Gendern oder nicht gendern? Das ist hier die Frage! (Gastartikel)

Ein Gastartikel von Marc 

 
Einige fühlen sich durch das generische Maskulinum sprachlich ausgegrenzt. Die einen sagen „Sprache schafft Bewusstsein“, die anderen sagen, dass dem ein viel zu großer Wert beigemessen wird. Wir reden auch von Muttererde, Vaterland, Muttersprache und Vaterstaat.
 
Sprache sollte nicht komplizierter werden, sondern muss praktisch und lesbar sein. Gegen ein kurzes „Bürgerinnen und Bürger“ bei der Anrede ist nichts einzuwenden, aber die fortlaufende Nennung beider Geschlechter ist auf Dauer sehr anstrengend, weil es Sätze länger und unverständlicher macht. Es stört den Lesefluss und die Sprechpausen beim Binnen-I klingen wie ein Sprachfehler.
 
Durch das Gendersternchen wird eine unsprechbare Kunstsprache erschaffen. Ein Wort, das es komplett auf die Spitze treibt, wäre z.B. Bürger*innen*meister*in. Und Worte wie z.B. Kolleg*innen oder Psycholog*innen sind nicht genderbar, da hier der männliche Part verkürzt wird.
 
Es gibt den Versuch auf geschlechtsneutrale Wörter zurückzugreifen. Einige Wörter können sich im Laufe der Zeit durchsetzen, wie z.B. „Pflegekraft“ statt „Krankenschwester/Pfleger“ oder „Redepult“ statt „Rednerpult“, aber andere wiederum nicht, wie z.B. „Flaniermeile“ statt „Fußgängerzone“ oder „Fahrzeugführende“ statt „Fahrer“.
 
Die Studien zu den Berufen, die immer genannt werden, werden immer nur halb zitiert. Ja, die Mehrheit dachte bei Pilot oder Ingenieur an Männer, genauso dachte aber die Mehrheit bei Friseur, Erzieher und Grundschullehrer an Frauen. Das Problem ist also viel mehr das jeweilige Verständnis von „typischen Jobs“. 
 
Es gibt Menschen, die versuchen sogar das Wort „man“ in „mensch“ umzuwandeln, weil es nach „Mann“ klingt. Die gesamte Respekts- und Höflichkeitsform ist weiblich („Sie“). Wenn es „Er“ wäre, würde sie es wohl auch ankreiden.
 
Mir ist auch aufgefallen, dass man häufig nur bei positiv bis neutral besetzten Wörtern gendert. Bei Klimaleugner, Impfgegner, Dieselfahrer, Verkehrssünder, Steuerhinterzieher, Börsenspekulant und Reichsbürger wird häufig weiterhin das generische Maskulinum verwendet.
 
Wer gendern möchte, soll das tun, aber das darf nicht von oben diktiert werden, sondern muss auf natürlichem Weg passieren. Sprache ist immer im Wandel, aber dieser Wandel sollte von der Gesellschaft ausgehen, nicht von einer (oder auch mehreren) zentralen Entscheidungsinstanzen. Wer an Hochschulen und Universitäten nicht in Hausarbeiten und Klausuren gendert, kann Punkte abgezogen bekommen. Da kann man schon von Zwang reden.
 
Laut sämtlichen Umfragen lehnt die Mehrheit der Deutschen die gendergerechte Sprache ab. Das ist eine reine Akademiker-Diskussion. Gendern ist in journalistischen Kreisen weit geläufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt. Ein weiteres Gegenargument: Für Ausländer wird es viel schwerer die deutsche Sprache zu erlernen.
 
Fun Fact: Die Sprachen in den Ländern Georgien, Armenien und der Türkei besitzen kein grammatikalisches Geschlecht. Dort geht es aber nicht gleichberechtigter zu als bei uns.

