10 Tage Vaterschaftsurlaub nach der Geburt des Kindes

Ein interessanter Bericht dazu, dass Väter evtl demnächst Vaterschaftsurlaub bekommen:

Zehn Tage Vaterschaftsurlaub für Väter direkt nach der Geburt des Kindes sieht die 2019 beschlossene EU-Vereinbarkeitsrichtlinie vor. Die Bundesregierung will die Richtlinie aber nicht in deutsches Recht umsetzen. Die Begründung: Die bestehenden Gesetze in Deutschland reichen bereits aus. Ein Gutachten im Auftrag des DGB widerspricht der Bundesregierung: Auch Deutschland müsse die 10 Tage Vaterschaftsurlaub umsetzen.

„Das ist ein eindeutiger Handlungsauftrag“, sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. „Spätestens die nächste Bundesregierung muss das Thema abräumen. Wir brauchen die Vaterschaftsfreistellung zur Geburt – das sieht auch eine deutliche Mehrheit der hier lebenden Menschen so.

Dies wäre ein wesentlicher Punkt für die Vater-Kind-Bindung und neben dem Elterngeld ein wichtiger Anreiz für Väter, sich partnerschaftlich an der Kinderbetreuung zu beteiligen. Zu erwarten ist, dass sich dies auch positiv auf den immer noch viel zu großen Gender Care Gap auswirkt. Denn für die Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder die Hausarbeit wenden Frauen pro Tag im Schnitt über 50 Prozent mehr Zeit auf als Männer.“

Die Umsetzung sieht die Bundesregierung wahrscheinlich in der Möglichkeit sich die Elternzeit zu teilen. 

Die erste Zeit mit dem Kind fand ich allerdings bei Fräulein Schmidt auch sehr schön. Zumal es ja auch beim ersten Kind etwas noch spezielleres war, weil man noch keine Ahnung hatte, wie es läuft. 

Interessant dazu die Regelungen in Europa bzw den USA:

