Kleinkindersprache

Fräulein Schmidt brabbelt immer mehr vor sich hin und es wird auch immer verständlicher.
Aber mitunter muss man auch wirklich aufpassen, was sie meint und was sie gerade verarbeitet.

Neulich beschäftigte sie, dass Hasen keine Fische essen sollen. Und sie selbst auch nicht. Gut, dass Fischstäbchen ja keine Fische sind.

Aber auch sonst neigt sie dazu einen in ihrer Kindersprache schon klare Anweisungen zu geben, was man alles machen soll oder wie sie gerade spielen soll. „Kopf“ etwa heißt, dass ich sie auf die Schulter nehmen soll und mit ihr durch die Wohnung rennen soll, was ihr viel Spass macht, weil ich sie dabei hin und herschaukele und sie sich lachend festhält.

Und mal darf dann eben auch der Papa etwas nicht oder die Mama nicht. Ich zB darf eher zu ihr in ihr Spielzelt, die Mama aber nicht! (die mit dem immer dicker werdenden Bauch da auch gar nicht hineinklettern möchte)

Gerade sind auch alle möglichen Figuren in Büchern Mama oder Papa, etwa ein Ritter, der gleich als Papa identifiziert wurde oder auch ein Mann, der gerade eine Frau küsste, aber immerhin war die Frau, die er küsste dann auch die Mama. Vielleicht ist es schlicht nur die Mann/Frau Schiene, die sie da verarbeitet.

Auch Mädchen/Junge beschäftigt sie und sie fragt nach wer was ist. Sie versteht, dass sie selbst ein Mädchen ist, dass der Papa nicht auch ein Mädchen ist schien sie aber etwas zu stören. Da haben wir ja schon das Gefühl, das andere Geschlecht zu sein!

Man gewöhnt sich im Gegenzug auch dieses Sprechen in dritter Person an etwa „der Papa muss dir jetzt die Schuhe anziehen“. Dabei würde sie es denke ich mit „ich“ genau so gut verstehen. Aber irgendwie ist es verführerisch

24 Gedanken zu “Kleinkindersprache

  1. „Neulich beschäftigte sie, dass Hasen keine Fische essen sollen. Und sie selbst auch nicht. Gut, dass Fischstäbchen ja keine Fische sind.“

    Wir hatten das ja erst kürzlich hier, dass weibliche Kausalitätsmuster schon sehr früh ausgereift sind.
    Mein Kind (8, blond, weiß) zeigt auch gerade eine interessante Entwicklung: Wenn es sich bei einem Tablet-Spiel einen Avatar bastelt, wird der nicht nach seinem Ebenbild geschaffen, sondern ist schwarzhaarig und dunkelhäutig.

    • Naja ob das jetzt immer so typisch weiblich ist? Man kann’s auch übertreiben. Ich denke mal doch eher kindlich .. von meinen Anfängen wurde mir erzählt, das ich irgendwann mal „WauWau“ gelernt habe, damit aber nicht nur unseren Dackel sondern zur Belustigung aller auch Ameisen mit Wauwau betitelte.
      Zeigte sich da schon früh meine überdurchschnittliche Fähigkeit zur Abstraktion?! Ich denke eher nicht 😉

      • Das war auch eher frech gemeint. Allerdings erinnern mich die Fischstäbchen schon sehr an 24-jährige FFF-Mädels, die ihren Eltern böse Szenen bereiten, weil die ihr Kinderzimmer nicht weiblichen Optimierungsstandards entsprechend durchgängig auf über 23 Grad hochheizen.

    • meine Schwester liebte Ketchup aber hasste Tomaten. Natürlich ist das nicht logisch, und natürlich hat das nur sehr bedingt was mit dem Geschlecht zu tun. Letzten Endes landet man bei dem was Kahnemann „System 1 und 2“ genannt hat, und das assoziativ arbeitende und ständig aktive System 1 arbeitet nun mal nicht logisch, dazu ist es gar nicht in der Lage, das kann nur „System 2“, welches aber langsam, anstrengend und ermüdend ist, weshalb der Mensch dazu tendiert es so wenig wie möglich einzusetzen. Und zwar sowohl bei Weiblein als auch Männlein.

      • „meine Schwester liebte Ketchup aber hasste Tomaten. Natürlich ist das nicht logisch…“

        Ich finde das gar nicht unlogisch. Ketchup hat ja sowohl von der Konsistenz als auch vom Geschmack wenig bis gar nichts mehr mit Tomaten in roher Gemüseform gemein. Insofern kann ich das schon nachvollziehen.