 

50 Gedanken zu “Gendern oder nicht gendern? Das ist hier die Frage! (Gastartikel)

  1. Das ganze dämliche Gender-Geschwafel entlarvt sich selbst allein durch die angesprochene Ungleichbehandlung bei negativ besetzten Begriffen. Ginge es um „Gleichberechtigung“ und Sichtbarmachung dürfte es keine Unterschiede geben. Mörder, Verbrecher, Täter usw. müssten konsequenterweise ebenfalls geändert werden.
    Wie die Realität aussieht, wissen wir alle.

  2. Da es um Sprache geht: Vater Staat auseinander, zwei Hauptwörter, wie Pater Lukas oder Experte Drosten.

    Das Mehrzahl-Sie ist aber nicht feminin, auch wenn Mehrzahl und sog. weiblicher Artikel wohl auf die gleiche Wurzel zurückgehen – aber umgekehrt, erst war die Mehrzahl. „Die Löffel“ ist auch nicht Femininum, sondern der universelle Mehrzahlartikel: „Die Gabel, die Messer und die Löffel müssen poliert werden“. Ebenso kommt das Höflichkeits-Sie vom Mehrzahl „Sie“. „Sie wünschen noch etwas Puderzucker in den Arsch, Euer Hochwürden?“.

    Das Wer in „Wer gewinnt den Sylvestermarathon?“ unterstellt auch keinen Mann, auch wenn „Wer den Sylvestermarathon gewinnt, der wird traditionell hinterher im Teich des Stadtteilparks …“ fortgesetzt wird, und nicht mit „der_ie“.

  3. Grundsätzlich gut zusammengefasst, aber bei einigen Dingen müssen wir immer aufpassen, inhaltlich sauber zu bleiben, denn folgender Teil ist Quatsch: „Die gesamte Respekts- und Höflichkeitsform ist weiblich („Sie“).“

    Das großgeschriebene „Sie“ leitet sich nicht von der weiblichen dritten Person Singular ab, sondern von der dritten Person Plural. Es ist eine Abschwächung der in feudalen Zeiten für den Adel reservierten Anrede (Ihr). Dass es nicht von der weiblichen dritten Person Singular herrührt, ist festzustellen, indem man mal grammatikalische Fälle durchprobiert:

    Nominativ: Ich werde Sie anrufen. (Hierin ist die Herkunft des „Sie“ noch uneindeutig)
    Genetiv: Ist das Ihr Auto? (Auch noch uneindeutig)
    Dativ: Ich bringe Ihnen den Ausdruck. (Hier wird es eindeutig. Leitete sich das „Sie“ vom weiblichen Singular 3 ab, müsste der Satz lauten „Ich bringe Ihr den Ausdruck.“, „Ihnen“ jedoch ist die Dativanwendung der dritten Person Plural.)

    Und bitte komme mir jetzt keiner mit dem Argument, dass es ungerecht ist, dass die dritte Person Plural gleichlautend mit der weiblichen dritten Person Singular ist! Denn dann bewegen wir uns argumentativ auf dem geistigen Niveau von Feministinnen. Ich denke, das will hier wohl keiner von uns…

    Ich spiele an sich ungern den Korinthenkacker, aber gerade wenn man die Legionen an feministischen Fehlschlüssen und Schwachsinnsargumentationen auseinandernehmen will, darf man sich ums Verrecken keine eigenen Fehler in Herleitungen erlauben. Unser „Feind“ hat Politik, Institutionen und Medien geschlossen hinter sich. Deren geballte Propagandamacht kann es sich leisten, höchst öffentlichkeitswirksam die hinterfotzige und entsprechend gerade bei denkfaulen Ideologen sehr beliebte Masche anzuwenden, sich unter 20.000 schlagenden, makellos hergeleiteten Argumenten genau nur das eine einzige auf einer Fehlannahme basierende Argument rauszusuchen, um dann nur noch darauf rumzureiten und damit den Eindruck zu erwecken, dass somit auch alle anderen Argumente, gegen die man selbst anzukommen schon alleine geistig gar nicht im Stande wäre, auch falsch sein müssen.