  • In Belgien gilt das Arbeidsovereenkomst. Es besteht ein verpflichtender Vaterschaftsurlaub von drei Tagen mit 100 % durch den Arbeitgeber bezahltem Entgelt. Arbeitnehmer, die in den letzten 15 Monaten mindestens 12 Monate angestellt waren, haben Anspruch auf sieben weitere, durch die Krankenversicherung zu 82 % bezahlten Tagen Vaterschaftsurlaub innerhalb der ersten 30 Tage nach der Geburt. Stirbt die Mutter oder erkrankt sie schwer, kann der noch nicht genutzte Mutterschaftsurlaub vom Vater genommen werden und wird in Höhe von 60 % des Arbeitsentgelts bezahlt.[1]
  • In Dänemark wird ein Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen Vätern gewährt, die in den vorangehenden 13 Wochen mindestens 120 Stunden berufstätig waren oder selbständig, arbeitslos gemeldet oder in Berufsausbildung sind. Er muss während des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs in Anspruch genommen werden. Zusätzlich besteht ein Anspruch auf Elternzeit, die zwischen den Eltern geteilt werden kann.[2]
  • In Deutschland besteht kein gesetzlicher Anspruch auf Vaterschaftsurlaub. Seit 1. Januar 2001 können beide Elternteile ganz oder zeitweise zusammen in Elternzeit gehen, bis dahin war lediglich eine Abwechselung der Eltern möglich.[3][4] Beamte haben in Deutschland gemäß § 21 der Sonderurlaubsverordnung bei Niederkunft der Ehefrau oder der Lebenspartnerin Anspruch auf einen Arbeitstag Sonderurlaub.
  • In Frankreich besteht zusätzlich zur Elternzeit ein Anspruch auf 11 Tage Freistellung für Väter innerhalb der ersten 4 Monate nach der Geburt, der in Höhe des französischen Mutterschaftsgelds bezahlt wird.[5]
  • In Großbritannien besteht ein Anspruch auf zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, für alle Väter in gleicher Höhe bezahlt (Stand 2007: 154 Euro). Zusätzlich besteht ein individueller Anspruch auf 13 Wochen unbezahlte Elternzeit für jeden Elternteil.[6]
  • Italien – In Südtirol, im deutschsprachigen Teil Italiens, spricht man im Fall der Umwandlung von Mutter- in Vaterschaftsurlaub von einer „Freistellung wegen Vaterschaft“.[7]
  • In Österreich besteht (Stand: 2009) kein gesetzlicher Anspruch auf Vaterschaftsurlaub; die Karenzzeit können sich Väter und Mütter teilen. Es wurde wiederholt ein Vaterschutzmonat („Papa-Monat“) als Frühkarenz mit entsprechender Änderung des Väter-Karenzgesetzes und des Kinderbetreuungsgeldgesetzes gefordert,[8] seit 1. Januar 2011 gibt es das im Bundesdienst, und mit Juni 2011 auch in Wien.[9]
  • In Schweden besteht zusätzlich zum Anspruch auf Elternzeit ein Recht auf 10 Tage Freistellung für Väter innerhalb der ersten 3 Monate nach der Geburt, bei Lohnersatz in Höhe von 80 %.
  • Die Schweiz kannte bis 2020 keinen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung für Väter. Einzelne Arbeitgeber und die öffentliche Verwaltung einzelner Kantone sehen aber bereits vorher einen Vaterschaftsurlaub vor.[11][12] In der Schweiz sind Vaterschaftsurlaube in verschiedenen Beamtenordnungen und Gesamtarbeitsverträgen vorgesehen,[13] beispielsweise in den Kantonen Zürich und Bern. Die Bundesangestellten haben Anspruch auf 10 Ferientage für Kinder, die seit dem 1. Januar 2014 geboren sind. Eine am 2. August 2017 zustande gekommene Volksinitiative (Eidgenössische Volksinitiative ‘Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie‘) wollte den Stimmberechtigten den Vorschlag vorlegen, auf Bundesebene einen gesetzlichen Anspruch auf Vaterschaftsurlaub von mindestens vier Wochen einzuführen.[14] Nachdem sich das Parlament für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen hatte, wurde die Initiative zurückgezogen.[15] Am 27. September 2020 befürwortete das Schweizer Stimmvolk die Einführung eines gesetzlichen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaubs. Die Umsetzung erfolgt auf den 1. Januar 2021 und wird über die Erwerbsersatzordnung finanziert.
  • In Spanien besteht ein Anspruch auf einen Vaterschaftsurlaub von 13 Tagen, ab dem zweiten Kind 15 Tagen. Der Vaterschaftsurlaub kann auch halbtägig beansprucht werden und besteht dann für die doppelte Zeitdauer. Ab dem dritten Kind oder bei behindertem Kind haben Väter seit dem 1. Januar 2009 Anspruch auf eine 20-tägige Freistellung. Der Vaterschaftsurlaub wurde im März 2007 von der sozialistischen Regierung im Rahmen des sogenannten Gleichheitsgesetzes eingeführt. Am 9. Dezember 2008 verabschiedete der Abgeordnetenkongress einstimmig eine Vereinbarung, die eine Erweiterung des gesetzlichen Anspruchs auf vier Wochen vorbereiten soll.
  • Die Vereinigten Staaten von Amerika sind (Stand: 2019) das einzige westliche Industrieland, in dem es gesetzlich verankert weder Vaterschafts- noch Mutterschaftsurlaub gibt. So kehrt jede vierte Mutter innerhalb von zehn Tagen nach der Geburt an den Arbeitsplatz zurück; im Jahr 2016 gewährten die meisten Firmen lediglich zwei Wochen Mutterschaftsurlaub.[19] Nur große Unternehmen sind aufgrund des Family and Medical Leave Act (FMLA) verpflichtet, Müttern und Vätern eine Auszeit für die Kinderbetreuung zu gewähren. Gestattet ein Arbeitgeber allerdings Müttern Auszeiten, muss er sie Vätern genauso gewähren

Eine bunte Regelung, es wäre interessant, was die Richtlinie genau vorschreibt.  Die USA sind in der Hinsicht Hardcore. Aber auch dort werden ja dennoch viele Frauen, die es sich über ihren Mann leisten können dann länger aussetzen. 

