„Multirassisches Weißsein“

Eine Autorin bei der Washington Post führt Beispiele von „Trumpisten“ an, die nicht weiß sind und versucht das in die intersektionalen Theorien zu bringen:

What are we to make of Tarrio — and, more broadly, of Latino voters inspired by Trump? And what are we to make of unmistakably White mob violence that also includes non-White participants? I call this phenomenon multiracial whiteness — the promise that they, too, can lay claim to the politics of aggression, exclusion and domination.

(….)

 

Trump, by contrast, knows nothing of the history of Latinos in the United States and rarely even pretends to find value in Latinos’ distinct identities. Rather than offering his non-White voters recognition, Trump has offered them multiracial whiteness.

Rooted in America’s ugly history of white supremacy, indigenous dispossession and anti-blackness, multiracial whiteness is an ideology invested in the unequal distribution of land, wealth, power and privilege — a form of hierarchy in which the standing of one section of the population is premised on the debasement of others. Multiracial whiteness reflects an understanding of whiteness as a political color and not simply a racial identity — a discriminatory worldview in which feelings of freedom and belonging are produced through the persecution and dehumanization of others.

Also schlicht die Idee, dass auch Nichtweiße an „weißer Überlegenheit“ teilhaben können und gegen Schwarze sein können. 
Das passt nicht wirklich zu den intersectionalen Theorien – da können PoCs ja keine Rassisten sein – also werden aus den Farbigen dort eben Weiße als „politische Farbe“. 

„Multirassisches Weißsein spiegelt ein Verständnis von Weißsein als politische Farbe und nicht einfach als rassische Identität wider – eine diskriminierende Weltsicht, in der Gefühle von Freiheit und Zugehörigkeit durch die Verfolgung und Entmenschlichung anderer erzeugt werden.“

Ein interessanter Satz: Sie könnte auch sagen, dass Trump eben gerade keine Identitätspolitik betreibt, in seiner Ideologie Rasse relativ egal ist. Aber das klingt nicht so unterdrückerisch und für intersektionale Theoretiker ist es natürlich auch schon Verfolgung und Entmenschlichung anderer, wenn man ihre Theorien nicht anerkennt. 

Es ist für diese Denkrichtung einfach vollständig unvorstellbar, dass Trump als Milliardär eine Bewegung anstoßen könnte, die weit eher auf Klassenfragen setzt: Wir müssen Arbeitsplätze zurückholen, wir dürfen uns die Preise nicht durch Einwanderung kaputt machen lassen, wir müssen „die da oben“ entmachten, die Bestechlichkeit und die Korruption eindämmen („Drain the Swamp“), wieder den „Normalen Amerikaner“ nach vorne bringen. Und  davon können sich eben alle Arbeiter angesprochen fühlen, egal welchen ethnischen Hintergrund sie haben.
Im Gegenzug bedienen die Demokraten eben eher vieles, was virtue Signalling ist. Und bei Studierten besser anzukommen scheint. 

 

Multiracial whiteness promises Latino Trump supporters freedom from the politics of diversity and recognition. For voters who see the very act of acknowledging one’s racial identity as itself racist, the politics of multiracial whiteness reinforces their desired approach to colorblind individualism. In the politics of multiracial whiteness, anyone can join the MAGA movement and engage in the wild freedom of unbridled rage and conspiracy theories.

„Multirassisches Weißsein verspricht Latino-Trump-Anhängern Freiheit von der Politik der Vielfalt und Anerkennung. Für Wähler, die den bloßen Akt der Anerkennung der eigenen rassischen Identität selbst als rassistisch ansehen, verstärkt die Politik des multirassischen Weißseins ihren gewünschten Ansatz des farbenblinden Individualismus.“

Also etwas kürzer: Trump wäre etwas für alle, die gerade nicht ihre  „rassische Identität“ als wichtig ansehen und eher wollen, dass alle gleich behandelt werden. Was ja auch durchaus ein vernüftiger Ansatz ist.  

„In der Politik des multirassischen Weißseins kann jeder der MAGA-Bewegung beitreten und sich in der wilden Freiheit der ungezügelten Wut und Verschwörungstheorien engagieren.“

Das kann er allerdings auf der anderen Seite auch: Dort kann er etwa die ungezügelte Wut auf Weiße, Männer, heterosexuelle etc ausleben und sich Verschwörungstheorien wie dem Patriarchat hingeben. 

Multiracial whiteness offers citizens of every background the freedom to call Muslims terrorists, demand that undocumented immigrants be rounded up and deported, deride BLM as a movement of thugs and criminals, and accuse Democrats of being blood-drinking pedophiles.

Was ja auf der anderen Seite so viel anders nicht wäre, nur eben mit anderen Gruppen. 

Here, the politics of exclusion, violence and demonization are available to all. If you want to speak Spanish and celebrate a quinceañera in your family, go ahead. If you want to be a Proud Boy, be a Proud Boy. Trump doesn’t care. As long as you love him, he’ll love you.

Warum nur kann das für Leute attraktiver sein als die linke Identitätspolitik?

America’s racial divide is not simply between Whites and non-Whites. Thinking in terms of multiracial whiteness helps us recognize that much of today’s political rift is a division between those who are drawn to and remain invested in a politics of whiteness and those who seek something better.

„Amerikas rassische Kluft besteht nicht einfach zwischen Weißen und Nicht-Weißen. In Begriffen des multirassischen Weißseins zu denken, hilft uns zu erkennen, dass ein Großteil der heutigen politischen Spaltung eine Spaltung zwischen denen ist, die sich zu einer Politik des Weißseins hingezogen fühlen und darin investiert bleiben, und denen, die etwas Besseres suchen.“

Das scheint mir sehr dich an dem zu sein, was man in den intersektionalen Theorien erkennen sollte, aber es verfehlt dann im letzten Teil doch wieder das Ziel. Denn sie machen es sich einfach und erklären alles, was sonst noch an Problemen vorhanden sein kann eben schlicht auch zu „whiteness“, dann eben als Machterhalt oder was auch immer. Es darf keine Problem daneben geben, also ist alles „whiteness“

 

We witnessed this very divide in Georgia, when a significant segment of White voters broke with Georgia’s White majority, joining a multiracial coalition that sent Raphael Warnock and Jon Ossoff to the U.S. Senate, following the leadership of Black women whose organizing made that electoral victory possible.

This is the hopeful side of the shifting and diverging politics of whiteness. In the post-Trump era, the challenge will be to prevail over the extremism of Trump’s White majority while trying to prevent the politics of whiteness from becoming an increasingly multiracial affair.

Weniger Ernst kann man glaube ich die Sorgen anderer Wähler kaum nehmen. Entweder sind sie weiße Rassisten oder sie wollen weiße Rassisten sein, nur eben mit anderer Hautfarbe.