    • Und bitte komme mir jetzt keiner mit dem Argument, dass es ungerecht ist, dass die dritte Person Plural gleichlautend mit der weiblichen dritten Person Singular ist! Denn dann bewegen wir uns argumentativ auf dem geistigen Niveau von Feministinnen. Ich denke, das will hier wohl keiner von uns…

      Das stimmt. Aber der Verweis offenbart, dass die Feministen in ihrer Argumentation völlig inkonsistent bleiben, d.h selbst wenn man sich die ungültige Argumentation der Gendertröten zu eigen macht, stösst man auf Widersprüchlichkeiten. Ich finde es durchaus angebracht, darauf mal hinzuweisen. Wenn nur schon mögliche Assoziationen als sexistisch behauptet werden (der Ingenieur ist natürlich männlich, mimimi), dann eben auch für Pluralformen und dergleichen.
      Ebenso darf man auf den Umstand hinweisen, dass eine Gruppe von ausschliesslich Frauen über eine exklusive sprachliche Form verfügen (die Ingenieurinnen), eine gemischte oder rein männliche Gruppe jedoch nicht. Mimimi, was für eine erschütternde Ungerechtigkeit!

  4. Neulich by „Voice of Germany“. Yvonne Catterfeld erklärt den beiden männlichen Sängern, was sie machen sollen: „Stellt euch vor, einer veführt euch, und ihr folgt dem.“ Ich hatte meine Frau gefragt, ob sie glaubt, die Männer seien schwul oder ob Catterfeld sie vielleicht für schwul hält. Das kam meiner Frau (und mir) gar nicht in den Sinn. Man stellt sich keinen Mann vor, nur weil eine männliche Sprachform gewählt wurde. Der Kontext überschreibt alles.

      • Witzig finde ich auch die Überschneidungen zwischen Genderbeseelten und SJW. Folgende Argumentation ist durchaus gängig bei der Konfrontation mit dem rassistischen Grundton ihrer Aussagen:

        „Weiß“ meint ja keine Menschen mit weißer Hautfarbe, sondern eine Haltung und gesellschaftliche Position oder „Alte weiße Männer“ steht ja gar nicht für Menschen, die männlich und alt sind und eine weiße Hautfarbe haben ….

        Wenn wir diese Aussagen ernst nehmen, dann heißt das: Die gleichen Leute regen sich darüber auf, dass unmöglich von allen verlangt werden könnte, beim Wort „Schüler“ Menschen jedes Geschlechts anzunehmen, wählen aber Begriffe um Dinge zu bezeichnen, die ganz anders gelagert sind als es der übliche Wortlaut und die übliche Bedeutung der gewählten Begriffe nahelegen.

        Es ist absurd.

        • „Es ist absurd.“

          Es gibt (meines Erachtens genau eine) Prämisse, unter der das nicht absurd ist:
          Der SJW geht a priori davon aus, dass eine Frau hoffnungslos überfordert davon ist, semantische und grammatische Ebene zu trennen. Komplexere Zusammenhänge als „Wenn es eine weibliche Form gibt, muss die weibliche Form verwendet werden, andernfalls sind weibliche Wesen nicht angesprochen.“ sind für die normale Frau zu kompliziert.
          Gleichzeitig geht der SJW davon aus, dass wild und komplex fluktuierende Bedeutungsebenen durch einen Mann selbstverständlich virtuos aus vage angedeuteten Kontexten sicher aufgedröselt werden können.

          Sobald man davon ausgeht, dass Männer in punkto Sprachverständnis Frauen haushoch überlegen sind, löst sich der Widerspruch auf.

          • Ich will nicht nur andeuten, sondern explizit sagen, dass das sich hier ausdrückende Weltbild von Feministinnen nur dann Sinn ergibt, wenn Feministinnen (nicht ich) Frauen wie Kinder sehen.

            Das zähnefletschende Verteidgen weiblicher Unterverantwortlich kann nur dann moralisch einwandfrei sein, wenn Verantwortungsübernahme nicht redlich von Frauen verlangen werden kann.