 

52 Gedanken zu “10 Tage Vaterschaftsurlaub nach der Geburt des Kindes

  1. Was mir immer wieder auffällt: Die EU-Kommission beschließt irgendeine Richtlinie und die Mitgliedsstaaten müssen diese umsetzen. Unsere Parlamente sind größtenteils nur noch Versammlungen zu Akklamation von EU-Beschlüssen. Von Demokratie keine Spur.

    • Falsch.
      Das EU-Parlament beschließt Richtlinien. Die Mitgliedstaaten setzen sie in nationales Recht um.
      So funktioniert der Föderalismus der EU.

      In Deutschland werden diese Gesetze oft noch per Landesverordnung in Landesrecht umgesetzt. Immer da, wo die Ausführung eines Gesetzes Ländersache ist.

      • Das EU-Parlament beschließt keine Richtlinien. Richtlinien werden von den Exekutivorganen aller Mitgliedstaaten beschlossen. Im Europäischen Rat.

        • EU-Richtlinien werden vom EU-Parlament und dem Rat der Europäischen Union beschlossen.
          Die Kommission kann Richtlinien als Vorschläge auf den Weg bringen.

          Ganz analog zur deutschen Gesetzgebung. Vorschlag durch Regierung. Gesetz verabschiedet durch Bundestag und – rat.

        • Unmittelbar geltende „Gesetze“ gibt es auf EU-Ebene auch. Die heißen dann EU-Verordnungen.

          Ich denke die unterschiedlichen Begriffe basieren darauf, dass die EU keine Verfassung besitzt, sondern auf internationalen Verträgen basiert.

          • Unabhängig davon dient die EU dazu, den demokratischen Prozess auszuhöhlen: Das gibt die EU sogar selbst zu:

            „Die Demokratie auf der europäischen Ebene ist zwar nicht vollendet und perfekt, entwickelt sich aber ständig weiter.“
            https://ec.europa.eu/germany/news/eu-myths/mythos-demokratiedefizit_de

            Ganz abgesehen davon: Natürlich ist es immer eine Schwächung der Demokratie wenn einem nationalen Parlament noch ein weiteres Parlament vorgeschaltet wird.

          • Ganz abgesehen davon, wie das EU-Parlament gewählt wird: Die Stimme eines Bürgers aus Malta hat mehr Gewicht als die eines deutschen Bürgers.

            Der gesamte politische Apparat der EU ist beschissen.

    • Ich denke, es läuft ein wenig anders:

      Zunächst wird in der EU eine Vorlage oder ein Vorschlag erarbeitet, und dieser wird dann an alle Regierungen aller Mitgliedsstaaten versandt, mit der Bitte um Feedback.

      Also z. B.: Wie wäre es, wenn die staatlich geführten Wasserwerke privatisiert würden? Liebe Regierungen der lieben EU-Staaten – was haltet Ihr von so einer Privatisierung?

      Genauer gesagt wird so ein Vorschlag von Lobbyisten erarbeitet und an die EU zur Anfrage weitergereicht.

      Darauf hin senden die EU-Regierungen mehr oder weniger schnell eine Antwort an die EU, z. B.: „Privatisierung staatlicher Wasserwerke wollten wir immer schon vorantreiben – haben wir uns aber nicht getraut wegen Verbraucherzentrale und diesen ganzen Bürgervereinigungen.“

      Darauf die EU: OK, dann beschließen wir jetzt, dass staatliche Wasserwerke in allen EU-Staaten privatisiert werden müssen, und die einzelnen Mitgliedsstaaten müssen diese Vorgabe in der-und-der Zeit in staatliches Recht umsetzen und die Privatisierung realisieren.

      Dieser Beschluss der EU wird dann allgemein bekannt gegeben.

      Daraufhin die Regierungs-Politiker in den einzelnen Mitglieds-Staaten: „Privatisierung? Was! Liebe Wähler, wo kommen wir denn da hin? Die EU will eine Privatisierung unserer staatlichen Wasserwerke! Liebe Wähler, das finden wir nicht gut! Das wollen wir nicht! Liebe Wähler! Aber … liebe Wähler, aber … wenn es die EU so fordert, dann müssen wir das auch so umsetzen. Leider! Liebe Wähler, das müssen wir! Oje … diese EU! Aber wir müssen, liebe Wähler! Natürlich protestieren wir bei der EU, und wie wir protestieren – aber, liebe Wähler: privatisieren müssen wir jetzt, leider. Leider, leider, leider, liebe Wähler – übrigens, wie denkt Ihr eigentlich über die Umstellung von Sommer- und Winterzeit?“

      Von Politikern wie Martin Schulz ist nachgewiesen worden, wie sie sich in der EU für bestimmte europaweite Maßnahmen eingesetzt haben, die sie dann als National-Politiker in Deutschland lauthals kritisiert haben.

