Frauen in Vorständen verdienen mehr als die Männer, weil geeignete Frauen schwer zu finden sind: Entwertet das das feministische Argument, dass die gleich qualifizierten Frauen nur übergangen werden?

Gerade erschien ein Artikel in dem Tagesspiegel, der über folgendes berichtete:

Managerinnen in der Vorstandsetage börsennotierter Firmen sind noch immer eine Seltenheit. Nicht nur deshalb werden sie besser bezahlt als ihre Kollegen.

Frauen sind in der Topetage der deutschen Wirtschaft eine Minderheit, aber sie verdienen anders als viele Frauen in anderen Berufen im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Nach einer Auswertung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY wurden weibliche Vorstandsmitglieder im vergangenen Jahr erstmals in allen Börsenindizes der Dax-Familie durchschnittlich besser bezahlt als Top-Manager.

Als einen wichtigen Grund nannte EY-Experte Jens Massmann das wachsende Bestreben der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihr Salär.

In der obersten Börsenliga der 30 Dax-Konzerne verdienten Vorstandsfrauen im vergangenen Jahr demnach im Schnitt etwa 2,93 Millionen Euro und damit im Mittel rund 30.000 Euro mehr als die männlichen Top-Manager. Frauen werden den Angaben zufolge dort seit vier Jahren durchschnittlich besser bezahlt.

Das macht aus meiner Sicht marktwirtschaftlich Sinn: Wenn Unternehmen versuchen sich zum einen einen frauenfreundlichen, modernen Anstrich zu geben und einer Frauenquote vorzubeugen bzw. sich jetzt die besten Kandidatinnen zu schnappen, bevor es eine Pflicht wird und man keine findet, dann aber tatsächlich relativ wenig Frauen auf dem Markt sind, die für den Job geeignet sind, wenn man auch keine Abstriche bei der Qualität haben möchte, dann beginnt ein Wettbewerb um eben diese Frauen und sie werden teurer als die Männer, die einfacher angeworben werden können, weil das Angebot größer ist.

Jetzt führt der Feminismus auch gerne an, dass die Quote nur notwendig ist, weil da lauter gleichfähige Frauen sitzen, die aber einfach übergangen werden, weil der Markt sexistisch ist.

Wenn das aber so wäre, dann müssten die weiblichen Manager ja billiger sein, einfach weil die ganzen übergangenen Frauen ja problemlos „aufgesammelt“ werden könnten. Allein der Umstand, dass sie gegenwärtig teurer sind macht aus meiner Sicht deutlich, dass an der These, dass gleichqualifizierte Frauen schlicht diskriminiert werden, nicht viel dran sind.

Es ist in gewisser Weise das alte Argument: „Wenn Frauen obwohl sie gleich gut sind weniger verdienen, warum gründen dann Leute nicht einfach eine Firma, bei der sie nur Frauen einstellen und können dann, einen arbeitslohnintensiven Tätigkeitsbereich vorausgesetzt, die Konkurrenz leicht überbieten?“

Die These der „wegen Diskriminierung übergangenen Frauen“ macht in beiden Fällen keinen Sinn.

Ich hatte das auch auf Twitter schon so kommentiert:

 

 

 

33 Gedanken zu “Frauen in Vorständen verdienen mehr als die Männer, weil geeignete Frauen schwer zu finden sind: Entwertet das das feministische Argument, dass die gleich qualifizierten Frauen nur übergangen werden?

    • Die Emma prangert schon lange die Probleme mit dem Islam an. Da stimme ich zu. Der Islam unterdrückt tatsächlich Frauen.
      Hätten wir also mal einen Punkt.
      Wer hat weitere?

      • Alice Schwarzer in der Emma: Gendersternchen oder Gendergap machten neue Geschlechterschubladen auf: „der urfeministische Gedanke der Menschwerdung von Frauen und Männern“ scheine „vor lauter Gendern auf der Strecke geblieben zu sein“.

        • „der urfeministische Gedanke der Menschwerdung von Frauen und Männern“

          Boah, wohin mit meiner Galle? Was für eine Formulierung. Die Feministen in ihrer ursprünglichen Form entscheiden darüber, ob aus Männern und Frauen Menschen werden. Wenn sie den Daumen senken, sind die also Unmenschen.

          Der Kern des Feminismus ist Herrschsucht, das Wesen faschistisch. Deswegen gehört er bekämpft, damit alle Menschen Menschen sein dürfen.