  5. „Wer gendern möchte, soll das tun, aber das darf nicht von oben diktiert werden, sondern muss auf natürlichem Weg passieren. Sprache ist immer im Wandel, aber dieser Wandel sollte von der Gesellschaft ausgehen, nicht von einer (oder auch mehreren) zentralen Entscheidungsinstanzen.“

    Das geht an der Aufgabenstellung vorbei. Gegeben ist der Wunsch, in den Köpfen der Menschen Positives oder Neutrales von der Assoziation mit Mann zu entkoppeln, Negatives dagegen stets und ausschließlich männlich zu konnotieren.

    Wie lässt sich dieses Ziel erreichen wenn nicht top-down?

  6. Laut sämtlichen Umfragen lehnt die Mehrheit der Deutschen die gendergerechte Sprache ab.

    Herzlichen Glückwunsch, das Framing ist erfolgreich in Deinem Gehirn angekommen und metastasiert dort munter vor sich hin.
    Wenn die Gender-Gestapo Konzentrationslager für Antifeministen errichtet, werden sie sie „Gerechtigkeitslager“ nennen.

    • Wollte das Wort „gendergerechte“ in dem Zitatblock fett hervorheben – das scheint sich allerdings auszuschließen. Entweder Zitat oder Fett, aber nicht beides gleichzeitig.

  7. Danke für die sprachlichen Verbesserungen. An einigen Stellen hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Bei „Vater Staat“ und bei „Mutter Erde“. Kann man das noch nachträglich ändern?

    Mir war der Ursprung des Siezens nicht bekannt. Lieber werde ich hier aufgeklärt als im Streitgespräch mit einer Feministin.

    Könnte man in Klammern „Edit: Schwaches Argument. Siehe Kommentare“ nach dem Wort „ankreiden“ hinzufügen? Nicht jeder, der den Artikel liest, liest auch alle Kommentare. So erhält man wenigstens einen Hinweis.

    Danke im Voraus.

    • Zum Siezen selbst kann ich nichts erhellendes beitragen.

      Meine Behauptung, dass das Femininum aus dem Plural sich entwickelt hat, habe ich von Daniel Scholten, häufig zitiert in Diskussionen zum Thema. Von dem gibt es ein Video und einen Text, die sich inhaltlich stark überschneiden – ich meine ich hab’s aus dem Video.

      Der Artikel heißt wohl „Der Führerin entgegen“ o.s.ä., das Video „Der oder das Blog“. Der Blog heißt belleslettres.

  8. Ich sehe hier verschiedene Probleme. Zunächst ist die Grundvoraussetzung, dass Sprache das Denken irgendwie „bestimmt“, und das man Menschen dazu bringen kann, anders zu denken, wenn man sie dazu bringt, anders zu sprechen. Das ist schon mal höchst zweifelhaft; meint man wirklich, wenn jemand „Studierende“ statt Studenten oder „Radfahrende“ statt Radfahrer sagt, hat er irgendwie die Frauen darunter mehr oder besser Präsent als beim Gebrauch der traditionellen Worte? Und selbst wenn, würde es zu einem anderen Verhalten den Frauen gegenüber führen? Warum sollte es eigentlich?

    Und selbst wenn man diese Grundvoraussetzung zugestehen würde, fragt sich doch, wer mit welchem Recht bestimmen soll, wie alle zu sprechen haben? Natürlich sehen sich die Feministen im Recht wegen das Patriarchats usw., aber das ist ja keineswegs eine allgemein anerkannte Hypothese. Es müsste zumindest eine demokratische Diskussion darüber geben, bevor z.B. Öffentlich finanzierte Sender die Gender-Sprache einfach übernehmen oder ganze Stadtverwaltungen oder Universitäten sie vorschreiben und Sanktionen androhen bei Nichtbefolgung.

    Ich sehe hier wieder mal die übliche Strategie der Feministen, ihre eigenen Ideen durchzusetzen unter Umgehung demokratischer Prozesse, vor allem sie als Minderheit einer Mehrheit aufzuzwingen.

