Die Akzeptanz dafür, dass jemand auf einer Party keinen Alkohol trinkt und weitere evtl blöde Fragen

Stokowskis Kolumnen sind ja irgendwie immer recht zusammenhangslose Passagen über irgendwas, was ihr nicht past. Diesmal ist es die fehlende Akzeptanz dafür, dass jemand auf einer Party keinen Alkohol trinkt.

Die ist aus meiner Sicht vergleichsweise leicht zu erklären:

Alkohol ist eine Regelüberschreitung bzw erlaubt uns Verantwortung abzugeben. Man war eben etwas betrunken. Da wir Gruppentiere sind sind wir immer besorgt, dass uns jemand negativ bewertet. Und Verantwortung an den Alkohol abzugeben ist grundsätzlich etwas negatives. Also ist es am einfachsten, wenn alle mitmachen.

Die Allermeisten dürften (aber vielleicht habe ich auch nur zu vernünftige Bekannte) ein Nein da akzeptieren, solange sie einen Grund bekommen, ganz problemlos bei Schwangerschaft und Stillen, auch dann, wenn man am nächsten Tag wichtige Termine hat und mit dem Auto dahin muss, Medikamente erst recht etc.

Ohne erkennbaren Grund wirkt derjenige aber schnell als Spielverderber, der „Vernünftiger“ ist, was es eben schwerer macht Verantwortung abzugeben bzw Verhalten auf den Alkohol zu schieben. Also versuchen die Leute gerne jemanden zu überzeugen, etwa „doch auch mal Spass zu haben“ oder „dabei zu sein“.

Kann das nervig sein? Natürlich. Macht es, wenn die Leute darauf bestehen, dass man „Mitmacht“ Sinn einen Grund vorzuschieben. Macht es häufig einfacher.

Stokowski leitet ein mit:

Es gibt vermeintlich harmlose Fragen, die sich sehr schlecht für Small Talk eignen, oder sagen wir: für Small Talk, der für beide Seiten angenehm ist. Das sickert für die Frage »Woher kommst du denn nun wirklich?« an nicht weiße Menschen so langsam ins kollektive Bewusstsein, für die Frage »Warum bist du eine Frau über 30 und hast keine Kinder?« noch längst nicht, und für die Frage »Warum trinkst du keinen Alkohol?« ebenso wenig.

Tatsächlich sind Fragen über eine ethnische Herkunft der Familie oft durchaus ein guter Smalltalk-Gegenstand. Südländerin beispielsweise wird es häufig gefragt und redet dann sehr gerne über Südland. Aber sie hat natürlich auch dort gelebt, die Staatsbürgerschaft und liebt ihr Heimatland. Das mag anders sein als bei Leuten mit Migrationshintergrund, die das Gefühl haben, dass sie in Deutschland nicht wirklich dazu gehören oder als Ausländer gesehen werden. Dennoch haben sich aus einer besser gestellten Frage, gerade wenn sie nicht die erste ist schon durchaus interessante Unterhaltungen ergeben.

Die Frage, warum eine Frau über 30 noch keine Kinder hat kommt aber in der Tat wohl nicht gut an. Wobei ab einem gewissen Alter die Frage nach der familiären Situation ja durchaus zu einem kennenlernen gehört. Es werden eh das eigene Kind und die Schwangerschaft von Südländerin auftauchen und man wird dann meist schon ohne zu fragen hören, ob es ein sensibles Thema ist. Einer Singlefrau diese Frage zu stellen ist allerdings in der Tat wohl allgemein eher eine Unhöflichkeit, bei einem Mann hingegen zumindest weniger. Könnte daran liegen, dass ein Mann noch mehr Zeit hat als eine Frau, bei der die Fruchtbarkeit mit fortschreitenden Alter Probleme macht und vielleicht auch wegen des alten Spruchs „Frauen wählen aus, mit wem sie schlafen, Männer wen sie heiraten“ wobei man Heiraten dann auf das Kinderbekommen ausdehnen kann. Es schwingt vielleicht insofern bei der Frau eher mit „Du müsstest doch sicherheitshalber langsam mit den Kindern anfangen, gerade wenn du zwei haben willst, hast du noch keinen guten Mann gefunden, der mit dir welche bekommen möchte?“ und das hat als Anschuldigung ein gewisses evolutionäres Gewicht.

Für eine Feministin kommt natürlich dazu, dass die Mutterschaft für sie besonders gefährlich ist. Denn in ihr lauert die Verfestigung der Rollen und das Vorhalten, das sie es auch nicht besser macht als andere Frauen und das Patriarchat mal wieder gewinnt.

Wobei, vielleicht ist der ganze Text auch schlicht Stokowskis Art mitzuteilen, dass sie schwanger ist und sie deswegen keinen Alkohol trinken kann (ihr habt es hier zuerst gelesen!)

Eigentlich habe ich ihren Text auch nur gelesen, weil ich sehen wollte, wie sie das Thema „es ist okay, dass man keinen Alkohol trinkt“ damit verbindet, dass Männer an allem Schuld sind.
Im letzten Satz kommt zumindest etwas dazu:

Es wäre im Gegenteil oft wesentlich angebrachter, vor allem Männer zu fragen, warum sie trinken, obwohl man doch weiß, dass »Männer und Alkohol« oft eine schwierige Kombination ist, Stichwort aggressives Verhalten. Nüchterne Menschen auf Partys sind entgegen aller Klischees ziemlich selten Spaßbremsen, betrunkene hingegen können den Spaß für alle anderen ziemlich schnell beenden. Und damit einen guten Rutsch und Prost, egal womit.

Damit wäre ja dann die Welt wieder in Ordnung, es ist nicht okay Leute zu fragen, warum sie nicht trinken, aber Männern vorzuhalten, dass solche Monster wie sie lieber nicht trinken sollten ist sogar geboten!