Biologische Theorien zu den Geschlechtern als schlechte Memes

Ich hatte dargestellt, dass die intersektionalen Theorien viel an sich haben, was sie als Theorien leicht „transportierbar“ macht.

Dagegen haben die biologischen Theorien zu den Geschlechtern vieles an sich, was sie eher schwer transportierbar macht:

  • Sie geben keine moralische Orientierung: Aus der Biologie kann man nichts moralisches herleiten. Nichts ist gut oder schlecht, weil es auf eine bestimmte Art ist, im Gegenteil das wäre ein naturalistischer Fehlschluss
  • Sie setzen keine scharfen Grenzen, sondern zeigen allenfalls Unterschiede im Schnitt auf, die üblicherweise Normalverteilungen mit sich überlappenden Trägern und abweichenden Mittelwerten bilden. Die Verteilungen können auch noch verschieden flach sein etc. Damit sind die Abgrenzungen weit weniger klar
  • die Biologische Kränkung ruft Widerstand hervor: Es wird vorgehalten, dass die Theorien den „Freien Willen“ nicht beachten, man müsste sich eingestehen, dass auch die eigene Biologie Einfluss auf einen hat
  • In der Erklärung braucht man schnell ein hohes Wissen über evolutionäre Biologie, insbesondere natürliche und sexuelle Selektion, aber auch um die Wirkung von Hormonen, Hormonrezeptoren, Genen etc.
  • Es gibt viele Fehlvorstellungen über diese Theorien, die eine Abwertung oder eine Abwehr erleichtern, etwa ist sexuelle Selektion nahezu unbekannt so dass angenommen wird, dass man alles mit natürlicher Selektion begründen muss, das auf Gene selektiert wird, wird nicht verstanden, dass Gruppenselektion nicht klappt wird nicht verstanden, es wird davon ausgegangen, dass Biologie einen Essentialismus zur Folge haben muss (alle Männer sind so, alle Frauen sind so), es wird einem Sozialdarwinismus vorgeworfen
  • Studien aus der Biologie sind oft ohne Hintergrundwissen schwer verständlich. 
  • Der Kausalzusammenhang gerade in dem Zusammenspiel mit sozialen Faktoren ist schwierig darzustellen. 
  • Es gibt keine klaren guten oder bösen Gruppen. Es gibt keine Opfer und keine Täter. Es gibt nur Unterschiede. 

16 Gedanken zu “Biologische Theorien zu den Geschlechtern als schlechte Memes

    • Es steht außer Frage, dass die Durchschnittsfeministin nicht intelligent genug ist für Biologie.

      Aber wir sollten nicht übersehen, dass die Frage „Was ist?“ für Frauen nicht so wichtig ist (denn darum kümmern sich ja bereits Männer, die ihre Resultate gern teilen).
      Nicht so wichtig jedenfalls wie die Frage „Was ist (moralisch) richtig?“.

      Es steht außer Frage, dass zur Antwort auf diese Frage aus den Naturwissenschaften nichts als Zirpen zu hören ist.

      Die Welt ist eben nicht nur, was der Fall ist.

      Wären die Geisteswissenschaften in den letzten Jahrzehnten nicht mit Vollpfosten geflutet worden, hätten wir vielleicht Leute, die zwischen den Denkwelten übersetzen und vermitteln könnten. So aber haben wir viele Tausend Ilse-Lenz-Klone und die ganz wenigen, die der Aufgabe gewachsen wären, sind für den Laien nicht mehr von Tulius Firlefanzus zu unterscheiden.

  1. Biologische Theorien können als Ergebnis haben das Männer etwas besser können oder Frauen für ihre Lage selbst verantwortlich sind und solche Ergebnisse sind unbeliebt.

    Wenn es ihnen nützt benutzten Wokies auch biologische Erklärungen, wenn sie denken Frauen damit als bessere Menschen hinstellen zu können.

  2. „Es gibt nur Unterschiede.“
    Überall Unterschiede. Dabei ist doch die zentrale Motivation der Menschen heutzutage, alles gleich, alles gerecht zu machen. Peaks zu verhindern, Genies verblöden zu lassen und Dumme zu Klugen zu machen. Alles muss normalisiert werden. Helles Licht ist zu hell, da brauchen wir Sonnenbrillen, Geräusche sind zu laut, da brauchen wir Noise Cancelling. Der Winter ist zu kalt, der Sommer zu heiß, da brauchen wir Kohleausstieg. Der Blutdruck von alten Menschen wird an eine Durchschnittsnorm angepasst, sodass sie ihre letzten Lebensjahre meist verschlafen.

    Der Mensch scheint keine Dynamik mehr zu wollen, keine Highlights. Er will Durchschnitt, möglichst reizarm, denn sonst entsteht Stress. Das Ideal ist ein Leben ohne Höhen und Tiefen, das möglichst ewig währt. Bei all dem orientiert sich der Zweibeiner an der selbsterfundenen Numerik. Kurven müssen geglättet werden, Ausschläge sind ein Problem.

    Ich glaube, die Frage ist gar nicht so sehr, ob naturwissenschaftlich biologistisch, religiös oder sonstwie, der Punkt ist die Ausrichtung des menschlichen Wertesystems auf Gerechtigkeit, die durch Gleichheit erzielt werden soll. Der Gerechtigkeit werden die Unterschiede geopfert und damit auch das Geniale, das Besondere, das Extatische, die Euphorie, die Inbrunst. Zurück bleibt ein reizarmes ewiges Dahinvegitieren, das man dann Leben nennt.

    Dabei sind doch die Unterschiede das eigentlich Geile, wenn man sie nur zulässt. Ein Maurer kann genauso glücklich sein wie in Banker, auch wenn er nur einen Hauptschulabschluss hat. Eine Frau kann so zufrieden sein wie ein Mann, wenn sie zuhause Kinder betreuen und Deko basteln kann. Eine durchsoffene Partynacht macht den nächsten Schlaf umso angenehmer und wertvoller. Und wozu gibt‘s eigentlich dieses kurze starke Gefühl bei Ejakulationen?

    Die Unterschiede machen den Unterschied.

    • „Dumme zu Klugen zu machen“

      eher ‚Dumme zum neuen Normal zu machen‘ im dem die Latte immer weiter runter gesetzt wird, damit auch diejenigen, die ihre Energie lieber aufs Rumnörgeln konzentrieren als zu versuchen besser zu werden, nicht denken müssen das sie vielleicht doch lieber etwas mehr getan hätten.

      • Siehe 35 %-Migrantenquote in öffentlichen Einrichtungen, wie vom Senat gefordert und angestrebt. Ich gehe mal davon aus, dass Chinesen, Inder, Juden oder Polen nicht zur angestrebten Zielgruppe gehören, sondern eher die Fachkräfte aus den afroarabischen Wüstengebieten. Da ist die Niveauabsenkung wohl Voraussetzung.

    • @beweis:

      Sehr schöner Beitrag!

      Variation ist (in einem bestimmten Rahmen) nicht nur vorteilhaft, sondern für viele natürlich Systeme (Mensch, Tier, Umwelt) überlebensnotwendig.
      Ein Kind, welches nie Schmutz und Bakterien ausgesetzt wird, entwickelt alle mögliche schweren Störungen des Immunsystems. Ein Muskel, der nicht beansprucht wird, bildet sich zurück bis man bettlägrig ist. Ein Knochen, der kein Gewicht tragen muss ebenso, bis er bricht.
      Ein Acker, auf dem immer Monokultur betrieben wird, verkümmert.

      Es ist gesund, hin und wieder ein zu fasten, also den Organismus einem gewissen (!) Stress auszusetzen. Es macht uns gesünder.

      Wir wissen das intuitiv, das ist das sog. „Großmutterwissen“.

