„Staatliches Geld für Antifeministen?“ Forum Soziale Inklusion e.V.

Die Taz berichtet, dass staatliches Geld an „Antifeministen“ gehen soll.

Forum Soziale Inklusion“ – das klingt nach Teilhabe für alle. Das mag sich auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gedacht haben, als es keinen Einwand dagegen erhob, diesem Verein 400.000 Euro zu bewilligen. Das Problem: Das „Forum Soziale Inklusion“ setzt sich keineswegs für gleichberec htigte Teilhabe ein. Es zählt vielmehr zur sogenannten Männerrechtsbewegung, die Männer als Opfer betrachtet und gegen Feminismus mobil macht.

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„Das trojanische Pferd durchgelassen“

Eingebracht wurde der Antrag innerhalb der Koalition von der CDU/CSU-Fraktion, sagt die frauenpolitische Sprecherin der Grünenfraktion im Bundestag, Ulle Schauws. „Dann haben offenbar alle gepennt und das trojanische Pferd durchgelassen“, so Dag Schölper, der Geschäftsführer des Bundesforums Männer – des profeministischen Dachverbands der bundesdeutschen Männerprojekte, der auch mit dem BMFSFJ zusammenarbeitet.

Das klingt ja eigentlich ganz erfreulich, wenn sich das Bundesforum Männer darüber schon so aufregt. Interessant wäre ob da die CDU/CSU Fraktion sich vorsichtig etwas in Richtung Männerrechtler bewegt.

Denn die Männer des „Forums Soziale Inklusion“ treten zwar bewusst moderat auf. „Die wollen in der Öffentlichkeit nicht als antifeministisch betrachtet werden. Aber sie sind es“, sagt der Antifeminismus-Experte Andreas Kemper.

Kemper muss es wissen. Dann sind es wirklich ganz schlimme Leute.

Der Verein diskreditiere alleinerziehende Mütter und die Gleichstellung von Frauen, so Ulle Schauws. Auf der Webseite des „Forums Soziale Inklusion“ heißt es zum Beispiel: Die Belange von Jungen, Männern und Vätern würden durch die Bundespolitik oft „vorsätzlich unsichtbar gemacht“. Deshalb sehe sich der Verein gezwungen, sich „deutlich den Bedürfnissen“ von Männern zu widmen.

Wie kann man so etwas nur schreiben? Pfui, die wollen sich für die Belange von Jungen, Männern und Vätern einsetzen. Unglaublich, was für eine Diskreditierung von alleinerziehenden Müttern und der Gleichstellung der Frau!!1

Verstehe ich da Schauws richtig, dass man sich anscheinend nicht für Jungen, Männer und Väter einsetzen kann ohne alleinerziehende Mütter und die Gleichstellung der Frau anzugreifen?
Soviel dazu, dass Feminismus auch Männerinteressen vertritt.

Das sei ein typisch antifeministisches Argumentationsmuster, so Schauws: Die Benachteiligung von Frauen einfach umzudrehen und die Bekämpfung von Diskriminierung als unberechtigte Bevorzugung von Frauen darzustellen.

Merke: Männer können niemals, niemals, niemals benachteiligt sein, auch wenn sie bei unverheirateten Eltern ohne Zustimmung der Mutter noch nicht einmal das Sorgerecht haben.

Typischer Antifeminismus

Zudem bediene sich der Verein explizit Begriffen, die sonst nur von der AfD verwendet werden: „Er spricht zum Beispiel von ‚Altparteien‘, die sich seiner Auffassung nach nicht ausreichend für die Förderung von Jungen und Männern einsetzen.“ Dass die Koalition einen derartigen Angriff auf Frauenrechte und Gleichstellung übersehen und eine Unterstützung für dieses Projekt in ihrem Haushalt mittragen konnte, so Schauws, sei „ein frauenpolitischer Tiefschlag und nicht zu erklären“.