          • Ich denke, das ist eine böswillige Interpretation.

            Der Kern des Feminismus ist der Wunsch der Frau, die Normen der Gesellschaft so zu ändern, dass frau keine Nachteile oder Rollenzwänge mehr erleidet, aber ohne dabei auch nur ein einziges der weiblichen Privilegien einzubüßen.

            Daher auch das Schlachtfeld mit den Trans: Wenn auch Männer Frauen sein/spielen dürfen, ists mit den Privilegien nicht mehr weit her.

            Siehe z.B. dieses bemerkenswerte Gejammer: „Frauen sind eigentlich in allem genauso gut wie Männer, aber in direktem Wettkampf haben wir keine Chance, also müssen wir das Spielfeld einebnen, indem wir Frauen Privilegien geben“ Feminism in a nutshell.

          • „Der Kern des Feminismus ist der Wunsch der Frau, die Normen der Gesellschaft so zu ändern, dass frau keine Nachteile oder Rollenzwänge mehr erleidet, aber ohne dabei auch nur ein einziges der weiblichen Privilegien einzubüßen.“

            Dachte ich auch mal. Aber es geht inzwischen nicht mehr darum, keine Rollenzwänge oder Nachteile mehr erleiden zu müssen. Es geht um die Schaffung von Vorteilen, um den Ausbau von weiblichen Privilegien, es geht um einen gesellschaftlich Konsens hinsichtlich der höheren Wertigkeit weiblichen Lebens gegenüber männlichem. Es geht um Bestimmungshoheit über Gut und Böse.

            Welche weiblichen Nachteile oder Rollenzwänge gibt es denn, die änderbar wären und nicht im individuellen Verhalten der jeweiligen Frau begründet sind? Mir fällt da nichts ein.

          • Das wird jetzt Haarespalterei, aber wenn wir als Kern des Feminismus – also den Grund, warum der nicht ausstirbt – die Wahrnehmung der feminismussympathisierenden Frau nehmen, dann bleibe ich bei meiner Definition.

            Frau findet es nicht fair, dass sie Nachteile hat.
            Dafür ist es völlig egal, ob diese Nachteile nur eingebildet sind, oder Teil eines Quid-pro-Quo oder selbstverschuldete Folge eigenen Verhaltens.

            Dass es zusätzlich einen Feedback-Effekt gibt, dass in einer immer gynozentrischeren Gesellschaft das Das-steht-mir-zu! Gefühl der Frau ins unermässliche wächst, ändert m.E. am Kern nichts.

            Anders ausgedrückt: Die Fürstin findet es nur fair und völlig angemessen, dass sie mehr hat als der Pöbel und es wäre ein ungerechter Nachteil, wenn man sie wie einen Plebs behandeln würde.

      • „Die Emma prangert schon lange die Probleme mit dem Islam an.“

        Sorry, aber das ist keinesfalls eine rein feministische These, denn das prangern ein ganzer Haufen von Gruppierungen an, Atheisten, Humanisten, Rechte, Islamkritiker, usw. und sie tun das als Atheisten, Humanisten, Rechte, Islamkritiker. Vielleicht sind sie auch gleichzeitig Feministen, aber das hat da dann nicht unbedingt etwas mit zu tun.

        Thesen wie das Männer Frauen das Essen wegessen, dass die Gesellschaft von Männern für Männer gemacht wurde, das Patriarchat, das die Ehe eine Versklavung von Frauen ist oder der Gender Pay Gap sind Thesen die von Feministen als Feministen vertreten werden und so gut wie immer falsch.

        • Sehe ich auch so. Wobei ich ein Zugeständnis machen würde: Manchmal weisen Feministen auf wichtige Punkte hin – interpretieren Sie aber falsch. Z. B. wenn sie darauf hinweisen, dass, wenn in einer Branche, in der zunächst fast nur Männer gearbeitet haben, nun zunehmend mehr Frauen arbeiten, dass dann das Lohn-Niveau in dieser Branche sinkt – oder zumindest gegenüber anderen Branchen stagniert.

          Stimmt (im Allgemeinen) – zeigt aber nicht, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekommen als Männer.

          Auch der feministische Protest gegen weibliche Beschneidung oder gegen diese weibliche Verschleierung im Islam trifft schon einen wichtigen Punkt – aber eben nicht den richtigen. Der Schleier bspw. ist eben kein Verbot der des Patriarchats gegen die Frauen, sondern ein Gebot der Eltern für ihre hypergamen Töchter.

