nur über Foucault reden will und es unter Freundschaft einordnen.

Sprich: Passivität ist einer der größten Feinde für den Erfolg beim Flirten für Männer.