      So in etwa läuft es. Dein allgemeiner Punkt bleibt natürlich richtig: Die EU dient der Verhinderung von demokratischen Verfahren in den Mitgliedsstaaten. Das ist ihr Zweck.

  2. „Die Begründung: Die bestehenden Gesetze in Deutschland reichen bereits aus.“

    Ist das die Begründung oder gibt es auch eine richtige Begründung, in der die Gesetze genannt sind? Ansonsten erinnert mich diese „Begründung“ daran, wie die deutsche Regierung sich dagegen sträubte EU-Vorlagen zum Kampf gegen Korruption umzusetzen.

    • Wenn es um so was geht, reichen die Gesetze sogar aus, wenn es sie gar nicht gibt. Viel wichtiger ist doch ersichtlicherweise die Verschärfung des schon bestehenden Entgelttransparenzgesetzes. Denn DAS wird ja nur deshalb von so gut wie niemandem beansprucht, weil es nicht scharf genug ist, weil es doch glatt verlangt, dass die Adressierten auch noch selbst das ihnen dadurch eingeräumte Recht wahrnehmen. Da muss man dringend ran.

      Dass wir kein Recht auf Vaterschaftsurlaub brauchen, das sieht man doch schon daran, dass bis jetzt noch KEIN EINZIGER MANN dieses nicht vorhandene Recht in Anspruch genommen hat. Die Logik ist doch so einfach; dass wir das hier einfach nicht verstehen wollen…!

      • Also ich find das absolut in Ordung. Es kann nicht sein, dass man jeder Mimose einfach Alles nachtragen muss. Wenn man ein Recht beansprucht, sollte man auch dafür tätig werden und nicht erwarten, dass irgend jemand mir das schon hinterher tragen wird.
        Auch mit dem Gesetz selbst kann ich mich überhaupt nicht anfreunden. Was heißt schon gleicher Lohn für die gleiche Arbeit. Es ist schlicht ungerecht, wenn jemeand das gleiche Gehalt für das Kehren des halben Hofes erhält, wie jemand der das doppelte macht oder sogar machen muss, weil Andere es nicht packen. Ich möchte grundsätzlich den Lohn bezahlen, den mir ein AN wert ist.
        Überhaupt der Gedanke des Lohnvergleiches ist an sich absurd. Ich habe in meiner langen Laufbahn es (fast) nie erlebt, dass ein AN sich die Frage gestellt hat, was leiste ich für die Firma und vor allem verdiene ich mein Geld überhaupt.
        Deutsche neigen extrem dazu im Großen aber auch im Kleinen sich paraistäre Strukturen zu schaffen, die es erlauben bei minimaler (oder auch keiner) Leistung das Maximum herauszuholen. Im Großen sind das für mich die GEZ, Handwerkskammern, Berufsgenossehschaften, das Beamtentum und vieles mehr, im kleinen sind das (häufig auch schon in kleineren Unternehmen) Marketing aber auch sonstiges unproduktives Gedöns oder irgendwelche Archivposten. Das kann alles weg.
        Stellt sich überhaupt jemand die Frage, wer denn die Rechnung letztendlich bezahlt? Irgendwo habe ich mal eine Rechnung gesehen nach der nur noch rund 16. Mio Bürger Steuern zahlen von 82~83 Mio. Rechnet man die ganzen parasitären Strukturen heraus, da tatsächlich nichts schaffen, wieviele sind es denn wirklich, die den Laden am Laufen halten.

          • Tatsächlich habe ich den Kommentar völlig unironisch gelesen. Tut mir Leid, das ich daraufhin diesen Rant losliess. Irgendwie bin ich derzeit nicht so gut drauf….

