„Südkorea, Ratschläge für schwangere Frauen und Symptome einer tief verwurzelten Frauenverachtung“

Ein interessanter Beitrag im Spiegel kritisiert sehr veraltet klingende Ratschläge für schwangere Frauen:

»Für die drei oder sieben Tage, die Sie im Krankenhaus verbringen werden, bereiten Sie saubere Unterwäsche, Socken, Hemden, Taschentücher und Oberbekleidung für Ihren Mann und Ihre Kinder vor und hinterlassen diese ordentlich in einer Schublade.«

Außerdem solle eine Schwangere darauf achten, nicht zu stark zuzunehmen. Als Motivation solle sie sich einige Kleidungsstücke aus der Zeit vor der Schwangerschaft sichtbar im Raum aufhängen, um nicht zu viel zu essen und nach der Entbindung schnell wieder abzunehmen. Hausarbeit solle sie nicht aufschieben, sondern als Sportprogramm nutzen – und bevor es ins Krankenhaus geht, solle die Frau daran denken, noch mindestens drei oder vier Gerichte vorzubereiten, die ihr Mann, »der ein schlechter Koch ist, einfach zubereiten kann«.

Da meine Frau ja gerade schwanger ist aus meiner Sicht ein etwas erheiternder Artikel. Habe schon überlegt ihn Südländerin mit einer Aufforderung, dass noch abzuarbeiten zu übersenden.

Der Rat nicht zu viel zuzunehmen ist zwar noch gut, da der Zusatzbedarf des Kindes gern überschätzt wird, aber sicherlich etwas anmaßend.
Die übrigen Vorschläge sind diskriminierend für den durchschnittlichen Mann und die durchschnittliche Frau, wobei ich nicht weiß, wie modern da Südkorea ist und inwiefern die Männer da kochen und waschen.

In Südland wäre ein solcher Ratschlag eher beleidigend gegenüber der Mutter des Mannes, die so etwas natürlich sofort übernehmen würde für ihren Sohn, da ist es noch ganz üblich für einen Sohn vor der Heirat von der Mutter bekocht zu werden und die Wäsche gewaschen zu bekommen, aber da sind wir ja weit von weg. Die Bedienung einer Waschmaschine ist ja wirklich kein Hexenwerk und Kochen auch nicht.

Interessant fand ich aber den nachfolgenden Absatz in dem Artikel, der ein „Symptom einer tief verwurzelten Frauenverachtung“ darlegt:

Ein solcher Sexismus-Eklat ist in Südkorea kein Einzelfall: Das Land schneidet international immer wieder schlecht ab, wenn es um die Gleichbehandlung der Geschlechter geht. So landete es im »Gender Gap Report 2020« des World Economic Forum auf Platz 108 von 153. Zudem gehört Südkorea zu den wenigen Ländern der Welt, in denen jedes Jahr mehr Frauen als Männer umgebracht werden – Symptom einer tief verwurzelten Frauenverachtung.

Wenn in einem Land mehr Frauen als Männer umgebracht werden ist das also ein Zeichen für eine tief verwurzelte Frauenverachtung.

Ich habe nur die Zahlen für 2010 für Korea gefunden: (0.9  Personen /100.000)

  • Frauen: 224  (52.5%) (0,5 pro 100.000)
  • Männer: 203 (47.5%) (0,4 pro 100.000)

Deutschland hat glücklicherweise (bei 0.8 Personen /100.000) 52,7% Männeranteil. Die Frauenquote ist in Deutschland etwas niedriger mit 0,4 zu 100.000

Wären die Frauen doch nur so frei wie in den Vereinigten Emiraten (bei 0,3 auf 100.000 weit weniger sexistisch). Und in den USA sterben zwar mehr Frauen 1/100.000, aber wenigstens auch noch viel mehr Männer (3,7 auf 100.000)

Aber es geht natürlich besser: Hier Länder frei von diesem widerlichen Symptom:

  • Honduras: 7.172 Tote, davon 93,2% Männer
  • El Salvador: 2,594, davon   89% Männer
  • Guatemala: 6,025 davon 88,9% Männer
  • Mexiko: 26,037, davon 89,3% Männer

Man sieht es ist noch viel Raum nach oben in Korea. 

Ich finde es schon interessant, dass es als Ausdruck einer besonderen Frauenverachtung dargestellt wird, wenn etwas mehr Frauen als Männer getötet werden. 