    Übrigens wird auch nie die Ausgangsthese (Sprache bestimmt das Denken) thematisiert, diese Auffassung hat sich offenbar weitgehend durchgesetzt, obwohl sie weder plausibel ist (können Taubstumme nicht denken? Oder höhere Tiere wie Schimpansen und Kraken? Was ist mit Kleinkindern, die sich unzweifelhaft bereits vor dem Spracherwerb rational und kooperativ verhalten können?), noch dem Forschungsstand der Wissenschaft entspricht?

    • Ich habe ein atomares Indiz gesammelt, dass die Sprachgenderei die Sprache kaputtmacht.

      Vor ein paar Wochen wurden die Coronaauflagen in Berlin verschärft. Einige Sprachen, etwa der Ku-damm, sollte man nur noch mit Atemschutz betreten. Radfahrer seien davon ausgenommen.
      Hier wäre „Radfahrende“ natürlich richtig gewesen. weil ich als Radler, wieso sollte ich bevorzugt werden, wenn ich mein Rad an die Laterne schließe und bummeln gehe.

      Aber natürlich habe ich keinen Beleg, dass die Sprache der Befreiung der Frau hier ursächlich war. Vielleicht ist der Sprecher (Inforadio/rbb) nicht im Lager der Erleuchteten und schreckt zurück, wenn seine Zunge X~ende sagen will.

    • Solche Sprachdiktate sind ja nicht neu, im dritten Reich gab es sie und in der DDR auch. Das Denken hat sich dadurch nicht grundlegend gewandelt. Aber was schon erreicht wurde, war ein bereinigter öffentlicher Sprachraum.

      Dadurch, dass aber soviel Energie in die Bereinigung der Realität von nicht zur Ideologie passenden Elementen gesteckt werden muss, wird die ganze Konstruktion irgendwann sehr ineffizient und hohl.

      Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich solche verordneten Sprachdiktate lange aufrecht erhalten lassen. Allerdings muss ich konstatieren, dass die Natürlichkeit des generischen Maskulinums und der Unterschied zwischen Genus und Sexus in unserem Land schon fast vergessen ist. Dieses Wissen wird wohl auch nicht wiederkommen, deshalb werden wohl Fragmente der Ideologie in der Sprache dauerhaft erhalten bleiben.

  9. Wo wir grade dabei sind: Ich hatte vor längerem mal an den NDR geschrieben und mich über die feministische Sprachverhunzung beschwert. Ich bekam folgende Antwort:

    „vielen Dank für Ihre Zuschrift.

    Es ist nicht unsere Absicht, Ihnen ideologische Vorstellungen aufzuzwingen. Wenn Sie unser Programm verfolgen, werden Sie feststellen, dass das generische Maskulinum weiter stark im Gebrauch ist. Allerdings gibt es auch außerhalb von feministischen Kreisen den Wunsch, beide Geschlechter zu nennen. Darum bemühen wir uns. Substantivierte Partizipien sind auch aus meiner Sicht nicht immer eine gute Alternative, weil sie sprachlich häufig ein falsches Bild erzeugen.

    Herzliche Grüße, Katja Schleßelmann

    NDR Info“

    • Eine ziemlich lächerliche Antwort. Aber es überrascht mich, dass der NDR überhaupt geantwortet hat.

      Es ist nicht unsere Absicht, Ihnen ideologische Vorstellungen aufzuzwingen

      Warum macht der NDR es dann? Schließlich entstammt das Gendern doch einer Ideologie.

      Wenn Sie unser Programm verfolgen, werden Sie feststellen, dass das generische Maskulinum weiter stark im Gebrauch ist.

      Das ist dann inkonsistent und wird nur zu weiterer Verwirrung führen (erinnert irgendwie an die Rechtschreibreform).

      Allerdings gibt es auch außerhalb von feministischen Kreisen den Wunsch, beide Geschlechter zu nennen.

      Mal davon abgesehen, dass das eine reine Behauptung ist, wie viele Leute müssen sich etwas wünschen, damit der NDR es umsetzt?

