„Ich habe eine Woche lang nur im generischen Femininum gesprochen“

Auf jetzt hat eine der Schreiberinnen eine Woche lang nur das „generische Femininum“ benutzt und schildert die Reaktionen:

Aber wie wäre es, wenn ich den Spieß eine Woche mal umdrehen und nur im generischen Femininum sprechen würde? Fühlen die Männer sich da auch mitgemeint?

Ich werde also ab sofort von Chefinnen, Interviewpartnerinnen oder Freundinnen sprechen, auch wenn überall Männer gemeint sind. Am ersten Tag probiere ich das direkt bei meiner Mutter aus. Ich erzähle von meiner Chefin, dem Patrick. Schon etwas konstruiert, die ganze Situation, denke ich. Man muss dazu wissen, dass meine Mutter selbst Chefin ist. Ehe ich fertig bin, merke ich, wie sie mich vollkommen verdattert anschaut. „Bitte was, deine Chefin?“, fragt sie leicht belustigt. Man denke sich eine Betonung auf dem in. Ich erkläre meine Mission und sie fängt an zu lachen. Es ist ein anerkennendes Lachen, so scheint es mir. Für die Sekunde zumindest. Dann sagt sie: „Aber das ist ja Quatsch. Ich glaube, man löst das Problem nicht, indem man das gegeneinander aufwiegt. Man muss die männliche und die weibliche Form gleichzeitig verwenden, auch wenn es umständlich und langatmig ist. Diese Zeit können wir uns ja nehmen.“

Ich finde es grundsätzlich ein interessantes Experiment. Es einfach mal ausprobieren und schauen, wie das Umfeld reagiert. Bei ihrer Mutter wäre natürlich interessant, wie die sonst zu dem Thema steht.  Die Gefahr ist außerdem, dass man sich zu sehr in seinem eigenen Umfeld bewegt, dass vielleicht ähnlich denkt.

Neuer Tag, neues Glück beim Gendern: Ich treffe mich mit einem Kumpel in einer Kneipe. Er, KFZ-Mechaniker, erzählt mir von seiner Sammelleidenschaft für alte Volvos, die inzwischen ganze vier Garagen bevölkern. Und ich irgendwann wieder von meiner männlichen Chefin. Er nippt an seinem Bier und scheint total unbeeindruckt. Damit habe ich nicht gerechnet und frage meinen Kumpel, ob ihm das generische Femininum nicht aufgefallen sei? Er druckst etwas herum und meint schließlich „Ich habe mir da nicht so viel Gedanken darum gemacht. Ich dachte, du hast dich versprochen oder…“ Ich hake nach: „Oder?“ „Oder dass er vielleicht schwul ist?“, sagt er und schaut mich unsicher an.

Es kommt vermutlich so unerwartet, dass man sich nicht unbedingt traut zu fragen, wenn sie es souverän rüberbringt. Das man mit einer weiblichen Form für einen Mann rüberbringen will, dass er schwul ist, ist nicht so fernliegend, das „generische Femininum“ ist ja so merkwürdig, dass man wohl kaum einfach einen Versuch einen neuen Sprachgebrauch zu schaffen vermuten würde.

Ich muss unwillkürlich anfangen zu lachen, löse mein Experiment auf und schlage ihm vor, er solle in seiner Werkstatt seine Kollegen mal Kolleginnen nennen. Selbst Mechanikerin genannt zu werden, würde ihm nichts ausmachen. Sagt er. Ein paar Tage später schreibt er mir, seine Kollegen hätten ähnlich reagiert wie er. Frauen gäbe es ohnehin kaum in der Ausbildung und in seiner Werkstatt gar keine, außer am Empfang. Meine Fragestellung spielt in seinem Umfeld einfach keine Rolle. Ist sie deshalb weniger wichtig? Nein, es bedeutet nur, dass zu wenige Frauen diesen Job machen. Spätestens dann würden nämlich auch seine Kollegen mit dem Problem konfrontiert werden.

Ich würde ja schon vermuten, dass ihn ein paar Leute dort einen Spinner nennen würden, aber das mag auch eine Frage der konkreten Werkstatt sein.

Beim nächsten Mal versuche ich es mit einer anderen Geschichte. Auf der Suche nach Protagonisten für einen Artikel frage ich meine Kontakte durch. Einem Kumpel von mir, Kunststudent, schlage ich vor, er könnte auch seine Freundinnen fragen, ob die jemand passenden kennen. „Meine Freunde auch?“, entgegnet er. „Hätte ich von Freunden gesprochen, hättest du nicht gefragt, ob Freundinnen mitgemeint sind, oder?“, gebe ich zurück. „Raffiniert“, denke ich. „Raffiniert“, sagt er.

Nicht sehr raffiniert. Sondern dem normalen Sprachgebrauch entsprechend.

Dann wirft er mir vor, ihm voreilig Sexismus unterstellt zu haben und mich daher selbst sexistisch geäußert zu haben. Mist, ich sitze in der Falle! Und er hört noch nicht auf: „Feminismus sollte den Egalitarismus anstreben. Wenn er das nicht tut, verkommt das Ganze zu einem stupiden Spiel um eigene Interessen. Die Schuldfrage lässt sich nicht so einfach auf mich abwälzen. Ich sehe es dennoch als Verantwortung, vorsichtig damit umzugehen, nur den Mund mache ich sicher nicht zu.“ Das ist natürlich total richtig so: Allein die weibliche Form zu benutzen, ist genauso sexistisch wie nur das generische Maskulinum. Trotzdem wurde dadurch jahrelang das männliche Geschlecht deutlich bevorzugt. Egal, worum es ging: Die Männer waren präsent und sind es immer noch, allein durch die Sprache. Haben wir Frauen nicht auch ein Recht auf einen Ausgleich? Immerhin: Mein Künstlerfreund hat meine Artikelanfrage doch noch an eine Freundin weitergeleitet. Und zwar tatsächlich an eine Frau.