        • Kleine Korrektur: 82-83 Mio. ist nicht die Zahl der deutschen Staatsbürger (dazu müsstest du ca. 10 Mio. subtrahieren), sondern die der Einwohner von Deutschland. Dementsprechend sind es nicht 16 Mio. Bürger, sondern Einwohner.

  3. Die Begründung: Die bestehenden Gesetze in Deutschland reichen bereits aus.

    Derzeit haben Väter genau wie Mütter die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen. Verbesserungsbedarf besteht noch bei den Fristen des zusätzlichen Kündigungsschutzes.
    Ebenso steht es Vätern frei, nach Absprache mit ihrem Arbeitgeber, ihren Jahresurlaub zu nehmen. Auch da könnte man noch gesetzgeberisch an der Stellschraube drehen, dass Väter einen Anspruch erhalten, ihren Urlaub auch gerade dann zu nehmen.
    Viele Betrieb gewähren freiwillig einen bezahlten Sonderurlaub. Bei uns sind das zwei Tage anlässlich der Entbindung der Ehefrau.
    Wenn der Gesetzgeber durch z.B. steuerliche Vorteile solche und ähnliche Maßnahmen fördern würde, könnte das sicherlich ausgeweitet werden.
    Stattdessen geht es wieder mal nur um zusätzliche Forderungen und Vorschriften, die (aller Voraussicht nach) dem Arbeitgeber wieder mal den Schwarzen Peter zuschieben. Oder soll dieser zusätzliche Vaterschaftsurlaub unbezahlt sein? Wer trägt die Kosten?

    Wie gesagt, Väter können genauso Elternzeit nehmen, wenn sie wollen.
    Leider jedoch gibt es immer wieder Vorstöße, die eine verpflichtende Elternzeit für Väter fordern. Das ist völlig daneben. Es muss jedem Elternpaar selbst überlassen bleiben, wie sie Betreuung der Kinder und Erwerbstätigkeit zwischen sich aufteilen.
    Wer jetzt wem den Rücken freihält, geht den Staat nichts an!

    • „Derzeit haben Väter genau wie Mütter die Möglichkeit, Elternzeit zu nehmen. “

      Darum soll es dabei ja nicht gehen. Gemeint ist da ein Urlaubsanspruch bei Niederkunft der Frau. Heißt: voll bezahlt und nicht nur mit 2/3 des letzten Nettos.

      „Viele Betrieb gewähren freiwillig einen bezahlten Sonderurlaub. Bei uns sind das zwei Tage anlässlich der Entbindung der Ehefrau.“

      Wie viele das sind, kann ich nicht beurteilen. Kennen tu ich keinen. Aber auch hier: es geht um einen Anspruch. Da ist es nicht von Belang, ob einzelne Arbeitgeber so was von sich aus machen. Das hilft nämlich keinem, der nicht einen Arbeitgeber hat, der diese Sozialleistungen gewährt.

      „Leider jedoch gibt es immer wieder Vorstöße, die eine verpflichtende Elternzeit für Väter fordern. Das ist völlig daneben. Es muss jedem Elternpaar selbst überlassen bleiben, wie sie Betreuung der Kinder und Erwerbstätigkeit zwischen sich aufteilen.“

      Das sehe ich auch so. Leute zwingen, zu Hause zu bleiben ist vollends neben der Spur. Den hier thematisierten Rechtsanspruch finde ich hingegen nicht verwerflich. Dass der Gedanke, der die bekanntlich für Männerinteressen auch nicht sonderlich aufgeschlossene EU von einem solchen Anspruch hatte überzeugen können, meines Wissens der war, dass das den Frauen nach der Entbindung helfen könnte, vermehrt ihre Männer zu Hause zu haben in den ersten Tagen, nehme ich da gerne mit. Als Mann muss man sich daran gewöhnen, dass in unserer patriarchalen Gesellschaft Männerinteressen nur von Belang sind, wenn auch ein Nutzen für Frauen daraus abgeleitet werden kann.

      • Gemeint ist da ein Urlaubsanspruch bei Niederkunft der Frau. Heißt: voll bezahlt und nicht nur mit 2/3 des letzten Nettos.