Ein Angriff auf Frauenrechte und Gleichstellung! Dabei haben sie in dem Artikel bisher noch nichts inhaltliches gesagt und auch nicht ausgeführt, wo den Frauen etwas weggenommen werden soll.

Das sieht offenbar auch das Bundesfrauenministerium selbst so. Denn das ist keineswegs erfreut darüber, dass das eigene Haus plötzlich Männerrechtler fördert. „Das BMFSFJ sieht die inhaltliche und politische Ausrichtung des Vereins kritisch“, schreibt eine Sprecherin von Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) auf Anfrage. Eine antifeministische Haltung sei nicht mit einer partnerschaftlichen Gleichstellungspolitik zu vereinbaren.

Das ein Verein unter sehr sehr vielen sich um Väter und Männer kümmern möchte ist also nicht mit einer partnerschaftlichen Gleichstellungspolitik zu vereinbaren

Die Bewilligung aber, so die Sprecherin, habe im Parlament stattgefunden. Das Ministerium sei überhaupt nicht in die Entscheidung des Haushaltsausschusses einbezogen gewesen.

Der Antrag im Haushaltsausschuss war ein gemeinsamer der Koalitionsfraktionen, Giffey selbst war vor Ort in der Bereinigungssitzung, auch die bewilligten Mittel kommen aus ihrem Haus – das Ministerium aber will nichts gewusst haben? „Im Nachhinein so zu tun, als sei das Ministerium nicht beteiligt gewesen, ist eine Unverschämtheit“, kritisiert die Grüne Deligöz. „Auf gut Deutsch heißt das: Giffey hat keine Ahnung, was mit ihrem Etat passiert.“

Da Giffey da keine Ahnung hat, dass könnte ich mir sogar vorstellen. Aber auch, dass es eben ein typischer Aushandlungsprozess war, bei dem eben so etwas herausgekommen ist. Oder das es die Leute auch nicht wirklich interessiert haben und sie zu faul waren wirklich nachzuschauen, wer da von der CDU vorgeschlagen worden ist. Letzteres würde immerhin verdeutlichen wie wichtig ein unauffälliger Name ist, der nicht gleich als Männerarbeit auffällt. „Forum Inklusion“? das wird schon was passendes sein.

Wie kam der Antrag in die Bereinigungssitzung?

Unklar bleibt vorerst, wie genau der Antrag in die Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses geraten ist. Der zuständige Berichterstatter der Unionsfraktion ist der CSUler Florian Oßner, der den Antrag aber nicht unbedingt selbst eingebracht haben muss. Der Frage, wie der Antrag zustande kam und ob er sich für ihn stark gemacht habe, weicht Oßner per Mail aus.

Aber er verteidigt den Verein: „Gleichberechtigung bedeutet für mich, dass es Frauen und Männern ermöglicht wird, Familien- und Erwerbsarbeit partnerschaftlich und gleichberechtigt zu teilen.“ Das „Forum Soziale Inklusion“ sei einer der „vielen gemeinnützigen Vereine“, die dabei unterstützt würden.

Was für ein ketzerischer Satz des Herrn Oßner. Gleichberechtigung bedeutet natürlich, dass Frauen im Familienbereich aus der Unterdrückung geführt werden, was nur geht, wenn man verhindert, dass Vätervereine den Einfluss der Mütter auf die Kinder verringern oder sogar meinen, dass Männer da eine eigene Position haben. Denn nur so sind Frauen wirklich frei!

Für das Bundesforum Männer reißt die Förderung des „Forums Soziale Inklusion“ „eine rote Linie“, sagt Geschäftsführer Schölper. Ein antifeministisches Projekt werde nun in einer ähnlichen finanziellen Größenordnung gefördert wie das Bundesforum Männer. „Das kann extrem kontraproduktiv für eine progressive Gleichstellungspolitik werden.“ Das sieht auch die Grüne Schauws so: Wenn rechte Akteure ihre Forderungen über demokratische Parteien einbringen können, werde Gleichstellungspolitik ad absurdum geführt.