        Das Gleiche gilt für Fischstäbchen. Zum einen finde ich, sind Käpt’n Iglo und Co. wahre Meister darin, originären Fischgeschmack sehr effektiv aus den Stäbchen herauszubekommen und hinzu kommt noch die Optik. Fischstäbchen sind nichts anderes als panierte Quaderstücken. Ein anderweitig, herkömmlich zubereiteter Fisch, der dann noch mit Kopf und Schwanzflosse dran vor einem auf dem Teller liegt, kann unter Umständen schon etwas abschreckend und unappetitlich wirken.

      • „meine Schwester liebte Ketchup aber hasste Tomaten. Natürlich ist das nicht logisch“
        Auch das geht mir ganz genauso. Ich mag auch Tomatensoße. Geschmack hat nichts mit Logik zu tun, aber es gibt eine Erklärung: Rohe Tomaten haben einen Beigeschmack der für manche Menschen abstoßend ist. Verarbeitete Tomaten verlieren diesen abstoßenden Beigeschmack, deswegen sind die OK. Habe das Gleiche schon von vielen Leuten gehört.

    • Die sind ja auch zur Hälfte geschmacksoptimierte Panade und der Rest ist quasi geschmackfreier Weißfisch 🙂

      Mein Sohn isst nur Wurst, aber rührt Fleisch nicht an, nichtmal knuspriges Hähnchen oder sowas. Muss man nicht verstehen…

        • Die Schwierigkeit besteht schon darin, ihn dazu zu nötigen, etwas nur zu probieren.

          Er lässt sich weder bestechen noch erpressen und wenn man es wirklich vehement einfordert, nimmt er ein winziges Stückchen auf den Löffel, schlürft es mit spitzen Lippen und schluckt es angeekelt herunter. Die Frage, ob es ihm geschmeckt hat, kann man sich dann auch gleich sparen. Und das Theater was man deswegen veranstaltet, führt dazu, dass man sowas nicht allzu oft probiert.

          Er hat eine veritable Essstörung und ich habe keine Ahnung, woher. Ist ja nicht nur bei Fleisch so: Gemüse, Obst, Fisch, Milchprodukte etc. rührt er alles nicht an (Vitamine führen wir ihm eigentlich nur über Getränke zu).

          Die letzten Jahre ist es ein bisschen besser geworden, aber alles was er akzeptiert, muss man dann auch regelmäßig machen, sonst entwöhnt er sich wieder. Muss er von meiner Frau haben, die ist auch keine gute Esserin, meine Tochter schlägt mehr nach meiner Familie, die is(s)t viel offener.

    • Ich finde alles scheußlich, was im Wasser gelebt hat. Ich habe Fisch probiert, Krebse, Muscheln, Kaviar, vegetarisches Sushi, also Algen mit Reis… alles hat diesen widerlich fischigen Geschmack.

      Nur Fischstäbchen kann ich problemlos essen. In meinem ganzen Leben hatte ich nur einmal eine Packung Fischstäbchen mit fischigem Geschmack, die ist im Müll gelandet. Sonst schmeckten Fischstäbchen nie nach Fisch.

      Vielleicht empfinden kleine Kinder ebenso? Dann ist es keine Anstellerei (was ja auch häufig genug vorkommt), und die Panade sorgt dafür, dass Fischstäbchen nicht nur gegessen, sondern gemocht werden.

      • Geht mir genau so. Ich habe es aufgrund des Unverständnisses und/oder Generves von (Teilen von) Familie, Lebensgefährtin, Freunden tatsächlich immer mal wieder (in großen zeitlichen Abständen) probiert, aber mir wird oft alleine schon vom Geruch, so gering er bei frischen Fischen und Meeresfrüchten auch sein mag, kotzübel. Bei nicht fangfrischen Exemplaren von „was-auch-immer-aus-dem-Wasser-kommt“ ist das ziemlich genau zu 100% der Fall.

        Aus der Familie hab ich es nicht, die Essen Fisch mit Begeisterung, während ich als Kind bei Familienurlauben arge Probleme hatte ohne zu Speien durch die großen Fischhallen am Meer zu kommen. Und eklig (vom Geschmack abgesehen) finde ich das auch alles nicht, ich habe am Meer genau wie meine Geschwister stundenlang mit gefangene Krebsen, Garnelen und Fischen gespielt, bis sie wieder in Freiheit entlassen wurden.