        Das trifft ja auf den Jahresurlaub zu. Oft gibt es sogar noch Urlaubsgeld.
        Wer einen zusätzlichen Urlaubsanspruch verlangt, sollte auch ein tragbares Konzept für die entstehenden Kosten vorlegen.

        • Wer einen zusätzlichen Urlaubsanspruch verlangt, sollte auch ein tragbares Konzept für die entstehenden Kosten vorlegen.

          Das Konzept ist das gleiche, wie beim Mutterschaftsurlaub: Bis zu 13 € pro Tag zahlt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse und der Arbeitgeber stockt den Betrag dann auf das bisherige Nettogehalt auf. Mir ist vollkommen klar, dass dies für kleinere Unternehmen eine erhebliche Belastung ist. Aber wenn man dieses „Konzept“ bei Müttern als realisierbar einstuft, ist es grundsätzlich auch für Väter machbar bzw. die Probleme sind vergleichbar.

          • Der Arbeitgeber kann sich das Mutterschaftsgeld aber komplett zurück holen. In sofern entstehen da keine Kosten. Halt nur die Zusatz-Kosten für Vertretungen.

            Allerdings zahlen alle Unternehmen in den Umlagetopf 2. Das könnte sich dann erhöhen.

          • @Anne:
            Wir drehen uns im Kreis.
            Zehn Tage bezahlter Urlaub sind was Anderes als 10 Tage Elternzeit mit Anspruch auf Elterngeld (höchstens 67% Netto bzw. gedeckelt bei 1800€ pro Monat).

          • Mutterschutz wird zumindest teilweise von den Krankenkassen finanziert. Wenn man das (ohne medizinisch notwendigen Grund) für Väter auch machen würde, müssten die Krankenversicherungsbeiträge noch weiter steigen.

          • Nun ja. In dem Fall wäre das für 1-2 Wochen und nicht für 14-15 Wochen. Sollte finanzierbar sein. Und was den gesundheitlichen Aspekt betrifft – ich kann mich sehr gut an die Geburt unseres ersten Kindes und die ersten Tage danach erinnern. Ich war 28 Stunden bei meiner Frau im Kreißsaal (inkl. der ganzen Aufnahmeuntersuchungen etc. pp.). Danach wieder im Büro, da der Tag Sonderurlaub ja schon verbraucht war. Nach dem Job waren noch diverse Wege zu erledigen (z.B. Standesamt) und ein bißchen Zeit wollte ich ja auch bei ihr und dem Baby berbringen. Am 3 oder 4 Tag kam sie auf eigenen Wunsch nach Hause, war aber wegen des nicht geplanten Kaiserschnitts doch auch beeinträchtigt. An Schlaf war auch kaum zu denken. Alles in allem waren die ersten 2 Wochen fast nur Streß und nahezu null Schlaf. Das kann kaum gesund sein, oder?
            Und da hab ich Glück gehabt, daß mein Arbeitgeber wirklich sehr verständnisvoll war und ich so viel wie irgend möglich freigestellt war. Ohne die Unterstützung meines Chefs und meiner Kollegen wäre das so gar nicht gegangen.
            Beim 2. Kind war es dann einfacher – da hab ich direkt ab Geburt ein paar Monate Elternzeit gemacht. Darüber sind wir beide heute noch froh.

          • Der finanzielle Aspekt dieser ganzen Angelegenheit ist eigentlich (fast) immer das geringere Problem. Wie soll man in einem 5 Mann Betrieb mit zwei angestellten Frauen im gebärfähigen Alter während der Schwangerschaft der einen eine halbwegs seriöse Personalplanung machen? Mir schon so passiert. Nach 3 Monaten Schwangerschaft schlägt Dame bei der Geschäftsleitung auf und weist dezent darauf hin, dass die Schwangerschaft echt problematisch verlaufen könnte (nachdem was man so im Internet alles dazu liest) und man wahrscheinlich bereits vor dem Mutterschutz krankheitsbedingt ausfallen könnte. Und das als Berufsanfängerin mit weit überdurchschnittlichen Gehalt. Das Projekt das die Dame betreute ist dann elendlich vor die Hunde gegangen und ich war froh, dass die Dame nach der zweimaligen Elternzeit so weit umgezogen ist, dass es keine Möglichkeit einer Weiterbeschäftigung gegeben hat.
            Als Anekdote noch hinterher geschoben besonders arbeitseifrig waren beide Damen nicht. Ich habe es nie nachgerechnet aber es würde mich nicht wundern, wenn sie beide Ihr Geld nicht wert waren. Manchmal lebt man besser, wenn man nicht alles weiß.