  1. Ehrlich gesagt würde ich es nicht überbewerten, dass DAX-Vorständinnen im Schnitt mehr verdienen als männliche Vorstände. Erstens ist es immer schwierig, von Korrelation auf Kausalität zu schließen, zweitens ist die Stichprobengröße (meines Wissens 26) ja nicht besonders groß.

    • „Stichprobengröße“

      Wenn ich das recht verstanden habe, ist das hier keine Stichprobe, sondern die ganze Population liegt der Statistik zugrunde. Man braucht also auch keine Signifikanztests.

    • Können wir die Verwendung von „Vorständin“ lassen? Dieses Wort verursacht bei mir physische Schmerzen. Der Vorstand heißt „Vorstand“ weil er oder sie etwas vorsteht, also wegen der Funktion, nicht wegen des Geschlechts. Diese Verzeitgeistung des Begriffs ist ähnlich absurd wie „Gästin“.

  2. Es geht bei der Frauenquote doch nicht darum angeblich benachteiligte Frauen besserzustellen, sondern darum meritokratische und demokratische Strukturen zu überwinden, hin zu einer neuen Gesellschaft der Privilegien und Klassen. Deshalb wird jedes kluge Argument gegen die falschen Behauptungen des Feminismus ungehört verhallen. Die wollen gar nicht ihre Prämissen auf den Prüfstand stellen, sondern das Endresultat, Menschen nach Eigenschaften (wie der Abstammung) und nicht nach Fähigkeiten wählen zu können.

  3. „Das macht aus meiner Sicht marktwirtschaftlich Sinn:“

    Aus meiner Sicht gerade nicht. Es macht für ein Unternehmen keinen betriebswirtschaftlichen Sinn, unbedingt eine Frau statt einen Mann haben zu wollen, das erhöht ihren Profit ja nicht. Es ist im Gegenteil ein potenzieller Verlustbringer, Geschlecht noch vor fachlicher Eignung als wichtigstes Einstellungskriterium zu verwenden, auch nicht wenn das „freiwillig“ geschieht.

    Es ist nichts anderes als vorauseilender Gehorsam vor politischem Druck, und das hat mit Wirtschaftlichkeit nichts zu tun, mit Markt erst recht nicht.

    • Es ist indirekt wirtschaftlich: Weil durch die Pflege des Images künftige Umsatzeinbußen vermieden werden. (Analog zu greenwashing.) Der Mehrpreis, der gezahlt wird muss unter dem Barwert des geschätzen Gewinnverlusts bei Unterlassung der Anstellung liegen, dann ist es wirtschaftlich.

        • Nicht dadurch dass man Frauen einstellt, sondern dadurch dass man Geschlecht höher bewertet als Eignung. Dadurch bekommt man weniger gut geeignete Mitarbeiter als es möglich gewesen wäre, weil man die evtl. höher Qualifizierten des „falschen“ Geschlechts übergeht. Das schadet der Firma.

          Eignung als einziges Einstellungskriterium kann durchaus dazu führen, dass in vielen Fällen eine Frau den Vorzug erhält. Warum nicht.

        • Die Umsatzeinbußen entstehen, wenn man keine Frauen einstellt. Weil in der gegenwärtigen Stimmungslage damit ein Imageschaden verbunden ist („Die haben eine Frauenquote von 0% !!1elf!!“ und nicht „Oh, bei denen ist das Geschlecht kein Einstellungskriterium.“)

          Deshalb suchen viele Firmen händeringend nach Frauen für ihre Leitungsposten und die Frauen, die die notwendigen Mindestvoraussetzungen für den Job mitbringen, können mehr herausschlagen als ein ungefähr gleichqualifizierter Mann. Einfach, weil es weniger von ihnen gibt (Angebot und Nachfrage).

          Das Vorgehen ist solange rational, wie der zu erwartende Schaden vom Zeitwert her den Zeitwert der Mehrkosten für einen weiblichen Vorstand übersteigt.

          • „Die haben eine Frauenquote von 0%“

            Wäre mal interessant: Konsumenten befragen ob sie kenntnis von den Frauenquoten in Unternehmen haben oder auch nur Kenntnis davon welcher Hersteller die genauen Produkte in ihrem Einkaufswagen herstellt.