        Das einzige was bei mir geht (Industrie-Abfälle wie Fischstäbchen mal außen vor), ist Seezunge. Schmeckt (zumindest für meine Geschmacknerven) kaum nach Fisch und einfach nur mit ausgelassener Butter kriegt man das, wenn gesellschaftliche Anlässe es erfordern, ganz gut runter. Muss aber auch quasi gerade erst aus dem Wasser kommen und ist natürlich entweder recht teuer oder man wird über’s Ohr gehauen.

  2. Meine Tochter dachte, sie wäre ein Junge. Kürzlich hat sie mir mal erzählt, sie hätte das gedacht, weil sie fand, ihre Stimme würde wie die eines Jungen klingen 🙂

    Und sie hat uns öfter mal veralbert und geschauspielert, schon in einem Alter, in dem ich das nicht für möglich gehalten hätte. Die Zeit mit kleinen Kindern ist schon schön, ich hoffe, ich bekomme mal Enkel.

  3. Fräulein Schmidt brabbelt immer mehr vor sich hin und es wird auch immer verständlicher.

    Früher oder später wird man dann sehen, ob Fräulein Schmidt anfängt zu gendern oder sich durch das generische Maskulinum oder ein ominöses Patriarchat irgendwie diskriminiert fühlt. Ich bin schon jetzt auf die Ergebnisse dieser Studie gespannt und hoffe daher, dass der Blog weitere zehn Jahre besteht 🙂

  4. Ich fand die erste Phase des Spracherwerbs sehr interessant, weil die Komplexität noch beherrschbar und auch für Laien nachvollziehbar ist. Ein-Wort-Sätze, Zwei-Wort-Sätze, maximal Drei-Wort-Sätze, danach ist die Komplexität zu groß, als dass ich beim Verstehen noch Energie hätte, über die Formulierung nachzudenken.

    Ein lustiges Detail ist mir noch in Erinnerung: In der Phase, in der Objekte oft nach den Geräuschen benannt werden, die sie machen (WauWau, TütTüt, …) hieß der Zahn bei uns „Ahhh“, weil beim Zähneputzen immer „Ahhhhh“ gemacht werden musste. Deshalb hießen die Objekte rund um die Zahnpflege auch „Ahhh-Pasta“, „Ahhh-Bürste“ und die Tätigkeit „Ahhh-Putzen“ (natürlich noch nicht so sauber artikuliert wie hier aufgeschrieben). Das fand ich in der innewohnenden Stringenz und Logik sowohl amüsant als auch folgerichtig.

    Allgemein schienen mir Regeln eine wichtige Rolle für die Kinder zu spielen, um für sich die Welt zu ordnen. Die meisten Regeln überdauern nur eine gewisse Zeit und werden dann durch komplexere Regelwerke ersetzt. Im Prinzip baut sich das Weltbild der Kinder vor unseren Augen auf. Das ist ein spannender Prozess.

  5. Auch Mädchen/Junge beschäftigt sie und sie fragt nach wer was ist
    Das erinnert mich an Dragon ball, als Son Goku immer prüfen müsste, indem er den Leuten zwischen die Beine greift.

  6. ….dass ich sie auf die Schulter nehmen soll und mit ihr durch die Wohnung rennen soll, ….

    Gelegentlich an Vergleichsmessungen denken. Die Differenz Gesamthöhe Gespann Schmidt minus lichte Höhe Zimmertür sollte < 0 sein….

  7. Tja, als Vorschulkind servierte mir meine Mutter damals eine gedämpfte (kleine) Forelle. Ich hatte die ganze Zeit nur Gräten im Mund und hab‘ mir damls geschworen, nie wieder Fisch zu essen. Außer die Stäbchen aus der Pfanne natürlich, am liebsten mit Ketchup – obwohl ich Tomaten bis heute hasse wie die Pest.

    Ach ja, eine Zarzuela („Fischoperette“) kam später und ist bis dato immer noch meine Leibspeise. Ich werde gepriesen dafür, wenn ich sie mal zubereite. Außer natürlich von der Fraktion Mäkel & Co. die fragt, sind das etwa Muscheln, Kraken oder Krebse – und anschließend dieses Schwimmzeugs aussortieren und in den Topf zurückwerfen …

    Wie man sieht, Geschmäcker ändern sich.

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