Der Rachegedanke kommt ja ganz gerne im Feminismus vor. Man hat einen Ausgleich für jahrhunderte lange Unterdrückung verdient, auch wenn man selbst 20 ist und keine wirkliche Unterdrückung erlebt hat.

Was sie im folgenden verkennt ist, dass sich Sprache nicht so leicht ändern lässt. Und das es auch keine alltagstauglichen Vorschläge gibt.

ut, wenn ich ganz ehrlich bin, ab und zu denke ich immer noch im generischen Maskulinum, spreche es aber nicht aus. Und dann plötzlich bei einer Diskussion über die FridaysforFuture-Bewegung rutscht es mir raus: Schüler. Und das obwohl gerade diese Klimastreiks von einer jungen Frau initiiert wurden. Ich spüre, wie sämtliche Gender-Götter (oder soll ich sie geschlechtsneutral Gottys nennen wie der Moderator Hermes Phettberg?) ihre Hände über meinem Kopf zusammenschlagen, als könnten sie dieses teuflische „Schüler“ so vertreiben. Ich erkläre mein Experiment für gescheitert: Ich habe es nicht mal selbst geschafft, es durchzuhalten.

Ich hätte es interessant gefunden, wenn sie etwas mehr dazu geschildert hätte, wie schwer ihr die Umstellung bei einem normalen Gespräch viel. Klar, so macht es wahrscheinlich den besseren Abschluss des Artikels, aber das scheint mir doch einer der interessantesten Probleme zu sein. Auch ein Test bei jemanden, der sie gar nicht kennt wäre interessant gewesen.

63 Gedanken zu “„Ich habe eine Woche lang nur im generischen Femininum gesprochen“

  1. Ich erzähle von meiner Chefin, dem Patrick.

    Hä? Was macht es für einen Sinn, bei einer einzelnen männlichen Person, das generische Femininum zu benutzen? Beim weiblichen Singular verwendet man doch auch „Chefin“ und beim männlichen eben „Chef“. Außerdem dreht sich diese Debatte ja immer um den Plural. Daher geht es ihr vielleicht gar nicht um das Sichtbar-machen von Frauen, sondern um das Unsichtbar-machen von Männern.

      • „Ingenieur“ ist ja auch genderneutral. „Ingenieurin“ nicht.

        Das eine heißt: „Ich mach was mit Technik“, das andere heißt: „Ich mach was mit Technik und bin weiblich“.
        Für „Ich mach was mit Technik und bin männlich“ gibt es keine Form.

          • Es gibt kein generisches Femininum.
            Endungen fügen im Deutschen Informationen zur Wortwurzel hinzu, und nehmen sie nicht weg.
            Würde „Bäcker“ bedeuten, „Mann macht Brote“, würde „Bäckerin“ bedeuten, „Mann, der weiblich ist, macht Brote“.
            Aber es ist eben nicht so, dass „Bäcker“ bedeutet „Mann macht Brote“, so dass man das „Mann“, das nicht da ist, auch nicht mit -in eliminieren könnte, egal wie sehr Feministinnen es sich wünschen, Männer zu eliminieren.
            Auf diese Weise funktioniert es nicht.
            Deswegen gibt es ja auch deutschlandweit nicht eine einzige Feministin, die den Quatsch im eigenen Sprachgebrauch durchhält. Deutsch funktioniert so nicht, und kein Sprachgefühl hält die Tortur durch.
            Man könnte statt des feministischen Sprachquatsches vielleicht die alte männliche Endung -erich wieder zum Leben erwecken, so dass es Bäcker, Bäckerich und Bäckerin gäbe, aber das wäre ja Gleichberechtigung und Feminstinnen, die das wollen, sind auch sehr dünn gesäht.

          • @anorak2

            „„Es gibt kein generisches Femininum.“
            Doch: Die Person, die Führungskraft, die Waise, die Geisel“

            In Ermangelung besserer Fachliteratur zitiere ich den ersten Satz des Artikels zum generischen Maskulinum aus der Wikipedia:

            „Generisches Maskulinum bezeichnet eine in der deutschen Sprache übliche Gebrauchsgewohnheit bzw. Methode, bei der grammatisch männliche (maskuline) Personen- oder Berufsbezeichnungen, die auch eine feminine Wortform haben, in einem verallgemeinernden, generischen Sinne verwendet werden für Personen, deren Geschlecht (sprachlich: Sexus) unbekannt oder nicht von Bedeutung ist.“

            Ein generisches Femininum müsste also auch eine maskuline Wortform haben.
            Das ist bei den von Dir angebrachten Beispielen nicht der Fall.

          • Genau so, wie der Bäcker durchaus männlich sein kann und eben nicht zwangsläufig generisches Maskulinum. Genauer gesagt müsste man hier unterscheiden, ob man den einen Bäcker (den Mann) oder aber die Gruppe Bäcker meint. Dann müsste es aber eigentlich richtigerweise „Die Bäcker backen…“ heißen.

          • @Renton: Wenn man „Berufsbezeichnung“ sehr weit faßt bzw. allgemeiner von Funktions- oder Rollenbezeichnungen ausgeht, dann dann ist auch Hexe ein generisches Femininum. Wenn man von Hexenverbrennungen redet, sind männliche Hexen („Hexer“, „Hexenmeister“) mitgemeint.

            „Hebamme generisch“

            Die WP-Seite widerspricht sich hier selber, denn zu Hebamme gibt es keine männliche Wortform. Generisch ist Hebamme allenfalls im Sinne einer Funktionsbezeichnung. Während „Amme“ nur eine Frau sein kann, wird diese Einschränkung durch die Vorsilbe „Heb-“ aufgehoben (was gegen die grundsätzliche Sprachlogik von Komposita geht).

            Analog gilt das auch für Jungfrau. Auch hier wird durch die Vorsilbe („jung“) die Bedeutung des Basisbegriffs („Frau“) ausgeweitet.

