Bodo Ramelow und das „Merkelchen“

Ramelow hat anscheinend darauf vertraut, dass Gespräche in den Gruppen des neuen Hypes „Clubhouse“ tatsächlich eine gewisse Vertraulichkeit haben und man dort frei von der Seele reden kann.

Aus einem Beitrag dazu:

Ramelow wurde in eine Runde geholt, in der es um „Trash und Feuilleton“ gehen sollte, moderiert von der 19-jährigen SPD-Wahlkämpferin Lilly Blaudszun. Auch Blaudszuns Chefin Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, kam hinzu. Das wiederum zog eine ganze Reihe von Journalistinnen, Journalisten und anderen Politikerinnen und Politikern an.

In rascher Folge ging es um Schwesigs Familienpizza, Heidi Klum und Tom Kaulitz, Schwesigs Rolle in einem Defa-Spielfilm als 15-Jährige, Ramelows Lieblingsfilm „Die Legende von Paul und Paula“, den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium – und um die Ministerpräsidenten­konferenz.

Ramelows Zunge hatte sich gelockert. Er erzählte, wie er während der stundenlangen Sitzungen mit Computerspielen entspannt („Bis zu zehn Level ‚Candy Crush‘ schaffe ich“) und wie sehr es ihn störe, dass die „Bild“-Zeitung quasi live aus der vertraulichen Sitzung berichtet. Dann fiel der Satz: „Da können wir die MPK auch gleich auf Clubhouse machen und holen das Merkelchen dazu.“

Die Aufregung ist groß. 

Die einen prangern an, dass man „über Grundrechtseinschränkungen entscheide“ und das ernst nehmen müsse und dabei nicht Candy Crush spielen sollte. 

Dazu würde ich anführen, dass es garantiert bei einer solchen Besprechung genug sinnlose Beiträge gibt, bei denen man mal weghören kann oder Streitigkeiten, die einen nicht betreffen. Und natürlich kann man auch mal ne Pause machen. Das finde ich persönlich nicht so dramatisch. 

Die anderen führten an, dass Merkelchen natürlich gar nicht gehen würde. Ein Angriff auf eine Frau und ein gutes Zeichen, dass Frauen aus der Politik vergrault werden und überhaupt alles patriarchatisch ist. Wobei er sicherlich Glück hat, dass er bei den Linken ist, wenn Lindner so etwas gesagt hätte oder gar Merz, dann hätte die Bude wahrscheinlich richtig gebrannt. 

Hier ein Aufreger einfach mal aus dem Netz gegriffen:

Ramelow hat sich inzwischen entschuldigt:

Auch darunter formiert sich dann wieder Kritik, diesmal, weil er so etwas mit „männlicher Ignoranz“ entschuldigt und nicht einfach mit einem persönlichen Fehler. 

Dafür hat er sich bisher nicht entschuldigt. 

Aber natürlich ist auch die Formulierung, dass er da erst überzeugt werden musste nicht auf Gegenliebe gestoßen:

„Merkelchen“ ist aus meiner Sicht für jemanden aus der Opposition noch nichts so dramatisches. Bei Kohl hätte man wahrscheinlich „Birne“ oder „der Dicke“ gelesen oder etwas in dieser Art. 

Insgesamt denke ich wird es aber kein so großes Drama werden: Ramelow ist als Linker nicht so interessant für eine wilde Cancel Culture. Und Merkel dürfte auch kein großes Interesse daran haben, es zu kommentieren. 

 

33 Gedanken zu “Bodo Ramelow und das „Merkelchen“

  1. Ich habe Helmut Kohl nie in vernielichender Form genannt, sondern immer Birne, also nie Birnchen! Ich wusste schon damals, dass so was nicht geht. Auch Schwesig würde ich nie Küstenbarbychen nennen, sondern immer die Irre aus MC-Pom! Wie man sieht, nehme ich Frauen ernst!

    Und Rammelow ist auch kein Kind von Traurigkeit, wie man bei seinen unterirdischen Tweet-Angriffen auf die FDP sehen konnte. Ein grosses Kind, dem man zuviel Macht gegeben hat. Wenn wir das hier privat machen, so wie ich oben, ist das eine Sache. Macht dies aber ein MP, der auch noch die AfD wegen ihrer Äusserungen angreift, ist das zu vergleichen mit „Ab morgen gibt es auf die Fresse“ oder „Wenn es einfach wäre könnten wir ja einen Mann nehmen“ und anderen Äusserungen einer gewissen Andrea N. Stammtisch ist Stammtisch und MPK ist MPK…