    • „Leider jedoch gibt es immer wieder Vorstöße, die eine verpflichtende Elternzeit für Väter fordern.“

      Wer außer mir will das denn noch (mit Möglichkeit der Kindsmutter, auf ihr Recht auf zumindest nachgeburtliche Unterstützung – für die Dauer des Wochenbetts – schriftlich zu verzichten)?

      • Hab erst kürzlich auf Twitter eine ähnliche Diskussion gesehen, mir aber nicht gemerkt wo.
        So etwas taucht immer wieder mal auf, nicht nur von dir.

        Ach wie großzügig, der Mutter das Recht einzuräumen, zeitweise auf die väterliche Unterstützung zu verzichten.
        Ihr Femis wäret doch die ersten, die sich beschweren würden, dass der patriarchale Druck Mütter dazu drängen würden, diese Einwilligung zu unterschreiben, obwohl sie das ja in Wirklichkeit aber gar nicht wollten.

  4. In Österreich besteht (Stand: 2009) kein gesetzlicher Anspruch auf Vaterschaftsurlaub; die Karenzzeit können sich Väter und Mütter teilen. Es wurde wiederholt ein Vaterschutzmonat („Papa-Monat“) als Frühkarenz mit entsprechender Änderung des Väter-Karenzgesetzes und des Kinderbetreuungsgeldgesetzes gefordert,[8] seit 1. Januar 2011 gibt es das im Bundesdienst, und mit Juni 2011 auch in Wien.[9]

    Seit 2019 gibt es in Österreich einen Rechtsanspruch auf den Papa-Monat (vorher: mit Einverständnis des Arbeitgebers). Man kann 31 Tage direkt nach Geburt bei Frau und Kind zuhause bleiben. Dafür gibt es einen sog. Familienzeitbonus von 700€ von der Sozialversicherung, dem Arbeitgeber entstehen keine Kosten. Geht man als Papa später in Karenz und bezieht kinderbetreuungsgeld, werden diese 700€ davon abgezogen (!!!).

    Effektiv bekommen Väter also genau 0 (null) finanzielle Unterstützung für den papamonat, es wird so zu einer simplen Frage ob man es sich „leisten kann“.

    • Andererseits muss man vielleicht auch mal die Frage stellen, warum die Allgemeinheit für das Privatvergnügen der Eltern aufkommen soll, Kinder in die Welt zu setzen bzw danach zu betreuen.

      Wobei eine Gleichstellung zwischen Mutter und Vater natürlich zu befürworten ist, allein aus Gründen der Gerechtigkeit.

  5. „Die erste Zeit mit dem Kind fand ich allerdings bei Fräulein Schmidt auch sehr schön. Zumal es ja auch beim ersten Kind etwas noch spezielleres war, weil man noch keine Ahnung hatte, wie es läuft.“

    Dafür wird der Arbeitsaufwand mit 2 Kindern unter 3 Jahren erheblich größer sein (für sie). Und wie isses eigentlich gerad mit der Kita bei Euch? Also ich mein: ich bin schon ziemlich entsetzt, wenn ich bei unserer vorbeikomm und der Garten praktisch so voll ist als wär nix (unsere würd auch gern wieder… aber da ist die Vernunft vor).

    • Bei uns waren fast genau 3 Jahre zwischen Kind 1 und 2.
      Natürlich wurde der „Arbeitsaufwand“ größer. Und zwar für beide. Nicht nur für „sie“.
      Beim 2. Kind lief aber vieles deutlich relaxter. Es war nicht mehr alles komplett neu. Man hat dann ja schon einige Erfahrung. Und das zweite Kind läuft dann halt manchmal nebenher. Man konzentriert sich dann nicht nur auf das Baby, so wie es beim ersten war.