          • @mitm

            Stimmt, ist ein Widerspruch. War mir nicht aufgefallen :-/

            Mit ‚Hexe‘ haben wir aber endlich ein echtes generisches Femininum im Deutschen gefunden 🙂

          • @Renton:

            Mit ‚Hexe‘ haben wir aber endlich ein echtes generisches Femininum im Deutschen gefunden 🙂

            Ergänzend dazu noch weitere Wortpaare, bei denen die grammatikalisch weibliche Form generisch ist:

            Witwe – Witwer
            Katze – Kater
            Braut – Bräutigam

            Im weiteren Sinne ist auch Geschwister – Gebrüder ein solches Wortpaar. Geschwister ist von Schwester abgeleitet, ist aber generisch und bezeichnet Männer mit. Gebrüder können aber nur Männer sein.

            Ich denke, die meisten Männer haben überhaupt kein Problem mit einer generischen weiblichen Form. Das Problem ist, dass es unser Sprachsystem auf den Kopf stellt, wenn Bürgerinnen als generisch und Bürger als explizit männlich verwendet werden sollen. Wie schon von @mitm erwähnt, wird in unserem Sprachsystem durch Prä- oder Suffixe eine allgemeine zu einer spezialisierten Form.

          • Nein, wäre sie nicht. Die Information über das natürliche Geschlecht ist nämlich im Postfix „in“ enthalten. (Was Ikonizität in der Sprache bedeutet, können Sie bei Belles Lettres nachlesen – wurde schon oft genug hier verlinkt.)
            Soll heißen: „Die Studenten“ = geschlechtsneutral (weil kein Postfix „in“), „die Studentinnen“ = bezeichnet nur Frauen (weil Postfix „in“ vorhanden).
            Das heißt, auch wenn man in Zukunft hier das Femininum verwendet, wird noch lange kein „generisches Femininum“ daraus.

          • @Kibo:
            Leider falsch.

            Witwe/Witwer: Hier gibt es überhaupt keinen generischen Begriff, weil man als Sammelbezeichnung für verwitwete Menschen weder Witwer noch Witwen verwendet. Ersteres bezeichnet immer nur Männer, zweiteres immer nur Frauen.
            Gleiches gilt auch für die Braut und den Bräutigam.

            Katze: Stimmt so auch nicht, Katze ist der geschlechtsneutrale Begriff, eine männliche Katze heißt „Kater“, zur weiblichen Katze sagt man „Kätzin“!

          • Personen- oder Berufsbezeichnungen, die auch eine feminine Wortform haben..

            Eine reichlich naive Definition. Ist „die Maus“ deshalb ein „generisches Femininum“, weil das Wort „Mäuserich“ existiert? Und „die Ratte“ ist dann plötzlich kein „generisches Femininum“?

            „Generisches Maskulinum“ ist ein Nonsense-Begriff, den der feministische Diskurs mal wieder aus den USA importiert hat. „The generic masculine“ bezieht sich auf das Englische System des pronominalen Sexus. Das Deutsche Genus ist aber eine ganz andere Baustelle.

            Wenn man diesen Nonsensebegriff erst geschluckt hat, hat man schon die Geschlechterbrille auf. Tunnelblick inklusive.

          • @Robert aus Wien:

            Kätzin ist eher ungewöhnlich, aber im Zuge alles weibliche mit der Endung -in oder -innnen („Mitgliederinnen“) zu kennzeichnen tritt es nun häufiger auf. In meinem zugegebenermaßen etwas älteren Duden wird Kätzin nicht erwähnt, Bürgerin etc. aber schon. Ein Brautpaar besteht normalerweise aus Mann und Frau, seit der „Ehe für alle“ kann es sogar aus zwei Männern bestehen. Und Witwern steht auch Witwengeld zu.

          • @Kibo:
            „Kätzin“ hat nichts damit zu tun, daß man alles Mögliche mit dem Postfix „in“ versieht. Das ist eine Bezeichnung, die in Fachkreisen (wie der Veterinärmedizin) schon lange üblich ist, auch wenn viele Menschen das nicht wissen. Kennen Sie denn alle diese Bezeichnungen? Wissen Sie zum Beispiel, was man unter einer Zibbe versteht?

            Und das hat genau nichts zu tun mit den unsinnigen „Mitgliederinnen“ – das Mitglied ist übrigens ein Neutrum!

            Und die Vergleiche mit anderen Substantiven wie „Bürgerin“ etc. sind schon mal insoferne falsch, als es hier eben nur genau zwei Bezeichnungen gibt: Den Bürger und die Bürgerin. Bei der Katze gibt es aber eben drei!

            Und aus welchen Personen ein Brautpaar besteht (ebenfalls ein Neutrum übrigens) oder daß Witwern Geld zusteht, hat nichts damit zu tun, welche Personengruppen man mit den Bezeichnungen „Braut“ oder „Witwer“ bezeichnet, das ist daher völlig irrelevant! Witwen sind ausschließlich Frauen, Witwer ausschließlich Männer, gleiches gilt auch für Braut und Bräutigam! Kein Mensch würde z.B. eine Personengruppe, die aus Menschen beiderlei Geschlechts besteht, als „Bräute“ bezeichnen, weil Bräute eben nur Frauen sein können! (Usw.)

          • @Renton „Personen- oder Berufsbezeichnungen, die auch eine feminine Wortform haben, in einem verallgemeinernden“ Ist ne sehr enge Definition, der ich nicht zustimme. Wenn man ihr zustimmt, haben wir trotzdem die schon genannte Hexe -> Hexer, und verschiedene Tiernamen wie Katze -> Kater, Gans -> Gänserich, Ente -> Enterich

          • @Robert aus Wien:

            Wie gesagt mein etwas älterer Duden kennt Kätzin nicht aber z.B. Löwe und Löwin. Es überzeugt mich auch sonst nicht, denn es wäre das einzige mir nun bekannte Beispiel im Deutschen, dass für ein Lebewesen eine exklusiv männliche, eine exklusiv weibliche und dann noch eine generische Bezeichnung aus einem Wortstamm bildet. Da aber mittlerweile der Anteil der Frauen beim Veterinärmedizinstudium ca. 90% beträgt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass solche (falschen) Bezeichnungen verwendet werden.

