Technische Lösungen zur Dokumentation der Zustimmung beim modernen Sex

Die NZZ berichtet über die App „iConsent“, die anscheinend insbesondere eine Reaktion auf die neuen Strafgesetze in Dänemark ist:

Das Ende der Romantik naht. Was zwei Menschen normalerweise ohne Hilfsmittel unter sich ausmachen, das können die Dänen neu mit einer App namens iConsent regeln. Sie schliessen einen digitalen Vertrag ab, der später als Beweismittel dafür dient, dass der Sex einvernehmlich war.

Die App-Entwickler wollen mit iConsent das Zustimmungsgesetz unterstützen, das seit Januar auch in Dänemark in Kraft ist. Schweden macht es vor: Dort braucht es seit 2018 ein beidseitiges, klar zum Ausdruck gebrachtes Einverständnis zum Sex. Fehlt das explizite Ja, macht man sich strafbar. Ein Mann, den eine Frau der Vergewaltigung beschuldigt, kann sich also nicht mehr damit verteidigen, dass sich die Frau nicht deutlich gewehrt habe. Auch in der Schweiz will man diese Perspektive ins Sexualstrafrecht aufnehmen.

Deshalb, haben sich die dänischen Erfinder gedacht, wäre eine App wie iConsent doch etwas Feines: Die App registriert das Ja vorab. Und sie dokumentiert es danach. So soll nicht nur Missbrauch verhindert, sondern auch ein Verhalten normiert und das Denken verändert werden.

Nun blinkt und vibriert es ja schon jetzt auf dem Nachttisch, während man im Bett die schönsten Stunden erlebt. Das Smartphone ist zur Verlängerung des Körpers geworden. Ein Fingertippen zwischen Küssen? Junge Leute schaffen das blind.

Doch die Erziehung via App im Intimsten kann eigentlich nur als Witz verstanden werden. Das war auch die Reaktion der meisten Dänen. Nur scheint es Tech-Affinen auch anderswo ernst: So gibt es bereits eine schwedische und eine österreichische Zustimmungs-App.

Aber lassen wir das Paar von oben iConsent ausprobieren. Die Zustimmung ist 24 Stunden gültig, danach werden die Daten gelöscht. Was passiert, wenn einer plötzlich die Lust verliert? Hinüberlangen und widerrufen? So ist es tatsächlich vorgesehen, wie es in den Nutzungsbedingungen der App heisst.

Dort steht auch geschrieben, dass man jeweils nur für ein Mal Geschlechtsverkehr zustimmt. Eine Nacht in zwei oder drei Akten verlangt also immer wieder ein Öffnen der App. Vor lauter Zustimmen droht man nicht mehr in Stimmung zu sein.

Eine App, die die Daten nur 24 Stunden speichert? Das scheint nicht sehr sicher.

Mir würden bessere Lösungen einfallen:

  • Eine Videokamera (möglichst mit gewissen Nachtsichteigenschaften, aber klein und handlich) die aktiviert wird, wenn beide diese mit ihrem Benutzernamen und Passwort aktivieren. Die Aufnahme erfolgt verschlüsselt, zum Entschlüssen sind entweder beide „Schlüssel“ der Beteiligten erforderlich oder ein Generalschlüssel auf richterliche Anordnung. Man könnte das auch über eine App lösen, die Handykamera ersetzt dann die tatsächliche Kamera, die Aufnahme wird direkt auf den Speicher der jeweiligen Firma hochgeladen und gespeichert solange zumindest einer von beiden die monatlichen Beiträge zahlt. Die Software registriert, wenn die Personen nicht mehr im Bild sind und warnt mit einem deutlichen und nervigen Piepsen.
  • zur Eigenabsicherung: Ein Aufnahmegerät, welches dann zumindest den Audioteil aufnimmt, mit GPS, und auch zum Nachweis der Aufnahmezeit und zur besseren Aufbewahrung verschlüsselt auf einem Server speichert (entweder über Verbindung zum Handy oder eigenes WLAN?). Es wird empfohlen beim Sex viel zu sprechen und sich danach noch einmal mit der anderen Person darüber zu unterhalten, dass der Sex schön war.

Müsste doch eigentlich billig abzuwickeln sein.