      • „Mal davon abgesehen, dass das eine reine Behauptung ist, wie viele Leute müssen sich etwas wünschen, damit der NDR es umsetzt?“
        Nicht „wie viele“, sondern „wer“ und „wie laut / schrill / penetrant“. Denn wie wir kürzlich lernen dürften: „Penetranz schafft Akzeptanz“.

  10. Nicht zu vergessen, dass sich erstens die Argumente für die „gendergerechte“ Sprache zum großen Teil auf Gefühle stützen, was sie beliebig und wertlos macht, und zweitens, es sich hier um eine gewaltige Machtanmaßung und einen Angriff auf die Freiheit der Menschen handelt.

    Im Übrigen sind Ideologien, die sich selbst für „gerecht“ erklären und mit Zwang arbeiten, generell nicht demokratisch. Wie will man einen demokratischen Dialog haben, wenn alle Gegenargumente von Anfang an als „ungerecht“ gelten? Offensichtlich gar nicht.

    • Eben, schon Aristoteles schreibt in seiner Politik, dass es bei der Demokratie darum gehe, „nicht so leben zu müssen, wie andere es wollen“. Gerechtigkeit (was immer man darunter auch versteht) ist kein Grundprinzip der Demokratie.

      • Eine das Individuum betreffede Gerechtigkeit halte ich einer Demokratie schon für zuträglich. Unser heutiges Problem besteht doch darin, dass der Begriff für die eigenen politischen Ziele missbraucht wird.
        Sei es die so plump selbstgerechte Sprache, oder die nie klar hergeleiteten „Gruppengerechtigkeiten“:
        Gendergerechtigkeit, Rassische Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit. Keiner dieser Begriffe kommt ohne willkürliche Gruppendefinitionen aus, und ohne gegen individuelle Gerechtigkeit zu verstoßen.

  11. SuS, Schülerinnen und Schüler…
    Wer sich im Bildungsbereich bewegt, der kennt diese Formulierung. Und die Texte dazu, z.B. Lehrpläne. Diese sind bindende Grundlage für alle Lehrer an Schulen. Die Lerninhalte werde dort vorgegeben, didaktische Handhabungen und Kompetenzraster sind so formuliert. „Die Schülerinnen und Schüler können…“, „Die Schülerinnen und Schüler lernen …“. Die Lektüre ist auch ohne Gendersprache kein Spaß, dank des ideologischen Neusprech mittlerweile unlesbar. http://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents_E-1492751585/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-2004/Bildungsstandards/Realschule_Bildungsplan_Realschule_Gesamt.pdf

    „Mathematik befähigt Schülerinnen und Schüler, Probleme mit-hilfe unterschiedlicher heuristischer Strategien zu lösen.“ „Die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler am Prozess derMathematisierung ermöglicht ihnen ein sicheres Umgehen mitsituationsbezogenen Methoden.“ „Die Intention mathematischer Standards ist es, Schülerinnenund Schüler zu befähigen, mathematische Kompetenzen zu be-nutzen, um in einer sich verändernden Welt Probleme lösen zukönnen.“ „1. LEITIDEE ZAHL Die Schülerinnen und Schüler können – den Aufbau des Dezimalsystems verstehen; etc“

    „Im Fach Deutsch ist die deutsche Sprache Unterrichtsgegenstand und Unterrichtsprinzip. So erfahren und erleben die Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache in dreifacher Hinsicht: erstens als Mittel der Welterfassung und Wirklichkeitsvermittlung, zweitens als Mittel der zwischenmenschlichen Verständigung, drittens als Mittel, sich Welten auszumalen und vorzustellen. Die zentrale Aufgabe des Deutschunterrichts ist es,die sprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zufördern und zu sichern, aufbauend auf die in der Grundschuleerworbenen sprachlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertig-keiten. Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Kompetenzen zur mündlichen und schriftlichen Kommunikation, so-wie im Umgang mit Texten und Medien.“ und „Der Deutschunterricht bietet Möglichkeiten zur Identitätsbildung der Mädchen und Jungen und baut die personalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schülerweiter aus.“

    Ja, Schule war schon immer Kampfplatz herrschender Ideologien, das ist im Jahr 2020 nicht anders und war, mMn, nie schlimmer.