 

25 Gedanken zu “„Südkorea, Ratschläge für schwangere Frauen und Symptome einer tief verwurzelten Frauenverachtung“

  1. Gleichstellung ist erst erreicht, wenn überhaupt gar keine Frau mehr eines unnatürlichen Todes sterben muss. Und Männer schwanger werden.

  2. War Südkorea, genau wie Deutschland nicht eines der Länder, deren Geburtenrate unter „ferner liefen“ fällt?
    Da geben Unfähige, Unfähigen Tipps bzw. kritisieren diese.

      • Eigentlich solltest du doch dankbar für diese Diversität sein. Immerhin sorgt die früher oder später dafür, dass die woken Spinner nichts mehr zu sagen haben. Und ich bin inzwischen so weit, dass mir ein konservativer Muslim deutlich lieber ist, als ein woker Aktivist. Von daher sehe ich die Veränderung positiv. So wie es im Moment ist, finde ich es nicht sonderlich angenehm.

  3. Was für männerverachtende Vorschläge! Als ob ein Mann nicht auch ein paar Tage alleine klarkäme.
    Meiner hat sogar noch Zeit gefunden, mich in der Klinik mit zusätzlicher Nahrung zu versorgen.

    Was das Zunehmen betrifft: das meiste ist unmittelbar nach der Entbindung (Baby, Plazenta, Nabelschnur, Fruchtwasser) wieder weg, im Wochenbett verschwinden zusätzliche Wassereinlagerungen, und die paar Fettreserven kann man in der Stillzeit gut gebrauchen.

    • „und die paar Fettreserven kann man in der Stillzeit gut gebrauchen“

      Ja, dachte ich auch. Meine Frau hat (wenn ich mich richtig erinnere), ein halbes Jahr lang gestillt und in der Zeit quasi alles wieder abgenommen. Allerdings ist sie auch keine starke Esserin. Wenn man auf dem Spielplatz oder im Schwimmbad die jungen Mütter anschaut, sieht man mittlerweile tatsächlich massenweise dicke Matronen, die das auch ziemlich sicher nicht wieder alles loswerden.

      • Ich bin nur noch geringfügig über meiner früheren Masse. Meine Kleider von vor der Schwangerschaft passen mir auch fast alle wieder.
        Allerdings ziehe ich während der Stillzeit besser keine empfindlichen Blusen an, sondern lieber strapazierfähige und pflegeleichte Pullis, bei denen Milchflecken kein Problem sind.

  4. Interessant, dass so eine Einstellung zu Frauen möglich ist ohne dass die Sprache einen Genus für Substantive kennt. Da muss sofort grammatikalisch Härteres her!

  5. Verstehe ich das richtig: Da haben zwei Leute Arbeitsteilung vereinbart und es steht an, dass der eine seine Arbeit eine zeitlang nicht wird erledigen können.

    Was genau ist jetzt die Menschenfeindlichkeit?

    – Der Wunsch, dass der Ausfallende sich an den Bemühungen beteiligt, seinen Ausfall zu kompensieren?

    – Die Unterstellung, es gäbe welche, die es nicht für selbstverständlich halten, sich an diesen Bemühungen zu beteiligen, so dass man sie daran erinnern muss?

    – Die Anmaßung, dass Menschen sich an Bemühungen beteiligen sollten, obwohl zu zu einer bestimmten Gruppe gehören?

    – Der grundsätzliche Gedanke, Arbeitsteilung sei mit irgendeiner Art von Verpflichtung verbunden?

    Das wüsste ich gern.

  6. Solche Ratschläge auf einer amtlichen Webseite wirken schon ein bisschen peinlich. Üblicherweise ist sowas Teil der permanenten Kommunikation der Frau mit ihrer weiblichen Peer-Group, angepasst an die konkrete Lebenssituation und nicht generalisiert. Und traditionell sind dies Information, welche die Mutter (also die angehende Oma) an die Tochter weitergibt.

    Es ist also weniger ein Sexismus-Skandal zu dem er in den Medien stilisiert wird, sondern eine zu hinterfragende Nanny-Kultur die am Ende auf regierungsamtlichen Webseiten Anleitungen ans Volk schreibt, wie die richtig zu kacken haben.

    Wenn in einem Land mehr Frauen als Männer umgebracht werden ist das aber m.E. tatsächlich ein Indikator für eine krasse gesellschaftliche Schieflage.