  2. Puh, mit dem Namen sollte er sich in Acht nehmen, den kann man auf so viele Weisen verwüsten, vor allem unter Ossis mit lebendigen Sowjet-Erinnerungen:

    Ramelowa: Verweiblichung
    Ramelowchik: Verniedlichung
    Rammel-Off(-Chick): Sexualisierung
    Ramelowniuk / Ramelowchuk: Weißrussifizierung / Ukrainifizierung
    Ramelowschtschina: »Ramelowerei«
    Ramelowschik / Ramelowschiza: »der Ramelower« / »die Ramelowerin«

    • Schade, dass solche Ostverballhornungen so selten sind. Ich kenne nur Max Uthoffs „Bodo Ramelow, dessen Name klingt wie der eines betrunkenen Hasens aus einem Kinderbuch.“ 🙂

  3. Außerdem würde ich Merkel zu Beleidigungszwecken »Kanzlerine« oder »Kanzlerinchen« nennen … 🙂

    »Södiplatsch und Kanzlerinchen« fände ich auch nett …

    Aber dass sich gegen Ramelow prompt ein geschlechterbezogenes Beleidigtsein geltend und Ramelow dazu auch brav »Männchen« macht, ist heutzutage nicht anders zu erwarten.

    • Ich hätte den Teufel getan und mich auf Twitter oder sonst irgendwo öffentlich entschuldigt. Wenn ich mich entschuldigt hätte, vielleicht auch öffentlich, dann nur wenn und weil sich das Merkelchen bei mir beschwert hätte.
      Stellvertretend entschuldigen, weil irgendwelche Leute meinen, sie müssten auf politische Korrektheit bestehen, käme mir überhaupt nicht in den Sinn.
      Andererseits ich will ja auch nicht wiedergewählt werden. Oder vielleicht doch? 😉

      • Sich als Mann gegenüber solchen Pseudo-Moralisten zu entschuldigen ist eh ein Fehler. Die sehen das als Grund einen jetzt erst so richtig fertig zu machen. Als Frau kann so eine Entschuldigung funktionieren, wenn mach schön brav noch aussagt das alle Männer und Weiße schlecht sind und man schwört ab jetzt jeden Bullshit von irgendwelchen PoCs ganz ernst zu nehmen und lernen zu wollen. Aber als Mann.. ich kann mich an keine Fall erinnern, bei dem eine Entschuldigung etwas gebracht hat.

  4. Über Stil kann man da bestimmt schon mal die eine oder andere Frage stellen, aber was zum Henker hat das jetzt mit Sexismus zu tun? Der oben schon von Kai V zitierte Spruch von Nahles war Sexismus in Reinkultur, weil er Männer ganz allgemein als eher nur für einfache Tätigkeiten tauglich klassifiziert. Es ist geradezu die Definition von Sexismus. Die Reaktion damals? Sie variierte zwischen Schulterzucken oder belustigter Zustimmung. Letzteres von oft denselben, die sich über diesen Quark jetzt aufregen und ihn als Sexismus labeln. Wie rundweg verlogen kann man eigentlich sein?

    Ja, Merkelchen geht natürlich gar nicht. Mutti Merkel auch ganz doll böse. Küstenbarby, oh diese Frauenfeindlichkeit. Zensursula? Mehr Nazi geht kaum noch. Wir sind längst an dem Punkt angekommen, an dem man an Frauen, egal in welcher Position und egal, als wie dumm und unfähig sie sich dort erweisen, keine Kritik mehr äußern kann. Und das in einem Patriarchat?!

    Was sagte Voltaire gleich noch über beherrschen und kritisieren dürfen???

    • Ganz genau. Der Vorgang ist meiner Meinung nach schon ein großes Ding, weil er zeigt, dass Sexismusvorwürfe inzwischen als Allzweckwaffe gegen jegliche Kritik an Frauen oder deren Veralberung eingesetzt werden. Das ersetzt heutzutage die Majestätsbeleidigung.
      Die Ramelows und die vielen anderen Männer machen sofort artig den Diener und äußern Reue. Ehrfurchtsvoll, devot und humorbefreit haben wir uns weiblichen Entscheidungsträgen zu nähern. Alles andere kann uns den Kopf kosten.
      Männer sind inzwischen so weichgespült und auf weibliche Höherwertigkeit konditioniert, dass ich inzwischen sogar den von mir selbst oft gegebenen ironischen Hinweis auf ein Patriarchat gar nicht mehr lustig finde.