            Der Vorteil der Verwendung der generischen (grammatikalisch männlich sowie weiblichen) Bezeichnungen kommt insbesondere bei zusammengesetzten Wörtern zum Tragen. So führt die Facharztausbildung auch zu ausgebildeten Fachärztinnen. Eine Fachärztinnenausbildung wäre dagegen eine rein weibliche Veranstaltung. Ein Bürgermeister ist nicht nur für die männlichen Einwohner zuständig, sondern auch für die Bürgerinnen.
            in gleicher Weise trifft das auf das Beispiel Brautpaar zu. Da Braut hier generisch verwendet wird besteht das Brautpaar eben nicht aus zwei Bräuten sondern aus Braut und Bräutigam. Ein Bräutigampaar wären demzufolge zwei heiratswillige Männer.

          • @anorak2

            Es ist eine sehr enge Definition, da sie sich nur auf den Menschen bezieht. Bezüglich Tieren führt der Wikiartikel das Beispiel Katze selbst an.

            Bisher haben wir beim Menschen nur die männliche Hexe. Wer weiß noch was?

          • Bisher haben wir beim Menschen nur die männliche Hexe. Wer weiß noch was?

            Das Weib / Der We[i]bel (->Feldwebel) 🙂

            Ich finde die Kriterien auf das gewünschte Ergebnis enggeführt. Genus ist Kongruenz! Es hilft nicht viel, nur den Nominativ zu betrachten. „Der Mäuserich“ ist allermeistens genau dann ein Mäuserich, wenn er vermenschlicht wird. Insofern hilft das Kriterium „Bezeichnungen für Menschen“ auch nicht weiter.

            a) „Micky ist pfiffig. Der Mäuserich hat seine Hausaufgaben gemacht!“
            b) „Micky ist eine pfiffige Maus. Er hat seine Hausaufgaben gemacht!“
            c) „Die Führungskraft hatte es nicht leicht. Er Sie trug viel Verantwortung. Seine Ihre Ehe scheiterte daran.“
            d) „Martin war eine Führungskraft. Er hatte es nicht leicht. Er trug viel Verantwortung. Seine Ehe scheiterte daran.“

            Man kommt also auch ohne Movierungssuffix zurecht (d). Es ist nur umständlicher. Die Frage, ob sich ein Movierungssufix etabliert, ist also eher eine Frage der „Nachfrage“.

            Nomen agentis kommen als „Personenbezeichnungen“ sehr häufig vor, haben aber leider (aus anderen Gründen als den Sexus!) das Genus „maskulinum“. Es gibt also einen große „Nachfrage“ nach einem weiblichen Movierunggsuffix – nämlich um bei Nomen agentis im Genus kongruent zu bleiben.

          • Allerdings hat sich das Mädchen gegen die Maid durchgesetzt.
            Die Maid ist halt eine erwachsene Frau.

            Bei Mädchen, Weib, Fräulein, Person und Backfisch hat man allerdings die Kongruenzregel offenbar noch nie vollkommen ernst genommen. „Die Person zog seine Waffe“, „Das Weib schützte ihr Kind“ oder „Der Backfisch brachte ihren Unmut zum Ausdruck“ stört das Sprachgefühl Vieler nicht. Auch das des Goethe und der Gebrüder Grimm nicht. (Finde gerade keine Beispiele)

            Ich frage mich manchmal, ob nicht erst Sprachbastler Sprachreformer die semantische Kongruenz als ungrammatisch verdammt haben.

          • Ich finde, du widersprichst dir ein bisschen selbst. Wenn es das Sprachgefühl der Mehrheit nicht stört, spricht das gerade nicht für die Panscherei von Reformern.

            Meines Erachtens sollte man die Bedeutung der Kongruenz nicht überschätzen. Sie wird ja relativ leicht abgeworfen (nicht nur in anderen Sprachen, auch in deutschen Dialekten). Die Vereindeutigung pronominaler Bezüge durch Genus ist manchmal ein nettes Feature, ist meiner Einschätzung nach nicht wirklich häufig. Abgesehen eben vom wiederaufgreifen einer Personenbezeichnung – aber die ist ja gerade doppelt motiviert: Genuskongruenz UND biologisches Geschlecht. Letzteres scheint mir die stärkere Motivation.

            Viel beständiger – über viele Sprachen hinweg – ist doch die Sexusbezogenheit der Personalpronomen (und Possesivartikel).

          • @Renton „Es ist eine sehr enge Definition, da sie sich nur auf den Menschen bezieht.“ Nein, eng ist sie wegen der Bedingung, dass abgeleitete Form des anderen Geschlechts vorhanden sein muss. Ich glaube da haben feministische wikipedia-Autoren willkürlich eine Zusatzbedingung eingeführt, damit ihr Weltbild nicht in Gefahr gerät, denn: Die maskuline Ableitung „-erich“ ist im Deutschen nicht mehr produktiv, deswegen gibt es nur wenige alte Beispielwörter, und diese sind zufällig aus dem Tierreich. (Es gibt noch den Wüterich, aber der ist keine Ableitung einer femininen Grundform). Aber es gibt keinen sachlichen Grund für eine solch enge Definition.

          • Wenn es das Sprachgefühl der Mehrheit nicht stört, spricht das gerade nicht für die Panscherei von Reformern.
            Mit Sprachpanscherei meinte ich: Das Insistieren auf grammatische Kongruenz („Das Mädchen läuft zu seiner Mutter“) als „korrektes Deutsch“. Ja, man sieht das nicht so eng.

            Abgesehen eben vom wiederaufgreifen einer Personenbezeichnung

            Das dürfte in der Tat der bedeutendste Anwendungsfall für Kongruenz sein. Ich halte das aber, im Gegensatz zu dir, für das entscheidendste Motiv für den Sexus. Aber die Frage ist eigentlich irrelevant.