            Ich glaube nicht, dass ein nennenswerter Anteil der Leute, auch nicht der Frauen, Ahnung von einer Frauenbeteiligung in den Unternehmen hat oder es für notwendig befunden hat, sich da zu informieren

    • @anorak2

      Zum einen gibt es ja qualifizierte Frauen, sie sind eben nur seltener und damit teurer. Zum anderen kann es natürlich interessant sein, sich jetzt die passenden Frauen zu besorgen als erst bei einer entsprechenden Quote, dann ist der Markt leer. Und natürlich kann es Quotenforderungen entgegenwirken.

      „Es ist nichts anderes als vorauseilender Gehorsam vor politischem Druck“

      Und da kann nie ein wirtschaftlicher Aspekt dahinterstehen?

      • @Christian: Politischem Druck zu weichen mag im Interesse des Unternehmens sein. Aber das Wort marktwirtschaftlich gehört da nicht hin. Marktwirtschaft bedeutet, dass das Unternehmen ohne politische Beeinflussung frei entscheidet. Mit dieser Freiheit kann es die günstigeren Entscheidungen treffen.

        Es gibt andere Einschränkungen der Marktwirtschaft: Sozialstaat, Arbeitnehmerrechte, Mitbestimmung (die ich befürworte), aber Markt soll man das nicht nennen. Es sind Regulierungen.

    • @anorak
      „Es ist nichts anderes als vorauseilender Gehorsam vor politischem Druck“

      Viel einfacher, es geht um Prestige! Um die kleine Schwester des Privilegs.

  4. Merken die denn gar nichts mehr?

    Wenn man genauer nachfragt, reduziert sich die Existenz des angeblichen Patriarchats nur noch auf den höheren Männeranteil in Vorständen. Selbst in der Politik laufen feministische Meinungen ins Leere, dass es männliche Machtgelüste seien, weshalb Männer dort stärker vertreten sind. Schließlich engagieren sich Frauen unbestritten erheblich seltener in der Politk.

    Dann kommt die Klage, dass Männer mehr verdienen würden als Frauen. Das ist auch nicht wirklich ungerecht, da Männer für mehr Arbeit mehr Geld bekommen. Wer teilzeit arbeitet, der bekommt meistens nicht eine Vollzeit-Bezahlung, selbst als Frau nicht.

    Jetzt sollen auf Teufelin komm raus Frauen in Vorstände gesetzt werden. Sie werden da sogar besser bezahlt als Männer.
    Bekanntermaßen haben wir ein feminisiertes Bildungssystem, aus dem viele junge Frauen mit sehr hoher formaler Qualifikation entspringen. Trotzdem besteht ein Mangel an willigen Frauen, die die Vorstandsetagen bevölkern. Warum?

    Sind sie wirklich zu faul und zu bequem? Sind ihnen Jobs unpässlich, in denen es keinen sicheren Feierabend nach vier Stunden gibt? Könnte man nicht drei Vierstündlerinnen auf so einen Vorstandsposten setzen und allen die volle Kohle geben? Dann bliebe genug Zeit für das Nagelstudio und die Wohnzimmer-Deko. Allerdings würde aber die Aktionärswitwen meckern.

    Nein, aus dieser Gemengelage wird flugs wieder ein Vorwurf an die Männerwelt konstruiert, Frauen seinen noch immer eine Minderheit in Vorstandsetagen.

    Man möchte den Frolleins zurufen: Nun geht doch endlich mal arbeiten, setzt euch in garstige Conferencings, quält euch durch Excel-Sheets, um dann einen Abbau der Belegschaft umzusetzen und die Rendite zu steigern.

    Zu schmutzig, zu anstrengend? Irgendeiner muss es ja wohl machen. Fragt mal die Müllwerker und die Kanalarbeiter. Die maulen auch nicht permanent rum und machen ihren Job.

  5. Noch interessanter als der Vergleich der weiblichen Vorstände mit den männlichen Vorständen wäre der Vergleich aufgeschlüsselt nach Vorstandressort. Ich vermute mal, dass die meisten Frauen in Vorständen in der Position des Personalvorstands sind. Würde man diese weiblichen Personalvorstände mit den männlichen Personalvorständen vergleichen, würde mich nicht wundern, wenn die Damen dort im Vergleich das Doppelte verdienen. Gibt es die Daten denn so aufgeschlüsselt auch?

  6. Pingback: Die Quote – apokolokynthose

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