    • Wie ungerecht, dass Schülerinnen und Mädchen immer zuerst genannt werden. Dadurch werden Jungen zu Menschen zweiter Klasse. Es muss sofort eine Sprachreform her! 🙂

    • Der Deutschunterricht sorgt vor allen Dingen für Indoktrination und Sprachverhunzung.
      Eine Arbeitskollegin von mir ist Türkin, lebt seit 4-5 Jahren in Deutschland und findet Gendersprech zum Kotzen. Sie hat immer noch genug Schwierigkeiten, die deutsche Sprache zu verstehen, wenn es bspw. um umgangssprachliche Floskeln geht, weil sie deren Bedeutung häufig nicht kennt.
      Was sie und ihre Familie am wenigsten brauchen, ist eine weitere Erschwernis, weil Sozialdeppinnen meinen, sie wären nicht ebenfalls gemeint, wenn nicht ausdrücklich eine weibliche Form gebraucht wird. Natürlich, wie erwähnt, nur bei positiven oder bestenfalls neutralen Begriffen.
      Dementsprechend vernichtend fällt ihr Urteil zu dieser unsäglichen Sprachverhunzung aus.

      Im Übrigen werden die sprachlichen Fähigkeiten der Schüler auf diese Art und Weise nicht verbessert und gefördert und noch weniger wird eine Wirklichkeit vermittelt.
      Vermittelt wird auch nicht eine Wandlung und Anpassung der Sprache an sich ändernde Gegebenheiten, sondern geändert werden soll die Realität durch Bevormundung in der Sprache.

      @Yayson: Und? Sind doch nur „Männer“. 😉

  12. Wenn ein Text im Web gegendert geschrieben wurde, merke ich höchstens in den Kommentaren. Das Browser-Addon binnen i be gone leistet da ganze Arbeit.

      • Die Erfahrung hat Prof. Dr. Norbert Bolz, Kommunikations- und Medienwissenschaftler (bis 2018 an der TU Berlin), auch gemacht, wie er auf der von der AfD ausgerichteten „2. Konferenz der freien Medien“ berichtete. (Wobei er davon sprach, dass das Lachen, welches er immer praktiziert hatte, wenn ihm der neueste linke Stuss entgegengebracht worden war, falsch gewesen; er hätte nicht gedacht, dass sich sowas wirklich mal in Öffentlichkeit/Politik durchsetzen würde – oder so ähnlich … ich gebe es aus meiner Erinnerung in meinen Worten wider ;-)).
        Ich kann die gesamte Rede (35 Minuten) nur empfehlen. Er spricht noch von vielem anderen bzgl. der Medien und der Metapolitik (z.B. an und durch Hochschulen) wie bspw. von den Ursprüngen von PC und Cancel Culture.

        „Norbert Bolz – Rede bei der 2. Konferenz der freien Medien“

        Übrigens auch recht interessant ist der Wikipedia-Artikel zu ihm:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Bolz

  13. Hat wer einen Link zu der Studie, was man bei bestimmten Berufsbezeichnungen denkt? Ich würde die gerne Zitieren/Auseinandernehmen, wenn mir wieder jemand mit einem blöden Beispiel kommt.

    • Keine Studie, aber „Gerechtigkeit“ auf Gefühlen oder irgendwelchen subjektiven Vorstellungen zu basieren, ist in jedem Fall ein fragwürdiges Konzept. Bei Diskussionspartner_*/xen mit Mindestintelligenzhintergrund könnte das schon ausreichen.

  14. „Bürger*innenmeister*inkandidat*innen“

    Klasse. Ich werde damit mein Kind in der 2. Klasse auf die Plakatierungen in Berlin von Fr. Dr. Giffey vorbereiten, die genau das ja ist.
    Vermutlich wird sich mein Kind dann von der Spracherlernung verabschieden und ein Leben in der Legasthenie bevorzugen.