            Entscheidender ist die Frage, warum das Deutsche seit 1000 Jahren ein vermeintlich überflüssiges Genus mit sich herumschleppt, und sich nicht wie das Englische zu einem Sexussystem entwickelt hat.

            Ich behaupte: Das Genus hat seine ursprüngliche semantische Funktion nicht wirklich verloren. Der Sexus hat sich als „Parallelsystem“ etabliert. Deshalb ist „der Bäcker“ nur dann männlich, wenn eine konkrete Person gemeint ist. Im „Genussystem“ ist er ein singulatives, handelndes Subjekt, das bäckt.

          • Da würde ich mitgehen. Je nach Abstraktionsgrad kann ein Hinweis auf das biologische Geschlecht regelrecht unerwünscht. In einer Spielanleitung will man es nicht. Aber wenn man ein konkretes Geschehnis berichtet, möchte man es wahrscheinlich auch dann wissen, wenn es für das Geschehen nicht wesentlich ist. Jemand, der den Bericht kommentiert, will ja wissen, ob er jetzt sagen darf: „so ein A…loch!“ Das wäre gesellschaftlich weniger akzeptabel, wenn es sich um eine Frau handelt. Irgendwie brauchen wir diese Information. In anderen Sprachen wird es letztlich auch irgendwie vermittelt, wenn auch weniger direkt.

          • Noch etwas: Ich würde vermuten, dass Kinder beim Spracherwerb das Genussystem erst später verinnerlichen und, im Vergleich zu Erwachsenen, stärker zum Sexussystem neigen.

          • @Kibo:
            „Es überzeugt mich auch sonst nicht, denn es wäre das einzige mir nun bekannte Beispiel im Deutschen, dass für ein Lebewesen eine exklusiv männliche, eine exklusiv weibliche und dann noch eine generische Bezeichnung aus einem Wortstamm bildet.“

            Oje, da haben Sie aber eine ordentliche Bildungslücke.

            Pferd/Hengst/Stute werden Sie doch kennen, oder?
            Rind/Stier/Kuh wohl auch, oder nicht?
            Hund/Hündin/Rüde sagt Ihnen nichts?

            Weitere derartige Begriffe können Sie hier nachschlagen: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bezeichnungen_f%C3%BCr_Haus-_und_Wildtiere
            Und der Wortstamm ist da irrelevant. (Man beachte in diesem Zusammenhang übrigens auch Kalb/Kalbin.)

            „Da aber mittlerweile der Anteil der Frauen beim Veterinärmedizinstudium ca. 90% beträgt, kann ich mir durchaus vorstellen, dass solche (falschen) Bezeichnungen verwendet werden.“

            Diese Bezeichnungen sind nicht falsch. Und mit dem Frauenanteil haben die auch absolut nichts zu tun. Wie kommen Sie auf den Unsinn?

            „Der Vorteil der Verwendung der generischen (grammatikalisch männlich sowie weiblichen) Bezeichnungen kommt insbesondere bei zusammengesetzten Wörtern zum Tragen.“

            Nein. Warum sollte das nur bei zusammengesetzten Wörtern so sein? Das kommt Ihnen vermutlich nur so vor, weil man auf die Beidnennung bei längeren Wörtern meistens verzichtet, weil’s zu mühsam ist.

            „in gleicher Weise trifft das auf das Beispiel Brautpaar zu. Da Braut hier generisch verwendet wird besteht das Brautpaar eben nicht aus zwei Bräuten sondern aus Braut und Bräutigam.“

            Ja, und das Brautpaar ist ein NEUTRUM! Und nein, „Braut“ ist hier nicht generisch. Der Begriff „generisch“ ist auch insoferne in diesem Zusammenhang eine Irreführung, weil er verschleiert, daß im Deutschen aus sprachgeschichtlichen Gründen das Maskulinum das Standardgenus ist, und das Genus keine Information über den Sexus enthält. Ich schlage vor, Sie lesen den Artikel auf Belles Lettres zu diesem Thema vielleicht nochmal (wenn Sie das überhaupt gemacht haben, langsam kommen mir hier Zweifel) und versuchen bitte auch zu verstehen, was dort steht. (Obwohl hierbei die eigene Überzeugung oft ein Hindernis sein kann.)

    • Sie versteht ihre eigene Muttersprache nicht, weil sie die Welt nur durch die Geschlechterbrille sehen will: Der Chef wird immer dann zur Chefin, wenn eine konkrete weibliche Person gemeint ist – damit man sie im Folgenden mit den Pronomen des „Genus femininum“ referenzieren kann.

      „Die Therapeutin meines Bruders hält seinen Beruf für sehr wichtig.“
      „Die Therapeutin meines Bruders hält ihren Beruf für sehr wichtig.“
      „Der Therapeut meines Bruders hält seinen Beruf für sehr wichtig“ -> Wessen Beruf, den des Bruders oder seinen eigenen?? Das muss sich dann entweder aus dem Kontext ergeben, oder man muss es anders – meistens umständlicher – formulieren.

      Es geht beim Deutschen Genus in erster Linie um das sogenannte reference-tracking. Unterschiedliche Genera bringen in sehr vielen Fällen einen großen sprachökononomischen Vorteil.

      Das -in ist nicht in erster Linie „Geschlechtsmarker“, es hat in den allermeisten Anwendungsfällen eine rein grammatische Funktion als „reference switcher“.

      Das Geschlecht der Chefin bringen wir meistens nur deshalb ins Spiel, weil wir in den Referenzen bzw. Pronomina kongruent bleiben wollen.

      • damit man sie im Folgenden mit den Pronomen des „Genus femininum“ referenzieren kann.

        Genau das ist aber erklärungsbedürftig. Denn man könnte ja einfach im maskulinen Genus bleiben. (Bzw. im Neutrum wie „das Mädchen lief zu seiner Mutter.)