Klar, für das Bundesforum Männer gibt es nur „feministische Männerarbeit“, in der Männer sich zu ihrer Erbsünde bekennen und keine eigenen Forderungen stellen. Und natürlich sind alle gleich rechts.

Viele Chancen, die Mittel doch noch zurückzuhalten, gibt es offenbar nicht. „Wenn die Gelder sachgerecht beantragt werden, ist die Auszahlung nach der Bewilligung eine Formalität“, sagt die Grüne Deligöz. Das ist noch nicht der Fall, wie das Ministerium mitteilt. Bislang liege kein Antrag des „Forums Soziale Inklusion“ vor. Aber das Jahr 2021, für das die Gelder bewilligt wurden, hat ja auch noch nicht einmal begonnen.

Na dann wollen wir mal hoffen, dass der Antrag gestellt wird.

Das „Forum soziale Inklusion“ findet sich hier

1. Vorsitzender ist Gerd Riedmeier, über diesen findet man etwa:

Gerd Riedmeier, gebürtiger Münchner und seit einigen Jahren in Wasserburg am Inn lebend, ist zertifizierter Mediator und 1. Vorsitzender der geschlechterpolitischen Initiative Forum Soziale Inklusion e.V.

Gerd Riedmeier war Mitorganisator des Kongresses „Gender Reloaded“ vom November 2015 in Nürnberg, bei dem zum ersten Male in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Bedürfnisse von Jungen, Männern und (getrennt lebenden) Vätern im Mittelpunkt des Diskurses stehen sollten. Er steht inhaltlich für die Überwindung der Polarisierung im aktuell herrschenden Geschlechterdiskurs in Deutschland. Geschlechterpolitik als alleinige Frauenpolitik zu definieren, wie es die aktuelle Bundesregierung pflegt, erscheint ihm als obsolet.

Riedmeier vertritt ein modernes, gleichberechtigtes und paritätisches Familienbild, bei dem Familie systemisch und ganzheitlich gesehen werden kann, unabhängig vom Ehestand. Dabei ver-sucht er, die legitimen Positionen und Forderungen von Jungen, Männern und Vätern konkret in die Politik zu bringen. Forum Soziale Inklusion kommuniziert dabei mit den Vorsitzenden von Familien- und Finanzausschuss des Dt. Bundestages, den zuständigen Bundesministerien und den Generalsekretären der im Bundestag vertretenen Parteien. Eine selbstgewählte Beschränkung auf familienrechtliche Auseinandersetzungen sei nicht zielführend; sie bestärke das bestehende System.

Riedmeier ist vom Statistischen Bundesamt ausgebildeter Equal-Pay-Multiplikator und sieht die herrschende Kampagne zum sogenannten Gender Pay Gap kritisch. Durch sie würden große Bereiche der öffentlichen Wahrnehmung einseitig und tendenziös besetzt. Für den offenen Diskurs über die Bedürfnisse von getrennt lebenden Vätern bleibe in der Folge kein Raum mehr. Das müsse sich ändern.

Im Nachgang zum oben zitierten Kongress gründeten verschiedene Nichtregierungsorganisationen zum Jahresbeginn 2016 die Interessengemeinschaft (IG) Jungen, Männer und Väter, für die Riedmeier den Koordinierungsaufwand übernimmt.

Wie man sieht: Ein fürchterlicher Mensch! Polarisierung im Familienrecht nicht hinzunehmen bedeutet, den Mann, dieses schreckliche haarige Biest, aus seiner Verantwortung für alles schlechte auf dieser Welt zu entlassen und damit die Frauen in die ewige Unterdrückung zu bringen. Und legitime Positionen von Männern kann es eh nicht geben!

Dann hat er auch noch in dem ebenso grauenhaft antifeministischen Blog von Lucas Schoppe einen Gastartikel geschrieben, mit einem Rückblick auf das Familienrecht.

Andere Stellungnahmen des FSI findet man hier, triggerwarnung natürlich für den Inhalt

Update: Kemper hat auch ein Video dazu gemacht: