Ist der promiske Mann ein Held?

Es gibt ja den alten Spruch:

Wenn eine Frau mit vielen Männer schläft ist sie eine Schlampe, wenn ein Mann mit vielen Frauen schläft ist er ein Held

Das war hier schon mehrfach Thema, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass es für einen Mann auch deutlich schwieriger ist Sex zu haben als für eine Frau:

Unter einem Beitrag zum Slutshaming, auf den ich kürzlich noch mal gestoßen bin, fand ich noch diesen Kommentar von David zu der Frage, ob Männer wirklich Helden sind:

Mich wundert immer, dass der zweite Teil dieses behaupteten Klischees immer so unhinterfragt akzeptiert wird. Ich halte es für schlicht falsch,

Ja, promiskuitive Frauen werden in der Regel als Schlampen bezeichnet.
Aber wer bezeichnet denn promiskuitive Männer als „Helden“? Oben fielen auch die Begriffe „toller Hecht“ und „Womanizer“, bei genauer Betrachtung fallen diese aber normalerweise nur in einem spöttischen Kontext.

Promiskuitivität ist sicher heldenhaft unter pubertierenden Jungs, wobei man halt auch einigermaßen was drauf haben muss um mit 16 an Sex zu kommen. Sex ist nun mal die größere Leistung (sowohl Einleitung als auch der Akt selbst) für einen Mann als für eine Frau, insbesondere daher weil Frauen fast allesamt zu §1 nach Christian (s.o.) tendieren.
Das ist wohl auch der Grund warum Protagonisten wie Barney Stinson und Charly Harper so gut funktionieren.

Aber „Held“? Das würde ich mal sehr in Frage stellen. Im aktuellen Narrativ ist der Typ eher ein „Schwein“, der Frauen „benutzt“ und nicht mehr anruft, ein schwanzgesteuerter Arschlochtyp. Frauen wie Männer begegnen promisken Männern wohl mit sehr viel mehr Ambivalenz als da suggeriert wird.
Sowohl für Männer als auch Frauen ist männliche Promiskuität auch Gefahr, Neid würde da ebenfalls als beteiligtes Grundgefühl hervorheben.

Sicherlich kann ein Mann seine Promiskuitiät um einiges offener leben als eine Frau, aber wie man sie wertet steht auch jedem Menschen frei, und ich lehne beide Formen von politischer Moralisierung an der Stelle ab.

Wenn Frauen eine männliche Schlampe als „Womanizer“ im positiven Sinne goutieren, dann ist das deren „Problem“. Christian nennt das wohl approved by other women. Ebenso finden viele Männer Frauen geil, die sich holen was sie brauchen.
Es steht aber auch jeder Frau frei, eine männliche Schlampe als solche zu behandeln und eben nicht als „Helden“.

Ich denke, dass Männer, die bei Frauen gut ankommen und das auf eine positive Art ausleben, durchaus einen gewissen Neid von Männern auf sich ziehen und eben auch bei vielen eine gewisse Bewunderung, wenn man merkt, dass er das über Charme etc schafft. Viele Männer wären dann auch gerne so wie derjenige, was wohl vielleicht der Kurzbeschreibung „Held“ dann noch am nächsten kommt. Sie würden es sich auch gerne trauen, Frauen einfach so anzusprechen, sie würden auch gerne den Erfolg bei Frauen haben etc.

Es dürfte aber auch darauf ankommen, wie derjenige die Frauen bekommt. Bei einer Mischung aus Charme und guten Aussehen und hübschen Frauen, die ihn mögen und ihn als positiv erleben, ist man sicherlich positiver als bei jemanden, der betrunkene, wenig attraktive Frauen abschleppt. 

Und natürlich schreckt viele Frauen ein solcher Ruf auch ab, sie nehmen eine Form von „Slut Shaming“ vor, wenn man es so ausdrücken will. 
Etwa in dem sie sagen, dass sie sich mit dem auf keinen Fall einlassen würden, schon weil es unter ihrer Würde wäre die nächste Kerbe in seinem Bettpfosten zu sein. Oder eben weil jemand wie er beziehungsunfähig ist und es niemals mit ihm klappen kann. Andere klassische Abwertungen wären „Mit dem gehen doch auch nur die naiven Schlampen ins Bett, die denken, dass er sich für sie ändert oder die nicht merken, dass er immer seine gleiche Masche durchzieht“ oder „die armen Frauen, die sich mit ihm einlassen, er nutzt sie aus“ etc.

Seitenblick hatte noch kommentiert:

 Deine Antwort liefert eine sehr gute Illustration der Ambivalenz:
„Im aktuellen Narrativ ist der Typ eher ein “Schwein”, der Frauen “benutzt” und nicht mehr anruft, ein schwanzgesteuerter Arschlochtyp.“

Ja. Und zugleich ist er der Typ, der
– nicht nach der Pfeiffe anderer tanzt
– zu dem steht, was er will
– der für Unabhängigkeit von einengenden, moralisierenden Sichtweisen steht
– und nicht zuletzt: der kein Problem mit seinen sexuellen Bedürfnissen hat

Und je nach Kontext rufen wir mal das eine und mal das andere auf.

Ich habe den Verdacht, dass die eigentlichen Gründe für diese Ambivalenz noch nicht benannt und diskutiert sind.
Fände es aber gut, wenn das geschehen würde.

Hottehü führte an:

hm, verstehe. da stehen also die kumpels am tresen und manni erzählt von seiner letzten kerbe im bettpfosten. atze, schorschi und horst sind aber nicht etwa neidisch, sondern nennen manni ein schwein, schwanzgesteuertes arschloch und schwören, mit manni kein wort mehr zu reden.

Dazu antwortete David noch:

– nicht nach der Pfeiffe anderer tanzt
– zu dem steht, was er will
– der für Unabhängigkeit von einengenden, moralisierenden Sichtweisen steht
– und nicht zuletzt: der kein Problem mit seinen sexuellen Bedürfnissen hat

Das sehe/höre ich nicht. Das sind viel eher typische Beschreibungen promisker Frauen!
Bei Männern fällt mir z.B. ein „lässt nichts anbrennen“, was positiv konnotiert ist.

@hottehü: Danke dass du wie oben („toller Hecht“) den Beweis lieferst – du wertest nämlich den fiktiven promisken Mann implizit ab als „Proll Manni mit den Kerben im Bettpfosten“.
Wenn Atze, Schorschi und Horst verheiratete junge Mittelschichts-Väter sind, werden sie unter Umständen durchaus eher angewidert, vielleicht auch missgünstig sein.
In bestimmten Milieus, vor allem halt unter jungen wenig gebildeten Männern, und das meintest du sicher, ist promiskes männliches Verhalten sicher sozial erwünscht, das streite ich ganz und gar nicht ab (daher Ambivalenz)
Aber warum muss es auch anders sein, wo ist das Problem?
Die „Schlampe“ erzählt in der Regel auch ihren Freundinnen stolz von ihren Abenteuern, darf ich an den Erfolg von Sex and the City erinnern, wo Millionen Frauen ihre Idole abfeierten?

Ich sprach von der öffentlichen gesellschaftlichen Narration, da wird männliche Promiskuität meist schlecht bewertet, während es bei Frauen ambivalent betrachtet wird („Schlampe“ vs Frau die weiß was sie will)