        • Denn man könnte ja einfach im maskulinen Genus bleiben.
          Man stelle sich vor, man berichtet:
          a) von einem Gespräch zwischen einem Mann und einer Frau
          b) von einem Gespräch zwischen zwei Männern

          Bei a) ist es sehr einfach, sich auch bei einem längeren Bericht auf die Personen zu beziehen: „Er sagte [..] sie entgegnete [..] seine [..] ihre [..]“ Das kann man stundenlang so weiterführen, ohne dass jemand durcheinander kommt.
          Bei b) kann man vielleicht mit „der Eine sagte [..] der Andere entgegnete [..]“ anfangen, aber man wird sehr schnell durcheinander kommen. Man wird wahrscheinlich irgendein eigentlich irrelevantes Kriterium einführen, z.B. „der Große“ und „der Kleine“, nur um die Personen auseinanderzuhalten.

          Wenn sich also die Sprachgemeinschaft auf die Regel einigt, dass ein Mann immer ein „er“, und eine Frau immer eine „sie“ ist, dann hat man es zumindest bei allen Mann/Frau – Interaktionen leichter.

          Deshalb ist das Genus auch nur in der 3.Person Singular relevant.

          Natürlich wird so etwas nicht „beschlossen und verkündet“, die Sprache evolviert – u.a. in Richtung Sprachökonomie. Diese Evolution schert sich eigentlich nicht um Geschlecht, was effizienter ist, setzt sich eben durch.

          • Über sowas hatte ich auch schon nachgedacht, aber ich glaube eher nicht, dass das ein entscheidender Aspekt ist. Es ist auch bei Sachbegriffen manchmal vorteilhaft, wenn sie sich im Genus unterscheiden (z.B. „das Haus mit der Hecke, das am Abhang steht“), aber das ist ja immer vom Zufall abhängig, wie auch dein Beispiel mit den Personen.

            Ich glaube eher, dass die Sprache tatsächlich die enorme Bedeutung des biologischen Geschlechts für jeden von uns widerspigelt. Auch wenn die Entstehung des Femininums ursprünglich andere Gründe hatte.

          • Es ist auch bei Sachbegriffen manchmal vorteilhaft, wenn sie sich im Genus unterscheiden

            Deshalb bestehen wir darauf, dass jedes Nomen ein festes Genus hat. Das war nicht immer so, im Althochdeutschen gab es hunderte Wörter mit Mehrfachgenus. Da hatte das Genus noch eine semantische Funktion – die sich aber immer mehr auf die Endungen verlagert hat.

            „der Leb“ -> „der Leib“ / „das Leb“ -> „das Leben“

            „Der Teil“ / „Das Teil“ oder „der Schild“ / „das Schild“ gibt es immer noch.

            „der Band“ / „das Band“ / „die Band[e]“!

            aber das ist ja immer vom Zufall abhängig, wie auch dein Beispiel mit den Personen.

            Die „Kosten“ bestehen ja nur darin, eine Regel zu verinnerlichen. Unterm Strich bleibt ein großer Gewinn.

            Ich glaube eher, dass die Sprache tatsächlich die enorme Bedeutung des biologischen Geschlechts für jeden von uns widerspiegelt.
            Es macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, bei jedem Nomen zusätzlich das Geschlecht zu betonen. Wir wissen doch, dass „der Mann“ männlich ist. Dazu brauchen wir keine Grammatik.

            „Der Tisch“ hat ebensowenig ein Geschlecht wie ein Nomen agentis. Nomen agentis sind immer „maskulinum“, egal, ob das handelnde Subjekt ein Mann, eine Frau, ein Kind oder eine Stahlstange ist.

            Aber tatsächlich hat das Genus _auch_ eine Sexus-Funktion. „Der Sexus nutzt das Genus parasitär“ – um es mit Elisabeth Leiss zu sagen.

          • Es macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn, bei jedem Nomen zusätzlich das Geschlecht zu betonen. Wir wissen doch, dass „der Mann“ männlich ist.

            Du hattest oben das Beispiel Chef/Chefin, da sieht die Sache anders aus.

            Du meintest, die Unterscheidung diene vor allem der Kongruenz mit den nachfolgenden Pronomen. Dem würde nicht widersprechen.

            Im Englischen gibt es eine solche Kongruenz nicht (mehr). Trotzdem haben wir die Unterscheidung bei den Personalpronomen.

            Offenbar ist es für uns sehr wichtig, zu erfahren, welches biologische Geschlecht eine Einzelperson hat. So wie man es ja auch erfragt, wenn es bei Kleinkindern nicht erkennen kann.

          • Im Englischen gibt es eine solche Kongruenz nicht (mehr). Trotzdem haben wir die Unterscheidung bei den Personalpronomen.

            Dort hat man in der Nominalphrase kein Genus mehr, ja. Bei den Personalpronomen bleibt man aber (zwangsläufig) kongruent. Das obige Beispiel würde auch ohne Nominalgenus funktionieren:

            „De Therapeut von meinem Bruder hält seinen/ihren Beruf für wichtig“

            Wenn man ein Utrum „de“/“een“ einführen würde, könnte man nmE leicht auf das -in verzichten. Aber das wäre vermutlich viel zu wenig Drama und Bekenntnis um Weiblichkeit. Das -in ist ja auch ein Zugehörigkeitssuffix und es scheint sehr wichtig zu sein zu betonen, dass Ingenieurinnen ein Anhängsel der Ingenieure sind.

            Offenbar ist es für uns sehr wichtig, zu erfahren, welches biologische Geschlecht eine Einzelperson hat.

            Das kann man nicht widerlegen. Aber jeder wird, je nach Kontext, unterschiedlich Wert darauf legen. Ich glaube nicht, dass eine solcher Wert für sich eine Chance hätte, sich in der Grammatik zu manifestieren. Das würde zu Lasten der Ausdrucksfähigkeit gehen. Diesen Wert kann man doch auch, je nach Bedarf, mit anderen sprachlichen Mitteln zum Ausdruck bringen.

            Die feministische Linguistik versucht allerdings, diesen Wert in die Grammatik einzubauen. Was kein Wunder ist, wenn man die Geschichte als Geschichte des Geschlechterkampfes deutet. Lenin konnte nur davon träumen, den Klassenstandpunkt in die Grammatik einzubauen.