    • Klasse. Ich werde damit mein Kind in der 2. Klasse auf die Plakatierungen in Berlin von Fr. Dr. Giffey vorbereiten, die genau das ja ist.

      Wohl eher eine betrügende Bürger*innenmeister*inkandidat*in. Oder war es eine betrogene? 😉

  15. Zum Fun Fact: Mein Reden! (dass Georgisch, Armenisch, Türkisch und andere kein grammatikalisches Geschlecht haben, aber ganz und gar nicht frauenberechtigter sind).
    Ich ergänze: Im Russischen wird seit eh und je knallhart gegendert. Beispiel: Die Frau von Michail Gorbatschow heisst Gorbatschowa. Und der Mann der ersten Frau im Weltraum Walentina Teraschkowa heisst Teraschkow. Also falls sie einen hat. So knallhart ist die gesamte russische Grammatik. Aber habt ihr das Gefühl, das hat den Frauen IRGENDWAS gebracht? – Nee, nicht wahr?
    Aber warum in die Ferne schauen: Die Frau vom Huber Sepp kann in einigen Gegenden von Bayern die Huberin genannt werden, in Berlin nicht, ist jetzt Bayern seit Jahrhunderten weiter in Sachen Emanzipation?!?!

    Ich gehe davon aus, dass das Gendern blanke dümmliche Besserwisserei ist. Hat man inhaltlich nichts weiter zu bieten, hat man mit solchen MEthoden noch immer eine Chance, sich über den Anderen zu erheben. Um mehr geht es meiner Meinung nach nicht.

  16. Beim Gendern verschwindet der Unterschied zwischen Funktion und Person bzw Identität.
    Eine Radfahrerin ist für mich eine Radsportlerin, sie bleibt es auch wenn sie im Auto sitzt. Die Frau, die auf dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnimmt kann man auch als „Radfahrende“ beschreibt allerdings nur bis sie zur „an-der-Ampel-Stehenden“ wird. Die Aufforderung „Radfahrer absteigen“ wird durch gendern auch nicht besser.
    Sie deutsche Sprache erlaubt auch den feinen Unterschied zwischen „Ich bin Ingenieur/Berliner/Ausländer/Bürger der Stadt XY“ und dem mit stärkerer Identifikation behafteten Ausdruck „ich bin ein(e) Ingenieur(in). Ich bin Berlinerin/Ärztin .. klingt für mich schräg – weil unbestimmt – und „ich bin eine Ausländerin“ wird eine deutsch sprechende Migrantin nur im Frust sagen, wenn sie sich nicht anerkannt fühlt. „Bürger“ sind für mich Einwohner, während „Bürgerinnen“ den weiblichen Teil der Bourgeoisie meint.
    Völlig abstrus wird es bei Begriffen die quasi immer funktionell sind; Treuhänder, Gläubiger, Schuldner, Arbeitgeber

    • Einwohner sind allerdings gerade nicht Bürger. Einwohner sind alle mit dauerhaftem Aufenthalt in dem Land/Gebiet, also auch solche Ausländer (d.h. Bürger fremder Länder/Staaten) – ihre Gesamtheit nennt man „Bevölkerung“ (nicht zu verwechseln mit bspw. „Staatsvolk“, s.u.). Bürger eines Gemeinwesens (XY) hingegen sind alle, die die Bürgerrechte und die Bürgerpflichten haben, also heutzutage in Ländern wie Deutschland alle Inländer und auch die sich im Ausland befindlichen dem bezeichneten Gemeinwesen XY angehörenden Menschen.
      Oft hört man Leute sagen, unser Staat(svolk) bestehe aus 80 (oder 82 oder 83) Millionen Menschen. Das ist falsch, weil diese Zahl die der Bevölkerung/Einwohner Deutschlands ist. In ihr sind ca. 10 Millionen Ausländer – also Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit – enthalten (ohne Dunkelziffer). (Quelle: bpb, Statistisches Bundesamt)

  17. Pingback: Many Shades of Gender (12): Wieso müssen die Gender Studies alles gendern? | Alles Evolution

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