      Das große Problem heutzutage besteht darin, dass wir verlernt haben zwischen nützlicher Variation (innerhalb gewisser Grenzen) und schädlicher Variation (extrem, quasi ohne Grenzen) zu unterscheiden. Wir leben in einer wissenschaftsgläubigen Welt, in der alles bis auf die letzte Kommastelle analysiert und quantifiziert werden muss. Davon lassen wir uns blenden, und glauben auch noch „Ergebnisse“, selbst wenn sie unseren Heuristiken (die jeder von uns hat) widersprechen. Unsere Großmutter hat diesen Fehler noch nicht so gravierend gemacht, wir sollten ruhig mehr auf sie hören 😉

      Ich würde dir das Buch „Antifragilität“ empfehlen, dort sind genau diese Prinzipien, die du in deinem Beitrag beschreibst, ausgeführt.

    • „Der Mensch (…) will Durchschnitt, möglichst reizarm, denn sonst entsteht Stress.“

      Gefällt mir. Kommt in mein Buch der klugen Sprüche. Das Bedürfnis nach einer reizarmen Gesellschaft ist vermutlich das gefährlichste Motiv überhaupt.

  3. Aber wir sollten nicht übersehen, dass die Frage „Was ist?“ für Frauen nicht so wichtig ist (denn darum kümmern sich ja bereits Männer, die ihre Resultate gern teilen).
    Nicht so wichtig jedenfalls wie die Frage „Was ist (moralisch) richtig?“.

    Was ist denn daran richtig, Jungen und Männer (weiterhin) zu benachteiligen, weil angeblich Frauen irgendwann mal benachteiligt wurden?
    Wenn es um die eigenen Vorteile geht, wird „richtig“, doch recht schnell relativ. Nicht nur bei Frauen, insbesondere aber bei Feministinnen.

  4. Ich halte das Problem für eines der Wissenschaften generell, nicht nur der Biologie. Wenn wir uns hier gelegentlich über »Natur vs. Kultur« zanken, dann ist die kulturwissenschaftliche Argumentation auch nicht immer leicht vermittelbar. Wie eine empirisch solide Sozialwissenschaft aussieht, wissen die Intersektionalisten ja ebenfalls nicht.

    Der wesentliche Unterschied ist, dass sie die Biologie als Ganzes ins Abseits verdrängt haben, während sie in Bezug auf die Sozialwissenschaften behaupten, die bessere Variante davon zu betreiben, weil ideologisch durchtränkter »Wissenschaftsaktivismus« die Wissenschaft angeblich verbessert statt zu verschlechtern.

    Generell darf man bezüglich der Politisierung von Wissenschaft daran erinnern, dass die frühesten Erfolge der völkischen und nationalsozialistischen Bewegung in den Studentenausschüssen der Weimarer Republik erzielt wurden – in Erlangen etwa wurde schon 1923 ein Nazi AStA-Vorsitzender.

    Und schließlich auch daran, dass es damals vornehmlich die Biologie war, die in Gestalt der Rassenhygiene politisiert wurde.

    • „Und schließlich auch daran, dass es damals vornehmlich die Biologie war, die in Gestalt der Rassenhygiene politisiert wurde.“
      Und der Unterschied zu den heutigen Kampfideologien ‚Gender‘ und ‚Feminismus‘ ist… keiner. Danke.

      Je mehr diesen Ideologien Raum gegeben wird (Presse, Rundfunk, TV, Bildung, etc.) je klarer wird mir, wie es in der NS Zeit so weit kam. Ein kleine laute Elite hat mit geschickter Propaganda ihren Willen durchgesetzt und krude, vom einfachen Menschen nicht zu widerlegende, Theorien manifestiert und Strukturen (Politik, Wissenschaft/Bildung, Verwaltung, Medien) unterwandert.

      Andere Frage:
      Liest hier eigentlich jemand die GEW Postille b&w und E&W? Und erregt sich am feministischen Unterschwung der Inhalte?

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