          • Diesen Wert [Kommunikation des Sexus, FS] kann man doch auch, je nach Bedarf, mit anderen sprachlichen Mitteln zum Ausdruck bringen.

            Nicht so ökonomisch.

          • Ist mir klar. Ich sage ja auch nicht, dass diese Motivation immer „gewinnt“.

            Im Englischen gab es immerhin Bestrebungen zu mehr weiblichen Formen.

    • „Was macht es für einen Sinn, bei einer einzelnen männlichen Person, das generische Femininum zu benutzen?“ Gar keinen.
      Generisches Irgendwas ergibt NUR bei generischen Gruppen und abstrakten Personen, z.B. „der Steuerzahler“ einen Sinn.
      Konkrete Gruppen und Individuen kriegen das Geschlecht, was sie haben oder was man vermutet.

      • Nicht unbedingt. „Frau X ist Lehrer“ ist durchaus korrektes Deutsch. Es wird heutzutage von manchen Leuten allerdings als falsch empfunden, was meiner Meinung nach bereits Einwirkungen der Gendersprache sind. Es war jedenfalls mal richtig, und wurde besonders in Ostdeutschland so verwendet.

        • Da sieht man mal wieder, wie der Begriff „generisches m./f.“ in die geistige Umnachtung führt. Pure Volksverdummung ist das, man sollte diese importierte feministische Begrifflichkeit nicht einmal mit der Kneifzange anfassen.

          Wenn Herr X eine faule Socke sein kann, kann Frau X auch Lehrer sein. Ebenso wie Herr X auch eine Flasche und Frau X auch ein Kotzbrocken sein kann. Und das arme Kind der Beiden der Verlierer bei dem Spiel. Und das Fahrrad des Kindes eine Katastrophe. Jeez!

  2. Na immerhin wissen wir jetzt, dass der Mund zumindest nach einer Woche streikt, wenns zu arg gegen den Verstand geht. Das tröstet mich.

    Aber mal im Ernst: An sich ist das doch ein NLP-Denkansatz, und der ist ziemlich von Anfang an eher in der Esoterik angesiedelt gewesen.
    Realität –> Bewusstsein –> Sprache
    Nicht umgekehrt. Keine Bürokratie, kein Diktator und keine Religion hat es je geschafft, das zu knacken.

    • Neeeee das kann nicht sein. Sogar Wittgenstein hat gesagt dass die Grenzen seiner Sprache die Grenzen seiner Welt sind. (Sapir-Whorf-Hypothese) Unabhängig davon dass das nachvollziehbar Unsinn ist wirst du diese ungebildete Horde nicht vom Gegenteil überzeugen können. Das ist das eigentliche Drama. Diese Trulla hat sogar studiert und ist ganz offensichtlich noch nie mit Gedanken in Kontakt gekommen die ihrer Überzeugung entgegen stehen. Dabei sollte das eigentlich Teil des Studiums sein.

      • 1.) Dame: Hol sie mir Kaffee.
        2.) Dienstmädchen bringt Kaffee.
        3.) Sohn des Hauses sieht das.
        Schlussfolgerung des Sohns: Am Anfang war das Wort. Materie ist sekundär.
        Und in den Grenzen seiner Welt hatte er recht.
        Was schlussfolgern wir daraus?
        😉

        • Dass die Erde keinesfalls älter als 150.000 Jahre ist, denn erst mit der Sprachentwicklung des Menschen konnte sie überhaupt entstanden sein. Ganz einfach.
          Was ein klarer Fortschritt gegenüber der biblischen Schöpfungsgeschichte ist.
          Es fehlen ein paar Milliarden Jahre, aber Schwamm drüber!
          Wir sollten besonders Frauen gegenüber nicht so pingelig sein.

          Erst mit dem entstandenen Wort „Haus“ war es möglich ein Haus zu bauen; vorher mussten Menschen daher in Höhlen wohnen. „Die Höhle“ ist nicht umsonst weiblich (Vagina-Symbol) und darin hausten unfreiwillig Männer an Stuhl und Tisch gefesselt.
          Wie richtig diese, meine linguistische These ist, zeigt sich schon daran, dass es „der Stuhl“ und „der Tisch“ heißt, die Artikel also auf Männer verweisen.
          Zur Objektifizierung von Männern in einem anderen Artikel.

          Erst nachdem Männer die Ketten ihrer Unterdrückung gesprengt hatten, die Höhle verließen, konnten sie daran gehen, überall Phallus-Symbole zu hinterlassen: Der Turm, der Baum, der Halm, der Wolkenkratzer, der Stift. All das ist erst männlich sozial konstruiert worden.
          In einem Racheakt ergingen sich Frauen in der Feminisierung des Plurals, doch da war es schon zu spät.

          Obwohl angeblich feminin (Zyklus), wurde Luna „der Mond“ getauft und als ultimativem Hohn von einem Mann mit einer Rakete (trotz „die“ Rakete) erreicht.
          Und Neil Armstrong hatte noch nicht einmal ein role model und wollte partout nicht nach dem Weg fragen – ein traumatisches Erlebnis (insbesondere für Frauen).
          In Rage entstand so die feministische Sprachforschung, die nolens volens Schreibstift und „der“ Computer (phallische Mittel also) verwenden mussten und daher niemals vollendet werden kann.

    • Es gibt schon eine Wechselwirkung zwischen Sprache und Bewusstsein, die ist aber nicht so primitiv, wie manche das glauben machen wollen.

      Eine sehr komplexe Sprache ist z.B. besser in der Lage Sachverhalte genauer verbal/schriftlich zu transportieren, als eine sehr primitive. Außerdem kann man darin oft abstraktere Gedanken ausdrücken, auch das geht in sehr einfachen Sprachen schlecht oder gar nicht. So etwas kann weitreichende Auswirkungen auf eine Gesellschaft haben, welche sich oberhalb vom Stammesniveau befindet und auf derartigen Informationsaustausch ihre Wirtschaft und Politik aufbaut.