    • Huch, ich dachte schon, wir müssten dich auch langsam aufnehmen in unsere Liste der verschollenen Kommentatoren. Hast dich in letzter Zeit so ungewöhnlich rar gemacht…

        • Zuletzt war hier ein User unter dem Namen J. M. S. aufgefallen, der einige Male in Kommentaren nur auf kritische Terziärliteratur zu Jordan Peterson oder James Lindsay hinwies. Zusätzlich zu dieser Themenauswahl führten auch einige Auffälligkeiten in der Rhetorik zu dem Verdacht, dass es sich hierbei um einen „Sockenpuppen-“ oder auch nur Ersatzaccount von Leszek handeln könnte. Bewiesen ist natürlich nichts, aber ich erinnere mal an den anonymen Leserbrief bei Arne, bei dem jeder hier sofort wusste, von wem der stammte. Unser Leszek ist halt auf jeden Fall ein Original. 🙂

      • Hi Billy,

        ja, ich bin derzeit regelrecht allergisch gegen alles Politische! Aber ich lese schon noch mit, zum Kommentieren reichts meist aber nicht.
        Viele Neujahrsgrüsse noch an Alle!

  5. Mich stört, dass politische Entscheidungen im Geheimen getroffen werden. Das geht gar nicht. Dass die das auch noch gut finden und offensiv verteidigen ist eine bodenlose Frechheit.

  6. Merkelchen finde ich voll daneben. Man sagt und schreibt auch nicht Diktatorchen. Diese Frau verdient Ausdrücke, die ich hier nicht schreiben werde…….

  7. Scheint nur noch Cucks in den etablierten Parteien zu gehen. Deswegen kann ich schon verstehen, warum die AfD bei vielen so beliebt ist.
    Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert.

  8. Wer es auf politische Leitungspositionen geschafft hat, hat in der Regel bestimmte Charaktermerkmale. Das könne positive sein wie Durchsetzungskraft und mentale Stärke (Resilienz), aber eben und m.E.zwingend auch negative wie Machtdenken, Intrigantentum, Bösartigkeit, Empathielosigkeit, Rcksichtslosigkeit, krankhafter Ergeiz, Minderwertigkeitskomplex, Narzissmus, Psychopathie, Ellenbodendenken, Hemdsärmeligkeit, Ideologiegetriebenheit. Nicht alle gleichzeitig, aber immer einige davon. Es findet eine Negativauslese statt. D.h. viele Menschen mit überwiegend guten und sozialen Charaktermerkmale tun sich das „Haifischbecken“ Politikbetrieb von vornherein nicht an.
    Spitzenpolitiker zeigen ihre negativen Eigenschaften in der Regel nicht in der Öffentlichkeit, Wenn diese doch mal aufblitzen, dann geschieht das aus Versehen wie bei Herrn R.

  9. Merke(l): Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Und der Begriff „Merkelchen“ ist ja eine Verharmlosung für die GröKaZ und das, was sie schon angestellt hat. Und wie schon gesagt, es kommt von einem Linken. Wenn Lindner oder Merz das gesagt hätten, hätte es gerauscht im Blätterwald (wie erwähnt), wenn ein AfDler das gesagt hätte, wäre schon der Staatsschutz unterwegs.

  10. Und natürlich, weil ich diesen Kindergarten nicht ernst nehmen will und finde dass alle Beteiligten im öffentlichen Diskurs nix verloren haben, bin ich das Problem.

  11. Was für eine Clownsveranstaltung. Er sollte dazu stehen, dass die Kritik an Merkel, VDL, etc. nicht nur gerechtfertigt ist, sondern auch geboten. Und auch dazu, dass hier gerade eben ein Frauengespann vollstaendig und durchgehend versagt hat und deswegen auch ganz zurecht nicht mehr ernstgenommen wird, nicht nur als Verantwortliche, sondern auch als Vertreter ihres Geschlechts, nachdem es als Losung ausgegeben wurde, dass Frauen sowieso alles besser machen. Ich denke mal man kann sicher sagen, dass das nicht geklappt hat und muss sich nicht wundern, wenn wirtschaftsseitig grosse Vorsicht entsteht, insbesondere in Hinblick auf vorleistungslose Frauenförderung.

    Ohne irgendeine Meinung zu Ramelow: Es wird Zeit, dass Männer nicht mehr vor Frauen kuschen und auch nicht mehr vor Positionen, denen jeder Rest von Merit abhanden gekommen ist. Grow a pair, Du Waschlappen, und entschuldige Dich nicht vor Unfähigen.

  12. Ich sterbe innerlich wenn ich einen Mann sehe, der sich so sehr für sein Gesagtes schämt und sich öffentlich bildlich gesprochen selbst kasteit/kastriert. Wäre ich eine Frau, ohne Scheiß, und wäre der mein Freund, ich hätte den instant verlassen.

    Nicht einmal ein Fünkchen Männlichkeit vorhanden.

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