      • Ich gehe von den Bedingungen aus, die Christian geschildert hat: dass er Fräulein Schmidt morgens in die Kita bringt (sofern das weiter stattfindet) und erst „recht spät“ wiederkommt, wenn sie praktisch also fast schon wieder schläft. Zudem machte er ja auch keinen Handschlag bei der Kinderwäsche – ich nehm mal an, das war bei Euch anders?

        • Achja, der faule Christian, amüsiert sich den ganzen Tag auf der Arbeit und lässt Südländerin zuhause bei der Kinderbetreuung schuften… dieser Egoist! Wann tut der mal was für seine Familie?

    • „Dafür wird der Arbeitsaufwand mit 2 Kindern unter 3 Jahren erheblich größer sein (für sie)“

      Jaja, nichts als Stress und Aufwand hat man den ganzen Tag mit Kindern. Bleibt natürlich alles an ihr hängen, die Männer helfen ja bekanntlich nicht mit. Hört man zumindest pausenlos in den Medien, wird also wohl stimmen. Und dazu noch der Verlust von Pensionszeiten, der Weg in die Altersarmut ist vorprogrammiert.

      Warum Frauen überhaupt noch Kinder bekommen heutzutage wird ein ewiges Rätsel bleiben…

      • „Warum Frauen überhaupt noch Kinder bekommen heutzutage wird ein ewiges Rätsel bleiben…“

        Natürlich wegen der Vergewaltigungen!!! Würden Männer nicht ständig Frauen vergewaltigen, gäbe es fast keine Kinder mehr. Weiß doch jeder!

      • „Bleibt natürlich alles an ihr hängen, die Männer helfen ja bekanntlich nicht mit. Hört man zumindest pausenlos in den Medien“

        So ist es und irgendwie bringt dann ‚die Gesellschaft‘ Jungen eine toxische Männlichkeit bei.

  6. Mal so ein Gedanke:

    wir brauchen ca. 1 Mio Kinder pro Jahr, so PI mal Daumen.
    Einige Tage Väterurlaub, sagen wir mal 20 pro Kind sollten da locker drin sein. Kostet PI mal Daumen 2000 Teuro pro Kind. Lassen wir es 3000 sein. Wir reden also über 3 Mrd. Teuros pro Jahr. Richtig? Wo kommt das Geld her? Ganz einfach, wir sparen uns unnötige Ausgaben. Öffentlicher Rundfunk. Pensionen für Nichtleister. Nichtzahlende Gäste aus dem Ausland. Nicht notwendige Bürokratie. Nicht notwendige Ausgaben für Ökogedöns. Gender, Femi und sonstigen Schwachsinn und Schwupps haben wir 100 Mrd eingespart. Dann bekommen Väter 20 Tage Urlaub pro Kind und die Einkommenssteuer für Familien sinkt um sagen wir mal 30-40 Prozent.

    Nachteile: Beamte und ÖRR Mitarbeiter müssen arbeiten gehen und Gäste müssen ihre Hotelrechnung aus der eigenen Tasche bezahlen. Frauenbeauftragte werden arbeitslos und nicht brauchbare akademische Versagerinnen müssen heiraten und Kinder bekommen.

    Deal?

  7. „Die erste Zeit mit dem Kind fand ich allerdings bei Fräulein Schmidt auch sehr schön. Zumal es ja auch beim ersten Kind etwas noch spezielleres war, weil man noch keine Ahnung hatte, wie es läuft.“

    Ich muss gestehen: das verstehe ich nicht. Was ist schön daran, wenn man seine Zeit mit einem Säugling verbringt?

    Was ich gut nachvollziehen kann: Zeit mit kleinen Kindern, so ab 2 1/2 Jahre – das kann viel Freude bringen und auch wirklich interessant sein. Aber Zeit mit einem Säugling? Denn eigentlich sind die Neugeborenen ja alle Frühgeborene – da ist einfach noch nichts Menschliches erkennbar.

    Aber vielleicht sind es einfach nur die Hormone von Papa und Mama – die bringen dann den großen Kick auch bei Neugeborenen.

    • Das kann man auch nur nachfühlen, wenn man selber Kinder hat. Ja, eigentlich sind Säuglinge vor allem anstrengend. Aber die Natur sorgt schon dafür, dass man die Zeit trotzdem als etwas Schönes wahrnimmt.

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