      Allerdings würde ich behaupten, dass die Kausalkette deshalb nicht gebrochen ist, auch eine primitive Sprache würde sich vermutlich weiterentwickeln, wenn sich das Bewusstsein entsprechend ändert und die Änderungen nicht zu plötzlich sind, sondern sukzessive über längere Zeiträume stattfinden.

      Was ich mich öfter frage, ist, ob wir gerade so eine Bewusstseinsänderung durchmachen und ob die (mittlerweile zunehmend) männlich/weiblich konnotierten Begriffe nicht ein Ausdruck davon sind. Genau genommen ist das Fehlen einer explizit männlichen Form ja eine Ungenauigkeit, während das generische Maskulinum zum Großteil wohl deshalb ausreichte, weil z.B. die entsprechenden Berufe tatsächlich fast ausschließlich von Männern ausgeübt wurden, die Frage also nie aufkam.

      Von mir aus spräche nichts dagegen (wie weiter oben vorgeschlagen) den „erich“ wieder zu benutzen, als männliche Form, allerdings müsste man den Hauptbegriff dann versachlichen „das Lehr, der Lehrerich, die Lehrerin“. Spräche da was dagegen?

      Eine solche Regel fände ich allemal besser als die ewige Streiterei und die verschiedenen unerträglichen Sprachpanschereien von abenteuerlichen und sachlich falschen Passivkonstruktionen wie „Lehrende“ über gesprochenen BinnenIs und Doppelnennung bis hin zu generischem Femininum-Versuchen. Das ganze nervt nur noch!

      • Oder „der Lehrerich“ und „die Lehreuse“
        Oder „der Lehrer“ und „die Lehrsie“ 🙂
        und im Plural „die Lehrsen“

        Gefällt mir, ist irgendwie so schön albern, dass ich mich damit anfreunden könnte.

        Der Feminister und die Feministsie sind zusammen die Feministsen. Einfach schön *g*

        Na gut, weder würde das die bekloppten Weiber zum Schweigen bringen, noch ließe es sich durchsetzen, es wäre nur eine weitere verwirrende Variante.

        • Wäre das praxistauglich?

          „Liebe Studentsen,
          .
          wir weisen darauf hin, dass der Professerich xyz mit den üblen Rassistsen der AfD gesprochen hat. Unsere kampferprobten Antifaschistsen werden daher die nächste Vorlesung an- und dem Professerich mit dringend notwendigem Protest einheizen. Antifaschismus bleibt Handarbeit. Antifa heißt Angriff! Deutschland verecke! Wir bitten um eure Unterstützung.“

          Ja, denkbar, nicht schlimmer als das, was sie bisher produzieren. Allerdings fehlen noch die ganzen x und Unterstriche, die die unterbelichtete akademische Fraktion in so einem Flugblatt unterbringen müsste, um nicht von ihresgleichem gelyncht zu werden.

  3. Immerhin gendert die Dame nicht.
    die Meinung der Kritiker
    Suche nach Protagonisten

    Fragt sich nur, was sie damit meint:
    Gut, wenn ich ganz ehrlich bin, ab und zu denke ich immer noch im generischen Maskulinum, spreche es aber nicht aus.

  4. Sie hat es nichtmal geschafft in dem Artikel das generische Femininum zu verwenden.

    Sollte sie mal einen Artikel zu rape culture, meetoo oder häuslicher Gewalt schreiben und dort von Täterinnen, Vergewaltigerinnen und Schlägerinnen reden, dann bin ich vielleicht ein wenig beeindruckt…

  5. Mutter: „Aber das ist ja Quatsch. Ich glaube, man löst das Problem nicht, indem man das gegeneinander aufwiegt. Man muss die männliche und die weibliche Form gleichzeitig verwenden, auch wenn es umständlich und langatmig ist. Diese Zeit können wir uns ja nehmen.“
    Glatt gelogen.
    Vermutlich ist der gesamte Mist frei erfunden. Wäre ja nicht das erste Mal.

  6. Falls das Experiment irgendeine soziale Aussage haben, erschließt sie sich aus dem verqueren Aufbau nicht. Ja, die „Freundinnen“-Sache zeigt, wie das generische Maskulinum funktioniert. Aber eben auch, dass man in der Tat versteht, dass die Frauen mitgemeint sind, es also auch entsprechend nicht schädlich ist.

    Aber das „Chefin Patrick“-Beispiel ist kompletter sinnfreier Quatsch, da ja auch im Normalfall niemand von „Meinem Chef Patricia“ sprechen würde. Wenn es um eine konkrete Person geht, deren Geschlecht bekannt ist, nutzt man ja das korrekte. Damit sagt das jetzt eigentlich nuschtnix aus.
    Das mütterliche Fazit, man müsse „die männliche und die weibliche Form gleichzeitig verwenden“, da man ja immer genug Zeit habe und sprachliche Ökonomie (etwa wegen der Textverständlichkeit) völlig unwichtig sei, geht dann auch wieder komplett am Thema vorbei. – Denn was meint sie im vorliegenden Fall? „Mein (Pause) e Chef (Pause) in Patrick“?

    Aber gut, spätestens mit dem „Ausgleich“-Spruch schießt sie sich intellektuell ins Abseits, denn wer Sippenhaftung oder Erbsünde als einen Faktor sozialen Miteinanders haben will, ist meines Erachtens eh jenseits von Vernunftargumenten.

  7. Journalistin schreibt: „Mehr Frauen sollen als Kfz Mechaniker (Mechaneusen?) arbeiten, damit die Männer mal nachdenken.“

    Und wieder lieber jemanden anstiften, die selbst empfundenen Probleme zu bearbeiten und bitte schön zu lösen.

  8. Ist doch ganz einfach: immer nur an Frauen denken und dementsprechende Geschlechterendungen benutzten: voila generisches Femininum.
    Muss man nur anwenden.
    Und dann selbst glauben, dass die anderen mitgemeint sind ist unmöglich 😉

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