„Wir dürfen, aber du darfst nicht“ – Doppelmoral im intersektionalen Feminismus

Im intersektionalen Feminismus gibt es eine Vielzahl von Punkten, bei denen für Leute bestimmter Gruppen verschiedene Regeln gelten. Dies folgt den „Gruppenprivilegien“ und sieht meist so aus, dass der Privilegierte aufgrund seiner „Schuld“ alles mögliche hinnehmen muss, was die Nichtprivilegierten tun. 
Als Begründung wird verschiedenes angeführt:

  • Nach oben treten ist etwas anderes als nach unten treten
  • es ist ein berechtigter Kampf gegen die Unterdrückung
  • es wird berechtigter Unmut geäußert und jeder der das einschränken will macht sich gemein mit den Unterdrückern und „silenced“ die Unterdrückten
  • Es ist gut, für die Unterdrückten, wenn sie sich machtvoll fühlen und gut für die Unterdrücker, wenn sie mal merken, dass sie in der schlechteren Position sind („oh du armer Privilegierter, bist du einmal nicht in der besseren Position, fühlt sich nicht gut an oder?“)
  • etc

Aus meiner Sicht ist es ein fatales Element der Identitätspolitik, weil es 

  • Leuten Macht gibt, die sie mißbrauchen können
  • weil die „Opfer-“ und die „Tätergruppen“ nicht einheitlich, sondern höchst heterogen sind
  • weil man wenn man Mitglieder einer bestimmten Gruppe für Schmähungen und Abwertungen oder gar Angriffe freigibt, ohne das diese sich wehren dürfen 
    • diese entindividualisiert/entmenschlicht und auf ihre Gruppenzugehörigkeit reduziert
    • Hemmungen gegen Übergriffe gegen diese Gruppe und ihre Mitglieder abbaut
    • sie zwangsweise in eine Position bringt, wo sie den anderen als Feind erleben und die Ziele die er verfolgt als Angriff auf die eigene Person
    • Seine eigene Position moralisch überhöht und Kontrollen für ein angemessenes Verhalten verloren gehen

Es passt gut dazu, dass der intersektionale Feminismus in weiten Teilen eine Oberschichttheorie ist, die von Akademikern vertreten wird und in der Hinsicht einen sehr elitären Anstrich hat. 

Der übliche Name für ein System, bei welchem sich eine Gruppe nicht an Regeln halten muss, die für andere gelten ist „“Doppelmoral

Als Doppelmoral wird ein Normensystem bezeichnet, das gleiches Verhalten ethisch unterschiedlich bewertet, je nachdem, welcher Personengruppe die ausführende Person oder die betroffenen Personen angehören, oder je nachdem, ob diese sich in einer öffentlichen oder privaten Situation innerhalb oder außerhalb einer Gemeinschaft befinden, ohne dass dafür ein sachlicher Grund vorhanden wäre. Die Doppelmoral kann sich dabei explizit in einem moralischen Code niederschlagen, der eine unterschiedliche Wertordnung abbildet, oder implizit im moralischen Empfinden, im Verhalten und in den Werturteilen Einzelner. Entscheidendes Merkmal ist, dass „mit zweierlei Maß“ gemessen wird.

Von einer Doppelmoral kann immer dann gesprochen werden, wenn unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe verwendet werden, obwohl die der Bewertung zugrunde liegenden Sachverhalte (strukturell) gleichartig sind. Der Begriff geht also über die unterschiedliche Bewertung von eigenem Verhalten und Fremdverhalten oder von einem Verhalten, das eine Person von anderen einfordert, und demjenigen, das sie selbst zeigt (Heuchelei), hinaus. Geht es um einen Widerspruch zwischen tatsächlich befolgter und nach außen hin vertretener Moral, wird stattdessen eher von Bigotterie gesprochen.

In verschiedenen Bereichen sind bestimmte Kategorisierungen von Personen anfällig für Doppelmoral, die Gleichheit mit Bezug auf geltende Regeln wird daher z. B. in der Pädagogik zwischen Kindern und Erwachsenen,[1] bei Genderfragen zwischen Männern und Frauen[2] thematisiert. In der Politik kann das Verhalten verschiedener Parteien oder Staaten und die demagogische Berichterstattung darüber in den Massenmedien unter dem Gesichtspunkt der Doppelmoral betrachtet werden. Eine Doppelmoral kann auch aus Widersprüchen zwischen Individualethik und Sozialethik herrühren.[3]

Der Vorwurf der Doppelmoral kann verwendet werden, um eine moralische Forderung anderer zurückzuweisen (siehe Tu quoque). Die gelegentliche Notwendigkeit, ähnliches Verhalten unterschiedlich zu bewerten, wird auch in der Formel Quod licet Iovi, non licet bovi zum Ausdruck gebracht.

Nach der Definition müsste man also fragen, ob ein sachlicher Grund für das verschiedene Verhalten vorhanden ist. Anhänger intersektionaler Theorien würden sagen, dass dies der Fall ist. Schließlich muss man ja die Privilegien bekämpfen.

Aus meiner Sicht ein schlechtes Argument, weil man sich selbst über den anderen erhöht und ihn abwertet und das kann kaum zu einem besseren Verhältnis führen. Weitaus eher wird es eine Gegenbewegung hervorrufen, weil Leute sich ungerecht behandelt fühlen und nicht verstehen, warum man sie angreifen können soll, obwohl sie selbst und persönlich ein relativ normales Leben führen.