Fussballer und „positive Männlichkeit“

Bei Lucas Schoppe hat Billy Coen einen interessanten Kommentar zu einem positiveren Ausblick auf Männlichkeit gemacht:

„Aber in keiner Passage des Textes wird Männlichkeit positiv konnotiert: Sie erscheint grundsätzlich als problematisch und veränderungsbedürftig.“

Ein dauerhaftes Problem in unserer Gesellschaft, welches sich durch Politik, Institutionen und Medien befeuert zunehmend verschlimmert. Ich finde diesbezüglich auch das Bild im Artikel sehr vielsagend, welches laut Unterschrift ein Auszug aus einer Präsentation zeigt. Dort sieht man als Beispiel für Sportler als männliche Vorbilder zwei Fußballer im Kopfballduell, was natürlich so im Standbild auch herrlich martialisch wirkt. Aber warum reduziert man männliche Vorbilder auf solch einen winzigen Teilaspekt? Warum zeigt man dieselben beiden Fußballer nicht Sekunden nach dem Abpfiff? Warum zeigt man nicht Bilder deutscher Spieler, die Sekunden nach dem Abpfiff, der ihnen den Einzug ins WM-Finale und ihren Gegnern, den brasilianischen WM-Gastgebern, die schlimmste Niederlage aller Zeiten eingebracht hatte, die sich, statt unmittelbar in Jubel auszubrechen, sofort zu ihren Gegenspielern begaben und versuchten, denen Trost zu spenden? Oder nur zwei Jahre zuvor, als nach der nicht ganz unerwarteten Niederlage der Holländer im zweiten Vorrundenspiel der EM 2012 gegen Deutschland deren Ausscheiden schon fast sicher schien und da nach Abpfiff der Deutsche Bastian Schweinsteiger in seinen Armen den Holländer Marc van Bommel hielt, welcher, offensichtlich ziemlich aufgelöst, sein Gesicht in Schweinsteigers Schulter vergrub? Und diese Bilder wohlgemerkt nach einem Duell zwischen zwei Fußballnationen, die historisch eine gewisse, wenn auch im Verlaufe der 90er und 2000er Jahre deutlich abgekühlte Rivalität miteinander haben. Sind das keine männlichen Sportler? Ist das kein Verhalten welches man Kindern – und weiß Gott nicht nur männlichen – sehr gut als Vorbild vorsetzen kann?

Das ist für mich ein Musterbeispiel dafür, wie einfach durch äußerst einseitiges fokussieren von Teilaspekten ein Bild erzeugt wird, welches mit der Realität nichts zu tun hat. Männlichkeit ist nicht nur Konkurrenz und Wettkampf. Männlichkeit ist auch die Fähigkeit zur Fairness und zum Mitgefühl mit Gegnern oder gar – im Krieg – mit Feinden. Männlichkeit ist nicht nur Kraft und Aggression. Männlichkeit ist auch das Bewusstsein der Verantwortung, die mit diesen biologisch geprägten Eigenschaften einhergehen.

Wer, wie es gerade von feministisch sozialisierten Politikerinnen und „Intellektuellen“ gerne getan wird, immer nur die Dinge herausgreift, die beständig die eigenen Vorurteile „bestätigen“ der bedient damit faktisch wirklich nichts anderes als ein Narrativ, auch wenn du, Lucas, den Begriff nicht besonders magst. Ich finde, diesbezüglich passt er einfach. Denn dieses radikale Ausblenden aller Dinge, die nicht in das hochgradig ressentimentbehaftete Bild von Männlichkeit passen, kann nicht nur rein zufällig geschehen. Das geschieht offenkundig zielgerichtet mit der Absicht, eine „Realität“ zu entwerfen, die mit der Lebenswirklichkeit so ziemlich aller Menschen eigentlich nicht in Einklang zu bringen ist.

Und diese feindselige Realitätserschaffung führt wiederum zu der entmenschlichenden Empathieverweigerung Männern und sogar – wie deine Beispiele aus dem Dossier zum Schulmisserfolg der Jungen zeigen – männlichen Kindern gegenüber. Wer sich sein Gegenüber stets durch radikal gefilterte Wahrnehmung als mindestens latent niederträchtiges Mängelwesen zurechtzimmert, dem fällt es dann auch wesentlich leichter, diese Wesen eben aufgrund ihrer Mängel und ihrer Niedertracht als immerzu selbst verantwortlich für jedes Unbill, welches ihnen widerfährt, zu betrachten ohne dabei auch nur das geringste schlechte Gewissen oder gar Selbstzweifel zu bekommen.

Ein positives Beispiel für Männlichkeit – von denen es viele gibt – entgegenzuhalten halte ich für einen richtigen Weg.