    Der Vergleich mit Mittelamerika zeigt es deutlich: dort toben innere Kriege (Drogenkartelle und der Staat mischt kräftig mit) bei denen Männer Kombattanten sind und Frauen Deko, Beute oder eben Kollateralschäden. Dass hier die weit überwiegende Mehrzahl der Toten (vormals kämpfende) Männer sind, ist also erwartbar.

    Wenn in einer ansonsten eher friedlichen Gesellschaft allerdings mehr Frauen als Männer umgebracht werden, kann man schon einen zweiten Blick auf die nicht ganz so offensichtlichen Ursachen werfen.

    • „Wenn in einem Land mehr Frauen als Männer umgebracht werden ist das aber m.E. tatsächlich ein Indikator für eine krasse gesellschaftliche Schieflage.“
      What? Warum nicht andersrum? Wenn in einem Land mehr Männer als Frauen ermordet werden, dann ist das keine krasse gesellschaftliche Schieflage, sondern was? Erfüllung einer Quote, ganz normal, weil männlicher Hass, rape culture, …?!!!!1!
      Mord ist das Ergebnis ganz persönlicher Dispositionen, hervorgehend aus Situationen, die den Einzelnen betreffen. Mexiko ist da mit seinen Drogenkriegen eher die Ausnahme (die USA mit ihren Bandekriegen auch). Aus den reinen Zahlen lassen sich keine Motive oder irgendwelche Veranlagungen ablesen, die die Zahlen nach Geschlecht begründen. Das ist Kaffeesatzleserei. Und vor allem billige Effekthascherei des Spiegel. Propaganda vom feinsten (oder eben nicht).

      • Jolanda,

        Mexiko ist nicht die Ausnahme, sondern typisch für den mittelamerikanischen Raum. Dort sind Morde nicht wirklich Ergebnis einer „ganz persönlicher Dispositionen“ (zur falschen Zeit am falschen Ort, oder was meintest Du damit?) sondern sie sind fast ausschließlich in Kampfhandlungen, also Kriegsgeschehnissen eingebettet.

        Da sich Frauen dort viel seltener aktiv an Kampfhandlungen beteiligen (sie lassen kämpfen) und daher dort die Rollen Deko, Siegestrophäe oder eben Kollateralschaden besetzen, ist die Verteilung plausibel.

        Den Motiven in Südkorea nachzugehen wäre schon ein interessantes Thema. Es sticht ein wenig heraus, ist auch im Vergleich zu anderen ostasiatischen Gesellschaften auffällig.

        Und, klar, SPON geht es nur um Effekthascherei. Emo bei der Leser_*ixe wecken wollen, das ist ihr Geschäftsmodell.

    • „….Solche Ratschläge auf einer amtlichen Webseite wirken schon ein bisschen peinlich. ….“
      Für mich stellt sich die Frage, wer mitwelchen Geschlecht diesen Text verfasst und zu verantworten hat?

      • KaRa,

        ich gehe davon aus, dass es Frauen waren die den amtlichen Text verfasst haben. Dafür spricht schon die Faustregel: Wenn ein MSM-Shitstorm in Sachen Frauen eine abstrakte Rollenzuweisung thematisiert, dann ist dies ein Angriff auf die Denk- und Handlungsweise andere Frauen. Und Männer amüsierte Zaungäste.

        Wenn ein Shitstorm explizit Männer treffen soll, werden diese im Shitstorm-Text auch deutlich mit kollektiver Schuldzuweisung angesprochen (Beispiel: Die Manspreading-Kampagne)

  7. „…tief verwurzelte Frauenverachtung.“
    Seit ich keinen Spiegel oder SPON mehr lese geht es mir viel besser. Das ehemalige Nachrichtenmagazin hat sich mit seiner oft schlichten Polemik gegen Männer und einem postiven Opfertum für Frauen schon lange aus dem Bereich der seriösen und ernstzunehmenden Medien verabschiedet. Wer Personen wie Stokowski, Berg und anderen feministischen Speichelleckerinnen (m/w/d) eine Plattform bietet, muss von mir nicht gewürdigt werden – nicht mal mit Kritik Einfach ignorieren.
    In Nordkorea ticken die Uhren anders. Was mir ziemlich egal ist. Ich wünschen nur allen Gebährenden (m/w/d) viel Glück mit dem Nachwuchs und hoffe, dass dieser antifeministisch und frauenverachtend erzogen wird (alles Schlampen, außer Mutti).

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